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Neues aus der vierten Etage (11) - Markranstädter Nachtschichten

Neues aus der vierten Etage (11)

Hach ja … die letzte Stadtratssitzung unter Jens Spiske war noch mal ein richtig schöner, sentimentaler Schmachtfetzen a la Rosamunde Pilcher. Zum Abschied servierte er dem Publikum sogar erstmals per ausreichender Schriftgröße gut lesbare Informationen auf der Leinwand und seine frei vorgetragene Abschiedsrede hat einen rhetorisch absolut beeindruckenden Schlusspunkt gesetzt. Zwei – drei Lacher noch zwischendurch, ein paar Blumen und dann … tschüss Tschenns.

Was während der Sitzung so alles auf den Tisch kam, wird Spiske endgültig davon überzeugt haben, dass es die richtige Entscheidung war, die Wahl nicht zu gewinnen. Alter Verwalter, da kommt ganz schön was auf Markranstädt zu!

Aber erst mal hielt es SPD-Chef Frank Meißner nicht mehr auf dem Stuhl. Noch bevor richtig in die Tagesordnung eingestiegen werden konnte, machte er sich mit einem Blumenstrauß auf in Richtung … nein, nicht Jens Spiske.

Beate Lehmann hatte kürzlich Geburtstag und Meißner überbrachte ihr nachträgliche Glückwünsche. Zu welcher Zahl genau, das war von so weit hinten zwar nicht zu hören, aber ihrem strahlenden Antlitz nach muss sie wohl gerade volljährig geworden sein.

Mit dieser Aktion hatte Meißner die Büchse der Pandora geöffnet. Jetzt sprang auch der CDU-Chef auf und gratulierte der Beigeordneten ebenfalls. Klar, als stärkste Fraktion kann man es nicht dabei belassen, es der ehemaligen (bis zur Schröder-Ära) Partei der Arbeiterklasse lediglich gleich zu tun. Also gabs von Dr. Kirschner auch gleich noch einen Strauß samt blumiger Abschiedsworte für den Bürgermeister.

Nachruf auf einen Lebenden.

Nachrufe auf einen Lebenden.

Das wiederum veranlasste Linke-Chefin Heike Kunzemann (Foto), den fürs Ende der Veranstaltung geparkten Strauß ebenfalls zu ergreifen und ihn dem scheidenden Stadtoberhaupt aus gleichem Anlass in die Hand zu drücken.

Und weil die Ersten stets auch die Letzten sind, holte Meißner am Ende des Rituals gleich noch seinen zweiten Strauß unterm Stuhl hervor und beschloss die Corona-Soforthilfeaktion für Floristen mit der verschmitzten Bemerkung: „Jens, es war nicht alles schlecht…“

Die Bürgerfragestunde schenken wir uns. Der wichtigste Fragesteller war mangels ausreichend motivierten Feindbildes gar nicht erst gekommen und aus den Statements von Ronald Gängel die Fragen herauszulesen, war einfach zu anstrengend. Lustig war bestenfalls seine Aussage, dass er irgendwo in der Natur vier Häufchen gemacht habe.

Einen unfreiwilligen Lacher gabs dann doch. Als eine weitere Fragestellerin in schwarzer Robe, mit schwarzem Haar und vorbildlich mit schwarzer Maske bedeckt, zum Mikro schritt, schätzte Spiske aus der sicheren Entfernung seines Throns: „Frau Nörenberg .. wenn ich das richtig erkenne?“

Rathaus als Kleinunternehmen?

Danach ging es um Finanzen. Um nicht unnötig viele Aerosole ins KuK zu spucken, wurde auf lange Haushaltsvorträge verzichtet. Es hätte so oder so gereicht, sich auf die satirischen Elemente zu beschränken. Die Stadt legt ihre Guthaben gewinnbringend an. Verzinst mit 0,01 Prozent.

Auch die zweite Finanzinformation war nicht ohne. Weil die Kommunen ab 1. Januar 2023 Mehrwertsteuer erheben und abführen müssen, wird offenbar gerade die ganze Kämmerei umgekrempelt. Für den Laien schwer zu verstehen, aber versuchen wir es mal so zu erklären: Um den Aufwand in Grenzen zu halten, sucht die Stadt gerade nach einer Art Kleinunternehmer-Regelung.

In der Folge jede Menge kleine Worte mit großer Wirkung. Beim Schulanbau habe es auf die Ausschreibungen für die Gewerke Metallbau und Haustechnik nicht mal Absagen gegeben. Die müssen jetzt neu und deshalb anders ausgeschrieben werden.

Die Planungen fürs neue Stadtbad sind unterbrochen worden. Grund: Nur vier Wochen nach der Auftragserteilung ist es schon teurer geworden. Da kamen im Publikum natürlich sofort die kühnsten Verschwörungstheorien in Gang.

Und die drohen sich nun in der Stadt zu verbreiten, nur weil man nicht die notwendige Info noch drangehängt hat, was der Grund der Teuerung ist. Könnte ja zum Beispiel sein, dass das beauftragte Planungsbüro mal eben seine Kostennote überarbeitet hat, wogegen man durchaus vorgehen könnte oder vielleicht sogar wird?

Mit 25 Gästen war das Event wieder mal so gut besucht wie in keinem anderen Kaff rund um Leipzig.

Mit 25 Gästen war das Event wieder mal so gut besucht wie in keinem anderen Kaff rund um Leipzig.

Nicht minder frappierend waren auch die Informationen der Beigeordneten zu den Infektionsfällen im Hotel „Corona“. Zur Erinnerung: Trotz Quarantäne sind da Internierte draußen rumgelaufen. Klar, dass da eine Stadt im Interesse des Schutzes ihrer Bürger reagieren muss. Deshalb habe sie nachgefragt, wie denn das Quarantänekonzept der Einrichtung aussehe. Die Antwort des zuständigen Amtes, wir übersetzen sie sinnstiftend auf deutsch: Das geht niemanden was an!

Kurz vor Ende des öffentlichen Teils der Sitzung trat AfD-Chef Bodo Walther ans Mikro und bat darum, die im Publikum sitzende Bald-Bürgermeisterin Nadine Stitterich auch für den anschließenden nichtöffentlichen Teil als Gast zuzulassen. Spiske beruhigte ihn mit den Worten: „Ich geh‘ ja schon. Sie brauchen keine Angst zu haben.“

Zumindest in satirischer Hinsicht wird er uns fehlen.

 

7 Kommentare

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  1. Liebe MN,
    vielen Dank für das Lob meiner rhetorischen Fähigkeiten. Eine Stärke, die mir oft bescheinigt wurde….imerhin eine Stärke.
    Aus meiner Sicht war die gestrige, meine letzte von mir geleitete Stadtratssitzung, ein würdiger Abschied. Alle Fraktionen, außer die der Freien Wähler (wen wunderts) haben mir, wenn auch teils mit leisen, kritischen Untertönen für meine Arbeit gedankt. Das hat mich sehr gefreut und berührt.
    Ich gehe erhobenen Hauptes und mit Stolz auf das Erreichte.
    Es war mir eine Ehre Bürgermeister dieser wunderbaren Stadt gewesen zu sein.

    PS: Ich bin sicher, auch zukünftig wird es mehr als genug satirisches Pulver für die Nachtschichten geben. Wetten?

    1. Wetten? Das darf man doch in Deutschland nur noch, wenn man einen zeitweisen oder ständigen Wohnsitz in Schleswig-Holstein hat. Oder wurde das schon nach Jever eingemeindet?

    • Nachbar auf 6. November 2020 bei 11:14
    • Antworten

    Die Antwort des Landratsamtes zum Quarantänekonzept in der GU ist quasi der sich seit 2015 ewig wiederholende Textbaustein. ( https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/242325 , die ITB war nicht dabei- wieso? und das Datum der ERSTEN Zusammenkunft um Coronakonzepte in Einrichtungen, 28.10.20 ist der Knaller, oder?!)
    Schön, dass trotzdem gefragt wurde.
    Ich habe da gleich noch eine Frage oder zwei….
    Warum bekommt die GU nach Aufhebung der Quarantäne immer noch Essen geliefert?
    Warum wurde während der Quarantäne die Gemeinschaftsküche weiter betrieben?
    Wo sind die Infektiösen hin? – ausgebüchst?
    Aber auch hier wieder, viele Fragen, keine Antworten- kommt mir bekannt vor.
    Vielleicht sollten die, die das bezahlen, also wir, mal eindringlicher nachfragen, vielleicht mit Hilfe von Mario Barth?

      • Bürger auf 6. November 2020 bei 11:17
      • Antworten

      Die Fragen fehlten gestern in der Bürgersprechstunde aber.

        • Mark Ranzi auf 7. November 2020 bei 0:08
        • Antworten

        Hättest Du doch je wieder die selben bzw. keine Antworten bekommen. Wir sind nicht zuständig oder wir antworten einfach nicht.

      1. Tja, so ist das. Erst ein herzliches Willkommen am Bahnhof mit Schokolade und Co. und wenn der Hype vorbei ist, werden diese Menschen mit ihren Sorgen und den Bedingungen in der Unterkunft alleine gelassen. Geht niemanden mehr was an, wie die da drin leben. Auch den Parteien im Stadtrat nicht, die nach wie vor symbolisch ihre Arme geöffnet haben.

          • Nachbar auf 8. November 2020 bei 12:52
          • Antworten

          Leider richtig.

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