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Kühlung aus der Heizung, lecker Häppchen und ein neues MGH

Normalerweise kommt jetzt so langsam die Zeit, in der Kränze niedergelegt werden. In Markranstädt allerdings ticken die Uhren anders. Hier werden Kränze jetzt gehisst! So zum Beispiel gestern, als Stadt und MBWV zum Richtfest in den Schmalen Weg luden. Hier entsteht ein schnuckliges Wohnquartier, das eigentlich nur einen einzigen Nachteil hat: Auf dem Weg zum sozialen Wohnungsbau wird dieses Projekt die Stadt keinen Meter voranbringen.

Aber ansonsten passt das. Was auch MBWV-Chef Frank Sparschuh in seiner kurzen Ansprache noch einmal verdeutlicht hat, nachdem er auf die Entstehungsgeschichte des Vorhabens zu sprechen kam.

Das Gelände, auf dem fleißige Damen und ein paar Herren einst Rauchwaren (also Felle und Pelze, keine Grasdübel) verarbeiteten, wurde 2014 aus der Insolvenzmasse des früheren Eigentümers erworben. Allerdings dauerte es dann bis 2017, ehe die Vorplanungen in Auftrag gegeben wurden.

MBWV-Chef Frank Sparschuh (l.) berichtet über die Entstehungsgeschichte.

Ein Jahr später, man schrieb bereits das Jahr des Herrn 2018, kam noch das Nachbargrundstück dazu, was wiederum eine Änderung der Vorplanung nach sich zog. Und so begannen die Abrissarbeiten dann doch erst im Januar 2019, wobei parallel auch die erforderlichen Maßnahmen der Altlastensanierung erfolgten … erfolgen sollten.

Mitten in diese Arbeiten hinein fiel der Einzug erster Vorboten zeitgemäßer Wohnungsbesetzungen. Ein Pärchen Rauchschwalben hatte sich angesiedelt, was im April vorigen Jahres per schwarzer Eule auf gelbem Grund zum vorübergehenden Abbruch des Abbruchs führte.

„So, jetzt reden wir mal Fraktion!“ Stadträte bei der Betrachtung eines Richtkranzes.

Entsprechend hurtig ging es dann nach Abzug der gefiederten Mietnomaden ab Juli 2019 mit dem Hochbau weiter. Höchste Eile war angesagt, bevor möglicherweise noch eine Fledermaus landet oder man warten musste, bis eine Herde seltener Mücken vollständig abgelaicht hat.

Die Bauarbeiter hatten sich inzwischen so an die Geschwindigkeit gewöhnt, dass es genauso schnell weiterging und so vor drei Monaten bereits der erste und im September der zweite Bauabschnitt fertiggestellt wurden. Zeit also fürs Richtfest und Zeit für die Würden- und auch so manchen Merkwürdenträger der Stadt, sich endlich mal wieder richtig den Bauch vollzuschlagen.

Lecker Häppchen im Rohbau.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Insgesamt 22 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von rund 1970 Quadratmetern sollen bis Mai nächsten Jahres bezugsfertig sein. Dazu gibt es 16 Garagen- und vier Carportstellplätze, die jeweils mit E-Mobilitätsanschluss (Strom aus dem Kohlekraftwerk) ausgestattet sind. Auch zwei Außenstellplätze sind vorgesehen.

Die Fußbodenheizungen der Wohnungen werden mit Erdwärme gefüttert. Nicht nur für den Satiriker ein interessantes Detail: Über die gleiche Fußbodenheizung erfolgt im Sommer die Kühlung. Kalte Füße – was eigentlich als primäres Geschlechtsmerkmal von Frauen gilt, ist hier für die ganze Familie im Angebot.

Hier gibts bald 22 Wohnungen zwischen zwei und vier Räumen zu bewohnen.

Bei einer Investitionsvorlage von rund fünf Millionen Euro und der Tatsache, dass es für ein solches Vorhaben in einem Kaff wie Markranstädt keine Fördermittel gibt, muss die Amortisation folglich über die Mieten realisiert werden. Die sollen bei 8,50 € kalt liegen.

Vor acht Jahren gabs sowas in Markranstädt zwar noch für die Hälfte, trotzdem vergleichsweise günstig in diesen Tagen. Wofür sich Sparschuh auch beim Gesellschafter Stadt Markranstädt bedankte, der das Projekt durch „Nichtgeltendmachung der Gewinnausschüttung“ unterstützt habe.

Grünes Licht für MGH
im Alten Ratsgut

Und schon wirft ein weiteres Vorhaben seine Schatten voraus. Der Umbau des Alten Ratsguts zum neuen Mehrgenerationenhaus Markranstädt hat die nächste Hürde genommen. Mit Vollmacht der Eigentümergemeinschaft habe der Verwalter die Genehmigung für den Umbau des Gebäudes in der Hordisstraße 1 erteilt, informiert die Stadtverwaltung.

„Damit können wir das Projekt weiter voranbringen“, erklärt Bürgermeister Jens Spiske sichtlich erfreut über diese gute Nachricht. Seit einigen Jahren steht das Alte Ratsgut mehr oder weniger leer und sein Bauamt hat die erforderlichen Umbaumaßnahmen längst auf den Reißbrettern.

Hat von A wie Arbeitsamt bis Z wie Zeitungsredaktion schon viele Mieter kommen und gehen sehen. Jetzt soll das MGH ins Alte Ratsgut einziehen.

Das Gebäude biete den notwendigen Raum für das Mehrgenerationenhaus und habe darüber hinaus auch Entwicklungspotenzial. Mit der Volkshochschule Leipziger Land als Träger werden klassische außerschulische Bildungsangebote einer VHS mit den Beratungs- und Begegnungsangeboten eines Mehrgenerationenhauses verknüpft.

Doch das Objekt hat in Zukunft noch eine weitere wichtige Funktion. Mit dem Wegzug von EDEKA braucht das Areal dringend wieder einen sogenannten Frequenzbringer. „Das stärkt unser Zentrum und unterstützt die lokalen Geschäfte.“, ist sich Spiske sicher.

Bereits am 27. August 2020 wurde beim Landkreis der Bauantrag für die erforderlichen Umbauten gestellt. Bereits Ende September (!!!) wurde die Vollständigkeit bestätigt und vom Landkreis eine Genehmigung für den 27. November 2020 in Aussicht gestellt.

Der Umbau soll rund 1,2 Millionen Euro kosten und wird zu zwei Drittel der förderfähigen Aufwendungen aus dem Städtebauprogramm „Lebendige Zentren – Erhalt und Entwicklung der Stadt- und Ortskerne“ bezuschusst.

 






8 Comments to Kühlung aus der Heizung, lecker Häppchen und ein neues MGH

  1. Bernd Hollwitz sagt:

    Na, das sind ja alles gute Nachrichten!
    Der amtierende Bürgermeister hat an diesen Erfolgen sicherlich großen Anteil?
    Das wird ggf. eine der nächsten Videobotschaften vermitteln.

  2. Mark Ranzi sagt:

    Ein drei mal höher auf den Urbanen Baustil. Das Grundstück ist ja mal optimal ausgenutzt, da wächst kein Grashalm und kein Unkraut mehr. Fantastisch! Die Nachbarn im Schmalen Weg werden sich auch freuen, der Klimawandel ist denen ab jetzt egal. Keine elendige Sonnenbestrahlung mehr, der Westwind ist komplett zum Erliegen gekommen und die Gefahr das der Blitz einschlägt ist aufgrund der Höhe der Nachbarbebauung auch dahin. Einfach toll was heute so alles möglich ist. Riesen Vorteile für den Einzelnen.

  3. Bürger sagt:

    Ich bin ja kein Architekt, aber für mich steht auf dem Grundstück der alten Gerberei ein bisschen viel Gebäude.
    Ob da die Grundflächenzahl und die Geschossflächenzahl stimmt, bezweifle ich.
    Die Nachbarn im kleinen Häuschen sehen die Sonne nur noch selten.
    Wenn das baurechtlich korrekt ist, fresse ich Besen.
    Aber das wäre nicht das erste mal.
    Beim Parkhotel hat das ja auch geklappt.
    Das Bauamt Markranstädt ist eine sehr seltsame Truppe, das Bauaufsichtsamt steht dem in nichts nach.

  4. Rena sagt:

    Ist für mich nicht verstehbar, dass sozialer Wohnungsbau nur in Ballungsgebieten staatlich gefördert wird. Wird damit nicht auch die Problemballung gefördert???

  5. Heiko Küster sagt:

    8,50€ kalt…na wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Aber, wie schon erwähnt, hat zum Glück nix mit sozialem Wohnungsbau zu tun. Das die MBWV eine Tochtergesellschaft der Stadt Markranstädt ist – geschenkt. Schade, das hätte doch als Wahlaussage auch gut auf das neue Plakat unseres BM gepasst, der ja alle „vereint“!!!
    Irgendwie hatte ich beim Lesen des Artikels trotzdem das Gefühl, dass alle Anwesenden(die üblichen Verdächtigen, natürlich!) stolz sind auf das, was sie da hinbekommen haben – darauf ein Stösschen…Prost!

    • Ein informierter Bürger sagt:

      Nur mal so angemerkt: Die MBWV bietet durchaus Wohnungen an, die im Mietpreis deutlich unter 8,50€ liegen. So gibt es in der Südstraße Wohnungen, die bei rund 5,50€ zu finden sind. Übrigens immer subventioniert durch die Stadt, unter anderem Verzichts auf Gewinnausschüttung seit 2014.
      Die aktuelle Bebauung entfernt einen Schandfleck, folgt modernen Standards hinsichtlich E-Mobilität, Erdwärme etc. das hat natürlich seinen Preis, für 4,50€ ist das nicht zu machen.
      Im Übrigen sind bereits jetzt schon alle Wohnungen vermietet.
      In den Genuss sozialen Wohnungsbaus, wertere Herr Heiko Küster, das heißt der staatlichen Förderung, kommen nur die großen kreisfreien Städte. Für kleinere Kommunen ist dort nichts vorgesehen bzw. möglich. Insofern bietet die MBWV als stadteigene Gesellschaft durchaus Wohnungen an, die ein breites soziales Spektrum abdecken. Allein aufgrund der derzeitigen Baupreise kann man betriebswirtschaftlich vernünftig keine Wohnungen mit gehobenen Standard für 5€/qm an bauen und bieten. Nur nebenbei bemerkt, muss die MBWV als GmbH und dem sächsischen Haushaltsrecht sparsam und wirtschaftlich haushalten.

      @ Bürger: das Bauamt in Markranstädt genehmigt keinen Bau, dafür ist das Landratsamt in Grimma zuständig. Da der Bau genau so wie, er dort errichtet wurde genehmigt ist, sind alle gesetzlichen Forderungen offenbar erfüllt. Der Innenhof des Gebäudes wird grün gestaltet, insofern entsteht keine Betonwüste oder Ähnliches. Laut dem Geschäftsführer der MBWV wird es bei Fertigstellung eine Tag der offenen Tür geben. Also mal reinschauen und sich vor Ort informieren!

      • EddiConstatin sagt:

        Genau das ist es, Tramp ist auch nur das Ergebnis der weltumfassenden Demokratie. Die natürlichen Zwänge und Gesetze bei unumstößlicher Gewissheit, dass es betriebswirtschaftlich gar nicht anders geht, fördern nicht das soziale Gewissen. Eher ist es so, dass immer mehr Menschen ausgegrenzt werden und sich auch die „ relativ günstigen Mieten dieses Komplexes „ nicht mehr leisten können. Am Fettufer unseres Sees können sie immer öfter Bettelgestalten bemerken, die jede Hoffnung auf Würde,, wie es im Grundgesetz verankert ist, verloren haben. Bettler sind natürlich die kleinste Gruppe, die Polarisierung im großen Stil aber, müsste von unserer sozialen Marktwirtschaft und der Gesellschaft insgesamt, deutlicher zum Stillstand gebracht werden!

      • Bürger sagt:

        Richtig- offenbar

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