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Vom tief empfundenen Willen, uns mitmachen zu lassen

Das Gefecht um die Markranstädter Wählerstimmen hat begonnen! Selbst für neutrale Kriegsberichterstatter ist es jetzt höchste Zeit, die Köpfe einzuziehen. Gar zu schnell kann man im Kugelhagel auch mal von hinten ein paar Löcher in der Schädeldecke davontragen. Friendly fire nennt sich das im Fachjargon. Und das, obwohl es in den Auseinandersetzungen erst mal nicht um die Wähler zu gehen scheint, sondern in erster Linie gegen den Feind. Unser Reporter Mark Ranster hat herausgefunden, warum das Überleben in diesem Kampf reine Glückssache ist.

Wahlkampf ist ein Strategiespiel. Da muss man nicht nur einen, sondern gleich drei oder am besten gar fünf Schritte vorausdenken. Und stets auch einen Plan B in der Tasche haben, für den Fall, dass man mal den einen oder anderen Wurf mehr benötigt, um auf Los vorzurücken und die Rundenprämie zu kassieren. Denn Glück gehört auch dazu.

Dieses Glück scheint zur Zeit der CDU ins Antlitz geschmiedet. Aber es war auch eine strategisch nicht unbedeutende Entscheidung, den Reigen der ebenso plötzlich wie vielfältig über uns hereinbrechenden Mitgestaltungs- und Einbringungsveranstaltungen als erster zu eröffnen.

Während die Verbände des Gegners noch dabei waren, ihre Artillerie in Stellung zu bringen und die Rohre zu putzen, haben die Christdemokraten am Dienstag im Mehrgenerationenhaus in aller Ruhe die Musterung neuer Rekruten vollzogen und sie sogar standesgemäß eingekleidet.

Alles Glück aufgebraucht?

Damit war Fortunas Füllhorn wohl erst mal komplett über Markranstädt ausgeschüttet. Ein Blick auf die Folgeveranstaltungen der politischen Konkurrenz verheißt nichts Gutes, zumindest die Grundstimmung betreffend.

Besonders kalt erwischt hat es wohl die Freien Wähler. Nicht nur, dass kurz vor deren gestriger Wahlkampferöffnung in der Stadthalle eine Bombe in Form einer Umfrage unter dem Kartentisch explodierte.

In ihrer gestrigen Ausgabe brachte die LVZ mit dem Thema der Umfrage Farbe ins Spiel. Seitdem rätselt man in der Stadt, wer wohl den Zeitzünder ausgelöst hat? 

Auch die Richtung, aus der sie geflogen kam, lässt reichlich Raum für Interpretationen. Wohin soll man die Abwehrraketen ausrichten? Aber nach der gestrigen Veranstaltung stellt sich eher die Frage: Muss man solche Angriffe überhaupt abwehren?

 

Die Auswerung in der Stadthalle offenbarte viel Lärm um nichts. Jedenfalls um nichts, was man nicht vorher schon aus anderen Quellen erfahren konnte.

Ungebilligt wirds teuer fürs Image.

Wer auch immer die Auswertung hätte billigen müssen: Es stellt sich die Frage, welchen Sinn eine Umfrage ergeben soll, wenn deren Auswertung untersagt wird und ihre Ergebnisse unzugänglich bleiben?

Da die Detonation zumindest pressemäßig den gesamten Luftraum über Markranstädt erzittern ließ, könnte man meinen, dass dies der Startschuss für die Artillerie gewesen sei. Aber weit gefehlt. Abseits der breiten öffentlichen Wahrnehmung gab es schon einen Tag zuvor an einem anderen Frontabschnitt bemerkenswerte Ereignisse. Allerdings handelte es sich wohl eher um einen Rohrkrepierer mit anschließender Entwaffnung der Einheiten.

Zwischen Volks- und Parteihochschule

Ob es tatsächlich ein Versehen war, wie Stunden später an die Stäbe der feindlichen Generalität lanciert wurde, sei dahingestellt. Fakt ist, dass das Kommunalpolitische Forum Sachsen (KFS) unter dem Dach der Volkshochschule einen Kurs im Mehrgenerationenhaus angeboten hat. Der sollte am 31. Januar stattfinden und unter dem Thema „Misch Dich ein – Das kommunale Mandat“ stehen.

Schöne Sache, zumal die Einladung des KFS politisch neutral abgefasst war und sogar explizit darauf hingewiesen wurde, dass die Veranstaltung aus „Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts“ finanziert wird.

Dass der Vorgang über die Volkshochschule als Kurs angeboten wurde und demzufolge auch eine Kursnummer bekam, war ebenfalls noch recht unverfänglich. Erste Magenschmerzen könnten dem Klassenfeind allerdings bei der Vergabe der Dozentenstelle gekommen sein. Die war mit einer Kommunalpolitikerin der LINKEN schon nicht mehr ganz so neutral besetzt.

Als dem Kurs dann der Mantel „Treffen Stadtverband Die Linke Markranstädt“ übergehängt wurde, ließ das offenbar selbst die VHS am Charakter einer politisch wertfreien Veranstaltung zweifeln.

Hier das Kursangebot der VHS am Dienstag …

… und hier die aktualisierte Version vom Mittwoch.

Schüler hört die Signale… Die Volkshochschule hat den Kurs am Mittwoch eiskalt gelöscht. Gerade noch rechtzeitig, bevor das Angebot Wellen schlagen und die VHS in den Ritterstand einer staatlich finanzierten Parteihochschule gehoben werden konnte.

Es ist was los in Markranstädt, so viel steht fest. Was sich allerdings wie die Expertise eines Frontberichterstatters liest, könnte man auch ganz anders betrachten. Es sind gar keine Wahlkampfgeplänkel und auch gar keine Veranstaltungen, die dem Zwecke der Werbung um Wählerstimmen dienen. Es sind einfach nur individuelle Ausdrucksformen des tief empfundenen Willens, das Bürgertum in die politische Gestaltung unserer Gesellschaft einzubinden.

Dass die jetzt so plötzlich und alle auf einmal über uns hereinbrechen, ist dem kalten Wetter geschuldet. Der Miesepeter fragt sich möglicherweise: Warum nicht schon früher? Der Satiriker, randvoll abgefüllt mit Optimismus, fragt sich hingegen zuversichtlich: Wann, wenn nicht jetzt? Das Fernsehprogramm ist so flach geworden, da sollte man sich über GEZ-freie Unterhaltung für lau doch auch mal freuen können.

 






One Comment to Vom tief empfundenen Willen, uns mitmachen zu lassen

  1. Heidi sagt:

    Was ist das MGH? Zwitter zwischen Volks- u. Parteihochschule + GEZ-freie Volksbelustigungs-Institution? Ist vielleicht sogar noch eine 4. Dimension vorstellbar?
    Wäre es gut, im MGH neben parteineutraler VHS, GEZ- und VHS- gebührenfreier Bürgertreff-Möglichkeit zur Kommunikation, noch die weitere Schiene „Treffpunkt für sinnvolles gemeinsamem Tun mit sozialem Nutzen“ hinzu zufügen?
    Sind derzeit im VHS-MGH-Zwitter alle verfügbaren parteineutralen Personalressourcen dennoch durch den Wahlkampf der Parteien gebunden?
    Oder wie soll man es verstehen, dass das Angebot für den Versuch solch ein neues (Ehrenamts!-)“Bienenvolk“ für den „sozialen Bienenstock“ unserer Stadt zu etablieren, derzeit nicht entschieden und beantwortet wird???

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