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M – eine Stadt sucht einen Verdächtigen

M – eine Stadt sucht einen Mörder. Der Tonfilmklassiker aus dem Jahre 1931 hat Generationen von Filmemachern und Geschichtenschreibern inspiriert. Platz 6 unter den besten Filmen aller Zeiten! Und er ist auch heute noch aktuell. M – wie Markranstädt.

Hauptdarsteller Peter Lorre hatte ein M auf dem Mantel, was ihn als Verdächtigen identifizierte. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn es nicht geheißen hätte, dass der Täter ein M auf dem Mantel trägt, sondern nur, dass es ein schwarzhaariger Mann sei.

Das zeigt, wie wichtig es ist, Verdächtige (wenn überhaupt) beim Namen zu nennen. Gerade dann, wenn man deren Namen weiß. Ansonsten würden alle schwarzhaarigen Männer erst einmal unter Generalverdacht fallen.

In der Rechtswissenschaft wird zum Thema Generalverdacht ausgeführt: „Der Generalverdacht ist ein ganz allgemein formulierter Verdacht ohne konkrete individuelle (subjektive) Anhaltspunkte. Der Generalverdacht ist meist ein kurz formulierter Verdacht, der aufgrund der Kürze aber auch eine rechtsstaatlich äußerst flexible Auslegung zulässt und die Gefahr der Rechtsunsicherheit und/oder der Willkür in sich birgt.“

Man kennt sowas aus vielen Lebensbereichen. Da sitzen abends fünf Kumpel am Stammtisch und zwitschern einen, anschließend geht einer nach dem anderen nach Hause. Einer von ihnen hat aber vor die Kneipentür gegöpelt. Wer? Natürlich – erstmal alle. Vier von den Freunden haben nun die Aufgabe, ihre Unschuld zu beweisen, obwohl es eine Beweislastumkehr in diesem Falle nicht gibt. Vier Unschuldige werden in den folgenden Tagen in der ganzen Stadt schief angeguckt, geschnitten, ja sogar beschimpft.

Verurteilung per Buschfunk

Sowas ist schlimm, gerade wenn es den privaten Bereich berührt. Das kann aber auch Unternehmen passieren. Selten zwar, aber es passiert. Immer dann übrigens, wenn man aus scheinbar unerklärlichen Gründen das Ziel des Verdachts nicht beim Namen nennt, sondern vorsichtshalber schwammig umschreibt. So geschehen letzte Woche in M. … ähm, also in Markranstädt.

Da hat die Kripo ein Unternehmen besucht, das sich dem Handel mit Schrott verschrieben hat. Das ist heute ein notwendiges Übel geworden. Also nicht der Besuch der Kripo, sondern der Handel mit Schrott. Vor 25 Jahren, als die Männer hierzulande noch eine rechte und eine linke statt zwei linke Hände hatten, gab es keinen Schrott. Da wurden aus alten Dachrinnen notfalls ein paar Turnschuhe geschmiedet und Kupfer gab’s sowieso nicht. Lediglich für die beim Zimmern des Dachstuhls übrig gebliebenen Nägel löste der knausrige Rentner an der SERO-Annahmestelle ein paar Alu-Pfennige aus der Kasse. Sogar der alte Badeofen konnte noch zum Fisch räuchern benutzt werden.

Heute ist das anders. Da fliegt alles, dessen funktionelles Versagen nicht auf ein leeres Batteriefach zurückgeführt werden kann, unweigerlich in den Müll. Und weil so eine Müllverbrennungsanlage keine Gießerei ist, wird der Bürger per „Aufkaufspreis“ motiviert, Metalle herauszulesen und extra abzugeben.

Das fällt allerdings buchstäblich nur dann ins Gewicht, wenn es sich um ein ordentliches Gewicht oder seltene Erden handelt, die es aber nur in Handys und Computern oder ähnlichen Geräten gibt. Mit Altmetallen, die nur sporadisch mal anfallen, ist ein finanziell gesichertes Auskommen sogar nach rumänischen Ansprüchen nur schwer zu erreichen.

Metalldetektoren „made in bukarest“

Deshalb versuchen manche Menschen, metallischen Gegenständen auch dann das Prädikat „Schrott“ zu verleihen, wenn diese noch in der Blüte ihrer Funktion stehen.

Und nicht von ungefähr kann man nach der Lektüre einschlägiger Polizeiberichte zu der Vermutung gelangen, dass es in Europa Kulturkreise gibt, deren Angehörigen ein nachhaltig gestörtes Verhältnis zum Eigentum Anderer quasi genetisch in die Wiege gelegt ist. Ganze Konvois aus Osteuropa sind tagtäglich in Deutschland unterwegs, um Dachrinnen abzuschrauben, Brücken zu demontieren, Elektromotoren auszubauen und sogar Gräber zu schänden.

Da das Zeug dann anschließend auch irgendwo wieder verhökert werden muss, kommen wir nun wieder nach Markranstädt zurück. Ein Schrotthändler aus hiesigen Gefilden soll sich also laut Staatsanwaltschaft mit dem Aufkauf solchen Diebesguts eine goldene Nase verdient haben.

Und weil wir mit unserer Story wieder in Markranstädt sind, kommen wir auch gleich retour zu unserer Geschichte mit Peter Lorre, der das M auf dem Mantel trug. M wie Metall oder M wie Markranstädt oder … ja, M wie Morgenpost. Die Morgenpost, unehelich-chemnitzer Schein-Zwilling der BILD-Zeitung, bei deren einstigem Leipziger Ableger sogar ein heutiger MN-Schreiber seine Feder in Weihrauch tunken durfte,  nannte den Verdächtigen beim Namen und schrieb ihm ihr M auf dessen Mantel. Zumindest in Chemnitz und Dresden wusste man nun, was dort ohnehin niemanden interessiert: Wer der Verdächtige in Markranstädt ist.

Leider hilft das den anderen schwarzhaarigen Männern, oder in diesem Fall den anderen im Schrotthandel tätigen Unternehmen, gar nichts.

Sie stehen unter Generalverdacht, weil die Medien hier vor Ort entweder gar nicht berichteten, oder nur von einer „Firma aus Markranstädt“.

Generalverdacht und Sippenhaft

Die Folge: außergerichtliche Beweislastumkehr. Die Unschuldigen hätten seit vergangenem Samstag gut und gerne eine Hotline schalten können, auf der per Endlosschleife solche Fragen beantwortet werden, wie „Nehmen Sie wenigstens noch Altpapier an?“

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Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Gröpfchen. „Rugidigu“, doch wessen Blut ist im Schuh?

Nun – da die Markranstädter Nachtschichten kein offizielles Presseorgan sind und nur schreiben müssen, was sie wollen, müssen sie den Namen des Verdächtigen auch und erst recht nicht nennen.

Aber da Satire die Aufgabe hat, dem Recht Gehör zu verschaffen, dürfen sie zumindest sagen, wer nicht zu den Verdächtigen zählt. Als da wären: alle Unternehmen, die nicht in Frankenheim residieren und nicht Schrott aufkaufen. Insbesondere zählt nicht zu den Verdächtigen ein Unternehmen, das unter der Firmierung METCERA eingetragen ist und in der Edisonstraße sitzt.

Das klingt zwar alles recht umständlich formuliert, aber als offizielles Presseorgan hat die Morgenpost natürlich auch einen ganz anderen juristischen Hintergrund. Die konnten einfach schreiben, dass sich Fahnder der Ermittlungsgruppe „Kupfer“ auf dem Gelände der Firma Rohstoff Bachinger in Frankenheim umgesehen haben. Das hätten andere Presseorgane, ebenso wie zur Aufklärung vermeintlich befähigte öffentliche Pressestellen, natürlich auch gekonnt, aber – genau wie die MoPo – nicht gemusst. So viel (Presse)Freiheit muss wohl sein.

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