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„50 shades of grey“ unterm Wasserturm

Man kennt das noch aus dem Kindergarten: Wenn man nichts begriffen hat, gings ab in die Ecke zum Schämen. Die MN haben sich diese Strafe selbst auferlegt und seit Rücknahme des Kita-Beschlusses und schließlich des Ausgangs des 2. Sonderstadtrats am vergangenen Samstag mit knallroter Birne und Blick auf die Fußspitzen am Wasserturm gestanden. Das Eingeständnis eigener Fehlbarkeit zwingt uns zu einer Erkenntnis: Wir verstehen gar nichts mehr.

Zum Glück hat der Papst in Markranstädt nichts zu melden, sonst hätten wir gar ein paar würdevolle Ohrfeigen gefangen. Wegen Dummheit oder Naivität oder gleich beidem. Im Kaiserreich hätten wir vielleicht gar mit runtergelassenen Hosen in der Ecke stehen und damit wenigstens ein annähernd sexuelles Erlebnis haben dürfen. Ganz sicher sogar wäre uns ein solches Erlebnis während der mittelalterlichen Inquisition widerfahren, die durch „50 Shades of grey“ gerade eine gesellschaftlich tolerierte Renaissance erfährt.

Okay, der Papst hat also nichts zu melden bei uns. Aber wer dann? Das Tauziehen um den Kita-Standort scheint sich im wahrsten Sinne des Wortes zu einem parlamentarisch inszenierten Kindergarten zu entwickeln. Der Aschermittwoch ist noch nicht vorbei, da planen ansässige Karnevalsvereine mit dem Thema schon fürs Jahr 2016, weil alle Zeichen dafür sprechen, dass es dann immer noch aktuell ist.

Machen wir es mal wie früher die Fernseh-Ansagerin bei DALLAS und beginnen mit „Was bisher geschah“. Und nutzen wir dabei der Fairness halber nur die Informationen, die dem gemeinen Bürger auch zur Verfügung stehen. Das ist die einzige Möglichkeit darzustellen, warum man nichts verstehen kann.

Entscheidung am Sterbebett

Weils wegen der Fördermittel schnell gehen musste, tagte der alte Stadtrat kurz vor seinem Hinscheiden im Frühsommer letzten Jahres noch einmal und beschloss das Terrain am Bad als Standort. Bald schon kamen da erste Fragezeichen auf. Die wurden zwar artikuliert, waren aber für den homo markransis nicht zu verstehen.

Da ging es um Kosten, um eine Abwasserleitung, einen halben Volleyballplatz, zu viel Bäume, falschen Sand und und und. Am Ende war kaum noch feststellbar, welches Gegenargument aus welcher Ecke des Rings kam. Doch nicht das war nicht zu verstehen, sondern die Informationen, die die Grundlage für solche Behauptungen bieten sollten. Da war beispielsweise von explodierenden Kosten die Rede, doch wurden die dem Volke weder der Höhe noch ihrer Grundlage nach benannt.

Klar wie ein weißes Blatt Papier

Rund ein halbes Jahr später wurde in der vierten Etage eine Maßnahme protegiert, für die es weder in gängigen Lexika noch im Duden eine Erläuterung gibt. Es sollte ein „Klarstellungsbeschluss“ gefasst werden. Bei so viel linguistischer Kreativität mochte man fast wieder Vertrauen in die Führung unserer Stadt gewinnen.

Am Ende entpuppte sich dieses Wortungetüm als elegante Variante, den Standortbeschluss kippen zu können, ohne dass jemand dabei sein Gesicht verliert. Nicht mal das Bauamt, obwohl die Frage eines Abgeordneten, wie weit denn die Planungen nach einem halben Jahr gediehen seien, unbeantwortet blieb, was eher auf ein weißes Blatt Papier schließen ließ. Wie der Klarstellungsbeschluss allerdings zustande kam, das war mehr als merkwürdig.

Auf Antrag der rechten (also linken) Seite am Ratstisch wurde mit Stimmen (oder Enthaltungen) der linken (also rechten) Seite in geheimer Abstimmung votiert und mit den gleichen mathematischen Unbekannten kam es schließlich dazu, das der Standortbeschluss wieder in die Tonne getreten wurde. X + Y – Z = nein. Dagegen ist der Satz des Pythagoras ein Abzählreim aus dem Sandkasten.

Im Januar wurden dann im Stadtrat wieder Matrizen gewälzt und Argumente ausgetauscht. Am Ende war ein Standort in der Ziegelstraße gefunden, der … nun ja … auch von dessen späteren Gegnern zumindest nicht gleich rundweg abgelehnt wurde. In den Resten nicht niedergerungener Beiträge in den sozialen Netzwerken findet man hier und da sogar noch Fragmente positiver Statements zu den Standortvorteilen.

Da der Vorgang auch nach einem halben Jahr scheinbar nichts an fördermittelbedingter Dringlichkeit verloren hatte, wurde er erneut auf den Ratstisch gepackt – und zwar in einer Sondersitzung am 14. Februar. Es dauerte einen Moment, bis sich über die Eile Unmut regte. Der kam vor allem aus jenen Lagern, die den Standort an der ehemaligen MAF-Schmiede ursprünglich nicht auf dem Schirm hatten. Jetzt glühten mangels zwischenzeitlich anberaumter Sitzungen wieder die sozialen Netzwerke und um die Meinung der Bürger so einfach und verständlich wie möglich für sich zu gewinnen, wurden auch allerlei Vermutungen kolportiert und – da es auch an einem Schuldigen nicht fehlen darf – natürlich ein Bauernopfer gefunden: Die Erste Beigeordnete. ImgPPT

Mit diesem sympathischen Plakat warb die Verwaltung am Eingang zur vierten Etage um Fairness, Herzlichkeit und Toleranz. Leider war der Lokführer nicht da.

Sie allein war demnach schuld daran, dass der Termin für die Sondersitzung des Stadtrates so früh stattfand und die linke Seite des Ratstischs (die in Lallendorf bekanntlich rechts sitzt) damit überrumpelt werden sollte. Kein Wort davon, dass der Ältestenrat des Stadtparlaments, in dem neben dem Bürgermeister je ein Vertreter von CDU, FW, SPD und LINKE sitzt, dieser Terminierung letztendlich zugestimmt haben muss. Statt dessen Vermutungen, dass die CDU Tipps von der Verwaltung bekommen habe, was sich im Kontext so liest, als würde die Beigeordnete als Maulwuf agieren. Dabei pfeifen es in Markranstädt die Spatzen seit Monaten von den Dächern, dass die CDU einen Günter Guillaume im Rathaus zuletzt nötig hätte. Das geht in kollegialem Dialog interdisziplinär viel geschmeidiger.

Tja, und so kam es, dass die Sondersitzung des Stadtrates am vergangenen Samstag wahrscheinlich auch mit den Stimmen einiger der Abgeordneten abgebrochen wurde, die im Ältestenrat zuvor noch für deren Durchführung gestimmt hatten.

Das kann man verstehen, muss man aber nicht. Weil man es eben nur verstehen kann, wenn man weiß, was hinter den Kulissen gespielt wird. Und das kann der normale Plebs nicht. Nicht mit den Informationen, die an die Öffentlichkeit gespült werden.

sandkasten

Sand ist nicht gleich Sand. Der von einem Volleyballplatz ist beispielsweise für eine Kita ungeeignet. Wissenschaftler untersuchen derweil fieberhaft, wie DDR-Kinder überleben konnten, die sogar in Schlamm spielten.

Man kann auch nur ahnen, was einen Bürgermeister dazu bewegt, während seines Urlaubs am Vortag für eine prestigeträchtige Schulschifftaufe ohne Helm aufs Gerüst zu klettern (Berufsgenossenschaft und Gewerbeaufsicht lassen grüßen) und am nächsten Tag beim Sonderstadtrat nicht mal auf der Ersatzbank zu sitzen. Das kann natürlich wichtige Gründe haben, aber da diese nicht bekannt sind, bleibt dem homo markransis nur die Möglichkeit der individuellen Interpretation. Es fällt nicht schwer zu erraten, welche Varianten da gerade auf der Markranstädter Hitliste ganz oben stehen. Flugzeuge oder gar bissige Fische im Bauch sind da noch nicht einmal unter den top ten.

Nun ja, das seltsame Treiben in der vierten Etage hat aber auch seine Vorteile. Man verliert so langsam das Interesse an dem, was die da so spielen. Wenn man dem monatlich wiederkehrenden Minnesang beiwohnt und sich vergegenwärtigt, dass derweil zu Hause die Miete weiterläuft oder Bauer Horst im Fernsehen gerade eine Frau findet, dann kann es einem leid tun um die Zeit. Ganz schlimm wird’s dann, wenn man der Werbung glaubt. Nicht der im Fernsehen, sondern der im Markranstädter Luftraum. Was wurde da nicht alles angedroht und prophezeit wegen des Haushalts? Und dann ging der seidenweich durch wie ein warmes Messer in dänische Butter. Statt dessen diskutiert man über ein Klo, während in der Nachbarschaft ein Dorf absäuft.

Nö, soviel Masochismus war in unseren schreibwütigen Herzen angesichts massiver Grippe-Ausfälle und karnevalistischer Verpflichtungen in Leipzig, Kulkwitz, Altenburg und Jena dann doch nicht vorhanden. Die vierte Etage, das „50 shades of grey“ der Stadt Lallendorf, steht erstmal auf dem Index. Nicht wegen jugendgefährdender Szenen, sondern wegen altersweisheitsvernichtender Passagen.

 



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2 Comments to „50 shades of grey“ unterm Wasserturm

  1. Ein aktiver Bürger aus der Ranstädter Mark sagt:

    Die „Stärke“ unserer „4.Etage“ wurde zum wiederholten Male durch eine sagen wir es mal freundlich, schwache und nicht der Tragweite der zutreffenden Entscheidung angepassten Gründlichkeit des Bauamtes unter Verantwortung der Frau Doktor unter Beweis gestellt, sodass zur eilig einberufenen Sondersitzung dieses Papier dann auch zurück gewiesen werden musste!

    Die zwei knappen Seiten Entscheidungsvorlage für die Auswahl der KITA-Standorte waren wie gewohnt eine wenig aussagende Aneinanderreihung von lückenhaften Aussagen, die mit dem Fazit endet: „Für jeden Standort gibt es berechtigte Vor-und Nachteile, deren Wichtung subjektiv und sachlich diskutierbar ist „.
    Welche einmalige philosophische Weisheit, wenn es in dieser Vorlage weder zum Baurecht und zur Erschließung (teilweise vorhanden), den Erschließungskosten (auch teilweise bekannt) keine Angaben für eine Abwägung und Entscheidungsfindung gemacht werden.

    Diese Arbeitsweise finden wir auch teilweise in den sechs bisherigen Beschlussvorlagen die es zu diesem Thema bisher vom Bauamt gab, wieder.
    Wann werden wir wieder ein Bauamt, d.h. Bauamtschef oder Chefin, der an die alten Erfolge in Markranstädt anknüpft, haben? Hier sollte der neue Bürgermeister initiativ werden, um den alten Glanz der „4.Etage“ wieder herzustellen!

    Deshalb ist es nicht nur legitim sondern auch zwingend wenn die Hälfte der Stadträte diese Informationsdefizite erneut hinterfragt haben und wie hier am Samstag die Vorlage solange zurückweisen, bis das Bauamt bereit ist eine nachvollziehbare und transparente Arbeit zu leisten!

    Die Idee dazu im Ältestenrat über eine schnelle Sitzung nach fast einem Jahr zu einem KITA-Standort zu kommen ist ja nach zu vollziehen, obwohl es seit vier Jahren schon ein KITA-Standort vor der meri-Sauna im B-Plan „Westufer Kulkwitzer See“ gibt, den aber die Mehrheitsfraktion und die „4.Etage“ wiederholt verteufelt und abgelehnt.hat.

    Dafür ist aber seit ein paar Tagen der Vorschlag KITA auf dem Fabrikgelände Ziegelstraße, der ehemaligen MAF-Autofabrik in unmittelbarer Nähe eines LKW- und Containerwartungsstützpunkt mit Dieseltankstelle im Gespräch. Welch ein Charme dieser Standort noch hat zeigt, das weder die Kosten für die Erschließung, die Abrisskosten alter Gebäude/Garagen noch Maßnahmen zur Beseitigung für eventuelle Kontaminierungen im Boden aufgezeigt werden!

    Als aufmerksamer Fan und Leser der MN kann ich mich trotz meines Alters noch gut an den MN- Beitrag vom 23.09.2014 „Sensationelle Lösung für Markranstädter KITA- Problem“, erinnern. Sicher brauchte man die fast fünf Monate bis heute um den neusten KITA-Standort auf dem Industriegelände (MAF-Autofabrik) für die Öffentlichkeit schmackhaft aus dem Ärmel zu zaubern!?!

  2. Genosse sagt:

    Mindestens ein Guillaume!

    Nur so lässt sich erklären, dass der Häuptling der schwarzen Liga in der Stadtratssitzung am 05. Februar, der Liberté von Markranstädt zu einer Haushaltsfragen entgegnete: „Das können Sie ja auch noch nicht wissen“.
    Die stellvertretende Zirkusdirektorin erblühte, dank diese Unverfrorenheit, mit Haushaltsinterna zu Protzen sogar kurzzeitig zu strahlendem Leben.
    Eine weiter Gelegenheit, Leben in die 4 Etage einkehren zu lassen, nutzte die schwarze Liga mit der Frage nach dem Verbleib des Direktors und seinem Öhrchen am Puls der Markranstädter.

    Nun ist halt eine Vorstellung des „Circo dal quarto piano“ ausgefallen. Was stand schon auf dem Programm wieder nur Irgendwas mit Zukunft. Der Zuschauer zahlt zwar keinen Eintritt aber seine Kinder die Zeche.

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