Leben in Lallendorf: Ausnahmsweise verschreibungspflichtig

Moin Markranstädt! Bevor der Januar rum ist, soll der erste Monat des Jahres mal wenigstens noch mit einer kleinen Presseschau garniert werden. Beginnen wollen wir mit einem Blick auf das Geschehen in der Buntenrepublik Deutschland, um uns dann über den Landkreis in die Niederungen der lokalen Berichterstattung zu begeben. Wie Sie ganz schnell feststellen werden, hatten wir im Januar keine anderen Probleme als die Gleichstellung aller 63 Geschlechter und natürlich den Umgang mit Corona. Ach ja … vielen Dank an die Einsender der journalistischen Kostbarkeiten!

Auf Bundesebene bewegt die Gemüter zur Zeit kein Thema mehr als die liebe Genderei und die Political Correctness. Und endlich hat sich mit PETA jemand gefunden, der dabei auch an die Tiere denkt.

Auf animalistische Aussagen wie „Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ oder „ein Hühnchen rupfen“ steht für den Anwender wegen stereotyper Verletzung der Tiergefühle demnächst ein Mindeststrafmaß von wenigstens drei Jahren Käfighaltung.

Zumindest haben die PETA-Leutinnen und -leute aber auch Vorschläge parat. Kein Scherz: Statt „die Katze aus dem Sack lassen“ sollte man beispielsweise lieber „eine vegane Calzone aufschneiden“. Liebe Petaistinnen und -isten: Das funktioniert leider nicht, weil man sich dabei voll zum Affen macht und das wiederum verletzt die Gefühle der Primaten.

Zungenbruch nach Doppelpunktlandung

Wie viel harmonischer ist doch hingegen der Vorschlag von das Malu Dreyer, den ganzen Gender-Wirrwarr auf den Punkt zu bringen. Genauer gesagt, auf den Doppelpunkt.

Nee, echt jetzt: Sie will, dass wir den nicht nur schreiben, sondern aussprechen! Liebe Leserdoppelpunktinnen: Entscheiden Sie selbst, ob Sie das tun wollen. Noch dürfen Sie’s. Kleiner Tipp: Wenn Sie es jetzt mitmachen, werden sie es später müssen.

Ein Stern, der keinen Namen trägt…

Mit der Genderei hat auch unser Landkreis so seine Probleme. Vor allem wenn es um Rassentrennung beim Müll geht, nimmt die Kreativität der öffentlich Bediensteten bei der Ablenkung von diesem unerträglichen Zustand ungeahnte Dimensionen an.

Seitens des Bearbeiters*innen dieses Dokumentes hat der feste Wille sogar den eigenen Verstand überholt. Aber es handelt sich zum Glück nur um unsere Muttersprache. Für Väter wäre sowas echt eine Beleidigung.

Abschütteln und weitergehen

Wenden wir uns aber nun ab von der Mutter- oder Vatersprachsverwahrlosung und richten unseren Blick auf den Corona-Alltag.

Auch hier gibt es immer wieder neue Wortschöpfungen und Regeln, die uns restlos verwirren. Schon werden die ersten Frauen verhaftet, weil sie ihre Wohnung mit einer Binde vorm Mund und der Maske im Schritt verließen. Ist ja kein Wunder bei der Regel-Flut.

In Markkleeberg hat man jetzt versucht, den Dschungel der Vorschriften wenigstens für Besucher des Sportbades zu lichten. Herausgekommen ist eine gesellschaftliche Kostbarkeit, die nur noch zwei Fragen offen lässt.

Erstens: Welche Regelungen gelten für über 18-Jährige beim Schulschwimmen ohne Rezept? Zweitens: Dürfen Träger einer grünen Badehose in der Zeit zwischen 9 und 16 Uhr auch an Wochenenden beim Duschen ihre FFP-2-Masken linksrum gewendet an den Haken für Waschlappen hängen, wenn zuvor ein Reha-Sportler ohne Rezept mit Badelatschen durch das Foyer gelaufen ist?

Halbierte Viren verdoppeln das Risiko

Aber wahrscheinlich hat sich das Thema inzwischen nicht nur in Markkleeberg sowieso schon erledigt. Schuld daran ist unsere neue Bundesregierung. Im festen Willen, die Pandemie schrittweise zu beenden, hatte das Gesundheitsministerium die Omikron-Variante testweise zunächst erst mal halbiert.

Hätte der Versuch Erfolg gehabt, wären die Viren ganz gestrichen worden und die Pandemie wäre beendet. Leider hat man jedoch feststellen müssen, dass durch die Halbierung ein sehr viel größeres Risiko entstanden war. Da ist es doch besser, die Zahlen rückwirkend wieder zu verdoppeln, weil das nach Adam Riese dann weniger gefährlich ist. So einfach lässt sich Virologie erklären – ganz ohne Wieler und Drosten.

Blieben zuletzt noch zwei Blicke auf das lokalpolitische Geschehen. Das ist insofern viel sympathischer, weil es ganz ohne Genderei und Corona auskommt, aber trotzdem lustig ist. Wie zum Beispiel die Baustelle am Alten Ratsgut.

Allerdings kommen wir auch hier nicht umhin, mit Fremdworten zu arbeiten. Zum Beispiel mit dem Begriff Recycling.

Der beinhaltet das Upcycling (Aufwertung einer Ressource) und das Downcycling, was so viel bedeutet, dass der aus dem Recyclingprozess hervorgehende Stoff weniger wert ist als vorher.

Klartext statt Anglizismen

Im Markranstädter Rathaus will man sich zum Glück nicht auf irreführende Anglizismen zurückziehen. Die Bürgermeisterin setzt auf Transparenz und spricht Klartext. Das anfänglich als Baumaßnahme getarnte Downcycling des Alten Ratsgutes wird jetzt als das bezeichnet, was es ist: eine Rückwertung!

Manchmal auch als Rückbau bezeichnet, ereilt das Alte Ratsgut damit das gleiche Schicksal wie zuvor das Volkshaus, die Gute Quelle oder andere Gebäude. Mit einem Unterschied allerdings: Während dort eine Abrissbirne zum Einsatz kam, tut es diesmal eine läppische Stahltreppe.

Allerdings kommt in diesem Beitrag auch der Kindergarten zur Sprache, der sich demnächst durch die Rückwertung des Ratsgutes im derzeitigen MGH breit machen darf. Man fragt sich ja schon seit Jahren, woher die vielen Kinder kommen, die im sexfeindlichen Markranstädt angeblich scharenweise geworfen werden. Auch hier lässt das Rathaus Transparenz walten und gewährt uns im Rahmen des Kinderadvents einen Blick auf die kleinen Racker.

Unser Kindergarten

Artig haben sich die kleine Gudrun und der aufgeweckte Michael an der Seite der verträumt dreinblickenden Nadine aufgestellt, um auf das nächste freigewordene Töpfchen zu warten. Aber erst müssen sie dem Weihnachtsmann erzählen, was sie später mal werden wollen.

Das Spektrum der phantasievollen Wünsche ist breit gefächert. Während Gudrun schon recht reife Vorstellungen hat und ihre Bestimmung als Sozialarbeiterin sieht, will der wortgewandte Michael Sprecher von niemand geringerem als Gott selbst werden. Die kleine Nadine will noch höher hinaus. „Bürgermeisterin“, sagt sie selbstbewusst und begründet ihre noch recht wilde Phantasie mit dem Wunsch : „Dann kann ich mir mal ein richtig großes Bad bauen, ohne erst lange sparen zu müssen.“

Von wegen „Corona wird kein Spaziergang“

Kann ja sein, dass man andernorts bei den Montagsspaziergängen die Wanderstöcke mit den Schlagstöcken kreuzt. Warum auch immer. In Markranstädt ist das jedenfalls nicht der Fall und wenn da am Montag so um die 400 Wanderslustige losgezogen sind, kann man das jedenfalls nicht mehr unter die Rubrik „Was sonst noch geschah“ kehren.

Herbert Roth hätte angesichts so viel Bewegungsfreude möglicherweise einen neuen Hit entbunden. „Ich wandre ja so gerne die Leipz’ger Straße lang. Begleitet von Gendarmen, wird mir dabei nicht bang“ oder sowas in der Art.

Okay, ein wenig gewöhnungsbedürftig ist das Gleichnis schon. Während das Pflegepersonal auf dem Zahnfleisch kriecht, gehen andere vergnügt spazieren. Allein mit der Aufforderung „Augen auf bei der Berufswahl“ lässt sich die Situation allerdings nicht beschönigen. Da ist die Politik vieles schuldig geblieben.

Andererseits ist auch klar, warum die staatliche Macht solche Spaziergänge nicht gern sieht. Die ist es gewohnt, die Dinge selbst zu initiieren und in der Folge auch zu steuern. Notfalls mit Fördermitteln. Was nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist, wird nicht gefördert und fällt daher aus.

Raus an die frische Luft

Aber das ist beim montäglichen Abendausflug irgendwie anders. Ursprünglich hieß es mal: „Die Corona-Pandemie wird kein Spaziergang“ – jetzt also doch. Und was auch immer man in den Menschenzug hineininterpretieren möchte: Das können nicht alles Nazis, Querdenker oder subversive Elemente sein.

Ob nun 300, 600 oder mehr Teilnehmer spazierengegangen sind, ist egal. Hauptsache der Ausflug verlief friedlich und man war mal wieder an der frischen Luft.

Ob nun 300, 600 oder mehr Teilnehmer spazierengegangen sind, ist egal. Hauptsache der Ausflug verlief friedlich und man war mal wieder an der frischen Luft.

Wie dem auch sei: Das in zahllosen Grabenkämpfen der vergangenen Jahre gestählte Bürgertum der Stadt Markranstädt weiß mit Konfliktpotenzial bestens um´zugehen und offenbar auch mehrheitlich mit anderen Meinungen.

Aber es sind auch längst nicht alles nur Markranstädter. Weil sie keine Masken tragen, kann man die Spaziergänger gut auseinander halten und wird schnell merken, dass die LVB der heimliche Profiteur dieser Aktion ist. Die vielen auswärtigen Interessenten an frischer Markranstädter Landluft kommen nämlich längst nicht anspaziert, sondern werden per öffentlicher Logistik in die Stadt am See gekarrt.

Nichts aus der Geschichte gelernt

Das haben die Verteidiger des sozialistischen Nachtlandes 1989 besser gemacht. Da blieben Busse, Züge sowie Straßenbahnen in den Depots und der Plebs konnte zusehen, wie er auf den Leipziger Ring kommt. Hat allerdings auch nicht geholfen.

Happy Hour: Spaziergänger an der Tankstelle. Kein Wunder, dass das dem Staat nicht passt. Wer nicht tankt, bringt keinen Steuerumsatz.

Happy Hour: Spaziergänger an der Tankstelle. Kein Wunder, dass das dem Staat nicht passt. Wer nicht tankt, bringt keinen Steuerumsatz.

Aber nun zum Montagabend in Markranstädt. Systemrelevante Kräfte schätzten die Zahl der Teilnehmer auf 300, Wandersleute wollten mindestens 600 gesehen haben. Einigen wir uns auf die Mitte, weil die erstens vom MN-Team geschätzt wurde und deshalb stimmt und zweitens die genaue Zahl sowieso uninteressant ist. Viel wichtiger war der friedliche Verlauf.

Zwei Momente, als Böller aus offenbar alten Wehrmachtsbeständen detonierten und ein Augenblick, als in der Nähe des Aldi-Marktes eine Protestnote in den Markranstädter Nachthimmel geschrien wurde (was dem Spaziergang beinahe den Charakter einer nicht angemeldeten, damit nicht genehmigten und deshalb sofort zu unterbindender Demo verliehen hätte), blieb alles ruhig.

Mehr noch: Am Ende gab es sogar einen Gänsehaut-Moment. Nachdem sich Teilnehmer und Ordnungshüter abschließend wieder auf dem Marktplatz eingefunden hatten, gab es von den Spaziergängern Beifall für die Polizei. Die Atmosphäre glich dabei der im Stadion am Bad nach einem gewonnenen Pokalspiel, nur dass diesmal auch Frauen dabei waren. Stehende Ovulationen für die Männer in den schicken Uniformen.

Hier kam es letzte Woche zu Raufhändel mit Körperkontakt. Diesmal blieb alles friedlich.

Hier kam es letzte Woche zu Raufhändel mit Körperkontakt. Diesmal blieb alles friedlich.

Kein ironischer Akt, sondern eine wirkliche Geste des Dankes. Einige Wanderfreunde gingen sogar auf die Polizisten zu, bedankten sich persönlich für den zurückhaltend-sensiblen Einsatz sowie den friedlichen Verlauf und hatten sogar noch Zeit für einen Smalltalk über das anstehende Abendessen.

Da war ein spürbares Aufatmen auf allen Seiten wahrnehmbar, nachdem es in der Vorwoche zu verbalen Raufhändel mit sogar gelegentlichem Körperkontakt kam.

Wo ist der Stadtführer?

Also, es müsste jetzt nicht gleich jeden Montag einen Spaziergang geben, aber wenn, dann bitte so friedlich. Vielleicht könnte man ja auch mal die Route ändern, damit’s nicht ganz so langweilig wird. Immer die gleichen Geschäfte und Schaufensterauslagen – das wird schnell öde.

Oder man könnte einen Stadtführer engagieren, der den Teilnehmern wenigstens ein bisschen was dazu sagt, woran sie gerade vorbei laufen. Dann wäre das auch nachhaltig, hätte einen höheren gesellschaftlichen Wert und vielleicht gibt’s ja dann sogar Fördermittel …

Impfung als After-Show-Party

Die Welt dreht sich immer schneller, fast könnte einem schwindlig werden dabei. Wenn man vor drei Jahren im Freundeskreis von 3-G, 2Gplus, Vakzinen und RNA gesprochen oder gar behauptet hätte, man wäre geboostert, wäre fünf Minuten später unten das Booster-Auto vorgefahren und der Booster-Doktor mit der Booster-Jacke hätte einen in die Booster-Zelle gesteckt. Heute ist man mit diesen Begriffen Bildungsbürger. Aber einigen Zeitgeistern scheint das noch immer nicht zu reichen.

Zur Klarstellung: Mit Bildungsbürger sind nicht jene Teilnehmer unserer Gesellschaft gemeint, die unter Impfung die Implantation eines Chips in den Hoden verstehen oder meinen, dass sie dadurch unfruchtbar werden.

Zwar werden Menschen, die solche Überzeugungen in sich tragen, gesellschaftlich geächtet, aber ganz ehrlich: So abwegig sind diese Gedanken gar nicht.

Mit 70 schon unfruchtbar

In den Markranstädter Seniorenheimen beispielsweise, die inzwischen komplett durchgeimpft und -geboostert sind, ist nicht eine einzige Frau mehr fortpflanzungsfähig. Ein klarer Beweis für die Wahrhaftigkeit der Kastrationstheorie. Oder um es mit Karl Lauterbach zu sagen: „Die Daten lassen keinen anderen Schluss zu.“

Wir lernen: Es kommt halt darauf an, in welches Körperteil man sich die Spritze geben lässt. Das hat man offenbar auch im Geriatriezentrum des Zwenkauer Krankenhauses erkannt.

Hosen runter statt Arm frei

Die Einrichtung, die auch für Markranstädter Patienten zuständig ist, hat in dieser Woche zu einer spektakulären Erweiterung unseres ohnehin schon explosionsartig erweiterten Sprachwortschatzes beigetragen.

Die Zwenkauer Götter in Weiß bieten jetzt „After Work Impfing“ an. Allerdings haben die lediglich in Latein geschulten Bader die fatalen Folgen dieser Sprachschöpfung auf das Eklatanteste missachtet. Der Schuss ging sprichwörtlich nach hinten los!

Nicht jedermanns Sache, aber die Idee einer Afterparade im Begegnungsraum hat was in diesen kontaktarmen Zeiten.

Nicht jedermanns Sache, aber die Idee einer Afterparade im Begegnungsraum hat was in diesen kontaktarmen Zeiten.

Auf der Suche nach einer Deutung des Slogans landet der des Englischen nicht ganz mächtige Teil des homo marcransis zwangsläufig bei einem Körperteil, das die ohnehin schon akut vorhandene Impfangst gleich um ein Vielfaches verstärkt.

Der Begriff „Work“ ist dabei noch am unverfänglichsten. Impfen ist Arbeit, harte Arbeit. Aber bei dem Wort davor zieht sich sogar einem erfahrenen Geboosterten automatisch der Schließmuskel zusammen.

Allein die Geschichten jener Impflinge, denen die Injektion nur in den Arm verabreicht wurde, jagen einem schon Schauer des Entsetzens über den Rücken. Und jetzt wollen die Zwenkauer Sadisten nach dem Bizeps auch noch den Schließmuskel tagelang lähmen?

Da hat es auch nicht geholfen, dass die Luden des Geriatriezentrums beim Kundenfang vorm Klinikeingang gebetsmühlenartig darauf hinwiesen, dass man sich Rasierwasser schließlich auch ins Gesicht spritzen würde. Der Werbesologan

„Es heißt zwar After-Shave,
doch ist es nicht
dafür, sondern fürs Gesicht!“

kam insbesondere bei weiblichen Impflingen gar nicht gut an. „Wollen sie etwa behaupten, ich hätte einen Damenbart?“, schimpfte eine Frau, der offenbar als Folge übereilten Boosterns zwei zu Antennen eines kapitalen Welses mutierte Haare aus den Mundwinkeln wuchsen.

Allerdings soll es auch einige Mitmenschen gegeben haben, die das Zwenkauer Sonderangebot am Freitag freudig annahmen. In den harten Zeiten pandemiebedingter Isolation ist so eine Afterimpfung mitunter die einzige Möglichkeit, in den Genuss eines sexuellen Erlebnisses zu kommen. Und der Clou: Die Kosten für den Spaß übernimmt die Kasse.

Der „Pour le Covid“: Booster-Orden statt Impfpflicht

Das ist mal eine innovative Idee, die sich durchsetzen könnte! In der Vergangenheit war es ja oft so, dass Minderheiten von einer Mehrheit gekennzeichnet wurden, um Unterschiede deutlich zu machen. Eine Kulkwitzer Initiative hat jetzt aus der Geschichte die richtigen Lehren gezogen und mit dieser unerträglichen Form der Diskriminierung ein für allemal Schluss gemacht. Das Erfolgsrezept: Der Spieß wird umgedreht. Ab sofort wird die Minderheit der Ungeimpften entlastet, indem sich die Mehrheit der Geimpften selbst stigmatisiert. Und damit sie sich darüber auch freut, geschieht das in der gesellschaftsfähigsten aller Motivationsformen – der Auszeichnung. Unser neuer Kulkwitzer Auslandskorrespondent Peter Lolmann hat sich das vor Ort mal live reingezogen.

Eine private Initiative im Ortsteil Kulkwitz hat sich für das neue Jahr vorgenommen, die aufgeheizte Impfdebatte positiv herunterzukühlen.

Ziel ist es, eine allgemeine Impfpflicht zu verhindern und stattdessen vollständig Geimpften eine attraktive Belohnung zukommen zu lassen. Die bisher ausgereichten Bockwürste haben ja bestenfalls dazu beigetragen, den Bodymaß-Index der Ungeimpften in dreistellige Dimensionen zu blähen.

Der Booster-Orden, so der Arbeitstitel, soll nicht nur ganz in der Tradition ostdeutscher Abzeichen und Medaillen stehen, die jahrzehntelang für eine Steigerung der Motivation, Produktivität und Kampfbereitschaft sorgten, sondern auch an die urdeutsche Tradition der berühmten Tapferkeitsmedaille „Pour le Mérite“ (Foto unten) anknüpfen. Die Geburtsstunde des „Pour le Covid“!

Der "Pour le Mertite" mit Eichenlaub. Für den "Pour le Covid" gibts höchstens Eichelhaut.

Der erste Entwurf (siehe Foto) eines Kulkwitzer Künstlers besteht aus einem Virus aus massivem Messingguss sowie einem farbigen Ordensband. Dessen Gestaltung könnte auch gleich Hinweise auf die verabreichte Vaccine-Art und Anzahl der Impfungen geben.

In diesem Fall (Foto unten) „grün“ für Biontech/Pfizer und drei rote Striche für erfolgreiches Boostern. Sichtbar an der Kleidung getragen, wäre somit zukünftig das lästige Mitführen von Impfnachweisen oder die Nutzung einer App überflüssig. Von der höheren Fälschungssicherheit gar nicht zu reden.

Made in Kulkwitz: Der "Pour le Covid" am Boosterbande, wie die drei Streifen fälschungssicher belegen.

Auf diese Weise wird das Entree zu 3G-, 2G- und 2Gplus-Veranstaltungen (um nur die drei aktuellen Formen zu nennen) zum Kinderspiel. Beim Betreten des Geschäftes oder der Stadtratssitzung einfach die Brust auf Doppel-D (um nur eine der verfügbaren Größen zu nennen) anschwellen lassen und auf das Revers zeigen: Herzlich willkommen!

Die Vorsitzende der Sächsischen Vereinigung für Auszeichnungswesen zeigte sich erfreut über diese Idee: „Es ist die Chance auf eine Wiederbelebung der am Boden liegenden Ehrenzeichen- und Pokalwirtschaft.“

Auch dem alten Fritz hätte der Kulkwitzer Pour le Covid gut zu Gesicht und vor allem zur Brust gestanden.

Auch dem alten Fritz hätte der Kulkwitzer Pour le Covid gut zu Gesicht und vor allem zur Brust gestanden.

Auch Teile der bei Leipzig angesiedelten Autoindustrie suggerieren bereits Kooperationsbereitschaft. So sagt beispiesweise Matchbox-Geschäftsführerin Lili Put: „Durch den weltweiten Chip-Mangel läuft unsere Produktion ohnehin nur mit halber Kraft. Wir stellen gern unsere Ressourcen und Kompetenzen bezüglich der Dünnblechverarbeitung zur Verfügung. Für ein entsprechendes Entgelt natürlich.“

Der abgebildete Prototyp wird ab 12. Januar auf einer großen Online-Plattform versteigert. Der Erlös soll der weiteren Planung und letztendlich Realisierung des Projektes dienen.

Weniger viel, aber dafür lauter leise

Euch, Ihnen und uns allen zunächst einmal ein gesundes, glückliches und friedliches Neues Jahr. Obwohl: Diese Wünsche braucht’s diesmal gar nicht. Es kann eigentlich nur noch besser werden. Das dachte sich wohl auch der Rest der Population „homo marcransis“ und hat das Jahr 2022 entsprechend begrüßt. Unsere Kriegsberichterstatter waren wie immer vor Ort – hier die Reportage über die Silvesternacht.

Mit den Böllern verhält es sich wie mit den Kindern in unserer Gesellschaft. Die werden auch immer weniger, aber rein von der Netto-Fleischeinwaage ist der Bestand trotz Geburtenrückgangs konstant geblieben.

Schöner Anblick mit Seltenheitswert: Es wurde mehr und lauter geknallt als gefeuerwerkt.

Schöner Anblick mit Seltenheitswert: Es wurde mehr und lauter geknallt als gefeuerwerkt.

Genauso verhielt es sich mit dem Feuerwerk in der Silvesternacht. Rein von deren Zahl her war ein deutliches Defizit zu konstatieren, was allerdings die Lautstärke der gezündeten Reste angeht, hat der phonetische Pegel sämtliche Verbote vergessen lassen.

Selbstverständlich befanden sich alle Abschussrampen auf privaten Grundstücken. Das Bürgertum machte den Silvesterscherz der Regierung belustigt mit.

Selbstverständlich befanden sich alle Abschussrampen auf privaten Grundstücken. Das Bürgertum machte den Silvesterscherz der Regierung belustigt mit.

Apropos Verbote: Kontrollen zu deren Einhaltung fanden nicht statt. Ob auf der Leipziger Straße, auf dem Alten Friedhof oder dem Spielplatz in der Albertstraße – überall wurde nach Herzenslust geböllert.

Eine beispielhafte Lehre für alle Kraftfahrer: Wenn Ihr Euch benehmt wie die feierlustige Silvestergemeinde, könnt Ihr straffrei parken wo immer Ihr wollt. Versuchen Sie’s doch einfach mal und entleeren Sie den Aschenbecher in der Parkbucht. Es könnte ein Anfang sein.

Raketen waren indes wirklich Mangelware. Dafür wurde geknallt, was das Zeug hielt. Hier hatte sich die polnische Sprengstoffwirtschaft offenbar selbst übertroffen.

Nein, selbstverständlich wurde in Markranstädt nicht im öffentlichen Raum geböllert. Es war der Wind, der die leergefeuerten Kartuschen auf die Straße geweht hatte.

Nein, selbstverständlich wurde in Markranstädt nicht im öffentlichen Raum geböllert. Es war der Wind, der die leergefeuerten Kartuschen auf die Straße geweht hatte.

Den Jakedumas auf dem Alten Friedhof hatte das allerdings noch immer nicht gereicht und so kamen sie auf einen Dreh, den man ihnen angesichts ihrer Abschlussnoten Klasse 6 im Fach Physik gar nicht zugetraut hätte.

Sie ließen ihre „Dum-Bum“-Böller (die Abgabe von Feuerwerkskörpern erfolgt in Polen nach dem Intelligenzquotienten der Käufer) im Ehrenmal für ihre gefallenen Ahnen hochgehen. Während diese sich in ihren Gräbern umdrehten und sich wünschten, dass sie die Früchte ihrer Lenden damals besser auf die heiße Herdplatte onaniert hätten, kamen hinter den sich unter den Druckwellen biegenden Fensterscheiben im angrenzenden Seniorenheim Stalingrad-Erinnerungen auf. Was’n Spaß!

In Polen werden Knaller nicht nach Altersgrenzen, sondern nachdem IQ des Kunden verkauft. Hier eine Charge, die extra für deutsche Käufer hergestellt wurde.

In Polen werden Knaller nicht nach Altersgrenzen, sondern nachdem IQ des Kunden verkauft. Hier eine Charge, die extra für deutsche Käufer hergestellt wurde.

Der Neujahrstag offenbarte dann jedoch, dass es nur laut war. Viel Lärm um wenig Pappe. Die Spuren verrieten lediglich, dass die internationalen Lieferketten von Sprengstoff trotz Corona noch nicht zusammengebrochen sind und das Verbot von Böllerei im öffentlichen Raum nicht mehr war als ein lustiger Lacher, den die deutsche Politik zur Erheiterung ihrer Bürger in diesen traurigen Tagen beigesteuert hatte.

Krieg im Sandkasten

Gut, der Hirzelplatz macht da wie immer eine Ausnahme. Einige Anwohner der Karl- und Albertstraße tragen hier seit Jahren einen ethnischen Konflikt aus, den sie einst aus ihrer Heimat mit hierher brachten.

Schlachtfeld Sandkasten: Silvester ist die Fortsetzung des Krieges mit infantilen Mitteln.

Schlachtfeld Sandkasten: Silvester ist die Fortsetzung des Krieges mit infantilen Mitteln. 

Und so zeugen auch an diesem Neujahrstag leergefeuerte Lafetten von der Fortsetzung des Tschetschenien-Krieges im Lallendorfer Sandkasten.

Dafür durften sich andernorts in der Stadt sogar die Frauen frei bewegen. Die vor einigen Jahren in Köln geborene Idee, immer eine Armlänge Abstand zu halten, ist in Lallendorf an jeder Ecke präsent. Weil man nie weiß, wie lang so ein Arm ist, weisen Schilder auf 1,5 Meter hin. Und in der Tat: Es gab keine einzige Vergewaltigung in der Markranstädter Silvesternacht! Jedenfalls nicht im öffentlichen Raum.

Wenn 2022 jetzt tatsächlich mal wieder ein gutes Jahr wird, wissen wir, woran es liegt und sollten die Lehren daraus ziehen. Nicht nach Kalender saufen, sondern dann, wenn’s wirklich was zu feiern gibt.

Das Jahr 2022: Wir wissen, wie’s wird!

Das Jahresende naht und damit die Zeit der Rückblicke. Wie langweilig! Schließlich wissen wir bereits, was da so alles passiert ist. Viel interessanter ist doch ein Ausblick auf all das, was im kommenden Jahr passieren wird. Als Besitzer einer Glaskugel und Verfügungsberechtigte über jede Menge Kaffeesatz haben wir uns 2022 mal vor die Brust genommen und die Höhepunkte der vor uns liegenden zwölf Monate rausgepickt. Bitteschön – Ihr Jahr 2022 in Markranstädt!

Januar 2022: Nachdem es der UEFA im vergangenen Jahr gelungen ist, die Pandemie zeitweise für beendet zu erklären und sich im Wembley-Stadion 67.000 Menschen gegenseitig ihre Zungen in die Hälse stecken durften, will die Markranstädter Bürgermeisterin das erfolgreiche Hygienekonzept jetzt auch für den anstehenden Neujahrsempfang in Lallendorf nutzen. Ihre Bemühungen scheitern allerdings schon am viel zu geringen Fassungsvermögen des KuK.


Februar 2022: Der Gesundheitsminister sieht noch vor der fünften schon eine neunte Corona-Welle auf uns zukommen. „Die Daten lassen keinen anderen Schluss zu“, zitiert sich Lauterbachs Karle selbst. Kurzerhand wird über die Reste des Markranstädter Stadtbades eine Zeltplane gezogen und darunter ein ständiges Impfzentrum eingerichtet. In einem speziell für Impfgegner geschaffenen Vorbereitungsraum laufen in einer Endlosschleife unablässig Reden von Karl Lauterbach. „Die kriegen wir schon weich“, gibt sich Landrat Henry Graichen im Kampf um eine Impfquote von 117 Prozent zuversichtlich.


März 2022: Die Druckausgabe der Leipziger Volkszeitung, das letzte Qualitätsmedium in Markranstädt, wird eingestellt. Als Grund führt die Verlagsleitung die gestiegenen Papierkosten an. Weil jeder Begriff mehrfach gegendert werden muss, hätten zuletzt selbst Kurzmeldungen und Kurzmeldunginnen die Ausmaße und Ausmaßinnen von globalen Aufmachern und Aufmacherinnen angenommen, heißt es in der 268 Seiten umfassenden Begründung, die nur aus drei Sätzen besteht.

Selbst bei nur zwei Artikeln täglich müsste allein für das Papier eine Waldfläche in der Größe von fünf Fußballfeldern gerodet werden, rechtfertigt sich die Verlagsleitung vor ihren drei Lesern, einer Transe, einem nichtbinären Gender-Not-Conforming und einem Queery-Waschbären. Im Gegensatz zu Genderismus sei das mit den Bäuminnen und Bäumen den Leserinnen und Lesern nicht mehr zu vermitteln.


April 2022: Im sächsischen Mohorn ist eine Tripper auslösende Omega-Variante des Corona-Virus aufgetaucht. Der Fußball-Verband verhandelt mit Ministerpräsident Kretschmer darüber, wie man die Saison noch schnell zu Ende spielen kann, bevor die Welle Leipzig erreicht. Man einigt sich schließlich auf die Anwendung der O-11-Regel, wonach die Spiele zwar noch immer vor leeren Rängen, aber wenigstens schon mal ohne Spieler ausgetragen werden müssen. Der SSV Markranstädt versteigert daraufhin seine Anzeigetafel bei Ebay, um sich vom Erlös einen Satz Würfel kaufen zu können.

Mai 2022: Am Markranstädter Bahnhof wird der neue Aufzug eingeweiht. Während Vertreter der Deutschen Bahn das weltweit einzigartige Engagement Markranstädts würdigen, einem Unternehmen mit jährlich rund 28.000 Euro bei der Zuführung neuer Kunden unter die Arme zu greifen, fährt die Bürgermeisterin mit Ehrengast Wolfgang Schäuble für die Pressefotografen dauernd rauf und runter. Am Ende ist das Bedienpanel derart abgegriffen, dass die erste Rate für die Instandhaltung bereits vorfristig fällig wird.


Juni 2022: Nachdem sie im Herbst 2021 den Härtetest bestanden hat, wird jetzt die neue Markranstädter Umgehungsstraße eingeweiht. Sie führt von der Lützner Straße über die Braustraße zur Schkeuditzer Straße. Aus Platzgründen muss die Eröffnungszeremonie allerdings im Weißbachweg stattfinden. Um trotzdem Verkehrsfeeling aufkommen zu lassen, muss Michael Zemmrich gegen die Bürgermeisterin im Bobby-Car-Rennen antreten.

Zwar gewinnt der Pfarrer hauchdünn, aber wo sie nun schon mal drauf ist, wird das Zielfoto trotzdem im Amtsblatt veröffentlicht. In der Bildunterschrift erfährt der Leser: „Während Bürgermeisterin Nadine Stitterich einen hervorragenden zweiten Platz belegte, ist Pfarrer Michael Zemmrich nur Vorletzter geworden.“ Karl Lauterbach kommentiert die journalistische Kostbarkeit mit den Worten: „Die Daten lassen keinen anderen Schluss zu.“


Juli 2022: Letzte Stadtratssitzung vor der Sommerpause. Weil noch immer nicht alle Abgeordneten geimpft sind und der Urlaub vor der Tür steht, können sich die Volksvertreter am Platz des CDU-Fraktionschefs gleich vor Ort boostern lassen.

Es kommt zum Eklat, als der Arzt während der Bürgerfragestunde gelangweilt in sein Blasrohr pustet und dabei Ronald Gängel am anderen Ende des Saales mit einer gezielten Ladung LSD vorm Mikrofon niederstreckt. Als am nächsten Tag auf Youtube ein Video von diesem Vorfall auftaucht, werden die Markranstädter Nachtschichten erstmals in der Tagesschau erwähnt.


August 2022: Ein August wie jeder andere August in Markranstädt bisher auch. Es passiert nichts. Sogar die Corona-Viren schlummern träge vor sich hin. Damit er trotzdem noch in Talk-Shows eingeladen wird, warnt Karl Lauterbach jetzt vor den Spätfolgen des Masturbierens. „Die Daten lassen keinen anderen Schluss zu“, ist er mit Blick auf seinen Schritt überzeugt.

September 2022: Die Markranstädter Fridays for Future-Generation stellt ihre Bemühungen zum Klimaschutz endgültig ein. Vorausgegangen war die Veröffentlichung einer Studie des Aldi-Marktes in der Leipziger Straße, wonach trotz anderslautender wissenschaftlicher Vorhersagen diesmal sogar schon Ende August Weihnachtsmänner und Lebkuchen in den Regalen gesichtet wurden. „Wenn sich das Klima wirklich erwärmt, müssten hier Osterhasen stehen“, heißt es in der Expertise. Gesundheitsminister Karl Lauterbach bestätigt: „Die Daten lassen keinen anderen Schluss zu.“


Oktober 2022: Der Digitalpakt hat endlich auch Markranstädt erreicht. Weil aber gerade wieder ein Lockdown ausgerufen wurde, muss die Präsentation der neuen Modem-Generation auf Windows 11-Basis im Rahmen einer Telefax-Konferenz stattfinden. „Auch gut“, sagt ein Bio-Lehrer daraufhin. Er wisse sowieso nicht, wie er es seinen Dorfschülern beibringen solle, dass Buffering keine Stellung ist und man sich beim Sex zumindest ab und zu mal etwas bewegen muss.


November 2022: Hartmut Mehdorn, ehemaliger Chef des Berliner Flughafens BER, wird neuer Projektmanager für das Protonentherapiezentrum Markranstädt. In seiner Antrittsrede kündigt er eine Überarbeitung des Konzeptes an. Demnach seien die ursprünglich geplanten Funktionsplätze für Aderlass, die Vervielfältigung von Patientenakten mit Ormig-Geräten oder die Narkotisierung mit Äther-Lappen inzwischen nicht mehr ganz zeitgemäß. „Wir müssen nach vorn denken“, ruft der Manager auf und will jetzt eine Produktionsstätte für moderne Tonbandkassetten errichten. Die Stadträte stimmen begeistert zu, während die Nachfrage des AfD-Fraktionschefs, wer sich denn nun um die zu therapierenden Protonen kümmere, nicht einmal ignoriert wird.


Dezember 2022: Im Keller der Markranstädter Nachtschichten klicken die Handschellen. Nachdem ein BND-Mitarbeiter auf einen knapp ein Jahr alten Artikel des Satire-Organs aufmerksam gemacht wurde, in dem das Jahr 2022 in allen Einzelheiten wahrheitsgemäß vorhergesagt worden ist, sieht sich die staatliche Allmacht mit ihrem Wissensmonopol bloßgestellt.

Die Dissidenten werden zunächst mit häuslicher Absonderung belegt und anschließend an China ausgeliefert. Die Bundesregierung überlässt das Verfassen einer Protestnote dem IOC, das im Wohnzimmer des Fifa-Präsidenten ein Beruhigungsvideo dreht. Dort geben die von Folter gezeichneten Querulanten ganz offen zu, freiwillig ausgewandert zu sein. Danach ist schon wieder Silvester …