Vorwiegend heiter


Die Regeln sind gelockert, die Menschen gehen wieder nach draußen und ja, Kultur gibt es auch wieder. Man lernt neue Leute kennen, bis man merkt, dass sie nur keine Maske tragen. Außerdem, wer kennt es nicht: ein Jahr wohnen auf der Couch, getrieben vom Coronablues – im Wesentlichen nur auf die Toilette, in die Küche und alle zwei Wochen in die Kaufhalle. Man frag sich, was schlimmer ist: die offenen Stellen vom vielen Liegen oder der Geruch des Wohnzimmermobilars, der mit „nach Mensch“ noch recht lieblich beschrieben ist. Derlei Dinge gab es am Freitag im „Ab Ans Ufer“ nicht zu beklagen. (Fotos: Ab ans Ufer)

Frische Luft, angemessene Pausen für leibliches und fußballinteressiertes Wohl, ein Blick auf den See, die erstaunlich stabile, obgleich selbstgebaute Ponton-Brücke und kulinarische Köstlichkeiten bildeten den Rahmen.

Die Herren von Ab ans Ufer sind also begabte Ingenieure, hervorragende Küchenchefinnen und Küchenchefaußen, vor allem aber großartige Gastgeber. Einziger Wehrmachtstropfen: das Fleischerhandwerk ist ihnen völlig fremd.

Die üblichen satirischen Kommentare zur rein vegetarischen Kost gehören daher bei einem satirischen Kabarettabend am Seeufer genauso dazu wie spontane Bemerkungen zur Stadtpolitik und zu spontanen Geschehnissen am Platz.

Das Publikum fühlte sich wohl, genauso wie die Protagonisten. Das lag nicht nur am hervorragenden und vielseitigen Programm, sondern auch am Wissen über Entwicklungen in Markranstädt, das ein Leipziger Ureinwohner – und sei er ein noch so glanzvoller Satiriker – normalwerweise nicht hat. Da freut sich das liebe Lallendorf: Sowas nennt man Wertschätzung und so erzeugt man ein gutes Gefühl.

 

Der satirische Abend begann schon mit satirischem Wetter, das Programm mit dem Titel „Vorwiegend heiter“ gab seinen Einstand mit einigen Regentropfen. Die kurze Verzögerung nutzten einige Gäste, um die Nässe von oben mit zusätzlicher Nässe für das Leibesinnere zu kombinieren. Dann ging es endlich richtig los.

Wenn man eine Bürgermeisterin mit Diplom für angewandte Juristerei von der Fachhochschule hat, liegt das Gleichnis über die Zukunftsicherheit des Gastronomen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen auf der Hand. „Die größten Söhne der Stadt verlieren ihren Job, da bin ich froh, dass ich Gastronom bin“.

Als dann noch Zahlenspiele über das Rentensystem zum Mitrechnen dargeboten wurden, war das für die Satiriker im Publikum wie die Geburt neuer Fragen: Werden die jungen Menschen auch in Zukunft solche Dinge an der höheren Schule lernen, wenn sie von einem Blasorchesterlehrer geleitet wird? Das Abi als gymnasialer Blowjob sozusagen. Ohne Taschenrechner, dafür ganz analog mit neuen Klavieren zum Stückpreis einer Kreiselbepflanzung.

 

Die Wortspiele der Kabarettisten waren freilich besser und gehaltvoller als solch depressives Gedankengut. Vor allem weil man da nicht rechnen musste.

Der Stock stockt nicht, das Pferd fährt nicht, das Volk folgt nicht. DAS Volk ist sächlich, männlich ist es DER Volker und DIE Lore ist weiblich, nämlich die Volklore; Peter Maffay singt über Bio und gekochten Tabaluga als Grünkohl; Politiker sind wie Windeln, man muss sie immer mal wechseln und das Ergebnis ist auch das Gleiche.

Und nicht zuletzt hob dann ein politischer Vergleich zwischen Porno, CDU und Bürgermeisterin die Stimmung ins Unermessliche. Kein Inhalt, kein Dialog, kein Text – der Bildungsauftrag ist einzig der Orgasmus.

Nächster Spaß: 16. Juli

Wer nach diesem Witzewahnsinn und Komikkonzert trotz Zwerchfellkatharr noch konnte, freute sich nach der Veranstaltung schon auf die Premiere des neuen Programms am 16. Juli.

Dann heißt es im Ab ans Ufer „Harte Nüsse“, denn selbst Satiriker haben Anstand. Ursprünglich sollte das Programm „Spur der Keime“ heißen – für den einen oder die andere vielleicht doch zu viel Satire.

Wer also seinen Leib mit körpereigenen Drogen fluten möchte, ohne das teure Zeug auf dem Schwarzmarkt kaufen zu müssen, der sei dabei, der lache, der genieße die wohlige Erschöpfung danach.

 

Countdown zum 145. Kinderfest läuft!

Wenn ein Verein um Aufmerksamkeit für ein Event werben will, schickt er normalerweise seine heißesten Fackeln nach vorn, die dann vor den Kameras ihre Möpse hüpfen lassen. Weil die Erwartungshaltung des Publikums bei einer 145. Auflage jedoch mindestens ebenso unter der Schwerkraft leidet wie gleichaltrige Herzkranzgefäße, hat sich der Markranstädter Kinderfestverein eine bessere Lösung ausgedacht: Er lässt diesmal Noten hüpfen – und zwar gleich fünf Tage lang, vom 15. bis 19. Juli.

„Noten hüpfen hin und her – Musik zu machen fällt nicht schwer“, lautet das Motto des diesjährigen Kinderfestes. Nur zur Erinnerung: Vor 175 Jahren wurde das Erste gefeiert und weil 30 Feste ausgefallen sind, startet in diesem Jahr die 145. Auflage.

Die Abhängigkeiten sind zwar über die Jahrzehnte die gleichen geblieben (Geld, Behördengenehmigungen, Wetter und so), aber in diesem Jahr kommt noch eine weitere dazu: Die Inzidenz. Weil man die nicht planen kann, hat der Verein auch erstmal nur ein Rahmenprogramm verabschiedet mit Punkten, die auf alle Fälle stattfinden.

Vereinssitzung in Corona-Zeiten.

Vereinssitzung in Corona-Zeiten.

Demnach wird es am Samstag, 17. Juli, einen Lampion- und Fackelumzug geben, dem sich das traditionelle Feuerwerk anschließt. Neu wird allerdings der Ort des Events sein, es findet diesmal am See statt. Da haben dann auch die internationalen Fotografen endlich mal andere Motive vor den Linsen als immer nur deutsches Separatorenfleisch.

Fünf tolle Tage

Am 18. Juli und damit der sonntäglichen Tradition folgend, wird sich der legendäre Umzug durch Markranstädt ziehen. Obwohl dafür noch nicht mal richtig Werbung gemacht wurde, haben schon über 300 Teilnehmer mit 12 Wagen zugesagt, informiert Vereinschefin Sandra Thuselt.

 

Wo genau die Umzugsstrecke verläuft, steht noch nicht fest, weil die behördliche Genehmigung samt Auflagen über die Rolle der Bedeutung und Stempel noch aussteht.

Mitglied durch meckern

„Wir bereiten das alles im Ehrenamt nach Feierabend vor“, erläutert Sandra Thuselt das Problem, ab 17 Uhr noch einen Ansprechpartner in einer Behörde anzutreffen oder wenigstens telefonisch zu erreichen. Ist aber eigentlich auch egal. Der Festumzug hat eh noch nie pünktlich begonnen und egal durch welche Straßen er führte, ist er auch noch nie ohne Stau ausgekommen.

"Immer bereit!" Impressionen aus einer Zeit, in der nicht mal Corona-Viren über die Grenze gekommen wären.

„Immer bereit!“ Impressionen aus einer Zeit, in der nicht mal Corona-Viren über die Grenze gekommen wären.

Apropos Ehrenamt und Vereinsmitglieder: Wie man erfolgreich Personalpolitik betreibt, zeigt das Beispiel des heutigen Vereins-Vize Thomas Mamitzsch. Er habe damals auf der Festwiese gesessen und den Markranstädter Tugenden des Meckerns gefrönt, erinnert sich ein Vereinsmitglied. Bier zu warm, Gras zu hoch, Musik zu leise, Klo zu weit weg … weiß der Geier was noch alles.

Am Ende sei Gerald Ludwig der Kragen geplatzt und er habe Mamitzsch zur nächsten Vereinssitzung eingeladen, um es besser zu machen. Ob er freiwillig kam oder Ludwig ihm drohen musste, ihn mit dem Trabbi hinzufahren, ist nicht überliefert. Fakt ist: Mamitzsch kam, trat in den Verein ein und ist heute Vize-Chef.

 

Auch sonst hat der Kinderfestverein die Pandemie ganz gut überlebt. Er wird sogar wieder verstärkt genutzt, um für die Interessen anderer Vereine herhalten zu müssen. So wurde letztens in Stadtrat für neues Gestühl in der Stadthalle geworben, weil solches auch von den Kinderärschen bei der Festeröffnung durchgesessen wird. Insider wissen, dass die Kids in Wahrheit auf den Traversen sitzen, was man von den jeckischen Weibern wiederum nicht sagen kann.

Das Dreigestirn lädt zum 145. Kinderfest.

Das Dreigestirn lädt zum 145. Kinderfest.

Und auch wenn das Fest diesmal am Kulki stattfindet, dürfen Misstöne erwartet werden. Zwar wird es keine Kleingärtner geben, deren in den Lauben abgestellten Kinder vom Feuerwerk aus dem Schlaf geschreckt werden, dafür soll es dort hinten jede Menge private Messtechnik geben, die ab 21 Uhr jeden Bierrülpser aufzeichnen und volley in die Cloud des Bundesemissionsamtes hochladen.

Noch einiges in petto

Aber schauen wir nach vorn. Sandra Thuselt und ihr Team haben auch noch Straßenkünstler, kleine Konzerte oder Mitmach-Workshops in petto. Ob das was wird, liegt am Inhalt der am 15. Juli geltenden Corona-Allgemeinverfügung. Aber den Bundestagswahlen sei Dank geht niemand davon aus, dass potenzielle Wähler vor diesem Ereignis missgestimmt werden, indem man die Zügel wieder anzieht. Es wird alles gut – und das 145. Kinderfest erst recht.

 

Urlaubstipps für Markranstädter ohne Reisepass

Es wird gelockert was das Zeug hält. Wer kann, verlässt Markranstädt und fliegt in den Urlaub. Viele kommen aber nur bis zum Flughafen und stellen dort fest, dass Personalausweis und Reisepass abgelaufen sind. Was nun? Die Markranstädter Nachtschichten haben in der vergangenen Woche mal nach ein paar alternativen Zielen recherchiert, die zu besuchen sich lohnt. Allesamt mit dem Auto zu erreichen und allein deren Namen versprechen bereits Urlaubserlebnisse, von denen man noch seinen Enkeln erzählen kann.

Heißer Spaß im „Kalten Muff“

Nur rund 125 Kilometer von Markranstädt entfernt, auf halbem Wege zwischen Ehrenfriedersdorf und der Therme Wiesenbad gelegen, befindet sich sich ein Ausflugsziel, das vor allem an heißen Sommertagen interessante Abkühlung verspricht.

Nomen est Omen: Hier kehrte früher auch der berühmte "Kalte Bauer" ein.

Nomen est Omen: Hier kehrte früher auch der berühmte „Kalte Bauer“ ein.

Es handelt sich um ein Rasthaus mit dem vielversprechenden Namen „Kalter Muff“. Okay, vielleicht ist es nicht gerade ein Erlebnis-Ressort, das man mit der ganzen Familie ansteuern sollte. Man weiß ja nie, welche Inhalte sich hinter diesem Urlaubsangebot verbergen. Kommt die Wahrheit der Phantasie allerdings halbwegs nahe, lauert dort wohl eine „Vater-ohne-Kind-und-Kegel-Kur“.

Dort kann man jungen Pflegerinnen an heißen Sommerabenden Eiswürfel in die Mumu gleiten lassen und sie dann anschließend on the rocks genießen. Irre! Wir lernen: Warum nach Jamaika fliegen, wenn das Gute schmilzt so nah?

Ostsee-Feeling in den Alpen

Ähnlich muss es sich mit einem landwirtschaftlichen Anwesen verhalten, das in Österreich auf uns Markranstädter Urlauber wartet. Dort sind die Corona-Inzidenzen inzwischen so weit gesunken, dass sogar der deutsche Piefke wieder hin darf.

Man ist in den Alpen und es riecht trotzdem irgendwie nach Ostsee.

Man ist in den Alpen und es riecht trotzdem irgendwie nach Ostsee.

Bei Innsbruck wird man nach einem beschwerlichen Aufstieg mit einem entspannenden Aufenthalt auf der Mösl-Alm belohnt. Wie der Name bereits ahnen lässt, sollte der germanische Wandersmann auch in diesem Falle seine Frau lieber am heimischen Herd lassen. Dort kann sie wahlweise Essen oder vor Wut kochen, während der Gatte im Gras der Almwiesen nach Mösln sucht.

Wohl dem, der Corona bereits hinter sich hat. Eine Folge der Infektion soll ja der Verlust des Geruchssinns sein.  Nur so kann man die Bergwelt auf der Mösl-Alm genießen, ohne durch den Duft nach Ostsee abgelenkt zu werden.

Auf Pilgertour zu St. Phallus

Nach so vielen Tipps für männliche Erholung abschließend noch ein lohnenswertes Ziel für selbstbewusste Damen. Lassen Sie ihren Womanizer getrost zu Hause und brechen Sie auf zum kleinen Örtchen Rot an der Rot, der „Perle an der Oberschwäbischen Barockstraße“.

Peinlich: Hat nur zweisechzig und prahlt auch noch damit.

Peinlich: Hat nur zweisechzig und prahlt auch noch damit.

An dieser künstlerisch effektvoll gestalteten Installation aus Lüftelmalerei und Verkehrszeichen sollten Sie allerdings etwas Zeit mitbringen. Die ohnehin unglaubwürdigen Argumente, wonach es auf die Größe nicht ankommt, werden von Scharen neugieriger Damen ad absurdum geführt, die dort Schlange stehen, um einen Blick hinter das Schild werfen zu können.

Klar, die lächerlichen Zweisechzig hat auch jeder Markranstädter zu bieten. Mindestens! Aber bei St. Phallus, dem Stadtheiligen von Rot, wirkt das mit Schild eben eindrucksvoller. Also dann viel Spaß, denn „Träumen gehört zum Urlaub!“

Neues aus der vierten Etage (17)

Mit 25 Punkten auf der öffentlichen Tagesordnung hatte der Stadtrat am Donnerstag einen Blockbuster vor der Brust. Obwohl sie in den Reihen der Privilegierten sitzt und damit zumindest mit Getränken versorgt wird, hatte Stadträtin Birgit Riedel mit dem niederen Promuchel Mitleid und sorgte dafür, dass die Vorstellung in zwei Akte geteilt wurde. Da konnte das leidgeprüfte Publikum seine durstigen Mäuler in der Pause wenigstens auf dem Klo mal unter den Wasserhahn halten.

Wir lernen: Gastfreundschaft ist nicht so das Ding unseres Stadtrats. Sowohl bei den Hygienemaßnahmen mit Glasscheibe zwischen jedem Tisch als auch bei der Versorgung mit Getränke-Dreierlei auf dem Platz, lassen sie das einfache Publikum schon beim Betreten wissen, welcher Bereich des Saales hier Wandlitz ist und wo die Klasse der Arbeiter und Bauern applaudieren darf.

Gleich zum Beginn gewährte die Bürgermeisterin einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben. Besser gesagt in ihre Vorlieben. Da mag so mancher Zuschauer enttäuscht gewesen sein ob des Politik-Fetisch, der sich da offenbarte. Als sie in der Tagesordnung zu Punkt 1.3. kam, ließ Nadine Stitterich jedenfalls wissen: „Kommen wir nun zu meinem Lieblingspunkt in der Tagesordnung: Benennung der Protokollanten.“

Wer hätte das gedacht? Mit so einfachen Dingen kann man die Bürgermeisterin glücklich machen. Wer also noch ein originelles Geburtstagsgeschenk sucht, sollte sich einen Protokollanten vormerken. Geimpft, entwurmt und möglichst schlicht verpackt, kann man damit nachhaltig punkten. Man kann schließlich nie wissen, wann man sie mal braucht. Irgendwann könnte man auch vor Deinem Haus mal Stadtmöbel errichten wollen.

Neue Ehrenbürgerin

Im nächsten Punkt wurde Hanna Kämmer als Ehrenbürgerin vereidigt. Die höchste Auszeichnung Markranstädts wird einem, wenn überhaupt, traditionell erst im hohen Alter zuteil. Laudator Micha Unverricht hat die Gelegenheit genutzt, sich dafür schon mal selbst ins Spiel zu bringen, indem er dem Publikum seine eigenen Leiden fortgeschrittenen Alters offenbarte. Quasi blind erklomm er das Podium, um am Pult öffentlichkeitswirksam festzustellen, dass er seine Lesebrille vergessen hatte.

Wenn er die Grabenkämpfe bis dahin überlebt, könnte Unverricht damit irgendwann so um das Jahr 2098 der nächste Ehrenbürger werden. Ob es allerdings erstrebenswert und wirklich eine so hohe Auszeichnung ist, gemeinsam mit Hitlers Steigbügelhalter, der zudem nie in Markranstädt war, auf einer Liste zu stehen? Allein die Stadträte wollten solche Töne bislang nicht hören oder lesen, obwohl sie ihnen allein von den Markranstädter Nachtschichten schon jahrelang gebetsmühlenartig vorgetragen werden.

 

Den Aufruf des Punktes „Einwohnerfragestunde“ könnte sich Nadine Stitterich inzwischen getrost verkneifen. Es würde die Ankündigung reichen: „Und nun erteile ich Ronald Gängel und Rüdiger Kunzemann das Wort“. Weil jeder Bürger maximal zwei Fragen stellen darf, war Stitterichs Geduld bei Kunzemann bald aufgebraucht und sie unterbrach ihn deshalb. „Sie haben schon mindestens 5 Fragen gestellt“, ließ sie ihn vom Stand ihrer Strichliste wissen. Der Bürger konterte die bürokratische Zurechtweisung mit dem Hinweis: „Ja! Es werden ja auch immer mehr.“

Es folgte ein zäher, endlos langer Akt der Beschlussfassungen, welcher schließlich von einem Embargo-Vorschlag aus den Reihen der CDU beendet wurde. Pause! Wie menschlich ist das denn?

Schach mit Kindern

Danach gings mit Hick-Hack um die Schulnetzplanung weiter. Wenn man neun Schüler hierin verschiebt, bekommt man vom Land acht Lehrer da und dort hin; teilt man drei Schüler hierin und fünf dahin auf, gibt’s vom Freistaat nur sieben Pädagogen. Irgendwie so jedenfalls.

Weil es auch um Großlehna ging, hatte Carina die Große ihre Schritte erst ins KuK und dann ans Mikrofon gelenkt. Rhetorisch geschliffen, da ist ihr nach wie vor kein anderer Wortführer des hohen Hauses gewachsen, und die Argumentationskette astrein geölt, ließ sie ihre Version von der Aufteilung der Schulbezirke wissen. Sie reichte von der Genesis über die aktuelle Situation bis hin in die Zukunft.

Vielleicht hätte sie dafür sogar stehende Ovationen verdient und noch vielleichter hat sie sogar mit diesen geliebäugelt. Aber Radon konnte es wieder mal nicht lassen, persönliche Noten in die Komposition einfließen zu lassen. Mit der mehrfachen namentlichen Erwähnung ihrer Feindbilder verpufften die wirkungsvollen Akkorde des Oratoriums in den Ohren vieler Zuhörer schließlich zu einer individuell motivierten Sakraloperette. Eigentlich schade vor dem Hintergrund, dass allein schon ihre Argumente genug Gewicht hatten.

Das Finale der aktuellen Folge „Neues aus der vierten Etage“ bildeten dann – mal wieder – die inzwischen schon legendären Stadtmöbel. Da gings erneut heiß her im hohen Haus.

 

Den Stein ins Rollen brachte – mal wieder – SPD-Chef Frank Meißner. CDU-Vize Unverricht sprang ihm – mal wieder – sofort bei. Allerdings redete er sich diesmal derart in Rage, dass seine Frau am gleichen Abend wohl noch die drei oberen Knöpfe seines Hemdes annähen musste.

Wo Rede ist, gibt’s auch Gegenrede. So wünschte AfD-Chef Bodo Walther jedem, der für die Aufstellung der Stadtmöbel ist, ein verstopftes Klo. Allerdings ließ Walther zugleich geografische Zweifel an der Standortauswahl des Mobiliars aufkommen und verortete diese, weil’s wahrscheinlich öffentlichkeitswirksamer ist, gleich mal in die Einfahrt des Grundstücks. Mit dieser visionären Neuigkeit war das Auditorium dann offenbar so überfordert, dass die Diskussion schlagartig verebbte.

Der Klo-Fluch

Kurz und gut: Die weißen Tauben sind müde. Der Ältestenrat hat den Schwarzen Peter der Bürgermeisterin zugeschoben und die soll das jetzt alleine entscheiden. Weil sich aktuell sowieso keine Firmen an den Ausschreibungen der Stadt beteiligen und daher grade sowieso nichts zu tun ist, will Stitterich ihr Bauamt mal ein paar Varianten planen lassen. Mit der Zielstellung, das Areal unter dem Baum mitten in der Einfahrt so mit Stadtmöbeln zu bepflanzen, dass Markranstädt auch in Zukunft noch sorgenfrei kacken kann.

Einzig für die Bürgermeisterin bleibt die Situation im wahrsten Sinne des Wortes beschissen. Alles andere als die Aufstellung eines Tisches und zweier Bänke ist ein Einknicken der öffentlichen Hand vor privaten Interessen, zumal man sich dann auch nicht des Prozessrisikos vor Gericht hätte aussetzen müssen. Wird hingegen eine Alternative gewählt, kommt das einem Öffnen der Büchse der Pandora gleich. Dann kann künftig ohne Zustimmung des dahinter wohnenden Anrainers nicht mal mehr ein Blumentopf auf dem Fußweg aufgestellt werden.

Die Provinzposse, inzwischen beim Upgrade 8.2 angekommen, wird wohl auch in diesem Jahr das Sommerloch füllen. Aber besser diese Öffnung als den Abfluss der Toilette. Bleiben wir also optimistisch, auf dass wir auch morgen noch kraftvoll spülen können. Und lasst uns das Pressen auf der Toilette nicht mit Erpressung im wahren Leben verwechseln…

 

… und verschließ uns unsere Aerosolausgänge!

Die aktuelle Lage zeigt es deutlich: Wenn die Sonne scheint, sind die Menschen nicht mehr zu halten! Keine Allgemeinverfügung der Welt, sei sie von Bund, Land, Landkreis, Stadt, Dorf oder dem Stammesältesten erlassen, scheint dann mehr zu gelten. Es hat sowieso niemand den Überblick darüber, was wo grade gilt. Aber irgendwas fehlt trotzdem noch …

Unsere Volontärin Tusnelda Babelei hat sich mal mit der drohenden vierten Corona-Welle beschäftigt. Ausgangspunkt ihrer Studie sind die Aerosole. Ein kreuzgefährliches Zeug, das nicht einmal vor Politikern Halt macht.

Aerosole gelten als Hauptinfektionsträger der Corona-Viren. Es handelt sich dabei um so kleine Luftpartikel, die wir ausstoßen und an die sich die kleinen Coronen und Coroninnen dranhängen, um sich daran zum nächsten Wirtstier zu hangeln. Die Bereiche, in denen es Aerosole gibt, nennt man Spreaderzonen.

Heute schon gespreadet?

Spreaderzonen wurden bislang dort vermutet, wo Aerosole aus unserem Körper gelangen. Also an jenen Ausgängen, an denen sich Husten, Niesen oder andere von Auswurf begleitete Körperreaktionen den Weg in die freie Natur bahnen.

Das ist oft mit einer ziemlichen Sauerei verbunden. Wer im Theater seinem Vordermann schon mal in den Rücken geniest hat, wird die Peinlichkeit der Situation spätestens dann verstanden haben, wenn dessen Gattin ihm in der Pause den angetrockneten Auswurf im Ganzen vom Rücken seines Sakkos gezogen hat.

Mund zu beim Niesen!

Darum galt auch vor der Pandemie schon: Beim Niesen immer Hand vor den Mund halten. Während der Pandemie haben wir dann infolge des beispielhaften Umgangs mit der Ethnie der Querdenker gelernt, den Mund grundsätzlich zu halten. Ist besser so. Was sich dahinter so angestaut hat, schießen wir seitdem hygienegerecht via Kutscherpfiff durch die Nase in die Armbeuge.

Nun hat aber die Evolution für eine unangenehme Besonderheit gesorgt, die bislang wegen der kalten Jahreszeit zu vernachlässigen war und die deshalb niemand auf dem Schirm hatte. Unsere Nase und der Mund sind nicht die einzigen Öffnungen, aus denen wir spreaden können.

Genau das könnte nun zum Problem werden und für eine vierte Welle sorgen, befürchten Wissenschaftler. Denn die anderen Auslassöffnungen sind eigentlich so platziert, dass sie durch unsere Beinkleider sozusagen mit einer natürlichen Maske bedeckt sind. Normalerweise. Also im Alltag.

Spreaden am Strand

Am Strand – und hier speziell am FKK-Strand – neigt Mensch jedoch bekanntlich dazu, auch eben diese Maske fallenzulassen. Und genau da lauert die Gefahr einer vierten Welle und genau deshalb werden neben den Sitten- auch die Gesundheitspolizisten in diesem Sommer hart durchgreifen!

Safer-Bathing am FKK-Strand: "Kann ich so gehen?"

Safer-Bathing am FKK-Strand: „Kann ich so gehen?“

Reden wir zunächst nur mal von der Flatulenz, die man landläufig auch als Darmwind kennt. Es gibt sie in trockener und feuchter Ausführung, mal als kalte und auch so genannte heiße Fürze, mal leise, dann piepsend und schlussendlich auch die ganz lauten, bisweilen sogar schmerzhaften Auslassungen.

Liebhaber von Hülsenfrüchten kennen sich damit bestens aus und können deshalb auch rechtzeitig unterscheiden, welche Variante da gerade im Anmarsch ist. Besonders unangenehm am Strand ist es, wenn man nach einer kompletten Salve Dauerfeuer leichtsinnig wird und man zu spät feststellt, dass da beim letzten Schuss neben Luft auch etwas Land mitkam.

Luft, Land und Wasser

Zwar könnte man an keinem besseren Ergebnisbild auch nur annähernd so überzeugend die Streuwirkung einer Spreaderzone veranschaulichen, aber es bleibt, was es ist: Ein beschissenes Beispiel.

Im Gegensatz zum Husten oder Niesen, was man neuerdings in die Armbeuge (wohlgemerkt: die eigene!) vollzieht, ist es uns beim Flatulieren genetisch nicht vergönnt, den Vorgang hygienegerecht auszuführen. Es ist schlichtweg unmöglich, sich mit dem Anus in die Kniekehle zu pupsen. Weder im Schneidersitz noch bei anderen Verrenkungen.

Gegenseitig ja. Also beispielsweise bei der 69-er Stellung. Es soll zwar auch Leute mit gewissen Vorerkrankungen geben, die ihren Prolaps wie einen Gartenschlauch in die Kniekehle legen können, aber die meiden FKK-Strände schon aus anderen Gründen.

Damit soll unsere Vorstellungskraft zur Genüge strapaziert sein. Ersparen wir uns deshalb den Hinweis darauf, dass es auch noch ganz andere Öffnungen gibt, aus denen Winde entfleuchen können. Lesen Sie einfach das Kamasutra oder schauen sie bei Wikipedia unter Flatus Vaginalis nach.

Der Hot-Spot in der Hose

Fakt ist jedenfalls, dass man mitten in einer Pandemie nicht so einfach komplett entblößt unter Menschen gehen kann. Auch und gleich gar nicht am FKK-Strand, der so zum Hot-Spot werden könnte. Diese Infektionswege auf den Strandtüchern kriegt man mit keiner App der Welt nachvollzogen!

Nachdem ein Unterwäsche-Hersteller seine überschüssigen Zwickel schon heute als Schutzmasken für Blasinstrumente auf den Markt wirft, sollte es doch langsam an der Zeit sein, auch am Ufer des Kulki für Ordnung zu sorgen. Vielleicht findet sich ein Hersteller von Kopftüchern für den Unterleib?

Wer einen Arsch mit Ohren hat, kann die Gesichtsmaske nachnutzen.

Wer einen Arsch mit Ohren hat, kann die Maske aus der ersten Welle nachnutzen.

Das einzige Problem für Hüftmasken ist deren Befestigung. Weil es keinen Arsch mit Ohren gibt, müssen sich die Ingenieure da eine andere Lösung einfallen lassen als bei den FFP-2-Gesichtsmasken. Vielleicht so eine Art Einbaufilter?

Reich werden mit Corona

Als Basis-Modell „Lativ“ reicht da schon eine Schraubmanschette mit Halbzoll-Gewinde. Die Sonderausführung „Superlativ“ könnte dann beispielsweise vibrieren und wäre doppelt so teuer.

Sie sehen: Die Zeit der Geschäftsideen mit Corona ist noch lange nicht vorüber.

Gefahren im Schatten der Pandemie

Wenn schon nicht in aller Blutbahn, ist Corona zumindest in aller Munde. Die Bedrohung ist bedrohlich, lenkt sie uns doch von allerlei Gefahren ab, die sonst noch so auf uns lauern. Neben Messer, Schere, Gabel und Licht gibt es noch tausend andere Fallen im Hausstand, die uns nach Leben und Gesundheit trachten. Pici Formes hat sich mal eine davon herausgegriffen. Unfreiwillig!

Ich bin mit meiner Hündin spazieren gegangen und dabei auf dem Haufen eines anderen Hundes so dumm ausgerutscht, dass mein Wadenbein brach. Hörbar, was die Diagnose selbst für eine Laiin wie mich eindeutig machte.

Leider landete ich zudem mitten in Brennesseln und die Hündin war mir auch keine große Hilfe. Das Tier entdeckte direkt hinter seinem verunfallten Frauchen ein Mauseloch. Nett, dass das fürsorgliche Haustier für Proviant sorgt, dachte ich so, als es auch noch zu regnen begann, während ich neben der Bundesstraße auf die SMH wartete.

Speed auf Rezept

In Brennesseln liegend, nass geregnet und mit immer dicker werdendem Knöchel, kann einem nur ein Malteserteam der Schkeuditzer Heliosklinik wieder zum Grinsen verhelfen. Ein irres Zeug, das die einem da in die Venen spritzen. Man könnte glatt süchtig nach Wadenbeinbrüchen werden.

Die Versorgung war so klasse, dass ich, dienstagmittags verunfallt, drei Stunden später operiert, sechs Stunden später wieder wach und drei Tage später zu Hause war. Hinkend, versteht sich, mit diversen Hilfsmitteln versehen, die als „Unterarmstützen“ bezeichnet werden.

Mit Dope vom Doktor in der Blutbahn hat man gut lachen.

Mit Dope vom Doktor in der Blutbahn hat man gut lachen.

Und dann erst wird es natürlich spannend, denn zu Hause – man ahnt es – ist es kreuzgefährlich.

Beim Betreten des Balkons geschah der nächste Fehltritt. Von langer Hand geplant freilich, denn hinter der Idee, quer über den Balkonzutritt eine Rollschiene für die Tür zu verlegen, kann nur die Pharmaindustrie stecken.

Wie 1000 Corona- Spritzen

Trotz Unterarmstützen entschied ich mich noch im Moment des Fallens, bloß nicht auf den nur mit 20 kg belastbaren operierten rechten Fuß zu stürzen. Die Zeit des Fallens, laut Tafelwerk 9,81 Meter pro Sekunde, vergeht allerdings zu schnell, um unterwegs Alternativen abzuwägen. Wahrscheinlich hätte ich mich sowieso für eine Variante entschieden, die naturwissenschaftlich gar nicht möglich ist.

Wo die fehlenden Stacheln dieses Bio-Womanizers stecken, kann man nur raten.

Wo die fehlenden Stacheln dieses Bio-Womanizers stecken, kann man unschwer erraten. Auf alle Fälle war das Event nachhaltig.

Die Physik zwang mich gerade noch zu einem beschleunigenden Schritt, der mich – den Kopf voran – geradezu mitten in die auf unserem Balkon liebevoll gesammelte Botanik meines Mannes hechten ließ. Ich liebe meinen Mann. Er hingegen liebt nicht nur mich, sondern auch Kakteen.

Das bekomme ich in den folgenden Stunden unter körperlichen Schmerzen zu spüren, als er jeden einzelnen Stachel, den er mit vorwurfsvollem Blick aus meinem Leib zieht, dem jeweiligen Kaktus zuordnet und ihm mit entschuldigenden Worten Trost für den Verlust zuspricht.

Wem schon mal wenigstens ein Dorn eines Stetsonia coryne aus dem Bauchnabel gezogen wurde, der weiß einen Wadenbeinbruch zu schätzen. Oder eine Wurzelbehandlung per Darmspiegelung. Nur so viel noch: Sein Lieblingsexemplar, ein klavertes Monster mit der Bezeichnung Schwiegermutterstuhl, hat meine Bauchlandung auf ihm besser überstanden als ich.

Es ist übrigens auch bei einem Sturz in Kakteen ein völlig natürlicher Instinkt, dass man sich mit den Händen schützen und den Fall mit den Armen abfedern will. Da kannst du echt nichts dagegen machen. Da ist es ganz blöd, wenn man seine perforierten Extremitäten anschließend in Unterarmstützen zwängen muss, um sich mit einem gebrochenen Bein fortbewegen zu können.

Kurzum: Mit gebrochenem Bein habe ich jetzt eh viel Zeit. Also sitze ich auf einem Rollhocker, während die letzten Stacheln aus mir herauseitern und die Hündin sich derweil zum Assistenzhund weiterbildet. Sie kann jetzt schon meine Socken von Spielzeug unterscheiden, bringt mir aber immer noch Highheels, wenn ich um Sneaker bitte. Doch das sind verzeihliche Fehler. Nur der Stylist findet es komisch, wenn ein Mensch einseitig eine Socke trägt und am anderen Fuß einen Mörderabsatz hat.

Wahrscheinlich sollte ich lieber zur Arbeit gehen, wie alle anderen Menschen, die lieber in Sicherheit leben. Einen homeofficetauglichen Beruf habe ich zwar nicht, aber vielleicht ist das ja auch besser so. Auf Arbeit gibt es keine Kakteen und keine Hundehaufen, dafür jedoch Rollhocker. Man kann sich zwar bei Kollegen mit Viren anstecken, aber ehrlich, was soll denn daran gefährlich sein?