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Neues aus der vierten Etage (24.1)

Das Treiben in der vierten Etage entwickelt sich langsam zum Blockbuster. Deshalb muss er jetzt erstmals in zwei Teilen serviert werden. Heute Teil 1 und demnächst in diesem Kino dann auch der zweite Teil. Bei 21 Tagesordnungspunkten (je nachdem, welche Ausgabe man erwischt hat, manch Abgeordneter sprach gar von 24) geht das nicht anders. Lesen Sie also heute in Folge eins, wie man in Markranstädt offiziell über Jugend und Zeit denkt.

Schon beim Blick auf den Parkplatz hinter dem Volkshaus konnte einem mulmig werden. Volle Hütte! Und kein einziger Parkschein an den Scheiben. Wo waren die sonst in der Stadt an allen Ecken omnipräsenten Ordnungskräfte?

Die Antwort steht auf der Parkuhr. Löhnen muss man nur bis 18 Uhr. Das ist wohl auch die Erklärung dafür, warum die Sitzungen des hohen Hauses immer erst nach der sechsten Abendstunde beginnen.

Jedenfalls war der Ratssaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Kostenentwicklung beim Kita-Neubau am Bad und die Verheißung einer Verbalschlacht in Auswertung des Berichts des Akteneinsichtsausschusses zum Grundschulanbau zogen wohl mehr als Champions-League oder Tagesschau.

Diät für die Tagesordnung

Und so begann die Zusammenkunft pünktlich um 18:30 Uhr. Angesichts Programms war schließlich auch jede Minute kostbar. Ronald Gängel (Linke) beantragte dann trotzdem gleich mal, die Tagesordnung noch etwas zu kürzen. Zeit ist immerhin Geld. Die Diskussion zum Bericht des Akteneinsichtsausschusses sollte verschoben werden.

Im Gleichklang mit Frank Meißner (SPD) und Michael Unverricht (CDU) war Gängel der Meinung, dass die Stunde, an der es zur Diskussion kommen sollte, wohl zu spät sei, um noch sinnvoll diskutieren zu können.

Das Thema stand auf Punkt 20 und damit an vorletzter Stelle. Auch Unverricht befürchtete, dass es angesichts des sonstigen Programms sicher nicht vor 21:30 Uhr zur Diskussion käme.

Zeit ist Geld

Allein Dr. Eddy Donath (FWM) schien das Thema wichtig genug „auch nach einem langen Arbeitstag darüber diskutieren zu können“, zumal man ja die Entwicklung der Diskussion nicht absehen, sie dann immer noch unterbrechen und an einem anderen Tag fortsetzen könne.

Inzwischen beanspruchte die Diskussion darüber bereits mehr als zehn Minuten kostbarer Sitzungszeit – und man war noch immer bei Punkt 1 der Tagesordnung. Das satirische Herz weitete sich allmählich zu einem saftigen Steak.

Die Spaßbremsen gewinnen

Letztendlich wurde der Punkt von der Tagesordnung genommen und (wieder mal) auf einen Sonderstadtrat verlegt. Hoffentlich verlieren die Ratsdamen und -herren vor lauter Sonderstadträten irgendwann nicht mal den Sitzungsüberblick.

Im Publikum machte sich indes tiefe Trauer breit. Die Tafelrunde hatte noch nicht einmal richtig losgelegt und schon war man um einen der unterhaltsamsten Punkte beraubt.

Noch ein Unwort des Jahres

Für die kommende Umfrage zum „Markranstädter Unwort des Jahres“ gab es bei der folgenden Bekanntgabe der Beschlüsse der Ausschüsse neues Futter.

Zur Erinnerung: Im Oktober sprach Spiske in Bezug auf unsere städtischen Knöllchenverteiler von „Gemeindevollzugsdienstmitarbeitern“. Das passt nicht mal dann auf eine Zeile, wenn man es chinesisch von oben nach unten schreibt.

Diesmal informierte er darüber, dass in der Stadtbibliothek ein „havariertes Regal“ ersetzt werden musste. Noch zwei Sitzungen sowie ein Sonderstadtrat und wir haben unsere fünf Kandidaten zur Unwort-Wahl beisammen.

Dann kam die Bürgerfragestunde und die hatte es diesmal in sich. Sozusagen völlig unbemerkt von der öffentlichen Wahrnehmung muss sich abseits des Rathauses eine Art außerparlamentarische Fraktion gebildet haben.

Sinnigerweise saßen die nicht nur in Fraktionsstärke, sondern auch räumlich eng beieinander. Auch der Fraktionschef war recht bald auszumachen. Es waren nur kleine, kaum wahrnehmbare Gesten, mit denen die Wortmeldungen verteilt wurden.

Zunächst meldete sich René Mücke zu Wort. Er bildet bekanntlich nach dem Rücktritt dreier Vorstände zusammen mit Diethelm Franz das Fragment der Führungsriege des SSV Markranstädt.

Die Fraktion der Vereine

Was er fragte, war zwar nachvollziehbar, aber den Inhalt der Fragen können uns wir noch eine Weile aufsparen, denn die anderen Fraktionsmitglieder hatten die gleichen Anliegen.

René Schütze vom BSV erhob sich als nächster Fragesteller in dieser Sache. Danach war erstmal, sozusagen außerhalb der Reihe, Manfred Schwung dran, der zum Planungsstand der Kulki-Toilette zu erfahren bekam, dass da zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts gesagt werden kann.

Dann gings weiter mit der Sport-Fraktion. Jürgen Daffner vom Tennisverein stellte quasi die gleichen Fragen wie seine Fraktionskollegen, die abschließend von Daniel Riegert (Piranhas) noch einmal vertieft wurden.

Alle vier Vertreter der Sportvereine wünschten sich eine Erhöhung der Jugendförderung und einen kompetenten Ansprechpartner für Vereinsfragen bei der Stadt. Zur Erklärung: Die Jugendförderung für Vereine beläuft sich derzeit auf 30 Euro pro Kind bzw. Jugendlichen. Wenn man nur mal die hochgegriffene Zahl von 2.000 Kindern und Jugendlichen nimmt, würde eine Erhöhung um 10 Euro gleich mit 20.000 Euro zu Buche schlagen. Aber darum geht es wohl eher nicht.

Bau…kindergeld?

Wer immer sich im Vereinswesen dem Nachwuchs widmet, wird nicht um 10 Euro feilschen wollen. Nein – es geht eher um 100 und damit um einen Betrag von 200.000 Euro. Beträge wurden zwar weder genannt noch gefordert, aber man darf sich schon die Frage stellen, ob es legitim ist, solche Forderungen aufzustellen?

Ja, das ist es! Wenn beispielsweise ein Bauvorhaben (dazu kommen wir gleich noch) aus „Marktgründen“ eine halbe Million Euro teurer wird, stimmt man einer außerplanmäßigen Auszahlung in der Regel zu. Da fragt auch niemand, wo man das Geld her nimmt – mitunter nicht mal, ob es überhaupt da ist.

Ein paar Hunderttausend mehr für den Grundschulanbau, ein paar Hunderttausend mehr für den Kita-Neubau, eine sechsstellige Summe für den Abschied einer Fachbereichsleiterin … wieso dann nicht auch ein paar Hunderttausend für die sinnvolle Freizeitbeschäftigung von Kindern und Jugendlichen?

Das zu den nachvollziehbaren Gründen. Weniger verständlich waren die Forderungen nach einem Ansprechpartner für Vereine im Rathaus. Aber es kann auch sein, dass es hier unterschiedliche Wahrnehmung zwischen Vereinen aus den Ortschaften und denen aus der Kernstadt gibt.

Von den Dorf-Vereinen hört man oft, dass sie sich im Fachbereich IV, hier vor allem bei Frau Lehmann und Frau Helbig, ganz gut aufgehoben fühlen. Und falls man da trotzdem mal nicht so recht vorwärts kommt, ist ja auch der Bürgermeister noch da.

Das lässt die Frage zu, warum sich die klagende Fraktion ausschließlich aus Vereinen der Kernstadt zusammensetzt und es sich zudem nur um Sportvereine handelt?

Wie dem auch sei: Diese Konstellation könnte perspektivisch Probleme bereiten. Dann nämlich, wenn an dem vom Bürgermeister vorgeschlagenen Runden Tisch „Vereine“ auch nur ein Markranstädter Verein bei der Einladung vergessen wird. Nicht nur im Sport und erst recht nicht nur in der Kernstadt wird engagiert Jugendarbeit betrieben. Wir sind ein Volk.

Jugendarbeit war auch das nächste Thema in der vierten Etage. Das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) hat bekanntlich die Jugendclubs in Großlehna sowie Markranstädt übernommen und ließ nun ihren Mitarbeiter Herrn Kerski Bericht über die ersten Monate erstatten. Rhetorisch klang der erstmal nicht schlecht.

Aber die Ritter der Tafelrunde, insbesondere Rosel Glöckner (SPD), Heike Kunzemann (Linke) und Michael Unverricht (CDU), hörten genau zu und deckten anschließend die Schwächen des Projekts erbarmungslos auf. Wenn sich die Jugend lieber in Parks und auf Bahnhöfen trifft, kann was nicht stimmen im Konzept eines Jugendclubs. Auch die Personalsituation und die Öffnungszeiten wurden kritisch hinterfragt.

Vielleicht war es auch der Tatsache geschuldet, dass das CJD hier einen Mann ins Feld geschickt hat, der sich rein physisch nur wenig von dem durch ihn zu betreuenden Klientel abhob und deshalb leichte Beute zu werden drohte: Jedenfalls hat ihm Heike Helbig in gewissen Situationen sekundieren müssen und vom Rest des Vorgangs blieben auch mehr Fragen als Antworten.

Zum Beispiel die, warum ein Jugendclub wochentags schon um 13 Uhr geöffnet hat, aber am Wochenende geschlossen ist.

Überplanmäßige Auszahlungen

Kommen wir zum Finale des ersten Teils. Das war die geplante Kita am Bad. Wir machen es jetzt mal wie der Lehrer in der Feuerzangebowle und „stöllön öns mal ganz dömm“. Auf Tagesordnungspunkt 9 stand: „Neubau Kindertagesstätte ‚Am Stadtbad‘ – Finanzierung überplanmäßiger Auszahlungen“.

Um welche Summe es ging und wofür die ausgegeben werden soll, konnte sich dem Zuschauer also nicht erschließen. Auch aus der Diskussion der ehrwürdigen Räte konnte man sich bestenfalls aus einigen Wortfetzen was zusammenbasteln.

Demnach muss es wohl so gewesen sein, dass das niedrigste der drei vorliegenden Angebote (für welche Leistung auch immer) glatte 95.000 Euro über dem Tipp liegt, den das Bauamt seinerzeit abgegeben hat. Der Bürgermeister begründete das mit der „Entwicklung auf dem Markt“.

Eine Wahnsinns-Entwicklung, die man sonst eigentlich nur bei Banken und Versicherungen verortet hätte. Nun boomt also auch die Bauwirtschaft mit knapp sechsstelligen Zuwachszahlen.

Wir boomen!

Da muss es einem nicht bange sein um den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ganz kurz nur flammte noch einmal die altbekannte Standort-Diskussion auf, doch schließlich wurde der Posten durchgewunken.

Da das MN-Team nur in Form von Normalbürgern in der vierten Etage weilt, muss es sich ebenso wie diese auf all das verlassen, was da in der Tafelrunde so verlautbart wird. Und laut Stadtrat Matthias Prautzsch (CDU) sind aus ursprünglich 1,6 Millionen Euro für die Kita inzwischen schon 2,1 Millionen geworden.

Allein bei Los 2 (Mischwasserkanal, Regenrückhaltebecken und Grundleitung) liegt das Preisniveau laut Rosel Glöckner inzwischen bei rund 70 Prozent mehr gegenüber der ursprünglich geplanten … ähm, besser: gewünschten? … Summe.

Übrigens: Haben Sie noch die Fragen zur Jugendförderung im Sinn? Das wäre jetzt der richtige Moment, sich ihrer zu erinnern.

Ende des ersten Teils. Lesen Sie in der nächsten Folge: Denkmalschützer wollen nicht mal selbst in der Schkeuditzer Straße 1 wohnen. Dürfen sie trotzdem bestimmen, was da passiert? Wie geht es weiter mit der Priesteblicher Straße und der legendären Schranke? Wie stellen sich die Freien Wähler das Kulki-Westufer der Zukunft vor? Bleiben Sie dran!

 






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