+ + + Covid (19) aus Markranstädt will Freundin: Er mit Traumkörper sucht Sie mit Antikörpern + + +  

Mürkrünstüdtür Nüchtschüchtün sünd wüdür ünlün

Dumm gelaufen. Obwohl die Markranstädter Nachtschichten nie auch nur ein falsches üy über Recep Tayyip Erdoğan geschrieben haben, waren wir allein in den letzten 7 Tagen über 1900 mal Ziel von Internet-Angriffen. Hat natürlich nichts, aber auch gar nichts mit dem osmanischen Führer zu tun. Eher damit, dass in den letzten 14 Tagen bei uns eh niemand so richtig Lust auf Satire verspürte. Also hatte unser Techniker ausreichend Zeit, ein ordentliches XXL-Kondom über den Server zu ziehen. Sicher ist sicher!

Jetzt können sie uns alle mal, die Cyber-Krieger da draußen im WorldWideWeb. Auch der Osmanen-Adolf übrigens. Ein Mondo „extra stark“ von Kaspersky, die Pille danach von Norton, eine Sterilisation mit dem Skalpell von McAfee und hier oder da etwas natürliche Zurückhaltung; das sollte genügen im Kampf gegen die Cyber-Krieger, die übrigens nicht nur aus dem Ausland kommen.

Allein die Sache mit der Juristerei und das ständige antisatirische Geseier von dieser Atatürk-Kopie aus Istanbul gehen einem so langsam auf die Nerven.

Satire ist zur Zeit nur noch schwer machbar. Keiner weiß zwar, was Satire darf, aber jeder will wissen, was sie nicht darf. Seit Böhmermanns Schmäh-Gedicht werden die Karten neu gemischt.

Neuerdings beschäftigen sich deutsche Gerichte sogar mit Klagen von Türken, die sich nicht nur ärgern, wenn man Gedichte wie Böhmermann schreibt, sondern man solche nicht ausdrücklich schlecht findet. Wehrkraftzersetzung, Hören von Feindsendern, Sympathisieren mit Bolschewiken … all das bedient die Satire und dafür droht dem deutschen Humorjudentum jetzt verschärfte Lagerhaft in Anatolien.

Was DER kann, können wir auch

Übertrieben? Fragen Sie mal Springer-Chef Mathias Döpfner, der deshalb von Erdogan vor den Kadi gezerrt wurde. Weil er Böhmermanns Gedicht gut findet. Okay, der Döpfner arbeitet bei Springer, die haben Geld und können sich wehren. Bei Satirikern aus einer Kleinstadt bei Priesteblich sieht das anders aus. Da geht’s bei Nacht und Nebel gleich mal mit einem Sondertransport ab nach Bürgün-Bülsün.

Auch Kinder wurden verklagt

Der klagefreudige türkische Reichskanzler, nur eine Marginalie: Laut „Stern“ hat der streitbare osmanische Führer bislang über 1.800 Journalisten, Karikaturisten, Ärzte und sogar Kinder verklagt. Da wird bald niemand mehr aufmucken, auch oder gerade in Deutschland nicht. Und wenn sich das bis Nordkorea rumgesprochen hat, darf selbst Donald Trump das dortige Regime bald nicht mal mehr als Regime bezeichnen. Auch nicht satirisch als Demokratie!

Und Hitler darf eigentlich auch nur noch als Bestie bezeichnet werden, weil kein Rechtsanwalt mehr mit der Aufrechterhaltung seiner Reputationen Geld verdienen kann. So schön ist das mit dem Rechtsstaat und dem Paragraphen zur Majestätsbeleidigung.

 

Deshalb an dieser Stelle für alle Schülerinnen und Schüler schon mal ein paar Sätze zum Auswendiglernen. Ihr werdet sie später mal brauchen.

„Unser Präsident Recep Tayyip Erdoğan wurde am 26. Februar 1954 in Istanbul geboren. Sein Vater war Seemann. Er besuchte die Grundschule nahe der Piale-Pascha-Moschee … „ Okay, den Rest werden Euch sicher Eure Großeltern erzählen können. Sollten die mal ein paar Namen oder Daten durcheinander bringen, dann liegt es entweder am Alter oder daran, dass sich Geschichte auch in Sachen Pressefreiheit manchmal wiederholt.

Gut, also Böhmermanns Behauptung, dass der Oberhirte vom Bosporus die ihm anvertrauten Geißlein zwecks koitaler Erleichterung penetriert, ist grenzwertig. Sicher: Auch Goethe hätte sich schwer getan, auf „Minderheiten unterdrücken“ einen anderen Reim als „Ziegen ficken“ zu finden. Allein ob er überhaupt Sex haben kann, der türkische Reichskanzler, ist fraglich. Wie soll sich der arme Mann auf einen geilen Ziegenarsch konzentrieren können, wenn ihm die deutsche Kanzlerin seit Wochen permanent mit ihrem Kinn an der Prostata reizt?

Nö, das Ding mit den Ziegen war wirklich hart an der Grenze. Warum hat er das überhaupt gesagt, der Böhmermann? An dieser Stelle wäre Satire gar nicht erforderlich gewesen. Die nackte Wahrheit hätte gereicht. Zum Beispiel die, dass normaler Geschlechtsverkehr allein schon deshalb nicht notwendig ist, weil junge Kurdinnen in türkischen Polizeistationen traditionell mit Gummiknüppeln entjungfert werden. Ja gut, sie sind meist noch so jung, dass sie noch nicht wissen, wie man sich dazu bewegt. Aber dieses Defizit lässt sich mit ein paar gezielten Stromstößen ganz schnell überwinden. Da zucken die manchmal noch, wenn schon längst alles vorbei ist.

Nein, wir wollen noch eine Weile online bleiben und schreiben nichts über diesen Erdoğan und auch nichts über diese europäische Made in seinem Arsch. Es heißt ja nicht umsonst Markranstädter Nachtschichten und nicht Istanbuler Beobachter oder Anatolischer Stürmer. Und gerade das erfüllt uns in diesen Tagen mit einem Anflug von Stolz. Jawollja, Stolz!

In Lallendorf mussten in den letzten Jahren schon allerhand Leute, Vereine, Organisationen oder Parteien für teilweise primitivste Satire sprichwörtlich ihren Arsch hinhalten. Sie alle haben sich artig durch den Kakao ziehen lassen. Nicht nur weil sie wussten, dass der süße Nachgeschmack länger wirkt als die Verheißung auf den Endsieg nach einem sinnlosen juristischen Gemetzel.

Nein, weil sie wussten und wissen, dass auch sowas zur Meinungsbildung beitragen kann, dass man nicht nur selber Pillen verteilen darf ohne ab und zu selber mal was zu schlucken und weil auch das zur Demokratie gehört.

Die letzten Wochen waren dunkel. Sehr dunkel für Satire. Und es wird noch eine ganze Weile dunkel bleiben, weil man sich jetzt erst mal selbst neu ordnen muss. Der Wille der Protagonisten – egal ob sie Merkel oder Erdoğan heißen – ist deutlich lesbar. Am liebsten wäre es ihnen wohl, wenn jeder Leidartikel mit den Worten beginnt: „Im Zuge der weiteren Verwirklichung der Beschlüsse des XII. Parteitages und der Hauptaufgabe in ihrer Einheit von Presse- und Meinungspolitik…“

Geschichte wiederholt sich

Nein, hatten wir schon. Aber wenn es eben nochmal sein muss, dann werden wir in diesen Krieg um Presse- und Meinungsfreiheit ziehen, wie in einen Gottesdienst. Notfalls werden wir den Kampf von Moskau oder London aus führen, wenn wir Deutschland verlassen müssen, weil wir per Ahnentafel keinen Satirikernachweis erbringen können und von der Bundeskulturkammer mit Online-Verbot belegt werden.

Das war viel Frust jetzt und Sie werden sich bestimmt fragen, was das alles mit Markranstädt zu tun hat. Ja, auch wenn es unglaublich klingt, aber Markranstädt ist Deutschland und wenn in Berlin aus Angst gefurzt wird, kommt in einem Kaff wie Lallendorf blanker Durchfall an. Auch das ist eine Lehre der Geschichte.

GEZ und Ziegen f*cken

Eigentlich ist ja die Satire eine rein deutsche Erfindung und da kann sich auch unsere Angie nicht rausreden. Auch wir Markranstädter bezahlen GEZ-Gebühren, ganz gleich, ob wir Fernsehen schauen oder nicht.

Wir stehen unter Generalverdacht, weil wir einen Fernseher besitzen, mit dem wir theoretisch öffentlich-rechtliches Fernsehen anschauen könnten, egal ob wir es tun oder nicht. Genauso verhält es sich mit Herrn Erdoğan. Auch er wird bestimmt keine Ziege f…erführen, aber er hat ein Gerät, mit dem er es theoretisch könnte. Sowohl in Deutschland als auch in der Türkei verdienen sie Millionen mit dieser Definition: die Rechtsanwälte und die Führer.

Allein deshalb ist es egal, ob man Schnitzel oder Döner kotzt. Es ist Zeit, der antisatirischen Hetze auf diesem Planeten mit einem Zentralrat der Humoristen zu antworten. Sowas funktioniert immer. Sind Sie dabei?

 



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