BOS-Turm bringt W-LAN ins Hirn und sorgt für strahlende Gesichter

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Obwohl der China-Gipfel in Leipzig abgesagt wurde, hat man dennoch am Bau des BOS-Funkturms in Markranstädt festgehalten. Seit gestern erigiert das phallische Gebilde nun aus dem Erdreich im hinteren Teil des Schwarzen Weges. Aber war das nun schon alles?

Während man in der Ranstädter Mark ob dieses Sieges gegen den Freistaat und seine Vasallen frohlockt, sind es jetzt die Kleingärtner im Schwarzen Weg, die mit den Folgen klarkommen müssen.

Also halb so schlimm. Hauptsache nicht die Neusiedler in ihren weißen Wohnwürfeln hinter den liebevoll als Steinbrüche getarnten Vorgärten, die neben einer Funkturm-Bürgerinitiative auch noch ein Engagement zur Rettung diverser Grünstreifen erforderlich machen.

Da ist die Verstrahlung von Kleingarten-Biotopen wie im Schwarzen Weg schon eher hinzunehmen. Von dort kommen schließlich all die Bienen, die dann im Steingarten elendiglich verrecken und das künstlerisch anspruchsvolle Erscheinungsbild monolithischer Installationen mit ihren ekligen Kadavern so nachhaltig versauen, dass man jeden Tag mit dem Kärcher durch muss.

Jetzt summen die Daten also durch den Luftraum über dem Schwarzen Weg. Mit allen bekannten Folgen, vor denen die Ranstädter Markler schon immer gewarnt haben. „Als der Turm gestern für den Probelauf eingeschaltet wurde, um zum Test ein SOS nach Leipzig zu funken, ging bei uns in der Küche die Mikrowelle an“, beschwert sich eine am Fuße des Turms wohnende Seniorin.

Aussichtsturm „Drohnenblick“: Von oben kann man sogar über die Hecken in andere Gärten gucken.

Ein anderer Kleingärtner erinnert sich nur noch daran, dass gleich nach dem Umlegen des Hauptschalters am Funkturm sein Mäh-Roboter senkrecht aus der Ladeluke startete und seitdem permanent gegen die Wäschespinne heizt, um sie auf Rasenhöhe zu trimmen.

PC-Spiele in Endlos-Schleife

Noch schlimmer hat es Gerhard B*. (71, Name geändert) erwischt. Seit einem Arbeitsunfall hat er eine Titan-Platte unter der Kopfhaut. „Ich habe nur noch gemerkt, wie es unter dem Hut zu knistern begann und es dann gleich feucht und warm im Schritt wurde“, erklärt er das Phänomen. Seine unkoordinierten Bewegungen und das stoische Grinsen beim Einnässen veranlassten Ehefrau Lotte daraufhin, den Notarzt zu rufen.

In der Klinik mussten die Neurologen feststellen, dass im Zuge des Testlaufes der Sendeleistung des Mastes bei Gerhard B. versehentlich Windows XP aufgespielt wurde.

„Wenn er nicht schon impotent wäre, könnte er mit einer Erektion sogar E-Mails empfangen“, ist der Chefarzt überzeugt. „So aber läuft bei ihm leider nur das Kartenspiel Solitär in einer Endlos-Schleife ab!“

BOS bringt Familie zusammen

Seit seiner Rückkehr aus der Klinik ist B. jedoch restlos glücklich, weil seine Enkel nicht mehr von seiner Seite weichen wollen. Was der Rentner nicht weiß: Die Kids haben sich mit ihren Handys bei ihm eingeloggt, nutzen seinen Kopf quasi als Hot-Spot für eine kostenlose Gaming-Flatrate.

Das alles ist den Bewohnern der Ranstädter Mark erspart geblieben. Sie wollen sich aber nicht einfach so auf ihrem Glück ausruhen, sondern die neu gewonnene Lebensqualität dazu nutzen, um den Opfern dieses Sozialdarwinismus zu helfen.

In der Gerüchteküche heißt es, dass sie über das Corona-Programm ein Mikroprojekt beantragt haben, in dessen Rahmen sie ehrenamtlich Aluminium-Hüte für die Kleingärtner im Schwarzen Weg fertigen wollen. Da werden sie ganz sicher strahlen.

 

3 Kommentare

    • Ulrich Naser auf 3. Juli 2020 bei 7:49
    • Antworten

    Für viele wird der BO – Funktrum bei nächster Gelegenheit ein Ausflugsziel. Allein der Weg dorthin wird besonders nach dem Einbiegen von der Lützner Straße in den Schwarzen Weg kein leichter sein, denn seit Jahren sind dort Schlaglöcher. Auch wird jeder nach einem Schlagloch ganz sicher an die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung denken. Alles keine gute Visitenkarte für Markranstädt.

  1. Na der Beitrag ist Gu…ut! So schön beim lesen geschmunzelt hab ich selten. Klasse!

  2. Während in Berlin noch um den Flughafen gerungen wird, kommt Markrancity auf der Überholspur daher. Vorausschauend, das zur Eröffnung des BER Kerosin bereits zu den weltweit geächteten Substanzen zählen wird, baute man bereits, getarnt als Funkturmprojekt, den Landemast von Lakehurst originalgetreu nach.
    Gleichzeitig forsche man geheim in den ehemaligen MAF-Werken an einem Öko-Verbrennungsmotor für Zeppeline. Dieser soll nach den im Jahre 2013 im Nachlaß von Hugo Ruppe gefundenen Bauplänen eines Niedrigemmissionsmotors funktionieren und gilt als Vorläufer heutiger Hybridantriebe. Durch eine synergetische Kombination des Venturiprinzips mit dem Politikerprinzip würde mit hoher Beschleunigung ausschliesslich heisse Luft ausgestoßen. Rupp erkannte visionär schon damals die singulare Unendlichlichkeit der Ressource „Heisse Luft“.
    Oder ist das der Funkturm doch nur ein Nachbau des Eiffelturms? Wer weiß.

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