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Aus der St. Laurentiuskirche: Die Andacht zum Ostersonntag

Heute nun laden wir Sie herzlich zur Ostersonntagsandacht in die St. Laurentiuskirche ein. Bevor Sie aber Ihren Mauszeiger zum Video lenken, gestatten Sie bitte noch ein paar Worte dazu. Immerhin kann man sich die Frage stellen, wie und warum eine österliche Andacht auf eine Satire-Seite kommt? Sagen wir’s mal so: Ostern ist ein Fest der Freude und da darf man auch fröhlich sein. Noch in den 1920er Jahren wurden den Predigten sogar Witze vorangestellt und auch heute wird in der Kirche – übrigens nicht nur zu Ostern – mit Freude gefreut.

Es sind keine flachen Kalauer, die da geklopft werden, sondern Geschichten mit intelligenten Pointen, die neben einem Lächeln auch einen Denkprozess in Gang setzen. So wie diese Anekdote, mit der ein Pfarrer seine Gemeinde im württembergischen Steinenberg zu Ostern erfreute:

Da waren einmal zwei alte Freunde, Jakob und Samuel. Sie trafen sich regelmäßig, um sich über ihre Geschäfte auszutauschen. Eines Tages hatte Samuel bei ihrem Treffen eine kleine Tüte dabei. „Was ist denn da drin?“, fragte Jakob neugierig. „Ach, nur ein Stein“, gab Samuel zur Antwort. „Ein Stein?“ „Ja, Jakob, einfach nur ein Stein.“

„Aber Samuel, was willst du denn mit einem Stein?“ Jakob ließ nicht locker. „Och, nichts bestimmtes“, sagte Samuel, „ich hab ihn vorher beim Steinmetz gesehen. Und da hab ich gedacht: Vielleicht brauch ich diesen Stein ja irgendwann mal. Immerhin ist er sehr schön und glatt. Und da hab ich ihn eben gekauft.“

Jakob staunte: „Wie? Du hast für diesen Stein auch noch Geld ausgegeben? Wie viel?“ „Och, nicht viel. Ich hab dem Steinmetz fünf Euro dafür gegeben.“ „Fünf Euro? Für einen Stein?“ „Ja. Wie gesagt, er hat mir einfach gefallen. Weil er so schön glatt ist.“

Zu Hause angekommen, war Jakob völlig aufgewühlt. Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Wenn sein bester Freund Samuel (der zudem noch ein hervorragender Geschäftsmann ist) ganze fünf Euro für einen Stein ausgibt, dann muss da irgendwas dran sein an diesem Stein.

Irgendwas muss an diesem Stein besonders sein. Vielleicht ist er total wertvoll … und Samuel hat ihn für schlappe fünf Euro gekauft. Dieser Schlawiner.

Die Sache mit dem Stein ließ Jakob keine Ruhe. Tag und Nacht musste er an Samuels Stein denken.

Bei ihrem nächsten Treffen fragte er seinen Freund betont unauffällig: „Du, Samuel, erinnerst du dich noch an den Stein, den du bei unserem letzten Treffen dabei hattest?“

Samuel dachte kurz nach. „Stein? Ach ja, der Stein. Warum fragst du?“ Jakob entgegnete: „Naja, ich würde dir diesen Stein gerne abkaufen.“

„Abkaufen? Aber wieso denn das? Warum um alles in der Welt brauchst du diesen Stein?“, fragte Samuel überrascht. „Och, man weiß ja nie“, entgegnete Jakob, „immerhin ist er so schön glatt…“

„Ja schon“, sagte Samuel, „aber ich hab schließlich fünf Euro für ihn bezahlt.“ „Das macht nichts“, sagte Jakob schnell, „ich würde dir auch 10 Euro dafür geben“. „Was? 10 Euro? Für einen ganz normalen Stein?“

Und so wechselte der Stein seinen Besitzer. Aber auf dem Nachhauseweg kam Samuel ins Nachdenken.

‚Also, wenn mir mein Freund Jakob, der sehr scharfsinnig und außerdem sehr sparsam ist, zehn Euro für diesen Stein gibt, dann muss da irgendwas dran sein an diesem Stein … abgesehen davon, dass er schön glatt ist. Bestimmt bin ich auf ihn reingefallen und er hat mich voll übers Ohr gehauen. So ein Schlawiner.‘

Kurzum. Beim nächsten Treffen der beiden kaufte sich Samuel seinen Stein wieder zurück – nach langem Diskutieren und Feilschen für schlappe 20 Euro.

Dies ging nun einige Wochen lang so. Bei jedem Treffen wechselte der Stein wieder seinen Besitzer und jedes Mal wurde er ein bisschen wertvoller. Bis eines Tages Samuel verlegen sagte: „Jakob, ich habe den Stein nicht mehr. Ich habe ihn an einen Händler verkauft.“ „Was, du hast ihn an einen Händler verkauft?“ „Ja, das hat sich einfach so ergeben. Tut mir leid.“ Jakob klagte: „Aber Samuel, du kannst doch nicht einfach so unseren Stein verkaufen?“ „Wieso nicht? Es war doch einfach nur ein ganz normaler Stein?“

„Naja, aber dieser Stein hat uns jetzt wochenlang ernährt…“


Na – haben Sie geschmunzelt? Es ist aber auch eine Geschichte zum Nachdenken, die sich gerade heute ganz gut auf unser Leben übertragen lässt. Nicht unbedingt mit einem Stein vielleicht. Möglicherweise nur mit einer Rolle Papier?

Oder mit anderen Dingen, die uns vor wenigen Wochen noch wichtig waren und jetzt so unwichtig geworden sind, dass ihr Platz von plötzlich viel bedeutenderen, wirklich wichtigen Dingen eingenommen wird?

Darum auch die Andacht zum Ostersonntag auf der Seite der Markranstädter Nachtschichten. Weil sie wichtiger ist als manch andere Dinge, die bisher wichtig waren. Klicken Sie einfach mal auf untenstehendes Video. Es lohnt sich.


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