Wort für(s) Wort

Schon wieder ein Vierteljahr vorüber. Manche merken es daran, dass der neue  „geMEINdeBRIEF“ im Postkasten liegt. Damit auch die restlichen Teilnehmer unserer Gesellschaft in den kommenden drei Monaten etwas zum Nach- und Mitdenken haben, lassen wir an dieser Stelle vor jedem neuen Quartal traditionell Pfarrer Zemmrich zu Wort kommen. Diesmal hat er für uns eine ganz besondere Lesart der Pisa-Studie aufbereitet.

Der schiefe Turm von Pisa war anfangs nicht schief. Die Baumeister haben 1173 n.Chr. bei Planung und Bau getan, was sie für richtig hielten. Die ersten drei Stockwerke waren scheinbar gelungen.

Doch dann sackte nach zwölf Jahren Bau das Fundament ab. Alles, was richtig schien, war plötzlich fraglich. Unsichtbar unter der Erde lag eine Bedrohung verborgen.

Solche unsichtbaren Bedrohungen gibt es immer wieder. Und sie erzwingen einen Baustopp. Im Falle von Pisa dauerten Erschütterung und Ratlosigkeit einhundert Jahre lang. Nach drei Generationen hatte man sich vom Schock des Scheiterns erholt und baute weiter. Nein, keinen neuen Turm. Sondern den alten.

Die ersten drei Stockwerke, die sich als schief und gefährdet erwiesen hatten, wurden zur Grundlage für den weiteren Bau. Jedes weitere Stockwerk musste nun das Problem aufnehmen und gleichzeitig Teil der Lösung sein.

Das war nur möglich, weil die Baumeister die Schwachstellen des Anfangs kannten, sich und andere darüber nicht täuschten, nichts versteckten und deshalb souverän weiterbauen konnten. Nur halb so hoch in den Himmel wie ursprünglich gedacht, aber immerhin.

Wir leben im Umbruch. Im Einbruch. Wir sehen, was schief ist, absackte. Wir streiten uns über ein offenbar nötiges aber auch ungerechtes Wirrwarr an Einschränkungen und Freiheiten. Sind traurig, gestresst, wütend, ratlos und haben Angst vor dem Ende dessen, was uns normal zu sein schien.

Wir versuchen, die bereits gebauten Stockwerke des Turms mit Injektionen zu halten. Aber wir werden nicht so weiterbauen können wie bisher. Wir können uns aber auch keine Schockstarre und kein Vergessen leisten, die einhundert Jahre dauern.

Es kommt alles darauf an, wie offen und ehrlich wir uns über die Schwachstellen der ersten Stockwerke klar und einig werden.

Ein vollkommen neuer Turm ist nicht die Lösung – weder politisch, noch wirtschaftlich, noch sozial. Wir sollten mit der Zuversicht weiterbauen, die auf eine Verheißung des Propheten Jesaja zurückgreift – lange vor Pisa und lange vor dieser Pandemie: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Gerade wenn wir meinen: jetzt ist es aus, jetzt kannst du aufhören, das wird nie mehr so, wie wir es ursprünglich gedacht hatten – gerade dann gilt uns diese Botschaft. Wir stehen heute vor einem Bau in Schieflage. Es wird professionell sein, vor weiterem Tun zu lauschen. Worauf? Auf welche Weise GOTT bewahrt.

Dass sich die Turmbauer von Pisa gemäßigt haben, ist ihrem Esprit zu danken. Nun wird es auf unseren Geist ankommen, dass er sich nicht aufgibt, sich weder verwirrt, noch maßlos wird, nicht nur vom Geld leiten lässt, sondern vom Heiligen Geist.

 

Als Gandalf noch der Schwarze war

Wie soll man da einen ordentlichen Wochenrückblick entbinden? Kaum ist es in der Stadt mal etwas ruhiger geworden, kommt der Druck von draußen. Bei Harry Potter half da ein Tarnumhang, im Rathaus greift man lieber auf einen alten Deckmantel zurück. Und dann ist da noch ein Sohn der Stadt, der gerade den Olymp von Youtube erklimmt. Das Video mit ihm als werbenden Freier ist der Burner im Netz und hat Follower ohne Ende! Man könnte ja mal das Bad nach ihm benennen. Aber erst dann, wenn das Schachspiel beendet ist, bei dem unter dem Deckmantel der „Aktion Minsk“ gerade der Kampf um den Endsieg tobt. All das heute in der Markranstädter Wochenschau.

Eine Frage des Namens

Die nichtöffentliche Sitzung des Stadtrats zum Thema Stadtbad schlägt weiter Wellen. Vorrangig zwar nur in den sozialen Netzwerken, aber wenigstens hält das die Sache am Laufen.

Hauptpunkt der Kritik ist, dass die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Einerseits ist die öffentliche Teilhabe ein hohes Gut, andererseits fördert Nichtöffentlichkeit den Verdacht der Mauschelei hinter den Kulissen.

Seltsam ist es schon. Als es darum ging, dem Planungsbüro eine Bühne zur Selbstdarstellung seiner Kompetenzen zu bieten, wurde das gern und öffentlich genutzt. Jetzt aber, wo es Probleme gibt, wird der homo marcransis seit Monaten mit schwammigen Floskeln wie „aus verschiedensten Gründen“ eingelullt.

Ein Deckmantel als Tarnumhang

In Markkleeberg gab es eine ähnliche Situation. Dort musste jetzt einer Bürgerinitiative Recht gegeben und die Nichtöffentlichkeit der Sitzung rückwirkend aufgehoben werden. Warum? Weil es eine Stadtratssitzung war. Hätte man es als Stammtisch deklariert, wäre die Zusammenkunft in Ordnung gewesen.

In Markranstädt hat man das schlauer angestellt. So viel mal zur ewigen Meckerei, dass es hier bei uns angeblich drunter und drüber ginge. Das Gegenteil ist der Fall! Hier wurde der Zusammenkunft von vornherein ein Deckmantel übergeworfen und damit war alles rechtens. Die Bürgermeisterin hatte sogar den Mut, das mit dem Deckmantel genauso zu bezeichnen.

Das nennt man eine kreative Lösung. Weils keine Stadtratssitzung mehr ist, kann man das auch nichtöffentlich abhalten.

Das nennt man eine kreative Lösung. Weils keine Stadtratssitzung mehr ist, kann man das auch nichtöffentlich abhalten.

Wie wir danach feststellen durften, haben sich die Abgeordneten offenbar gern in diesen Mantel helfen lassen. Dann also: Das nächste Mal lassen sie sich zeigen, wie man die Schuhe zubindet, dann noch etwas Spucke aufs Taschentuch und die Mundwinkel abgewischt und jetzt husch, husch, raus mit euch an die frische Luft.

 

Auf Freiers Füßen

Auch in kultureller Hinsicht ist Markranstädt in der zurückliegenden Woche ganz groß rausgekommen. Dafür sorgte ein Video auf Youtube, das bundesweit Aufsehen erregt.

Über 10.000 Klicks und bundesweit 55 Kommentare in nur sechs Tagen, das ist doch mal ’ne echte Hausnummer! Natürlich geht der Dank dafür auch an Oliver Kalkofe, der das Video wo auch immer ausgegraben und sogar moderiert hat.

Das Original der MDR-Kuppelshow „Je t’aime – Wer mit wem?“ wurde samt Moderator Frank Liehr aus allen Kanälen gelöscht und schien auf ewig verschwunden. Jetzt ist es wieder da und ähnlich wie die Neuauflage von „Mein Kampf“ mit erklärenden Kommentaren hinterlegt, damit man auch bestimmt nichts falsch verstehen kann.

Alte Markranstädter werden sich bestimmt noch an die Erstfassung erinnern. Der Streifen entstand Mitte der 90-er Jahre in einer Seebenischer Gaststätte. Nachdem die Sendung ausgestrahlt wurde, war das ganze Dorf tagelang wie bekifft. Die Telenovela hatte alles, was ihr Protagonist forderte: Kult, Katastrophe, Kwote – alles mit K.

Das Original war besser

Was Kalkofes Remake nicht zeigt: Der legendäre Auftritt des Brautwerbers war wesentlich länger und bot ihm sogar noch Gelegenheit, der weiblichen Zielgruppe seine Anforderungen an deren Kochkünste mitzuteilen. Wie bei Muttern, oder so ähnlich.

Na ja, wir wissen ja wie sowas läuft. Jede Menge Versprechungen (erst Kinder, dann vögeln), und wenn nach elf Minuten die große Radtour mit dem Bonsai-Bike in die Bärenklau-Plantage ansteht, hat die Angebetete plötzlich Rücken. Es ist immer das gleiche Lied mit den Weibern. Freuen wir uns also lieber, dass wir nun um eine Berühmtheit in unseren Reihen wissen, nach der wir das Stadtbad benennen können.

 

Der Kampf tobt noch!

Lassen Sie uns abschließend noch zum Schachspiel der Nachtschichten gegen Markranstädt kommen. Ja es lebt noch! Zwar sind die Verluste groß, aber wer A sagt, muss auch Bäh sagen.

Es herrschte Gleichstand zwischen dem Zug des Turmes auf b8 und dem Zug des Bauern auf d5. Da es beiden Vorschlägen an einer sinnstiftenden Begründung mangelte, musste unser Experte entscheiden.

Und der hat in der Gedankenwelt des auf Seiten des Bürgertums kämpfenden SNU nicht nur einen lichten, sondern einen regelrecht glanzvollen Moment entdeckt. Zum Sieger des Tages gekürt, darf SNU seinen Bauern deshalb von d7 nach d5 entsenden.

Die Aktion „Minsk“

Auf diese Weise wird d5 für Weiß zum Feindgebiet und die weiße Dame auf ihrem Flug quer über das Brett genau dort zur Zwischenlandung gezwungen. Wie sowas ausgeht, wissen wir spätestens seit dieser Woche: Die Milf wird auf die Folterbank gebettet und so lange überzeugt, bis sie schwarz wird.

Nein, nicht mit uns! Wir haben uns entschlossen, diesem völkerrechtswidrigen Ansinnen mit einem Embargo zu begegnen. Die schwarze Front wird ausgehungert, indem wir alle verfügbaren Ressourcen in den eigenen Nachschub stecken. Unser Turm zieht von f1 auf c1. Die Aktion „Minsk“ hat begonnen, seit 5:45 Uhr wird jetzt … äh … ja … ziehen Sie erst mal, danach sehen wir weiter.

Hier also für den besseren Überblick der aktuelle Stand nach dem 21. Zug der ganz in unschuldigem Weiß spielenden Markranstädter Nachtschichten. Wir warten auf Ihre Vorschläge.

 

 

Keinen Bock mehr? Am Kulki kriegen sich Schafe in die Wolle

Das war ein Aufreger am Samstagmorgen. Am Kulki haben sich ein paar Schafe in die Wolle gekriegt. Die Gruppendynamik hat, ähnlich wie beim Menschen, für den Rest gesorgt. Herdenimmunität beim Grasen im Pappelwald oder wie der Volksmund sagt: Mähen bis der Schäfer kommt.

Mit den Schafen ist es wie mit Menschen: Wenn die Weibchen keinen Bock mehr haben, gehen sie stiften. So geschehen am Samstag auf der Weide am Kulki.

Es geht ja bekanntlich das Gerücht um, dass Schafe, wenn sie nicht einschlafen können, Chuck Norris zählen.

Glaubt man den alten Ammenmärchen unserer Großeltern, kann es aber auch so gewesen sein, dass die Schäfchen schön der Reihe nach über den Zaun gesprungen sind und der Schäfer beim Zählen eingeschlafen ist.

Eine Spezialeinheit ausgebildeter Schafschützen der Freiwilligen Feuerwehr half bei der Rückführung der geflüchteten Schafe.

Eine Spezialeinheit ausgebildeter Schafschützen der Freiwilligen Feuerwehr half bei der Rückführung der geflüchteten Schafe.

Wie auch immer: Am Kulki waren jedenfalls die Schafe los, während sich die Ohren der städtischen Satiriker noch an den Kopfkissen festgesaugt hatten.

 

Offenbar aus Sorge, ob überhaupt noch Leben in den Nachtschichten steckt, testete Bürgermeisterin Nadine Stitterich die Funktionen des lebenswichtigen Organs und schreckte die örtlichen Satiriker gegen 11 Uhr morgens aus der REM-Phase ihres verdienten Tiefschlafs. „Raus aus den Federn, die Schafe sind los!“, ließ sie wissen.

Eigentlich kein Akt. Rein in die Klamotten, Kamera geschultert und raus an die Luft. Mit dem Auto freilich, denn der Weg zurück zur Natur ist zu Fuß einfach zu beschwerlich. Das wussten wohl auch die wollenen Flüchtlinge und zogen sich dahin zurück, wo man mit dem Auto nicht hinkommt, in den Pappelwald. Diese hinterhältigen Mistviecher, die.

Ohne Kellerbier im Gepäck einen Fußmarsch durch den Wald und noch zu so früher Morgenstunde – das ist hardcore. Und nicht ein einziges Schaf zu sehen. Ab und zu mal ein Blöken aus dem Dickicht, das sich nach seiner Ortung als Krähen eines Eichelhähers herausstellt. Frust pur!

 

Aber eine Spezialeinheit aus Schafschützen der Freiwilligen Feuerwehr war auf Zack und hat die Rettungsaktion bildhaft festgehalten. Ausnahmsweise mal nix mit Schilf löschen am Kulki, sondern mähandern am Westufer.

Offenbar waren zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht allzu viele Passanten aus Grünau unterwegs. Am Ende der Aktion befanden sich jedenfalls ausschließlich Schafe auf der Weide – Rassentrennung wie aus dem Lehrbuch!

Ausgemäht! Jetzt noch den Zaun schön flicken, damit die Lämmer wieder drüberspringen und die Kinder beim Zählen einschlafen können.

Ausgemäht! Jetzt noch den Zaun schön flicken, damit die Lämmer wieder drüberspringen und die Kinder beim Zählen einschlafen können.

Fazit: Besten Dank an dieser Stelle an Nadine Stitterich für die wirkungsvolle Alarmierung ohne Sirene, an Feuerwehrchef Sven Haetscher für die astreinen Fotos von der Lallendorfer Alm und an die Kameraden für die unkomplizierte Rückführung der geflüchteten Schafe mit Markranstädter Migrationshintergrund.

 

 

Die gewonnene Schlacht am Tag der Biene

Die letzte Woche hat wieder mal gezeigt, dass das Markranstädter Bürgertum überwiegend aus Querdenkern besteht. Als nur 24 Stunden vor Beginn des weltweit begangenen Bienentages ein Mähtrupp durch Frankenheim zog, nutzten das die Einwohner zu einer machtvollen Demonstration der Kraft des Volkes. Und was soll man sagen? Die Aktion wurde auf halbem Wege abgebrochen. Also nicht die Demo, sondern die Mahd des Straßenrandes. Was’n Erfolg!

Da möchte man nicht in der Haut des WSM-Teams gesteckt haben. Die mögen die Kürzungen von Blühstreifen auf Bodenhöhe zwar auch kritisch sehen und zeigten sich einsichtig, aber immerhin hatten sie einen Arbeitsauftrag.

Am Ende war es Ortsvorsteher Jens Schwertfeger, der – von den seismografischen Erschütterungen des Whatsapp-Tumults alarmiert – vor Ort aufschlug und die Mäharbeiter von der bedingungslosen Kapitulation überzeugte.

Blütensäuberung

Da war zwar schon die Hälfte der Blüten für die ihren Ehrentag feiernden Bienen geschreddert, aber die andere Hälfte könnte zum Aufbau eines Gen-Pools für kommende blühende Landschaften genutzt werden.

An dieser Stelle wurde die ethnische Blütensäuberung in der Priesteblicher Straße nach massiven Bürgerprotesten abgebrochen.

An dieser Stelle wurde die ethnische Blütensäuberung in der Priesteblicher Straße nach massiven Bürgerprotesten abgebrochen.

Es war ein diplomatischer Akt, so viel ist klar. Auf der einen Seite die Mäharbeiter, die nur einen Arbeitsauftrag erfüllen, auf der anderen Seite die Anrainer, deren Freude über die drohende Blütenpracht immer nur so lange währt, bis die Ortschaften für das Pfingstfest ertüchtigt werden.

 

Grüner Psychopathenrasen so weit das Auge reicht, bunte Punkte nur in der Kernstadt, in der Verkehrsinseln für sechs Mille blütentechnisch aufgeforstet werden. Irgendwas stimmt da nicht mit der Natur, die weder in geschlossenen Viererreihen antreten noch im Gleichschritt nach dem vom Menschen exakt berechneten Takt marschieren will.

Eine Straße - zwei Ansichten. Rechts der Zustand am 17. Mai kurz vor der Blüte, links zwei Tage später nach dem Mäheinsatz.

Eine Straße – zwei Ansichten. Rechts der Zustand am 17. Mai kurz vor der Blüte, links zwei Tage später nach dem Mäheinsatz.

Dabei hatte alles mal so gut angefangen. Die Ortschaftsräte sollten der Verwaltung Vorschläge unterbreiten, wie man die Dörfer möglichst sparsam und naturnah kultivieren kann. Die Vorschläge kamen auch, aber am Ende wurde vom Stadtrat wieder nur ein Abklatsch der bisherigen Lösung beschlossen. Will heißen: Mähen bis der Sensenmann kommt.

Politik ändert sich, Ansichten ändern sich“, meint jedenfalls Schwertfeger und nimmt für sich in Anspruch: „In der Hinsicht wird auch ein CDU-Mann grün.“ Der Ortsvorsteher richtet einen ausdrücklichen Dank an die Mitarbeiter der WSM und will den Fall jetzt auf höchster Ebene klären, damit die nicht noch einen Anschiss wegen Arbeitsverweigerung bekommen.

 

Schwertfeger will sein Dorf jetzt als Modellprojekt für Markranstädt etablieren. „Wir können das nicht im Hau-Ruck-Verfahren der ganzen Stadt überstülpen“, meint er und will in seinem nördlichen Polarkreis eine Art Testlauf initiieren. „Es geht ja auch um Arbeitsplätze und um die erforderliche Technik. Wenn man seltener mäht, wird das Gras länger und man braucht andere Geräte“, ist Schwertfeger überzeugt.

Deshalb hat er sich auf die Agenda geschrieben: „Wir sollten hier bei uns, außerhalb des Ortskerns, einfach mal damit anfangen, die Natur blühen zu lassen“, schlägt er vor. „Dann schauen wir mal, wie das von der Bevölkerung angenommen wird, wie sich die Kosten entwickeln und wie sich das Gesamtbild verändert.“

Mit so einem Anblick bedankt sich die Natur, wenn man sie einfach mal in Ruhe lässt.

Mit so einem Anblick bedankt sich die Natur, wenn man sie einfach mal in Ruhe lässt.

Was will man sagen? Da hat der Internationale Tag der Biene am Ende also doch was gebracht. Ein nachhaltiger Anstoß zum Umdenken, vielleicht sogar eine Initialzündung. So lange es noch Insekten gibt. Als Alternative könnten die Mäher sonst schon mal auf Zahnbürsten umschulen, um die in Reih‘ und Glied angepflanzten Tomaten, Apfelbäume und ähnliche Gewächse zu bestäuben. Die Chinesen sind da schon ein Stück weiter…

 

 

Markranstädter Wochenschau (19): Nessi ist umgezogen!

Es hat sich mal wieder genug angesammelt für eine Wochenrückschau. Im Gegensatz zur Schachpartie, bei der wir noch immer auf ein paar mehr Vorschläge warten, sind die Leser zumindest hier noch aktiv und aufmerksam dabei. Kein Wunder, bei solch sensationellen Nachrichten. So laufen wir seit dieser Woche dem schottischen Loch Ness den Rang ab. Markranstädt hat jetzt auch ein Nessi. Allerdings nicht im Kulki.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis im „Lake Funeral“ die ersten Mutanten auftauchen. Der Teich unterhalb des Kulkwitzer Friedhofes wird schließlich durch eine alte Mülldeponie gespeist.

Sie kommmmmmen!

Wenn man dort den Finger ins Wasser steckt und nach acht Sekunden rauszieht, ist er verchromt. Aber aufpassen: Nicht länger als acht Sekunden, sonst zerfrisst es einem die Gummistiefel! Die Tierwelt hat sich sich da bereits viel besser angepasst.

Unser städtischer Fauna-Experte hat da unten was entdeckt, das jetzt in ganz Kulkwitz Angst und Schrecken verbreitet. Dort lauert ein gefräßiger Kammmmolch..

Gefunden von unserem Leser M.Z. im aktuellen Amtsblatt auf Seite 16.

Gefunden von unserem Leser M.Z. im aktuellen Amtsblatt auf Seite 16. 

Der schlingt seine Opfer im Ganzen runter und scheidet sie danach als Konsonanten aus, vorwiegend als m. Die Anzahl der m’s ist gleichbedeutend mit seiner Länge in Metern. Aktuell sind es vier, aber das Monster wächst weiter.


Holz und Sex knapp

Es war die Schlagzeile der Woche: Holz wird knapp und teuer. Kein Wunder also, dass sich die innovative Idee zur Herstellung brandneuer Balken letzten Sonntag in der Ziegelstraße schnell verbreitete.

Fotografiert von einem Balg, das seinen Eltern damit die Sonntagsnummer im ersten Halbjahr 2021 versaut hat.

Fotografiert von einem Balg, das seinen Eltern damit die Sonntagsnummer im ersten Halbjahr 2021 versaut hat.

Ähnlich einer gläsernen Manufaktur konnte das Treiben von zahlreichen Markranstädter Wohnzimmern aus verfolgt werden.

Allerdings hatte das dramatische Auswirkungen auf die Sexualität der Lallendorfer. Den Markranstädter Nachtschichten wurde nur wenige Minuten nach Ausbruch des Brandes ein erschütterndes WhatsApp-Protokoll zugespielt.

In ihm heiß es: „Die sollen hinmachen mit dem Löschen! Wir wollen unsere Sonntagsnummer schieben und jetzt kommt alle zwei Minuten das Balg mit Neuigkeiten vom Brandherd reingerannt.“

 

Haben Sie Ärger mit dem Ordnungsamt? Schon wieder ein Knöllchen gekriegt, weil Ihr Auto angeblich genau da steht, wo es nicht stehen darf?

Parken: Gewusst wie

Hier haben wir für Sie die Lösung. Es kommt nämlich nicht darauf an, wo sie Ihr Auto abstellen, sondern wie.

Wenn Sie Ihr Auto so selbstsicher in unser aller Markranstädter freien Natur abstellen und dabei auf jegliche Tarnung verzichten, kommen nicht mal Ordnungshüter auf die Idee, dass es sich um einen illegalen Akt handeln könnte.

Wenn Sie Ihr Auto so selbstsicher in unser aller Markranstädter freien Natur abstellen und dabei auf jegliche Tarnung verzichten, kommen nicht mal Ordnungshüter auf die Idee, dass es sich um einen illegalen Akt handeln könnte.

Wenn Sie es machen wie der Besitzer dieses Fahrzeuges, dürfen Sie sogar weithin sichtbar mitten im Pappelwald parken, ohne dass Sie in irgendeiner Form belästigt oder gar abgeschleppt werden. Kein Wunder, dass solche Beispiele immer mehr Schule machen.


Kernphysik im Rathaus

Schule ist auch das nächste Stichwort. Manche von uns gingen noch zur Schule, als man uns weismachen wollte, dass da ein Himmelskörper an uns vorüber flog. Das war 1986. Heute wissen wir: Es war nicht der Halleysche Komet, sondern die Pförtnerbude von Tschernobyl.

Uran 238 hat eine Halbwertszeit von 4,468 Milliarden Jahren. Da kann man sich schon mal um 5 Jahre verhauen. Erst recht dann, wenn man bislang nur mit der Halbwertszeit von Radon gerechnet hat, die lächerliche 3,8 Tage beträgt.

Uran 238 hat eine Halbwertszeit von 4,468 Milliarden Jahren. Da kann man sich schon mal um 5 Jahre verhauen. Erst recht dann, wenn man bislang nur mit der Halbwertszeit von Radon gerechnet hat, die lächerliche 3,8 Tage beträgt.

Wie lange ist das jetzt her, 20, 30, 35 Jahre? Um das zu ermitteln, müsste man ebenfalls wieder auf Schulwissen zurückgreifen. Mit Fingern und Abakus mag man auf 35 kommen. Unsere Kernphysiker im Rathaus haben allerdings konkretere Zahlen, weil sie die Halbwertszeiten der Brennstäbe berechnet haben.

Demnach sind erst 30 Jahre um. Fazit: Jens Spiske hat noch fünf Jahre im Amt und hätte am Tag der erneuerbaren Energien als Schirmherr antanzen müssen. Hat er nicht und deshalb wird in der Ranstädter Mark wohl schon an der nächsten Dienstaufsichtsbeschwerde gebastelt.

 

Das Thema Bürgerhaushalt geht um in Markranstädt. Stolze 20.000 Euro hat die Bürgermeisterin ausgelobt, damit sich die Lallendorfer ihre dringendsten Sehnsüchte erfüllen können. Ähnlich wie beim Weihnachtsmann sollte man auch hier seine Wünsche geheim halten, weil sie sonst nicht in Erfüllung gehen.

Das Brennen der Anderen

Den Markranstädter Nachtschichten ist es allerdings gelungen, den Wunschzettel der Markranstädter abzufangen und wir waren, ehrlich gesagt, überrascht.

... und den Einsatzbericht bitte in Blindenschrift.

… und den Einsatzbericht bitte in Blindenschrift.

Nachdem schon Grimms Märchen so umformuliert wurden, dass die sensiblen Kids nicht mehr mit dem traumatisierenden Tod des Wolfes konfrontiert werden müssen (der tanzt jetzt mit den sieben Geißlein und mixt ihnen danach laktosefreie Dinkel-Smoothies), sollen sie nun nicht mal mehr mitkriegen, dass in der bösen realen Welt da draußen was in Flammen aufgehen kann.

Das gilt natürlich nur so lange, wie ihnen nicht der eigene Arsch brennt. Wehe wenn’s in der Kita lodert und dann die Feuerwehr auch nur Sekunden zu spät anrückt, weil der Fahrer bei der Alarmierung grade in einem Funkloch war. Dann werden die Rufe nach Sirenen wieder laut und die werden dann im nächsten Bürgerhaushalt erneut installiert. Das Leben ist ein ewiger Kreislauf.


Ausländerhass

Werfen wir abschließend noch einen Blick über den berühmten Tellerrand. Genauer gesagt rüber nach Sachsen-Armut. Dort bereitet man sich am Nova-Eventis auf den Neustart nach dem Lockdown vor und rüstet sich für einen wahren Besucheransturm.

Richtig so!

Damit die Parkplätze für die Kunden reichen, muss auch die Polizei jetzt Platz machen. Das ist insofern sinnstiftend, da ein Streifenwagen schließlich deshalb Streifenwagen heißt, weil er Streife fahren und nicht rumstehen soll. Lediglich die Streifenpolizisten haben das noch nicht verinnerlicht und wollen ahnungslosen Sachsen ein Bußgeld anheften, wenn sie dort parken. Das ist Ausländerhass!

 

 

Er ist wieder da!

Seit Mittwoch grüßt der Heilige Bartholomäus wieder am Kreisverkehr in der Leipziger Straße. Schlappe 13.600 Euro hat der ganze Spaß samt wegräumen der Trümmer, Neuanfertigung eines Reliefs und Wiederauferstehung des Apostels gekostet. Wir haben Ihnen mal eine Fotostrecke von diesem stadthistorischen Ereignis gebastelt. Und ein paar Infos gibt’s auch noch dazu.

Warum ausgerechnet St. Bartholomäus der Schutzheilige unserer Stadt ist, war ebenso wenig in Erfahrung zu bringen wie der Zeitpunkt, seitdem er das ist.

Wer aber halbwegs bibelfest ist, könnte sich angesichts der Schlagzeilen, die Markranstädt in jüngster Zeit so schreibt, zumindest einen eigenen Reim drauf machen. Im Gegensatz zur Stadt, die er betreut, hat der alte Bartholomäus seine Haut nicht nur teuer zu verkaufen, sondern sie auch zu Markte zu tragen gewusst. So viel zum Thema Biomasse-Kraftwerk.

Die biblische Geschichte hatte wohl auch Steinmetz Alex auf dem Schirm, als er dem Märtyrer dessen eigene Haut um den Arm legte. Aber ansonsten wenig Originelles am neuen alten Beschützer. Man hätte ihm beispielsweise ein paar LED’s einbauen können, damit er die um den Kreisel kurvenden Autos nachts mit leuchtenden Augen verfolgen kann. Oder gleich ein paar Überwachungskameras hinter die Pupillen montieren. Irgend sowas halt, was ein wenig Freude in der Satirestadt aufkommen lässt.

 

Über eine halbe Tonne wiegt allein das nach dem alten Vorbild neu in Stein gemeißelte Relief. Den Sockel konnten die Peschel-Handwerker hingegen noch einmal retten. Bei ihm hatte es gereicht, ihn noch einmal etwas aufzuhübschen und für den nächsten Auffahrunfall fit zu machen.

Nicht auszuschließen, dass die Stadträte auch künftig noch etwas Spaß am neuen Monument haben. Wie das Rathaus informiert, soll der Kreisel auch noch schick bepflanzt werden. Die Kosten in Höhe von rund 6.000 (in Worten: sechstausend!!!) Euro zahlt allerdings keine Versicherung.

Gut möglich, dass die Stadt den Betrag grade flüssig in der Portokasse hat. Wie wir aus dem letzten Stadtrat wissen, ist es schließlich nicht einfach, 24 Millionen Euro auszugeben. Da helfen ein paar Spezialzüchtungen schon ein Stück weiter. Aber schon droht der Sommer und mit ihm Trockenheit und erhöhter Pflegebedarf. Da werden wieder Handzeichen für die Freigabe von Sonderauszahlungen gefragt sein, die dann noch obendrauf kommen.

 

Schön zwar, wenns bunt aussieht, aber das geht auch günstiger und vor allem natürlicher. Allerdings müsste man dazu Vernunft walten lassen und umdenken. Kein totschickes Einheitserlebnis aus dem Gartenkatalog, sondern … Thema Perma-Garten zum Beispiel. Sowas in der Art wurde in Markranstädt schon mal probiert. Blühwiese am Rand der Straße nach Frankenheim. Leider haben die Blüten dort gegenüber den Rotoren der Mäher so oft den Kürzeren gezogen, dass sie ihr Streben nach Farbenpracht eingestellt haben.

Aber vielleicht … vielleicht hat’s ja doch was auf sich mit so einem Stadtheiligen? Mal schauen, ob er in den Köpfen was bewirkt, der neue Alte.

So, abschließend noch ein kurzer Hinweis zur nachfolgenden Fotostrecke, weil ja das Internetz für einige Teilnehmer unserer Gesellschaft noch immer Neuland ist. Die Bilder wechseln ca. alle 15 Sekunden. Sie können an den Pfeilen links und rechts oder unten auf den Punkten aber auch selbst vor und zurück navigieren.

 

  • Es geht los! Soeben ist der Heilige Bartholomäus aus Florian Peschels Atelier angekommen, wo ihn Steinmetz Alex Latzko mit Hammer und Meißel entstehen ließ.