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Weg mit den Kostümen!

Von Zeit zu Zeit ist das Maß so voll, dass der MN-Schriftführer die große Feder aus der gleichnamigen Mappe holt und ganz tief in das Fässchen mit dem Zorn taucht. „Dem Herzen Luft machen“, nennt man das und heute ist es mal wieder so weit.

Es ist viel, womit wir täglich abgefüllt werden. Man mag weder mehr hinhören, noch hinsehen oder hinlesen. Dabei ist alles nur eine Frage des Standpunktes, von dem aus das betrachtet wird.

Da war beispielsweise das Verkleidungsverbot beim Fasching in einem Erfurter Kindergarten. Aus Rücksicht auf andere Kulturen, hieß es. Auch war zu hören, dass es unanständig sei, sich als Indianer zu verkleiden und so Spaß auf Kosten anderer Ethnien zu haben.

Ich bezweifle trotzdem, dass da auch nur ein Indianer im Kindergarten vorgesprochen und sich beschwert hat, dass man sich beim Fasching über seinen Stamm lustig macht. Genauso wie es nie einen Zigeuner gab, der gegen den Begriff Zigeuner Klage geführt hat.

Mein bunter Freund

Ich selbst habe einen Kumpel, einen Schwarzen, der lieber Neger genannt werden will als Farbiger. Ja, es sind nicht die Neger, die Zigeuner oder Indianer, die unsere Sprachkultur erst lächerlich machen und dann zerstören.

Es sind auch nicht die inzwischen 61 Geschlechter, die sich in offiziellen Anreden stets individuell  so angesprochen fühlen wollen, dass die Begrüßung länger wird als der Vortrag. Im Gegenteil!

Die meisten Zigeuner fühlen sich gedemütigt, wenn sie im europäischen Amtsdeutsch als Rotationseuropäer diskriminiert werden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie ein Zigeuner mit „Stationäreuropäer“ anspricht?

Mein Negerfreund fragte mich, ob er bunt sei, als ich ihn einen Farbigen nannte. Und ja, ich würde es mir nie wagen, eine Lesbe mit „Diverse“ anzureden. Es soll welche geben, die da sofort zuschlagen. Kampfdiverse heißen die, oder so ähnlich.

„Manche“ bestimmen alle

Die Fachzeitschrift „journalist“ erscheint jetzt je zur Hälfte der Auflage als „journalist“ und als „journalistin“. Begründet wird das wie folgt: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass sich manche von diesem Titel nicht angesprochen fühlen.“ Fällt Ihnen was auf? Weder bei den Zigeunern, noch bei den Negern, Indianern oder Journalisten wurden je die Beschwerdeführer benannt noch deren Zahl erwähnt.

Weil es bestenfalls drei, meistens eher gar keine gibt. Es sind die selbsternannten Gutmenschen, die ihrem sinnentleerten Dasein einen Sinn geben wollen, indem sich sich zu Anwälten einer selbst auserkorenen oder vermeintlichen Minderheit aufschwingen und vorgeben, deren Interessen vertreten zu müssen.

Die Verschleuderung des Heftes erfolgte übrigens nach dem Zufallsprinzip. So erhielt ich die „journalistin“ und meine Kollegin den „journalist“. Damit gibts jetzt in diesem Fall wenigstens schon mal zwei namentlich Bekannte, die sich da wirklich nicht angesprochen fühlen.

Mein Neger fühlt sich übrigens auch sehr diskriminiert, weil er von den Gutmenschen entmündigt wird. „Ich kann meine Interessen selbst durchsetzen und brauche niemanden, der mir sagt, was ich bei welcher Bezeichnung fühle. Weder  Weiße noch Grüne.“

Auch die Studenten sind immer gut für solche Entwicklungen. Weil „manche“ sich von der männlichen Form nicht angesprochen fühlen (könnten?), wurden die Studentenwerke bundesweit in Studierendenwerke umgetauft.

Die Kosten für Umschreibungen in den Vereinsregistern, Umprogrammierungen der Internetseiten, neue Schilder, Visitenkarten, Briefbögen, Rechnungen, Bankverbindungen und so weiter gingen in die Millionen. Aber die Studenten haben’s ja.

Weg mit den Kostümen!

Das Studierendenwerk ist übrigens auch Träger jenes Erfurter Kindergartens, in dem sich die Kids am Rosenmontag nicht verkleiden dürfen. Aber das hat nichts mit dem vorgeschobenen kultursensiblen Umgang zu tun.

Die Wahrheit findet man in der schriftlichen Begründung des Trägers, in der es heißt, dass es kleine Kinder sehr verunsichert, wenn sie ihren Gegenüber nicht erkennen können.

Da muss man doch zugeben, dass ein solch flammendes Plädoyer für das Burkaverbot gerade aus dieser Ecke niemand erwartet hätte. Ich war jedenfalls überrascht und rufe voller Inbrunst: Jawollja, weg mit den Kostümen!

 






4 Comments to Weg mit den Kostümen!

  1. Marc Ranstetter sagt:

    Auch „Gutmenschen“ sind Menschen, die den einen oder den anderen Fehler besitzen oder machen. „Gutmenschen“ bringen aber niemanden um, egal wo jemand herkommt oder wie jemand aussieht. Unsere Welt wäre übel dran, wenn es keine „Gutmenschen“ gäbe, man würde den „Bösmenschen“ als sein Gegenüber möglicherweise nicht erkennen und Angst vor ihm haben.

  2. Snu sagt:

    Diesen wunderbaren Beitrag sollten sich mal unsere Abgeordneten und Politiker reinziehen, oder auch die Schreiberlinge der Qualitätspresse, vielleicht auch ein paar spezielle „Fußballfans“.

  3. Otto Reyer sagt:

    Palindromforscher haben nun herausgefunden, dass es sich bei dem Satz „Ein Farbiger mit Gazelle zagt im Regen nie“, nicht mehr länger um ein Palindrom handle.
    Man wolle den Vorschlag einbringen, den Begriff Regen künftig in „Regibraf“ umzubenennen, weil Menschen, welche Regen in einem Palindrom lesen, sich immerhin benachteiligt fühlen könnten, zum Zweiten können dann der Satz dann wieder in die Liste der Palindrome aufgenommen werden.

  4. Nachbar sagt:

    Danke für den fabelhaften Artikel hier.
    Mir geht es da ebenso.
    Meine Kinder sind aufgrund der vielen neuen Verbote schon ganz verwirrt, und sie haben für sich beschlossen, sie einfach zu ignorieren.
    Sie lassen sich nicht den Spaß verbieten, das finden sie ungerecht, wir Alten durften das ja auch und es hat niemanden gestört.
    Wenn Kinder den Blödsinn nicht verstehen können, wer dann?
    Vor Vermummten haben sie außerhalb von Fasching schon intuitiv und natürlicherweise Angst, ohne das das jemand anerzogen hätte, aber das macht sie ja heutzutage schon zu kleinen Na*is, grauenvoll.
    In dem Sinne viel Spaß beim Fasching/ Karneval.

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