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Parken to go – Städtische Willkür demütigt Lehrkörper

Offenbar gibt es schon wieder neuen Zoff auf der Transitstrecke zwischen Großlehna und Markranstädt. In erweitertem Sinne geht es demnach wieder um die Schule und in engerem Sinne wieder nicht um die Schüler. Aber in einer Sache unterscheidet sich der aktuelle Fall von dem, was da sonst noch so gärt: Diesmal ist die Schulleitung im Recht! Also … rein gefühlsmäßig. Juristisch vielleicht nicht so, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Es ist schwer, was rauszukriegen über den aktuellen Fall. Einen Draht ins westliche Zonenrandgebiet haben die Markranstädter Nachtschichten nicht und im Rathaus der Kernstadt hüllt man sich in Schweigen.

Aber es liegt ausreichend brenzliges Aroma in der Luft und wenn man diesen Schwaden folgt, gelangt man zum Sitz der Großlehnaer Feuerwehr. Besser gesagt: an den Hintereingang der Grundschule gleich nebenan.

Der ist zugleich Feuerwehr-Zufahrt und beim genauen Hinsehen könnte hier der Quell des neuerlichen Ungemachs sprudeln. Lassen wir also mal unserer Phantasie freien Lauf und stellen uns folgendes Szenario vor:

Demütigung und Willkür

Während immer mehr Eltern ihre kleinen, unterforderten Prinzen mit dem Auto zur Schule bringen, muss der Lehrkörper ein paar Meter zu Fuß gehen, weil es direkt vor der Schule keine Mitarbeiter-Parkplätze gibt.

Man muss sich diese Erniedrigung mal vor Augen halten: Die Rotznasen rollen grinsend an sich gekrümmt dahinschleppenden Lehrern vorbei, die unter der Last ihres Alltages ohnehin schon schwer zu tragen haben. Also, das geht ja gar nicht!

Wie sollen die kleinen Rangen da Respekt vorm Lehrer bekommen? Und wie erst soll der Lehrer sich auf den Stoff konzentrieren können, wenn er schon vor Unterrichtsbeginn hundert Meter in den Knochen hat, nur weil es die Stadtverwaltung nicht hinkriegt, vorm Tor einen Parkplatz auszuweisen?

Zivilcourage des Lehrkörpers

Da ist es zu begrüßen, dass die Schulleitung Zivilcourage beweist und die Sache selber in die Hand nimmt. Kurzerhand wurde also ein Schild mit der Aufschrift „P – Schulleitung“ geschmiedet und neben der Feuerwehrzufahrt ein Parkplatz ausgerufen. Bravo! Nur so ist dem Amtsschimmel im Rathaus beizukommen.

Ja gut … dass der neue Parkplatz ausgerechnet auf der Schleppkurve der Feuerwehrzufahrt errichtet wurde, ist jetzt etwas unglücklich.

So eine Schleppkurve vergrößert den Radius und dient dazu, dass größere Einsatzfahrzeuge im Alarmfall zur Schule einbiegen können. Aber dass die Stadt dieses lächerliche Detail bemängelt, ist nur ein Papiertiger. Was soll an einer Holzschule schon brennen?

Und so gäbe es, wenn unsere Phantasievorstellungen auch nur annähernd realistisch wären, wieder mal mannigfaltigen Schriftverkehr zwischen Markranstädt und Großlehna.

Die Stadt würde dann antworten, dass es keine Vorschriften für Mitarbeiterparkplätze an Schulen gibt und die, die sich in der Schule den Schuh angezogen haben, würden dann trotzdem ein gesondertes Parkplatzkonzept fordern. Und so geht es dann wieder monatelang hin und her. Es lebe der Vorgang!

Die Schleppkurve (Punktlinie) ist an der Feuerwehrzufahrt deshalb vorgeschrieben, weil Fahrzeuge nicht im rechten Winkel abbiegen können.

Die Arroganz der Stadt ist unerträglich. Statt die Verwaltung mal in sich geht, das Ding genehmigt und die Chancen erkennt, die sich da auftun?

Vorm Rathaus gibt es einen einzigen (!!!) Parkplatz für über 40 Mitarbeiter. Das wäre doch der ideale Ansatzpunkt, gemäß gleichem Recht für alle endlich auch mal hier für vernünftige Verhältnisse zu sorgen. Einfach den Marktplatz mit weißen Strichen bemalen und als Verwaltungsparkplatz ausweisen.

Aber nein, da guckt der Bürgermeister aus der sicheren Höhe seines Büros lieber dabei zu, wie seine Untergebenen Tag für Tag den beschwerlichen Weg vom Volkshaus zu Fuß auf sich nehmen, um dann völlig erschöpft am Schreibtisch zusammenzubrechen. Unerträglich ist das!

Willkür: Das Terrain der Schleppkurve (blau) ist freizuhalten.

Besser gesagt: Unerträglich wäre das. Wenns keine Phantasie wäre. Bei unserer Recherche nach dem Wahrheitsgehalt dieser Posse stießen wir am Eingang vorm Konsum auf den Selbstständigen Peter R. (43) und konfrontierten ihn mit dieser Geschichte. Konnte ja sein, dass er was gehört hat.

Aber er hat nichts gehört. Statt dessen läuft er vor lauter Scham knallrot an und entschuldigt sich. „Eigentlich wollte ich morgen zur Demo gehen, weil ich wegen Corona seit Monaten kein Geld mehr verdient habe, meine Familie nicht mehr ernähren kann und Hartz IV beantragen musste“, gibt er kleinlaut zu. „Ich war so egoistisch, dass ich mir keine Gedanken darüber gemacht habe, wieviel weitaus schlimmeres Elend es noch auf dieser Welt gibt.“

Dann fragt er nach der Adresse. Peter R. möchte der Schulleitung seinen eigenen Parkplatz anbieten. „Den brauche ich nicht mehr“, sagt er. „Mein Auto wurde gepfändet, weil ich die Steuern nicht mehr bezahlen konnte.“ Peter freue sich, dass er als Armer damit noch Ärmeren eine Freude bereiten könne. Er hätte nicht mal das Geld für das Schild P-Schulleitung übrig gehabt. Deshalb sei er froh, dass er nur arbeitslos geworden ist und nicht Lehrer. Diese Sorgen.

 






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