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Neues aus der vierten Etage (13) - Markranstädter Nachtschichten

Neues aus der vierten Etage (13)

Was das Treiben in der neuerdings aufs Erdgeschoss des KuK runtergekommenen 4. Etage angeht, kommen wohl schwere Zeiten auf die satirisch orientierte Gemeinde zu. Das allgegenwärtige Knistern am Donnerstagabend war jedenfalls nicht einem morschen Gestühl zuzuschreiben. Und es war auch nicht der einzige Grund, warum so manche unter den Masken hervorgenuschelte Auslassung schwer bis überhaupt nicht zu verstehen war. Ganz hartes Brot, in den wenigen hellen Momenten wenigstens ein paar Anhaltspunkte zum Schmunzeln zu finden.

Kabarett gab’s trotzdem, allerdings eher auf eine Art, die man Markranstädt gern erspart hätte. Im Mittelpunkt stand dabei, in unterschiedlichen Zusammenhängen, immer wieder das Thema Kommunikation.

Bloß gut, dass Maskenpflicht angesagt war. Nicht auszudenken, wenn die vielen Kinnladen angesichts so mancher Aussagen ohne dieses stützende Element im freien Fall auf den Tischplatten gelandet wären.

Apropos Tische, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation: Die Qualitätspresse ist durch ihre vorlaute Berichterstattung offenbar so in Ungnade gefallen, dass ihr lediglich ein Stuhl am Rande des Saales zugewiesen wurde. Ohne Tisch!

Die Botschaft war unmissverständlich, zumal es ausreichend Tische gab, die jedoch alle besetzt waren, unter anderem  von auffallend vielen Kameraden der Feuerwehr.

Presse auf der Strafbank

Die künstlerische Installation der Strafbank am Rande des Saales wirkte jedenfalls wie die zum Symbol gewordene Drohung: Wer so über uns schreibt, soll seine antikommunalen Hetzschriften gefälligst auf seinem Schoß in den Notizblock kritzeln! Zwar wurden dabei auch mitschreibende Satiriker in Sippenhaft genommen, aber die sind das erstens gewöhnt und haben es zweitens auch nicht anders verdient.

Da Bürgerfragen in Corona-Zeiten schriftlich eingereicht werden müssen, war auch der nächste Punkt öffentlicher Anteilnahme quasi gestrichen. Der zum eigentlichen Standard-Repertoire gehörende Spaßfaktor fehlte schmerzlich.

Statt dessen wurde die Tagesordnung erweitert, um den anwesenden Kameraden der Feuerwehr die Möglichkeit der Stellungnahme zu einem anonymen Brandbrief zu geben. Heikel: Sie durften reden, der Normalbürger hingegen nicht.

Schwere Rechtsverstöße

Die weiteren Tagesordnungspunkte in diesem Szenario hatten wenig bis kein satirisches Potenzial und können getrost den zu Ernsthaftigkeit verurteilten Medien überlassen werden. Erst kurz vorm Ende wurde es wieder lustig.

SPD-Chef Frank Meißner fragte, wie es denn um die im Dezember via Amtsblatt veröffentlichte Ausschreibung der Funktion eines City-Managers stehe.

Die Bürgermeisterin informierte das Gremium daraufhin, dass sie die Ausschreibung „wegen schwerer Verstöße gegen das sächsische Vergaberecht“ zurückgenommen habe.

Das vermeintliche Stöhnen hinter den Masken im Saale könnte aber durchaus als befreites Aufatmen interpretiert werden. Endlich mal ein Stadtoberhaupt, das den Mut hat, eine von ihm selbst unterzeichnete Ausschreibung derart selbstkritisch zu verurteilen. Wie lange mussten wir das vermissen. Fast möchte man sich schon mehr davon wünschen.

Dunkle Wolken ziehen auf

Den abschließenden Showdown mit dem Statement der Feuerwehr eröffnete Kirsten Geppert (FWM) mit einer abenteuerlichen Interpretation aus dem Alltag der Lügenpresse. „Linda Polenz – LVZ – übernimmt ab März die Stelle für Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtverwaltung Markranstädt, Frau Helbig löst Versprechen ein, Frau [Name war nicht zu verstehen] löst Herrn Schwertner ab – graue Wolken über Markranstädt“, begann sie ihre Ouvertüre.

Das einzig Wahre an diesem Orakel waren freilich die grauen Wolken, auch wenn die eher anthrazit aufziehen. Ansonsten alles frei erfunden. Eine durchaus gelungene Provokation, die ihr für das folgende flammende Plädoyer wider die entfesselte Presse zumindest die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums sicherte.

Hintergrund ist ein als offener Brief in Umlauf gebrachtes anonymes Schreiben an die Stadträte, das maschinell mit „Ihre Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr“ unterzeichnet ist. Darin geht es um die Kündigung eines als „Hausmeister Feuerwehr“ beschäftigten Mitarbeiters durch die Bürgermeisterin. Die Spitze der FFW distanziert sich „im Namen aller Kameraden“ von diesem Dokument. Die LVZ hatte das Treiben in ihrer Ausgabe vom Vortag thematisiert.

LVZ mit Renft-Erbe

Auch wenn anynome Botschaften in Markranstädt eine lange Tradition genießen und immer wieder gern genutzt werden, ändert das nichts an der Tatsache, dass ein solcher Weg wirklich auf das Schärfste zu verurteilen ist. Außerdem hat er noch nie zum Ziel geführt. Meist gehen solche Abartigkeiten sowieso nach hinten los, wie der aktuelle Fall erneut belegt.

Kirsten Geppert griff allerdings nicht nur die anonymen Verfasser an, sondern endlich auch mal die Presse, die sich im Vorfeld einmal mehr als willfähriges Werkzeug konterrevolutionärer Machenschaften missbrauchen ließ.

Gepperts flammende Rede erinnerte an die legendären Aussagen Ruth Oelschlegels, als sie 1975 die Gruppe Renft mit den Worten verbot, „weil mit den Texten, die sie uns hier vorgelegt haben, die Arbeiterklasse verletzt und die Staats- und Schutzorgane diffamiert werden.“

Höchste Zeit, wieder mal ein Zeichen zu setzen, es war ja schließlich wirklich nicht alles schlecht. Und so belehrte Geppert die Presse:: „Ich finde, wir sollten wieder zurückkommen zu einer soliden Recherche“ und meinte damit, „… dass wir in Zukunft solche Sachen nicht mehr veröffentlichen“.  Sie appellierte, die Medien wieder auf Kurs zu bringen auf „dass wir wieder in einem besseren Licht dastehen.“

Wie Rosa Luxemburg schon meinte: Die Pressefreiheit ist immer die Pressefreiheit der Andersdenkenden. Bloß gut, dass Satiriker in der Medienlandschaft nicht ernst genommen werden, sonst müssten wir heute zusammen mit den Qualitätsjournalisten auf noch nicht installierten Stadtmöbeln sitzen und auf die Freigabe unserer Zeilen über die vierte Etage warten.

Pressebelehrung von der Sanitär-Innung

Was die kritisierte Recherche der LVZ angeht: Das Blatt hat den Brief erhalten, von der Bürgermeisterin ein in Worte gefasstes Schweigegelübde als Statement bekommen, danach Stadträte befragt und sich mit dem Stadtwehrleiter unterhalten. Das Extrakt aus der Anhörung dieser vier (!) involvierten Seiten wurde schließlich veröffentlicht. Selbst nach dem Pressekodex Nordkoreas wären damit die Maßstäbe einer soliden Recherche erfüllt.

Nicht aber in Markranstädt. Und erst recht nicht, wenn sich die Staats- und Schutzorgane dann trotzdem noch diffamiert fühlen und der Autor zudem einen gefestigten Klassenstandpunkt vermissen lässt. Das ist das Ergebnis einer seit 30 Jahren währenden verfehlten Propagandapolitik, die es jedem noch so subversiven Kuli-Besitzer erlaubt, einfach was zu niederzuschreiben.

Ein Schnitzler als Dessert

Ja, höchste Zeit, damit Schluss zu machen und wohltuend gut, dass endlich jemand den Mut hatte, seinen Finger in die offene Wunde zu stecken. Okay, dass die Kritikerin jetzt auch nicht grade über einschlägige journalistische Berufserfahrung verfügt, kann dabei vernachlässigt werden. Es geht hier um unsere gemeinsame Sache, unser aller Markranstädt, wie auch die Bürgermeisterin in diesem Zusammenhang betonte.

Wir stehen jedenfalls nicht nur voll auf dieser Seite, sondern gehen noch weiter und fordern: Macht endlich in Leipzig das Rote Kloster wieder auf! Unseren Journalisten muss durch regelmäßige Schulungen das Rüstzeug gegeben werden, um mit einem gefestigten politisch-ideologischen Klassenstandpunkt im täglichen Kampf um positive Berichte als  leuchtende Vorbilder an vorderster Front zu marschieren.  Freundschaft!

 

16 Kommentare

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    • Conny Rahn auf 13. Februar 2021 bei 18:42
    • Antworten

    Oh, was für ein Schachzug. Was strahlt denn da so „edelgasig“im Hintergrund ?

    1. Was immer Ihnen Ihre Phantasie da vorgaukelt: Es das Display eines Dosimeters, das den Gehalt von Zerfallprodukten radioaktiver Substanzen in der Raumluft anzeigt.

  1. Langweilige Provinzstadt Markranstädt? Denkste! Hier sorgen Einzelpersonen für traurige Verfehlungen. Setzen wir uns auf die herumlungernden Stadtmöbel und spannen auf die Dinge die sich so Entwickeln. Im ländlichen Markranstädt vor den Stadttoren von Leipzig ist eben und auch zu Corona-Karnevalzeiten und sonst so immer was los! Bedeutet: Bloß keine Eingemeindung! Dann wird’s frustrierend und langweilig. Wenn’s nicht so furchtbar unintelligent traurig wäre: Mundtot geht gar nicht! Da war also endlich mal die Qual der Wahl- eine große Volkspartei hat’s jämmerlich und nachhaltig verkackt- und wieder mehrheitlich verwählt. Lustig ist das leider nicht mehr.

      • Marc Ranstetter auf 8. Februar 2021 bei 20:42
      • Antworten

      Die Meisten hierzulande denken doch immer, dass alles besser werden muss. Das Leben beweist aber auch, dass man öfters mal zufrieden sein muss mit dem, was man hat. Die neuesten Besen kehren meistens gut, doch früher oder später verlieren die auch mal die Borsten oder wie Forrest Gump so treffend meinte: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt.

      1. Aber man wünscht sich immer die mit der Zuckerkruste und dem Obstler drin, gelle?

    1. Sie können ja ihre Schachfiguren anmalen – sozusagen als Reminiszenz an die Karnevalszeit. Wenn Sie ganz aktuell sein wollen, müssen Sie irgendwioe noch graue Wolken über das Schachbrett zaubern.

    • Marc Ranstetter auf 7. Februar 2021 bei 13:36
    • Antworten

    Ich liebe es, wenn ein Zeichner auch das kleinste Detail nicht außer Acht lässt. Der kaiserliche Dank dürfte ihm gewiss sein. Also dann; Back to the future!

    1. Sagen Sie bloß, Sie können sehen, was unter dem Tisch los ist?

    • Ulrich NASER auf 7. Februar 2021 bei 10:34
    • Antworten

    Zum Bild an der Wand:
    Sollten frühere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wirklich im Rathaus herumgeistern, wäre es nur verständlich, wenn die Markranstädter Stadtverwaltung weiterhin vergeblich auf die göttlichen Eingebungen warten müsste.

    1. Hey, das ist eine Reminiszenz an den Ort des Geschehens. In jedem Schloss hängen Porträts der großen Ahnen. Im Bundestag sogar eins von Gerhard Schröder in Gold!

    • Heiko Küster auf 7. Februar 2021 bei 9:18
    • Antworten

    Wenn man das, was ihr so schreibt, einigermaßen richtig interpretiert, und das bekommt man nur nach mehrmaligen, genauem Lesen hin, dann komme ich zu dem Schluss, dass ich mich wohl schon wieder „verwählt“ habe, obwohl ja noch ein paar Tage Zeit ist, bis die 100 voll sind. Fast wünscht man sich schon die Regentschaft der zurück, deren Namen nicht genannt werden soll(denn da wusste man zumindest, dass deren Tun System hatte, eine Linie zu erkennen war). Jetzt geht es wahrscheinlich nur noch um Kungelei, eine Entwicklung, die schon zu Ende der Herrschaft des Westelbiers begann und nun konsequent fortgesetzt wird. Nach dem Motto: Helfe ich Dir in den Sattel, dann erfüllst Du mir meine Wünsche. KK aka kuhle Koabhängigkeit. Aber, wie gesagt, es fehlen ja noch ein paar Tage bis zur 100, hoffentlich täusche ich mich und ich bin vielleicht nur zu doof, 1 & 1 zusammenzuzählen…

    1. So oft gelesen und dann trotzdem falsch interpretiert? Es ist lustig, wirklich!

    • Bekannt auf 6. Februar 2021 bei 20:38
    • Antworten

    Irgendwie bleibt mir beim Lesen Eures Beitrages das Lachen im Halse stecken.
    Und wie ich Euch kenne, ist die Auswahl der kleinen Details, die Euer genialer Zeichenstift da auf und hinter den Ratstisch gezaubert hat, nicht zufällig.

    Traurig nur, dass das was sich hier seit Tagen abspielt tatsächlich ein Gefühl von Version 2.0 hervorruft…

    1. Bei den Utensilien ist die Phantasie mit ihm durchgegangen. Außerdem war das Bild schon vorher fertig und man sieht, dass da der Wunsch Vater des Gedanken war. Wäre er dabei gewesen, hätte er Wattebällchen auf die Tischdecke gemalt.

    • Gerechte auf 6. Februar 2021 bei 18:34
    • Antworten

    Nein, die Verteterin der Sanitärinnung hat vollkommen Recht, unzureichend recherchiert zur Feuerwehr!

    Bisher hat noch keiner thematisiert, wie die gekündigte Person über Wochen von einzelnen, wenigen, eigenen Kamaraden gemobbt wurde. Er musste Feuerwehrautos ständig putzen, die den Himmel ewig nicht gesehen hatten. Angeblich hat er alles falsch gemacht, sogar die falschen Firmen beauftragt… Die LVZ sollte sich wirklich schämen!

    1. Okay, ab in die Ecke – aber das mit den runtergelassenen Hosen lassen wir lieber.

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