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100 mal berührt, 1000 mal ist nix passiert …

In den gestrigen Abendstunden, irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr ist es passiert. Was beim Start am 1. April 2013 niemand für möglich gehalten hätte, war eingetreten: Bei den Markranstädter Nachtschichten hat es zum 100.000 Mal „klick“ gemacht! Eigentlich hatten die diensthabenden Satiriker erst gegen Samstag mit diesem Ereignis gerechnet und so war nun leider kein Sekt im Bunker (Hitlers Leibdiener Karl Wilhelm Krause wurde 1939 wegen einer fehlenden Flasche „Fachinger Wasser“ entlassen!). So mussten die letzten Rotwein-Reserven geopfert und mit Amaretto gestreckt werden. Eine spartanische Fete…

Es war der 1. April 2013: Zwei Männer und eine Frau, die nur den Schalk im Nacken und etwas Erfahrung im Bloggen einte, schmiedeten einen für Markranstädt fürchterlichen Plan. Inmitten der Nachwehen eines vernichtenden Wahlkampfes wollten sie für etwas Spaß sorgen und ein Satire-Portal in der Stadt am See platzieren.

Zwei der Initiatoren hatten damit bereits Erfahrung in anderen Gegenden gesammelt. Nachdem schon im März vorsichtig die Fühler zwischen Schkeitbar und Frankenheim ausgestreckt wurden, kamen die Späher allesamt mit der gleichen Botschaft zurück in die MN-Zentrale, die sich damals noch in der Albertstraße befand: „Wenn ihr hier wohnen bleiben und halbwegs in Würde leben wollt, dann seht zu, dass ihr anonym bleibt!“, lautete der Tenor.

Öl ins Feuer

Ein Rat, der heute noch berücksichtigt wird, wenngleich einer impressarisch seinen Kopf hinhalten muss und seither einen Leipziger Rechtsanwalt de facto zum Kreise seiner Familie zählt.

Der erste Beitrag goss dann auch gleich sprichwörtlich Öl ins Feuer. Er handelte von dem damals noch Designierten, der die Osterfeuer der Gegend besuchte und anschließend von „guten Gesprächen“ im Schein der Flammen berichtete. Seine Gegner wollten hingegen beobachtet haben, dass die friesische Plaudertasche nicht einmal die Lippen bewegte und schweigend abseits stand. So war es denn unsere Aufgabe, daran zu erinnern, dass Männer stundenlang schweigend ins Feuer blicken können und sich dabei trotzdem prächtig unterhalten.

wohnung

Erinnern Sie sich noch? Wir berichteten 2013 vom Kulki, wo Menschen in solchen Behausungen lebten.

 

Es folgten zahlreiche weitere Meilensteine, aber eben auch so mancher Rückschlag und Dinge, die im Nachhinein und selbstkritisch betrachtet, nicht ganz so nah an guter Satire lagen. Mancher wollte das Gesamtwerk der MN-Urbrigade sogar so weit entfernt von Satire sehen, wie Markranstädt vom Mond, gleichwohl sich dessen eigene satirische Kreativität damals teilweise scheinbar umgekehrt proportional zu diesen Maßstäben verhielt. Wir haben alle gelernt.

Am Ende, genauer gesagt so etwa Ende März 2014, geschahen seltsame Dinge, an die niemand mehr gerne zurück denkt. Innere Differenzen und eigenartige Vorgänge am Schloss der Online-Tür des Blogs sorgten dafür, dass jeder Beteiligte – inzwischen waren es fünf Stammsatiriker – seiner Wege ging. Es war wie bei den Beatles: Jeder gründete seine eigene Band. Manche gibt es heute noch.

Zwei blieben zurück, wollten sich ins Klo stellen, an der Kette ziehen und der undankbaren Welt da draußen zeigen wie es ist, wenn man nicht mehr da ist. Sollten sich doch die KWL um den Rest kümmern. Aber dieses Gefühl hielt keine 12 Wochen an.

Für eine Reunion war es zu spät, aber für einen Neuanfang nicht. Diesmal aber garniert mit den Erfahrungen aus der Phase, die der Titelheld eines Werkes von Timur Vermes als „Systemzeit“ bezeichnete. Pünktlich zum 1. Juli 2014 startete das Projekt „Markranstädter Nachtschichten 2.0“. Jetzt mit dem Anspruch, stilistisch etwas einheitlicher zu kommunizieren, nicht immer nur politisch zu sein und nicht in jede Diskussion einzusteigen.

Leser auf der Strafbank

Ob das gelungen ist, wissen nur die, die das auch lesen. Also offiziell niemand. Weil … nun ja … gerade in den Dörfern empfängt man Internet nur bei Nebel oder mit Gemeinschaftsempfangsanlagen und in der Kernstadt muss man vorsichtig sein mit Angaben über das, was man liest oder den, den man kennt. Nach wie vor wird man gar zu schnell in eine Ecke gestellt, in der man noch nie war. Zu schwer fällt so manchem Ureinwohner das Eingeständnis, dass nicht jeder, der in die sehenswerte Galerie 04420 geht, gleich ein Kommunist ist oder jemand, der sich von einem erfahrenen Arzt in der Schulstraße behandeln lässt, stets auch CDU wählt

Einhunderttausend Klicks, das ist eine Motivation. Wir haben mal gegoogelt und keine Markranstädter Website mit transparenter Darstellung ihrer Zugriffszahlen gefunden, die ähnliches Interesse widerspiegelt. Ein wenig Stolz ist da sicher erlaubt, zumal es sonst eher wenig Motivierendes gibt. Klicks sind nämlich nicht gleich Leser. Deren wahre Zahl beläuft sich auf etwas weniger als 1.200 und wenn man unter denen jene Leser sucht, die wenigstens ab und zu mal ein so genanntes Feedback per Kommentar oder eMail senden oder (was uns besonders anfeuern würde), „sachdienliche Hinweise“ geben würden, sind wir bei bestenfalls 100. Eher weniger.

Aber das ist das Los derer, die uneigennützig und ehrenamtlich arbeiten. Unsere Freunde aus der Schweiz, die das dort angesehene Satiremagazin „Der Enthüller“ betreiben, hatten die Markranstädter Nachtschichten unlängst in ihre „Hall of fame“ aufgenommen und uns geschrieben „Freuen Sie sich auf bis zu 14 Klicks pro Jahr.“ Das tun wir auch. Ehrlich! Wir wären ansonsten jetzt erst bei 99.986 Klicks und hätten nichts, worüber wir uns freuen könnten.

Nur Satire: Wahr wird’s später

Ach ja: Kürzlich hatte jemand gefragt, ob alles, was hier geschrieben wird, wahr ist oder Satire wäre. Wir hatten geantwortet, dass natürlich alles Satire sei und erst später wahr werden würde. Nun … am 11. September 2015 hatten wir in einem eher ernsten Beitrag gefragt; „Ist unser Rechtssystem darauf vorbereitet, wenn eine Flüchtlingsfrau im Aufnahmelager den Mörder ihrer Kinder wiedererkennt, man diesem aber nicht habhaft werden kann, weil er keine Papiere hat (oder weil eine Grüne Politikerin glaubt, dass er nur eine schwere Kindheit hatte und in einem Gesprächskreis über Ernährung mit Cerealien seine Handgranaten gegen einen Jute-Beutel tauscht)?

Was soll man sagen? Wir wurden dafür zunächst belächelt. Verständlich, denn diesmal hatte es lange gedauert, bis die Satire wahr wurde. Erst vor drei Tagen wurde der warnende Zeigefinger der Markranstädter Nachtschichten  gesehen.

Früher oder später hat Satire eben immer Recht, gelle?






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