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Hat Markranstädt ein Rassismus-Problem?

Wenn den Qualitätsmedien die Schlagzeilen ausgehen, stellen sie einfach nur die R-Frage und schon ist der Boden für neue Sondersendungen und Extra-Ausgaben bereitet. Nur um Markranstädt machen sie dabei einen Bogen. Deshalb müssen wir das übernehmen und sind der Frage nachgegangen: Hat Markranstädt ein Rassismus-Problem? Die Antwort lautet, so viel sei vorweg genommen: Ja! Ein Großes zudem und nicht nur mit Rassismus, sondern auch eins mit der kolonialen Vergangenheit und sogar mit nationalsozialistischem Gedankengut.

Beginnen wir mit dem Rassismus. Während sich überall in Deutschland Widerstand gegen Bezeichnungen wie Zigeunersoße, Negerküsse oder Mohrenstraßen regt, tut man in Markranstädt so, als ginge das hier niemanden etwas an.

Auf den ersten Blick scheint das auch gerechtfertigt. Die Mohrenapotheke ist hier Maria geweiht und erfüllt damit sogar die Frauenquote. Auch Negerküsse gibt’s schon lange nicht mehr. Seit Edeka dicht gemacht hat, muss man sich im Stadtzentrum nicht mal mehr um Schaumküsse Gedanken machen.

Die Invasion der weißen Mohren

Bereits zu Lebzeiten von Edeka war auch der Sarotti-Mohr schon in „Sarotti-Glücksmagier der Sinne“ oder sowas umgetauft worden. Dass niemand das zur Kenntnis genommen hat, liegt allein daran, dass die Schokoladentafeln zu klein sind, um die zum Spruchband mutierte, linientreue Rechtfertigung in lesbarer Schriftgröße aufdrucken zu können.

Betrachtet man die Entwicklung in Deutschland vor dem Hintergrund dieser Umformatierung unserer Muttersprache, könnte man zu dem Schluss gelangen, dass es für den Afrikaner offenbar viel leichter zu ertragen ist, wenn er in der Straßenbahn als Farbiger oder Bunter zusammengetreten wird und nicht als Neger.

Alles eine Frage der Sprache

Rein medial gibt es derzeit jedenfalls kein größeres Problem als die Beseitigung des Mohren aus der deutschen Kulturlandschaft und die Bereinigung rassistischer Poeme wie „Jim Knopf“, in denen auch nur einmal das N-Wort vorkommt. Wir übergeben den Flammen die Werke von Michael Ende, Astrid Lindgreen, Mark Twain …

Das kann auf keinem Fall so bleiben! Hier sind neue, kreative Ideen gefragt. Zum Beispiel „Straße der internationalen Solidarität zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen“. Das andere Ende des Schildes könnte man dann am BOS-Funkturm feströdeln.

Aber genau diese vorauseilende Selbstverpflichtung wird in Markranstädt schmerzlich vermisst. Mehr noch: Man scheint dieses tiefgreifende gesellschaftliche Problem nicht nur nicht ernst zu nehmen, sondern noch nicht einmal erkannt zu haben!

Wie sonst ist es erklärbar, dass mitten in der Stadt eine Straße „Schwarzer Weg“ heißen darf, ohne dass dazu eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen wird?

Doch es kommt noch schlimmer. Wie rein zufällig und ohne jeden Kontext zum Schwarzen Weg gibt es in Markranstädt auch noch einen Plantagenweg! Als ob man nicht wüsste, wer so alles auf einer Plantage bis zur Erschöpfung arbeiten musste. Die aus dem Schwarzen Weg! Es ist unerträglich.

Und der Rassismus ist nicht das einzige Problem in Markranstädt. Während in anderen Städten Kfz-Kennzeichen mit Zahlenkombinationen wie 18 oder 88 (laut Buchstabenfolge im Alphabet AH für Adolf Hitler und HH wie Heil Hitler) konsequent aus dem Verkehr gezogen werden, fahren bei uns völlig vorurteilsfrei Busse der Linie 65 rum.

Machen sich die LVB mit der unscheinbaren 65 der Verbreitung verfassungsfeindlicher Schriften schuldig? Wie lange wird das noch geduldet?

FE … Finaler Endsieg! Und das wird einfach so geduldet. Nicht zu fassen ist das! Wo sind die Triebkräfte gesellschaftlicher Toleranz, die sonst so eifrig dabei sind bei der verbalen Aufarbeitung unserer Erbschuld? Wo sind die Vorbilder?

Im Rathaus nicht! Der Bürgermeister wohnt laut Angaben auf seinem Wahlflyer in der Hausnummer 62, was für FB steht. Er residiert also im Führerbunker. Aber wer jetzt frohlockt, weil der Amtsinhaber mit seiner Hausnummer scheinbar im Fettnäpfchen sitzt, sollte vorsichtig sein.

CDU-Bewerber Peter Bär will morgen Abend im Holzwurm grillen. Anschrift: An der Schachtbahn 18. Na, klingelt’s? 18? AH! Und die weibliche Bewerberin wird sich im Falle ihrer Wahl gar komplett umbenennen müssen. Während Jens-Reiners Initialien JR noch zum Ewing-Lächeln animieren könnten, stockt einem bei NS das Blut in den Adern.

Volkshaus und Herren-Schnitt

Wollen wir jetzt noch über die unerträgliche Gegenwart kolonialer Vergangenheit reden? Vielleicht über die Bezeichnung Havanna-Haus oder den Begriff Volkshaus, in dessen Klang die Noten des Horst-Wessel-Liedes mitzuschwingen scheinen? Oder reden wir gleich über das große Ganze?

Zum Beispiel, dass in Markranstädter Friseurläden für die gleichnamige Rasse noch immer ein „Herren-Schnitt“ angeboten wird? Das schreit doch geradezu danach, dass man sich hinterher als was Besseres fühlt!

Nein, wir sollten es nicht bei der halbherzigen Gendrifizierung unserer Sprache belassen. Warum nicht gleich richtig? Wollt Ihr die totale Political Correctness?

Wir rufen Euch zu: Weg mit den Hausnummern samt Kfz-Kennzeichen, die nur dazu dienen, verdeckte Nazi-Codes zu verbreiten!

Unser Leben wurde doch schon einmal viel einfacher, als aus der kurzen eine 22-stellige Kontonummer wurde. Warum also nicht auch unsere Adressen mit einer SEPA-Hausnummer vereinfachen?

Natürlich müssten aus der Mathematik auch wenigstens die 1 und die 8 verschwinden, ebenso alle Rechenoperationen, die 18 oder 88 ergeben könnten. Auch die 87 (Hermann Göring) und die 117 (Joseph Goebbels) gehören verboten. Überhaupt gleich alle Zahlen, wenn man die Riege von Hitlers Helfern mal so Revue passieren lässt. Es geht auch ohne.

Auch für die Buslinie 65 gibt es eine ideologisch unbedenkliche Lösung. Man könnte sie wieder in die vor der Wende bekannte Linie B zurückbenennen. Natürlich nur, wenn die Opfer von SED-Unrecht nichts dagegen haben.

Wenn die Porta Nigra Porta Nigra heißen darf, dann dürfte der Schwarze Weg auch Via Nigra heißen. Es sei denn, schon die alten Römer waren Rassisten.

Bliebe nur noch die Sache mit dem Schwarzen Weg. Jetzt nicht übermütig werden und Via Nigra vorschlagen, weil die Porta Nigra auch noch so heißen darf wie sie heißt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis neuzeitliche Geschichtsschreiber erkennen, dass die Römer auch nur Nazis waren. Oder wenigstens Rassisten. Grüner Weg. Ja, das wäre völlig unverfänglich.

Die Frage nach den Kosten

Ach so, bevor Sie sich jetzt fragen, wer die ganzen Umbenennungen, Neuregistrierungen, Schilder, Ausweise, erlaubten Ziffern und das ganze Drumherum bezahlen soll: Wir nicht!

Das wäre jetzt die Aufgabe für den kommenden Bürgermeister. Wenn es gelingt, all diese Kriterien in ein Projekt für ein weltoffenes, multikulturelles und tolerantes Markranstädt zu packen, gibt’s bis zu 150 Prozent Fördermittel aus Berlin und den selben Betrag noch mal von der EU.

Die bezahlen das alles, nicht wir. Echt jetzt. Also lassen Sie uns endlich anfangen, es kann ja so nicht weitergehen. Lassen Sie uns Rassismus und Nazi-Ideologie an ihren Wurzeln packen. An den Buchstaben, Zahlen und Worten. Weg mit dem Mohren, dem Neger und dem Zigeuner. Sie werden sehen, wie schön und tolerant unsere Welt dann plötzlich sein wird. Beim Gendern hats ja auch geklappt.

 



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5 Comments to Hat Markranstädt ein Rassismus-Problem?

  1. Ute Weigand-Münzel sagt:

    Ein absolut toller Artikel, der mir aus der Seele spricht. Prima!

  2. Heidi sagt:

    Fortsetzung:
    …lassen Sie uns anfangen…Ja und nochmal Ja! Wir haben schon angefangen! Die Damen, die da nach dem BM-Kandidaten fragend beieinander saßen sind keine hohlen Schwätzerinnen oder Kaffeetanten. Ein offizieller Verein sind sie auch nicht,aber vielleicht ein Samenkorn für ein tolerantes Markranstädt. Sie sind eine interkulturelle Gruppe aus Einheimischen(wenn auch nicht hier geboren)und Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Sie bewegen sehr fleißig ihre Hände, fertigen liebevoll und gemeinsam Weihnachtsüberraschungen für die Sorgenkinder unserer Stadt. Ob das BM-Kandidaten interessiert? Die Tür stand weit offen!

  3. Heidi sagt:

    1. Alles eine Frage der Sprache…Aber als Nichthiergeborene beeindruckt manchmal auch das Schriftbild. Das der Feuerwehr am Markranster Spritzenhaus z.B. Es knüpft Gedankenverbindungen zur Zeit, in der diese Schrift modern war.Frage ans einheimische Volk: Ist das Kunst, oder Denkmalschutz oder kann das weg?
    2. (K)ein Witz: Da sitzen, Coronabedingt bei weit geöffneter Tür, Bürgerinnen im MGH in einer Gruppe beieinander. Eine teilt beiläufig mit, dass ja bald BM-Wahl ist und ob wer die Kandidaten kennt. Zur gleichen Zeit befindet sich ein Kandidat im Hause. Aber merke: Zur Sprechstunde muss man als Bürger hingehen und ein Anliegen vortragen. Die Vorstellung des Kandidaten ist in diesem Zusammenhang leider nicht möglich. Dafür braucht man nämlich einen Grill und eine Lokation für die Spülung. Erst damit kann Bürgernähe entstehen.
    Was hätte er für einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen, wenn er den Damen unerwartet und persönlich, wie der leibhaftige Nikolaus am 6. Dezember, begnet wäre und sich als BM-Kandidat vorgestellt hätte!
    Mehr Bürgernähe braucht das Volk, weniger Obrigkeit!!!

  4. Wiki1302 sagt:

    Guter Artikel
    Wenn man das so liest, so geballt, merkt man richtig deutlich wie verblödet die Gesellschaft ist.
    Man muß ja schon damit rechnen das man aus der Gaststätte fliegt wenn man Heilbutt mit brauner Soße bestellt bzw. beim Vorzeigen des Führerscheins die Handschellen klicken.
    In diesem Sinne, Weitermachen und bis bald

  5. Biker sagt:

    Ein mit großem satirischen Herz geschriebener Artikel, der unseren Zeitgeist gut dokumentiert. Es fehlt allerdings noch der Verweis auf die „Katholische Jugend“ aus dem Süden unserer bunten Republik, die das Wort Gott jetzt mit Gendersternchen ver(un)zieren will.

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