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Unterwegs mit Jakeduma und anderen Opfern

Am 27. April, also in rund zwei Wochen, wird wieder der Tag der erneuerbaren Energien zelebriert. In Markranstädt will man diesmal nicht Unternehmen huldigen oder neueste Innovationen präsentieren, sondern „global denken – lokal handeln“. Das Westufer soll aufgeräumt werden. Tolle Sache … wenn man weiß, was da so auf einen zukommt. Scheinbar weiß man das aber nicht und hat ahnungslose Gymnasiasten als Protagonisten gewählt. Trümmerfrauen wären besser gewesen, wie folgende Beispiele zeigen.

Zugegeben: Die hier gezeigten Fotos sind nicht mehr ganz taufrisch. Einige der baulichen Veränderungen sind bereits wieder geändert worden. Aber wir beziehen uns trotzdem darauf, einfach nur um darzustellen, dass man gewisse Entwicklungen auch positiv sehen kann.

Jason-Kevin-Dustin-Marcel (seine Freunde rufen ihn Jakeduma) ist 23 Jahre alt und besucht die siebte Klasse einer hiesigen Oberschule. Manchmal. Meist verbringt er seine Freizeit zusammen mit seiner Gang am Alten Friedhof (Titelfoto) oder an der Markranstädter Uferpromenade. Die Schule besucht Jakeduma eigentlich nur, um dort Meth zu verticken und sich mit dem Ertrag das Überleben zu sichern.

Und dieses Überleben ist hart! Sehr hart sogar. Die eiskalten Wintermonate am Kulkwitzer See vergleicht Jakeduma schon ganz gern mal mit der Situation im Kessel von Stalingrad, als Honeckers NVA-Einheiten im legendären Spanien-Feldzug festgefroren waren und deshalb Holland nicht einnehmen konnten. In ihrer Verzweiflung machten Jakeduma und seine Freunde deshalb immer mal ein kleines Feuer auf dem Basketball-Platz.

Überleben im harten Winter

Dass Tartan-Belag größerer Hitzeeinwirkung nicht standhält, können Teenager im Twen-Alter noch nicht wissen. Schuld an der Katastrophe sind daher die Planer, die Jakeduma und seine Freunde „Opfer“ nennen. Warum diese Sozialzombies für die Planung solcher Anlagen ausgerechnet ein Material wählen, das wie normaler, unbrennbarer Split einer Aschenbahn aussieht, wissen wahrscheinlich nicht mal deren ungefuckte Mothers.

Nachdem also die Feuerstelle wie eine Feuerstelle aussah, zog die Gang um Jakeduma auf der Suche nach einer wärmenden Quelle weiter. Da plötzlich entdeckten sie am Strandbad ein paar aus nachwachsenden Rohstoffen liebevoll gefertigte Wärmepilze.

Leider verfügten die weder über Gasflaschen noch Brenner. Jakeduma war der Grund sofort klar.

Es handelt sich um Wärmequellen für den Sommer und da braucht man kein Feuer, weil es sowieso warm ist. Aber jetzt, im kalten Markranstädter Winter, vermissen Jakeduma & Co. die Hitze spendenden Flammen.

Kurzerhand tun sie das, was man mit Wärmepilzen tut und warum sie schließlich auch so heißen. Sie zünden sie an. Die Hitzeentwicklung ist beachtlich. In ihrer Euphorie prosten sie sich so heftig zu, dass die Sternburg-Flaschen zerspringen und sich der gute Hopfen-Smoothie ins Feuer ergießt. Aber die Wut darüber ist schnell verflogen, nachdem sie an einer Seniorin ausgelebt wurde, die gerade mit ihrem Hund auf Gassi-Kurs war. Kann ja niemand was dafür, wenn sich das gedarthvaderte Faltboot mit seinem Bell-Bambi zur falschen Zeit am falschen Ort aufhält.

Leider brannten die nachwachsenden Rohstoffe etwas zu schnell ab. Zwar hat der Physiklehrer irgendwann mal versucht, das Phänomen aufsteigender Hitze zu erklären, aber dummerweise hat bei Jakeduma grade in diesem Augenblick das Handy gescheppert. Eine Whatsapp von seinem Kumpel aus Leipzig mit einem Video. Darauf zünden Ausländer in Leipzig grade eine Bushaltestelle an. Wird Zeit, dass mit diesen islamistischen Brandstiftern mal ordentlich klar Schiff gemacht wird. Die runenreich gestaltete Konversation mit seinem Kumpel zieht sich bis zur großen Pause hin und so verpasst Jakeduma auch den Teil, in dem der Physiklehrer erklärt, warum leere Bierflaschen nicht brennen.

Banker, was sonst?

Zurück zum Strandbad: Nachdem sich die brandneuen Balken der Wärmepilze abgekühlt haben, zieht die Gang weiter. Jakeduma will später mal, also wenn er groß ist, bei einer Bank arbeiten. Er rechnet sich gute Chancen aus, weil er schon mit 20 Jahren den gesamten Zahlenraum bis 10 beherrscht hat.

Trotzdem hat er einen Plan B in der Tasche. „Wenn die so einen Scheiß wissen wollen wie Pi oder wieviel Euro bei zwei Prozent Zinsen rauskommen, muss ich abkacken“, meint der Markranstädter Hoffnungsträger aller Rentenempfänger.

Weil Jakeduma aber ehrgeizig ist und seinen Berufswunsch unbedingt weiter verfolgen will, hat er die Gründung einer eigenen Bank ins Auge gefasst. Die hat er sich rein vorsorglich schon mal auf der Promenade besorgt. Dabei konnte der junge Mann auch seine handwerklichen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Selbst unter Zeitdruck (ein in einen Smart gepresstes Security-Team näherte sich im Rollator-Tempo) hantierte Jakeduma mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit mit dem Schraubenschlüssel. Von wegen, die junge Generation hätte zwei linke Hände. Nicht mal Rücken haben die! Als wäre es ein Sixpack Sterni, hat Jakeduma seine Bank anschließend sogar eigenhändig weggeschleppt.

Leider hat das Treiben der Jakeduma-Gang jetzt nicht nur positive Seiten. Das Interieur am Westufer ist vorwiegend mit Fördermitteln finanziert worden und jedes fehlende oder zerstörte Teil ist durch die Stadt gleichwertig zu ersetzen. Am Ende hat das Bürgertum dank Jakedumas Unterstützung dann doch alles aus eigener Tasche bezahlt. Jetzt regt sich quasi Volkes Zorn.

Aus der Geschichte lernen

An der Salzstraße steht Rentner Benjamin B. (91) und schaut nachdenklich über die Wiese hinüber zum Strandbad. Ihm hat es die geschichtsträchtige Architektur des Gebäudes angetan. Sie erinnert ihn an ein dunkles Kapitel seiner eigenen Jugend und in diesem Moment erhellt ihn ein Geistesblitz.

In seinen Gedanken nimmt ein Bild Gestalt an, auf dem sich über der Wiese einige Gleiskörper hin zum Portal des Strandbads erstrecken. Schwarz-weiß freilich und er ist sich auch nicht sicher, ob er das Motiv samt Inschrift über dem Tor nicht irgendwo schon mal gesehen hat, aber sein Herz wird augenblicklich von der Überzeugung einer tiefen erzieherischen Wirkung für Jakeduma und seine Komplizen erfüllt. „Es war nicht alles schlecht“, brummt er in seinen Bart und macht sich auf den Heimweg. Getragen von der Hoffnung, dass der nicht plötzlich von der Jakeduma-Gang versperrt wird und er seinen letzten echten Zahn verliert.

 



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12 Comments to Unterwegs mit Jakeduma und anderen Opfern

  1. Nachbar sagt:

    Noch was zum Thema ,
    Es gibt doch tatsächlich Neubürger in der Stadt, die mit Toiletten nichts anzufangen wissen. Der Nqchttopf wird wie im Mittelalter aus dem Fenster gekippt, so täglich zu erleben und immer zu riechen am Domizil mit der großen Fahrradauswahl in der Krakauer /Neuen Straße.
    Nur schade, daß man das nicht so entsorgen kann, wie blaue Müllsäcke.
    Dafür umso eckelhafter.
    Jeder Hundebesitzer muss seines Tieres Haufen auch entsorgen, der Millionär, dem das Domizil gehört, sollte für die Kosten der Beseitigung von den Behörden herangezogen werden, wenn deren Müll im Park schon auf Kosten der Stadt entsorgt wird.

    • Echter Markranster sagt:

      Nicht so einseitig, Herr Nachbbar. Die Müllbeutel werden meist von biederen Herrschaften mit Fahrrad aus der ….Str. sorgfältig abgestellt. Man will ja die vier kostenlosen Restmüllentleerungen im Jahr nicht überschreiten. Und auch auf dem alten Friedhof wird fast täglich von den Jakedumas und ihren Häschen in die Büsche gepinkelt und gesch….! Besonders pikant bei Sommertemparaturen und Windstille.

  2. Klaus Drummer sagt:

    Ironie und Sarkasmus sind eine feine Sache. Aber, wie überall, gibt es Grenzen. Besagtes Tor, welches Renter Benjamins Hirn in einem Geistesblitz erhellt, gibt es meines Wissens nur einmal, übrigens ohne Inschrift. Der Gleisanschluss wurde einzig zu dem Zweck gebaut, die zu erwartenden knapp 500000 ungarischen Juden effektiv umbringen zu können. Ein Geistesblitz der schmerzt. Vielleicht war damals nicht alles schlecht. Dieses Tor auf jeden Fall!

  3. jabadu sagt:

    Das ist schon schlimm mit den Jakedumas. Die bestraft sowieso keiner. Wir setzen doch lieber auf Reden und Erziehen. Aber wer soll die denn erziehen. Jakedumas Eltern? Nee, die fahren mit ihren Autos durch die Gegend und schmeißen das, was die Jakedumas zu Hause zerkloppt haben, in blauen Säcken verpackt in die Gegend. Zum Glück zerkloppen die Eltern draußen nichts mehr. Pech, das haben sie den kleinen Jakedumas nicht beigebracht und wir haben jetzt die Scheiße.
    Eine dubiose Vision wie wir dem Dilemma begegnen könnten hat scheinbar nur Benjamin B. (91).

  4. Echter Markranster sagt:

    Da hilft nur eins: Die frühere Existenz von Jugendwerkhöfen nicht schlecht reden, sondern wieder einführen! Tip: Laut LVZ von heute sucht die ehemalige JVA Gera einen Investor. Die fehlenden Flachbild-TV und den WLAN- Anschluß würden die genervten Bürger bestimmt sponsern. Die Investition lohnt sich und der Steuerzahler braucht bald nicht mehr für die Beseitigung der Vandalismusschäden aufzukommen. Ach so- Markranstädt hat laut Information aus dem Rathaus gar kein Vandalismusproblem. Läuft vielleicht unter Auftragsbeschaffungsmaßnahmen für den Markranster Sommer-und Winterdienst.

  5. UJS sagt:

    Die Behörden lesen auch MN. Das Ordnungsamt patrouillierte um 14.10 Uhr, die Polizei um 14.25 Uhr. Da muß Jakeduma sehr aufpassen, daß er nicht erwischt wird.

  6. SNU sagt:

    Eine Zusatzinformation: die verschwundene Kabeltrommel, die am Strandbad als Tisch diente hat eine Reise über den See genommen und ist an der Wasserskianlage gelandet. Da wollte wohl Jakeduma dem Ostufer etwas Gutes tun.

  7. Nachbar sagt:

    Früher nannte man das Pioniernachmittag, da mussten alle für die Gemeinschaft mal was schuften.
    Das wurde dann auch nicht zerstört, weil die jungen Hände Schwielen kannten, nicht nur vom…
    Werte kann man den Kids nun mal nicht in den Allerwertesten pudern, aber das ist ja die neue Bildungsinitiative, oder?
    Traurig.

  8. Biker sagt:

    Ein sehr trauriges Kapitel mit viel Ironie beschrieben!

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