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Hosen runter und bücken: Ein satirisches Zäpfchen

Noch zwei-drei Krankenscheine und am Rathaus muss laut Vorschrift der WHO die gelbe Flagge gehisst werden: Quarantäne im schwarzen Kasten. Die Cholera grassiert (Chaos ohne Leute im Rathaus). Nun hat es den vermeintlichen Erreger selbst erwischt und Ironie der Situation: Ausgerechnet der Leiter des Instituts, das den Virus vor wenigen Tagen lokalisierte und das Ergebnis in einer gemeinsamen Erklärung mit anderen Labors in einem Fachorgan publiziert hat, ist am vergangenen Freitag selbst zum Serum geworden.

Dass ein Arzt den Arzt vertritt, kommt in jeder Praxis schon mal vor. In der Kommunalpolitik ist sowas jedoch eher selten der Fall. Und noch seltener, wenn ein FWM-Arzt die nicht vorhandene und daher mitunter schmerzlich vermisste Amtskette dem CDU-Doktor überlassen muss. Doch geradezu einzigartig, wenn sowas auch noch in Markranstädt geschieht.

All jenen Leserinnen und Lesern, die einem sinnstiftenden oder gar wertschöpfenden Tagwerk nachgehen müssen und daher an den tragischen Einzelschicksalen im Rathaus bislang nicht bewusst Anteil nehmen konnten, sei mit den folgenden Zeilen auf die Sprünge geholfen.

Die Reihen im Rathaus haben sich beträchtlich gelichtet. Sowohl die Zahl der im Kampf Gefallenen als auch die der im Lazarett ihrer Rekonvaleszenz entgegensehenden Verwundeten hat inzwischen Heeresstärke erreicht. Allein vom 5-köpfigen Generalstab (Bürgermeister und vier Fachbereichsleiterinnen) sind zur Zeit nur noch zwei fähig, an den Lagebesprechungen teilzunehmen. Der Rest ist entweder auf Heimaturlaub, in Gefangenschaft feindlicher Sanitätseinheiten oder übergelaufen.

Zweites Glied nach vorn!

Bei deren Stellvertretern ist das Bild nahezu identisch, wenngleich manchen von ihnen vielleicht nicht einmal bewusst ist, dass sie überhaupt Stellvertreter sind. Allein der Stolz, nicht wegen Feigheit vorm Feind aus den Geschichtsbüchern der Stadt getilgt zu werden, lässt sie täglich aufs Neue in erster Reihe am Kartentisch antreten.

Für den Fall, dass der General einmal außer Gefecht gesetzt wird, hat ihm die sächsische Heeresversuchsanstalt die Ernennung eines ihm beigeordneten Vizegenerals zugestanden. Dabei ist man in Dresden von der Wahrscheinlichkeit ausgegangen, dass der Lametta-Träger wohl mal verletzt werden oder gar im Kampf für Volk und Vaterland fallen könnte, aber kaum sein offizieller Stellvertreter gleichzeitig kampfunfähig wird.

Also war die Wahl eines weiteren ehrenamtlichen Vize-Vize-Generals aus einer Sanitätseinheit erstmal nur als prophylaktisch-demokratisches Antidepressivum gegen wehrkraftzersetzende Gedanken gedacht.

Dessen Aufgaben sollten eigentlich in der Überbringung von Blumensträußen und Orden anlässlich runder Dienstjubiläen verdienter Frontkämpfer ihren Höhepunkt finden.

Und nun liegen der General (Kriegsneurose) sowie sein Adjutant (Querschläger von hinten zwischen die Schulterblätter) im Lazarett und der ehrenamtliche Volkssturm muss es jetzt wirklich richten. Wer hätte das gedacht? So weit zur militärischen Analyse. Nun zurück zum medizinischen Aspekt des Geschehens.

Vor knapp drei Wochen hatten die Fraktionen von SPD, BfM und CDU in einer gemeinsamen Erklärung ihrer Sorge um die Personalentwicklung und den Krankenstand im Rathaus Luft gemacht.

Darin hieß es: „…Alleine die Fluktuation der Mitarbeiter im Führungskräftebereich ist erheblich. In den letzten 6 Monaten musste der Verwaltungsleiter den Abgang einer Kämmerin, der Bauamtsleiterin, der stellvertretenden Leiterin des Fachbereich I sowie der Pressesprecherin verkraften. Der stellvertretende Bauamtsleiter kündigte dabei gleich seinen Rücktritt aus der Leitungsebene mit an. Darüberhinaus wurden die Räte in der letzten Sitzung informiert, dass derzeit ein erhöhter Krankenstand im verbleibenden Führungskräftebereich vorliegt.“

Wie in solchen Verlautbarungen üblich, wurde durch diplomatische Formulierungen breiter Interpretationsspielraum hinsichtlich des Erregers der Epidemie gelassen.

Das Orchester dirigiert sich selbst

Lediglich die Tatsache, dass in diesem Papier dreimal der Begriff Bürgermeister und ebenso oft der Name Spiske vorkommt, könnte darauf schließen lassen, dass man den Virus im Reagenzglas isoliert glaubt.

Nun aber ist der Bürgermeister selbst befallen worden und jetzt gibt es da Konstellationen, die den Kreislauf jedes Satirikers zum Blubbern bringen. Da die Beigeordnete auch ausgefallen ist, muss nun der ehrenamtliche Bürgermeister das Ruder übernehmen. Der Arzt Dr. Kirschner vertritt den Arzt Jens Spiske. Das hat was.

Okay, rein vom Aufwand her dürfte das kein Problem sein. Böse Zungen behaupten ja, dass der Weg von der Schulstraße zum Büro des Bürgermeisters schon so ausgetreten ist, dass eine vom Schreibtisch in der Praxis runterfallende Murmel von ganz allein bis rüber zum Rathaus rollt.

Viel interessanter ist jedoch die Tatsache, dass da jetzt ein Unterzeichner der Fraktionserklärung Zugang zu eben jenem Medikamentenschrank hat, in dem das Serum für die Heilung der diagnostizierten Krankheit steht. Das werden ganz sicher bahnbrechende Tage für die Entwicklung des Gesundheitswesens.

Leider hat die dreifache Absicherung mit Stellvertretern trotzdem nicht so weit gereicht, dass am vergangenen Samstag ein Vertreter der hauptamtlichen Generalität das Ehrenamt beim Feuerwehrball mit seiner Anwesenheit ehren konnte.

lvz

Hoffentlich kommt er durch. (aus: LVZ, 5.11.16)

Das war auch der Ausgangspunkt für närrische Fantasien hinsichtlich des Geschehens am kommenden Freitag. Wenn da am 11. 11. der MCC vor dem aus gesundheitlichen Gründen geschlossenen Rathaus steht, wird die Schlüsselfrage erstmals in der Geschichte der Stadt zum ernsthaften Problem. Wer hat den Schlüssel, mit dem man an den Schlüssel kommt?

Schlüsseltechnologien gefragt

Zumindest in dieser Frage gab es schon mal Entwarnung. Dr. Kirschner wird dem Vernehmen nach gegen 11 Uhr mal rüber kommen und den Närrinnen und Narren ein wirkungsvolles Beruhigungszäpfchen einführen. Inklusive Schlüssel und was sonst noch so dazugehört.

Der andere Karnevalsverein hat solche Sorgen nicht. Die Seebenischer Jecken haben nicht mal etwas, was man aufschließen könnte und folglich ist ein Schlüssel deren letzte Sorge. Zumindest gibt es dort noch ein Domizil, in dem man sich nach mehr oder weniger viel Antragsaufwand treffen kann. Darin sollte heute auch die Bürgermeistersprechstunde stattfinden, deren Durchführung am Montag via Lokalpresse noch einmal bestätigt wurde.

Mal sehen, wer da kommt … also seitens des Rathauses. Eigentlich ist es ja egal, ob da Spiske oder Kirschner aufschlägt. Es ist Sprechstunde und da hat ein Arzt da zu sein.

 



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2 Comments to Hosen runter und bücken: Ein satirisches Zäpfchen

  1. Peter sagt:

    Einfach genial recherchiert und in Scene gesetzt.
    Bleibt nur noch der Hinweis:
    Kleine Sünden straft der Liebe Gott sofort ……………

  2. A. RONALD sagt:

    Zwei Fachbereichsleiter sind absolut ausreichend.
    Man braucht weniger Säcke um das Licht ins Rathaus zu tragen….weil zwei Personen verbrauchen weniger Licht.

    Energieeffiziente Stadt Markranstädt.
    Da bekommt das „Blau machen“ und der VW Slogan
    „Blue efficience“

    Bürger schließt Euch an….senkt den Lichtverbrauch. Hier 3 Tips wie das geht…..
    1. geh nicht zur Arbeit und mach blau. Da kannst Du kein teures Büro-oder gar Rathauslicht verbrauchen…
    2. Zieh Dich komplett an auch Handschuhe und Gesichtsmasken – dann kann Deine Haut auch wirklich kein Licht absorbieren und verbrauchen
    3. schalte alle Lichter ein im Rathaus und überall…wenn Du blass bleibst hast Du alles richtig gemacht und bist Energieffizient.
    Fazit: Bürger, erbraucht weniger Licht ! Absorbieren ist Out! Umweltfreundlich reflektieren oder gleich dem Rathauslicht aus dem Weg gehen….

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