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Kirche im Doppelpack: Videovortrag und Auslageandacht

Während andere Institutionen in der Corona-Krise den Kontakt zur Basis fast schon verloren haben, hat die hiesige Kirchgemeinde regelrecht Aufwind bekommen. Das mag bis zu einem gewissen Grade am originellen Begriff Malarüdö liegen, aber vor allem an den Inhalten des gleichnamigen Youtube-Kanals. Der hat sogar schon Follower. Jetzt ist wieder ein neues Video dazugekommen, während die Andacht schriftlich zu den Menschen kommt. Hier nun beides im Doppelpack.

Das diesjährige Veranstaltungsprogramm „500 Jahre St. Laurentiuskirche“ ist ein wahrer Marathon. Der Reigen reicht von einer Kirchenführung zum Weltgästeführertag im Februar bis hin zum Silvesterkonzert im Dezember. Dazwischen jede Menge Information, Kultur und Unterhaltung.

Pfarrer Michael Zemmrich, Fördervereinschef Burkhard Schmidt und viele weitere fleißige Helfer haben sich richtig ins Zeug gelegt, um ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen. Dann aber kam ein kleines, völlig unsichtbares Detail dazwischen, das man nicht einmal unter einem gängigen Mikroskop sehen kann. Es trägt den Namen Corona und hat zumindest den ersten Teil des Veranstaltungsjahres fest im Griff.

Aber der homo marcransis weiß sich zu helfen. Wenn das nicht so wäre, würde schließlich auch die 500 Jahre alte Kirche nicht mehr stehen. So fiel der Vortrag von Stadtchronistin Hanna Kämmer nicht aus, sondern wurde per Video aufgezeichnet und steht dem interessierten Publikum ab sofort auf dem Youtube-Kanal KG Malarüdö und auf den Internet-Seiten der Kirchgemeinden Markranstädter Land sowie Rückmarsdorf-Dölzig zur Verfügung. Als Leser der Markranstädter Nachtschichten haben Sie jedoch wie immer die Möglichkeit, das Video auch hier zu sehen (einfach draufklicken).

Der 12-minütige Vortrag widmet sich dem Thema „Kriegsschäden und deren Folgen an unserer Kirche“. Und da gab es einiges zu reparieren im Laufe der vergangenen 500 Jahre, aber auch dauerhafte Verluste infolge mannigfaltiger Plünderungen zu verkraften.

Dass napoleonische Einheiten auf dem Dachboden der Kirche den Messwein versoffen haben, ist derweil ein Gerücht, das Hanna Kämmer aus gutem Grunde nicht erwähnt. Sie hat sich bei ihrem Vortrag konsequent an überlieferte Fakten gehalten, die belegbar sind. So beispielsweise die Tatsache, dass Soldaten den oberen Kirchenboden aufgebrochen und auf selbigem ein Lagerfeuer entzündet haben.

Daher kann sie auch nicht sagen, wie sehr die Pest, also die Corona-Pandemie des Mittelalters, in Markranstädt wütete. Die Unterlagen dazu sind, wie andere Dokumente auch, wahrscheinlich einem der großen Stadtbrände zum Opfer gefallen.

Bemerkenswert sind die Aussagen Hanna Kämmers am Ende des Vortrages. Denn noch sind auch heute alle Kriegsschäden nicht beseitigt. Die Klangstahl-Glocken, an deren atonales Gejammer sich der homo marcransis seit 1952 so gewöhnt hat, dass es schon zum akustischen Stadtbild gehört, sind bestenfalls eine endlich zu beseitigende Interimslösung. Die Zeit für würdige Bronze-Glocken ist reif!

Dazu muss allerdings auch der Glockenstuhl erneuert und der Glockenboden ertüchtigt werden. Costa quanta: 207.000 Euro! Es stünde einer Stadt wie Markranstädt gut zu Gehör, wenn man das schaffen würde. Der Anfang ist bereits gemacht. Vielleicht folgt durch Spendenaufkommen infolge überregionaler Aufmerksamkeit durch die Veranstaltungsreihe zum 500jährigen Jubiläum bald ein weiterer Schritt.

Auslageandacht für offene Kirchen für Sonntag Misericordias Domini 26.04.2020

Herzlich grüße ich Sie alle, die sich heute in unseren zur Gottesdienstzeit geöffneten Kirchen zur Besinnung und zum Gebet einfinden, sowie diejenigen, die unsere Homepages besuchen.

Es ist schwer, so lange auf die gottesdienstliche Gemeinschaft in unseren Kirchen zu verzichten. Im Augenblick gilt die Regel, dass nur 15 Gottesdienstbesucher erlaubt sind. Wir hoffen auf Ihr Verständnis, dass unser Kirchenvorstand niemanden beauftragen will, der entscheidet, wer einen Gottesdienst besuchen darf und wer nicht. Deswegen verzichten wir zunächst bis zum 3. Mai auf Gottesdienste und entscheiden am 5. Mai erneut.

Und so lade ich Sie auf diese Weise ein, der Botschaft dieses Sonntages in dieser schriftlichen Andacht zu folgen.

Zunächst bitte ich Sie, lesend zu beten:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit mir. Gott, ich bitte dich um den Segen deines Wortes für mich. Öffne mein Herz für Dein Wort. Amen.

Heute ist uns ein Text aus dem 1. Petrusbrief 2,21-25 zur Besinnung vorgegeben. Dort heißt es:

Christus hat für Euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Als ich vor wenigen Tagen hinter einem DHL-Transporter am Markranstädter Kreisverkehr warten musste, las ich auf der Rückseite des Transporters: „Dieses Fahrzeug fährt mit Elektroantrieb. Mission 2050. NULL Emmissionen. Go Green.“ Was halten Sie von folgender Werbung auf Ihrem T-shirt: „Dieser Mensch lebt mit geistlichem Antrieb. Mission Ewigkeit. NULL Sünde. Go Christus.“

Zugegeben: Das erscheint sehr plakativ zu sein. Aber es trifft im Grunde die Aussage des letzten Satzes: „Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof Eurer Seelen.“

Was hatte der Schreiber des Petrusbriefes – ca. 70 Jahre nach der Auferstehung Jesu – im Sinn, als er diesen Satz schrieb? Ja, sich wie irrende Schafe zu fühlen, die ohne wirklichen Plan und ohne ein klares Ziel haben zu können hin und her rennen, das können wir uns gut vorstellen.

Denn wir bemerken von Woche zu Woche: Die Menge der Informationen, Anweisungen und Ordnungen, wie wir uns zu verhalten haben, bringt zwar Orientierungen.

Aber: Sind sie auch alle hilfreich? Da gehen die Meinungen auseinander. Wir möchten alle gesund bleiben. Wir möchten, dass es bald vorbei ist. Wir möchten, dass wir wieder wie gewohnt leben können. Viele unter uns wollen nicht wieder wie bis vor 31 Jahren Mangelware teuer bezahlen oder verzichten müssen. Viele hoffen, dass wir etwas Wichtiges lernen. Kurz: Das Durcheinander ohne ein zeitliches und inhaltliches Ziel zu kennen – vielmehr Tag für Tag von der Hand in den Mund zu handeln – das ist uns gerade jetzt vertraut. Jeder deutsche Bundesstaat sagt etwas anderes. Wenn es jetzt Hirten gibt, dann gibt es viele. Und sie reden alle durcheinander. Der Schreiber des Petrusbriefes bescheinigt seinen Lesern: „Ja, so wart ihr: Wie irrende Schafe. Nun aber seid ihr umgekehrt.“

Hier halten wir inne. Die irrenden Schafe haben also eine bewusste Entscheidung getroffen: Ja, wir rennen zwar äußerlich noch hin und her. Aber innerlich, innerlich nicht mehr. Innerlich kehren wir um. Zu dem einen Hirten. Zu dem einen geistlichen Leiter – dem Hüter, dem Schützer, dem Bischof für unsere Seele.

Wenn wir schon oft genug gezwungen sind, äußerlich wie ein irrendes Schaf zu ein – hin und her rennen zu müssen – im Kopf und im Herzen sollten wir nicht wie ein irrendes Schaf sein. Sondern wir sollten umkehren zu dem, den der Schreiber des Petrusbriefes als einzigen wahren Hirten benennt: Christus.

Was zeichnet diesen wahren Hirten aus? Dazu hören wir vom Schreiber des Petrusbriefes viel: Er war ohne Sünde – lebte also vollkommen im Einklang mit GOTT. Ließ sich also von den Maßstäben dieser Welt nicht beirren. Er betrog nicht. Er erwiderte Verletzung nicht mit Aggression. Vertraute vielmehr darauf, dass kein Mensch Gottes richtender Gerechtigkeit entkommt. Und schenkte uns die Gewissheit: In Christus vernichtet Gott, was uns vernichtet. Er schenkt uns ewiges Leben. Er nimmt uns die Sünde – also die Entfernung zu ihm. Bereits jetzt. Wir gehören jetzt schon – und einmal für immer – zu seinem Reich. Damit sind alle anderen Reiche, die ihre Ansprüche an uns stellen, zwar nicht unwichtig geworden. Wir leben weiterhin in dieser Welt. Aber diese Reiche ergreifen nicht letzten Besitz von unserem Kopf. Und nicht von unserem Herzen. Wir können Abstand wahren. Können relativieren. Wir stehen immer mit einem Bein fest im Himmel. Dann kann das andere Bein auch getrost auf der Erde stehen. Manchmal ist das in der Tat ein Spagat. Aber genau diese Spannung gilt es auszuhalten in den „Fußstapfen“ des Hirten und Bischofs unserer Seele.

„Dieser Mensch lebt mit geistlichem Antrieb. Mission Ewigkeit. NULL Sünde. Go Christus.“ Wenn dass nicht nur auf unserem T-Shirt stände, sondern in unserem Herzen, dann würde uns der Schreiber des Petrusbriefes über 1950 Jahre Abstand zurufen: Ja, genau so! Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, und tiefer als unsere Angst vor der Vergänglichkeit, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Ich lade Sie zu einem Gebet ein:

Herr, ich bitte dich, nimm mir alles, was mich sorgt und umtreibt. Nimm mir die Angst, wenn ich hierhin und dorthin getrieben werde. Und schenke mir Ruhe und Kraft, bei Dir geborgen zu sein. Amen.

Ich spreche Ihnen den Segen Gottes zu:

Der Herr segne Dich und behüte dich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich

 



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