Sonntagsfrage: Wer findet den Fehler?

Im Team der Nachtschichten wird entweder gar nicht geraucht oder es liegen Camel und Marlboro auf dem Tisch. Eine Dame quarzt Gaulioses [sprich: Gauläuse], der Chef greift manchmal zur Pfeife, außerdem steht ein mit 25 Cohibas prall gefüllter Humidor im Regal. Weil es lange nichts zu feiern gab, liegt die Zigarrenkiste allerdings unter einer dicken Staubschicht. Angesichts ausstehender Lohnzahlungen durch unsere Leser (die Anteilnahme in Form von Kommentaren geht gegen Null) greifen wir aus Frust immer öfter zu anderen Rauschmitteln. Bei einer solchen Orgie ist jetzt allerdings was ans Licht gekommen, auf das wir keine Antwort gefunden haben. Und deshalb fragen wir heute Sie!

Wichtiger noch als Zigaretten ist Alkohol. Nachdem der jüngst in reichem Maße die Kehlen der Satiriker gegerbt hatte, entbrannte eine heftige Diskussion darüber, welche Zigarettensorte wohl die beste sei.

Klar, wie alles in unserer Gesellschaft, wird die Beliebtheit über den Preis definiert. Und so trumpfte der MN-Chefsatiriker mit Camel für 18 Euro auf, um einen per Leihvertrag gemieteten Aushilfsvolontär zu übertrumpfen, der Camel für 20 Euro pro Schachtel raucht.

Im Grunde genommen lief zunächst alles auf die Pointe hinaus, die man schon vom Witz mit den Benzinpreisen kennt. Für Fritzchen gibt es keine Spritpreiserhöhung, er tankt immer für 30 Euro.

Rechnung steht auf der Kippe

Dann aber stellte sich im MN-Team eine Pause der Sprachlosigkeit ein. Die Hirne rauchten, mathematische Grundrechenoperationen wurden bemüht und so manch einer schielte sogar schon zum Tafelwerk unter dem Humidor.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir sind auf ein mathematisches Problem gestoßen, für das die Schulwissenschaft offenbar noch keine Erklärung gefunden hat. Auch die KI nicht. ChatGPT hat gemeint, es könne nicht antworten, weil es voll damit beschäftigt sei, das Problem zu bewundern.

Die Sonntagsfrage

Aber wozu haben wir eigentlich unsere Leser, die doch sonst immer auf alles eine Antwort haben? Also bitteschön: Hier eine Textaufgabe als Sonntagsfrage.

In einer Schachtel Camel zum Preis von 18 Euro befinden sich 53 Zigaretten. Das macht 0,34 Euro pro Zigarette. Im gleichen Regal, nur wenige Zentimeter davon entfernt, stehen Camel-Schachteln zum Preis von 20 Euro, in denen sich 60 Zigaretten befinden. Das macht nach Adam Ries 0,33 Euro pro Glimmstengel.

Wenn man nun die Differenz betrachtet (53 Stück für 18 Euro gegenüber 60 Stück für 20 Euro), befinden sich in der größeren Schachtel für 2 Euro mehr 7 zusätzliche Zigaretten. Sieben Zigaretten für zwei Euro macht aufgerundet 0,29 Euro pro Kippe.

Bei 0,29 Euro pro Zigarette dürfte sich der Preis der Schachtel allerdings nicht auf 20 Euro belaufen, sondern auf 60 x 0,29 = 17,40 Euro.

Frage: Wo kommt die Differenz in Höhe von satten 2,60 Euro her, wer steckt sie sich ein und wie wird sie versteuert? Lassen Sie bei Ihrem Rechenweg vermeintlich marktwirtschaftliche Mechanismen (beispielsweise dass Waren billiger werden, je größer die Abnahmemenge ist) getrost außer Acht.

Legendäre Preise

Für die drei originellsten Antworten spendieren wir je einen legendären Aufkleber „Ich bin ein Markranstädter“, für die bei Ebay inzwischen schon zweistellige Beträge aufgerufen werden.

Schreiben Sie Ihre Lösungsvorschläge gleich unten in den Kommentarbereich oder schicken Sie sie per eMail an redaktion@nachtschichten.eu.

Wir sind gespannt!

Sex mit Hühnern, Regionales aus Griechenland und humanoide Primaten

Was man nicht alles macht, wenn man die Nähe von fremden Menschen nicht ertragen kann. Donald Trump hat sich von einem Piercing-Spezialisten aus hundert Metern Entfernung ein Loch durch’s rechte Ohrläppchen schießen lassen. Jetzt kann er das in eine kirgisische Kreole gefasste rechte Ei von Josef Stalin, ein Geburtstagsgeschenk von Wladimir Putin, endlich auch in der Öffentlichkeit tragen. Oder war’s doch ganz anders? MN-Schriftführer Claus Narr hat jedenfalls drei Beispiele dafür gefunden, warum man Medienberichte und andere Informationen auch in Markranstädt mit Vorsicht lesen sollte.

Ich hab’s ja schon als Kind immer irgendwie geahnt, dass da was nicht stimmen kann mit den femini-mösen Reizen.

Warum schafft der liebe Herrgott mit weiblichen Brüsten zunächst einen wahren Tempel für männliche Begierden, um die Menschheit zweitausend Jahre später den BH zu erfinden zu lassen?

Weibliche Brüste: Behälter voller Missverständnisse

Schon als sich meine damals 15-jährigen Hände im Markranstädter Kino zum ersten Mal unter einem solchen Halfter verirrten, hatte ich danach mehr Fragen als Antworten. Im Film, der gerade über die Leinwand lief, stöhnte die Schauspielerin dabei. Das Mädchen neben mir begann aber, albern zu gaggern, was auch die folgenden Testpersonen in den nächsten Jahren oft taten.

Wenn das Euter aber nun ein Huhn ist?

Erst jetzt, in einem Alter, in dem mir die Antworten auf diese Fragen nichts mehr nützen, führen mich die Medien hin zur finalen Erleuchtung.

... und das Glied eine Zahnbürste.

… und das Glied eine Zahnbürste.

Nach der Lektüre dieses Artikels, mit dem der homo marcransis offenbar schonend auf den nächsten Lockdown vorbereitet werden soll, waren allerdings nicht nur meine Fragen beantwortet, sondern es überkam mich auch eine unbeschreibliche Erleichterung.

Fehlt nur noch, dass sie flattern

Nicht auszudenken, was aus mir geworden wäre, wenn auch nur eine meiner Verflossenen beim Minnespiel mit ihren Herzkranzgefäßen nicht nur gegaggert, sondern dabei vielleicht auch noch ein Ei entbunden und mit ihren Möpsen geflattert hätte.

Knutschfleck vom Hufeisen

Wahrscheinlich wäre ich schon in meiner Jugendzeit auf Pferde umgestiegen. So einen Huf sieht man wenigstens auf sich zukommen und es heißt ja nicht umsonst, dass es zu den schönsten Momenten intimen Zusammenseins zählt, wenn man mal richtig einen verbraten kriegt. Der Knutschfleck von einem Hufeisen hält auch länger.

Wenn man schon als junger Mensch, beispielsweise im Geografie-Unterricht, von Gedanken an gaggernde Möpse oder rossige Stuten abgelenkt wird, kann das auch noch im Alter schwerwiegende Folgen haben.

Willkommen in Markranstädt, Ortsteil Griechenland

Zumindest war ich ziemlich erstaunt, als ich in einem Rewe-Einkaufsmarkt mit einer Information konfrontiert wurde, die so gar nicht zu meinem mühsam erlernten geografischen Halbwissen passen wollte. Demnach muss Ergüllü, ein mutmaßlich scharfer Grieche, offenbar aus meiner direkten Nachbarschaft stammen. Ich gebe zu: Bisher hatte ich Griechenland eher in den Süden des europäischen Kontinents verortet.

Demnächst in diesem Regal: Heimische Kokosnüsse aus regionalem Anbau.

Demnächst in diesem Regal: Heimische Kokosnüsse aus regionalem Anbau.

Irgendwas muss passiert sein zwischen meiner Schulzeit und der Gegenwart. Natürlich habe selbst ich schon davon gehört, dass Europa inzwischen enger zusammengerückt ist als die beiden deutschen Staaten. Aber gleich so eng, dass Feta-Käse aus der Ägäis oder Ouzo aus Thessaloniki quasi in unseren Vorgärten blühen? Das wirft Fragen auf.

Regionale Vorlieben und ein Besuch im Mokkastübchen?

Stecken vielleicht die Hellenen selbst dahinter, die ihre nach ihnen benannte Sexualpraktik „griechisch“ los werden und als regionales Kulturgut jetzt uns Deutschen unterjubeln wollen?

Rettungsschirm für Ergüllü

Nachdem die sich mit der gleichen Taktik auch schon ihrer Schulden entledigt hatten, traue ich denen alles zu. Trotzdem würde ich niemals in einem Mokkastübchen rumstochern. Auch nicht, wenn es mit regionaler Herkunft lockt, die gerade mal ein paar tausend Kilometer entfernt ist.

Becher „made in germany“ reicht für „Grieche von hier“

Ich tippe dennoch wieder mal nur auf einen Furz aus dem geblähten Bauch des deutschen Amtsschimmels. Jede Wette, dass der 125-Gramm-Becher, in dem der zuvor in Malaysia zerstückelte und in Nairobi mit neuseeländischem Trinkwasser gestreckte Ergüllü abgefüllt wurde, aus der Produktion einer sächsischen Ich-AG stammt.

Damit sind wenigstens 0,3 Prozent der Wertschöpfungskette in einer Kamenzer Garage realisiert worden und das Endprodukt darf als regionales Erzeugnis angepriesen werden.

Wahrscheinlich nachzulesen in der Europäischen Produktabwandlungsrichtlinie zur Gewährleistung markenrechtlicher Interpretationssicherheit der Herkunftsangaben beim Handel mit kulturkreisdivers integrierten Lebensmitteln auf dem Gebiet der Länder der Europäischen Union (kurz: EPGIHbHkiLGLdEU).

Die Evolution der Primaten

Ähnlich verwirrend wirkte auch eine Nachricht aus dem Leipziger Zoo auf mich. Dort hatte Direktor Jörg Junhold offenbar eine Begegnung mit einem echten Tier. Gut, der kann einem viel erzählen, wie ein Tier aussieht. Nachdem ich bei meinen letzten drei Zoo-Besuchen für viel Eintritt kaum eins zu sehen bekam, war ich seit 2012 nicht mehr dort. Außerdem verspricht ein Spaziergang für lau durch den Markranstädter Pappelwald sowieso wesentlich mehr Abenteuer als eine Bootstour durchs Gondwana-Land.

Zoo-Chef trifft Gorilla

Um den Lesern glaubhaft zu machen, dass man im Leipziger Zoo tatsächlich noch Tiere sehen kann, hat das Qualitätsorgan Sachsen-Sonntag jetzt ein Foto von Junholds Begegnung mit einem Gorilla veröffentlicht.

Ohne Brille hätte er das Gorillaweibchen wohl nie entdeckt und wir ohne Bildtext auch nicht.

Ohne Brille hätte er das Gorillaweibchen wohl nie entdeckt und wir ohne Bildtext auch nicht.

Eine gelungene Werbemaßnahme, wie ich finde. Jedenfalls hat sie mich nachhaltig dazu motiviert, einen Kredit aufzunehmen und mal wieder den Zoo zu besuchen. Dort muss die Evolution in den vergangenen zwölf Jahren derart große Sprünge vollzogen haben, dass man echt eine Brille braucht, um die Primaten noch vom Menschen unterscheiden zu können.

Falls ich wieder keinen Gorilla sehe, treffe ich aber vielleicht ein gaggerndes Huhn, ein ausschlagendes Pferd oder meinen neuen Nachbarn Herrn Ergüllü. Es könnte auf alle Fälle ein sehr unterhaltsamer Ausflug werden, der mir versagt geblieben wäre, wenn ich nicht inmitten einer Informationsgesellschaft leben würde.

Deutscher Meister im Handtuchwedeln kommt aus Markranstädt

In zwei Stunden Sauna kann man manchmal mehr erleben als in 14 Tagen Urlaub. Erst letztens soll ein Gast in einem Chemnitzer Dampfbad versucht haben, einer anderen Besucherin an den Nippeln rumzuspielen. Auf die Frage, was das solle, stellte sich der Gast dumm und meinte, dass er nur einen Radiosender suchen wollte und im Dunst des Aufgusses wohl die Knöpfe verwechselt habe. Darauf blickte ihm die Frau auf’s Gemächt und meinte: „Mit der Antenne können sie aber nichts empfangen.“ Doch es gibt auch noch andere Geschichten aus der deutschen Dampfbad-Landschaft. Die Erfolgreichste trug sich jetzt in der Markranstädter Meri-Sauna zu.

Im Wellness-Tempel am Westufer des Kulki hat sich Kacper Zawadzki an der Massagebank längst in die Herzen seiner Gäste geknetet.

Seit fast zwei Jahren ist der gebürtige Pole bereits im Team der Meri-Sauna tätig. Chef Andreas Menger hatte dessen Talent sofort erkannt und alles dafür getan, dass sein neues Juwel auch in Markranstädt bleibt. Deshalb hat er für seinen Saunameister aus Kattowitz erst mal einen Sprachkurs im MGH gebucht. Hat geklappt. Zawadzki spricht die Fachsprache aller Dampfbad-Experten inzwischen fließend: Schwitzer-Deutsch.

Von den Radio-Knöpfen unters Saunatuch

Den ganzen Tag lang an der Massagebank Radiosender suchen und dafür auch noch bezahlt werden, das klingt nach einem Traumjob. Aber der hat dem 31-Jährigen bereits in seiner Jugendzeit nicht gereicht, weshalb er schon früh damit begonnen hat, ab und zu auch mal zu wedeln. Um Missverständnissen vorzubeugen: Zawadzki tut sowas tatsächlich unter Saunatüchern, allerdings lässt er diese dabei spektakulär über seinem Kopf durch die Lüfte fliegen.

In der Meri-Sauna begeistert Zawadzki seine Gäste schon seit fast zwei Jahren mit seinen Shows. Jetzt ist er Deutscher Champion und fährt zur Weltmeisterschaft.

In der Meri-Sauna begeistert Zawadzki seine Gäste schon seit fast zwei Jahren mit seinen Shows. Jetzt ist er Deutscher Champion und fährt zur Weltmeisterschaft.

Weil es in der Kattowitzer Sauna dafür oftmals sogar Beifall gab, hat der sympathische Rotschopf den Tanz mit den großen Tüchern mehr und mehr perfektioniert, sich immer neue Tricks einfallen lassen und sie zu einer Show zusammengeschmiedet, mit der er 2022 polnischer Landesmeister im Handtuchwedeln geworden ist. „Aufgussmeister“ nennt sich das auf Schwitzer-Deutsch.

Vorurteile wie weggewedelt

In Markranstädt konnten die saunabegeisterten Ureinwohner zunächst nicht viel mit dem Begriff anfangen. Wenn eine östlich von Oder und Neiße ausgebildete Fachkraft den Umgang mit Saunatüchern beherrscht, wurde das bis dato eher mit der Befürchtung verknüpft, dass sie hinterher weg sind.

Deutscher Meister!

Jetzt also eine völlig neue, geradezu begeisternde Erfahrung und die hat die Meri-Sauna nun sogar zum führenden Dampfbad-Tempel zwischen Harz und Zittauer Gebirge gemacht. Seit dem 29. Juni ist der Frontmann des Markranstädter Sauna-Teams auch hierzulande nationaler Champion: Kacper Zawadzki ist Deutscher Aufgussmeister 2024, der erste Titelträger Mitteldeutschlands!

Sein Meisterstück bei den Titelkämpfen in der brandenburgischen Satama-Saunalandschaft war das Sahnehäubchen unter allen 24 Vorstellungen der deutschen Aufguss-Elite.

Schwerstarbeit: 14 Minuten bei 85 Grad unter Schamanenkostüm

Keine Sekunde länger als genau 14 Minuten durfte es dauern und dabei eine künstlerisch zum Ausdruck gebrachte Geschichte erzählen, die zu den Aromen des Sauna-Aufgusses passt, die Zawadzki dann gleichmäßig, wohldosiert und auf eine für die Gäste möglichst unterhaltsame Weise zu verteilen hatte.

Wer unter diesem Kostüm bei 85 Grad Raumtemperatur eine Viertelstunde lang mit dem Dampf tanzt, hat den heißesten Job in ganz Markranstädt.

Wer unter diesem Kostüm bei 85 Grad Raumtemperatur eine Viertelstunde lang mit dem Dampf tanzt, hat den heißesten Job in ganz Markranstädt.

Der für die Meri-Sauna ins Rennen gegangene Zawadcki hatte sich dazu eine Szene aus dem Alltag eines antiken Schamanen erarbeitet. Seine Kollegen aus der Karlstraße 91 hatten ihm eigens dafür einen hölzernen Götzen geschnitzt, in dem sie auch noch ein paar technische Raffinessen versteckten.

Gottesdienst in der Sauna

„Am Anfang des Zeremoniells bete ich diesen Gott an und bitte ihn um Wasser und Wind“, berichtet der neue Champion. Das untermale er mit einem Tanz und dem Spiel mit seiner Maultrommel, was eine mystische Atmosphäre erzeugt, bei der sich den Saunagästen trotz 85 Grad Raumtemperatur die Gänsehaut als Erpelpullover aufstellt. Auf dem Höhepunkt der Zeremonie zeigt sich der Gott besänftigt speit Wasser auf die heißen Steine.

Am Ende erhört der Götze die Gebete und spuckt Wasser auf die heißen Steine. Szenen aus Zawadzkis Meistershow beim Championat in der Satama-Sauna.

Am Ende erhört der Götze die Gebete und spuckt Wasser auf die heißen Steine. Szenen aus Zawadzkis Meistershow beim Championat in der Satama-Sauna.

 

Jetzt beginnt für Zawadzki, der bei Temperaturen kurz unter dem Siedepunkt und jeder Menge heißem Dampf noch immer unter den Kostüm des Schamanen steckt, die Hauptarbeit. Gekonnt und mit selbst erarbeiteten Tricks, die er seit Januar in täglich mehrstündigem Training einstudiert hatte, wirft er die großen Saunatücher durch die Luft, lässt sie um seine Finger wirbeln und verteilt so die Aromen und die Hitze.

Während Otto-Normalbürger nach so einer Anstrengung auf der Intensivstation aufwachen würde, musste Zawadzki die Show sogar zweimal vorführen. In der Vorrunde setzte er sich erst gegen Deutschlands 24 Beste ihrer Zunft durch und im Finale ließ er dann die sieben restlichen Handtuchwedler hinter sich.

Jetzt kommt die Weltmeisterschaft

„Der erste deutsche Aufgussmeister aus Mitteldeutschland“, freut sich Andreas Menger über den Ritterschlag für seine Meri-Sauna. Allerdings hat das auch seinen Preis. Im September muss Menger in Markranstädt ein paar Tage ohne seinen Star auskommen. Als Deutscher Titelträger ist Kacper Zawadzki für die Weltmeisterschaften qualifiziert, die vom 9. bis 15. September im holländischen Bussloo stattfinden.

Zurück in der heimischen Meri-Sauna: Kacper Zawadzki mit Urkunde und Meisterpokal. Mit der anderen Hand trainiert er schon für die kommenden Weltmeisterschaften in Holland.

Zurück in der heimischen Meri-Sauna: Kacper Zawadzki mit Urkunde und Meisterpokal. Mit der anderen Hand trainiert er schon für die kommenden Weltmeisterschaften in Holland.

Für Menger und das Meri-Team ist das allerdings kein Problem, mal ein paar Tage ohne ihren Meister auszukommen. In der Saunalandschaft am Kulki gibt’s schließlich auch andere Neuerungen, die Gäste anlocken. Ab August wird hier ein „Banja-Ritual“ eingeführt. Man möchte kaum glauben, wie viele Besucher jetzt schon drauf scharf sind, sich mit Birkenruten mal richtig gepflegt verdreschen zu lassen.

Klatschen in der Sauna

Weniger brachial, dafür mindestens genauso laut, wird es künftig im Ruhehaus der Saunalandschaft zugehen. „Klatschweiber“ heißt das Event, das Gruppen von bis zu 10 Frauen mieten können, um dort gemeinsam ihre genetischen Veranlagungen multiverbaler Kommunikation pflegen zu können. Haben sie genug geklatscht, werden sie von dienstbeflissenen Paginnen und Pagen abgeholt und einem auf die Ansprüche der Damenwelt abgestimmten Verwöhnprogramm zugeführt.

Noch ’ne heiße Bühne

Und pünktlich zum 15. Geburtstag der Meri-Landschaft hat der Chef schließlich noch eine Überraschung aus dem Sack gelassen. „Wir planen aktuell die Errichtung einer weiteren Sauna“, gibt Andreas Menger bekannt. Sein Meisterwedler gerät bei dieser Aussicht ausnahmsweise schon ins Schwitzen, wenn er nur daran denkt.

Erneut alle Kabel weg: Kupferabbau an E-Tanke in Markranstädt

Böses Erwachen am Montag für Piloten von batteriebetriebenen Autos. Kaum eine Woche hat es gedauert, bis die nach dem Diebstahl an der E-Tankstelle in der Siemensstraße ersetzten Ladekabel erneut geklaut wurden. Zum dritten Mal inzwischen. Was Wunder, wenn trotz Möglichkeiten wie Alarmanlagen, Überwachungskameras oder Streifendienst eisern an das Gute in den Dieben geglaubt und nichts an den Rahmenbedingungen geändert wird. Während der ruhende Verkehr in Markranstädt geradezu lückenlos überwacht wird, stellt sich angesichts des aufreizenden Gleichmuts, mit dem die gesellschaftliche Ordnungsmacht auf den Kabelklau reagiert, die Frage: Ist es überhaupt Diebstahl? Die Markranstädter Nachtschichten sind bei ihren Recherchen auf ein interessantes Wirtschaftsmodell gestoßen, das einiges erklärt.

Was auch immer man hört, liest oder sieht, überall wird darüber geklagt, dass Wirtschaftskreisläufe kollabieren, Rohstoffe knapper werden und Lieferketten zusammenbrechen.

Aber bei der liebgewordenen Pflege ihrer eigenen Depressionen entgehen den Medien wichtige Entwicklungen, die Hoffnung geben.

So hat sich in Markranstädt jetzt beispielsweise ein junges Start-Up die Folgen des gesellschaftlichen Versagens zu Eigen gemacht und einen alternativen Wirtschaftskreislauf mit einer zuverlässig funktionierenden Lieferkette aufgebaut.

Der neue Kupferkreislauf

Ein Pilotprojekt, von dem viele Akteure der freien Wirtschaft profitieren und das deshalb schon zahlreiche Nachahmer auf den Plan gerufen hat.

Und der homo marcransis lernt: Die Veränderung der Eigentumsverhältnisse von Gegenständen ist in Markranstädt gerade ganz groß in Mode. Aber nicht alles, was nach Eigentumsdelikten aussieht, ist auch wirklich Diebstahl.

Kaum eine Woche hats gedauert, da waren hier schon wieder abbe Kabel dran.

Kaum eine Woche hats gedauert, da waren hier schon wieder abbe Kabel dran.

Weil der Weltmarkt aktuell unter der Last immer knapper werdender Rohstoffe ächzt, wird auch der Ruf nach der Ausschöpfung letzter Buntmetallreserven immer lauter. Und genau hier setzt ein Joint-Venture an, das von einem Kollektiv findiger Jungunternehmer mit arbeitsferner Lebenseinstellung initiiert wurde.

Das Prinzip ist ebenso einfach wie erfolgreich. Der E-Tankstellenbetreiber rüstet seine Ladesäulen zunächst mit Kupferkabel aus. Nach etwa einer Betriebswoche fahren die Mitarbeiter der Brigade „Eigentumswechsel“ vor und flexen in einer kurzen Nachtschicht alle 12 Leitungen ab.

Die werden dann zum Kilo-Preis von aktuell etwa 7 Euro einem gut vernetztem Konsortium leistungsfähiger Zwischenhändler zugeführt.

4.900 Prozent Gewinn!

Bei einem Gewicht von rund 7 Kilo Kupfer pro Kabel kommen auf diese Weise innerhalb eines Arbeitseinsatzes an der Tankstelle vorm Markranstädter Möbelhaus gleich mal um die satte 588 Euro zusammen. Angesichts der Investitionskosten von lächerlichen 12 Euro für einen Bolzenschneider macht das allein für die Brigade vor Ort einen Gewinn von 4.900 (in Worten: viertausendneunhundert) Prozent!

Ein Wirtschaftswunder: Der Wert des hier abgebauten Kupfers beläuft sich auf etwas mehr als 500 Euro, ein neues Ladekabel kostet, je nach Ausführung, bis zu 3.000 Öcken.

Ein Wirtschaftswunder: Der Wert des hier abgebauten Kupfers beläuft sich auf etwas mehr als 500 Euro, ein neues Ladekabel kostet, je nach Ausführung, bis zu 3.000 Öcken.

Die im Vertriebsnetz integrierten Zwischenhändler sind derweil auch nicht nur aus rein christlicher Nächstenliebe tätig.

Aber weil die um ihre Ladekabel erleichterten E-Tankstellenbetreiber neue Leitungen brauchen und die Zulieferer deshalb unter Druck setzen, ist die Industrie bereit, die Forderungen der Zwischenhändler zu erfüllen. Der Preis wird, samt eigenem Aufschlag, ohnehin an den Tankwart weitergereicht.

Eigentum kehrt recycelt zurück

Und so klingelt schon wenige Tage später der Postbote an der Haustür des Tankstellenbetreibers und liefert ihm nagelneue Ladekabel, die aus dessen eigenem Kupfer bestehen.

Wirtschaftswachstum „made in germany“

Weil dieser Kreislauf bestens funktioniert und für das gleiche Kupfer jedesmal neue Kosten oben drauf kommen, bewegt sich das Preissegment für ein einziges Kabel inzwischen bei bis zu 3.000 Euro. Das ist Wirtschaftswachstum „made in germany“.

Aber der eigentliche Clou kommt erst noch, denn der schlaue Mathematiker stellt sich die Frage, wer die Differenz zwischen dem Erlös der Brigade „Eigentumswechsel“ in Höhe von 49 Euro pro Kabel und dem Verkaufspreis von 3.000 Euro des recycelten Neuproduktes löhnen muss.

Von wegen Fachkräftemangel: Die Kabel wurden so sauber abgetrennt, dass sich jeder Elektromeister nach solch qualifizierten Mitarbeitern sehenen würde.

Von wegen Fachkräftemangel: Die Kabel wurden so sauber abgetrennt, dass sich jeder Elektromeister nach solch qualifizierten Mitarbeitern sehnen würde.

Na klar, wenn der Tankstellenbetreiber gut aufgestellt ist, hat er dafür eine Versicherung abgeschlossen. Das Treiben der Versicherer unterliegt allerdings einer wesentlich stärkeren gesellschaftlichen Kontrolle als das der Soloselbstständigen, die in der am Anfang der Lieferkette stehenden Brigade arbeiten.

Fair trade: Alle zahlen mit

Und genau deshalb wird die Versicherung ihre Beiträge erhöhen. Nicht nur die für die E-Tankstellen, sondern selbstredend die aller Versicherungsnehmer. Auf diese Weise werden nicht nur die Besitzer von E-Autos über höhere Spritpreise pro Kilowattstunde, sondern letztendlich alle Bürger gleichermaßen an diesem Modell des wirtschaftlichen Wachstums beteiligt. Fairer geht’s nicht.

Mal positiv gesehen …

Bevor also der staatlichen Exekutive haltlose Vorwürfe wegen ihrer scheinbar wohlwollenden Duldung dieser Entwicklung unterstellt werden, wäre man gut beraten, die Sache erst mal aus der richtigen Perspektive betrachten.

Wahlversprechen eingelöst

Statt zu meckern oder uns zu ärgern, sollten wir lieber stolz darauf sein, als Teil des wirtschaftlichen Aufschwungs in diesem Lande aktiv mitwirken zu können. Es ist unser Kanzler, der damit ein Wahlversprechen eingelöst hat: „Wir müssen die Menschen in unserem Land mitnehmen.“ Danke, Olaf, dass du dich wenigstens daran noch erinnern konntest.

Dank Förderung: Rekordjagd in Markranstädt

„Sie mögen bitte mehr positive Dinge berichten, verlautbart aus dem Machtzentrum.“ Mit diesem flammenden Appell wider alle liebgewordenen Depressionen wandte sich kürzlich ein überzeugter MN-Leser an das weltweit größte Satireorgan Markranstädts. Leider mussten wir ihm antworten, dass wir das zwar gern tun würden, uns aber die Fachkräfte für solche Aufgaben fehlen. Kurzerhand erklärte sich der Leser bereit, seine neu gewonnene Freiheit künftig als Volkskorrespondent der Markranstädter Nachtschichten zu nutzen und seine Feder selbst in Weihrauch zu tauchen, um ein Optimismus ausstrahlendes Poem zu entbinden. Liebe Leser: Begrüßen Sie mit uns die neue MN-Edelfeder Raphael Beule und lassen Sie uns gemeinsam sein Erstlingswerk feiern!

Positive Dinge gibt es auch über Markranstädt zu berichten. Beispielsweise zur Förderung des Jugendsports.

Aktuell werden große technische Anstrengungen unternommen, um den hoffnungsvollen Nachwuchs im Rennsport, natürlich im Rahmen der Möglichkeiten, zu unterstützen. Auch steuerlich ist das zukunftsträchtiger als Investitionen in die vergleichsweise brotlose Kunst des Synchronschwimmens oder Federball.

Die Amsel muss weg!

Vom Startpunkt am Tierpark in Lützen aus können die jungen Racker über die lange Gerade in Richtung Markranstädt Anlauf nehmen. Ob man schon genug Geschwindigkeit aufgenommen hat, lässt sich auch ohne Blick auf den Tacho beim Passieren des Chauseehauses feststellen.

Kann man auf dem dort angebrachten Fan-Banner die Aufschrift „Die Ampel muss weg!“ erkennen, ist man noch zu langsam. Verschwimmen die Buchstaben allerdings zum Slogan „Die Amsel muss weg!“, hat man die für Markranstädt am besten geeignete Durchfahrtsgeschwindigkeit erreicht.

Wer bremst, verliert

Doch Vorsicht: Unmittelbar vor Erreichen des Stadtkurses lauert noch eine gefährliche Rechts-Links-Kombination, die gefürchtete „Georg-Frank-Schikane“. Klug angefahren, sollte man sie nahezu ungebremst nehmen. Etwa in Sichtweite des örtlichen Bestattungshauses lauert dann vor der Einfahrt ins städtische Motodrom jene Stelle, wo sich die Spreu vom Weizen trennt.

Am Scheitelpunkt der Ideallinie wird dann von der Boxengasse aus über eine vorbildlich ablesbare Info-Tafel die persönliche Bestzeit angezeigt.

Service aus der Markranstädter Boxengasse. Diese Rundenzeit wurde allerdings längst übertoffen.

Service aus der Markranstädter Boxengasse. Diese Rundenzeit wurde allerdings längst übertoffen.

Einziger Wehrmachtstropfen: Ohne Co-Piloten gestaltet es sich als Herausforderung, das Ergebnis per Fotobeweis der Nachwelt zu erhalten. Lenken, schalten, fotografieren: Hierbei wird die Fähigkeit multifunktioneller Körperbeherrschung trainiert.

Wie am Comuter, nur echt

Das Konzept ist pädagogisch durchaus wertvoll, kann man so doch auch ganz ohne natürliche Gegner üben. Etwas aus der Zeit gefallen erscheinen lediglich die nur zweieinhalbstelligen Siebensegmentanzeigen. Hier muss noch aufgerüstet werden!

Selbst die von weniger talentierten Hartgeldluden bevorzugten, schmalbrüstigen flotten Dreier aus bajuwarischer Vorwendeproduktion stoßen, von unnützem Ballast befreit, durchaus in Geschwindigkeitsregionen vor, die noch vor wenigen Jahrzehnten als imperialistischer Angriff auf die Grundfesten der sozialistischen Bewegung geächtet waren.

Einfahrt ins Motodrom: Bei über 200 Sachen stellt sich der Tunnelblick ein, der sogar rote Ampeln grün erscheinen lässt.

Einfahrt ins Motodrom: Bei über 200 Sachen stellt sich der Tunnelblick ein, der sogar rote Ampeln grün erscheinen lässt.

Aber es gibt auch bei diesem Konzept noch Luft nach oben. Im Rahmen der kommunalen Chronistenpflicht wäre möglicherweise ein dezenter Hinweis im Mängelmelder hilfreich. Bei der Gelegenheit könnte man auch gleich noch noch einige Zeilen für weitere Einträge anfügen. Zum Beispiel für die Rangliste der bisherigen Rekordhalter.

Noch Luft nach oben

Im Gegenzug könnte der physikalisch nicht immer korrekte Hinweis „Sie fahren“ um weitere Bewegungsformen wie Pirouetten, Sidewinder, Parabelflüge oder auch versehentliche Kaltumformungen ergänzt werden. In diesem Sinne: Wir trinken erst mal einen, gefahren ist dann schnell.

Raubzüge durch Markranstädt: Willkommen in Klein-Johannesburg

Der Reichtum, der den Siedlern in Markranstädt nachgesagt wird, lockt vielerlei dunkle Gestalten an. Fahrräder werden inzwischen nur noch als Fluchtfahrzeuge geklaut, um das Diebesgut von E-Ladesäulen, aus Hinterhöfen, Hauskellern, Betrieben oder Gartenanlagen in die heimischen Zwischedepots zu transportieren. Schon spricht man über Markranstädt von „Klein-Johannesburg“. Ein Rückblick auf die vergangene Woche.

Jetzt waren die Laubenpieper in sämtlichen Gartenanlagen im Schwarzen Weg dran.

Geklaut wurde kaum was. Hier ein Radio, dort eine Motorsense … was man bei einem Erkundungsausflug zur Vorbereitung für Raubzüge in kühleren Herbsttagen eben so mitnehmen kann.

Es war nicht alles schlecht

Die Ausbeute stand derweil in keinem Verhältnis zu den angerichteten Schäden, was die betroffenen Opfer geradezu sehnsüchtig nach anderen Zeiten zurückdenken lässt.

„Es war früher nicht alles schlecht“, sinniert ein Kleingärtner an seinem niedergetretenen Zaun. Man hätte nach dem Krieg vielleicht doch nicht gleich alles zerstören oder zu Gedenkstätten umwandeln sollen.

Alte Ideen mit neuen Inhalten

Mit ein paar neuen erzieherischen Inhalten versehen, wäre so manches Bauensemble auch heute noch sehr nützlich, ist er überzeugt.

Mundraub ist nicht strafbar, wenn man Hunger hat. Das Geld wurde nur mitgenommen, weil's rum lag.

Mundraub ist nicht strafbar, wenn man Hunger hat. Das Geld wurde nur mitgenommen, weil’s rum lag.

Nichts geklaut wurde auch in der Laube auf dem Nachbargrundstück. Dafür hat deren Eigentümer jetzt keine Tür mehr an seinem Gartenhäuschen.

Dieses Stillleben „Ruine mit Klinke“ hat einen anderen Nachbarn auf den gleichen Gedankenweg geführt. „Der Begriff Lager ist ja leider verrufen“, sagt er.

„Aber eine soziale Einrichtung, in der sie erst etwas zu essen bekommen, wenn sie die Tür repariert oder die beschmierten Wände gereinigt haben, da würde ich mich als Aufseher sogar sehr gern ehrenamtlich engagieren.“

Diese Maßnahmen sozialer Pädagogik sind allerdings die harmloseren Ideen, die aktuell in Markranstädt verstärkt die Runde machen.

Opfer wie elektrisiert

Dem Kleingärtner beispielsweise, der um seine rund 500 Euro teure Motorsense erleichtert wurde, sind in den letzten sieben Jahren schon 5 Fahrräder geklaut und der Keller leergeräumt worden. Jetzt hat er den aufgebrochenen Geräteschuppen in seinem Garten mit blanken Kabeln eingewickelt, durch die nachts 220 Volt fließen.

Die Folgen einer traumatische Kindheit im Neubaublock: Sie wollten nur mal gucken, wie die Laubenpieper so wohnen. Richtig geklaut wird erst im Herbst und Winter.

Die Folgen einer traumatische Kindheit im Neubaublock: Sie wollten nur mal gucken, wie die Laubenpieper so wohnen. Richtig geklaut wird erst im Herbst und Winter.

Die neue Kamera, die er versteckt an seiner Laube installiert hat, dient deshalb nicht der Identifizierung der Täter, „weil die ja am nächsten Tag sowieso wieder auf freiem Fuß sind“. Vielmehr will sich der Gärtner an den Zuckungen des „Dreckpacks“ weiden, wenn sie seinen Schuppen berühren.

Sollte er, einem Wunder gleich, seiner Motorsense je wieder habhaft werden, wolle er selbstredend nicht mehr damit mähen, sondern „dem asozialen Pack so lange damit auf die Pfoten dreschen, bis denen die Langfinger abfallen.“

In den Markranstädter Gartenanlagen beginnt man offenbar, sich selbst zu organisieren. Wachen werden eingeteilt, Kameras installiert und Fallen aufgestellt, um die sogar kanadische Großwildjäger ehrfürchtig einen Bogen schlagen würden. Die Polizei wird schon längst nur noch als Buchhalter für die Führung der Statistik wahrgenommen: Fallzahlenverwaltung.

Ziehen Sie eine Nummer

Der Gang ins Kommissariat zur Erstattung einer Anzeige bedeutet für die Opfer gefühlt einen höheren Aufwand als ihn die Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen folgen lässt. Im Prinzip geht`s eigentlich nur noch um die Tagebuchnummer für die Versicherung. „Es wäre einfacher, wenn wir uns diese Nummern im Treppenhaus vor der Polizeistation selber ziehen können“, wirbt das Opfer eines Kellereinbruchs um die Nachnutzung der Erfahrungen aus dem Jobcenter.

Die Gedanken der Opfer

Wenn die Gesellschaft sonst nichts zu bieten hat, um solchen Umtrieben entgegenzuwirken, ist es verständlich, dass man sich auf dahingehend erfolgreichere Zeiten und ihre Instrumente besinnt. Sensibilisiert von den ungestörten Raubzügen durch Keller, Gartenanlagen und Hinterhöfe, erhofft sich der homo marcransis jetzt sogar schon Hilfe aus der Interpretation auf den ersten Blick ganz unscheinbar formulierter Stellenanzeigen.

Eigentlich eine ganz normale Stellenanzeige. Einige Markranstädter Diebesopfer verbinden allerdings ganz andere Hoffnungen damit.

Eigentlich eine ganz normale Stellenanzeige. Einige Markranstädter Diebesopfer verbinden allerdings ganz andere Hoffnungen damit.

Es war wohl doch nicht alles schlecht.