+ + + Sitzen zwei Vandalen auf einer Bank in der Leipziger Straße: Er: „Ich kann Gedanken lesen!“ – Sie: „Und warum tust Du’s dann nicht?“ + + +

Recycling statt Autositze: Holländer übernehmen Fehrer-Standort!

Wenn jemand viel redet, hört man ihm irgendwann kaum noch zu. Genauso ist das, wenn jemand viel schreibt. Man überfliegt den Text dann oft nur noch oberflächlich. Aber da entgehen einem mitunter eben auch wichtige Informationen. So geschehen vor wenigen Tagen mit einer unscheinbaren Mitteilung, die eigentlich das Potenzial zur überregionalen Schlagzeile hat. Für den seit einigen Jahren in Markranstädt brach liegenden Industriestandort „Fehrer“ soll sich nämlich ein Investor gefunden haben!

Nachdem sich die Chinesen in Großlehna niedergelassen haben, wird’s mit der Besetzung der ehemaligen Fehrer-Hallen jetzt richtig international. Die Holländer kommen nach Markranstädt!

Diese Ankündigung lässt sogar die Jakedumas und einige Nichtmichel frohlocken. Beim Begriff „Holland“ sehen die im Geiste schon UV-Lampen in den zu Gewächshäusern umfunktionierten Produktionshallen aufglimmen. THC fürs Gemüt statt Schaumpolster für Autos. Aber das ist ein Trugschluss.

Die Morssinkhof-Rymoplast-Gruppe (MRG) ist in Sachen Recycling unterwegs. Das zumindest scheinen die Holländer besser zu können als Fußball spielen.

Noch prangt hier überall das Fehrer-Logo. Bald rollen Wohnwagen mit gelben Nummernschildern durch das Tor.

Über den groben Nuckel gezogen kann man sagen, dass die Oranies statt Tulpen zu pflücken jetzt Plasteflaschen einsammeln, diese dann schreddern und daraus neue Rohstoffe gewinnen, für die es europaweit dankbare Abnehmer gibt. Okay, das ist etwas sehr karg formuliert, ist aber auch nur für die Zielgruppe als Information gedacht, die in Gedanken schon am Dübel ziehend in virtuellen Hanfplantagen nächtigt.

Für den Teil des Markranstädter Bürgertums, dem die Zukunft der Stadt und möglicherweise eine eigene Arbeitsplatzperspektive am Herzen liegt, dürfte diese Nachricht hingegen einschlagen wie eine Bombe. Nach der bedingungslosen Kapitulation von Fehrer im Jahre 2014 mit gleichzeitigem Verlust von rund 120 Arbeitsplätzen ist das eine Botschaft mit weit mehr als nur Symbolcharakter. Es geht aufwärts!

Eines muss man Fehrer lassen: Das Anwesen wurde bis heute gepflegt und top in Schuss gehalten. Gut verkäuflich also.

Da wundert man sich eigentlich nur, warum diese Bombe mit dem Knalleffekt eines wachsenden Grashalms explodierte? Eine geradezu aufreizend beiläufige Erwähnung im aktuellen „Landkreis Leipzig“-Journal, mehr ist dazu bislang nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Und das, obwohl man auf lokalpolitischer Ebene doch sonst so gern die Brust bis auf Doppel-D bläht, wenn es noch wesentlich kleinere Erfolge zu präsentieren gibt.

Der Dampf der Gerüchteküche hat allerdings bereits Formen einer Antwort angenommen. Demnach wollen die Holländer wohl erst ein Statement abgeben, wenn der Kaufvertrag notariell in Sack und Tüten ist.

Eine unscheinbare Marginalie im Landkreis Leipzig-Journal, Ausgabe 3/19, Seite 15.

Bis dahin müssen Landkreis, Invest Region Leipzig GmbH und auch die Stadt Markranstädt wohl oder übel noch ein wenig die Füße stillhalten. Der Landrat, sonst eher für sein Lächeln als große Worte bekannt, hat’s aber scheinbar nicht mehr ausgehalten und die Katze aus dem Sack gelassen.

Damit ist die ganz große PR-Wirkung zwar verpufft, weil die Information für die Qualitätsmedien viel zu schwer zu finden ist und nun von ein paar bedeutungslosen Satire-Amateuren gespoilert wurde, aber das tut dem eigentlichen Inhalt der Sache keinen Abbruch. Es darf gefeiert werden.

Noch ist offiziell nicht bekannt, was genau die MRG-Manager (bisher 7 Niederlassungen in ganz Europa) hier planen, wieviele Arbeitsplätze entstehen und wie sich der Standort entwickeln soll. Auch das Rathaus hält, offenbar auf Wunsch des Investors, dicht wie eine Pampers. Aber: „Die ersten Anlagen sollen bereits in diesem Jahr aufgebaut und im Frühjahr kommenden Jahres mit der Produktion begonnen werden“, gibt sich Landrat Henry Graichen im Interview mit dem Landkreis-Journal überzeugt.

 






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