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Herbst 1989: Was in Markranstädt wirklich geschah

„Geschichte ist das, worauf man sich nach 30 Jahren geeinigt hat“, soll Napoleon einst gesagt haben. Dreißig Jahre nach der friedlichen Revolution begehen wir den nun schon 29. Jahrestag der Wiedervereinigung. Zeit, sich endlich zu einigen und unseren Nachfahren zu hinterlassen, was wirklich geschah. Hier unsere Variante des wahren Verlaufes der Geschichte, als die Bundesrepublik der DDR beitrat.

Wenn man sich mal reinzieht, was allein in den nur 30 Jahren nach der Wende schon so alles an Fake-News kursierte und dann berücksichtigt, dass das Matthäus-Evangelium sogar erst rund 300 Jahre nach Christi Geburt geschrieben wurde … wer will da mit Sicherheit ausschließen, dass IM „Jesu“ nicht vielleicht ein Spitzel des römischen Geheimdienstes war?

Schauen wir also mal, was sich 1989 und danach in Markranstädt wirklich zutrug, damit wenigstens dieser Teil der Weltgeschichte zuverlässig interpretiert werden kann.

9. Mai 1989: Im Kölner Dom spricht der katholische Bischof erstmals davon, der Jugend bessere Perspektiven zu geben. Neben potenteren Pastoren stellt er aber auch Forderungen nach Reisefreiheit für alle Bundesbürger.

Nicht nur für viele Millionen Sozialhilfeempfänger seien Reisen ins sogenannte NKA (Nichtkapitalistisches Ausland) unerschwinglich, auch begüterten Westdeutschen wären zahlreiche Regionen der Welt nicht zugänglich. In Bezug auf Grönland fordert der Bischof ungewohnt deutlich: „Weg mit dem Packeis!“

17. Juni 1989: Im Wolfsburger Volkswagenwerk kommt es zu ersten Protesten der Belegschaft. Sie prangert die Lieferschwierigkeiten des neuen Golf II an. Weil die BRD dringend Devisen benötigt, werden viele der wenigen verfügbaren Motoren in die DDR geliefert und dort in Trabants und Wartburgs eingebaut.

Die VW-Kombinatsleitung versucht zu beschwichtigen, immerhin liefere die DDR mit preisgünstigen AKA-Mixern und ähnlichen Haushaltsgeräten im Gegenzug wichtige Konsumgüter für die Versorgung der Bundesbürger.

20. Juli 1989: Die Proteste werden lauter, erste Demonstrationen formieren sich. Jenseits des Eisernen Vorhangs rufen Eltern in einem Markranstädter Kindergarten zu Spenden für Ihre Landsleute im amerikanisch besetzten Teil der Heimat auf.

Diese Aktion ist nicht nur der Beginn einer beispiellosen Solidaritätsaktion, sondern markiert zugleich die Geburtsstunde einer bis heute andauernden Städtepartnerschaft zwischen Markranstädt und Mettmann.

13. August 1989: Als in Mettmann beim Verteilen der Hilfsgüter auf dem Marktplatz ein Care-Paket aufplatzt und Gläser mit unbekanntem Inhalt über das Pflaster rollen, kommt es zu tumultartigen Szenen.

„Seht mal, das haben uns die Bonzen 40 Jahre lang vorenthalten!“, schreit ein wütender Bürger in die Menge und hält dem Mob eines der Gläser entgegen. An diesem Tag wird die Spreewaldgurke zum Symbol des Widerstands im Westen.

3. September 1989: Das Konzept des Politbüros der SED zur Destabilisierung der Westzone geht auf. Immer mehr DDR-Bürger werden in die BRD geschleust, um die angespannte Versorgungslage zu verschärfen. Auch Markranstädter Genossen unterstützen den Kampf und verlassen, oft mit der ganzen Familie, vorübergehend die DDR.

29. September 1989: Nachdem als Urlauber getarnte Einheiten der Zivilverteidigung die Prager Botschaft der BRD besetzen, knickt das Bonner Regime ein.

Außenminister Hans-Dietrich Genscher tritt auf den Balkon und spricht die legendären Worte: „Ich bin gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass heute ihre Ausreise…“ Schon das letzte Wort geht im allgemeinen Jubel unter.

Erst Jahre später wird ein slowakischer Bauarbeiter bei der Sanierung des Gebäudes hinter der Klopapier-Halterung den Zettel finden, auf dem sich Genscher seine Worte notiert hat. Er liest: „… dass heute ihre Ausweise gedruckt werden, die sie künftig beim Empfang von Lebensmittelmarken im amerikanischen Sektor vorlegen müssen.“

8. Oktober 1989: Es reicht! Im Schleswig-Holsteinischen Quickborn gehen mehr als 51 Menschen auf die Straße und fordern eine Erneuerung der BRD von innen. Sie skandieren: „Wir sind keine Falschparker, wir sind das Volk!“

Vor den Augen eines Fernseh-Teams der Aktuellen Kamera werden die Demonstranten von Einsatzkräften des städtischen Ordnungsamtes brutal mit Strafzetteln verwarnt. Doch die Gewalt verpufft. Schon am nächsten Tag gibt es überall in der Bundesrepublik ähnliche Szenen. Auch in Mettmann, der Partnerstadt Markranstädts, gehen die Menschen auf die Straße.

10. Oktober 1989, 11:25 Uhr: Im Markranstädter Rathaus ist man besorgt über die Lage drüben. Der Bürgermeister greift zum Telefon und lässt sich per Handvermittlung (im Westen sind sie noch nicht so weit) mit seinem Amtskollegen in der Partnerstadt verbinden. Der beruhigt ihn und versichert, dass die Führung unter Kanzler Helmut Kohl die Lage im Griff habe.

Dennoch würde er es begrüßen, wenn Markranstädt zumindest einige seiner einstigen Einwohner wieder zurücknimmt. Er verspricht, der Partnerstand am See nach der Wende im Gegenzug ein modernes Feuerwehrauto, Baujahr 1951, zu überlassen. Sein Markranstädter Amtskollege bittet sich Bedenkzeit aus, will in zehn Minuten zurückrufen.

10. Oktober 1989, 11:35 Uhr: Das Markranstädter Stadtoberhaupt ist grundsätzlich einverstanden, fordert aber als Liefertermin nicht einen unbestimmten Zeitpunkt irgendwann nach einer Wende, sondern „sofort … unverzüglich“.

Das wiederum kann der Bürgermeister aus Mettmann nicht zusichern, da das Fahrzeug von der Kampfgruppe der ansässigen Besteckfabrik gegenwärtig noch als Reserve für einen eventuellen Einsatz als Wasserwerfer benötigt würde. Damit sind die Verhandlungen über einen friedlichen Beitritt der Bundesrepublik Deutschland ins Geltungsgebiet der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vorerst gescheitert.

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One Comment to Herbst 1989: Was in Markranstädt wirklich geschah

  1. Der Seebenischer sagt:

    Ja, und gegen den Klimawandel konnte nun endlich Dank hervorragender Technologien der DDR der Dederonbeutel auch in westlichen Kaufhallen flächendeckend den Plastikbeutel vertreiben.
    Auch vergesse ich niemals die Millionen von dankbar strahlenden Gesichtern, als man sich nun endlich auch von München bis Hamburg einheitlich in Präsent 20 und Malimo hüllen konnte.
    Um den Fachkräftemangel frühzeitig entgegen zu wirken, hat man bereits damals begonnen diese Spitzentechnologien der Textilindustrie nach Bangladesh auszulagern. Ja, die hatten einen Plan, damals vor fast 30 Jahren, den so genannten 30-Jahre Plan. Allerdings endet dieser im kommenden Jahr. Was dann?

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