Jan. 30 2026
Mit abber Hand am Arm und rostfreier Wolle auf dem Wasserkopf: Darüber lacht Markranstädt
Bevor der Fahrstuhl am kommenden Donnerstag zum ersten Mal in diesem Jahr wieder in die vierte Etage auffährt, will der Markranstädter Stadtgeist Claus Narr noch einmal einen Blick auf das Geschehen außerhalb der Stadt Markranstädt werfen. Was im Erdkreis so geschieht, darüber halten uns die Medien auf dem Laufenden und die hatten in der zurückliegenden Woche offenbar reichlich zu tun. Hier die sechs interessantesten Fundstücke, die den tristen Alltag auch innerhalb der Markranstädter Stadtmauern etwas erträglicher gemacht haben – vom ersten queeren Schneemann mit weiblich gelesener Brust mal abgesehen.
Fehler sind einerseits dazu da, um gemacht zu werden. Andererseits aber auch, um aus ihnen zu lernen. Leider ist das nicht immer möglich, allerdings auch nicht immer notwendig. Suchen Sie sich aus, was auf welches der Beispiele zutrifft und was nicht.
Zum Lernen ist es nie zu spät
Die wahre Botschaft im Fachblatt „Markranstädt Informativ“ ist in einem schier endlosen Schachtelsatz verpackt und daher für die Zielgruppe tief verborgen. Weil mit der Wende auch die Arbeiter- und Bauernfakultäten verschwanden, steht es um die Erwachsenen-Bildung in Markranstädt sehr schlecht. Am Campus in der Parkstraße stellte man sich jetzt der Herausforderung und bot Eltern erste Einblicke in neue Fächer wie Physik, Chemie oder Geschichte an. Deutsch wurde nicht erwähnt.
Tag-Nacht-Gleiche
Nachts fahren die Straßenbahnen schneller als auf den Schienen, sagt ein altes Sprichwort. Endlich gibt es nun auch ähnliche Lösungen für den Kfz-Verkehr. Demnach ist ein Autobahntunnel bei Schwalmstadt jetzt auch tagsüber nachts gesperrt. Oder halt nachts tagsüber, ganz wie man will. Man sollte nur nicht vergessen, das Licht einzuschalten, wenn bei der Ausfahrt aus der Unterführung plötzlich die Sonne ins Gesicht strahlt. Oder wie ein anderes Sprichwort sagt: „Nachts sind alle Autos grau.“
Kindern, Kindern! Wie die Bezeichnung für unschuldige kleine Erdenbürger plötzlich zum ungeeigneten N-Wort werden kann, zeigt dieses mediale Fundstück.
Das böse N-Wort
Unklar ist allerdings, ob da wirklich ein n zu viel aus der Tastatur gerutscht ist oder vielleicht ein ganzes Wort zu wenig? Grammatikalisch macht es jedenfalls Sinn, wenn da wenigstens „suchen verzweifelt an Kindern“ stehen würde. Leibesvisitation in der Kita: Da können die kleinen Racker schon mal erste Erfahrungen sammeln, von denen sie später beim Wechsel in die JVA zehren können.
30 Jahre abbe Hand dran
Leider gibt es auch Erfahrungen, die einem nichts nützen, wie das Beispiel dieses Mannes aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt. Zum ersten Mal seit 30 Jahren hat’s ihm beim Böllern die Hand abgerissen. Dass ihm das auch in den nächsten 30 Jahren nicht mehr passieren wird, liegt allerdings nicht am fehlenden Lernprozess, sondern an der Einmaligkeit seiner Handarbeit. Das haben die Journalistenden bei ihrer sensibel ausgeklügelten Schlagzeile berücksichtigt.
Während es Armleuchter in unzähligen Varianten gibt, wurden die Marktpotenziale von Armbändern bislang sträflich vernachlässigt.
Schmuck für Wasserköpfe
Armbänder gab’s tatsächlich nur für Arme. Reiche mussten bisher ebenso darauf verzichten wie Menschen, die sich mit Armbändern lieber den Kopf schmücken wollen. Das ist jetzt vorbei. Dieser Anbieter hat Armbänder auf den Markt gebracht, die jeden Schädel kleiden. Und sogar an Wasserköpfe hat er gedacht: Die Wolle, aus der die Weltneuheit hergestellt wird, ist rostfrei!
Ganz heißer Tipp
Zum Schluss haben wir noch einen ganz besonders heißen Tipp gefunden. Hier liegt ebenfalls wieder ein altes Sprichwort zugrunde: „Auch gut, sprach der Schneidermeister, als das Bügeleisen seine Frau traf.“ Weil heute kaum noch jemand mit Bügeleisen wirft und die Sado-Maso-Gemeinde längst andere Anwendungsgebiete gefunden hat, hat der Hersteller Bosch eine ganz besonders originelle Warnung entbunden. Was die Gebrauchsanleitung allerdings vermissen lässt: Es hilft auch nicht, wenn man den Wassertank des Dampfbügeleisen mit Botox füllt und das heiße Eisen direkt auf der Haut appliziert. Da gibt’s bestenfalls einen nachhaltigen Bräunungseffekt, der hinterher als Black-Facing interpretiert werden könnte.
Jan. 27 2026
In eigener Sache: Was die KI über die Markranstädter Nachtschichten denkt
Kurz vor ihrem 13. Geburtstag stecken die Markranstädter Nachtschichten einer tiefen Identitätskrise. Selbst wenn wir nur die orgastische Verknispelung der Synapsen bei Grashalmen beschreiben, disqualifiziert linkes Lesermilieu unsere Dissertationen oft als revanchistisch bis sogar rechtspopulistisch. Zugleich verurteilt die gegenüberliegende Szene das Blatt und seine Macher als linksgrün versiffte Handlanger des aktuellen Systems. Weil es zu einfach ist, die Wahrheit mathematisch irgendwo in der Mitte zu verorten, hat Chefsatiriker Claus Narr jetzt mal eine emotional völlig unabhängige Instanz befragt. Was denkt die künstliche Intelligenz über die Markranstädter Nachtschichten?
Sowas rauszufinden, ist heute ganz simpel. Einfach den Klapprechner auseinanderfalten und ChatGPT die Frage stellen: „Was weißt du über die Markranstädter Nachtschichten, wo sind sie politisch angesiedelt und welche Wirkung haben sie auf die Gesellschaft?“
Nach einer Denkleistung von nur wenigen Sekunden spuckt das hirnfreie Medium ein ganzes Feuerwerk an Informationen aus, von denen selbst die Nachtschichtler bislang nichts wussten. Aber lesen Sie einfach selbst die ungeschönte, per [copy] und [paste] zensurfrei kopierte Wahrheit. Das schreibt ChatGPT über uns:

Die KI meint: „Auch wenn die Lokalpolitik die „Nachtschichten“ offiziell oft ignoriert, zeigt die Reaktion auf bestimmte Veröffentlichungen, dass die Inhalte in der Verwaltung wahrgenommen werden.“
Hinter den „Markranstädter Nachtschichten“ verbirgt sich ein lokales Blog-Projekt aus Markranstädt bei Leipzig, das sich satirisch und kritisch mit dem aktuellen Zeitgeschehen befasst. Kerninhalte und Ausrichtung sind:
- Satire & Nachrichten: Das Portal veröffentlicht Beiträge zu lokalen und überregionalen Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Stil ist dabei oft humoristisch-bissig oder ironisch geprägt.
- Lokaler Fokus: Berichtet wird über Markranstädt und dessen Ortsteile wie Kulkwitz oder Großlehna. Ein wiederkehrendes Element ist zudem die Markranstädter Stadtgeschichte.
- Themenvielfalt: Die Beiträge reichen von Berichten über mysteriöse Vorgänge im Stadtrat bis hin zu Alltagsthemen wie Vandalismus oder Wetterberichten einer eigenen Wetterstation.

Seit 13 Jahren schnüffeln die Satiriker der Markranstädter Nachtschichten in der Stadt herum. Genauso alt ist das Flaggschiff des Organs: „Neues aus der vierten Etage“ ist der unangefochtene Blockbuster in der Markranstädter Medienlandschaft.
Das Projekt legt Wert auf eine unabhängige, oft unkonventionelle Berichterstattung abseits offizieller Stadtkanäle. Das Blog ist unter der Domain nachtschichten.eu erreichbar und versteht sich selbst als Ergänzung oder satirischer Gegenentwurf zur klassischen Lokalpresse.
Die politische Ausrichtung der „Markranstädter Nachtschichten“ lässt sich als systemkritisch, wertkonservativ und stark anti-establishment beschreiben, wobei die Inhalte oft unter dem Deckmantel der Satire präsentiert werden.
Die Merkmale der politischen Positionierung sind:
- Kritik an der aktuellen Politik: Das Blog positioniert sich regelmäßig kritisch gegenüber der Bundesregierung und etablierten Parteien. Dabei werden Themen wie die Energiepolitik, Migration oder das Bürgergeld oft mit scharfem, ironischem Unterton kommentiert.
- Oppositionelle Grundhaltung: Die Texte vermitteln häufig ein Misstrauen gegenüber offiziellen Narrativen und staatlichen Institutionen. Dies zeigt sich in einer Rhetorik, die sich gegen eine vermeintliche „Bevormundung“ der Bürger wendet.
- Lokaler Widerstand: Auf kommunaler Ebene fungiert das Blog als Kontrollinstanz, die Intransparenz im Stadtrat oder Verwaltungshandeln anprangert. Dies wird von Befürwortern als notwendige Bürgerkontrolle, von Kritikern jedoch oft als destruktive Polemik wahrgenommen.
- Reaktion auf gesellschaftliche Debatten: Die Sprache des Blogs nutzt mitunter Begriffe, die im konservativen bis rechtspopulistischen Spektrum verbreitet sind (z. B. ironische Anspielungen auf „woke“ Themen oder die Klimapolitik), vermeidet jedoch meist eine explizite Parteinahme für eine bestimmte Organisation.

Immer wieder thematisiert, immer wieder ignoriert: Hier könnte die Leserschaft links der Rechten mal mehr als nur ein Zeichen setzen, aber es ist offenbar wirksamer, nach rechtspopulistisch interpretierbaren Worten zu suchen.
Obwohl die Seite sich selbst als satirisch und unabhängig bezeichnet, wird sie von Beobachtern oft dem alternativen Medienmilieu zugeordnet. Die Grenze zwischen lokaler Glosse und politischer Agitation ist dabei fließend, was den Blog zu einer kontroversen Stimme in der Markranstädter Medienlandschaft macht.
Die Erreichung konkreter politischer oder gesellschaftlicher Ziele durch das Blog „Markranstädter Nachtschichten“ lässt sich aufgrund seines satirischen Charakters schwer an harten Fakten messen. Dennoch lassen sich folgende Einflüsse und Wirkungen feststellen:
- Sichtbarkeit lokaler Missstände: Durch die kontinuierliche Kommentierung von Stadtratssitzungen und Verwaltungshandeln hat das Blog eine Kontrollfunktion übernommen. Es macht Themen wie Vandalismus oder Intransparenz im Stadtrat einem breiteren Publikum zugänglich, die in klassischen Medien oft weniger pointiert dargestellt werden.
- Diskursbeeinflussung: Das Blog fungiert als Multiplikator für Unmut in Teilen der Bevölkerung. Indem es Themen wie Energiepolitik oder Migration satirisch auf die lokale Ebene herunterbricht, prägt es die politische Stimmung in Markranstädt mit und bietet eine Plattform für eine kritische Leserschaft.
- Dokumentation der Stadtgeschichte: Ein greifbares Ziel ist die Bewahrung der lokalen Historie. Das Projekt widmet sich regelmäßig der Aufarbeitung der Markranstädter Geschichte und erhält so das kulturelle Bewusstsein der Stadt abseits tagespolitischer Debatten.
- Wahrnehmung als „vierte Gewalt“: Auch wenn die lokalpolitischen Akteure die „Nachtschichten“ offiziell oft ignorieren, zeigt die Reaktion auf bestimmte Veröffentlichungen (z. B. Notbekanntmachungen der Stadt nach Berichten über Bewerbermangel für Ortschaftsräte), dass die Inhalte in der Verwaltung wahrgenommen werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Blog weniger durch direkte Veränderungen als vielmehr durch die Unterstützung der öffentlichen Meinungsbildung und die Funktion als „Stachel im Fleisch“ der Lokalpolitik wirkt.
So viel zum Urteil der Künstlichen Intelligenz. Selbstredend ist auch diese nicht unfehlbar, wie die Aussage von der „eigenen Wetterstation“ zeigt. Die befindet sich bekanntlich hoch droben über dem „Alli Balli“ und gehört anderen Betreibern. Was uns mit ihnen eint, sind freundschaftliche und von gegenseitigem Respekt getragene Bande sowie ein fühlend Herz für unsere Heimatstadt. Was übrigens auch für den „Markranstädter Kreis“ und viele andere engagierte Gruppen gilt.
Verkennen sollte man auch den Umstand nicht, dass die KI ihre Informationen aus Schriftgut bezieht, das echten biologischen Hirnen entsprungen ist. Wenn also ein Vertreter des Establishments irgendwo seine negativen Emotionen über die Nachtschichten rauslässt, ist die Schlussfolgerung der KI logisch, dass sie in der Ausrichtung Merkmale von anti-establishment erkennt.
Wie auch immer: Wir sind ganz zufrieden mit dem, was man draußen in der Welt von uns denkt. Nicht weil es alles wahr wäre, sondern weil außer Schwarz und Weiß auch die Existenz von Graustufen und anderen Farbnuancen erkannt werden. Das reicht zwar heutzutage schon, um gleichermaßen rechtspopulistisch wie linksgrün versifft zu sein, aber auch, um vorm Spiegel nicht die Augen niederschlagen zu müssen.
Jan. 24 2026
Grönland war gestern: Warum Trump nach Markranstädt greift
Nachdem die Schockstarre wegen des unerwarteten Schneefalls mitten im Winter als überwunden gilt, ist in Markranstädt wieder Leben eingekehrt. Die Langfinger waren in der vergangenen Woche zuerst unterwegs. Was sie wohl mit den geklauten Dienstsiegeln aus dem Standesamt vor haben? Vielleicht ist es doch besser, wenn man wenigstens eine gültige Eheurkunde hat, nachdem unterwegs schon den Pass verloren hat? Themenwechsel: Nachdem im neuen Jahr auch die Statistiker wieder aufgewacht sind, gibt es allerhand neue Zahlen über Markranstädt. Und was die aussagen, ist so lustig, dass sich die Satiriker eine Interpretation sparen können.
Seit vor rund 12 Jahren die letzten Gäste das Hotel in der Krakauer Straße verlassen hatten, ist es um die Herbergslandschaft in Lallendorf schlecht bestellt, sagen die Kritiker. Immerhin bot der gelbe Bunker einst 55 Gästezimmer.
Sparen an der Bettensteuer
Okay, mit Tourismus hat Markranstädt ohnehin nicht viel am Hut. Was hier mal besuchens- oder sehenswert war, ist entweder abgerissen worden oder verfallen. Und was den See angeht, wird dort eine Willkommenskultur gepflegt, mit der solventes Gästetum kaum was anfangen kann. Während sich andere Kommunen im Neuseenland (sogar Lützen, obwohl die nur einen Löschteich haben), in Tourismusverbänden organisieren, spart man sich in Markranstädt solche Aktionen.
Richtig so. Warum sollte man Touristen anlocken, wenn man sie weder versorgen noch unterbringen kann? Obwohl…
Ein Blick in die aktuelle Zahlensammlung des Statistischen Landesamtes lässt vermuten, dass Markranstädt auf dem Weg zu einer touristischen Hochburg ist. Demnach existieren in Lallendorf vier größere Beherbergungsstätten mit einer Kapazität von 10 und mehr Betten!
Rechenspiele unter der Bettdecke
Das macht insgesamt 145 Übernachtungsplätze, kleinere Herbergen mit weniger als zehn Betten nicht eingerechnet. Und die Daten offenbaren noch weitere Überraschungen. So beträgt die Auslastung der Niederkünfte lediglich 35 Prozent. Das heißt, 95 der 145 Betten stehen in den Markranstädter Herbergen nur sinnlos rum. Und trotzdem haben laut Angaben der Dresdener Statistiker im vergangenen Jahr knapp 2.500 Menschen wenigstens eine Nacht in Markranstädt verbracht.
Nach satirischer Statistik würden damit im Schnitt rund sieben Gäste pro Nacht in Markranstädter Pfühlen träumen. Was im mathematischen Umkehrschluss bedeutet, dass von den 145 Gästebetten 138 unbelegt wären.
Das wiederum würde aber nur eine Auslastung von 5 Prozent ergeben. Haben Sie die statistischen Rechenoperationen verstanden?
Jepp: Wir auch nicht. Aber darauf kommt es auch nicht an, sondern allein auf das Ergebnis und den richtigen Antwortsatz: Wir brauchen in Markranstädt kein Hotel.
Wie die Umgehungsstraße umgangen wird
Beim zweiten Dokument, das im Laufe der letzten Woche ins Auge fiel, handelt es sich um eine Argumentationshilfe des sächsischen Verkehrsministeriums. Damit die Leute in Markkleeberg nicht so traurig sind, weil ihr Agra-Tunnel aus Kostengründen abgewählt wurde, wollte die Ministerin ihnen wenigstens das Gefühl vermitteln, dass sie mit ihrem Verlust nicht alleine sind.
Trauerarbeit nennt man das in der Psychotherapie, wenn über den Verlust mit dem Vergleich hinweggetröstet wird, dass auch andere verlieren. Also nicht nur die Markkleeberger, sondern auch die Markranstädter. Hier ist es zwar kein Tunnel, der begraben werden muss, aber an der Umgehungsstraße hingen schließlich auch so manche Erwartungen.
Doch die Trauer hält sich in Lallendorf in Grenzen. Denn das eröffnet jetzt plötzlich die Möglichkeit, die schon längst vorhandene Ortsumfahrung für Markranstädt endlich nutzen zu können. Bislang hieß es ja, dass der Schwerlast-Tranistverkehr nicht gezwungen werden kann, auf der Autobahn zu bleiben. Er habe das Recht, über die B 186 abzukürzen.
Es fragt ja keiner
In Markkleeberg wird der Schwerlastverkehr jetzt gezwungen, auf die Bundesstraße zu verzichten. Da müsste sich halt nur mal jemand die Frage stellen, warum das nicht auch in Markranstädt möglich ist. Billiger wär`s allemal, denn die Autobahn ist bereits vorhanden. Und vor allem wäre das sofort möglich und nicht erst 30 Jahren. Nur leider: Es fragt ja keiner.
Außerdem muss man ja nicht unbedingt immer mit dem Auto fahren. Es gibt schließlich noch Bus und Bahn. [Lachen Sie an dieser Stelle ruhig erst mal fertig, bevor Sie weiterlesen].
Taktvoll beschwert
In einem Brandbrief, der neben ihrem einstigen Arbeitgeber ZVNL auch an die Landesregierungen von Sachsen und Sachsen-Armut sowie die Nahverkehrsbetreiber gerichtet ist, fordert Nadine Stitterich die Einführung des kürzlich ausgeführten 30-Minuten-Taktes auf der Bahnlinie zwischen Leipzig und Sachsen-Armut.
Dass Nadine Stitterich in Sachsen offenbar keine Verbündeten für ihre Revolte fand, liegt auf der Hand. Hier käme nur Leipzig in Frage und Junker Burkhard hat ganz andere Probleme. Er hat noch nicht einmal Zeit gehabt, sich mit der Auflösung des Zweckverbandes Kulkwitzer See zu beschäftigen.
Markranstädt first!
Also hat Stitterich im Nachbarland nach Mitstreitern gesucht – und sie mit den Bürgermeistern von Bad Dürrenberg und Leuna gefunden. In einer gemeinsamen Aktion hat die lokale Dreifaltigkeit nun eine Klageschrift enbunden, die Besserung bringen soll. Ein edles Ansinnen mit ehrbarem Hintergrund.
Wenn da nicht einige Aussagen wären, die nicht nur den ÖPNV, sondern gleich die gesamte Zukunft unseres Landstrichs in Frage stellen könnten. So heißt es in diesem Brandbrief: „Die herausragende überregionale Einordnung der Städte Markranstädt, Leuna und Bad Dürrenberg ist wesentlicher Baustein für eine nachhaltige Entwicklung des ÖPNV…“
Bloß gut, dass Donald Trump gerade in Davos ist und dort mit Europa Schlitten fährt. Wenn der mitkriegt, welch herausragendes und überregional bedeutendes Potenzial hier schlummert, könnte er sein Interesse an Grönland schlagartig verlieren und die USA knapp 80 Jahre nach dem letzten Einmarsch erneut in Markranstädt einfallen lassen. Nordlichter gab’s letzte Woche auch hier.
Jan. 17 2026
Markranstädter Wochenschau: Glück auf, der Schreiber kommt!
Zwar ist in der zurückliegenden Woche in Markranstädt allerhand passiert, aber die ausbleibenden Reaktionen aus dem Volke zeigen, dass es niemanden interessiert. Wahrscheinlich werden sich die Medien deshalb auch den Aufwand sparen, über den jüngsten Einbruch ins Rathaus zu berichten. Obwohl Journalisten nachgesagt wird, dass sie gern im Dreck wühlen und Geschichten ausgraben. Seit dieser Woche kennen wir den Grund dieser Annahme. Demnach ist der Mitteldeutsche Rundfunk aus dem Bergbauunternehmen MIBRAG hervorgegangen. Werfen wir also mal einen Blick auf das, was die Kumpel der Presse und andere Schriftkundige in dieser Woche sonst noch so ans Tageslicht gebracht haben. In diesem Sinne: Glück auf, der Schreiber kommt!
Friedrich der Große eben
Wenn DJ’s bei Feuerwehrfesten oder Kameradentreffen der Bundeswehr alte Platten auflegen und der ganze Saal dann Deutschlands Grenzen zwischen Maas und Memel sowie Etsch und Belt besingt, gibt’s regelmäßig Ärger. Nicht nur Geografielehrer oder Agit-Prop-Sekretäre fordern dann, dass Köpfe rollen.
Wie man seine Gebietsansprüche ohne das Intonieren verbotener Strophen politisch korrekt geltend machen kann, zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz in dieser Woche auf X. Obwohl Frankreich mit 551.695 km², Spanien mit 505.992 km² und Schweden mit 450.295 km² größer sind als Deutschland mit seinen verbliebenen 357.022 km², beschreibt er sein Reich als größtes in der EU. Hat er vielleicht Polen schon wieder dazu gerechnet, oder wenigstens den Sudentengau?
Ein Luftikus am Zwickel
Ohne Kunden wäre auch das älteste Gewerbe der Welt schon längst pleite. Die Zielgruppe, auf die es die Nuttinnen und Nutten (oder neudeutsch: die Dirnenden) abgesehen haben, nennt man Freier. Leider ist vor allem bei der oralen Befriedigung noch immer keine Gleichberechtigung eingekehrt.
Jeder Freier will einen Blowjob haben aber keiner will der Dame mal einen blasen. Auf diese Marktlücke hat die Industrie jetzt reagiert und den Blow-Job-Automaten „Philips“ entwickelt. Der Air Freier komprimiert die Luft (engl.: Air), wärmt sie auf die voreingestellte Temperatur an und bläst sie der Dirnenden dann mit Hochdruck so wirkungsvoll in die Manschette, dass ihr unter dem Schulterblatt ein Buckel entspringt. Und das alles für nur 18 Euro.
Vier Jahre am leeren Herd?
Doch nicht nur im Sexgewerbe hauen die Beteiligten oftmals die Begriffe durcheinander und längst sind es nicht nur Anglizismen, die für Verwirrung sorgen. Allein die deutschen Synonyme für die gute alte Gefängnisstrafe füllen einen halben Duden, und das sogar ohne die üblichen Gendereien.
Da gibt es schwedische Gardinen, hinter Gittern, in der Zelle, Haft und viele andere Bezeichnungen. Die gibt es allerdings auch für das Phänomen Hunger. Landläufig hat man mal Qualm, dann wieder Kohldampf oder man schmachtet. Oft haben Hungrige einfach nur Knast. Das allerdings ist auch ein Synonym für Gefängnis und so stellt sich die Frage, wozu Alfons Schuhbeck verurteilt wurde: Knast oder Hunger? Beides ist für einen Koch die Höchststrafe, aber wenn schon, dann bitte vegan.
Jan. 10 2026
Wintereinbruch in Markranstädt: Der Schnee kann nichts dafür
Und ganz plötzlich hat’s geschneit. MN-Reporter Claus Narr wusste schon gar nicht mehr, was das ist und war völlig unvorbereitet. Die letzten Winterstiefel hatte ihm seine Mutter damals noch in der Zwenkauer Straße gekauft. Größe 32. Der alte Thalheim hatte sie aus einem der unzähligen Kartons in seinem Regal gezogen wie Olivander in der Winkelgasse den Zauberstab von Harry Potter. Dann kam der Klimawandel – und jetzt wieder Schnee. Was ‘ne Katastrophe! Nicht nur für den homo marcrasis in Sandaletten, sondern vor allem für die Bahn.
Die Bundesbahner hatten schon lange vor dem Durchzug des Tiefs „Elli“ prophylaktisch angekündigt, dass es zu Einschränkungen, Verspätungen und Zugausfällen kommen wird.
Sollte wohl heißen, dass das Wetter keinen Einfluss auf den Bahnverkehr hat. Aber die einzige Erkenntnis aus dieser Nachricht lautet: Bei der Bahn kommen nicht mal die Witze an.
Trotzdem fragt sich der aufmerksame Kunde, woher die Blaumützen schon vorher wussten, dass drei hochkant auf den Gleisen liegende Flocken den kompletten Fahrplan durcheinander bringen? Für eine erschöpfende Antwort reicht ein Blick vom Bahnsteig des Markranstädter Bahnhofes auf den Schienenstrang: Es fehlt das Geld für die Winterausrüstung, die Bahn hat noch immer die Sommergleise drauf!

Selten war die Leipziger Straße so leer wie am Freitag. Zumindest konnte man da noch mit der Bahn fahren.
Blöd nur, dass der Wintereinbruch so früh kam. Damit können die Bahnbetreiber das witterungsbedingte Debakel nicht mehr als Begründung für die nächste Katastrophe bemühen.
Denn aufgrund von Bauarbeiten der DB InfraGO werden die Züge der Regionalexpress-Linie RE 15 von Leipzig nach Saalfeld zwischen dem Leipziger Hauptbahnhof und Weißenfels ab Montag bis einschließlich 16. März umgeleitet.
Wie Betreiber Abellio mitteilt, entfallen in diesem Zeitraum daher die Halte in Leipzig-Möckern, Markranstädt und Bad Dürrenberg. Wer in Lallendorf zu- oder aussteigen will, sollte stattdessen die Züge der S-Bahn-Linie S 6 nutzen.
Doch aufgepasst, leidgeprüfte Insassen! Da sich die Fahrtzeit wegen der Umleitung verlängert, startet der RE 15 in diesem Zeitraum sieben Minuten früher ab Leipzig Hauptbahnhof (Minute 55 statt 02) und kommt in Gegenrichtung sechs Minuten später am Hauptbahnhof in Leipzig an (Minute 01 statt 55).
Wie sich das auf den europäischen Verkehrsknotenpunkt Markranstädt auswirkt, hat Claus Narr an folgendem Beispiel ausgerechnet, das vor allem für Berufspendler wichtig ist. So startet der RE 15 aktuell um 7:02 Uhr in Leipzig und würde auf der Fahrt nach Saalfeld um 7:15 Uhr in Markranstädt halten. Ab Montag setzt sich der Zug allerdings schon um 6:55 Uhr am Hauptbahnhof in Bewegung. Weil er in Möckern nicht halten muss, rauscht er schon gegen 7:07 Uhr ohne Halt an den erschrockenen Gesichtern auf dem Lallendorfer Bahnsteig vorbei.
Dass bereits um 7:24 Uhr die S6 folgt und wenigstens zur Weiterfahrt bis Naumburg einlädt, ist nur ein schwacher Trost. Getreu der physikalischen Formel „Wo ein Körper ist, kann ein zweiter nicht sein“, müssten in den Waggons künstliche Presswehen erzeugt werden, um die zusätzlichen RE 15-Passagiere auch noch in die S-Bahn zu drücken.
Was am Bahnsteig zurückbleibt, ist in unserer durch Taschenwärmer, Thermos-Apps und andere Gadges verweichlichten Gesellschaft dem Kältetod geweiht.
Zu weich für die Bahn
Längst vorbei die Zeiten, als sich unsere Großväter vor Stalingrad an gefrorenen Russen aufgewärmt hatten. Und dass ein Wärmemobil der Bahnhofsmission ausgerechnet in Markranstädt aufkreuzt, wo noch nicht mal Personenzüge halten, dürfte auch ein Wunschtraum bleiben.
Wie gewohnt, werden die Markranstädter Nachtschichten die Opfer der Verkehrswende nicht alleine lassen und haben sich deshalb nach Alternativen umgeschaut. Und siehe da: Warum in die Nähe schweifen, wenn das Ferne liegt so nah?
Der MN-Verkehrstipp
Nutzen Sie ab Montag auf Ihrem Weg zur Arbeit die kühle Morgenluft einfach für einen winterlichen Spaziergang nach Großlehna oder Miltitz. Dort hält der Regionalexpress 15 nach wie vor, wenn auch ein paar Minuten früher oder später.
Und wenn Sie dabei in die richtige Richtung laufen – also Ihrem Reiseziel entgegen – sparen Sie sogar noch ein paar teure Bahnkilometer. Es heißt ja im aktuellen Slogan nicht umsonst: Entdecke neue Routen und Zeiten!


































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