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Ostern nach 2000 Jahren erstmals kontaktlos

Pfarrer Michael Zemmrich hätte sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass er die österliche Liturgie mal vorverlegen muss, um seine Gemeinde eine Woche später pünktlich online daran teilhaben zu lassen. Am vergangenen Wochenende wurde die Kirche zum Filmstudio, in den letzten Tagen dann erfolgte der Schnitt und jetzt kommt das komplette Osterprogramm 2020 per HWW übers HimmelWideWeb in die Markranstädter Wohnzimmer.

Die Lösung ist zwar aus der Not heraus geboren, aber im Gegensatz zu dem, was beispielsweise die sächsische Staatsregierung unter dem Deckmantel der Corona-Krise an Wirtschaftshilfen ausgeschwitzt hat, verdient diese Lösung ihren Namen wenigstens.

Die Evangelische Kirche musste in den letzten Wochen ganz schön kreativ werden, um den Kontakt zu ihren Gemeindegliedern zu erhalten. Einen Notfallplan gab es nicht, das Krisenmanagement in Dresden erschöpfte sich gar zu oft in der Weitergabe staatlicher Verfügungen mit mehr oder minder praktikablen Hinweisen zu deren Umsetzung.

Da kocht man auch nur mit Wasser

Im Grunde genommen funktioniert die Leitung einer Landeskirche also auch nicht anders als die der Stadtverwaltung einer Kleinstadt. Und ähnlich wie bei letzterer sind es auch in der Kirche die untergeordneten Gremien, die das Zepter in die Hand nehmen.

Auf der Suche nach Möglichkeiten für kontaktlosen Kontakt mussten auch die Kirchenvorstände, Pfarrer und Gemeindeglieder vor Ort selbst schöpferisch tätig werden. Und so unterschiedlich wie die Gemeinden, präsentiert sich dann auch das Spektrum der Lösungen. Es reicht vom analogen Brief bis hin zum Live-Stream von Gottesdiensten.

Genial einfach – einfach genial

Doch was die Not zwischen diesen beiden Endpunkten so alles entbunden hat, ist teilweise so logisch und bodenständig, dass es schon wieder originell ist. Weil seine überwiegend schon älteren Schäfchen kaum Zugang zur digitalen Welt haben und er selbst auch nicht in Videotechnik und Youtube bewandert ist, hat der Pfarrer einer Leipziger Gemeinde seine Andacht beispielsweise einfach auf ein Tonband gesprochen und das Gerät direkt an sein Telefon angeschlossen.

Inzwischen ist die Rufnummer schon zu einer Art himmlischer Hotline für in Ehren ergraute Christen in der Messestadt geworden. Auch die technisch oder altersmäßig vom WorldWideWeb abgehängten Glieder anderer Leipziger Gemeinden rufen dort an, um den Segen analog zu empfangen. Die Genialität dieser Idee liegt in ihrer Einfachheit.

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch atheistisch geprägte PR-Agenturen diesen Hype als Weckruf verstehen und brainstormen, wie man diese Idee beispielsweise durch Einflechten von Werbespots künftig vermarkten kann. So nach dem Motto: „Dieser Segen wird ihnen präsentiert von … Tena Lady – für den perfekten Schutz ihres Telefonhockers auch bei längeren Andachten!“

Wenn die Corona-Krise uns eines lehrt, dann schließlich die Verheißung, dass nach ihr nichts mehr so sein wird wie bisher. Für die Hoffnung, dass es danach besser wird und die Gesellschaft aus den Fehlern der Vergangenheit Lehren zieht, braucht man inzwischen aber wirklich einen sehr starken Glauben. Womit wir den Bogen zur Situation vor Ort gespannt hätten.

Markranstädt: analog und digital

In Markranstädt hat Pfarrer Zemmrich alle Kanäle bedient und damit die Möglichkeiten ausgeschöpft, dabei auch alle Generationen anzusprechen. Auf dem Postwege wurde die analog lebende Gemeinde informiert, für persönliche Anliegen waren die Telefone besetzt und für Karfreitag sowie Ostersonntag wurde je eine aufwändig produzierte Video-Andacht gefertigt.

Diese können auf den Internetseiten der Kirchgemeinde Markranstädter Land sowie der Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig angesehen werden und sind auch auf dem Youtube-Kanal KG malarüdö abrufbar. Aber auch hier, auf der Seite der Markranstädter Nachtschichten, können Sie die Video-Andachten wieder verfolgen.

Nach Rücksprache mit Pfarrer Michael Zemmrich werden wir sie jeweils tagesaktuell einstellen. Die Andacht zum Karfreitag finden Sie ab morgen früh und die Aufzeichnung für Ostersonntag folglich ab Sonntagfrüh hier bei den Markranstädter Nachtschichten.

Landeskirche per Live-Stream

Übrigens sind Sie für heute Abend um 17 Uhr auch herzlich zum Livestream-Gottesdienst aus der Diakonissenhauskirche Dresden eingeladen. Landesbischof Tobias Bilz wird predigen und das Agapemahl mit den Menschen zu Hause feiern. Sie können den Gottesdienst direkt über den Youtubekanal der Landeskirche verfolgen.

Und auch für den Ostersonntag gibt es ein ähnliches Angebot auf dem gleichen Kanal. Ab 10 Uhr wird dort der Gottesdienst aus der Nikolaikirche Leipzig per Live-Stream übertragen, der ebenfalls von Landesbischof Tobias Bilz gehalten wird.

Ostern kommt diesmal also in allen Belangen anders auf uns zu. Aber das muss nicht schlecht sein. Leben ist Veränderung und wenn immer alles so bliebe wie es schon immer war, hätte es auch den Anlass dieses Festes nie gegeben. Nehmen wir also hin, was wir nicht ändern können und freuen uns darauf, dass es in diesen Zeiten auch neue Wege gibt, um Bewährtes zu bewahren.

In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern ein gesegnetes Osterfest und bleiben Sie bitte gesund.

 



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