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Ein Teil dieser Antworten würde sie verunsichern

Ach – hätte er das doch nur früher schon mal gesagt, unser Innenminister. Jahrzehntelang war man auch bei uns in Markranstädt vergeblich auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage aller Fragen. In Deutschland forscht man sogar schon seit Jahrhunderten danach. Selbst Goethe musste aus seinem Faust einen Zweiteiler machen, um wenigstens annähernd zu erklären, was die Welt im Innersten zusammenhält. Dabei ist die Formel so einfach: „Ein Teil dieser Antworten würde Sie verunsichern.“

(Titelfoto: Bundeswehr, Lizenz CC BY 2.0 – Montage: Markranstädter Nachtschichten)

Natürlich hätte der alte Goethe das etwas eleganter formuliert als der verbal eher grobschlächtige Innenminister, dessen Name sich nur zufällig auf Voltaire reimt. Goethe hätte in der Präambel zum Faust vielleicht sowas geschrieben wie:

Des Pudels Kern, so es mich dünkt,
mich nur zu halber Antwort zwingt,
denn nur dieser halbe Teil
lässt des Menschen Seele heil.

Aber dann hätte er den Rest des Poems nicht mehr niederschreiben müssen und ihm wäre das opulente Zeilenhonorar für die zwei Staffeln „Faust“ flöten gegangen. De Maiziere hatte da mehr Weitsicht. Er sorgte mit seiner Antwort auf die von ihm selbst gestellte Frage für eine wahre Flut an Zeilenhonoraren in den deutschen Medien.

„Ich verstehe diese Fragen“, entgegnete Innen-Thomas auf die Auskunftsersuchen der Journalisten nach den Gründen für die Absage des Länderspiels in Hannover und ergänzte dann: „Aber verstehen sie bitte, dass ich darauf keine Antwort geben möchte.“

Und weil sowas bei einer Pressekonferenz weder als Antwort noch als Erklärung durchgeht, stellt er sich die zwangsläufig folgende Frage gleich selbst und beantwortet sie natürlich auch, allerdings ohne sie zu beantworten: „Warum? Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“

Einfach genial! Mit dieser Antwort war er nicht nur raus aus der Nummer, sondern hat zugleich ein Konvolut an Fragen aufgeworfen, die man vorher noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Was könnte die Bevölkerung außer der ohnehin schon bekannten Terror-Gefahr noch verunsichern?

Da kommt man auf ganz seltsame Gedanken. Vielleicht wollte er uns nicht mit der Tatsache verunsichern, dass die Informationen über die Sprengsätze im Stadion aus den gleichen Quellen stammen, die seinerzeit die Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt haben?

Wie dem auch sei, das Zitat von Thomas de Maiziere hat Geschichte geschrieben und wird sich im Wortschatz der deutschen Politik festsetzen wie Nissen in einer Bob-Marley-Frisur.

Schon kursieren in den Netzwerken die ersten Comics dazu (Schäuble: „Wann zahlt ihr Griechen eure Schulden zurück?“ Tsipras: „Ein Teil meiner Antwort würde sie verunsichern.“ – oder Mutti: „Barack, findest du mich eigentlich sexy?“ Obama: „Ein Teil meiner Antwort….“)

 

Man kann eigentlich nur hoffen, dass dieses Zitat schnellstmöglich auch in Markranstädt Einzug hält. Allein dessen deeskalierende Wirkung könnte zu Frieden und Wohlstand in einem Maße beitragen, das mit allen anderen Aphorismen dieser Welt nicht zu beschreiben wäre.

Was nicht heißen soll, dass wir selbst nicht genug kluge Köpfe hätten, in denen solche Formulierungen entstehen könnten. Ansätze dafür gab es in der Vergangenheit genug. Das Bauamt war zum Beispiel schon ganz nah dran am „Teil meiner Antwort…“. Es blieb allerdings bei einem Teilabriss.

Zitate, die Geschichte schreiben

Nicht auszumalen, wenn man den Gedanken mutig zu Ende gedacht und für den anderen Teil avisiert hätte, dass er die Abgeordneten nur verunsichern würde. Etwa so: „Ein Teil des Toilettenhäuschens muss abgerissen werden, aber verstehen sie bitte, dass ich für den anderen Teil keine Antwort geben möchte. Warum? Weil ein Teil dieser Antwort sie nur verunsichern würde.“ Schon hätte kein Hahn mehr nach dem verschwundenen Bauwerk krähen können.

zitate

Oder nehmen wir gewisse Personalentscheidungen. Auch hier wäre der Verweis auf „einen Teil der Antwort“ richtig gewesen, denn der andere Teil ist ja noch da. Und wie friedlich werden erst die Bürgerfragestunden bei Stadtratssitzungen ablaufen, wenn man statt „Darauf antworte ich nicht!“ das Plakat der Transparenz mit der Bemerkung „weil ein Teil dieser Antwort sie verunsichern würde“ so eloquent hochhalten kann, dass man dafür sogar noch eine höfliche Verbeugung statt Kritik erntet?

Blockbuster im Kopf

Das durch dieses Zitat konstruierbare Kopfkino erfüllt den satirischen Geist erstmals in der deutschen Nachwendegeschichte mit einem Gefühl tiefer Dankbarkeit gegenüber einem Politiker. Auch wenn es nur der Innenminister ist, der auf die Frage, was ihn für diese Funktion qualifiziert, ebenfalls auf den verunsichernden Teil einer möglichen Antwort verweisen müsste.

Fazit: Der Fernseher kann getrost eingemottet, die Zeitung abbestellt und das Internet ausgeschaltet werden. Es reicht, sich auf sein Sofa zu setzen und vor dem geistigen Auge beispielsweise eine Stadtratssitzung vorüberziehen zu lassen. Da kann das Drama bereits am Fuße jenes Tempels beginnen, in dem der Senat zu Stuhle kommt.

Einwohner: „Kann man mit diesem Fahrstuhl in die vierte Etage fahren?“
Bürgermeister: „Ein Teil meiner Antwort würde sie verunsichern.“

Auch zu Hause, also in der persönlichen Beziehung, werden die Dinge mit diesem Zitat wesentlich einfacher.

Mann: „Was hat denn der Frauenarzt zu deiner ausgebliebenen Regel gesagt?“
Frau: „Ein Teil seiner Antwort würde dich verunsichern.“

Nicht zuletzt könnte auch der Kellner im Restaurant zur Erleuchtung beitragen. Nicht jeder Gast weiß immer etwas anzufangen mit dem Kauderwelsch, der da auf der Speisekarte steht.

Gast: „Was ist denn das hier auf meinem Teller?“
Ober: „Ein Teil meiner Antwort würde sie verunsichern.“

Oder wenn es beim Bewerbungsgespräch so langsam zur Sache geht und der Personalchef mit Fragen kommt, die eindeutig gegen geltende Datenschutzbestimmungen verstoßen.

Personaler: „Sie haben hier eine Lücke von zwei Jahren und drei Monaten in ihrem Lebenslauf…?“
Bewerber: „Ein Teil meiner Antwort würde sie verunsichern.“

Das kann man beliebig so fortsetzen. Zum Beispiel in der Art:

Vernehmer: „Wo waren sie gestern um 12:35 Uhr?“
Verdächtiger: „Ein Teil meiner Antwort würde sie verunsichern.“

Lehrerin: „Was bewirkt das Hormon Testosteron?“
Schüler: „Ein Teil meiner Antwort würde sie verunsichern.“

Mutter: „Willst du nicht langsam mal aufstehen?“
Teenager: „Ein Teil des Tages würde mich nur verunsichern.“

Er: „Sind wir nun die Eltern unseres Kindes oder nicht?“
Sie: „Ein Teil meiner Antwort würde dich verunsichern.“

Er: „Schatz, worauf stehst du so im Bett?“
Sie: „Ein sehr kleiner Teil meiner Antwort würde dich verunsichern.“

Papst: „Mein Zwiegespräch mit Gott ist nur eine Sache zwischen ihm und mir.“
Barack Obama: „Ich will sie jetzt nicht verunsichern, heiliger Vater, aber …“

Nicht zuletzt gibt es dann ja auch noch das so genannte innere Zwiegespräch mit sich selbst. Auch da kann de Maizieres Antwort manch überraschende Lösung schaffen. Zum Beispiel, wenn man in sich hinein hört und den Körper fragt, ob der nach einem Ausweg suchende innere Druck nur ein Wind ist oder ob da auch Land unterwegs sein könnte? Egal was man hört: Ein Teil der Antwort verunsichert immer irgendwie.

 



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