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Mit Stumpf und Stiel: Vom Kampf bis zur letzten Blüte - Markranstädter Nachtschichten

Mit Stumpf und Stiel: Vom Kampf bis zur letzten Blüte

Der Herbst kommt mit mächtigen Schritten und macht alles bunt. Früher hat auch der Sommer bunte Blüten getrieben, aber die farbenfrohe Pracht wird konsequent geköpft, sobald sie ihr keckes Haupt aus dem grünen (in den letzten Jahren zunehmend welk-gelben) Teppich streckt. Unser Volksbotaniker Georg Deimler ist mal der Frage auf den Grund gegangen, warum wir Pflanzen derart das Blühen verbieten, dass es in ihnen kaum noch zu Photosynthese kommen kann.

In den vergangenen Monaten fuhr ich öfter mal die Bienitzstrasse in Frankenheim entlang und stellte fest, dass der wunderschöne Blühstreifen entlang dieser Strasse abgemäht war. Da fiel mir spontan die Textzeile eines schönen, alten Liedes ein.

Sag mir wo die Blumen sind
wo sind sie geblieben
Sag mir wo die Blumen sind
was ist geschehen?

Sie werden möglicherweise denken, dieses ausdrucksvolle Anti-Kriegslied in Zusammenhang mit Artenschutzbanausen zu erwähnen, geht gar nicht. Aber in den Zeiten, in denen ohne Bedenken alte Partisanenlieder zu Disco Hits aufsteigen, wage ich diesen Vergleich dennoch. Bella Ciao!

Rückendeckung bekomme ich zudem von UN-Generalsekretär António Guterres, der am 30. September beim UN Sondergipfel zur Biodiversität sagte, die Menschheit müsse aufhören, „einen Krieg gegen die Natur zu führen“. Also bitte, in dieser Sache ist ein Anti-Kriegs-Lied genau das Richtige.

Alles vorbereitet für den englischen Garten am Straßenrand.

Alles vorbereitet für den englischen Garten am Straßenrand.

Nun meine ich zu wissen, wo die Blumen von dem Blühstreifen geblieben sind. Sie sind zusammen mit den abgesaugten und geschredderten Insekten, welche in dem Blühstreifen Schutz und Nahrung suchten, in eine Kompostieranlage geliefert worden oder gleich direkt vor Ort verrottet.

Mal davon abgesehen, dass es keine Notwendigkeit gab (auch nicht wegen der Sicherheit im Straßenverkehr), diesen Blühstreifen abzumähen, ist natürlich bei diesem Akt der Vernichtung von Blühpflanzen den deutschen Tugenden vollkommene Gerechtigkeit widerfahren.

Im Gleichschritt marsch!

So wurden Fleiß, Pflichtbewusstsein, Sauberkeit, Ordnungssinn und Gewissenhaftigkeit im Interesse des Gemeinwohls konsequent umgesetzt. Das Werden, Gedeihen und Vergehen hat auch und vor allem in der Natur im Gleichschritt zu erfolgen! Was glaubt die denn, wer wir sind?

Frankenheim, Bienitzstraße: Am 1. September (links) versuchten die verkümmerten Reste kastrierter Kräuter ein letztes Mal, ihre blühenden Häupter über den millimeterhohen Grashorizont zu erheben. Schon am 10. Oktober war das lebensunwerte Kraut schon wieder enthauptet.

Frankenheim, Bienitzstraße: Am 1. September (links) versuchten die verkümmerten Reste kastrierter Kräuter ein letztes Mal, ihre blühenden Häupter über den millimeterhohen Grashorizont zu erheben. Schon am 10. Oktober (rechts) war das lebensunwerte Kraut bereits wieder enthauptet.

Und was sind gegen dieses tugendhafte Ansinnen schon der Schutz der Artenvielfalt oder gar der Naturschutz an sich? Ich denke da an ein historisch bedeutungsvolles Datum, das wir vor kurzem feierten.

Im Zusammenhang mit der friedlichen Revolution erinnerte ich mich auch an folgenden Ausspruch, der schon über 30 Jahre alt ist: „Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln.“

Ja, ja – ich weiß, damit waren eher andere Dinge gemeint und nicht blühende Pflanzen. Aber es hieß damals auch, dass zusammenwachsen muss, was zusammen gehört. Menschlicher Verstand und Respekt vor unserer Umwelt, so viel lässt sich heute erkennen, zählen nicht zu diesen paarungsfähigen Eigenschaften.

Für Anblicke wie diesen fährt der gemeine homo marcransis hunderte Kilometer in den Urlaub. Zu Hause wird vorher alles platt gemäht, damit sich die Reise auch lohnt.

Für Anblicke wie diesen fährt der gemeine homo marcransis hunderte Kilometer in den Urlaub. Zu Hause wird vorher alles platt gemäht, damit sich die Reise auch lohnt.

Trotzdem könnte man es ja mal versuchen. Indem zum Beispiel in unserer Stadt künftig mehr für den Artenerhalt getan wird. Das ist in diesem Falle sogar erstaunlich einfach. Es reicht nämlich, nur weniger zu tun. Zum Beisiel einfach blühende Pflanzen nicht im blinden Ordnungseifer so lange und so oft zu kastrieren, bis sie in tiefe Depression verfallen und eingehen.

Wer mit offenen Augen durch unsere Stadt-Natur geht, erkennt ganz schnell, wo es bei diesem Thema klemmt. Kommunalpolitiker, Landwirte und Bewohner der Stadt und der Ortschaften können gemeinsam an einem Strang ziehen.

Ich für meinen Teil bin da jedenfalls ganz bei Margerite Strauß, der gesundheitspolitischen Sprecherin der Markranstädter Nachtschichten. Sie hat die Devise ausgegeben: Die einzige Blüte, die konsequent bekämpft werden sollte, ist die Gürtelrose.

 

15 Kommentare

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    • Bienchen Kathrinchen auf 29. Oktober 2020 bei 9:46
    • Antworten

    Wer ist eigentlich verantwortlich für den Schutz(vor dem Überwuchertwerden durch Waldbäume)und das weitere Gedeihen der Jahrgangsbäume auf dem Weg von der Südstraße nach Kulkwitz? Da hilft kein Laubbläser, das müsste mal im gaaaanz großen Stil der Freischneider ran.

    Beobachtung am Straßenrand:
    Die hübsche Kürbispflanzung am Straßenrand an der Schranke hat es trotz liebevoller Pflege durch die Stadtgärtner leider nicht geschafft durch den heißen Sommer zu kommen, die robusten Ringelblumen gegenüber der Einmündung des Fußweges zum Brauhof aber schon. Fazit??? Dennoch weiter machen mit der Stadtbebuntung!!!

    1. Na ja, nicht gleich mit Freischneider an die Jahrgangsbäumchen rangehen. So wie die sich in ihrem Umfeld (vor allem auf der Kippe) entwickeln konnten, reicht oft eine Sichel, um sie von ihrem Leid zu befreien. In manchen Fällen vielleicht sogar ein Nagelklipser.

        • Bienchen Kathrinchen auf 31. Oktober 2020 bei 16:25
        • Antworten

        Mir scheint, bei der von mir benannten Jahrgangspflanzung (2008) ist´s wie bei Corona: Wenn´s eng wird, muss einer entscheiden wer überleben darf. Tut dies keiner, ist´s auch wie im richtigen Leben: Die Großen werden immer größer, die Chancen der Kleinen werden immer geringer. Aber vielleicht bringt uns ja der Klimawandel bald auch neue gärtnerische u. forstwirtschaftliche Erkenntnisse…
        Übrigens:
        Das Randbeet an der Schranke, stadteinwärts rechts, ist mit seiner bunten Wildblumenpracht eine wahre Insekten- und Augenweide!
        Gut gemacht! Danke!

    • markranster auf 28. Oktober 2020 bei 12:02
    • Antworten

    Alle paar Wochen bekomme ich von „übergeordneter Stelle“ zu hören: „Du mußt mal wieder den Rasen mähen!“ Da frage ich mich: „Warum eigentlich?“ Schließlich will ich weder gepflegt Tennis noch Fussball spielen. Da kommt es auf ein paar Zentimeter mehr oder weniger auch nicht an. Und die Rasenroboter-Feteschisten vergessen gänzlich, daß auf der Grasnarbe auch noch Leben kräucht und fleucht,
    welches durch den ständig starrsinnig mähenden „Vasallen“ mit Stumpf und Stil ausgerottet wird.

    1. Das Problem mangelnder Kommunikation mit der übergeordneten Stelle ist leider weit verbreitet. Man sitzt am kürzeren Hebel. Sie weiß, wie die Waschmaschine bedient wird, hat den einzigen Zugang zum Kochlöffel und wenn man gegen Willkür wie die Sache mit dem Rasen aufbegehrt, quittiert sie das am Abend mit Kopfschmerzen, PMS oder anderen Maßnahmen zur Ahndung privaten Ungehorsams. Unser Tipp: Ein Liter Glyphosat auf 5 Milliliter Wasser und damit nur einmal noch final den Rasen gießen. Sollte ein Rest übrig bleiben, können Sie den in einen leeren Flacon umfüllen und auf ihrer Frisierkommode platzieren. Auge um Auge – sie verstehen?

    • Burkhard Schmidt auf 28. Oktober 2020 bei 10:58
    • Antworten

    Es stellt sich nun die Frage: Wer ordnet solche Dummheit an und wer bezahlt sie???

    1. Die Antwort darauf finden Sie in Ihrem Ordner „Rentenbescheid“. Schauen Sie einfach mal, was da unter der Rubrik „Steuern“ steht. Das sind übrigens Beträge, die Sie schon einmal versteuert haben. Und jetzt fragen wir Sie: Wie fühlt es sich eigentlich an, solche Dummheiten zu finanzieren?

    • EddiConstatin auf 28. Oktober 2020 bei 10:12
    • Antworten

    Kann’s kaum noch hören, gemeinsam, gemeinsam gegen alles ! Seit Frühjahr kämpfen wir gemeinsam gegen Corona, gemeinsam gegen die Talfahrt der Wirtschaft, gemeinsam gegen Kriege in der Welt, gemeinsam Flüchtlingsprobleme lösen, gemeinsam Hunger und Not aufhalten, gemeinsam für ein starkes Europa usw. .Bei so vielen gemeinsamen Herausforderungen, kann man sich auch gemeinsam darüber hinwegtäuschen lassen, dass vor unserer Haustür und auch dahinter Frevel an Natur und Umwelt begangen wird. Ob es als Erklärung reicht, die Kommunisten haben uns im Unrechtsstaat die ganze Verantwortung immer abgenommen, reicht meines Erachtens nicht? Die Krise im Miteinander bei Übernahme von Verantwortung ist immer schlimmer geworden, weil sich jeder in heutiger Zeit sein Zutun erst mal bezahlen lässt!
    Obiger Artikel unserer MN ist Balsam auf geschundene Seelen und hilft sehr , sich mit offenen Augen in Natur und Umwelt zu bewegen.

    1. Schon wieder so ein Verschwörungstheoretiker… Die Kommunisten kann man doch nun wirklich nicht für alles verantwortlich machen. Jedes Jahr zum 1. Mai haben sie uns mit roten Nelken geradezu überschüttet, um uns für die Schönheit der Natur zu sensibilisieren. Sie sollten mehr Dankbarkeit vor der geschichtlichen Historie zeigen, echt jetzt!

    • Echter Markranstädter auf 28. Oktober 2020 bei 10:02
    • Antworten

    Wenn schon die „Pflege“ an den kleinen Wegerändern gegen die Natur ist, wie sieht es da erst nach der schrittweisen Erneuerung des Pappelwaldes aus? Vielleicht liegt es aber auch am unqualifizierten Personal und der fehlenden Sensibilisierung für dieses Thema. Die Beherrschung von Rasenmäher und Laubbläser ist nicht alles im Berufsleben. Auch vermisse ich den Aufschrei unseres „Grünen“.

    1. Genau! Die Beherrschung von Rasenmäher und Laubbläser reicht bei weitem nicht. Auch die Kettensäge will kompetent bedient sein.
      Obwohl… So eine Aktion mit Laubbläser ist bei Herbstwind gar köstlich anzusehen. Wenn man so hinterm Fenster in der warmen Stube sitzt und sich fragt, wer da unten wen durch den Park jagt. Die Blätter den Bläseer oder der Bläser die Blätter? Da könnte man ganz schnell zu dem Schluss gelangen, dass sich der Erfinder dieses Gerätes des Intelligenzquotienten seiner Rohstoffe bemächtigt hat. Für die Bedienkraft steht indes nur eine Losung im Auftragsbuch: „Nicht nachdenken, einfach nur machen!“

        • Samoth auf 28. Oktober 2020 bei 12:35
        • Antworten

        Oh jaaaah … Laubbläser-Einsatz im Pappelwald. Aber bitte erst nach Corona, damit bei dem zu erwartenden Zuschauerandrang kein neuer Hotspot entsteht.

        1. Gute Idee. Ein paar Tribünen aufgebaut und schon hätte die ächzende Veranstaltungsbranche gewinnträchtige Aussichten nach dem Neustart. …Falls dann noch ein paar Veranstalter übrig geblieben sind.

    • Samoht auf 28. Oktober 2020 bei 8:36
    • Antworten

    Genau diese Gedanken trage ich schon seit einigen Jahren mit mir herum. Danke für den großartigen Artikel! Wie herrlich sieht es in unserem tristen Flachland aus, wenn die Straßenränder im Sommer so bunt sind. Roter Mohn, blaue Kornblumen, gelber Fenchel, weiße Schafgarbe. Nur einen Tag später die Ernüchterung und noch einen Tag danach dann im Fernsehen der erhobene Zeigefinger ausgerechnet jener, die solchen Unfug in Auftrag geben.
    Übrigens: Auch die Art und Weise, wie (vor allem in Markranstädt) Bäume verschnitten werden, ist einzigartig, passt aber wenigstens zur Art und Weise, wo und wie sie gepflanzt werden.

    1. „Nur einen Tag später die Ernüchterung“… Ach, wie wir das verstehen können. Geht uns auch so. Jeden Freitag. Da ist der Keller voller bunter Blüten. Korn, Gras … und am nächsten Tag dann die Ernüchterung.

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