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Kommt der kleine Ampelmann, brennt dir fix ein Teelicht an

Die legendäre Schranke an der Priesteblicher Straße in Lindennaundorf ist nicht mehr. Seit einigen Wochen schon erinnern nur noch zwei verwaiste Stelen, sozusagen das Lager und Widerlager, an den einstigen Wallfahrtsort. Aber Lindennaundorf ohne Schranke, das ist wie Leipzig ohne Völkerschlachtdenkmal, Kanzlerin ohne Raute oder Markranstädt ohne Nachtschichten. Bevor der Absturz in die internationale Bedeutungslosigkeit droht, kommt jetzt jedoch Hilfe aus Frankenheim.

Die Lindennaundorfer Schranke hat Sommerlöcher gefüllt, Heerscharen von Journalisten aus so mancher Themennot geholfen, für Unterhaltung in der Gerüchteküche gesorgt und erst kurz vor ihrem letzten Rückbau wollte ein findiger Busunternehmer sogar ganze japanische Reisegruppen direkt vom Flughafen an die Demarkationslinie zwischen Lindennaundorf und Markranstädt bringen.

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Das Treiben rund um die Priesteblicher Straße war sicher auch einer gewissen Kreativität geschuldet. Allein die Idee, an dieser Stelle eine Schranke zu pflanzen, war von beeindruckender Kühnheit geprägt.

Die Fähigkeit, solch außergewöhnliche Installationen im öffentlichen Raum zu rechtfertigen, kennt man eigentlich nur von gestandenen Architekten. Denen gelingt es mitunter sogar, Ausgeburten an Geschmacklosigkeit, wie beispielsweise die Siedlung am Zwenkauer Hafen, als Kunststil zu interpretieren und damit von Zeit zu Zeit neue Epochen der Baukultur auszurufen.

Markranstädter Mobilitismus

Im städtischen Bauamt hat man gegenwärtig andere Probleme und ein Blick auf die Maslowsche Bedürfnispyramide zeigt, dass da wohl in nächster Zeit kleinere Brötchen in Sachen Kreativität gebacken werden. Die stellt nämlich die Spitze der Pyramide dar und kann nur dann wirksam werden, wenn der Unterbau stimmt. Erst wenn physiologische, soziale, individuelle und Sicherheitsbedürfnisse ausreichend befriedigt sind, kann die Kreativität als höchste Form der Selbstverwirklichung umgesetzt werden.

Kein Wunder also, dass der Wiederaufbau der wiederaufgebauten, wiederaufgebauten und wiederaufgebauten Schranke in Lindennaundorf der gegenwärtigen Lücke im Fundament der Pyramide zum Opfer gefallen ist.

Das wäre eigentlich das vorläufige Ende der Geschichte um das einstige Wahrzeichen des Ortes. Aber schon die Vergangenheit hat gezeigt, dass im nordöstlichsten Zipfel Markranstädts findige Geister zu Hause sind, die jeder noch so komplizierten Situation etwas Positives abgewinnen können.

beides

Die Schranke war schwer zu toppen, aber der legendäre Frankenheimer Erfindergeist hat seinen Ruf wieder mal bestätigt.

Weil abzusehen war, dass das ewige Werden und Vergehen der Schranke einmal ein Ende haben wird, hat man im Nachbarort Frankenheim bereits vor längerer Zeit abseits der öffentlichen Wahrnehmung mit den Planungen zu einem ambitionierten Konzept für „die Zeit nach der Schranke“ begonnen.

Die Zielstellung ist klar umrissen: Kein Nachbau und kein Abklatsch der Schranke, statt dessen ein Projekt mit Visionen, begleitet von einer Investition mit Augenmaß. „Es war nicht einfach, die Idee mit der Schranke zu toppen“, bringt der Generalplaner des neuen Wahrzeichens seinen Respekt vor dem Schöpfer der Ur-Idee zum Ausdruck.

Die Hypophenuse der Synapsen

Es soll ein Monument werden, das sowohl seine eigentliche Aufgabe im Rahmen der Verkehrsführung erfüllt als auch den erhöhten Anforderungen an ökologische Nachhaltigkeit Rechnung trägt und sich harmonisch in das vorhandene Landschaftsbild integriert.

Im Fach-Exposé heißt es: „Zudem reflektiert das Projekt das Wechselspiel der Farben in der Natur. Den Verlauf der Jahreszeiten vor dem Hintergrund von Feld und Flur mit nur den Farben Grün und Rot so intensiv und kontrastreich als nur irgend möglich zu colorieren, den Übergang von Feld zu Straße als Schnittstelle von Natur und Technik zu illustrieren und gleichzeitig ein ästhetisch geprägtes Gefühl höchstmöglicher Verkehrssicherheit unter Nutzung geringster Luminiszensz in Szene zu setzen, das ist der eigentliche Quell unserer Inspiration.“

Man ahnt es schon: Solchen Aussagen liegen entweder zwei Linien Koks, drei Wahlperioden im Bundestag oder sechs Semester Architektur zugrunde. Nachdem jedenfalls das neue Kunstwerk auf dem Papier fertig war, machte man sich in Frankenheim an die Umsetzung des Vorhabens. Nächtelang flimmerten Lichtbogen vorwendezeitlicher Schweißgeräte aus einer alten Scheune irgendwo im Dorf. Dann endlich war das Werk vollbracht.

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Jetzt ist es vorbei mit der Anarchie auf deutschen Feldwegen. Nur die StVO müsste noch etwas angepasst werden…

Um einen Kulturschock zu vermeiden und die Bevölkerung behutsam, sozusagen nach und nach, an diese neue künstlerische Ausdrucksfom unserer mobilen Gesellschaft zu gewöhnen, wurde der Prototyp zunächst an einem Feldweg in Frankenheim aufgestellt. Dort versieht er gegenwärtig seinen Testbetrieb. Aber schon jetzt sind die Vorteile des LSS-FW 15 (Lichtsignalsystem für Feldwege 2015) nicht zu übersehen.

Die Energieeffizienz der Anlage wurde vom TÜV mit AAA zertifiziert. Ein Teelicht ist alles, was man benötigt. So lange es brennt, ist Grün. Erlischt es, muss ein weiteres Teelicht im roten Fach der Ampel entzündet werden. Dies ist ausschließlich manuell möglich, weshalb bei durchgängigem 24-Stunden-Betrieb durch das nötige Schicht-System auch drei Arbeitsplätze geschaffen werden. „Unsere LSS-FW 15 hat damit auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion inne und wirkt als Motor für den hiesigen Arbeitsmarkt.“, frohlockt der Lindennaundorfer Ortsnachsteher.

nacht

Hier hatte die Nachtschicht offenbar das Wechseln des Teelichts verpennt. Drum werden dringend Fachkräfte benötigt.

Es habe sogar schon Anfragen aus dem Ausland gegeben. „Nordkorea hat Interesse bekundet. Kim Jong-un hat mir eine eMail geschickt. Unser Lichtsignalsystem wäre auf den Verkehr in Nordkorea regelrecht zugeschnitten und die wollen jetzt 10.000 Stück bestellen!“ Kurz nach dieser Aussage wurde leider festgestellt, dass jemand am PC im Frankenheimer Gemeindebüro versehentlich ein Upgrade auf Windows 10 vorgenommen hat. Die vermeintliche Bestellung von Kim Jong-un entpuppte sich als Einladung zur Stadtratssitzung, die jetzt nur noch im ASCII-Zeichensatz ankommt.

Exportschlager in spe

Aber davon lassen sich weder die Frankenheimer, noch die Lindennaundorfer entmutigen. Schon sehen die Erfinder des LSS-FW 15 im Geiste das gesamte deutsche Feldwegenetz mit ihren Anlagen ausgerüstet und sich im Erlös aus den Lizenzen geradezu in Geld baden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Zunächst muss das LSS-FW 15 an seinem eigentlichen Bestimmungsort in der Priesteblicher Straße aufgebaut werden und sich dort bewähren.

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Die feierliche Grundsteinlegung wird voraussichtlich am 1. April 2016 erfolgen. Bis dahin haben Interessierte noch die Möglichkeit, den Prototypen auf der Teststrecke zu erproben. Von Frankenheim in Richtiung Dölzig kurz vor der Bushaltestelle einfach links abbiegen und nach hundert Metern bei Rot warten, bis jemand das Teelicht wechselt…

 



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3 Comments to Kommt der kleine Ampelmann, brennt dir fix ein Teelicht an

  1. dertho sagt:

    Hmm…eine interessante Sache.Allerdings finde ich die Lösung mit den Teelichtern nicht ganz umweltgerecht,da diese beim abbrennen schließlich CO2 erzeugen. Markranstädt als Träger des „European Energy Awards“ mit Besitz eines Klimaschutzkonzepts (KSK) zur Reduzierung der CO2-Emissionen sollte somit nach Alternativen suchen.
    Eine Möglichkeit wären z.B.energiesparende LED-Leuchten die mittels Dynamo an Hometrainern betrieben werden könnten.Diese Hometrainer könnten dann durch alle Bewohner abwechselnd genutzt werden.Somit wäre auch der Gesundheitsförderung der Bewohner und einhergehend einer Entlastung der Krankenkassen Genüge getan.
    Allerdings sollte man die Lichtemission der Ampel im Auge behalten um die umliegenden Anwohner nicht mit dem ständig wechselndem Licht zu belästigen… 😀

    Vielen Dank für einen,wieder mal, großartigen Artikel der MN. Gruß dertho

    • -st- sagt:

      Na warten Sie mal ab, bald ist wieder Adventszeit. Statt eines Teelichts werden dann wieder ganze Gärten angezündet und es wird nachts so hell, dass die heimische Vogelwelt verwirrt mit dem Nestbau beginnt. Da wird man sich nach einem kleinen Teelicht geradezu sehnen. (Trotzdem: Vielen Dank für das Lob. Das baut auf.)

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