Ausnahmsweise verschreibungspflichtig: Die Wochenrückschau

Den Rückblick auf die vergangene Woche wollen wir diesmal ausnahmsweise nicht nur durch die gefärbte Markranstädter Brille wagen. Draußen in der Bundesrepublik wurden uns nämlich auch so einige Schmunzler serviert. So hat sich unser Ministerpräsident jetzt als Transe geoutet, Annalena Baerbock hält sich neben ihrer Familie auch noch einen Mann und zwei Töchter, um nicht als Ann Alleina auf den Bundestrhron steigen zu wollen  und, um auch Lallendorf mal kritisch zu betrachten, in den Regalen der Markranstädter Supermärkte ist ein deutlicher Rechtsruck festzustellen. Nicht zuletzt gibts auch Neues über die Markranstädter Stadtmöbel, dem heißesten Anwärter für die Aufnahme in die UNESCO-Liste satirischen Weltkulturerbes.

So sind sie, die Grünen. Vor allem die grünen Frauen, die vielerorts als Erfinder*innen des Feminismus gelten.

Ist in den eigenen vier Wänden alles im Lot, reicht es ihnen plötzlich nicht mehr, eine Familie zu haben. Um das Glück vollkommen zu machen, müssen dann auch noch ein Mann und zwei Töchter her.

Nachdem bereits in ihrer Vita einige Parallelwelten zu Tage traten, ist das ein weiterer Hinweis auf das, was uns in einer Kanzlerschaft erwartet. Da genügt dann auch ein Kabinett nicht mehr und es droht uns ein Ministerrat.

Die Staatstranse

Neues meldeten die Medien auch aus dem Hause Kretschmer. Angestachelt von den Erfolgen unserer Fußballer, die ihre Titelambitionen bei der EM zumindest im beidhändigen Schwenken von Regenbogenfahnen nachhaltig unter Beweis stellen konnten, hat unser Ministerpräsident endlich den Mut gefunden, sich zu outen.

Bei der Vergabe des Sächsischen Unternehmerpreises verblüffte unsere neue Staatstranse mit einer im androgynen Wuchs formvollendeten Gestalt. Ganz in Gold gehalten, ist unsere „Gonndschidda Wurscht“ (r.) nun der Stolz aller Sachsen.

Kommen wir aber nun nach Markranstädt. Hier tun sich in den Regalen der Supermärkte seltsame Dinge.

Braun auf dem Vormarsch

Einen Rechtsruck gar wollen Kunden ausgemacht haben. Grund ist das Angebot im Marktsegment Kandiszucker. Den gibt es neuerdings nur noch als Braunen. Ist das jetzt schon Rassismus? Müssen wir um Weißen kämpfen?

Kein Scherz: Weißer Kandiszucker ist nicht erhältlich. Dieser unerträgliche Rassismus in unserer Gesellschaft hält nun auch Einzug in die Sppermarktregale.

Kein Scherz: Weißer Kandiszucker ist nicht erhältlich. Dieser unerträgliche Rassismus in unserer Gesellschaft hält nun auch Einzug in die Sppermarktregale.

Unser Reporter vor Ort stieß bei seinen Recherchen auf noch viel tiefere Abgründe. „Die Verkäuferinnen wissen nicht einmal mehr, dass es überhaupt weißen Kandiszucker gibt“, stellte er fest. So weit ist es also schon gekommen.

Fußläufig mit S-Bahn

Eigentlich auch was mit Markranstädt hat eine unscheinbare Pressenotiz aus Markkleeberg zu tun. Noch vor zwei Jahren ließ sich Markranstädt medienwirksam wegen eines S-Bahn-Anschlusses feiern, der 2021 erfolgen sollte. Jetzt sind wir schon bei 2025, nur halt ohne irgendwelche öffentlichen Bekanntmachungen dazu.

Ist aber eigentlich auch nicht notwendig, denn wie uns hier mitgeteilt wird, kann man mit der S-Bahn auch fußläufig vorwärts kommen. Was in Markkleeberg als Erfolg gefeiert wird, ist in Markranstädt normaler Alltag.

Normaler Alltag ist in Lallendorf inzwischen auch die Dramödie um die Aufstellung von Stadtmöbeln. Aber die Story ist inzwischen so ausgelutscht, dass nicht mal Satiriker mehr darüber lachen können. Deshalb will die SPD/Grüne-Fraktion im Stadtrat jetzt Schluss machen mit der Provinzposse, um endlich Platz für neue Lacher zu schaffen. Da steckt schließlich schon so einiges in der Pipeline.

Platz für neue Späße

Mit Unterstützung aus den Reihen der Linken und der CDU hat sie einen Antrag eingereicht, durch den die Bürgermeisterin aufgefordert wird, sowohl Tisch als auch Gestühl endlich aufzustellen. Schließlich gibt’s ein Gerichtsurteil dazu. Klingt alles logisch, aber in der MN-Glaskugel kündigt sich bereits ein ganz anderes Szenario an.

Beim Klick auf das Bild öffnet sich der Antrag in seinerganzen Fülle.

Beim Klick auf das Bild öffnet sich der Antrag in seinerganzen Fülle.

Bis der Antrag auf dem Tisch des Stadtrats liegt, was frühestens im September der Fall sein wird, gehen noch ein paar Wochen ins Land. Bis dahin gilt der Auftrag des Stadtrates an die Bürgermeisterin, dass sie selbst entscheiden und eine Lösung finden soll.

Zwei Aufträge, eine Lösung

Man muss kein Satiriker sein, tönt jedenfalls unsere Glaskugel, um das finale furioso voraussehen zu können. Zuverlässig wie sie ist, wird Nadine Stitterich den aktuell laufenden Auftrag ihres Stadtrates natürlich erfüllen und – sagen wir mal – einen Fahrradständer neben der Rossmann-Filiale aufstellen lassen. Auch das sind Stadtmöbel.

Ist dieser Auftrag erfüllt, läuft der aktuelle Antrag folglich ins Leere. So einfach geht Kommunalpolitik.

Neues aus der vierten Etage (18)

Die 18. Sitzung in der aufs Erdgeschoss des KuK runtergekommenen vierten Etage drohte angesichts der 21 Punkte auf der Tagesordnung wieder mal zu einem abendfüllenden Programm zu werden. Aber dem war nicht ganz so. Trotzdem war auch für die Satiriker wieder was dabei, die sich bekanntlich voll auf ihr Genre konzentrieren können, weil die Beschlüsse nicht mehr erklärt werden müssen. Das macht die Bürgermeisterin neuerdings selber, was ihr in den diversen Artillerie-Gefechten zumindest ein paar Meter Landgewinn einbringt.

Wie immer, begann der unterhaltsame Teil mit der Bürgerfragestunde. Der Begriff sagts: Stunde! Das wollen einige Bürger dann auch mit allen Mitteln ausreizen.

Als sich nach dem Aufruf des Tagesordnungspunktes niemand zu melden schien (Stitterich hatte Gängels zaghaft gehobenes Händchen übersehen), wollte die Bürgermeisterin schon im Programm fortfahren. Da kam aus dem Barte des Mannes ein schüchternes „Uhu!“, was sich allerdings durchaus auch als ein um Aufmerksamkeit flehendes „Huhu“ interpretieren ließ.

Am Mikrofon angekommen, bat Gängel zunächst um Aufklärung über die Besetzung der Führungsriege des Gymnasiums. Hintergrund: Im Publikum hatte er zuvor Ex-Schulleiter René Schulz entdeckt und ihn freudig als regierenden Dumbledore an Markranstädts Elitecampus begrüßt. Dieser konnte die Ehrung selbstredend nicht annehmen und lehnte die Re-Inthronisierung zu Gängels Überraschung ab.

Wo ist eigentlich Dumbledore?

Also begann der Seebenischer seinen Akt am Mikro mit der Frage, was denn nun am Gymnasium gehauen und gestochen sei. Denn in der Tat gibt es bislang noch keine öffentliche Erklärung zu den geheimnisvollen Vorgängen an dieser Schule.

Im Gegenteil: Die verantwortlichen Organe, die unsere Kinder zu Ehrlichkeit erziehen und ihnen die Maßstäbe zwischenmenschlicher Konfliktlösung mit auf den Weg geben sollen, haben in dieser Causa offenbar selbst immense Reserven.

Und so wartet man in Markranstädt weiter mit Spannung darauf, wann und wie die Entwicklung nach fast zwei Jahren mal erklärt wird. Am vergangenen Donnerstag in der vierten Etage war es jedenfalls noch immer nicht so weit.

Zwei Fragen, zwei Neophyten!

Aber Gängel hatte noch mehr auf der Pfanne. Erst den Riesenbärenklau und danach, weil das Kraut unterhaltungstechnisch schon ziemlich abgedroschen ist, wollte er dem Staudenknöterich eine Bühne geben. Da war auch die Geduld der Bürgermeisterin aufgebraucht und sie wies ihn erneut darauf hin, dass nur zwei Fragen gestattet seien. Nach einem kurzen, heftigen Diskurs schlich der Geläuterte geschlagen an seinen Platz zurück. Er wird sich künftig aus der artenreichen Botanik also vorher sorgsam zwei Neophyten aussuchen müssen, die er im Stadtrat vorstellt.

 

Nicht viel anders erging es auch Rüdiger Kunzemann, der Gängels Mikro quasi im fliegenden Wechsel übernahm. Zum dritten Mal in Folge hatte er die gleichen Fragen, was darauf hindeutet, dass die bisherigen Antworten zumindest aus seiner Sicht wenig zielführend waren. Hier böte sich, zumindest auf dem Schirm des Satirikers, sicher mal ein klärendes Gespräch zwischen den Beteiligten an, um die Angelegenheiten endlich mal zum Abschluss zu bringen und Platz für neue Fragen zu schaffen.

Keine Hilfe für Hotel-Anrainer

Emotional wurde es bei Anfragen zweier Anwohner im Bereich der Gemeinschaftsunterkunft im gelben Hotel, die ihrem Anliegen mit Aussagen weiterer Anrainer Gewicht gaben. Kurz übersetzt: Die körperliche Auslastung der Hotelbewohner ist mangels Integration in den Arbeitsprozess so strukturiert, dass für sie das aktive gesellschaftliche Leben zu einer Zeit beginnt, in der die arbeitende Bevölkerung normalerweise ihre eigene Arbeitskraft regeneriert.

Die Folgen sind fatal. Ausgerechnet jene Menschen, die täglich das für den Aufenthalt der Hotelgäste erforderliche Geld verdienen, werden der biologischen Grundlagen beraubt, dies mit vollen Elan tun zu können. Und werden zudem nach Hilfeersuchen bei Ordnungsorganen auch noch mit Aussagen beschwichtigt, die der ärztlichen Diagnose „Hypochonder“ gleichkommen.

Als ein Bürger geradezu händeringend ganz konkret Bürgermeisterin und Stadtrat ansprach und um wenigstens einen Lichtblick bat („Sagen sie mir bitte, was man tun kann und wie uns geholfen werden kann“), erntete er … nichts! Blicke zu Boden (ob die Schnürsenkel richtig gebunden sind), betriebsames Blättern in den Unterlagen zum nächsten Tagesordnungspunkt und sicher auch stoßgebetähnliche Danksagungen gen Himmel, dass das alles so weit entfernt ist vom eigenen Wohnsitz. Eine nonverbale Kapitulationserklärung. Wenigstens wissen sie da jetzt Bescheid im Hotellerie-Viertel. Lediglich die AfD kündigte einen Antrag an.

Ein General ohne Armee

Zum Glück brachte Matthias Seidler mit dem Statement seiner Ein-Mann-Bürgerinitiative die Anwesenden dann auf andere Gedanken. Er will sich nicht mit der Bebauung der Grünanlage an der Ecke Zwenkauer-Lausner Straße abfinden. Seine Argumente haben durchaus Gewicht. Weil die Sache aber schon durch ist und es seitens der BI zudem keine zündende Alternative gibt, blieb es bei einer neuerlichen Anhörung, welche die Bürgerfragestunde dann wenigstens auf 20 Minuten auszudehnen vermochte.

 

Die weiteren satirischen Eckpunkte sind schnell erklärt. Das Gymnasium bekommt „zwei Klaviere für die Bläserklassen“. Allein der Gedanke an die Folgeinvestition dafür erforderlicher Mundstücke ist schon einen Comic wert.

Trompetensolo auf dem Klavier

Kein Wunder, dass man ständig neue Klassenräume braucht. Bei dem notwendigen Lungenvolumen, mit dem man die Saiten eines solchen Instrumentes gleich eines Hammers zum Klingen bringt, ist sogar die Hamburger Elbphilharmonie bestenfalls eine Abstellkammer. Freuen wir uns also im nächsten Schuljahr auf ein Trompetensolo am Klavier.

Die diesjährigen 70.000 Euro des Freistaates zu Förderung des ländlichen Raumes fließen zum dritten Mal in Folge in die Stadthalle. Zum Vergleich: In Markkleeberg wird das Geld auf die dort ansässigen Vereine aufgeteilt. In Markranstädt quasi auch, weil die Vereine ja die Stadthalle nutzen, indem sie diese mieten können. Man denke und rechne. Diesmal werden neue Tische und Stühle angeschafft und es gibt in der Tat einen Verein, der daran partizipiert. Also alles gut – dachten sich denn auch 13 der 19 Stimmberechtigten.

Für den lustigsten Programmpunkt sorgte ein orientierungsloser Handwerker, der mitten in der Diskussion um die Schulbezirke, die schon zu einer Art Schach mit Menschen ausartete, ins hohe Haus platzte. „Weiß jemand, wo die Bebelhalle ist“, fragte er verzweifelt und erntete Kopfnicken in südöstliche Richtung. „Okay, danke. Und viel Spaß noch“, ließ er die vierte Etage in ihrer selbstgewählten Endzeitstimmung zurück.

Es gibt viel zu verbessern

Ganz am Ende sorgte auch die Bürgermeisterin für eine köstliche Einlage, die für die Mehrheit der Anwesenden leider wohl etwas zu intelligent war und deshalb kaum wahrgenommen wurde. Die beiden Satiriker hingegen wollten sich kaum noch beruhigen. Auf die Inhalte eines ebenso ominösen wie geheimnisvollen „Bildungsgipfels“ angesprochen, erklärte die Juristin mit einer das Podium einladenden Geste dessen Zielstellung: „Was können wir im Hinblick auf unsere Bildung noch verbessern?“

Also, da fällt den Markranstädtern bis zur nächsten Bürgerfragestunde im September bestimmt was ein. Man könnte fast Wetten darauf abschließen.

 

Hauptsache Hauptstraße

Hoppla, was ist denn hier in Lindennaundorf los? Weil wir es auch nicht wissen, haben wir mal Markranstädts beliebteste Fahrschullehrerin gefragt. Schließlich wird Annett Aukthun nachgesagt, dass sie selbst blutigen Anfängern die kompliziertesten Verkehrssituationen einfühlsam erklären kann. Aber auch sie war sprachlos und konnte sich bestenfalls vorstellen, dass die StVO über Nacht politisch korrigiert wurde. Rechts vor links oder „Führer“ von Kraftfahrzeugen – nach 70 Jahren sollte solch revanchistisches Wortgut endlich mal ausradiert werden. Klingt zwar logisch, allerdings gibt es auch noch drei andere Theorien. Wir haben die mal unter die Lupe genommen, damit Sie sich Ihre Lieblingsversion selber aussuchen können.

1. Demografische Entwicklung

Weil immer mehr einst jüngere Menschen immer mehr älter werden, müssen die völlig überforderten Renten- und Sozialkassen auf möglichst humane Weise nachhaltig entlastet werden.

Das geschieht am unauffälligsten durch eine Art verkehrsbehördliche Sofortsterbehilfe. Es ist zwar tragisch, wenn einem Rentner die vermeintliche Vorfahrt genommen wird, aber das muss man in solchen Fällen schon differenziert betrachten. Erstens ist an dieser Kreuzung die Vorfahrt eine Frage der Perspektive (also aus welcher Richtung man kommt) und zweitens wurde ja grade für die schwächeren Verkehrsteilnehmer das Gebot der Vorsicht und gegenseitigen Rücksichtnahme erfunden. Bei jüngeren Leuten ist die Vorfahrt schließlich bereits werksseitig im Auto eingebaut.

Heißt also: Freie Fahrt für freie Rentner. Mit jedem Vollkasko-Schaden werden unsere Straßen ein Stück sicherer. Irgendwie kommt das auch unserem Grundgesetz entgegen. Immer diese Willkür, nur weil man von einer Nebenstraße kommt. Ab jetzt fährt in Lindennaundorf der zuerst, der Lust dazu hat. Willkommen in der Spaßgesellschaft!

2. Soziales Engagement

Die zweite Theorie beschäftigt sich mit Fragen des sozialen Engagements. Dazu zählt nicht nur das Züchtigungsverbot für Ehefrauen, sondern auch Dinge wie die Altkleidersammlungen.

Wie siehts denn aus in der Realität? An jeder Ecke steht eine Klamottenbox für Slips, die zu waschen sich einfach nicht mehr lohnt. Hier steht ein Container vom DRK, da einer von den Maltesern und eine Straße weiter einer vom BVB oder auch schon mal einer von der Post. Weil der Deutsche Michel bei so viel Qual der Wahl normalerweise in LMAA-Stimmung verfällt und gar nichts mehr spendet, wird mit dieser Beschilderung zwar nicht seine Aufmerksamkeit, dafür aber sein Fahrzeug zum richtigen Bestimmungsort gelenkt. Da führt kein Weg dran vorbei.

Voilà – die Hauptstraße endet direkt am Kleidercontainer, der auf der vermeintlichen Hauptstraße wie ein Prellbock auf dem Abstellgleis thront. Resttextilien ausladen, wieder einsteigen und Türen schließen vor der Abfahrt zur Heimreise. Das ist moderne Wirtschaftsförderung durch intelligente Steuerung der Verkehrsströme!

3. Das Naddel-Labyrinth

Die dritte Möglichkeit zählt zwar eher zu den Verschwörungstheorien, aber sie hat was. Zumindest für Satiriker. Demnach handelt es sich um eine kommunalpolitische Finte, um ein Problem zu lösen.

Die aktuelle Bürgermeisterin ist bekanntlich nicht unumstritten in Markranstädt. Darüber kann auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass sie sich in 40 von 35 Pressemitteilungen mit den Worten „Ich freue mich…“ zitieren lässt und Adjektive wie „verschiedenste“ oder „unterschiedlichste“ zu den belastbarsten Fakten ihrer Aussagen zählen. Die Lage ist ernst, der Widerstand wächst. Auch im Landkreis. Das bei Wikipedia für die Aufnahme als „Naddel-Labyrinth“ beantragte Schilderkonvolut befindet sich nicht ohne Grund mitten auf Stitterichs Arbeitsweg zum Rathaus.

Die Straßenverkehrsbehörde will das Problem damit offenbar nach Leipzig delegieren, indem die Bürgermeisterin – gewohnt von daheim in die Kernstadt nur auf Hauptstraßen zu defilieren – ohne es zu merken nach Miltitz navigiert wird. Hat bislang nur noch nicht funktioniert. Offenbar stimmt da was mit der Wegstrecke nicht.

Vorwiegend heiter


Die Regeln sind gelockert, die Menschen gehen wieder nach draußen und ja, Kultur gibt es auch wieder. Man lernt neue Leute kennen, bis man merkt, dass sie nur keine Maske tragen. Außerdem, wer kennt es nicht: ein Jahr wohnen auf der Couch, getrieben vom Coronablues – im Wesentlichen nur auf die Toilette, in die Küche und alle zwei Wochen in die Kaufhalle. Man frag sich, was schlimmer ist: die offenen Stellen vom vielen Liegen oder der Geruch des Wohnzimmermobilars, der mit „nach Mensch“ noch recht lieblich beschrieben ist. Derlei Dinge gab es am Freitag im „Ab Ans Ufer“ nicht zu beklagen. (Fotos: Ab ans Ufer)

Frische Luft, angemessene Pausen für leibliches und fußballinteressiertes Wohl, ein Blick auf den See, die erstaunlich stabile, obgleich selbstgebaute Ponton-Brücke und kulinarische Köstlichkeiten bildeten den Rahmen.

Die Herren von Ab ans Ufer sind also begabte Ingenieure, hervorragende Küchenchefinnen und Küchenchefaußen, vor allem aber großartige Gastgeber. Einziger Wehrmachtstropfen: das Fleischerhandwerk ist ihnen völlig fremd.

Die üblichen satirischen Kommentare zur rein vegetarischen Kost gehören daher bei einem satirischen Kabarettabend am Seeufer genauso dazu wie spontane Bemerkungen zur Stadtpolitik und zu spontanen Geschehnissen am Platz.

Das Publikum fühlte sich wohl, genauso wie die Protagonisten. Das lag nicht nur am hervorragenden und vielseitigen Programm, sondern auch am Wissen über Entwicklungen in Markranstädt, das ein Leipziger Ureinwohner – und sei er ein noch so glanzvoller Satiriker – normalwerweise nicht hat. Da freut sich das liebe Lallendorf: Sowas nennt man Wertschätzung und so erzeugt man ein gutes Gefühl.

 

Der satirische Abend begann schon mit satirischem Wetter, das Programm mit dem Titel „Vorwiegend heiter“ gab seinen Einstand mit einigen Regentropfen. Die kurze Verzögerung nutzten einige Gäste, um die Nässe von oben mit zusätzlicher Nässe für das Leibesinnere zu kombinieren. Dann ging es endlich richtig los.

Wenn man eine Bürgermeisterin mit Diplom für angewandte Juristerei von der Fachhochschule hat, liegt das Gleichnis über die Zukunftsicherheit des Gastronomen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen auf der Hand. „Die größten Söhne der Stadt verlieren ihren Job, da bin ich froh, dass ich Gastronom bin“.

Als dann noch Zahlenspiele über das Rentensystem zum Mitrechnen dargeboten wurden, war das für die Satiriker im Publikum wie die Geburt neuer Fragen: Werden die jungen Menschen auch in Zukunft solche Dinge an der höheren Schule lernen, wenn sie von einem Blasorchesterlehrer geleitet wird? Das Abi als gymnasialer Blowjob sozusagen. Ohne Taschenrechner, dafür ganz analog mit neuen Klavieren zum Stückpreis einer Kreiselbepflanzung.

 

Die Wortspiele der Kabarettisten waren freilich besser und gehaltvoller als solch depressives Gedankengut. Vor allem weil man da nicht rechnen musste.

Der Stock stockt nicht, das Pferd fährt nicht, das Volk folgt nicht. DAS Volk ist sächlich, männlich ist es DER Volker und DIE Lore ist weiblich, nämlich die Volklore; Peter Maffay singt über Bio und gekochten Tabaluga als Grünkohl; Politiker sind wie Windeln, man muss sie immer mal wechseln und das Ergebnis ist auch das Gleiche.

Und nicht zuletzt hob dann ein politischer Vergleich zwischen Porno, CDU und Bürgermeisterin die Stimmung ins Unermessliche. Kein Inhalt, kein Dialog, kein Text – der Bildungsauftrag ist einzig der Orgasmus.

Nächster Spaß: 16. Juli

Wer nach diesem Witzewahnsinn und Komikkonzert trotz Zwerchfellkatharr noch konnte, freute sich nach der Veranstaltung schon auf die Premiere des neuen Programms am 16. Juli.

Dann heißt es im Ab ans Ufer „Harte Nüsse“, denn selbst Satiriker haben Anstand. Ursprünglich sollte das Programm „Spur der Keime“ heißen – für den einen oder die andere vielleicht doch zu viel Satire.

Wer also seinen Leib mit körpereigenen Drogen fluten möchte, ohne das teure Zeug auf dem Schwarzmarkt kaufen zu müssen, der sei dabei, der lache, der genieße die wohlige Erschöpfung danach.

 

Countdown zum 145. Kinderfest läuft!

Wenn ein Verein um Aufmerksamkeit für ein Event werben will, schickt er normalerweise seine heißesten Fackeln nach vorn, die dann vor den Kameras ihre Möpse hüpfen lassen. Weil die Erwartungshaltung des Publikums bei einer 145. Auflage jedoch mindestens ebenso unter der Schwerkraft leidet wie gleichaltrige Herzkranzgefäße, hat sich der Markranstädter Kinderfestverein eine bessere Lösung ausgedacht: Er lässt diesmal Noten hüpfen – und zwar gleich fünf Tage lang, vom 15. bis 19. Juli.

„Noten hüpfen hin und her – Musik zu machen fällt nicht schwer“, lautet das Motto des diesjährigen Kinderfestes. Nur zur Erinnerung: Vor 175 Jahren wurde das Erste gefeiert und weil 30 Feste ausgefallen sind, startet in diesem Jahr die 145. Auflage.

Die Abhängigkeiten sind zwar über die Jahrzehnte die gleichen geblieben (Geld, Behördengenehmigungen, Wetter und so), aber in diesem Jahr kommt noch eine weitere dazu: Die Inzidenz. Weil man die nicht planen kann, hat der Verein auch erstmal nur ein Rahmenprogramm verabschiedet mit Punkten, die auf alle Fälle stattfinden.

Vereinssitzung in Corona-Zeiten.

Vereinssitzung in Corona-Zeiten.

Demnach wird es am Samstag, 17. Juli, einen Lampion- und Fackelumzug geben, dem sich das traditionelle Feuerwerk anschließt. Neu wird allerdings der Ort des Events sein, es findet diesmal am See statt. Da haben dann auch die internationalen Fotografen endlich mal andere Motive vor den Linsen als immer nur deutsches Separatorenfleisch.

Fünf tolle Tage

Am 18. Juli und damit der sonntäglichen Tradition folgend, wird sich der legendäre Umzug durch Markranstädt ziehen. Obwohl dafür noch nicht mal richtig Werbung gemacht wurde, haben schon über 300 Teilnehmer mit 12 Wagen zugesagt, informiert Vereinschefin Sandra Thuselt.

 

Wo genau die Umzugsstrecke verläuft, steht noch nicht fest, weil die behördliche Genehmigung samt Auflagen über die Rolle der Bedeutung und Stempel noch aussteht.

Mitglied durch meckern

„Wir bereiten das alles im Ehrenamt nach Feierabend vor“, erläutert Sandra Thuselt das Problem, ab 17 Uhr noch einen Ansprechpartner in einer Behörde anzutreffen oder wenigstens telefonisch zu erreichen. Ist aber eigentlich auch egal. Der Festumzug hat eh noch nie pünktlich begonnen und egal durch welche Straßen er führte, ist er auch noch nie ohne Stau ausgekommen.

"Immer bereit!" Impressionen aus einer Zeit, in der nicht mal Corona-Viren über die Grenze gekommen wären.

„Immer bereit!“ Impressionen aus einer Zeit, in der nicht mal Corona-Viren über die Grenze gekommen wären.

Apropos Ehrenamt und Vereinsmitglieder: Wie man erfolgreich Personalpolitik betreibt, zeigt das Beispiel des heutigen Vereins-Vize Thomas Mamitzsch. Er habe damals auf der Festwiese gesessen und den Markranstädter Tugenden des Meckerns gefrönt, erinnert sich ein Vereinsmitglied. Bier zu warm, Gras zu hoch, Musik zu leise, Klo zu weit weg … weiß der Geier was noch alles.

Am Ende sei Gerald Ludwig der Kragen geplatzt und er habe Mamitzsch zur nächsten Vereinssitzung eingeladen, um es besser zu machen. Ob er freiwillig kam oder Ludwig ihm drohen musste, ihn mit dem Trabbi hinzufahren, ist nicht überliefert. Fakt ist: Mamitzsch kam, trat in den Verein ein und ist heute Vize-Chef.

 

Auch sonst hat der Kinderfestverein die Pandemie ganz gut überlebt. Er wird sogar wieder verstärkt genutzt, um für die Interessen anderer Vereine herhalten zu müssen. So wurde letztens in Stadtrat für neues Gestühl in der Stadthalle geworben, weil solches auch von den Kinderärschen bei der Festeröffnung durchgesessen wird. Insider wissen, dass die Kids in Wahrheit auf den Traversen sitzen, was man von den jeckischen Weibern wiederum nicht sagen kann.

Das Dreigestirn lädt zum 145. Kinderfest.

Das Dreigestirn lädt zum 145. Kinderfest.

Und auch wenn das Fest diesmal am Kulki stattfindet, dürfen Misstöne erwartet werden. Zwar wird es keine Kleingärtner geben, deren in den Lauben abgestellten Kinder vom Feuerwerk aus dem Schlaf geschreckt werden, dafür soll es dort hinten jede Menge private Messtechnik geben, die ab 21 Uhr jeden Bierrülpser aufzeichnen und volley in die Cloud des Bundesemissionsamtes hochladen.

Noch einiges in petto

Aber schauen wir nach vorn. Sandra Thuselt und ihr Team haben auch noch Straßenkünstler, kleine Konzerte oder Mitmach-Workshops in petto. Ob das was wird, liegt am Inhalt der am 15. Juli geltenden Corona-Allgemeinverfügung. Aber den Bundestagswahlen sei Dank geht niemand davon aus, dass potenzielle Wähler vor diesem Ereignis missgestimmt werden, indem man die Zügel wieder anzieht. Es wird alles gut – und das 145. Kinderfest erst recht.

 

Urlaubstipps für Markranstädter ohne Reisepass

Es wird gelockert was das Zeug hält. Wer kann, verlässt Markranstädt und fliegt in den Urlaub. Viele kommen aber nur bis zum Flughafen und stellen dort fest, dass Personalausweis und Reisepass abgelaufen sind. Was nun? Die Markranstädter Nachtschichten haben in der vergangenen Woche mal nach ein paar alternativen Zielen recherchiert, die zu besuchen sich lohnt. Allesamt mit dem Auto zu erreichen und allein deren Namen versprechen bereits Urlaubserlebnisse, von denen man noch seinen Enkeln erzählen kann.

Heißer Spaß im „Kalten Muff“

Nur rund 125 Kilometer von Markranstädt entfernt, auf halbem Wege zwischen Ehrenfriedersdorf und der Therme Wiesenbad gelegen, befindet sich sich ein Ausflugsziel, das vor allem an heißen Sommertagen interessante Abkühlung verspricht.

Nomen est Omen: Hier kehrte früher auch der berühmte "Kalte Bauer" ein.

Nomen est Omen: Hier kehrte früher auch der berühmte „Kalte Bauer“ ein.

Es handelt sich um ein Rasthaus mit dem vielversprechenden Namen „Kalter Muff“. Okay, vielleicht ist es nicht gerade ein Erlebnis-Ressort, das man mit der ganzen Familie ansteuern sollte. Man weiß ja nie, welche Inhalte sich hinter diesem Urlaubsangebot verbergen. Kommt die Wahrheit der Phantasie allerdings halbwegs nahe, lauert dort wohl eine „Vater-ohne-Kind-und-Kegel-Kur“.

Dort kann man jungen Pflegerinnen an heißen Sommerabenden Eiswürfel in die Mumu gleiten lassen und sie dann anschließend on the rocks genießen. Irre! Wir lernen: Warum nach Jamaika fliegen, wenn das Gute schmilzt so nah?

Ostsee-Feeling in den Alpen

Ähnlich muss es sich mit einem landwirtschaftlichen Anwesen verhalten, das in Österreich auf uns Markranstädter Urlauber wartet. Dort sind die Corona-Inzidenzen inzwischen so weit gesunken, dass sogar der deutsche Piefke wieder hin darf.

Man ist in den Alpen und es riecht trotzdem irgendwie nach Ostsee.

Man ist in den Alpen und es riecht trotzdem irgendwie nach Ostsee.

Bei Innsbruck wird man nach einem beschwerlichen Aufstieg mit einem entspannenden Aufenthalt auf der Mösl-Alm belohnt. Wie der Name bereits ahnen lässt, sollte der germanische Wandersmann auch in diesem Falle seine Frau lieber am heimischen Herd lassen. Dort kann sie wahlweise Essen oder vor Wut kochen, während der Gatte im Gras der Almwiesen nach Mösln sucht.

Wohl dem, der Corona bereits hinter sich hat. Eine Folge der Infektion soll ja der Verlust des Geruchssinns sein.  Nur so kann man die Bergwelt auf der Mösl-Alm genießen, ohne durch den Duft nach Ostsee abgelenkt zu werden.

Auf Pilgertour zu St. Phallus

Nach so vielen Tipps für männliche Erholung abschließend noch ein lohnenswertes Ziel für selbstbewusste Damen. Lassen Sie ihren Womanizer getrost zu Hause und brechen Sie auf zum kleinen Örtchen Rot an der Rot, der „Perle an der Oberschwäbischen Barockstraße“.

Peinlich: Hat nur zweisechzig und prahlt auch noch damit.

Peinlich: Hat nur zweisechzig und prahlt auch noch damit.

An dieser künstlerisch effektvoll gestalteten Installation aus Lüftelmalerei und Verkehrszeichen sollten Sie allerdings etwas Zeit mitbringen. Die ohnehin unglaubwürdigen Argumente, wonach es auf die Größe nicht ankommt, werden von Scharen neugieriger Damen ad absurdum geführt, die dort Schlange stehen, um einen Blick hinter das Schild werfen zu können.

Klar, die lächerlichen Zweisechzig hat auch jeder Markranstädter zu bieten. Mindestens! Aber bei St. Phallus, dem Stadtheiligen von Rot, wirkt das mit Schild eben eindrucksvoller. Also dann viel Spaß, denn „Träumen gehört zum Urlaub!“