Und ganz plötzlich hat’s geschneit. MN-Reporter Claus Narr wusste schon gar nicht mehr, was das ist und war völlig unvorbereitet. Die letzten Winterstiefel hatte ihm seine Mutter damals noch in der Zwenkauer Straße gekauft. Größe 32. Der alte Thalheim hatte sie aus einem der unzähligen Kartons in seinem Regal gezogen wie Olivander in der Winkelgasse den Zauberstab von Harry Potter. Dann kam der Klimawandel – und jetzt wieder Schnee. Was ‘ne Katastrophe! Nicht nur für den homo marcrasis in Sandaletten, sondern vor allem für die Bahn.
Die Bundesbahner hatten schon lange vor dem Durchzug des Tiefs „Elli“ prophylaktisch angekündigt, dass es zu Einschränkungen, Verspätungen und Zugausfällen kommen wird.
Sollte wohl heißen, dass das Wetter keinen Einfluss auf den Bahnverkehr hat. Aber die einzige Erkenntnis aus dieser Nachricht lautet: Bei der Bahn kommen nicht mal die Witze an.
Trotzdem fragt sich der aufmerksame Kunde, woher die Blaumützen schon vorher wussten, dass drei hochkant auf den Gleisen liegende Flocken den kompletten Fahrplan durcheinander bringen? Für eine erschöpfende Antwort reicht ein Blick vom Bahnsteig des Markranstädter Bahnhofes auf den Schienenstrang: Es fehlt das Geld für die Winterausrüstung, die Bahn hat noch immer die Sommergleise drauf!

Selten war die Leipziger Straße so leer wie am Freitag. Zumindest konnte man da noch mit der Bahn fahren.
Blöd nur, dass der Wintereinbruch so früh kam. Damit können die Bahnbetreiber das witterungsbedingte Debakel nicht mehr als Begründung für die nächste Katastrophe bemühen.
Denn aufgrund von Bauarbeiten der DB InfraGO werden die Züge der Regionalexpress-Linie RE 15 von Leipzig nach Saalfeld zwischen dem Leipziger Hauptbahnhof und Weißenfels ab Montag bis einschließlich 16. März umgeleitet.
Wie Betreiber Abellio mitteilt, entfallen in diesem Zeitraum daher die Halte in Leipzig-Möckern, Markranstädt und Bad Dürrenberg. Wer in Lallendorf zu- oder aussteigen will, sollte stattdessen die Züge der S-Bahn-Linie S 6 nutzen.
Doch aufgepasst, leidgeprüfte Insassen! Da sich die Fahrtzeit wegen der Umleitung verlängert, startet der RE 15 in diesem Zeitraum sieben Minuten früher ab Leipzig Hauptbahnhof (Minute 55 statt 02) und kommt in Gegenrichtung sechs Minuten später am Hauptbahnhof in Leipzig an (Minute 01 statt 55).
Wie sich das auf den europäischen Verkehrsknotenpunkt Markranstädt auswirkt, hat Claus Narr an folgendem Beispiel ausgerechnet, das vor allem für Berufspendler wichtig ist. So startet der RE 15 aktuell um 7:02 Uhr in Leipzig und würde auf der Fahrt nach Saalfeld um 7:15 Uhr in Markranstädt halten. Ab Montag setzt sich der Zug allerdings schon um 6:55 Uhr am Hauptbahnhof in Bewegung. Weil er in Möckern nicht halten muss, rauscht er schon gegen 7:07 Uhr ohne Halt an den erschrockenen Gesichtern auf dem Lallendorfer Bahnsteig vorbei.
Dass bereits um 7:24 Uhr die S6 folgt und wenigstens zur Weiterfahrt bis Naumburg einlädt, ist nur ein schwacher Trost. Getreu der physikalischen Formel „Wo ein Körper ist, kann ein zweiter nicht sein“, müssten in den Waggons künstliche Presswehen erzeugt werden, um die zusätzlichen RE 15-Passagiere auch noch in die S-Bahn zu drücken.
Was am Bahnsteig zurückbleibt, ist in unserer durch Taschenwärmer, Thermos-Apps und andere Gadges verweichlichten Gesellschaft dem Kältetod geweiht.
Zu weich für die Bahn
Längst vorbei die Zeiten, als sich unsere Großväter vor Stalingrad an gefrorenen Russen aufgewärmt hatten. Und dass ein Wärmemobil der Bahnhofsmission ausgerechnet in Markranstädt aufkreuzt, wo noch nicht mal Personenzüge halten, dürfte auch ein Wunschtraum bleiben.
Wie gewohnt, werden die Markranstädter Nachtschichten die Opfer der Verkehrswende nicht alleine lassen und haben sich deshalb nach Alternativen umgeschaut. Und siehe da: Warum in die Nähe schweifen, wenn das Ferne liegt so nah?
Der MN-Verkehrstipp
Nutzen Sie ab Montag auf Ihrem Weg zur Arbeit die kühle Morgenluft einfach für einen winterlichen Spaziergang nach Großlehna oder Miltitz. Dort hält der Regionalexpress 15 nach wie vor, wenn auch ein paar Minuten früher oder später.
Und wenn Sie dabei in die richtige Richtung laufen – also Ihrem Reiseziel entgegen – sparen Sie sogar noch ein paar teure Bahnkilometer. Es heißt ja im aktuellen Slogan nicht umsonst: Entdecke neue Routen und Zeiten!





























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