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Farmfest: Perfekt, weils nicht perfekt sein muss

Die Veranstaltung fand schon am letzten Freitag statt und weil auch Pressevertreter vor Ort waren, wollten wir darauf verzichten, das Event auch noch durch die Mangel zu leiern. Nachdem wir in den Folgetagen aber vergeblich danach gegoogelt haben, sehen wir uns heute veranlasst, in die Presche zu springen und wenigstens ein paar Impressionen vom Farmfest in der Zwenkauer Straße unter die Leser zu jubeln. Denn sowohl die Feier als auch deren Hintergründe sind bemerkenswert.

Da werden wohl selbst die Macher vom Verein Richtungswechsel e.V. gestaunt haben, was da am Freitagnachmittag gen Farmgelände pilgerte. Ganze Familien waren unterwegs, um mit ihren Kindern ein paar Stunden unter den ökologischen Bedingungen gesellschaftlicher Freilandhaltung zu verbringen.

Das Kommen und Gehen eingerechnet, mögen es mindestens um die 300 Gäste gewesen sein, die dem Lockruf der Wildnis vor den Toren der Stadt gefolgt sind.

Klar, dass sich so kurz vor den Landtagswahlen auch ein paar Politiker auf die Farm verirrten, um gesehen zu werden. Dabei war das, was sie zu sehen bekamen, das eigentlich Bemerkenswerte. Eine Lehrstunde in Sachen praxisnaher Pädagogik war das, jawollja!

Entspannter Trubel mit Wohlfühl-Atmosphäre.

Und hoffentlich haben die politischen Gäste da auch einiges mitgenommen, wenns in dem einen oder anderen Parlament wieder mal hoch her geht zu Fragen, wie man die Kinder erreichen, heranführen oder mitnehmen kann.

Das magische Tor

Das Tor zur Farm muss eine magische Strahlkraft aussenden. Kaum hindurchgeschritten, war es, als hätten sich die Kids schlagartig verwandelt. Keine Probleme im Sozialverhalten, immunisiert gegen ADHS, Ego-Attitüden abgeschüttelt – statt dessen pure Freunde und Spaß miteinander.

Stockbrot und Marshmallows am Lagerfeuer.

Und das ganz ohne LED-Flackerei, Daddelkonsolen oder Digitalgedudel. Dem von demografischen Wandel gezeichneten Betrachter der Szenen füllte sich das Herz zu einem saftigen Steak, voller Hoffnung für die Zukunft.

Glanzvoll reflektiert wurde der Szenenaufbau durch das friedliche Familienidyll der Alpakas. Die Familie hat Nachwuchs und beim Anblick des kleinen Babys könnte sogar gestandenen Männern unversehens Milch in die Brust schießen.

Das Alpaka-Baby hielt sich im Hintergrund, aber dessen Eltern ließen sich gerne füttern.

Auch die anderen Programmpunkte des Farmfestes fanden reichlich Zuspruch. So beispielsweise die Bastelstraße, auf der Tiermasken und Vogelhäuser entstanden oder das Kinderschminken und ein Wissensquiz mit Fragen aus der Tier- und Pflanzenwelt. Auch der kleine Hofladen war gut besucht und das Lagerfeuer mit Stockbrot und Marshmallows sowieso.

Der alte Kauz und die Umwelt

Höhepunkt aber war ein Theaterstück. Da das diesjährige Farmfest erstmals gemeinsam mit den Kindern der Kitas Waldknuffel, Weißbachzwerge und Am Stadtbad organisiert wurde, durften die Kids natürlich auch gleich mitspielen und hatten dazu fleißig geprobt.

Ja, selbstverständlich stand der Spaß der Kinder im Vordergrund und die kleinen Darsteller damit im Mittelpunkt. Aber was der mit Andreas Lüer dramaturgisch perfekt in Szene gesetzte Gegenpart da auf die kleine Naturbühne gezaubert hat, war wirklich fernsehreif.

Rappelvolle Zuschauerränge bei der Aufführung des Theaterstücks. Szenenapplaus inklusive.

Schon seine Ankündigung sorgte für Lachsalven. „Keine Angst, wir wollen aus ihren Kindern keine kleinen Gretas machen“, beschwichtigte Lüer das Publikum. Aber es gäbe ein paar Dinge, die Kinder über die Natur durchaus wissen sollten. Im Mittelpunkt des Stücks stand neben der Kinderschar ein brummiger, alter Miesepeter (Lüer), der nichts für die Natur übrig hat.

Bienen hätten genug Platz auf seiner Windschutzscheibe, ein Schmetterling aus Plastik im Vorgarten würde es auch tun und der Baum müsse sowieso weg, weil er zu viel Schatten wirft.

Eine Naturfee, begleitet von Elfen, kam immer mal vorbei und konfrontierte den knurrigen Kauz mit ständig neuen Fragen, was dieser dann schon mal mit der Bemerkung quittierte: „Oh Gott, jetzt kommt die Alte schon wieder.“

Mehrmals forderte er das erwachsene ebenso wie das junge Publikum zu Lachsalven und spontanem Zwischenapplaus heraus. Am Ende musste er sich den Fragen und Argumenten der Naturfee mit ihren Elfen geschlagen geben. Ein unterhaltsames, wirklich wertvolles Lehrstück zur Sensibilisierung der kleinen und großen Zuschauer für unsere Umwelt.

Und schon wieder wird der alte Zausel von einer Öko-Fee genervt.

Auch wenn der Satiriker stets bemüht ist, das Haar in der Suppe zu finden, um es zu einem gut verkäuflichen Filzmantel aufzublasen, musste er sich bei diesem Fest geschlagen geben. Es war einfach perfekt, weil jeder von vornherein wusste, dass es nicht perfekt sein würde.

Auch die Kinder der Kitas spielten mit und hatten sichtbar Freude bei der Aufführung.

Der Verein Richtungswechsel hat schlichtweg das gemacht, was er am besten kann: Er ließ der Sache ihren natürlichen Lauf. Die Angebote waren da und siehe: Sie wurden genutzt. Ein tolles Farmfest in entspannter Atmosphäre.

Und in einem bemerkenswerten, naturnahen Umfeld, in dem Eier noch von Hühnern und nicht von Pokémons gelegt werden, in dem die Kühe nicht lila sind und Milch nicht an Tetrapack-Bäumen wächst. Ein zeitgemäßer Biss in den Apfel der Erkenntnis, präsentiert auf einer der letzten Parzellen des Garten Eden, die es hoffentlich noch lange gibt.

 






One Comment to Farmfest: Perfekt, weils nicht perfekt sein muss

  1. Der Seebenischer sagt:

    Liebe MN,
    das gefällt mir über welche Themen ihr alles berichtet,
    da bin ich lokal immer bestens informiert, während ich
    bei der etablierten Tagespresse lokal eher selten etwas finde.

    Dort erfahre ich heute von einem Bauboom in Connewitz und das nach langer schwerer Krankheit das Lama Horst verstorben ist. Alles wichtige Dinge, welche den Markranstädter Normalverbraucher unter den Nägeln brennen 🙂

    Bei Euch erfahre ich was in Markranstädt und Umgebung los ist und das auf eine lesenswerte kurzweilige Art.

    Merci, Danke, Thanks, Obrigado, Grazie, XieXie, Tack, Spas(s)ibo

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