Endlich: Shitstorm erreicht Markranstädter Esstische

Na bitte, es geht doch! Das gewaltige Echo auf die Reportage über sprachlichen Rassismus auf Markranstädter Baustellen zeigt, wie biodivers die Gesellschaft hier aufgestellt ist. Immerhin drei Bürger und damit zwei mehr als bei jenem Shitstorm, der Ravensburger zur Rücknahme seines Winnetou zwang, haben das Manifest unterstützt. Darauf darf man sich allerdings nicht ausruhen. Es gilt nunmehr, auch die letzten Bastionen patriarchaischer Sprachkultur zu zerstören. Ganz besonders beim Essen gibt es noch stereotype Diskriminanzen, mit denen es aufzuräumen gilt.

Politisch unkorrekt, rassisch diskriminierend und ethnisch beleidigend – all das verbirgt sich hinter dem, was man landläufig als „Sex des Alters“ bezeichnet: dem Essen.

Aus den tausenden unerträglicher Bezeichnungen, die tagtäglich über die Speisetische in den Markranstädter Haushalten fliegen, haben wir drei Beispiele herausgepflückt, die jedem Lallendorfer die Muttersprache verschlagen müssten.

Der Amerikaner

Hier haben wir ein eklatantes Beispiel für ethnische Stereotype. Der wahre Amerikaner ist demnach rund, fetthaltig und hat eine weiße Haut. Geht’s noch? Wo finden sich in dieser Backware die indigenen Bevölkerungsteile Amerikas wieder, wo die Nativen, die afro-amerikanischen Neobioten und was ist mit den Latinos?

Fett, rund und weiße Haut: Hierwird ein stereotypes Bild von den Amerikanern verfestigt.

Fett, rund und weiße Haut: Amerikaner?

Doch selbst für den dominanten Rest der Nation, auf den die Eigenschaften des Naschwerkes zutreffen, ist das Gebäck eine Teig gewordene Beleidigung. Weiß, rund und fett – so wird uns der typische Amerikaner suggeriert. Das ist nicht nur in ethnischer Hinsicht stereotyp, sondern auch sexistisch. Wieso heißt es „der“ Amerikaner, wo man doch auf dessen Rückseite einer cellulite-ähnlichen Oberfläche und damit einer eindeutig weiblichen Eigenschaft ansichtig wird? Also wenn schon, dann „die Amerikanerin“.

Fazit: Die Bezeichnung „Amerikaner“ ist nicht nur ethnisch diskriminierend, sondern auch sexistisch.

Früher konnte sogar Putin noch darüber lachen. Als er dereinst in Dresden wohnhaft war, hatte er von seinem Plattenbau aus die Bäckerei fast sehen können, in der das angeblich aus seiner sowjetischen Heimat stammende Manna produziert wurde.

Russisch Brot

Dabei liegt der Fehler schon in der Form. Mit lateinischen Buchstaben kann der Iwan, von Putin mal abgesehen, nämlich nichts anfangen. Drum liest sich das Wort „Frieden“ bei ihm auch wie „Mup“ und Krieg klingt fast so romantisch wie ein Gläschen roter „Chateau Gulag“ beim Candle-Light-Dinner: Woina.

Russisch Brot mit lateinischen Buchstaben: Kein Wunder, dass Putin aufbegehrt.

Russisch Brot mit lateinischen Buchstaben: Kein Wunder, dass Putin aufbegehrt.

Aber dafür können wir Deutsche nix. Die Bezeichnung Russisch Brot ist vielmehr das Ergebnis gezielter Desinformation aus dem Kreml. Es soll uns vermitteln, dass die Russen unsere Sprache verstehen und allesamt so süß sind, dass man sie am liebsten tütenweise vernaschen möchte.

Das Resultat: Der gutgläubig-zutrauliche Deutsche wird fettleibig (siehe: Amerikaner), bekommt Diabetes und kann die Front an der Oder-Neiße-Linie nicht mehr verteidigen. Also wenn schon Russich Brot, dann mit kyrillischen Buchstaben, khaki-farbenem Überzug und Knoblauch-Note.

Fazit: Russisch Brot ist zwar nicht sexistisch und auch ethnisch tragbar, aber politisch absolut unkorrekt.

Mit der landläufig salonfähigen Meinung, dass der Neger den Längsten hat, konnte auch der Kameruner bislang ganz gut leben.

Die Kameruner

Schließlich hat er auch ordentlich daran verdient. Deutsche Omas fliegen bekanntlich vor allem deshalb so gern in die von ihm besiedelten Urlaubsgebiete, weil sie sich dort für wenig Geld noch mal so richtig bis ans Zäpfchen durchorgeln lassen können. Aber der Ruf wurde von rassistischen Neidern nachhaltig beschädigt und die ausbleibenden Ströme greiser Sex-Touristinnen bringen sogar das Kameruner Bruttosozialprodukt ins Wanken.

Unerträglich und an Beleidigung kaum noch zu übertreffen: Als ob die Kameruner solche Nüsse hätten.

Unerträglich und an Beleidigung kaum noch zu übertreffen: Als ob die Kameruner solche Nüsse hätten.

Man muss keine Frau sein, um sich die diskriminierende Wirkung der Bezeichnung vor Augen führen zu können. Es gibt die Kameruner nicht umsonst nur im Plural, was ein sprachlicher Hinweis darauf ist, dass sie mindestens paarweise vorkommen. Von hier ist es nur noch ein kleiner gedanklicher Schritt bis zur diskriminierenden Feststellung: Wer will sich schon mit Männern einlassen, die solche Nüsse haben?

Fazit: Auch dieser Fausthieb ins Angesicht gelebten Rassismus’ ist unerträglich und muss sofort aus dem Wortschatz entfernt werden.


Hat der Berliner  nur Marmelade im Kopf und kann man ihn nur mit einer großen Klappe essen? Verletzen Schweinsohren und Ochsenaugen die Gefühle von Tieren? Schreiben Sie uns Ihre satirische Meinung!

 

Koloniale Stereotype auf Markranstädter Baustellen

Ein Aufatmen geht durch die Gesellschaft: Nachdem die komplette Weltliteratur umgeschrieben, Kunstwerke umgestaltet und ganze Ethnien umbenannt wurden, dürfen wir jetzt nicht innehalten auf dem Weg zu einer diversen Gesellschaft. Mehr denn je gilt es jetzt erst recht, rassistische Wurzeln, koloniale Stereotypen und sexistische Wortschöpfungen mit Stumpf und Stiel auszurotten! Ein Reporterteam der Markranstädter Nachtschichten hat sich deshalb mal auf Baustellen der Stadt rumgetrieben.

Es sind längst keine Einzelfälle und man kann es auch nicht mehr verharmlosen: Verallgemeinerung kolonialer Stereotype, rassistische Äußerungen, ja sogar Sklaverei sind auf Baustellen in und um Markranstädt ebenso trauriger wie unerträglicher Alltag.

„Hol mal den Franzosen“, befiehlt der Meister einem Azubi, der daraufhin entgeistert die umherstehenden Gesellen mustert. Doch keine der grinsenden Gestalten hat auch nur ansatzweise eines der rassischen Merkmale vorzuweisen, die man einem Franzmann traditionell zuschreibt. Der Lehrling ist ratlos.

Der Franzose

Der Franzose ... ist mit dem Schneckenrad so fein justierbar, dass er die Hummel jeder Frau zum Summen bringt. Ein Stereotyp, das so nicht länger hingenommen werden darf!

Der Franzose … ist mit dem Schneckenrad so fein justierbar, dass er die Hummel jeder Frau zum Summen bringt. Ein Stereotyp, das so nicht länger hingenommen werden darf!

Woran erkennt man einen Franzosen, dessen Sklavendienste der Meister so dringend in Anspruch nehmen will?

Ja, wenn der Chef nach einem Polen gefragt hätte, dann wäre dem Azubi vielleicht ein Licht aufgegangen. Er hätte sich einfach dort umgeschaut, wo deutsche Fachkräfte gerade ihr Werkzeug suchen. Aber einen Franzosen zu finden auf einer Baustelle, in deren Nähe sich weder Frösche noch Frauen aufhalten, das ist nicht nur für einen Azubi unmöglich.

Der Japaner

Der Japaner ... nicht nur ethnisch stereotyp, sondern auch sexistisch, denn bei diesem Becken und den herrlich geöffneten Schenkeln kommt nur eine Japanerin in Frage.

Der Japaner … nicht nur ethnisch stereotyp, sondern auch sexistisch, denn bei diesem Becken und den herrlich geöffneten Schenkeln kommt nur eine Japanerin in Frage.

Nur zwei Baustellen weiter ein noch katastrophaleres Bild: Ein blonder Bauhelfer mit blauen Augen und kruppstählernen Muskeln schiebt gleich eines flinken Windhundes einen asiatischen Kuli vor sich her, der fünf Zentner Sand zum Betonmischer schleppt.

Dabei macht sich der lederzähe Aufseher nicht einmal die Mühe, die ethnische Herkunft des unter der Last ächzenden Sklaven zu verschleiern. „So ein Japaner ist nicht mit Gold zu bezahlen“, strahlt der Hilfsarbeiter.

Es sind solch kolonial geprägte Stereotype, die jeden Bauherren im Schamdreieck springen lassen müssten. Wie kommt man darauf, eine zweirädrige Schubkarre als Japaner zu bezeichnen? Als ob so ein Japs den ganzen Tag mit einem Kasten auf dem Rücken auf zwei Gummirädern durch die Gegend eiert. Das waren mal unsere Freunde, damals in der Achse! Also wenn schon ein Name, dann passend zum Produkt. In diesem Fall also wenigstens Japanerin, als Reminiszenz an dieses herrliche Becken mit zwei ebenso stabilen wie einladend geöffneten Schenkeln.

Der Engländer

Der Engländer ... kann das th so gut sprechen, weil er vorn keine Zähne hat. Nachdem die Seefahrer-Nation früher monatelang auf den Meeren untewegs war, bekamen die Leute Skurbut. Nach dem Niesen lagen dann die zwei Einser auf dem Deck. Das zahnlose Werkzeug ist ein unerträgliches Stereotyp.

Der Engländer … kann das th so gut sprechen, weil er vorn keine Zähne hat. Nachdem die Seefahrer-Nation früher monatelang auf den Meeren untewegs war, bekamen die Leute Skurbut und beim Niesen puzelten dann die zwei Einser aufs Deck. Das zahnlose Werkzeug ist ein unerträgliches Stereotyp.

Wenig später wird an der dritten Baustelle offenbar, dass in den letzten Monaten still und heimlich genau das passiert sein muss, woran ein österreichischer Architekt vor knapp 75 Jahren kläglich gescheitert ist: Deutschen Sanitärern ist es offenbar gelungen, auf ihrem Weg zur Weltherrschaft diesmal auch die britische Insel zu besetzen. Davon zeugen zahllose Engländer, die in germanischen Klempnerfirmen täglich Frondienste leisten und mit bloßen Händen Heizungsrohre zusammenschrauben müssen.

Dass dieses Werkzeug auffällige Ähnlichkeit mit dem Franzosen hat, scheint kein Zufall zu sein. „Weil sie uns in den letzten rund 100 Jahren schon zwei Siege gekostet haben, liegen sie jetzt auch in der gleichen Werkzeugkiste“, sagt Handwerksmeister Christian Harten (53) endsiegessicher. Selbstredend kommen die unterjochten Hilfsdienstleister nur zum Einsatz, wenn’s um verstopfte Abflussrohre, undichte Syphons oder wie im Falle von Kundin Claire Grube (49), um die Zuleitung zur häuslichen Kläranlage geht.

Mit diesen sterotypisierenden Bezeichnungen werden auf Markranstädter Baustellen jeden Tag aufs Neue ethnische Vorurteile in Beton gegossen, diskriminierende Klischees reproduziert und rassistische Ressentiments genährt.

Der Pole ... ist auch so ein Werkzeug, dessen Bezeichnung eindeutig diskriminierend ist. Angeblich verfügt dieses Gerät über die Eigenschaft, dass es weg ist, sobald man es aus der Hand gelegt hat. Darum gibt es auch keine Fotos davon, heißt es auf den Baustellen.

Der Pole … ist auch so ein Werkzeug, dessen Bezeichnung eindeutig diskriminierend ist. Angeblich verfügt dieses Gerät über die Eigenschaft, dass es weg ist, sobald man es aus der Hand gelegt hat. Darum gibt es auch keine Fotos davon, heißt es auf den Baustellen.

Zum Kreise der so Gedemütigten Japaner, Franzosen und Engländer zählen übrigens auch tausende leibhaftiger Sachsen, die heute vorwiegend auf Baustellen in den gebrauchten Bundesländern zum Einsatz kommen. Wertschöpfend tätige Bayern oder Baden Württemberger findet man hingegen weder hüben noch drüben. Warum, wenn man die Diskriminierung schon nicht abschaffen kann, nicht wenigstens mit der Diskriminierung für alle beginnen? Das wäre doch wahre Gleichstellung.

Diskriminierung für alle!

So könnte man beispielsweise einen Anfang wagen, indem man den noch nicht verletzten westelbischen Ethnien ihre eigenen Lebensinhalte widmet, also Büroartikel.

Wenn das einst weiche Sitzkissen zu hart geworden ist, könnte die Sekretärin im Kölner Hauptsitz des Dresdener Unternehmens dann beispielsweise „einen neuen Bayern“ verlangen, für den Schlüssel zur Portokasse bietet sich „der Schwabe“ an und wenn der Chef den Kugelschreiber in den Bleistiftspitzer schiebt, benutzt er „den Ostfriesen“. Der Schredder wäre „das Hessen-Fax“ und das Festnetztelefon „Berliner W-LAN“.

So könnte die Arbeitswelt wirklich etwas gerechter werden, man muss nur endlich mal damit beginnen, diese Unerträglichkeit für alle Menschen erlebbar zu machen. Lesen Sie dazu auch unseren nächsten Artikel, der sich unseren Speisen widmet. Nein, nicht Negerküssen oder Zigeunersoße – diesmal kommen ganz andere, bislang völlig ausgeblendete Nahrungsmittel auf den Richtertisch. Bleiben Sie dran!

Update zur Bedienungsanleitung der Markranstädter Nachtschichten

Heute mal ein paar kurze, aber wichtige Infos in eigener Sache. Offenbar ist die Gebrauchsanweisung der Markranstädter Nachtschichten für manche Leser ebenso undurchsichtig wie die Anleitung zum Aufbau des Ikea-Bettes „Pimpernöt“, nach dessen Zusammenbau man fragend vor der hölzernen Abschussrampe für eine interstellare Trägerrakete steht.

Ein kostenloses Abonnement der Markranstädter Nachtschichten hat viele Vorteile und es werden bald noch mehr dazukommen.

Sie erfahren nicht nur minutengenau, wann es hier was Neues gibt, sondern brauchen es demnächst auch, um die MN überhaupt lesen zu können. Wir selbst haben zwar wenig bis nichts davon, aber zu wissen, wie viele Menschen sich wirklich dafür interessieren, ist für uns eine Motivation. Vielen Dank dafür den aufrechten Lesern!

Unter den 1.619 Abonnenten des größten deutschen Satireportals aus Markranstädt befinden sich inzwischen 233 Leser, die vom Sinn ihres Aktes der Anmeldung nichts, aber auch gar nichts haben. Das muss nicht sein. Der Grund: Sie haben sich zwar angemeldet, aber nicht auf die daraufhin versandte Bestätigungs-eMail reagiert. Damit fristen sie ihr karges Dasein im Rang einer Karteileiche.

MN-Tipp: Die eMail mit der Bestätigung kann natürlich nur ankommen, wenn sie richtig eingegeben wurde. Kreative Bemühungen wie „will_ich-nicht.angeben@elektropost.ru“ laufen automatisch ins Leere.

Darüber hinaus sind in den letzten sechs Monaten auch 32 Abmeldungen eingegangen. Die bisherige Erfahrung hat uns gelehrt, dass dieser Akt in durchschnittlich 32 von 32 Fällen unbeabsichtigt erfolgt. In den meisten dieser Aktionen führt wohl die gespannte Erwartung über den neuesten Beitrag offenbar zu motorischen Überreaktionen der Leser, die dann wild auf dem Display rumhacken und dabei den falschen Button erwischen.

Es übersteigt leider unsere Kompetenzen, Ihnen ein individualisiertes Tutorial über den Umgang mit Ihrem Smartphone zu fertigen oder jedesmal individuell nachzufragen, ob Sie sich wirklich abmelden wollten. Im Zweifelsfall schicken Sie einfach eine Mail an redaktion@nachtschichten.eu.

MN-Tipp: Es ist sowieso eine Unart, sich gehobene Weltliteratur auf einer 7 x 14 Zentimeter kleinen Glasscheibe anzuschauen. Genießen Sie das Angebot lieber ganz entspannt bei einer Tasse Kaffee an einem PC oder wenigstens einem Tablet. Da haben Sie mehr davon und vor allem auf einem Blick auch eine Übersicht über die Angebote in den beiden Sidebars links und rechts des Textes.

Nicht unerwähnt sollen allerdings auch jene Leser bleiben, die allen Grund dazu haben, die MN weder zu lesen noch zu abonnieren.

Die um sich selbst tanzen

Insbesondere Vorreiter der Vergenderung unserer Muttersprache und selbsternannte Anwälte von Kulturkreisen, in denen man selbst noch nicht weiß, durch welche Begriffe man sich diskriminiert fühlen muss, könnten hier wenig Inspiration für ihre Utopien finden.

Im Gegenteil: Die Befindlichkeitsvirtuosen unserer Gesellschaft erwartet hier bestenfalls die Erkenntnis, dass ihre Lebensentwürfe und Phantastereien mit den Albträumen der Wirklichkeit nicht kompatibel sind. Bei uns jedenfalls dürfen Indianer noch Indianer sein und der Papa von Pipi Langstrumpf König der Neger. Basta!

MN-Tipp: Bleiben Sie besser in Ihrer Echokammer und gendern Sie sich dort mit Ihrer Muschibuhbuh-Sprache durch die linguistische Wohlstandsverwahrlosung. Nachdem der Berliner Senat den Begriff Zigeuner durch Rotationseuropäer ersetzt hat, haben Sie schon mehr erreicht als wir je erreichen werden.

Gartenabfälle für alle – gelebte Integration in Markranstädt

Die Preisschraube bohrt inzwischen auch in den einst für ihren Reichtum bekannten Markranstädter Stadtvierteln dicke Löcher in die Geldbörsen. Die Folge: In den weißen Wohnwürfeln der Känguru-Siedlungen (nichts im Beutel, aber große Sprünge) hat der Überlebenskampf begonnen. Der wird aus geostrategischen Gründen allerdings nicht auf den eigenen Grundstücken ausgetragen, sondern – ähnlich wie die Kampfhandlungen zu Silvester – in annektierte Krisengebiete outgesourct.

Mit 230 Euro pro Quadratmeter sind die Grundstücke am Westufer inzwischen genauso teuer wie die darauf errichteten Häuser.

Deshalb sind manche Parzellen ziemlich eng bemessen. Da passt ein Häuschen drauf, vielleicht noch ein Carport und ein Trampolin für den Stammhalter, sofern man sich nicht schon von vornherein auf einen Hund verständigt hat.

Trafo-Haus mit Benz

Darüber hinaus hat so mancher Bauherr (unter dem Einfluss so mancher Baudame) auch beim Häuslebau den Gürtel enger geschnallt. Nicht selten wurde auf Billig-Entwürfe zurückgegriffen, deren Architektursprache den Transformatorenhäuschen aus DDR-Zeiten entlehnt ist. Die individuelle Vielfalt ergibt sich aus der Himmelsrichtung, nach der die zu Schießscharten verkümmerten Fenster ausgerichtet sind.

Das Ensemble aus Grundstück und Haus kommt dann schnell mal auf über eine halbe Million Euro, deren abzustotternde Raten bislang hauteng in den familiären Haushaltsplan passten. Bislang. Jetzt wird alles teurer und mit kalt duschen allein sind die Raten nicht mehr zu stemmen.

Kein Platz für Grün(schnitt)

Es wird gespart an allen Ecken. Weil man schon beim Grundstückskauf die drei Quadratmeter (690 Euro) für einen Komposthaufen gespart hat und man sich die 2,50 Euro für die Entsorgung des Grünschnitts bei der LAV nicht mehr vom Munde absparen kann, haben Westkulki-Anwohner jetzt praktisch eine Staatsanleihe genommen.

Wie einst die Banken, setzen auch die Känguru-Siedler nun auf Privatisierung der Gewinne bei Sozialisierung der Verluste. Der Grünschnitt wird zu dunkler Stunde einfach an den Zaun vor der Meri-Sauna gekippt und fertig ist der Lack.

Wenn man am nächsten Tag beim Nordic-Walking dann noch kopfschüttelnd an der bürgerlichen Kompostanlage vorbei läuft und sich gemeinsam mit seinen Mitwanderern über dieses asoziale Verhalten einiger Ewiggestriger aufregt, ist man auf der sicheren Seite. Kann ja jeder gewesen sein.

Was die Kompostfreunde allerdings nicht bedacht haben, ist die Intelligenz ihrer Nachbarn. Einige von denen haben die Krise nämlich kommen sehen und – als sie noch welchen hatten – vorsorglich romantische Schottergärten anlegen lassen.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Zwischen den Grauwacke-Klumpen finden seltene, den begehrten Steinhonig produzierende Metallbienen Unterschlupf; sinnlose Geburtstagsgeschenke der Schwiegereltern lassen sich als Obsolet-Keramik ähnlich antiker Amphoren optisch wirkungsvoll auf dem Schotter drapieren und jetzt der Clou: Bei der Gartenpflege mit Glyphosat und Kärcher fällt kein Grünschnitt an.

Selbst der alte Sherlock Holmes könnte nach einem Blick über die Seesiedlung den Täterkreis innerhalb nur weniger Sekunden auf eine handvoll entsorgungssparsamer Grundstücksbesitzer einschränken. In diesem Fall lautet die Lösung nicht „folge dem Geld“, sondern „folge dem Grün“. Das kann schließlich nur aus einem Grundstück stammen, in dem solches auch gedeiht.

Diese Form gelebter Solidarität kennen die konservativen Ureinwohner Markranstädts noch nicht: Einfach auf öffentlichen Flächen entsorgen und alle bezahlen lassen.

So nimmt man alle Bürger mit ins Boot: Einfach auf öffentlichen Flächen entsorgen und alle bezahlen lassen.

Es ist ein Hilfeschrei der betreffenden Anwohner. Weil deren Integration ins gesellschaftliche Leben der Stadt Markranstädt oft noch stagniert, haben sie jetzt die Initiative ergriffen.

Zusammenrücken für alle

Indem sie ihren Grünschnitt auf öffentlichen Flächen ablagern und die Entsorgung deshalb von allen Markranstädtern bezahlt wird, können diese dann auch den dicken Nobelkarossen samt Zweitwagen unter den Carports der Siedlung etwas abgewinnen.

„Guck mal, den haben wir mit bezahlt“, kann der Papa dann voller Stolz beim Spaziergang seiner Tochter mitteilen. So rücken Alt- und Neubürger zusammen. Gelebte Integration – man muss halt nur immer mal die Augen zudrücken.

Hoher Besuch bei der MAF-Familie – oder: „Rangnick? Nie gehört!“

Die bisherigen automobilaffinen Besucher mit österreichischem Migrationshintergrund hatten weit weniger Sympathiepunkte gesammelt. Der eine ist vor ungefähr 85 Jahren mit seinem Mercedes-Cabriolet einfach durchgefahren worden, der andere war nur auf der Suche nach einer Fußballmannschaft hier gestrandet. Ganz anders der Dritte im Bunde, der zwar kein Österreicher ist, aber die Fußball-Nationalmannschaft der Alpenrepublik trainiert. Am Sonntag hat Ralf Rangnick der MAF-Produktionsstätte inkognito eine Stippvisite abgestattet und ist sogar zwei Stunden geblieben. Und nein: Es ging nicht um geheime Verhandlungen, in denen der SSV Markranstädt sein Spielrecht diesmal für ein paar vergoldete Mozartkugeln an einen Wiener Sachertorten-Bäcker abtreten sollte.

Am Tag des offenen Denkmals hatte der Markranstädter Oldtimerverein hohen Besuch. Wie aus dem Nichts stand plötzlich Ralf Rangnick in den ehrwürdigen MAF-Hallen.

Dass der Fußball-Lehrer aus dem Autoland Baden-Württemberg ein Herz für Oldies hat, ahnt die Fachwelt spätestens seit dessen Verpflichtung als österreichischer Nationaltrainer. Wollte sich Rangnick etwa, um Ikonen wie Hans Krankl oder Toni Polster zurück ins Team zu locken, nach passenden Dienstfahrzeugen für seine Stars umschauen? Heilig’s Blechle.

Ralf Rangnick (2.v.l.) hatte sich rund zwei Stunden Zeit genommen und hat die Führung durch die Hallen mit großem Interesse aufgenommen.

Ralf Rangnick (2.v.l.) hatte sich rund zwei Stunden Zeit genommen und hat die Führung durch die Hallen mit großem Interesse aufgenommen.

Rangnicks Liebe für antike Schnäppchen ist bekannt. Immerhin müsste der von ihm einst für RB Leipzig verpflichtete Kevin Kampl, mit knapp 32 Lenzen der älteste Heurige in der Brause-BSG, auch schon ein Sonderkennzeichen tragen. Aber all das war’s nicht, was den Trainer nach Markranstädt lockte.

Es war der Tipp eines Mitglieds des Oldtimervereins, dem Rangnick in den Kreißsaal der MAFs folgte. Ganz einfach mal so – in der Freizeit.

Sowohl was fürs Familienalbum als auch die Annalen des Oldtimer-Vereins: Ralf Rangnick mit Kerstin Schroth-Geier und Fred Schroth.

Sowohl was fürs Familienalbum als auch die Annalen des Oldtimer-Vereins: Ralf Rangnick mit Kerstin Schroth-Geier und Fred Schroth. (Fotos: Oldtimer-Verein Markranstädt / Kerstin Schroth-Geier)

Und das war das eigentlich Sensationelle an dem Besuch: Ein völlig authentischer Star-Gast, der ganz privat, aus wirklich reinem Interesse und demzufolge ohne Kameras und Schreiberlinge im Tross, einfach mal einen Ausflug an einen historischen Ort unternahm.

Eisenbahn-Romantik zwischen Oldtimern und Skatern

Obwohl sich Rangnick (Baujahr 1958) schlagartig in die drei Jahre jüngere Französin Renault Floride (Baujahr 1961) verliebte und schließlich sogar herzhaft mit einem roten Trabant-Cabrio flirtete, nahm sich der Fußball-Lehrer anschließend sogar die Zeit, sich durch die anderen Teile des Areals führen zu lassen.

„Ich war überrascht, wie sehr ihn die Gotthard-Bahn der Modelleisenbahner fasziniert hat“, gab Uwe Brabnik, Chef des Oldtimervereins, hinterher gegenüber den MN zu Protokoll. Offenbar ging es der Jugend in Baden-Württemberg seinerzeit nicht anders als uns hier in der Zone.

Hier im Osten hielt sich bislang hartnäckig das Gerücht, dass die Laune damals zu Weihnachten nur deshalb so gut war, weil wir beim Basteln an der Eisenbahn ständig am Schnüffeln von Kittifix oder Duosan Rapid waren. Seit Sonntag wissen wir: Die im Westen waren auch nur auf dem Trip, allerdings mit Uhu oder Pattex. Jedenfalls hatte Ralf Rangnick auch eine Eisenbahn und die in Markranstädt geweckten romantischen Erinnerungen wollten ihn gar nicht mehr davonziehen lassen.

Eine seltene Erfahrung lauerte auf den Trainer in der Skater-Halle. Dort wurde er Zeuge der beeindruckenden Skating-Vorführung eines Jugendlichen. Allerdings wusste dieser nicht mal, für wen er da seine Kunststücke eigentlich präsentierte. „Rangnick? Nie gehört!“ Was bei den Beweihräucherungs-Shows im Sport- oder Doppelpass-Studio als Peinlichkeit hoch drei gelten würde, war an diesem Sonntag aber ein Ritterschlag für den Fußball-Lehrer: Es hätte gut und gerne auch ein Eisverkäufer oder Klempner gewesen sein können, so authentisch, sympathisch und bodenständig kam der Star-Trainer rüber. Das war mal was, woran es sich zu erinnern lohnt.

Neues aus der vierten Etage (29 … oder 22 … oder 28?)

Für die Berichterstattungen aus der vierten Etage werden wir bald Geld nehmen müssen. Es ist ganz harte Arbeit, aus dem Treiben im Ratssaal satirischen Nährwert zu extrahieren. Die Chefin hat den Laden voll im Griff, was nicht zuletzt den demütigen Gesten und Worten ihrer Schäfchen zu entnehmen ist. Der Preis dieser offenbaren Zufriedenheit: die Brüller fehlen. Lustig ist es irgendwie nicht mehr so richtig.

Ein paar Lächler vielleicht, aber das war’s dann schon.

So wollte CR2 zunächst die 29. Sitzung des Stadtrates eröffnen, was dann aber auf Nummer 28 korrigiert werden sollte und nachdem sogar Nummern wie 22 oder 27 ins Spiel kamen am Ende doch die 29. war.

Die Antwort ist 42

Welche Sitzung nun auch immer eröffnet wurde – es war so oder so die falsche. Das Zahlenspiel mit der 29 hatte die Bürgermeisterin derart irritiert, dass sie an jenem 8. September schlussendlich die „Sitzung am heutigen 29. September“ eröffnete. Dabei gibts nur eine Antwort.

Weil jede Medaille zwei Seiten hat, hier zunächst die gute Nachricht: Da haben die Stadträte jetzt noch drei Wochen Zeit, ihre gefassten Beschlüsse noch einmal zu überdenken, bevor sie gefasst werden. Zumindest in einigen Fällen scheint das auch angebracht.

Mandat = Kraft ÷ Freude

So darf bezweifelt werden, ob unsere Volksvertreter wirklich gewusst haben, zu welchem Preis sie ein Grundstück in Albersdorf an den Bauherren gebracht haben. Einmal war da von 61.830 Euro die Rede, was bei 687 Quadratmetern zum Preis von 90 Euro pro Hufe zumindest mathematisch Sinn macht. In der beiliegenden Textaufgabe der Verwaltung wurden die Ratsleute allerdings mit Rechenoperationen konfrontiert, die 61.380 Euro und damit satte 450 Euro weniger ergeben. Zudem wurden sie auch noch davon in Kenntnis gesetzt, dass sie diesem Betrag schon im April zugestimmt hatten.

Nur gut, dass das Sitzungsgeld immer gleich bleibt und man selbst da nicht nachrechnen muss. Gut auch, dass wenigstens im Beschlusstext versehentlich die richtige Summe stand. Wie gesagt: Bis zum 29. September bleibt noch Zeit, dem Vorgang mit Tafelwerk und Rechenschieber noch mal zu Leibe zu rücken und einen ordentlichen Antwortsatz zu formulieren. Kleiner Tipp: Das Alter des Hoftores kriegt man über die Cosinus-Funktion der Haspen raus.

Einer Bürgerfrage folgend, wonach im Pappelwald der Aushub von sanierten Gräben abgelagert wurde, bestätigte die Bürgermeisterin den Vorgang und gewann dieser Form der Kompostierung „positive Affekte“ ab. Wenn das die Anrainer auch so sehen und diesem leuchtenden Beispiel folgen, könnte dort demnächst im Affekt eine unbemannte Sammelstelle für Gartenabfälle in den Markranstädter Himmel wachsen. Lallendorf auf dem Weg zum Bio-Siegel.

Die Markraaahnstädter wieder

Nach wie vor behaupten viele Menschen, Markranstädter zu sein. Für die Identifikation des wahren Markransters gilt daher der Satz: „An ihren Worten sollt ihr sie erkennen“. Aber das gilt offenbar nicht mehr. Nachdem die Markranstädter CDU-Abgeordnete Birgit Riedel ihre Ausführungen zum Schloss Altranstädt beendet hatte, schoss Frank Meißner von der SPD ans Mikro, um das Auditorium wissen zu lassen, was es längst schon mitbekommen hatte und Riedels Einbürgerungsbescheid rückwirkend in Frage stellt: „Ich gebe Frau Riedel in allen Punkten Recht, nur in einem nicht. Wir reden von Altranstädt und nicht von Altraaahnstädt.“

Zum Thema Altranstädt hatte dann auch Bodo Walther einen Denkanstoß beizutragen. Offenbar inspiriert von dem ewig währenden Vorwurf der Holzmedien, dass es seine Partei mit der geschichtlichen Historie manchmal nicht so genau nehme, hat er diesmal ganz exakt hingeguckt. „Der angebliche Frieden zu Altranstädt im September 1706 war gar kein Frieden“, lautete sein vernichtendes Urteil über die Geschichtsschreibung und er blieb auch den Beweis dafür nicht schuldig.

Ein bisschen Frieden …

Nach der schwedischen Niederlage gegen Russland im Juli 1709 in der Schlacht bei Poltawa setzte August II. an der Seite des Zaren den Krieg nämlich fort. Ähnlichkeiten zu aktuellen Entwicklungen zwischen dem sächsischen Königshaus und der Zarenfamilie sind zwar rein zufällig, aber nicht zuletzt zog August II. seine Unterschrift unter den Altranstädter Frieden wieder zurück und ließ sich durch den Papst vom Vertrag entbinden. Was nun, Friede zu Altranstädt oder Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln?

Bildungsfernes Publikum

Also: Wir hatten Mathematik, Geschichte, wurden im Umgang mit dem Kalender und der chronologischen Einordnung von Sitzungen geschult und wissen jetzt nicht zuletzt auch, wohin mit den Gartenabfällen. Auch wenn der Spaß in der Markranstädter Duma immer weniger wird und die Zahl der Zuschauer inzwischen auf ganze fünf zurückgegangen ist, nimmt doch der gesellschaftliche Nährwert in gleichem Maße zu.

Verstehe die Leute, wer will.