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Spaß bei der SG Räpitz: Zwölf Kids, vier Trecker, zwei Macher

Fußball ist eine teure Angelegenheit geworden. Neben der Konsole braucht man einen ordentlichen Controller, entsprechende Software, ein bequemes Sofa, viel Chips und – weils ja ein Mannschaftssport ist – auch einen fluffigen WLAN-Zugang. So sieht der E-Sport der Gegenwart aus, den angeblich alle spielen. Umso erstaunlicher ist das, was letzte Woche in Räpitz passierte. Kids hatten riesigen Ferienspaß beim analogen Fußball an der frischen Luft!

Die Situation auf dem Räpitzer Sportplatz war vergleichbar mit einem Landwirt, dem man alte Schwarz-Weiß-Fotos von Bauern zeigt, die noch mit dem Pferdegespann pflügen: Kinder spielen Fußball. So richtig mit einer Ledernille. Und sie haben auch noch Mords-Spaß dabei!

Es sind wichtige Erfahrungen, die sie da sammeln. Am Ende des zweitägigen Trainingscamps wussten die zwölf Kids im Alter zwischen 9 und 12 Jahren nicht nur, wie Gras riecht, sondern hatten auch Praxis im Körperkontakt sowohl zur Muttererde als auch zu Mitspielern gewonnen.

Am vergangenen Wochenende fand das erste Räpitzer Fußballcamp statt. Nach dem Erfolg plant man jetzt schon die zweite Auflage, dann wahrscheinlich in Kooperation mit RB Leipzig.

Organisiert wurde das Fußball-Camp der SG Räpitz von Abteilungsleiter Michael Rabe und Jugendwart Marcus Fiedler. Auch für die beiden jungen Herren mal eine etwas andere Erfahrung, quasi über Nacht Väter von einem Dutzend zu sein.

Mit Profi-Unterstützung

SG Räpitz, das ist zwar hart an der Grenze zum Profifußball, aber eben noch nicht ganz. Deshalb hat man sich mit Sako Mislimi einen A-Lizenztrainer zur Seite geholt. Möglich war das Camp zudem Dank der Unterstützung durch den Philipp Schmidt Cateringservice und die HEGE Agrar Gmbh & Co. KG.

Fast wie zu Hause an der Konsole, nur dass der Vorturner da vorne echt ist. Aber auch theoretische Grundlagen gehören eben zu Fußball.

Neben den Kids mussten auch die Großen ran. Die Trainerschulung im Clubraum war mit 20 Teilnehmern sensationell gut besucht. „Trainerfortbildung mit Themen über moderne Wettkampf- und Spielformen oder effektive Nutzung der Trainingszeit standen im Mittelpunkt“, sagt Marcus Fiedler.

„Aber auch das Ziel, die Zusammenarbeit unter den Vereinen zu stärken.“ So nahmen Trainer aus Großgörschen und Kulkwitz sowie Spieler aus Markranstädt und Großlehna teil.

Zurück zu den Kids. Ansatzpunkt war die Schaffung von Freizeitangeboten für Kinder in den Ferien. Vor der Konsole sind die meisten Jugendlichen zwar auch ohne Corona schon fast das ganze Jahr über in freiwillig auferlegter Selbstquarantäne, aber das analoge Angebot an der frischen Luft fiel trotzdem auf fruchtbaren Rasen. „Viele sind im Urlaub nicht weggefahren, da war unser Camp eine willkommene Alternative“, hat Fiedler festgestellt.

Fußball-Camp bei der SG Räpitz: Auf echtem Rasen mit richtiger Ledernille.

So ganz uneigennützig haben Rabe und Fiedler ihre kostbare Freizeit allerdings nicht geopfert. Mit der Aktion ist die Hoffnung verbunden, dass sich aus den Teilnehmern des Camps ein paar Nachwuchskräfte für die SG Räpitz rekrutieren lassen. Auch zwischen Hunnenschanze und Ranster Rain haben die Einwohner in den letzten Jahren zunehmend attraktivere Hobbys gefunden als sich fortzupflanzen.

Früher war das anders. Da gabs in jeder Altersgruppe wenigstens eine Mannschaft. Ganze Geschwisterpaare spielten mit Cousins und Großcousins zusammen. In den Glanzzeiten dieser Epoche wusste mitunter nicht mal der Schiri, welchen Posnien er gerade verwarnt hatte.

Schusstechnik, Ausdauer und frische Luft.

Um wieder mal frisches Blut zwischen die Tore zu bringen, soll ab Montag in der 1. Klasse der Grundschule Kulkwitz eine Fussball-AG anlaufen, die von drei Trainern des Vereins betreut wird. „Wir wollen den Hype nutzen, um die Jugend weiter für Sport und Bewegung zu begeistern“, gibt Marcus Fiedler als Nahziel aus.

Neben Nachwuchsfragen bewegen den Verein aber auch andere Sorgen. In den letzten anderthalb Jahren hat er herbe Verluste am Equipment hinnehmen müssen. Zwei Rasentraktoren sind geklaut worden! Nummer 3 steht steht zwar bombensicher wie in einem Hochsicherheitstrakt, aber das Teil hat die gleichen Eigenschaften wie Neymar. Fällt ständig um. Oder besser gesagt, aus.

Typischer Fußballtrecker eben. Alle zwei Wochen was Neues. Mal die Adduktoren, dann die Kreuzbänder, danach der Meniskus oder die Prostata. Deshalb musste erst letzte Woche wieder eine leistungsfähige LPG-Zugmaschine mit Balkenmäher über den Platz geschickt werden.

Das Ergebnis zehn Stunden langer, zäher Mäharbeit: Sozusagen ein Rollrasen.

Die hat erst mal das Grobe beseitigt, Grashalme wie Baumstämme – nicht ganz so dick, aber so hoch. Die ansässigen Viehhalter freuten sich über das Futter für Hühner und Schafe.

Am Tag danach wurde Traktor Nummer 3 aus dem Bunker geholt, der aber sofort zuverlässig seinen Geist aufgab und schlussendlich von einem Rasentrakor aus Seebenisch abgelöst wurde. Nach 10 (in Worten: ZEHN!) Stunden stand dann endlich ein bespielbarer Rasen zur Verfügung.

Sparen auf Nummer 4

Aus diesem Grund läuft in etwa zwei Wochen eine Crowdfounding-Aktion an. Korrekt übersetzt heißt das „Mengenfindung“ und bedeutet so viel wie Sponsorensuche.

Die vom Rasenschnitt [Greenkeeping] gezeichneten Räpitzer wollen jetzt in Nummer 4 investieren. Mit vier Stück in zwei Jahren ist die SG Räpitz für Rasentraktoren ungefähr das, was der Hamburger SV für Trainer ist: Ein durchlaufender Posten. Zumindest da sind die Rand-Markranstädter bundesligatauglich.

Zwölf Freunde müsst Ihr sein! (Fotos: Rabe)

Aber weil’s eben ohne Spaß, Mitspieler und Nachwuchs nicht geht, stehen die Fragen der Humanressourcen in Räpitz trotzdem ganz oben auf der Agenda. Darum ruft Marcus Fiedler auf: „Jeder, der Spaß am Fußball hat und mindestens 3 Jahre alt ist, findet im Verein als Spieler oder Funktionär seine Aufgabe und ist jederzeit gern gesehen.“

Kontkat über Jugendwart Marcus Fiedler unter (0163) 78 55 677 oder mfiedler91@web.de

 






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