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Diese Markranstädterinnen nähen fürs Herzzentrum Leipzig

Was gegenwärtig in Markranstädt geschieht, wird ganz bestimmt in die Stadtchronik eingehen. Gestern wurde ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Eine Geschichte, wie sie nur in Krisenzeiten geschrieben werden kann. Sie handelt von zwei Frauen, einer Idee und einer überraschenden Entwicklung. Am Ende steht jede Menge Stolz – nicht nur bei den beiden Damen, sondern bei allen Helfern.

Katy Günther engagiert sich schon seit vier Jahren ehrenamtlich im Markranstädter Mehrgenerationenhaus. Helfen ist für sie selbstverständlich, organisieren ebenfalls und Ideen hat sie auch.

Schon vor einigen Tagen hat sie deshalb gemeinsam mit ihrer Nachbarin Doreen Neumann begonnen, Mundschutzmasken zu nähen. „Einfach so, weil wir wussten, dass sie gerade überall gebraucht werden“, erklärt Katy Günther. Aber dann wurde ihr Engagement gestoppt. Erst war der Stoff alle, dann ging die Nähmaschine der 32-Jährigen kaputt.

Kurzerhand wandten sich die Frauen ans Unterstützernetzwerk im MGH. Micha Unverricht, bekanntlich mit besten Drähten an den MCC angeschlossen, besorgte aus dem karnevalistischen Fundus die passenden Stoffe und Oberschulleiterin Gabriele Reißmann organisierte nicht nur eine Nähmaschine aus dem Schulbestand, sondern brachte gleich noch ein zweites Ersatzgerät mit.

100 Stück fürs Herzzentrum

Damit konnten Katy Günther und Doreen Neumann nun richtig loslegen. Parallel hatten die beiden Frauen schon Werbung im Internet gemacht und die Masken auf Facebook und Instagram angeboten. Kleinere Anfragen kamen an, die ersten Bestellungen gingen ein. Dann plötzlich wurden die Augen der beiden Hobby-Näherinnen ganz groß.

„Das Herzzentrum Leipzig war auf uns gestoßen und hat 100 Stück bestellt“, berichtet Katy Günther stolz. In der Tat hatte die renommierte Klinik in der letzten Zeit Probleme mit der Bereitstellung von Desinfektionsmitteln und Mundschutzmasken, wie die Markranstädter Nachtschichten aus erster Hand von einem Patienten erfuhren. Offenbar waren diese Dinge bei Besuchern sehr beliebt.

Doreen Neumann hat daraufhin den gesamten Bestand durchgezählt: „Wir konnten erstmal nur 50 Stück liefern. Jetzt sitzen wir an den Maschinen und fertigen die anderen 50 an, die dann morgen verschickt werden.“ Eine Tagesproduktion der beiden Näherinnen umfasst 50 bis 60 Stück. „Mehr geht nicht“, sagt Katy, „Wir haben auch ein Privatleben, Kinder zu versorgen und so weiter.“

Doreen Neumann (hinten) hat als Selbstständige gerade selbst genug Existenzsorgen. Trotzdem engagiert sie sich gemeinsam mit ihrer Freundin Katy Günther ehrenamtlich, näht Mundschutzmasken nicht nur für Markranstädter, sondern auch fürs Herzzentrum Leipzig.

Auch Renate Röder hat sich vor einigen Tagen an ihre Nähmaschine gesetzt und mit der Mundschutz-Produktion begonnen. Gemeinsam mit der Ersten Beigeordneten Beate Lehmann und dem Landratsamt Leipzig hat sie gestern einen Weg gefunden, Fördermittel für die Bestellung von Stoff und Gummibändern freizulenken.

„Wir müssen die Menschen hier versorgen“, sagt sie. „Vor allem Verkäuferinnen, Mitarbeiter in Arztpraxen und überall dort, wo Menschen zusammentreffen.“ Auch sie hat schon eine Freundin zum Mitmachen motiviert und im MGH Schnittmusterbögen und Nähanleitungen für weitere Interessierte ausgelegt.

Bislang habe das größte Problem in der Koordinierung bestanden, sagt Renate Röder. Weder war bekannt, wer Mundschutzmasken benötigt, noch hatte jemand eine Ahnung, wie hoch der Bedarf eigentlich ist.

Diese Aufgaben hat jetzt das Unterstützernetzwerk übernommen und will heute belastbare Zahlen zusammentragen. Gestern war das noch nicht möglich. „Zu viel Arbeit“, zuckt Micha Unverricht mit den Schultern. Datenbanken mussten erstellt und Helfer sowie Hilfsbedürftige erfasst, Merkblätter für die Unterstützer erstellt und Ausweise für Einsatzkräfte und PKW gefertigt werden. Und ganz nebenbei musste man noch die Organisation für den heutigen Start der Hilfswelle auf die Beine stellen.

„Die Meldung von der Bestellung der Mundschutzmasken fürs Herzzentrum hat uns alle noch mal zusätzlich motiviert“, sagt Unverricht und man sieht ihm und den Netzwerkern an, wie stark sie davon emotional berührt sind. „Was hier passiert, ist unglaublich. Und wenn man dann noch bedenkt, dass all diese Menschen hier selber genug private Sorgen haben … also die Auszeichnung, mit der man sowas würdigen kann, mus erst noch erfunden werden.“

Beim Klicken auf dieses Bild öffnet sich der „Hilfe-Flyer“ des Unterstützernetzwerkes als pdf-Datei. Wenn Sie die Möglichkeit haben, drucken Sie ihn bitte aus und verteilen Sie ihn an ältere oder hilfsbedürftige Personen in Ihrer Nachbarschaft, damit diese Bescheid wissen.

 






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