Hogwarts-Express hält in Markranstädt

Mit unserer heutigen Botschaft wenden wir uns ausnahmsweise mal nicht an die in Ehren ergraute Stammleserschaft, sondern wollen mal schauen, ob wir nicht auch jüngere Kreise erreichen. Speziell sollten sich Eltern angesprochen fühlen, die in den letzten anderthalb Jahrzehnten noch fruchtbar waren und denen es – ganz gleich ob auf Volksfesten oder im heimischen Schlafzimmer – gelungen ist, Zeugnisse dieser fertilen Fähigkeit in die Welt zu setzen. Es gibt da nämlich für Kids und Teens in Markranstädt ein Angebot, dass sie nicht ablehnen können.

Sicher habt Ihr Euch schon mal gefragt, wo die Millionen und Milliarden plötzlich herkommen, die für die Bundeswehr, die Flüchtlingshilfe oder die Finanzierung des 9-Euro-Tickets erforderlich sind?

Egal wieviel Geld es ist und wofür es ausgegeben werden soll, die Scheinchen haben alle eine Gemeinsamkeit: Noch wenige Tage zuvor waren sie nicht da. Nicht für hilfsbedürftige Menschen, nicht für kaputte Brücken und auch nicht für digitale Erschließung.

Woher also kommt die ganze Knete, mit der Olaf Scholz, Christian Lindner & Co. (das Co. steht für „Complizen“ wie Annalena oder Robert) in den jeweils von ihnen selbst ausgerufenen Notfällen plötzlich so um sich werfen? Nun, wir wissen es auch nicht. Wir ahnen nur, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht.

Zaubern wie Copperfield

Es erinnert eher an David Copperfield, der sich schon als Kind sein Taschengeld damit verdient hat, seiner Mutter einen Dollar ins rechte Ohr zu stecken und ihr dann am linken Lauscher zwei rauszuziehen.

Später hat er das perfektioniert. Nachdem er ihr einen Cent in die Nase steckte, ein dreifaches „Abrakadabra“ nuschelte und gegen ihr Schienbein trat, regnete es Münzen aus ihrem Mund wie nach einem Jackpot am Automaten. Nicht ohne Grund fuhr Copperfield schon als Kind in einer dicken Limousine.

Genau sowas können Jugendliche in der letzten Woche der Sommerferien in Markranstädt lernen. Natürlich nicht mit Schienbein-Treten, Millionen-Gewinnen und einem Zertifikat, mit dem man später Finanzminister werden kann. Nein, hier geht es richtig seriös zu mit der Zauberei.

Vom 22. bis zum 26. August wird der Jugendclub am Bad sozusagen zum Markranstädter Hogwarts. „Wolltest du immer schon mal zaubern lernen? Dann komm mit ins Land der Magie, denn Du bist ein Zauberlehrling, der die Zuschauer mit Worten einfangen und ihre Aufmerksamkeit lenken kann“, wirbt das Zaubereiministerium.

Das besteht übrigens aus der Volkshochschule Landkreis Leipzig (VHS), dem Jugendclub des CJD Markranstädt, Schulsozialarbeitern des Markranstädter Schulzentrums, dem Leipziger Caritasverband und der Stadt Markranstädt.

Im 5-tägigen Ferienworkshop können kleine und große Harry Potters „verblüffende Kunststücke und so manchen abgefahrenen Trick“ erlernen, mit denen sie danach nicht nur zum Star jeder Party werden, sondern später vielleicht auch in die Politik gehen können. Nicht ohne Grund ist ein wichtiger Bestandteil des TalenteCampus auch das Schauspiel. „Ein Kommunikationstrainer zeigt dir, welche Rolle Gesten, Gesichtsausdrücke und Körpersprache spielen und wie man schwierige Situationen sprachlich meistern kann“, heißt es in der Ankündigung.

Eine Woche Hogwarts für lau

Die Teilnehmer werden dabei Teil eines Teams, das im Laufe der Woche eine komplette Zaubershow erarbeitet, sagt VHS-Sprecherin Katja Hartmann, die ihre erste Zauberei-Prüfung übrigens schon bestanden hat. Mit der magischen Formel „Fördermittel“ hat die VHS Geld aus dem Ärmel geschüttelt und kann das gesamte Wochenprogramm inklusive Verpflegung der jungen Magier kostenlos anbieten.

Also dann: Einfach bei der Volkshochschule unter www.vhs-lkl.de anmelden und „abrakadabra“ seid Ihr dabei.

Stammtischler spendieren Erpelpullover, Tränen und ganz viel Herz

Ob die Markranstädter Stammtischler jetzt besser singen als Roberto Blanco, sei dahingestellt. Auf alle Fälle sind sie alle zusammen gefühlt halb so alt wie der „Ain büschen Spaß muss sain“-Barde mit Schweizer Wohnsitz. Und sie werden auch nie so alt werden, dass sie irgendwann in Baumärkten auftreten müssen, um dort den Verkauf von Fischfutter zu befeuern, das grade im Angebot ist. Die Stammtischler haben andere Bühnen, um ihre Fans zu unterhalten. So wie am kommenden Samstag im „Ast“, den die Sangesbrüder schon am letzten Wochenende gleich zweimal gerockt haben. Legendäre Sessions im Doppelpack.

Frank Stierke, dem James Last der Markranstädter Stammtischler, standen bei der Eröffnungsgala zum 20. Ensemble-Geburtstag mehrmals die Tränen in den Augen, während seine Kollegen an den Mikros mit Gänsehaut, dem berühmten Erpelpullover, zu kämpfen hatten.

Komplettiert von fantastisch aufgelegten Alleinunterhaltern, die mal als Koch und mal als bourleske Verwandlungskünstler für Beifallsstürme sorgten, einem Spielmannszug mit unter die Haut gehender Guggemusik und anderen Höhepunkten waren es vor allem die „Lieder zum Mitsingen“ der Stammtischler, die für heiße Stimmung in einem kochenden Saal sorgten.

Zweimal war der Saal im Ast am letzten Wochenende rappelvoll. Am Samstag gibts dort das große Finale der Geburtstagsparty.

Zweimal war der Saal im Ast am letzten Wochenende rappelvoll. Am Samstag gibts dort das große Finale der Geburtstagsparty.

Im Gegensatz zur Samstagsveranstaltung war das Publikum am Freitag etwas betagter und konnte deshalb aus eigener Erfahrung ganz anders über beispielsweise die Witze des köchelnden Conferenciers lachen.

Gänsehaut Inklusive: Guggemusik mit dem Spielmannszug Taucha.

Gänsehaut Inklusive: Guggemusik mit dem Spielmannszug Taucha, der sogar virtuose Rockmusik erklingen ließ.

„An die Wäsche einer Frau kommt man in unserem Alter nur noch an der Leine“, frötzelte er. Am Freitag lachte darüber die Lebenserfahrung, am Samstag das Mitleid mit den Alten. Obwohl sich auch unter dem jungen Publikum die eine oder andere Dame mit vergleichsweise unbeschlafenem Gesichtsausdruck befand.

Was so viel herzerfrischender Spaß und stilvolle Unterhaltung mit Menschen machen kann, zeigte allein ein Blick ins Publikum. Da war zum Beispiel der renommierte Markranstädter Bauunternehmer, der bei all dem Vergnügen seinen Namen vergaß und alles andere als ein Sauermann war. Euphorisch dirigierte er mit dem Bierglas den Volkschor des Publikums und zeigte sich dabei nicht nur musikalisch, sondern absolut textsicher.

Auch optisch machte der Spielmannszug was her.

Auch optisch machte der Spielmannszug was her.

Bleiben wir bei der Lallendorfer Unternehmer-Gilde und richten unseren Blick auf Mike Schärschmidt. Auch er hatte vor Rührung (mal wieder) mit den Tränen zu kämpfen und spendierte dem gesamten Gesangsensemble einen Betrag, der „für einen gemeinsamen Urlaub samt Ehefrauen auf Malle oder sonstwo reicht und auch noch genug übrig bleibt, dass ihr dort mal richtig eine Sau fliegen lassen könnt.“ Wie gesagt: Es war ein Abend ganz großer Emotionen.

Augen- und Ohrenschmaus für Fans des Bourlesque: Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos.

Augen- und Ohrenschmaus für Fans des Bourlesque: Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos.

Auch das Rathaus war vertreten, wenngleich eher inoffiziell. Will heißen: Dort kommt Kultur „made in Markranstädt“ nicht nur dann an, wenn man sie sich per Dienstauftrag reinziehen muss. Mandy Sörgel und ihre Chefin Heike Helbig waren jedenfalls privat da und von daher war es auch nicht schlimm, dass die Hierarchie an diesem Abend auf den Kopf gestellt wurde. Mit Sörgels Gala-Outfit im bordeauxroten Kleid konnte im Ast jedenfalls keine andere Dame mithalten.

Auch nicht Beigeordnete Beate Lehmann und ihre Ex-Chefin Carina Radon, die wohl eher zufällig im pinkfarbenen Partnerlook aufschlugen. Um Verwechslungen vorzubeugen, legte die Beigeordnete ihr Jäckchen später ab und gesellte sich in unschuldigem Weiß zu ihrem einstigen Pendant.

Dass es zwischen Beiden allerdings zu Wiedervereinigungsszenen kam, lag eindeutig am verbindenden Element der Musik. So tauschten sich die zwei Rathaus-Veteranen nicht nur intensiv miteinander aus (gemeinsame Erfahrungen aus früheren kommunalpolitischen Feldzügen mit- und gegeneinander?), sondern begaben sich schließlich sogar zu einem gemeinsamen Tänzchen aufs Parkett.

Mit der Gesamtsituation zufrieden: Zwei Kommunalpolit-Veteranen beim Begraben des Klappstuhls.

Mit der Gesamtsituation zufrieden: Zwei Kommunalpolit-Veteranen beim Begraben des Klappstuhls.

Was niemand – nicht einmal der Pfarrer am runden Tisch – geschafft hat, das haben die Stammtischler mit ihrer „Musik zum Mitsingen“ erreicht. Friedenstauben am Markranstädter Nachthimmel – sogar das wurde am Ende in Form eines Feuerwerks Wirklichkeit.

Vielleicht sollte man die Stammtischler mal in die Krisengebiete dieser Welt schicken? Die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit ihrer Stimmung auch dort für Frieden und Verbrüderung sorgen, scheint nach den bisherigen zwei Abenden im Ast jedenfalls größer als durch die Lieferung ausgedienter deutscher Stahlhelme.

Bevor es so weit ist und die Stammtischler in Altranstädt den Lallendorfer Friedensnobelpreis entgegennehmen, steht aber noch die Abschlussgala am Samstag im Ast auf dem Programm. Sollte man sich echt nicht entgehen lassen. Karten, falls es noch welche gibt, sind bei Jane Osse im Friseurgeschäft „Kopfsache“ erhältlich. Also dann: … bis Sonntag früh und singen bumsfallera.

Variante 6: Bauamt stellt neue Badelandschaft vor

Fünf Varianten lagen den Stadträten letzten Donnerstag zur Auswahl für das neue Stadtbad vor. Am gestrigen Mittwoch kam eine sechste Lösung dazu – auf ganz kuriose Weise. Von wegen im Rathaus gebe es kein Teamwork mehr. Das Markranstädter Bauamt zeigt jetzt in beeindruckender Form, wie interdisziplinäres Zusammenwirken unterschiedlicher Kompetenzträger neue Horizonte eröffnet. Jetzt kann das Bürgertum die Ergebnisse dieser Synergie-Effekte sogar live und vor Ort sehen – in der Hordisstraße.

Die Arbeitsteilung klingt vernünftig: Ein Teil des Bauamtes kümmert sich um den Neubau der Schule, ein anderes Team ums neue MGH, eine weitere Truppe um die Gärnitzer Feuerwehr und eine schließlich auch um den Neubau des Stadtbades.

Weil der Projektchef für das neue MGH seine Baustelle in der Hordisstraße voll im Griff hat, gut im Zeit- und vor allem im Kostenplan liegt, nutzt er seine freien Spitzen, um seinen Kollegen vom Planungsteam des Stadtbad-Neubaus unter die Arme zu greifen.

Das seit heute aus Platzgründen gleich vor der Baustelle in der Hordisstraße präsentierte Modell einer modernen Badelandschaft besticht dabei vor allem durch ein effizientes Verhältnis zwischen Wassermenge und Wasseroberfläche.

Die eckenlose Ausführung des Beckens erlaubt einen rundum stufenlos verstellbaren Ausstieg, der aufgrund der architektonisch bis ins Detail durchdachten Höhe des Beckenrandes zudem barrierefrei ist und selbst unter Alkoholeinfluss kaum Verletzungsgefahr birgt.

Auf den kostenintensiven Neubau eines Sprungturmes kann man verzichten, da sich das Bürofenster des künftigen MGH-Chefs im Dachgeschoss in idealer Höhe befindet, um sogar einen dreifach-gestreckten Lallendorfer noch sauber ins Wasser zu bringen.

Wenn man einen LKW geschickt parkt, wird sogar das planerische Merkmal der Verschattung efüllt - ganz ohne die mittlöerweile übliche "Freigabe zusätzlicher Mittel".

Wenn man einen LKW geschickt parkt, wird sogar das planerische Merkmal der Verschattung efüllt – ganz ohne die mittlerweile übliche „Freigabe zusätzlicher Mittel“.

Noch müssen dazu allerdings einige Tests durchgeführt werden, um zu klären, ob nach dem Eintauchen aus sechs Metern Höhe noch genügend Platz zwischen Wasseroberfläche und dem Boden der Badeanlage vorhanden ist.

Aus Gründen des Arbeitsschutzes dürfen für Versuche dieser Art nur Politiker ab Landesebene aufwärts verpflichtet werden. Auf ein Inserat „Suchen Testpersonen für Beckenbodentraining“ sollen sich allerdings schon einige Politikerinnen gemeldet haben.

Gezeiten im Becken

Der absolute Clou allerdings sind die Betriebskosten der Badelandschaft. Aufgrund der großen Wassermenge hatten die individuellen Urin-Einträge in der alten Diva kaum Einfluss auf den Wasserstand. In der aktuellen Variante sorgt hingegen jeder Tropfen für einen spürbaren Tidenhub im Becken. Gezeitenstrom in Markranstädt – der Klimawandel machts möglich.

Seltene Erden

Wenn es jetzt noch gelingt, diese Lösung auf den Ratstisch zu bringen, haben wir von der Materialauswahl über das Platzangebot bis hin zur Wassermenge mit diesem Entwurf ein leuchtendes Beispiel für ressourcenschonenden Umgang mit Rohstoffen. Und vielleicht wird man nach einem Badetag sogar seltene Erden am Beckengrund finden.

Gigantische Orgie: Nordsiedler machen Triple perfekt!

Offenbar hat der gemeine homo marcransis ein feines Gespür für die Entwicklung der Dinge. Weil sich das Treiben der Markranstädter Nachtschichten vorwiegend auf das Wochenende konzentriert und so manche Feinheit im Konvolut der Ereignisse unterzugehen droht, setzen sendungsbewusste Mitbürger jetzt verstärkt unter der Woche große Höhepunkte. Die kann man sich natürlich nicht entgehen lassen.

Die nördlich der Bahnlinie siedelnden Stämme sind bekannt für ihren unbändigen Kampfgeist. Aber können sie auch feiern? Eine Antwort auf diese Frage könnte dieses in der Celsiusstraße aufgenommene Foto geben.

Reste der Siegesfeier in der Celsiusstraße.

Reste der Siegesfeier in der Celsiusstraße.

Bis jetzt war wohl nur der Anlass nicht groß genug für ein ordentliches Stößchen nördlich des Gleis-Äquators. Erst hatten die Schottergartenbesitzer unter Einsatz ihres Grünstreifens erfolgreich eine Großküche vergrault, dann den Bau eines Funkmastes verhindert.

Jetzt allerdings haben die Nordmänner den Sack endgültig zugemacht. Nachdem letzte Woche auch der Investor eines Protonen-Therapiezentrums die bedingungslose Kapitulation erklärt hat, war das Triple perfekt. Nicht lang schnacken – Kopp in’n Nacken! Angesichts des Leerguts sollen die Markranstädter Ärzte Dr. Pelz und Dr. Spatz rein prophylaktisch schon mal 80 Spenderlebern geordert haben.

Bislang stand eigentlich nur die katholische Kirche im Ruf, besonders viel in den Nachwuchs zu stecken. Zwar hat es knapp 2.000 Jahre gedauert, bis das mal jemandem aufgefallen ist, aber dass es überhaupt rauskommen konnte, lag eben daran, dass die sich dort ziemlich laienhaft angestellt haben.

Die Pater haben die kleinen Ministranten im Unwissen darüber gelassen, worauf sie da die ganze Zeit auf deren Schoß saßen. Weil es sich die Kids nicht anders erklären konnten, warum sie auf dem Schoße des Herrn immer das Gefühl hatten, gleich kacken zu müssen, entstanden hinterher die wildesten Verschwörungstheorien, wegen denen noch heute große Teile des Klerus zurücktreten müssen.

Früh übt sich ...

Früh übt sich …

Die Jünger Luthers machen das besser. Damit die jungen Nachwuchskräfte wissen, worauf sie sich einlassen und es hinterher keine dummes Gerede gibt, werden sie auf die bevorstehenden Weihen akribisch vorbereitet.

Das Neun-Euro-Ticket erobert nicht nur ganz Deutschland, sondern auch Markranstädt. Das Team der Nachtschichten hat das sofort genutzt, um den letztes Jahr wegen Corona ausgefallenen Betriebsausflug kostengünstig nachzuholen.

Volle Züge - Hochbetrieb auf den Gleisen

Volle Züge – Hochbetrieb auf den Gleisen

Für lumpige 9 Euro pro Person mit dem Zug nach Miltitz fahren – das kann man sich einfach nicht entgehen lassen. Aber der Teufel liegt im Detail und damit schon am Kundencenter bei Abellio. Auf die Frage, was so ein Neun-Euro-Ticket kosten soll, guckt der Mann hinterm Schalter erst verdutzt drein und verweist uns dann an den Zugbegleiter, der angeblich auf Bahnsteig 9 ¾ auf uns wartet.

Wie man hört, soll’s ja bei Tchibo bald schon Hüllen für 9-Euro-Tickets geben. Der ganz normale Bahnsinn eben. Wir haben uns dann einfach entschieden, über Sylt in den Schwarzwald zu fahren. Kostet genauso viel wie nach Miltitz, aber hier führt die Reise über Großlehna, da sieht man wenigstens was von der Welt.

Abwöcheln mit Claus Narr jun.: Die Inflation der Protonen

Hei-jei-jei, was war denn dass für eine Woche in Lallendorf? Das Protonen-Therapiezentrum ist geplatzt, obwohl noch nicht mal das Skelett zu sehen war. Wir lernen: Auch an einem BMI von knapp über Null kann man abnippeln. Und dann wäre da noch Putin und sein Krieg. Von den Holzmedien wird uns ja vorgegaukelt, dass die Inflationsrate aktuell bei sowas um die acht Prozent liegt. Falsch!

Ein Markranstädter Hobby-Finanzmagnat hat die Lügenpresse in dieser Woche mit einem wahren Husarenstück überführt.

Für sein lausiges Cent-Stück rief er bei Ebay den aktuellen, wirklich realen Gegenwert von 1.234 Euro auf.

Normalerweise werden unlautere Angebote auf der Versteigerungsplattform unverzüglich gelöscht. Nicht mal lebende Tiere oder wenigstens nervende Ehefrauen dürfen dort angeboten werden, auch nicht für lau oder im Tausch gegen einen Schwingschleifer.

Ein reales Angebot bei Ebay aus Markranstädt zeigt die wahre Inflationsrate.

Was ein Cent wirklich wert ist.

Das Cent-Stück hingegen wurde als legitime Offerte eingestuft und spätestens jetzt weiß auch jeder Markranstädter, was der Inhalt seines Portemonnaies wert ist. Ein Brot für eine Billion Euro? Wir sind auf dem Weg!

Was auch eine kleine Schlagzeile wert war, obwohl es die Markranstädter allesamt schon seit 2015 wussten: Das mit dem Protonen-Therapiezentrum wird nichts. Der Investor hat seine 300 Millionen Coins wieder eingepackt und ist weitergezogen. Nach eigenem Bekunden habe der mit seinem Projekt bereits in Halle, Bad Lausick und anderen Städten vorstellig gewordene Investitionsnomade mit seiner inzwischen in die Jahre gekommenen Technologie zur Therapie von Protonen binnen 24 Stunden einen neuen Standort gefunden, an dem er willkommen geheißen werde.

Protonen austherapiert

In Markranstädt jedenfalls habe er dieses Willkommen schon lange nicht mehr gespürt. Zu kleingeistig, dieses Kaff. Sagt der Mann mit Firmensitz in Halle an der Saale, einer prosperierenden Wirtschaftsmetropole im Herzen Europas, die von längst ausgestorbenen Salzsiedern lebt und jede noch so kreativ gestaltete Hollywood-Kulisse eines Mittelalterfilms mühelos in den Schatten stellt.

Schade ist dabei nur, dass die Markranstädter Stadträte offenbar vergessen haben, dem Investoren vor dessen Abschied noch die von ihm für Markranstädter Vereine versprochenen 200.000 Euro abzunehmen.

Vor dem Hintergrund dieser Verheißung hatten die Abgeordneten insgesamt 4 mal zugestimmt, dass die pauschalen Zahlungen des Freistaates, die andere Städte volley ihren Vereinen zukommen ließen, komplett in die Stadthalle geflossen sind.

Freilich erfolgte die Investition in die Stadthalle mit der Begründung, dass das schließlich allen Vereinen zugute komme. Davon hatten zuletzt auch die Markranstädter Stammtischler profitiert, die hier mit einer großen Sause ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feiern wollten.

Wer sparen will braucht Geld

Kann ja niemand was dafür, dass die knausrigen Sangesbrüder das Angebot der mietfreien Nutzung nur deshalb ausschlagen mussten, weil sie sich die ebenfalls schon halbierte Miete für Tische und Stühle sowie die Verlegung und den Rückbau des Hallenbodens in Höhe von über 3.000 Euro nicht leisten konnten. Verein ist eben nicht gleich Verein, ein bisschen Geld sollte man schon haben, wenn man sparen will.

Das sollte reichen für eine weitere zurückliegende Woche in Lallendorf. Im nächsten Artikel wollen wir optimistisch nach vorn und den Pfingstochsen dabei in ihre Anüsse schauen.

Pfrohe Fingsten!

Pfingsten in Lallendorf: Ochsen, Schwarze, kalter Bauer

Pfingsten steht vor der Tür. Die Zeit der Ochsen und – zumindest beim Leipziger Wave-Gothic-Treffen (WGT) – zugleich die Zeit der Gruftis. Beides also nichts, was den homo marcransis aus dem Sessel heben würde. Ochsen haben wir hier genug und Schwarze sind im Lallendorfer Straßenbild jetzt auch nicht mehr so selten, dass man deren Gegenwart gleich mit frenetischen Brunftschreien feiern müsste. Lassen Sie uns also mal schauen, was am Pfingstwochenende zwischen Zschampert und Floßgraben so los ist.

In Räpitz gehts wieder rund. Nach zwei Jahren Abstinenz wird ab heute vier Tage lang Pfingstbier gezapft. Die Legende unter den Markranstädter Volksfesten wird dabei schon zum 40. Mal zelebriert.

Wie jedes Jahr, rief das Programm auch diesmal wieder die Fraktion der Meckerer und Mäkler auf den Plan.

Den Brunftschrei der Räpitzer Pfingstburschen kann man textlich nicht beschreiben, aber das Foto gibt eine Agnung davon.

Den Brunftschrei der Räpitzer Pfingstburschen kann man textlich nicht beschreiben, aber das Foto gibt eine Ahnung davon.

Weil sich die Räpitzer Pfingstochsen für die Kinderbelustigung einen Clown für 400 Euro die Stunde nicht leisten, auch die 1.000 Euro für die offizielle Straßensicherung beim Fackelumzug nicht verbrennen wollten, vor dem Preisanstieg beim Festzeltverleih von über 100 Prozent einknickten, sich die 800 Euro GEMA für die discomäßige Untermalung eines Jugendbesäufnisses verkniffen haben und keiner der zwei die Corona-Pandemie überlebenden deutschen Schausteller einen freien Termin fand, wurde das trotzdem geile Alternativprogramm von einigen Dorf-Gurus gleich als kultureller Offenbarungseid interpretiert.

Zumindest diese Tradition des wave-gothic-mäßigen Schwarzsehens hat die 43 Jahre seit dem ersten Räpitzer Pfingstbier schadlos überstanden.

Was neu ist, kann sich allerdings sehen und vor allem hören lassen. Das Konzert der Firebirds am Samstagabend ist sogar bis hin zu Fans in Beucha auf Interesse gestoßen. Auch das Ringreiten ist garantiert wieder ein besonderer Magnet, bei dem sich selbst eingefleischte Desinteressenten am ledernen Sattel auf die Kommentare der Ringrichterin von ihrem hohen Wagen freuen. Wer mehr vom Programm des Räpitzer Pfingstbiers wissen will, klicke einfach links (auf dem Handy unten) auf die Ankündigung.

Das Beste passiert bei solchen Festen ohnehin immer hinter den Kulissen. Mal sehen, wieviele Räpitzer diesmal nach neuen Monaten ein amtliches Schreiben erhalten. Die aktuelle Rekordmarke, aufgestellt beim Pfingstbier 2014, soll bei sieben auf einen Streich – also auf einem Fest – liegen. Allerdings ist die tapfere Schneiderin, in deren Innerem die Räpitzer Herren an nur einem Abend offenbar ganze Kilometer zurückgelegt haben, inzwischen in eine fortpflanzungsfreudigere Population umgesiedelt. Zurückgelassen hat sie sieben gehörnte Ehefrauen, die lediglich mit der Hoffnung schwanger gehen konnten, das ihr Mann wenigstens der Erste im Reigen der Begattungen war. Selbst so tief auf dem Lande ist der kalte Bauer verrufen.

So viel anders als in Räpitz geht es traditionell auch in Frankenheim nicht zu, nur dass die sich beim Kopulieren unter der Windmühle nicht erwischen lassen. Dafür sieht man so manchem Ureinwohner an, dass am nördlichen Polarkreis Markranstädts so mancher Stammbaum nur einen Ast hat.

Rein von den Besucherzahlen kann in Markranstädt nur noch das Promenadenfest mit dem Mühlentag am Pfingstmontag mithalten.

Rein von den Besucherzahlen kann in Markranstädt nur noch das Promenadenfest mit dem Mühlentag am Pfingstmontag mithalten.

Aber auch die Frankenheimer Mehlschaffenden haben sich allerhand einfallen lassen, um Groß und Klein wieder an ihre Mühle zu locken. Mühlenschmaus mit leckeren Kulinarien aus dem mühleneigenen Backofen, Handwerkermarkt, Basteln für Kinder und Mühlenführungen mit allerhand schaurigen und wahren Geschichten über den dort hausenden Mühlenkobold inklusive. Wer vorher bei Kräuter-Ferdi noch einen kräftigen Schluck nimmt, kann den Gnom sogar sehen.

MN-Tagestipp gratis

Und weil wir grade dabei sind, noch ein wichtiger Tipp: Zeitiges Kommen sichert möglicherweise sogar einen Abstellplatz fürs Fahrrad. Um 10.30 Uhr gehts am Pfingstmontag los auf der frisch gemähten Festwiese neben den frisch gemähten Blühstreifen.