Diskriminierung in Markranstädt: Leihväter abgezockt, Gebärmütter kassieren

Der Geburtenknick führt zu drastischen Maßnahmen. Inzwischen soll sogar schon die Vorlage von Videos mit dem Zeugungsakt als amtliche Willensbekundung bei der Beantragung eines Kitaplatzes genügen. Weil sich die Markranstädter selbst durch diese Lockerung nicht zum Sex zwingen lassen, hat MN-Chefredakteur Claus Narr jetzt mal das aktuelle Erfolgsmodell von Jens Spahn unter die Lupe genommen. Irgendwie haben die Folgen dieses Vorgangs schließlich in ganz Deutschland neue Hoffnung genährt.

Vor dem Hintergrund der Mietmutter in der Causa Jens Spahn vermisse ich in der Gesellschaft eine längst überfällige Debatte.

Warum reden eigentlich alle über Leihmütter? Wo bleibt die Gleichstellung? Warum gibt es noch keine Leihväter-Lobby, keine Leihvaterquote und keinen staatlich geförderten Vaterschafts-Leasingfonds?

Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin selbst Leihvater. Okay, das hat Spaß gemacht, damals. Viel Spaß sogar. Allerdings habe ich infolge mangelnder Vorsicht einen Tarif erwischt, der vermutlich aus einer Zeit stammt, als Familienplanung noch ohne Geschäftsbedingungen und Rückgaberecht funktionierte.

Alimente bis zur Rente

Ich habe dafür keine Vergütung bekommen, keine Servicepauschale und keinen Bonus für besonders lange Laufzeiten. Stattdessen muss ich bezahlen. Seit Jahren. Alimente.

Mein Leasingvertrag für die Brut läuft also praktisch lebenslang – mit monatlicher Abbuchung und ohne Kündigungsoption. Und jetzt erfahre ich, Jens Spahn sei Dank, dass das bei Leihmüttern genau andersrum läuft und die sogar richtig Kohle dafür kriegen!

Wo sind die Wöchner?

Diese unerträgliche geschlechtliche Diskriminierung prangere ich an. Ich plädiere dafür, dass wir wenigstens in Markranstädt ein zeitgemäßes Geschäftsmodell zur Familienplanung entwickeln.

Schließlich funktioniert hier sogar das Car-Sharing. Da stehen Autos rum, werden von verschiedenen Menschen genutzt und am Ende landet alles wieder ordentlich in der Statistik.

Pilotprojekt: Baby-Sharing

Warum sollte dieses Erfolgsmodell nicht auf Kinder ausgeweitet werden? Kinder-Sharing – die nachhaltige Alternative zur mühsamen Einzelanfertigung, bei der hinterher immer darüber gestritten wird, wer auf der nassen Seite einschlafen muss.

Natürlich müsste die Politik vorher noch einige kleine, aber wichtige Details klären. Etwa steuerliche Vorteile.

Wer ein Kind least, könnte künftig die Raten als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen. Besonders nachhaltige Eltern erhalten eine Umweltprämie, wenn sie ein gebrauchtes Familienmodell übernehmen.

Auch Rückruf-Aktionen wären denkbar. Hersteller könnten Eltern informieren, wenn bei bestimmten Jahrgängen Software-Updates nötig sind: „Bitte bringen Sie Ihr Kind zur Überprüfung ins Bürgeramt. Die Trotzphase Version 5.0 enthält möglicherweise sicherheitsrelevante Fehler. Das Modul <Crystal> muss auf <Sternburger> zurückgesetzt werden.“

Leasing-Bäume mit CO2-Prämie

Andererseits hat Markranstädt längst bewiesen, dass wir mit Nachwuchs professionell umgehen können. Jedes Jahr pflanzt die Stadt für jedes neugeborene Kind einen Jahrgangsbaum. Ein wunderschönes Symbol für Verwurzelung, Zukunft und Gemeinschaft.

Beim Kinder-Leasing sollte man diesen Brauch nur etwas modifizieren: Künftig müsste es zum geleasten Kind den passenden Leasingbaum geben. Allein die CO₂-Bilanz eines solchen Gehölzes lässt den ökologischen Fußabdruck eines jeden Zeugungsaktes wie eine Urlaubsreise mit dem E-Auto nach Sizilien erscheinen.

Lieferkettennachweis für Leihkinder?

Doch die eigentliche Frage lautet, wem Elternschaft gehört und ob Schwangerschaft, Geburt und Familie tatsächlich wie Dienstleistungen behandelt werden können?

Kritiker warnen bei der Kommerzialisierung der Leihmutterschaft vor Ausbeutung und sprechen teilweise sogar von Menschenhandel.

Freiwilliger Frondienst

Was für ein Blödsinn: Als ob sich ein als Leihvater beauftragter Erzeuger bei der technischen Ausführung missbraucht oder gar versklavt fühlen würde! Die meisten Männer lassen sich für sowas nicht zweimal bitten und geben sich ganz freilillig dafür her.

Befürworter verweisen dagegen auf Selbstbestimmung und individuelle Lebensentwürfe. Dazwischen steht die Gesellschaft und versucht herauszufinden, ob ein Mensch ein Wunschkind, ein Vertragsverhältnis oder ein biologischer Unfall ist.

Oder gar die Folge dessen, was die Schöpfung in ihrer homophoben Unerträglichkeit als Folge ausschließlich heterosexueller Betätigung programmiert hat.

Wie wäre es mit „Gebärmutter-Leasing“? Das hört sich ehrlicher an, wirkt bürokratisch integer, moralisch biologischer und klingt technisch eher nach AGB – also genau nach der Sprache, mit der die legislative Impotenz in Berlin und Brüssel heute Dinge beschreibt, die früher einmal Beziehungen hießen.

Kein unmoralisches Angebot

Von Doppelmoral, wie sie Jens Spahn vorgeworfen wird, kann selbstverständlich auch keine Rede sein. Die ist hier nicht mal in einfacher Ausführung im Spiel gewesen, wie sollte sie sich da verdoppeln?

Nach der gleichen mathematischen Formel kann übrigens auch nicht von Vertrauensverlust gesprochen werden. Alles nur eine Erfindung der Medien, um Trittbrettfahrer vom Aufspringen auf den rollenden Zug abzuhalten, der auf der neuen Seidenstraße bald Temu-Embryonen aus China bringt.

Rein, rauf, runter, raus

Fazit: Alle Markranstädter, die diesem zukunftsweisenden Modell folgen möchten, können beruhigt aufatmen. Buchen Sie sich einfach ein Leasing- oder Leihelternteil und lassen die Dinge laufen.

Im Gegensatz zu Etiketten auf Weinflaschen werden Sie in der Geburtsurkunde später garantiert auch nicht den Hinweis finden: Keine Erzeugerabfüllung! Das Lieferkettengesetz wurde nicht ohne Grund gestoppt.

Keine Erzeugerabfüllung

Zu beachten ist bei der modernen Familienplanung lediglich, was wir auch schon beim Kauf von Autos, Waschmaschinen oder Handys (gerade aus dem Ausland) kennen: Allgemeine Geschäftsbedingungen sorgfältig lesen, Wartungstermine einhalten und vor Vertragsabschluss klären, wer am Ende tatsächlich die Verantwortung übernimmt.

Denn das Blitzerfoto muss in der Regel auch der Fahrzeugführer bezahlen, nicht der Fahrzeughalter. Das gilt genauso für Produkte wie Babys.

In diesem Sinne: Augen auf beim Verkehr!

Darüber lacht Markranstädt: Betten-Blocker, grüne Massenmedien und andere Schmunzetten

Ob im Internet, in der Zeitung, auf der Straße oder im Fahrstuhl: Wer die Welt mit offenen Augen betrachtet, hat Spaß am Leben. Und da sind die folgenden drei Beispiele bei 30 Grad im Schatten nur die Spitze des Eisberges.

Fehldiagnose im Lift

In einem Fahrstuhl im Alten Ratsgut wird das Seelenheil zur Glücksache. Also rein pschychologisch.

Weil heutzutage in den Schulen gelehrt wird, dass man schreiben soll wie man spricht, könnte hinter dem Hinweis zunächst ein Sprachfehler des Verfassers vermutet werden.

Was, wenn's gar kein Fehler ist? Ein Onkologe ist ja auch nicht der Bruder der Mutter, sondern Experte für Thermoscherapie.

Was, wenn’s gar kein Fehler ist? Ein Onkologe ist ja auch nicht der Bruder der Mutter, sondern Experte für Thermoscherapie.

Doch ein Blick auf das restliche Panel des Aufzuges verrät, dass das ausgeschlossen ist. Der Knopf für die zweite Etage verweist schließlich tadellos auf die Logopädie und damit die Kernkompetenz fehlerfreier Aussprache. Der pschychologische Grund kann also nur in einer Anpassung des großen Latinums der Ärzte an den Bildungsdurchschnitt der Patienten liegen.

Ob Pschychologen, Schirurgen, Kühnegologen oder Thermatologen: Sogar die KI weiß, was gemeint ist und navigiert den Patienten sicher in die Wartezimmer. Wenn diese kreative Rechtschreibung allerdings auf die Rezepte der Mediziner abfärbt, birgt das unvorhersehbare Risiken und Nebenwirkungen.

Wer beispielsweise zur Stärkung seines Herzmuskels vom Gardjologen ein Rezept für einen „Betten-Blocker“ ausgestellt bekommt, kann nach dem Besuch in der Apotheke gleich einen Abstecher zum Uchologen seines Vertrauens machen. Der kann die Risiken und Nebenwirkungen mit einem Rezept für die landwirtschaftliche Wachstumspille „Wie Agra“ ausschalten. Abgespeichert auf Ihrer Schippkarte.

Das geht ganz tief rein

Die Partnersuche wird immer spezialisierter. Früher reichten Eigenschaften wie „treu“, „humorvoll“ oder „Nichtraucher“. Heute führt der Best-Ager 70plus die Wunschliste seines Lebensabends mit bewundernswerter Präzision an.

Eigentlich gibt's für sowas heute Spülmaschinen, aber die haben in der Regel nicht so viel Verständnis wie eine Krankenschwester.

Eigentlich gibt’s für sowas heute Spülmaschinen, aber die haben in der Regel nicht so viel Verständnis wie eine Krankenschwester.

In diesem Fall soll es eine verständnisvolle Krankenschwester mit Interesse an Darmgesundheit und Wasseranwendungen sein. Spätestens bei der E-Mail-Adresse „Einlauf555“ weiß man: Hier sucht einer keine flüchtige Bekanntschaft, sondern eine Beziehung mit richtig viel Tiefgang!

Spätestens seit die Internet-Pornoseite der „Analschwestern“ im Arsch ist, sind bei den Fans von Darmstädtern, After-Shave und anderen anal-ogen Spielarten jetzt Alternativen gefragt. Tauschte man früher beim ersten Date Lieblingsfilme aus, stehen hier vermutlich Erfahrungen mit Flohsamenschalen und die Vorzüge lauwarmen Wassers im Mittelpunkt. Das Meer dient dabei weniger dem Sonnenuntergang als der perfekten Kulisse für den täglichen Verdauungsspaziergang.

Man muss Einlauf555 allerdings eines lassen: Ehrlicher kann man kaum sein. Während viele ihr wahres Ich erst nach Monaten offenbaren, legt er sämtliche Karten sofort auf den Tisch. Bleibt die Frage, ob sich eine Krankenschwester mit so viel Verständnis findet, dass sie nach 14 Stunden Stuhlmanagement im Krankenhaus auch zu Hause noch fremde Mokkastübchen spülen will?

Genug ist nie genug

Manche sammeln Briefmarken, andere alte Münzen. Markranstädt sammelt offenbar Pin-Up-Fotos. Anders lässt sich das Bild einer Briefkastenanlage kaum erklären: Rund 30 gefüllte Boxen – und obendrauf noch einmal ein ordentlicher Stapel aus rund 40 druckfrischen Extra-Exemplaren. Doppelt hält besser? Nein, eher: Vierzigfach lächelt besser.

Da bekommt der Begriff vom Massenmedium doch gleich eine ganz andere Dimension. Allein hier lauern 760 Pin-ups.

Da bekommt der Begriff vom Massenmedium doch gleich eine ganz andere Dimension. Allein hier lauern 760 Pin-ups.

Das aktuelle Amtsblatt bringt es immerhin auf 19 Fotos des führenden Markranstädter Starlets. Aber theoretisch gibt’s jedes Motiv pro Briefkasten nur einmal. Die Älteren kennen das Problem noch aus Zeiten der „Bravo“. Schon damals wurden die Pin-Ups mittels hormonell gesteuertem Buchbinderhandwerk mitunter so gründlich versiegelt, dass die Seiten danach für immer als unzertrennliches Gesamtkunstwerk miteinander verschmolzen waren. Da hätte man sich manchmal gern ein Ersatzexemplar gewünscht.

Das ist der Vorteil des innovativen Verteilungskonzeptes in Markranstädt. Wer mehrere Ausgaben mitnimmt, kann seinem Star-Model noch häufiger begegnen. In diesem Fall (19 Fotos mal 40 Exemplare) bis zu 760 mal!

Das ist mal eine Kampfansage vor der Wahl im nächsten Jahr. Die Opposition sollte sich langsam sputen. Wenn sie nicht selber bald ein Model für den Wahlkampf auf den Steg schickt, bleibt ihr ab dem nächsten Amtsblatt nur noch eine Leerzeile unter dem Impressum. Ein Fleck, an dem nichts haften bleibt.

Umparken geht schlecht: Knöllchen-Frust an brandneuem Wohnmobil

Haben Sie auch diesen einen Nachbarn, der seine blinkende Weihnachtsdekoration bis weit in den August hinein am Balkon hängen lässt? Ein verständliches Ärgernis. Doch im Ortsteil Frankenheim wird gerade echter Markranstädter Pioniergeist in Sachen „Liegenlassen“ bewiesen und das Konzept des gepflegten Aufschiebens auf ein völlig neues, internationales Niveau gehoben.

Es war die Nacht zum 25. Mai, als in der Handelsstraße die Funken flogen. Ein luxuriöses Wohnmobil der Marke Concorde beschloss spontan, sich thermisch selbst zu verwerten. Die Freiwillige Feuerwehr eilte herbei, löschte heldenhaft und rückte wieder ab.

Soweit, so normal. Doch während die Kameraden den Brandrauch hinter sich ließen, blieb ein vermeintlich winziges Detail zurück: das eigentliche Wohnmobil. Oder zumindest das, was die Flammen davon übriggelassen haben. Das parkt nämlich seither unverändert und prominent mitten auf der Straße.

Das modernste Freilichtmuseum  Sachsens

Wer heute durch die Handelsstraße fährt, erlebt Kunst auf der Fahrbahn. Wo einst ein stolzes, schneeweißes Schweizer Reisemobil stand, erstreckt sich nun eine avantgardistische Installation. Das Motto der Ausstellung: „Alles kann, nichts muss – Hauptsache aus Metall.“

Denn das Feuer war gründlich. Es hat eine radikale Diät an dem Fahrzeug vollzogen. Alles, was auch nur im Entferntesten brennbar war – Polster, Wände, das sündhaft teure Interieur –, hat sich in Wohlgefallen und CO₂ aufgelöst. Übrig blieb das nackte, skelettierte Wesen des Camper-Traums.

Damit könnte Frankenheim zu einem neuen touristischen Hotspot für Wracktaucher der Schweizer Gebirgsmarine werden.

Damit könnte Frankenheim zu einem neuen touristischen Hotspot für Wracktaucher der Schweizer Gebirgsmarine werden.

Ein wildes Geflecht aus verkohlten Streben, bizarren Metallteilen und – als absolutes Highlight für Nostalgiker – das nackte, verbrannte Lenkrad. Es ragt wie ein stummer Zeuge aus den Trümmern, bereit, von einem geisterhaften Kapitän ins Nirgendwo gesteuert zu werden. Ein Hauch von Mad Max mitten im Leipziger Speckgürtel.

Wrack der Schweizer Gebirgsmarine

Dass das Wrack ein Schweizer Kennzeichen trug, verleiht der Szenerie eine feine, ironische Note. Die Eidgenossen sind weltweit bekannt für ihre sprichwörtliche Pünktlichkeit, makellose Sauberkeit und bürokratische Präzision.

Dass ausgerechnet ein Überbleibsel aus dem Land der Luxusuhren seit nun schon 49 Tagen die sächsische Straßenverkehrsordnung entschleunigt, ist Realsatire in Reinkultur.

Vielleicht handelt es sich um ein behördlich genehmigtes Parkmanöver? Die Parkgebühren in Zürich sind immerhin exorbitant – da ist das dauerhafte Abstellen auf einer deutschen Straße rein ökonomisch betrachtet ein Schnäppchen. Schweizer Sparsamkeit wird eben oft unterschätzt.

Frank und das große Rätselraten

Besonders pikant wird die metallene Tragödie durch den Ort des Geschehens. Das Gerippe blockiert die Straße unmittelbar vor dem Grundstück von Frank Fahrzeugbau. Immerhin der führende Fachbetrieb für Nutzfahrzeugbau in ganz Sachsen. Ein Unternehmen also, das tagtäglich Lkw, Anhänger und Spezialfahrzeuge konstruiert, repariert und wieder fahrbereit macht.

Antithese zum Geschäftsmodell

Man stelle sich die Kaffeepause der Mitarbeiter vor. Da schaut man aus dem Fenster, blickt auf die hauseigene Expertise im Fahrzeugbau und direkt davor parkt permanent das exakte Gegenteil dessen, was man unter einem fahrbereiten Nutzfahrzeug versteht. Die Schrott gewordene Antithese zum eigenen Geschäftsmodell sozusagen.

Es kursieren bereits die wildesten Gerüchte. Hat der Schweizer Besitzer das Wrack etwa absichtlich genau dort platziert, in der vagen Hoffnung, die Schrauber aus der Frank-Werkstatt würden nachts heimlich herauskommen und aus den verbliebenen Alustreben einen neuen Sattelauflieger schmieden?

Der ultimative Marketing-Gag

Andererseits könnte man die Situation auch als Marketing-Aktion umwidmen. Sozusagen als symbolische Warnung an die Konkurrenz: Das passiert, wenn man seine Fahrzeuge nicht bei Frank Fahrzeugbau warten lässt! Die Belegschaft nimmt es hoffentlich mit Humor. Schließlich hat man selten ein so plastisches Anschauungsobjekt für „Totalschaden“ direkt vor der Werkstür.

Systemfehler im Ordnungsamt

Warum also liegt der Schrotthaufen immer noch da? Die Antwort kennt wie immer nur der heilige Geist der Verwaltung. Doch dieser Vorfall offenbart vor allem ein faszinierendes, metaphysisches Paradoxon innerhalb unserer geschätzten Ortspolizeibehörde.

Normalerweise agieren die kommunalen Ordnungshüter in Markranstädt präziser und unbarmherziger als ein Schweizer Uhrwerk. Wer es wagt, seinen Kleinwagen auch nur drei Zentimeter über die weiße Linie zu stellen oder die Parkscheibe um zwei Minuten zu überziehen, wird augenblicklich mit der vollen Härte des Gesetzes konfrontiert. Das Knöllchen klemmt oft schon am Scheibenwischer, bevor der Motor überhaupt abgekühlt ist.

Warum nicht als Werbeaktion nutzen? "Das passiert, wenn man seine Trucks nicht bei Frank Fahrzeugbau warten lässt!"

Warum nicht als Werbeaktion nutzen? „Das passiert, wenn man seine Trucks nicht bei Frank Fahrzeugbau warten lässt!“

Doch bei diesem Schweizer Falsch-Dauerparker der extremen Art herrscht seit Wochen gähnende Leere an der nicht mehr vorhandenen Windschutzscheibe. Und genau hier liegt vermutlich der Systemfehler. Die Bürokratie stößt an ihre physikalischen Grenzen.

Wo bitteschön soll der pflichtbewusste Politessrich das Knöllchen festklemmen, wenn die Scheibenwischer zu Asche verbrannt sind? Wie soll man ein Ticket hinterlassen, wenn das gesamte Cockpit nur noch aus Luft und geschmolzenem Aluminium besteht?

Die Lehre der Geschichte

MN-Fazit: Für alle leidgeprüften Autofahrer der Region könnte das der ultimative Lifehack für die Zukunft sein. Wenn Sie das nächste Mal keinen Parkschein ziehen wollen, montieren Sie vor dem Verlassen des Autos einfach die Windschutzscheibe ab und zünden Sie das Armaturenbrett an. Das Ordnungsamt wird völlig ratlos unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Wasserfeste Titan-Knöllchen

Bis das Amt eine wasserfeste Lösung gefunden hat – vielleicht ein Knöllchen aus Titan, das man direkt an das verbrannte Lenkrad schweißen kann –, sollten die Frankenheimer das Beste aus der Situation machen.

Einfach das brandneue Wrack offiziell als touristischen Hotspot anmelden (abgesperrt ist ja schon) und für die „Konzeptkunst: Der verglühte Eidgenosse und das ratlose Amt“ fünf Euro Eintritt verlangen. Besser noch: zehn Schweizer Franken. Das Geld können wir dann direkt in feuerfeste Parkausweise stecken.

Spielbericht aus der vierten Etage: Trainersuche nach vorzeitigem Aus

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Gewerbetreiben in Markranstädt: Spektakuläre Ausstellung mit kurzer Belichtungszeit

Dass in Markranstädt ausgerechnet Kultur und Wirtschaft einen gemeinsamen Nenner gefunden haben, will man kaum für möglich halten. Und doch ist es so. Die kunstvoll inszenierte Ausstellung eines Gewerbetreibenden in der Hordisstraße hat in der Stadt für allerhand Wirbel gesorgt. Und hat eindrucksvoll gezeigt, wie die Kunst profitieren kann, wenn Politik und Wirtschaft achtsam miteinander umgehen.

Friedrich, Wild, Miersch … Markranstädt hatte früher mal fast so viele Fotografen wie heute Friseure.

Dass die Zunft jetzt am Boden liegt, ist allerdings nicht nur der Tatsache geschuldet, dass es in der Stadt gefühlt nur noch ein Fotomotiv gibt.

Blickte man in der Hordisstraße dieser Tage ins fast verwaiste Schaufenster des Letzten seiner Art, konnte man anhand der dekorativen Rudimente erkennen, woran die Gilde der Zelluliodschaffenden zugrunde geht.

Die letzten ihrer Art

Aber trotzdem kam der Abschied des Fotostudios Miersch irgendwie unterhaltsamer rüber als das beleidigte Gemecker anderer Gewerbetreibender, die ihre angestammten Habitate wegen westelbischer Besitzansprüche verlassen mussten.

Es ist eine Hommage an die Gesellschaft, allen voran ihre Legislative und Exekutive, die hier als liebevoll gestaltete Danksagung dekorativ in Szene gesetzt wurde. Kein Nachtreten, keine Schuldzuweisungen an Unschuldige.

Passbilder macht jetzt der Automat im Rathaus und auf freier Wildbahn gibt es in der Stadt sowieso nur noch ein Motiv. Der Vorhang ist gefallen.

Passbilder macht jetzt der Automat im Rathaus und auf freier Wildbahn gibt es in der Stadt sowieso nur noch ein Motiv. Der Vorhang ist gefallen.

Statt dessen einfach nur Demut vor der Evolution und tiefe Dankbarkeit dafür, dass man ohne Trauer gehen lässt, was in unserer Gesellschaft nicht mehr gebraucht wird.

Bevor der Vorhang fiel

„Das Theater hier – ab jetzt ohne uns“, erfuhr der aufmerksame Passant beim Blick ins Schaufenster. Das ist nicht böse gemeint und auch nicht das letzte verzweifelte Aufbäumen einer verletzten Seele.

Oder wie die Fotografen sagen: "Vermieter lacht - Blende acht":

Oder wie die Fotografen sagen: „Vermieter lacht – Blende acht“:

Nein, es ist das Eingeständnis, dass sich die Welt weiter dreht. Man räumt die Bühne im Theater artig für neue Darsteller. Friseure zum Beispiel, Bestatter, Döner-Läden, Handy-Shops oder andere Säulen unserer Gesellschaft, an denen in Markranstädt Mangel zu herrschen scheint.

Damit der Passant vorm Schaufenster die Situation auch richtig einordnen konnte, gab es – ähnlich der Verwaltungserläuterungen bei Beschlüssen im Stadtrat – auch noch eine historische Aufarbeitung der Entwicklung.

Vita: Beruf als Abenteuer

Unter der Überschrift „45 Jahre Fotohandwerk“ wurde ein Berufsbild beschrieben, das mit fotografieren immer weniger zu tun hatte. Von Hochwasser ist da die Rede und der Flucht von Weißenfels nach Lützen (sozusagen von Not nach Elend), schließlich von der Sesshaftwerdung anno 2003 im idyllischen Markranstädt.

Hochwasser, Lockdown, neue Vorschriften, Konkurrenz durch Automaten - nachdem all diese Fördermaßnahmen nicht gefruchtet haben, sorgte schließlich ein Weihnachtsgeschenk für Freude unterm Tannenbaum ... und eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

Hochwasser, Lockdown, neue Vorschriften, Konkurrenz durch Automaten – nachdem all diese Fördermaßnahmen nicht gefruchtet haben, sorgte schließlich ein Weihnachtsgeschenk für Freude unterm Tannenbaum … und eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

Doch auch hier war das Glück nur von kurzer Dauer. Im Jahr 2021 hatten Wissenschaftler des Berliner Karl-Lauterbach-Instituts herausgefunden, dass man mit Fotos nicht nur das Erscheinungsbild von Menschen, sondern damit auch die ihnen innewohnenden Krankheitserreger vervielfältigen kann. Als potenzieller Hotspot für die Verbreitung der „Covid-jpg“-Variante wurde das Fotostudio deshalb kurzerhand geschlossen.

Staatliche Förderung für mehr Freizeit

Vom staatlich verordneten Urlaub gerade so erholt, ließ der Staat  2025 dann die nächste Fördermaßnahme folgen: Die Verordnung für die Herstellung von Passbildern.

Wer von den erzwungenen Investitionen der Fotografengilde in die entsprechende Technik, die Qualifikationslehrgänge für die Gestaltung der Motive und die erforderlichen Lizenzen zur Anfertigung von boimetrischen e-Passfotos profitiert hat, kann man heute bei der Schufa nachlesen. Die Fotografen waren es jedenfalls nicht.

Staatliche Fürsorge für Work-Life-Balance

Eher die Politik, die es sich durch die wundersame Entstehung eines Sondervermögens plötzlich leisten konnte, in den Rathäusern teure Fotoautomaten aufzustellen. Natürlich mit dem Ziel, den unter der Last ihres Berufes ächzenden Fotografen endlich mehr Freizeit und damit eine zeitgemäße Work-Life-Balance zu verschaffen. Auch dafür bedankte man sich mit der Ausstellung in der Hordisstraße demütig.

Einmal auf den Geschmack der neuen Freiheit gekommen, war’s dann offenbar um die Zunft der Knipser geschehen. Da half auch der ebenfalls im Schaufenster gewürdigte Einsatz des Markranstädter Ordnungsamtes nichts.

Die als „Ortspolizeibehörde“ getarnte Soko der Stadt hatte mit unerschütterlicher Opferbereitschaft tagtäglich nichts unversucht gelassen, um den kaum noch zu bewältigenden Kundenansturm in der Hordisstraße auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Dieses Exponat besticht durch seine künstlerische Ausdrucksform in einer expressionistischen Symbiose aus Text und Grafik. Klare Bildsprache mit emotionaler Komponente.

Dieses Exponat besticht durch seine künstlerische Ausdrucksform in einer expressionistischen Symbiose aus Text und Grafik. Klare Bildsprache mit emotionaler Komponente.

Alle mutigen Versuche, die ruhenden Verkehrsströme zu steuern, scheiterten jedoch. Selbst die Strategie, den Kunden das Geld bereits an der Windschutzscheibe wegzunehmen bevor sie das Fotostudio oder andere Läden damit belästigen können, führten zu keinerlei Entspannung in den überfüllten Geschäften.

Schließlich kamen die Fotografen nicht einmal mehr dazu, selbst zu fotografieren und mussten das Ganzkörperporträt für ihre finale Danksagung an die Behörde bei der KI in Auftrag geben. Ehre dem Fotografen, denn er kann nichts dafür.

Vor diesem Exponat blieben die meisten Besucher der Ausstellung stehen. Gefesselt vom Fehlen jedweder Ähnlichkeit mit lebenden Personen lud das Werk zu den mannigfaltigsten Interpretationen ein.

Vor diesem Exponat blieben die meisten Besucher der Ausstellung stehen. Gefesselt vom Fehlen jedweder Ähnlichkeit mit lebenden Personen lud das Werk zu den mannigfaltigsten Interpretationen ein.

Die gesamte Dokumentation vom Aufstieg und Fall des Fotostudios war genau bis zum 30. Juni im Schaufenster in der Hordisstraße zu sehen. Denn weil sich die ostdeutschen Fotoschaffenden all den Fördermaßnahmen, die ihnen in den letzten Jahren zuteil geworden sind, nicht beugen wollten, mussten sie am Ende mittels einer Kündigung zum Besten für ihr Wohl gezwungen werden.

Auch hier kein Vorwurf an die Stadt, ihre Wirtschaftsförderung oder ihre Exekutive. Es zählt schließlich längst zum Allgemeinwissen, dass die Stadtentwicklung insbesondere in der City nicht in den Händen des Rathauses liegt, sondern von den Interessen überwiegend westelbischer Immobilienbesitzer im www gesteuert wird – weit weit weg.

Nachtturnier mit Ballermann-Flair: Lok Leipzig ist in Kulkwitz Favorit

Die Ertüchtigung des inzwischen zu bundesweiter Berühmtheit gelangten Sportplatzes in Kulkwitz läuft zwar noch, aber sein erster Belastungstest ist bereits in trockenen Tüchern. Am 19. Juni steigt ein Riesen-Event, nicht nur für lichtscheue Kicker und dunkle Gestalten, die erst zur Geisterstunde so richtig munter werden. Ein Nachtturnier, das an eine fast schon in Vergessenheit geratene Tradition anknüpft. Aber dabei wird nicht nur Fußball gespielt.

Ralf Schulze, Chef der Markranstädter Montagsmaler, spricht von der „Wiederbelebung eines Sportereignisses, das schon in Vergessenheit geraten ist“.

Damit meint er nicht mehr und nicht weniger als das geschichtsträchtige Fußballturnier für Freizeitteams anlässlich des Kinderfestes.

Das gab’s tatsächlich mal. Allerdings irgendwann dazwischen und nicht schon bei der ersten Auflage des Kinderfestes anno 1846. Denn zu der Zeit wurde in Deutschland noch mit echten Mumpeln geschossen und nicht mit Gumminillen aus Buna oder in pakistanischen Kinderheimen zusammengenähten Lederflicken.

Aber die Montagsmaler wollen mit dem Turnier nicht nur eine alte Tradition reanimieren, sondern auch dem finanziell angeschlagenen SSV Kulkwitz unter die Arme greifen. Und dazu hat sich die 1975 als Jugendbrigade gegründete Truppe der „Montis“ richtig was einfallen lassen.

Ein Nachtturnier soll es werden! Denn so ziemlich das Einzige, das nach dem Neubau des bundesligatauglichen Kulkwitzer Fußballplatzes 2015 zuverlässig funktioniert hat, ist die alte Flutlichtanlage aus DDR-Zeiten. Warum sollte man die nicht nutzen?

Insgesamt 16 Mannschaften, also doppelt so viele wie beim Viertelfinale der Fußball-WM, haben sich für dieses Event angemeldet.

Sie kommen aus Delitzsch, Dessau, Zeulenroda, Merseburg, natürlich auch aus Kulkwitz und Markranstädt. Die Teams tragen Namen wie Dart & Beinbruch oder FC Molle, Grashopper, oder auch Die Unglaublichen.

Lok Leipzig: Wieder Favorit ohne Aufstiegsrecht

Als Favorit wird bei den Buchmachern übrigens schon jetzt die Freizeitmannschaft des 1. FC Lok Leipzig gehandelt. Dass sie trotz eines Titelgewinns nicht aufsteigen, sind sie schließlich schon von ihrer Ersten gewöhnt.

Dass der Aktionsradius eines Freizeitkickers auf dem Rasen dem Durchmesser eines Bierdeckels auf dem Stammtisch entspricht, ist zwar ein verleumderisches Gerücht, aber Bier und andere Stimulanzien werden am Rande des Turniers trotzdem aufgefahren.

„Wer die Montagsmaler kennt, der weiß, dass nicht nur Fußballspielen Ihre Leidenschaft ist, sondern auch geselliges Beisammensein“, verrät Monti-Sportdirektor Ralf Schulze.

Und genau das ist der Punkt, an dem auch die Zuschauer, Gäste und Besucher aktiv in das Geschehen eingreifen können.

Spätestens ab 20 Uhr, also noch rechtzeitig vor Einschalten des Flutlichts, steigt am Rande der Kulkwitzer Arena eine ausgelassene Beachparty mit DJ DanB, Ballermann-Flair und Wellenrauschen aus einem eigens für die Abkühlung erhitzter Kehlen aufgestellten Pool.

Cup der Bürgermeisterin: Wer kriegt ihn in die Hände? 

Neben dem Pokal der Bürgermeisterin für den Turniersieger haben die Montis übrigens noch eine Trophäe ausgelobt. Für welche Leistung der „Thekenpokal“ überreicht werden soll, will Schulze allerdings noch nicht verraten. Man kann nur ahnen, dass es wohl nicht um den saubersten Fußballschuh geht.

Das sollte man wissen:

Das Event in der Kulkwitzer Lucki-Kampfbahn am Feldscheunenweg beginnt am 19. Juni um 17 Uhr, die Beachparty steigt ab 20 Uhr und das Finale des Turniers mit Siegerehrung wird zur Geisterstunde gegen Mitternacht erwartet. Für Essen und Getränke, jede Menge Spaß, Musik und Unterhaltung ist ebenfalls gesorgt.