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Neues aus der vierten Etage (52) – Teil 1

Verglichen mit Markkleeberg, Zwenkau oder Schkeuditz, wo sich bestenfalls zwischen zwei und fünf Zuschauer in die jeweiligen Ratssäle verirren, sind Stadtratssitzungen in Markranstädt traditionell geradezu ein Publikumsmagnet. Und trotzdem weiß man, dass etwas in der Luft liegt, wenn um die 20 neue Gäste die Stuhlreihen füllen. So wie gestern. Allerdings endete das scheinbare Engagement der Neu-Einwohner in einem peinlichen Desaster.

Auch die 52. Sitzung der Lallendorfer Duma bestätigte einmal mehr: Je kürzer die Tagesordnung, desto länger zieht sich das Unterhaltungsprogramm hin. Deshalb musste man gut ausgeschlafen sein, um für die Zwischentöne empfänglich zu bleiben.

Den Grund, warum die Besucherreihen so gut gefüllt waren, hatte auch die Stadtverwaltung längst auf dem Schirm. Nicht zuletzt hatten in den sozialen Netzwerken schwungvoll verbreitete Informationskonvolute bereits für genügend Vorwarnung gesorgt. Es geht um einen BOS-Funkturm, der in der Ranstädter Mark errichtet werden soll.

Und genau damit wurde auch die Bürgerfragestunde eröffnet. Allerdings nicht mit einer Frage, sondern mit einem einfühlsam dargebotenen Präludium des Bürgermeisters. Der erklärte, dass es sich um eine Art Behördenfunk, beispielsweise für Katastrophenfälle, handelt. Mit anderen Worten: Es geht nicht um die Erweiterung technischer Voraussetzungen, damit auch künftig von Privatnutzern aus diesem Stadtviertel stapelweise Dokumente per Whatsapp durch die Gegend geschickt werden oder Familien am Frühstückstisch auf dem Schotterbeet miteinander chatten können.

BOS ist nur für Bosse

Jens Spiske wies eindringlich darauf hin, dass es sich hier um eine übergeordnete Angelegenheit des Bundes handele und das Sächsische Immobilienmanagement Bau (SIB) der Bauherr sei. Daher könne er auch nichts zu etwaigen Details sagen. Um Bürgern und Interessenten die Möglichkeit der Information zu bieten, sei für den 9. Oktober im Ratssaal eine Infoveranstaltung mit dem SIB anberaumt worden. „Ich bitte sie, ihre Fragen dort zu stellen“, schloss der Markranstädter Ministerpräsident und versprach, vorher keinen Pachtvertrag zu unterschreiben.

Das war natürlich jetzt blöd für die extra aus der Känguruhsiedlung hinter der Bahn angereiste Besuchergruppe. Um ihrem Zeitopfer dennoch einen Sinn zu geben (der Kredit für das friedliche Zuhause ist ja inzwischen unbarmherzig weitergelaufen), wurden dann trotzdem die auf den Herzen brennenden Fragen gestellt.

Sehr zum Leidwesen der anderen Anwesenden, die dann als Antwort eben jene Ausführungen zu hören bekamen, die Spiske nur Sekunden vorher als Einleitung schon einmal zum Besten gab. Inzwischen näherte sich bereits die Tagesschau und mit ihr die Sehnsucht nach dem heimischen Sofa.

Dann gab eines der Opfer dieses strahlenbelasteten Immobilienbetrugs zu bedenken, dass sich manche Bewohner in der Ranstädter Mark sicher nicht dort niedergelassen hätten, wenn damals schon ein Funkturm dort gestanden hätte. Zumindest sorgte das Gelächter im Rest des Publikums dafür, dass die inzwischen bereits mit dem Abnicken beschäftigten Insassen des Ratssaales plötzlich wieder wach wurden.

Auf diese Weise erlebten sie auch das einzigartige Ende dieser Bürgerfragestunde. Um es vorweg zu nehmen: So fassungslos hatte man weder die Stadträte noch die Verwaltung oder die übrig gebliebenen Stammgäste je gesehen.

Kaum dass Spiske das Ende der Fragestunde bekanntgegeben hatte und zum nächsten Tagesordnungspunkt schreiten wollte, erhob sich die gesamte Ranstädter Reisegruppe (gefühlte 15 Besucher) und verließ, zum Teil fröhlich nickend, lächelnd und bisweilen sogar kurz winkend, wie ganz selbstverständlich die Veranstaltung.

„… uuund tschüss!“

Reihenweise hörte man das Klacken fallender Kinnladen auf dem Ratstisch. Nach Fassung ringend, konnte Jens Spiske der Prozession gerade noch mit auf den Weg geben: „Oh, damit ist ihr Interesse an den Vorgängen in ihrer Stadt wohl erloschen? Vielen Dank, wir werden die weiteren kommunalpolitischen Entscheidungen dann wohl ohne sie treffen müssen.“ Dieser Einwurf wurde von den Flüchtenden nicht einmal anständig ignoriert.

Der strategisch nach vorn denkende Satiriker kombinierte aber schon messerscharf und erkannte hier sofort reichlich Potenzial für die Zukunft. Bei solch einem egozentrischen Verhalten wird es für die nördlich der Bahnlinie angesiedelte Ethnie in Zukunft gaaanz schwer, sowohl im Bürgertum als auch in der Kommunalpolitik für auch nur irgendwas Verbündete zu finden. Sie hatten sich soeben isoliert.

Sogar im Tuscheln unter den Stammgästen und Ureinwohnern im Ratssaal machte der Wunsch nach einem ungeordneten Mexit der Ranstädter Mark die Runde. Termin: sofort – unverzüglich.

Nee, sowas macht man nicht. Echt nicht. Das war ein Affront nicht nur gegen vielleicht ungeliebte Volksvertreter oder Stadtverwalter, sondern gegen die ganze Stadt. Eine Dame aus dem Publikum machte sich dann auch entsprechend Luft: „Na bitte, die interessiert doch gar nicht, was in der Stadt läuft. Denen geht’s nur ums Eigene.“

Der zweite Teil folgt morgen

Dabei stand sogar noch ein Punkt auf der Tagesordnung, der die Interessen dieser Enklave direkt berührt. Es ging um die Auslastung des Gewerbegebietes Ranstädter Mark. Aber was solls. Umso mehr Stoff gibt es für die satirische Gemeinde. Wenns dann demnächst in den sozialen Netzwerken wieder hoch her geht und mit Halbwissen hin und her geschossen wird, ist wenigstens für Unterhaltung gesorgt. Wen interessiert da schon, ob das Gewerbegebiet zu 50 oder 70 Prozent ausgelastet ist oder ob da jemand eine Zwergenküche baut. Am Ende sind es nur 25 Prozent, dafür aber eine Riesenküche oder umgekehrt. Und so einen Funkturm – den kann man ja auch in ein anderes Wohngebiet setzen.

Jo – wie Sie sehen, sitzt der Eindruck dieses Bürgerdesasters noch tief in der satirischen Seele. Dabei gab es wirklich noch genügend Stoff aus dem Rest der Veranstaltung.

Zum Beispiel Neues über eben jene Zwergenküche, eine Software für Feuerwehrjacken, Risse in der Grundschule Kulkwitz, ein Treffen des Bürgermeisters mit der Polizei wegen der Jakedumas, den ehemaligen Konsum in der Zwenkauer Straße, das alte Haus (Uhren-Sonntag) in der Schkeuditzer Straße oder noch ein altes Haus in der Karlstraße, das bei fortschreitenden Bauarbeiten einzustürzen droht, wenn da ein Bauarbeiter auch nur eine Bemmenbüchse fallen lässt.

Aber all das gibt’s morgen. Die Qualitätspresse war eh nicht da, also können Sie das sowieso nur bei uns erfahren. Nach der Freitagssitzung mit Kellerbier und Grappa.  Stößchen!

 






6 Comments to Neues aus der vierten Etage (52) – Teil 1

  1. Heidi sagt:

    Getroffenen Hunde bellen und würden gern 2 Sachverhalte klar stellen:

    1. Die Zahl der Ranstädter Mark-Bewohner ist zum Glück höher, als die (gefühlten) 15 Personen die in stets vorauseilender Überbesorgnis an der Stadratssitzung teilnahmen!
    Schon allein die Straße Zum Haidenfeld besteht aus 88 Grundstücken!!!
    Ebeso gehören mindestens die Bewohner des Wirtschaftsweges, der Straße Am Joppenfeld, der Faradaysraße, des Nobelringes, der Edison-, Celsius-, Lilientalstraße zur Ranstädter Mark-Siedlung.
    Nördlich der Bahnlinie wohnen auch Menschen in der Ziegelstraße, Heidestraße, Hugo-Ruppe-Straße, Nordstraße und Otto-Nußbaum-Straße.

    Wieviele davon nun wegen des Funkmastes ihre Häuser verkaufen wollen,ist noch nicht vorhersagbar. Es kann ja logischerweise erst entscheiden werden, nachdem man am 9.10. am Faktenchek teilgenommen und dort Antworten auf besorgte u. deshalb auch berechtigte Fragen erhalten hat.

    2. Dass das Gewerbegebiet gefüllt werden muss, sollte im Interesse ALLER Markranstädter sein. Wer ein Haus im Mischgebiet erwirbt, hat es vorher gewusst. Deshalb enttäuscht der Ausgang des Projektes Zwergenküche mit den von allen zu tragenden Konsequenzen nicht nur Menschen, die sich dort einen Arbeitsplatz erhofft hatten, sondern erschreckt allgemein, auch Ranstädter Mark Bewohner, die sich hiermit von der kleinen Ethnie der aktiven Verhinderer distanzieren.

  2. Beobachter sagt:

    Allso ich will es mal so sagen, das ist eben das neue Denken der meisten Bürger, Sie wollen immer nur wissen wenn es um Sie direkt geht alles andere interessiert diese menschen einen grins Pupser. Aber sich sofort aufregen wenn etwas nicht von heute auf morgen passiert.
    Aber mal ehrlich, ist es Ihnen zu verdenken? Es wird doch auch in der vierten Etage genauso wie in Dresden meistens immer nur ein Bla bla vollbracht und das wenige was dann wirklich interessant ist wird ohne Publikum oder im Hinterzimmer aus gemauschelt.
    Beispiele dafür gäbe es viele.

  3. Bernd Hollwitz sagt:

    Schöne Wortspiele! Stößchen!
    Ich bin ebenfalls heiß auf TEIL 2.

  4. Der Seebenischer sagt:

    Danke für die immer wieder köstliche Darreichung eines doch eher zähen kommunalpolitischen Stoffs! Mein Verständnis ernten aber auch die Ranstädter 15. Uns Bürgern interessiert halt das Kind und nicht die Geburtswehen dazu.
    Von der Zeugung über die Geburtswehen bis zur Kindestaufe zu informieren soll früher eine von der Zeitungspresse besetzte Marktlücke gewesen sein, nicht gerade hier im Osten, aber halt ganz früher, damals früher als alles noch viel früher war.
    Danke für die Berichterstattung, warte auf den nächsten Teil.

    • CvD sagt:

      Jo, das ist ja legitim. Wenn einen nur das Kind interessiert, muss man eben warten, bis es geboren ist. Da stellt sich allerdings die Frage, weshalb man dann schon vorher in den Kreißsaal kommt und dort den Hausmeister fragt, wie der Gynäkologe die Entbindung vorzunehmen gedenkt.

  5. Bekannt sagt:

    Ich hab mich grade schlapp gelacht: Mexit für die Ranstädter Mark … und dann auch noch in Schabowski – Manier ‚sofort – unverzüglich‘ … darauf muss man erstmal kommen ;-))
    Bin nur gespannt, wer dann den Mexit-Johnson gibt …
    Um sofortige Benachrichtigung wird gebeten, falls der den Nachtschichten bekannt sein sollte. Von den Qualitätsmedien wird ja diesbezüglich nichts zu erwarten sein.

    Bin schon voller Vorfreude auf Teil 2!

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