BSE in Markranstädt: Blitzer, Stadtmöbel, Energiekraftwerk

Sappralot, was war denn das für ein legendärer Donnerstag? Von Sonnenaufgang bis hinein in die Abenddämmerung steckte der Tag voller Überraschungen. Und sie alle hatten das gleiche Resultat: Die Stadt am See hat ihr Antlitz verändert. Und zwar nachhaltig!

Da fährst du in Erwartung des Blitzlichtes wie immer so um die 50 km/h auf Arbeit und stellst plötzlich fest, dass du diesmal verarscht wirst.

Die Blitzersäule ist weg! Das sagt einem natürlich niemand, damit man weiterhin schön mit lächerlichen 50 als Verkehrshindernis durch die Zwenkauer cruist. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Meldung im Stammtisch-Verkehrsfunk rum ist und spätestens dann heißt es wieder: Freie Fahrt für freie Bürger. Akkuschrauber raus, Gaspedal angespackst und los geht die Reise.

Ausgeblitzt

Hat sich wohl nicht mehr gelohnt, der Fotoapparat. Seit wegen Corona die einsfünfzich Abstand sogar bei 250 Sachen auf der Autobahn eingehalten werden, hat die Linse Staub angesetzt. Der homo marcransis schien ohnehin bis zum gestrigen Tag auf die längst gefallene Tempo-30-Beschränkung konditioniert.

Vielleicht wurde der Blitzer aber nur vorübergehend wegen unerlaubter Verbreitung von Wahlwerbung abgebaut? Wenn da bei jedem Vergehen im Hintergrund das formatfüllende Konterfei von Armin Laschet vom Bußgeldbescheid grinst, ist das zumindest fragwürdig.

Ist eben ungünstig, wenn der Betreiber aus Borna kommt und keine Ahnung hat, wo’s sich in Markranstädt wirklich zu blitzen lohnt. Einfach mal so ein Ding in Höhe des Alten Friedhofs anschrauben und nur zwischen 23.30 Uhr und 5.30 Uhr einschalten, fertig ist der Lack.

Zwar kommen in der Zeit maximal 100 Fahrzeuge durch, aber mindestens 50 davon flehen regelrecht darum, nicht nur zeitlebens ihren Führerschein abgeben, sondern das Stadtbad ganz allein finanzieren zu dürfen.

Aber wer hört schon auf einfältige Satiriker? Autorennen gibt’s in Lallendorf ebenso wenig wie Drogen an den Schulen. Auch das neuerdings wieder aufflammende nächtliche Geschrei auf dem Alten Friedhof ist nur Einbildung. Tote rufen nicht.

Bankenkrise ist beendet

Doch zum Glück gibt es ja seit Donnerstag einen triftigen Grund, nicht auf die Leipziger Straße zu laufen, sondern auf dem Fußweg zu bleiben. Wie aus dem Nichts, völlig ohne Ankündigung, Presserummel oder feierliches Einweihungszeremoniell, steht auf der Piazza di Geppert plötzlich ein Mülleimer, umrahmt von zwei Sitzbänken.

Diese Überraschung ist wirklich gelungen. Kein Markranstädter hatte den blassesten Schimmer, dass da noch Stadtmöbel übrig waren und gleich gar nicht, dass sie ausgerechnet dort aufgestellt werden könnten. Eine wirklich gute Idee, da muss man erst mal drauf kommen. Lobet das Rathaus, preiset die Herrin.

Aber so einfach wird es uns Markranstädtern dann doch nicht gemacht. Ein Rätsel bleibt nämlich noch. „Ich bin froh, dass ich mich mit dem Unternehmen einigen konnte“, lässt sich die Bürgermeisterin auf der Webseite der Stadt zitieren. Weiter heißt es da: „Wir haben gemeinsam eine konstruktive Lösung gefunden, die die Interessen beider Seiten berücksichtigt.“

Brillante Stadtarchitektur

Wie diese Lösung aussieht, verrät sie nicht. Schon munkeln welche, dass das Stadtbad Teil der Lösungsformel ist. Was’n Blödsinn. Man sieht’s doch! Es ist der Standort des Müllbehälters im Schatten der Giebelwand, zärtlich umspielt von der Aura der Sitzgelegenheiten. Klare Formsprache plus der Funktionalität folgendes Design ergibt eine geniale stadtarchitektonische Lösung. Walter Gropius würde jubeln.

Egal. Nach dem Medienrummel um diese Provinzposse wird’s vielleicht sogar eine kurze Mitteilung in der New York Times geben, aber damit war’s das dann endlich. Es gibt unwichtigere Dinge in Markranstädt, die um Aufmerksamkeit buhlen.

Zum Beispiel das geplante Biomassekraftwerk in Kulkwitz, für dessen vorlaute Ankündigung sich Leipzigs Stadtwerke-Chef Karsten Rogall bei unserer Bürgermeisterin entschuldigt haben soll. Zwar wurden auch hier wieder Zweifel der ewigen Lallendorfer Kritik-Pessimisten laut, wonach es auf dieser Ebene den Begriff Entschuldigung in Rogalls Wortschatz gar nicht gebe, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr, denn:

Die Katze ist aus dem Sack

In der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses am kommenden Montag, 27. September ab 18.30 Uhr, soll es jedenfalls „Information zum Biomassekraftwerk / Industrielle Abwärme“ geben. Gast: Stadtwerke-Chef Karsten Rogall.

Wie gesagt: öffentlich. Bevor man wieder auf jemanden hört, der einen kennt, der weiß wie einer aussieht, der dabei war, kann man da ja selber mal hingehen.

Sei dabei …

Nicht dass es am nächsten Tag heißt, das Kraftwerk entstehe auf dem Gelände des Stadtbades, weil es wegen der vielen Bäume rundherum Sinn macht und das Bad dann auf dem Alten Friedhof gebaut wird, damit der Bauschutt vom Abriss des Sportplatzes in der Südstraße im Kulki verklappt werden kann.

Solche Gerüchte sind zwar gefundene Leckerbissen für nach Unterhaltung lechzende Satiriker, aber in der realen Welt wenig konstruktiv. Es wird auch so noch lustig genug, darauf können Sie sich verlassen.

Boandlkramers Lieblings-Hit in Schkeitbar

Früher war’s mal so: Wollten Dorfbewohner am Abend ins Konzert gehen, war der ganze Tag gelaufen. Allein die Auswahl der richtigen Schuhe für die Gattin nahm mitunter den ganzen Nachmittag in Anspruch. Aber die Zeiten ändern sich. Noch kommen die großen Klangkörper nicht zum Publikum nach Hause, aber zumindest schon mal ins Dorf. So wie am kommenden Sonntag in Räpitz.

Aber blicken wir erst noch einmal zurück, um die wahre Bedeutung dieses musikalischen Ohrenschmauses deutlich zu machen. Wie war es früher, wenn man zwei Karten fürs Symphoniekonzert ergattert hatte?

Am Vormittag stand der Friseurtermin für die Frau auf dem Plan. Nach dem Essen dann das Aussuchen der Klamotten. Für manche die Qual der Wahl, andere haben für sowas ihren Hochzeitsanzug konserviert. Dann duschen und in den feinen Zwirn schlüpfen. Zuvor aber noch der Frau bei der Auswahl der richtigen Schuhe helfen. Bei der Frage nach „Die oder die?“ reicht ein Fingerzeig selbstredend nicht aus. Eine stichhaltige Begründung muss her, die dann ebenfalls begründet werden muss. Am Ende entscheidet sie sich sowieso für jenes Paar, das der Gatte nicht wollte.

Zwei Stunden später musste sie ihm im Gegenzug den Schlips binden. Weil die Sache mit den Schuhen noch durch ihr Hirn polterte, übte sie sich beim verlockenden Festziehen des doppelten Windsor-Knotens sehr in Zurückhaltung. Anschließend wurde der gute Wagen aus der Garage geholt und ab gings – mit Zwischenstopp an der Sparkasse – nach Leipzig. Über den Rückweg lassen wir den Mantel des Schweigens fallen.

Mozart in Schkeitbar

Alles Geschichte. Heute funktioniert das andersrum und das hat Vorteile, die wir noch gar nicht ahnen. Am Sonntag kommen der Kammerchor Böhlen und das Leipziger Symphonieorchester nach Räpitz. Mozart steht auf dem Plan, als Konzerthalle dient die Schkeitbarer Kirche.

Das heißt erst mal: Nix mit langem Weg nach Leipzig und zurück. Man kann vorher noch in Ruhe die Hühner füttern und die Schweine ausmisten, wer mit Tierhaltung nichts am Hut hat, kann zumindest schon mal mit der Herbstfurche beginnen.

Ein bisschen was zu wählen hat man trotzdem, allerdings nicht mit dem feinen Zwirn. Es ist ja auch Bundestagswahl und so viel Anstand hat sogar der deutsche Michel, dass er nicht in Gummistiefeln vor der Urne aufschlägt.

Die Qual der Wahl ist somit ins Wahllokal verlagert. Aber wo man schon mal im guten Anzug steckt, kann man danach auch gleich ins Konzert gehen. Eine Win-Win-Situation wie aus dem Lehrbuch. Und als wüssten sie schon heute, wie die Wahl ausgeht, haben die Veranstalter ausgerechnet Mozarts Requiem ausgesucht.

Eine Seelenmesse am Wahlsonntag? Na sicher doch! Angesichts der drei zur Wahl stehenden Figuren kann man damit nichts falsch machen. Ein musikalischer Abschiedsgruß an Angie und zugleich ein in Noten gefasstes Omen für jenen, der sich nach ihr ins Amt gemerkelt hat. Es wird ein großer Abend in Schkeitbar.

Alle Infos gibts beim Klick auf das Plakat.

Alle Infos gibts beim Klick auf das Plakat.

 

Allein das Stück selbst hat schon alles, was sich Querdenker und Verschwörungstheoretiker nur wünschen können. Mozarts letztes Werk, eine Totenmesse vor seinem eigenen Tod.

Hat er was gewusst, was wir nicht wissen? Wenn ja, dann hat er trotzdem zu spät angefangen. Nach etwa zwei Dritteln des Werkes hat der Boandlkramer an Mozarts Tür geklopft. „Wir müssen, Wolfi…“

Zu Ende geschrieben haben es dann zwei seiner Schüler. Auch hier ein nahezu seherisches Gleichnis zum aktuellen Wahlsonntag, an dem wir entscheiden sollen, wer Angies Vermächtnis ausbaden soll.

Und es wird dann genauso weitergehen wie mit Mozarts Requiem. Streit liegt in der Luft, ob die „Wir schaffen das“-Weissagung tatsächlich in ihrem Sinne fortgeschrieben wurde.

Zeitloser Klassiker

Und wer jetzt glaubt, dass Mozart nur was für die vom demografischen Wandel gezeichneten Teilnehmer unserer Gesellschaft ist, der outet sich als Unwissender. Selbst die ewig daddelnde Gamer-Generation hat schon Bekanntschaft mit dem Werk gemacht. Im Videospiel „Onimusha 3: Demon Siege“ läuft das Requiem die ganze Zeit im Hintergrund rauf und runter und selbst Spielfilme wie „Command & Conquer 2“ kommen nicht ohne Mozarts letzte Noten aus.

Das alles gibt’s am Sonntag ab 16 Uhr in der Schkeitbarer Kirche live zu erleben. Einer der wenigen Höhepunkte klassischer Musik, der den Schritt aus der Kirche in die großen Konzertsäle geschafft hat und nun wieder dahin zurückkehrt.

Übrigens genau 35 Jahre nachdem Falco dem Komponisten ein Denkmal moderner Pop-Musik gesetzt hatte: Er war Superstar, er war so populär, er war zu exaltiert, genau das war sein Flair. Er war ein Virtuose, war ’n Rockidol und alles ruft noch heute: „Come and rock me Amadeus“.


Karten zum Preis von 15 Euro sind im Pfarramt Kitzen, Brunnengasse 1(Tel. 034203 54841), im Töpferhof Ulrike Rost in Schkölen, Hunnenstraße 26 (Tel. 034444 22913) sowie an der Tageskasse erhältlich. Für Kinder bis 16 Jahre ist der Eintritt in Begleitung eines Erwachsenen frei.

 

Markranstädt erntet eine halbe Tonne Wörldgliehnabb-Tee

Weil beim FDJ-Projekt „Schöner unsere Städte und Gemeinden“ schon lange keiner mehr mitmacht, wurde es in „World-Clean-Up-Day“ (WCUD) umbenannt. Sprich: Wörldgliehnabb-Tee. Es ist wie mit diesen hässlichen Handtaschen, die keiner haben will und dann doch alle kaufen, seit sie „Must-Have“ heißen. Und siehe: Man muss dem Ding nur einen klangvollen Namen geben, schon klappt das. (Fotos: Zwennie)

Weil es einem Satiriker im Leben nicht einfallen würde, anderen Leuten den Dreck nachzuräumen, hat sich unser MN-Kriegsberichterstatter am Samstag einem der WCUD-Aktivisten an die Fersen geheftet und eine Reportage entbunden.

Noch grinsen sie, die 19 selbstlosen Aktivisten, die sich an diesem frühen Morgen auf dem Parkplatz an der Oststraße treffen. Allerdings ist dieser Frohsinn nicht den Aufgaben geschuldet, die vor ihnen stehen. Eher liegt dieser Freude der Umstand zugrunde, dass sie dort noch immer kostenfrei parken dürfen.

Dann teilt sich der Trupp auf. Ich folge einem Erwachsenen, weil der ebenso alt erscheint wie ich und ich mir daher bessere Chancen ausrechne, ihm in dessen Windschatten konditionell folgen zu können. Klappt easy, weil der Suchende, den sie hier Zwennie nennen, alle paar Meter anhält, um sich nach irgendwas zu bücken.

Mit Quizfragen wurden die teilnehmenden Kids ganz spielerisch bei Laune gehalten. Welche Maske muss der prähistorischen ersten Welle zugeordnet werden?

Mit Quizfragen wurden die teilnehmenden Kids ganz spielerisch bei Laune gehalten. Welche Maske muss der prähistorischen ersten Welle zugeordnet werden?

Nach zwei Minuten hat sich Zwennies Engagement finanziell schon amortisiert. Auf dem Weg zwischen dem Kreisel und Miltitz landen auf den ersten zwölf Metern zehn Pfandflaschen in seinem Beutel. Dann plötzlich ein Aufschrei! Triumphierend reckt er zwei Red-Bull-Dosen in die Höhe.

…und sie fliegen doch!

Weil in unserer von Vernunft geprägten Gesellschaftsordnung niemand auf die Idee kommen würde, leere Getränkedosen einfach aus dem Auto zu werfen, gebe es für diesen sensationellen Fund nur eine Erklärung, sagt Zwennie überzeugt. „Die Dinger sind von alleine aus dem Auto geflogen und das ist der wissenschaftliche Beweis, dass Red Bull wirklich Flügel hat“, strahlt er.

Jetzt ist Zwennie nicht nur reich, sondern auch berühmt. Müll suchen lohnt sich, denke ich noch, während mich die nächste Situation eines Besseren belehrt.

Aus dem Gebüsch ertönt ein angestrengtes Ächzen und Stöhnen. Noch während ich einen unbekannten Manager beschuldigen will, dass er ausgerechnet am WCUD seine Sekretärin ins Gebüsch gelockt hat und sie dort vergenusswurzelt, wird der Strauch von Zwennies Hintern geteilt, der sich rückwärts aus dem Unterholz quält.

Stillleben mit Müll: Zwennies Matratze (links) ist am zentralen Sammelort angelangt.

Stillleben mit Müll: Zwennies Matratze (links) ist am zentralen Sammelort angelangt.

Sekunden später kommt auch der Rest seines Körpers ans Licht. Zwennies Hände haben sich wie die Fänge eines Raubvogels in eine Matratze verkrallt, die irgendwann mal aus einem vorbeifahrenden Kinderbett rausgefallen sein muss.

Und wie das so ist, wenn man eine Strähne hat, lauert nicht weit davon schon der nächste Jackpot. Material, Gewicht und Aussehen des mondänen Fundstücks erinnern an einen prähistorischen Anker. Andere WCUD-Aktivisten gesellen sich hinzu und man rätselt gemeinsam, welchem Zweck das Relikt einst gedient haben möge.

Ende der Glückssträhne

Man beschließt, es erst einmal zum zentralen Sammelplatz zu schleppen und an dieser Stelle endet Zwennies Glückssträhne. Er ist es, der mit dieser logistischen Herausforderung beauftragt wird und damit hat er jetzt die Arschkarte.

Was folgt, ist ein Gleichnis wahrhaft biblischen Ausmaßes. Zwennie von Markranstädt schultert das schwere Kreuz und schleppt es, unter den Anfeuerungsrufen der an 14 Stationen zu Zuschauergruppen formierten WCUD-Jünger, hin zum zentralen Müllberg.

Dort stapeln sich am Ende des Tages 184,5 Kilogramm Exkremente gesellschaftlichen Daseins. Klingt viel, ist aber nur ein Fliegenschiss im Vergleich zu dem, was ein anderer Trupp in der gleichen Zeit am Göhrenzer Ufer des Kulki aus den Büschen gezerrt hat. Dort waren es 460 Kilo! Insgesamt haben 47 Markranstädter über eine halbe Tonne Müll gesammelt.

Darum an dieser Stelle auch ein aufrichtiger Dank all jenen Umweltverschmutzerinnen und -verschmutzern (sorry, aber diesen Begriff zu gendern, macht einen Heiden-Spaß), die durch ihr tägliches Engagement dazu beitragen, immer wieder für Nachschub zu sorgen. Was würden wir an Tagen wie diesen ohne sie tun?

Nachhaltiger Lerneffekt

Nicht zu vergessen die pädagogischen Früchte dieses Erntetages. Um die zu überprüfen, hat die Bürgermeisterin hübsch eingewickelte Schokolade mitgebracht, um sie an die jüngsten Müllsucher zu verteilen. Eine Win-Win-Situation. Während die Kids neue Energie aus den Schokostücken lutschen, beobachtet die Lieferantin aufmerksam, wo sie das Papier entsorgen.

Das Schokoladenmädchen verteilt Hilfsgüter an junge Weltreinigungskräfte.

Das Schokoladenmädchen verteilt Hilfsgüter an junge Weltreinigungskräfte.

Nein, es landet nicht im Pappelwald. Die Kids legen es sorgsam zu Füßen jenes Berges ab, auf dessen Gipfel Zwennies Kreuz thront. Die Botschaft hat gewirkt. INRI: In Natur Restmüllentsorgung idiotisch.

Ein paar Selfies noch, damit die Leute 2000 Jahre später wenigstens diesmal glauben, dass das wirklich geschehen ist und dann geht’s ab nach Hause. So lange sich diese Religion nicht überall durchgesetzt hat, kommt der nächste Wörldgliehnabb-Tee ganz bestimmt.

Auf dem Parkplatz voll einen abgepalmt

Mit der Verurteilung von Handlungen ist man in unserer Gesellschaft schnell. Da vergisst einer, ein generisches Maskulinum zu gendern, schon hat er eine #metoo-Kampagne am Hals, ein Anderer gibt versehentlich ein Indianer-Ehrenwort und hat sich damit als Rassist geoutet. Drogenhändlern und anderen Kinderschändern wird dagegen oftmals eine schwere Kindheit attestiert. Wir lernen: Es lohnt sich immer, einen Blick hinter die Straftat zu werfen. Auch in diesen besonderen Fall, der sich am Dienstag in Markranstädt zutrug.

Hinter jeder Straftat verbirgt sich eine Tragödie, man muss sie nur sehen wollen. So war es auch in diesem Fall.

Auf den ersten Blick stand also ein Mann an seinem Transporter und hat an seinem Geschlechtsteil manipuliert. So zumindest das Polizei-Deutsch. Das muss man natürlich erst mal übersetzen.

Den Zapfen gepalmt

Also für unsere jugendlichen Leser: Das Opfer hat vor seinem Reifenlift abgechillt und sich dabei voll den Zapfen gepalmt. Für die seriöse Leserschaft: Der Mann hat masturbiert oder wissenschaftlich ausgedrückt, er hat sich einen runtergeholt.

Dass man dabei nackt ist, zumindest untenrum, leuchtet ein. Beim Taschenbillard versaut man sich nur die Hose. Und auch dass man sowas auf dem Parkplatz macht, ist jetzt nicht sooo ungewöhnlich. Manche sollen es sogar schon auf dem Klo gemacht haben.

Schnell gewaschen

Bei der Armee geschah sowas oft beim Duschen und da musste man sich gegenüber dem Spieß sogar dafür rechtfertigen. Man kann sich schließlich seinen Zapadeus so schnell waschen wie man will. Bloß weil der ein paar Sternchen auf den Schulterstücken hat, darf der da noch lange nicht reinquatschen.

 

Wir Menschen sollten froh sein, dass sowas bei uns überhaupt geht. Man nehme nur mal Pinocchio, die arme Sau. Als er es versuchte, hatte er danach lauter Hobelspäne in der Hand und musste sich seither beim Pieseln hinsetzen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die paar Flecken Onanat auf dem Parkplatz können’s kaum gewesen sein, weshalb der arme Mann nun vor den Kadi gezerrt wird. Weshalb aber dann?

Vielleicht erinnern sich manche noch an die gute alte Bravo, die uns einst im Westpaket erreichte? Okay, aber an das Poster von Pussycat oder Uschi Obermaier auf der Mittelseite sicher weniger. Weil, die haben wir bestenfalls nur drei- vielleicht viermal gesehen. Danach haben wir die Seiten nicht mehr auseinander bekommen.

Reine Gefühlssache

Aber genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Das waren wenigstens Frauen! Unser Mann auf dem Parkplatz hat einen abgewrackten Ford Transit als Vorlage genutzt. Kann das wirklich wahr sein?

Da rät uns die Phantasie, doch lieber mal hinter die wahren Ursachen der Schandtat zu blicken. Der arme Kerl hatte seine letzten Groschen im Markt fürs Abendessen ausgegeben und wollte eigentlich nur nach Hause.

 

Blöd nur, dass der Sprit alle war. Ein Blick auf die von der CO2-Abgabe glühende Preistafel an der Tankstelle ließ ihn derart in Panik ausbrechen, dass er verzweifelt versucht hat, sein Fahrzeug selbst zu betanken.

Bio-Sprit sozusagen. „So ein Ford frisst alles“, hatte der Verkäufer vor 20 Jahren versichert, als er den 30 Jahre alten Gebrauchtwagen gekauft hatte. So – und jetzt kommen wildfremde Leute daher und wollen seine Hand am Bio-Zapfhahn als Manipulation an seinem Geschlechtsteil denunzieren. Eine Sauerei ist das, jawollja.

Aber das ist alles nur graue Theorie. Die Polizei hat, wie sollte es anders sein, ganz bestimmt die Wahrheit geschrieben. Warum wir alle so erschüttert sind, hat eine ganz andere Ursache. Es ist eine fast unscheinbare Randnotiz in dieser Meldung. Eine kleine Zahl nur. Kaum wahrnehmbar neben der Größe dieser Sauerei, die uns so erbost. Es ist die Botschaft, die unseren Neid schürt. Der Mann ist 60 und kann noch!

 

Neues aus der vierten Etage (19) – der zweite Teil

Heute nun Teil 2 der Nachlese zum jüngsten Stadtrat. Das leicht aufgeheizte Klima im KuK war ja lediglich dem Spätsommer geschuldet. Glücklich schätzen konnte sich, wer trotzdem daran gedacht und sich statt Erfrischungsgetränke einen kräftigen Kaffee mitgebracht hat. Ein laaanger Abend warf drohend seine Schatten voraus.

Gleich zu Beginn erlaubte die Bürgermeisterin den Stadträten und Besuchern, ihre Masken fallen zu lassen.

So ändern sich die Zeiten: Vor Corona hätte so eine Aufforderung noch eingeschlagen wie eine Bombe, jetzt wünschte man sich, sie hätte die Hüllen gemeint.

Das hörbare Aufatmen im Publikum schien mitunter dem Umstand geschuldet, dass so manche dieser Masken ihren Träger schon durch die erste Welle begleitet hatte. Doch die Erleichterung über die unerwartete Entblößung des Antlitzes wich schon bald der Erkenntnis, dass die Gesichter noch immer die gleichen sind.

Wie man Beamte auf Trab bringt: Fitness im KuK

Ansonsten viel Fitness im Raum. Manch Stadtrat legte auf seinen Wegen vom Platz zum Mikrofon und retour mehr Meter zurück als sonst im ganzen Monat beim Bierholen aus dem Keller.

Auch Verwaltungskräfte blieben davon nicht verschont. Weil er nach jedem Beschluss zum Zählen der Stimmen aufstehen musste, hat Innenminister André Schwertner an diesem Abend mindestens 14 saubere Hock-Streck-Sprünge hingelegt. Lohn der Anstrengung: Waschbrett-Waden und Oberschenkel wie die Unterarme von Popeye.

Verschollen im Bärenklau: Suchtrupp rückt nicht aus

Bei der Bürgerfragestunde wurde die Hauptperson zunächst schmerzlich vermisst. Noch bevor ein Suchtrupp in die nächstgelegene Bärenklau-Plantage entsendet werden konnte, meldete sich aber schon sein Co-Referent zu Wort. Wenigstens auf den ist Verlass. Und er hat auch Größe. Diesmal brillierte Rüdiger Kunzemann nicht mit einer kritischen Frage, sondern erntete mit einer Danksagung seinerseits Anerkennung.

 

Die Erläuterungen der Ersten Beigeordneten, die ihm in einer Privat-Audienz erklärt hatte, wie man 27 Millionen Euro auf den Kopf haut, haben bei ihm sichtlich Eindruck hinterlassen.

Ganz ohne kritische Nachfrage wollte Kunzemann seinen Platz am Mikrofon dann allerdings doch nicht räumen. Wann denn nun, nachdem auch gerichtlich alles geklärt sei, endlich mal die Stadtmöbel auf der Piazza di Geppert aufgestellt werden, wollte er wissen.

Ich will nur hier sitzen

Die Bürgermeisterin blieb ihm eine ebenso detaillierte wie konkret belastbare Antwort nicht schuldig. Einen konkreten Termin gebe es noch nicht, aber sie werde ihn bekanntgeben, wenn es so weit sei. Was will man mehr? Setzen, der Nächste bitte!

Aber dessen Frage war nicht minder kritisch. Den Frankenheimer Jürgen Bentz – und nicht nur ihn – beschäftigen die 3 x 70.000 Euro, die der Freistaat zur Förderung des ländlichen Raums an die Kommunen gegeben hat. Andere Städte haben das Geld auf ihre Vereine verteilt, in Markranstädt ist der ländliche Raum lediglich auf die Stadthalle beschränkt. Über diese Definition kann man in der Tat mal nachdenken.

Ländliche Förderung zum Mieten

Bei den ersten beiden Tranchen war das Argument, dass die Investition von 140.000 Euronen in die Halle allen Vereinen zugute kommt, noch irgendwie vertretbar. Mit den diesjährigen 70.000 soll aber das Gestühl ersetzt werden.

Davon hat – hochgerechnet – maximal ein Verein wirklich was und selbst der muss dafür eine so satte Miete hinblättern, dass er sich das Gestühl nach zwei Veranstaltungen gefühlt selber kaufen könnte. Aber da auch die Stadträte bei diesem Thema ohrenbetäubend schweigen, verhallte Bentz‘ Frage wie der Schrei des Rufers in der Wüste.

 

Was gab es sonst noch so? Ach ja, die Vergnügungssteuer ist im Keller, informierte Kämmerin Silke Kohles-Kleinschmidt. Grund für den Ausfall dieser wichtigen Einnahmequelle ist wieder mal Corona. Weil die Kneipen geschlossen waren, oxidierten auch die Spielautomaten ungenutzt vor sich hin und nun haben wir den Salat.

Aber da haben die Zocker ihre Rechnung ohne das Rathaus gemacht. Dessen Insassen lassen sich nicht so einfach aushungern und so stand in unmittelbarer Nachbarschaft dieses Punktes die Anpassung der Hundesteuer auf der Tagesordnung.

Anpassung! Bei der Suche nach solchen Gleichnissen ist die Kanzlerin wesentlich kreativer. Sie hätte es wenigstens Negativsenkung genannt und uns auf diese Weise ehrlich verarscht.

Warum der Teufel stets auf den größten Haufen macht

Trotzdem dumm gelaufen für die Lallendorfer Herrchen. Ausgerechnet an diesem Abend hatte sich ein Hund von offenbar nilpferdgleicher Statur mitten auf dem Weg zum KuK einen solch kapitalen Jackpot aus der Falte gedrückt, dass ein barrierefreier Zutritt quasi unmöglich war und einem jeden Stadtrat den Abstimmungsarm instinktiv steif werden ließ. Also ab 1. Januar pro Fußhupe 33 Prozent mehr … nennen wir es „Anpassungsgebühr“.

Das wars auch schon im Großen und Ganzen. Der Stadtrat hatte zwar auch noch zur Kenntnis nehmen müssen, dass er Geld für den Kauf von Kassenautomaten für den Parkplatz an der Oststraße bereitgestellt hat, die gar nicht gekauft wurden, aber vor dem Hintergrund der anderen Pointen war dieser Gag von vornherein ein Rohrkrepierer. Auch Dank der Diskussionen um das Stadtbad gibt es diesmal fünf von sieben Sternen für das Event. Fazit: Noch ist Luft nach oben, aber sie wird immer dünner.

 

Neues aus der vierten Etage (19) – Teil 1

Was ’ne Show! Die Investition von knapp dreieinhalb Stunden wertvoller Lebenszeit hatte sich am Donnerstagabend im KuK voll rentiert. Kann man gar nicht in einem Beitrag zum Ausdruck bringen, was da vor und hinter den Kulissen so alles los war. Die Bürgerfragestunde und die anderen festen Programmteile humoristischen Kulturgutes müssen wir daher später mal unter die Lupe nehmen. Kümmern wir uns erst mal ums Stadtbad.

Um die Diva gibt’s aktuell einen Mörder-Zauber. Da weiß keiner mehr, was hinten und vorne und gleich gar nicht, was gehauen und gestochen ist. Selbst die Bürgermeisterin räumte ein: „Mittlerweile weiß ich nicht mehr, worum es eigentlich geht.“ Wir auch nicht und auf dieser Grundlage erst mal ein kurzer Überblick.

Ein Gutachter soll festgestellt haben, dass sich unter dem Bad mehr Wasser befindet als im Becken darüber. Das Rathaus hält das Projekt, so wie es ursprünglich angedacht war, daher für nicht durchführbar. Also müssen die Planungen nach dessen Meinung gestoppt, die Planungsziele verworfen, neue Planungsziele formuliert und neue Planungen eingeleitet werden.

Damit drohen die Kosten aus dem Ruder zu laufen. Vom einst avisierten Maximalpreis in Höhe von 2,5 Millionen Euro spricht eh längst keiner mehr. Inzwischen machen Zahlen von bis zu 7,5 Millionen die Runde, zuzüglich eine Viertelmillion jährlicher Unterhaltskosten.

Bürgerbegehren

Für die CDU wurde der Preis offenbar langsam zu heiß. Sie wollte das Thema absetzen und den homo marcransis per Bürgerbefragung entscheiden lassen. Immerhin ist ja zu erwarten, dass er bei den drohenden Kosten seinen Gürtel woanders enger schnallen muss.

Durch diesen Vorstoß einer Partei, die sich solchen Plebiszit-Gedanken zumindest auf Bundes- und Landesebene sonst stets erfolgreich verwehrt, fühlten sich andere in ihren basisdemokratischen Grundfesten verletzt. Sofort machte Heike Kunzemann (Linke) einen Satz zum Mikro und verkündete, dass sie ein solches Bürgerbegehren schon längst beantragt habe. Ätsch, Erster!

Den basisdemokratischen Atem des Grünen Tommy Penk im Nacken spürend, der schon genetisch für Bürgerbeteiligung zu haben ist, setzte umgehend auch AfD-Fraktionschef Bodo Walther zum Sprung ans Mikro an.

Die Kernkompetenzen seiner Partei, mit dem Volk gemeinsame Sache zu machen, wollte er weder der CDU noch den Linken kampflos überlassen und verkündete entrüstet: „Einspruch, wir sind hier die Rechtspopulisten!“

Es bleibt das ungelöste Mysterium in Markranstädt gelebter Demokratie, warum es trotz einer solch überwältigenden Mehrheit für eine Bürgerbefragung schlussendlich nicht dazu kam. Abgelehnt, fertig!

Nicht mal Heike Kunzemann fragte mehr nach, was denn nun aus ihrem Bürgerbegehren werden soll. Wahrscheinlich hatte der alte Marx genau so eine Situation vor Augen, als er die Negation der Negation gebar.

Trotz Mehrheit abgelehnt

Normalerweise gebietet es die oberste Bürgerpflicht, nach einer solch offensichtlichen Verarsche aufzustehen und den Saal zu verlassen. Wenn da nicht dieses latente Gefühl der Ungewissheit wäre, dass da noch ein paar andere nicht zu Ende gedachte Ungereimtheiten in der Luft liegen.

Nein, damit sind nicht die seherischen Fähigkeiten der Bürgermeisterin und einiger Stadträte gemeint, die immer wieder die Tatsache formulierten, dass „alle“ Markranstädter das Bad wollen. Vielmehr war in den Diskussionen (von den fast dreieinhalb Stunden ging es knappe zwei nur ums Stadtbad) immer wieder von einem Sonderstadtrat im April die Rede.

Illegale Stadtratssitzung?

Der hat aber definitiv nicht stattgefunden und wenn doch, dann war diese Zusammenkunft rechtswidrig. Auch ein Sonderstadtrat muss öffentlich angekündigt werden. Auch dann, wenn er nichtöffentlich stattfinden soll. Dann muss das auch fundiert begründet werden, denn die Öffentlichkeit ist ein hohes Gut. Beides geschah definitiv nicht. Nicht mal eine Information gab es, ob da was stattgefunden hat und was da besprochen wurde. Was ist da los in der Geheimniskrämerei?

Es kam, wie es beim Blick über die Stuhlreihen kommen musste: Kampfabstimmung. Die Befürworter setzten sich am Ende mit der grünen Karte der Bürgermeisterin als Zünglein an der Waage mit 10:9 durch.

Also alles zurück auf Null, es geht noch mal von vorne los. Neue Planungsziele, neue Ausschreibung, neue Planung, neue Preise. Und wohl auch ein neues Lied: Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut … oder sowas in der Art.

Anbaden am Samstag

So der Stand am Donnerstagabend. Am Freitag gab’s das große Wundenlecken und am Samstag dann eine völlig neue Situation. Anbaden 2021 in der Diva!

Fans des Sachsenligisten Stahl Riesa waren am Samstag beim Anbaden begeistert vom Flair und der Wasserqualität. Vor allem dass die Diva nicht so überlaufen ist wie andere Stadtbäder, wurde als wohltuend empfunden.

Fans des Sachsenligisten Stahl Riesa waren am Samstag beim Anbaden begeistert vom Flair und der Wasserqualität. Vor allem dass die Diva nicht so überlaufen ist wie andere Stadtbäder, wurde als wohltuend empfunden.

Fans des Fußball-Sachsenligisten  Stahl Riesa führten den wohlstandsverwöhnten Markranstädtern vor Augen, dass es sich hier nur um ein Luxusproblem handelt. Das Bad reicht demnach, so wie sie ist, völlig aus, was die den MN zugespielten Fotos eindrucksvoll beweisen. Badespaß ohne Bademeister, ohne teures Edelstahlbecken und nur mit kostenlosem Wasser vom Himmel.

Egal auf welcher Seite man als homo marcransis steht: Es bleibt der Trost, dass man beim Baden auch in den Kulki pullern kann.