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Don’t like mondays: Großer Stromausfall in Markranstädt

Was’n gebrauchter Start in die neue Woche! Die älteren Leser werden sich vielleicht noch an die Band Jethro Tull erinnern. In ihrem „Stormy Monday Blues“ beschrieben die Edel-Rocker um Ian Anderson genau das, was Markranstädt am heutigen stürmischen Montag ereilte. Allerdings gabs neben Sturm, Regen und dunklen Wolken auch noch Stromausfall. Was der stürmische Montag für Markranstädt als Höhepunkt bereit hielt, erfahren Sie hier. Wenn Sie das nicht interessiert, auch nicht schlimm. Dann lesen Sie einfach weiter.

Ausschlafen nach einem anstrengenden Wochenende? Fehlanzeige. Schon gegen 6:30 Uhr heulten in Markranstädt erstmals an diesem Montag die Sirenen. Einsatz in Großlehna. Kaum eine halbe Stunde später … klick … Strom weg! Um 7:10 Uhr dann schon wieder Sirenen.

Im Alten Ratsgut musste eine Person aus dem Fahrstuhl befreit werden. Das Vertikal-Gefährt hatte mangels Energiezufuhr seinen Stoffwechsel eingestellt. Auch andere lebenswichtige Funktionen standen nicht mehr zur Verfügung. Weil das Rolltor geschlossen war, mussten Nutzer der Tiefgarage per Bus oder Bahn zur Arbeit fahren.

Auf den Straßen der Stadt breiteten sich derweil Verärgerung und Unverständnis aus. „Die verarschen uns doch“, stellt eine Passantin mit Blick durch die geschlossene Eingangstür auf den dahinter in tiefer Dunkelheit gähnenden Einkaufsmarkt fest. Um den Wahrheitsgehalt ihrer Verschwörungstheorie zu belegen, zeigt sie auf die vorbeifahrenden Autos und beweist: „Die haben doch auch alle noch Licht!“ In der Tat war dieses Argument nicht von der Hand zu weisen.

Zivilverteidigung versagt

Der im kalten Krieg geschulte Ex-DDR-Bürger erinnert sich in solchen Fällen der ihm in zahlreichen Schulungen der Zivilverteidigung eingetrichterten Verhaltensweisen. Die da heißen: hinlegen (für Jakedumas und Neubürger alternativ: liegen bleiben) und Radio anschalten. Irgendwann kommt dort eine Durchsage des Rates des Kreises über das Ausmaß dieses Anschlags der aggressiven USA und ihrer Verbündeten im NATO-Pakt.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Eingeschläfert durch das unablässig propagierte Sicherheitsgefühl hat in den letzten 30 Jahren auch die Einsatzbereitschaft der Medien als Schwert und Schild unserer Gesellschaft gelitten. Es dauerte anderthalb Stunden, bis der hiesige Regionalsender Wind vom Sturm bekam und den Stromausfall meldete.

In den 8:30-Uhr-Nachrichten hieß es, dass der Leipziger Westen ohne Strom und insbesondere Markranstädt betroffen sei. Über die Ursache und die mögliche Dauer konnte der MDR nach Blick auf die Internetseite des VEB Kombinat Energieversorgung allerdings auch nichts sagen.

Apropos Internet: Das funktionierte, wenn überhaupt, nur per Smartphone. Als Kevin-Jason S. (16) gegen 8 Uhr mitten in der Nacht aufs Klo musste und das Licht nicht anging, startete er sein neues, erst letzte Woche geklautes Tablet, um den Grund der Dunkelheit zu ermitteln.

Ganz Markranstädt hinters Licht geführt? Von wegen Stromausfall … sogar die Autos hatten noch Licht!

Die einzige Information, die auf dem Monitor erschien, war allerdings lediglich eine Nachricht von Bill Gates, der es irgendwie geschafft haben muss, auch ohne Strom online zu gehen und seine Follower zu informieren. Er teilte Kevin-Jason mit: „Ihre Anmeldung war leider nicht möglich, da keine Internet-Verbindung hergestellt werden konnte. Bitte setzen Sie sich mit Ihrem Netzanbieter oder Ihrem Administrator in Verbindung.“

Wie er ohne Internet mit seinem ihm zudem völlig unbekannten Administrator in Verbindung treten sollte, das hat ihm dieses arrogante, motherfuckende IT-Opfer Gates allerdings nicht verraten. Bis an die Halskrause angefüllt mit Wut und Zorn, feuert der junge Mann das Tablet gegen die Wand. Das Geräusch berstender Plastikteile weckt seine On-Off-Freundin Mandy (15), die damit in doppeltem Sinne gerade mal wieder on ist, aus ihrem Meth-Rausch.

Einer genetisch veranlagten weiblichen Intuition folgend (es kann auch eine noch nicht ganz ausgestandene Bewusstseinserweiterung gewesen sein), erinnert sich Mandy eines alten Liedes, das ihre Mutter früher oft sang.

Darin geht es um einen Vogel, der geflogen kam und ein seltsames Must-Have namens „Brief“ an eine Schlampe irgendwo weit draußen im Off tragen sollte. Mandy erzählt ihrem Freund davon und beide setzen sich an den Tisch, um auf der Rückseite eines Kassenzettels einen Brief an diesen geheimnisvollen Administrator zu schreiben.

Kommt ein Vogel geflogen …

Die geklaute Uhr an Mandys Handgelenk, die trotz des Stromausfalls wie durch ein Wunder trotzdem funktioniert, piept gerade zu vollen Stunde und zeigt 9 Uhr, als Kevin-Jason seine Beschwerde zu formulieren beginnt.

Markranstädt, 30. September, 9:02 Uhr: Kevin-Jason hat mit „Halo du moderfager, mach mein Inder Nät wider ganz sonst“ gerade seine ersten Gedanken niedergeschrieben, da gibt das zertrümmert im Flur liegende Tablet einen letzten verzweifelten Piep-Ton von sich. In der gleichen Sekunde geht das Licht im Klo wieder an und das Leben kehrt zurück.

Was wusste Bob Geldof?

Im Radio, das wie von Geisterhand ebenfalls ganz von selbst wieder anspringt, dudelt „Dont like mondays“. Mandy und Kevin-Jason legen sich wieder hin und noch während Bob Geldof singt „And nobody’s gonna go to school today, she’s going to make them stay at home“ sind beide der so plötzlich wieder lebenswerten Welt bereits entschlafen.

Ein Montag in Markranstädt, wie ihn Jethro Tull oder The Mamas and the Papas nicht besser hätten beschreiben können. Freuen wir uns also gemeinsam auf die kommande Woche und ziehen unsere Lehren aus diesem gebrauchten Montag. Denn wie singt Bob Geldof doch gleich? „And the lesson today is how to die…“

 






3 Comments to Don’t like mondays: Großer Stromausfall in Markranstädt

  1. Bernd Hollwitz sagt:

    Das fällt mir dazu ein:
    “Hello darkness, my old friend / I’ve come to talk with you again” (deutsch: „Hallo Dunkelheit, mein alter Freund / Ich bin gekommen, um wieder mit dir zu reden“).

  2. Der Seebenischer sagt:

    Verschwörungstheorie:
    Absichtlicher Stromausfall, organisiert vom Wirtschaftsdezernat Markranstädt um dem demografischen Wandel etwas entgegen zusetzen, die Markranstädter Geburtenrate nach oben zu treiben und hernach künftig genügend Arbeitskräfte für weiteres Wachstum zu haben.
    Gut gedacht und schlecht gemacht.
    Mal ehrlich Jungs, morgens um 06:30 Uhr?
    Wer macht denn sowas?

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