Markranstädter Wochenschau (48): Die andere Perspektive

Die 48. Woche bestand aus fünf vergleichsweise ruhigen Werktagen. Scheint so, als bereite sich Markranstädt auf den Winterschlaf vor. Aber der Schein trügt, denn hinter den Fenstern herrscht ordentlich Betrieb in den Lallendorfer Häusern. Beispiel: Ein unverheiratetes Paar mit je einem Beutekind aus einer vorangegangenen Ehe-Insolvenz, schon haben wir vier Personen aus vier verschiedenen Haushalten. Da braucht zu Weihnachten nur noch ein Bruder an der Tür zu klingeln, schon geht die Patchwork-Sippe geschlossen in U-Haft. Dort gilt seltsamerweise kein Beherbergungsverbot. Aber schauen wir mal, was sonst noch so passiert ist im Zweistromland zwischen Floßgraben und Zschampert.

Was derzeit so passiert, stellt die Dramaturgie jedes Kriminalromans sowieso in den Schatten.

Außerdem hat der homo marcransis in den kommenden, einsamen Adventstagen genug Zeit, mal wieder selber in einem Buch zu schmökern.

Da ist die Botschaft, dass die für kommenden Dienstag mit Krimi-Autor Andreas M. Sturm in der Stadtbibliothek geplante Lesung ausfällt, nicht ganz so dramatisch. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Vielleicht hat er dann schon den Roman „Die dritte Welle“ fertig?

Es werde Licht …

Advent, Advent, der Baum brennt.

Advent, Advent, der Baum brennt.

… und es ward Licht! Wie traditionell an jedem Freitag vorm ersten Advent, erstrahlte gestern Abend der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz erstmals in eigenem Lichte.

Im Gegensatz zur Straßenbeleuchtung in der Südstraße (Foto, Donnerstag 13.30 Uhr) sollen die Lämpchen an der Nordmanntanne aber nur nach Einbruch der Dunkelheit leuchten. Wenigstens hier Vorbildwirkung in der Energiesparstadt am See.

Tageslicht in der Südstraße.

Tageslicht in der Südstraße.

Gute Nachrichten …

… erreichten uns Anfang der Woche. Und Sie, liebe Nachtschichtenleser, sind dafür teilweise auch noch selbst verantwortlich.

Vor wenigen Tagen baten wir um ihre Mithilfe. Mit nur einen Mausklick wollten wir sie verführen, die Elternhilfe für krebskranke Kinder zu unterstützen. Quasi kostenlos für einen warmen Geldregen sorgen … wo kann man das heutzutage schon?

Sie haben, gemeinsam mit fast 4000 anderen Unterstützern, dem Verein zu einem der drei Spitzenplätze verholfen. Nun darf der sich über eine Zuwendung in Höhe von 10.000 Euro freuen und Sie sich dem wohligen Gefühl hingeben, an der richtigen Stelle geklickt zu haben.

Sie haben mitgeholfen. Danke!

Sie haben mitgeholfen. Danke!

Wem das immer noch zu wenig erscheint, der darf seine Spendenbereitschaft mit dem eigenen Portemonnaie gern ausweiten und einen Teil des eingesparten Nicht-zum-Weihnachtsmarkt-gehen-Budgets sinnvoll verwenden. Und anders als bei der ersten Aktion, können sie diese Mausklicks von ihrem Bankkonto sogar von der Steuer absetzen.

Auch ein anderer Aufruf…

… war schlussendlich von Erfolg gekrönt. Wir hatten dafür geworben, am diesjährigen Fahrradklimatest des ADFC teilzunehmen. Sie haben dafür gesorgt, dass das Markranstädter Meinungsbild in die offizielle Wertung einfließt! Fünfzig Stimmen braucht eine Kleinstadt dazu. Am Montag waren es noch 38, aber heute liegen wir bei 88 abgegebenen Stimmen. Das ist der bisherige Teilnahmerekord!

Mindestteilnehmerzahl übertroffen!

Mindestteilnehmerzahl übertroffen!

Eigentlich hatte man ja auf wenigstens 300 Beteiligungen gehofft, aber die restlichen 212 in Frage kommenden Teilnehmer haben keine Fahrräder mehr und die, die sie jetzt besitzen, wollen damit nicht fahren. Nur klingeln. Also, ver…klingeln. Mal sehen, was die statistische Auswertung dazu bringt.

Und dann wären da noch…

… die Angebote der Volkshochschule. Sie bietet jetzt weitere Webinare an. Quasi vom Sofa aus kann man sich mit wichtigen Informationen und bildenden Inhalten versorgen. Besonders auffallend ist dabei die Aktualität der Themen.

So gibt’s am 9. Dezember ab 19 Uhr beispielsweise das Web-Seminar „Küchentisch statt Klassenzimmer“. Garantiert was für Eltern und Kids. Auch die anderen Themen haben es in sich. Klicken Sie einfach mal auf die VHS-Tür rechts oben (am PC) oder nach dem runterscrollen unten (am Smartphone).

Nur auf Umwegen …

… gelangen die hinter der Bahn wohnenden Seebenischer in der kommenden Woche zu ihren trauten Heimen. Wegen der Verlegung eines Hausanschlusses ist der Bahnübergang vom 30. November bis 4. Dezember gesperrt.

Nur noch über Schkeitbar möglich.

Nur noch über Schkeitbar möglich.

Ortsunkundige fahren über Halle, Merseburg und Naumburg nach Droyßig und von dort über Zeitz und Zwenkau Richtung Markranstädt. Bei Rehbach dann links abbiegen und durch die Ellern nach Seebenisch. Ihre KfZ-Reparaturwerkstatt freut sich ebenso wie Ihr Tankwart über die unerwartete Fördermaßnahme in diesen harten Zeiten.

Gesperrt: Bahnübergang in Seebenisch.

Gesperrt: Bahnübergang in Seebenisch.

Ortskundige Ureinwohner wissen es natürlich besser und fahren über Thronitz und Schkeitbar quasi von hinten ins Dorf. Egal wie: Alle Wege führen nach Seebenisch. Angesichts der weiteren Sperrungen (siehe linke Info-Spalte) wird allen LKW-Fahrern auf dem Transit zwischen Prag und Berlin empfohlen, Markranstädt auch künftig weiträumig zu umfahren.

So viel zur 48. Markranstädter Wochenschau. Bleiben Sie gesund und Ihren Markranstädter Nachtschichten weiterhin gewogen. Wer wenn nicht Sie? Es macht ja sonst keiner.

 

Könnte auch eine Folge der Corona-Maßnahmen sein

Ausgerechnet zur Haupt-Heimreisezeit am Freitagnachmittag wurde die B 87 vorhin voll gesperrt. Die Polizeimeldung wies lediglich auf Bergung eines LKW hin. Da Personen offenbar nicht zu Schaden kamen, kann man nun den Gedanken freien Raum lassen, wie es zu diesem Unfall kam. Immerhin geschah er direkt über dem Grenzfluss Floßgraben, der den mitteldeutschen Wirtschaftsraum vom Schwellenlad Sachsen-Armut trennt. Also auf der Rückreise von einer Hilfslieferung für die Einwohner der benachbarten Agrar-Region.

Da das Fahrzeug augenscheinlich zu einem in Markranstädt ansässigen Fuhrpark zählt, kommt natürlich zuerst der Versuch eines gewaltsamen Grenzdurchbruchs in Frage.

Um eine 14-tägige Quarantäne bei der Rückreise ins sächsische Heimatland zu umgehen, greifen manche Reisende tatsächlich zu brachialen Maßnahmen.

Nicht anders sieht es derzeit an den Grenzübergangsstellen der restlichen 14 Bundesländer aus.

Kann aber auch sein, dass den Fahrer beim Grenzübertritt nach Sachsen eine plötzliche Panik-Attacke überkam. Neues Land, neue Corona-Regeln.

Welche Maskenfarbe gilt eigentlich gerade in Sachsen?

Hektisch durchwühlt der Trucker das Handschuhfach. Grüne, rote und blaue Masken fallen ihm entgegen, welche aus Textil, welche aus Papier, saubere, vollgerülpste … und PENG: Straßengraben.

Wie man es auch dreht: Schuld ist Corona. Alles Gute dem Fahrer und danke, dass er sich trotzdem in die Welt rausgewagt hat. Vom Home-Office aus kann man Deutschland nicht versorgen.

 

Alles eine Frage der Einstellung: Weihnachten in Lallendorf

Der Lockdown wird wohl bleiben, die Weihnachtsmärkte fallen definitiv aus, das Geböller zum Jahreswechsel steht ebenfalls auf dem Prüfstand und wer sich in der Adventszeit andere Leute einlädt, wird aktenkundig. Halleluja, das wird ein Fest! Spartanischer und einsamer ging’s wohl nur noch damals im Schafstall der LPG Betlehem zu. Unser Cynism Executive Oberchief (CEO) – auf deutsch: the boss of nightshifts – hat den Kanal so voll, dass er dem Treiben inzwischen sogar Positives abgewinnen kann. Also da frachste dich manchma…

Ich habe mich die ganze Zeit rausgehalten, um nicht zum Querdenker und damit als Covidiot, Systemkritiker, Klassenfeind oder Verschwörungstheoretiker abgestempelt zu werden. Eben all das, was heute in den Medien so unter dem Begriff Nazi zusammengefasst wird. Da frachste dich manchma…

Ja, es hat mich maßlos angekotzt, ständig mit der Maske rumher zu laufen. Aber genau hier begann mein Prozess des Umdenkens. Ich lebe seitdem wirklich viel gesünder. Ich putze mir jetzt sogar regelmäßig die Zähne einmal in der Woche. Auch dann, wenn es nicht sein muss. Man kriegts ja erst unter der Maske mit, wenn man sich den eigenen ausgeatmeten Rachengammel mal selber reinziehen muss.

Auch sonst kenne ich ganz viele Menschen, mich eingenommen, deren Ausstrahlung und Erscheinungsbild die Maske eher schmeichelt als schadet. Und endlich darf man das Vermummungsverbot auch ganz legal umgehen. Was will man mehr?

Die Sache mit der Adventszeit und Weihnachten sehe ich auch ein wenig anders. Haben wir uns in den vergangenen Jahren nicht immer gegenseitig ein „besinnliches Fest im Kreise der Familie“ gewünscht? Und jetzt, da diese Wünsche plötzlich in Erfüllung gehen, regen wir uns darüber auf? Also da frachste dich doch manchma.

Nö, ich brauche keinen Weihnachtsmarkt, an dessen Eingang ich die Beine anziehe und dann bis zum Ausgang vom Besucherstrom mitgetragen werde. Sollte es mir in dem Trubel doch mal gelingen, einen Fuß auf die Erde zu setzen, kotzt mir garantiert wieder einer seinen Glühwein auf den Schuh. Ho-ho-ho, frohe Weihnachten!

Ich habe die Wünsche der letzten Jahre wörtlich genommen und freue mich riesig auf ein entschleunigtes, besinnliches Fest.

Wir haben vereinbart, uns allein darüber zu freuen, dass wir gesund sind und auch, dass wir nicht auf der Suche nach irgendwelchen sinnfreien Geschenken durch die umliegenden Konsumtempel hetzen.

Klar mache ich mir Gedanken über die Situation der Kräppelchen- und Waffelhändler. Die leiden echt. Der Vertriebsweg „Weihnachtsmarkt“ ist ihnen weggenommen worden.

Mir persönlich geht’s genauso, trotzdem hat sich noch kein Lebkuchenhändler bei mir gemeldet und sich mit meinen Sorgen solidarisch erklärt.

Das Schicksal der Anbieter erzgebirgischer Volkskunst aus China tangiert mich darüber hinaus schon immer nur peripher. Was ich sagen will: Ich kann mich nicht um alles kümmern.

Weihnachten ist da, wo ich bin: In Markranst!

Ich lebe in Markranstädt und habe meinen Weihnachtsmarkt vor Ort. Da gibt’s alles was ich will und brauche. Für erzgebirgische Volkskunst gehe ich (wann ich will!) an meinen Lieblingsstand in der Hordisstraße. Im Dekostübchen ist immer Weihnachten.

Meinen Glühwein bekomme ich in der Weinkelterei Schauß in Seebenisch. Die Sauerkirsch-Variante gilt sowieso als einer der besten Tropfen im ganzen Landkreis. Wozu mir also die überteuerte Massenplempe mitten in der Leipziger Volksversammlung nach einem Rempler selber ins Gesicht schütten und dafür noch Parkgebühren zahlen?

Frische Weihnachtsdeko hole ich mir traditionell bei Iflands. Da riecht der Adventskranz zwar noch nach Tanne und nicht nach Weichmacher in den Plastiknadeln, aber ich will das so. Weil mich die ungläubigen Gesichter der Kinder freuen, wenn sie erstaunt feststellen, dass es das Aroma sogar in der Natur gibt und nicht erst per Knopfdruck auf die Sprayflasche „Taste of Christmas Tree“.

Nach dem gleichen Prinzip verfahren wir bei den Einkäufen fürs Essen. Das Wild holen wir frisch in Großlehna, die Kartoffeln im Holfladen Zitzschen, das Gemüse in Kulkwitz und so weiter. Ist ’ne kleine Rundreise, aber dabei bekommt man auch den Rest dessen, was man durch den abgesagten Weihnachtsmarkt vermisst. Man trifft Menschen!

Und ganz nebenbei habe ich damit auch den Erzeugern, Händlern und Unternehmen vor Ort geholfen. Natürlich würde ich auch gern dem Dorf-Fleischer im baden-württembergischen Bisingen helfen, aber wie gesagt, ich kann mich wirklich nicht um alles kümmern.

In der kommenden Adventszeit sind Ideen gefragt. Mal was Neues zu der über 2000 Jahre alten Geschichte. Da zeigt sich, wem das Fest wirklich am Herzen und nicht am Portemonnaie liegt. Die jetzt kreative Ideen haben sind genau die, auf die wir uns auch nach dieser Corona-Kacke verlassen können und sollten.

Ein geradezu leuchtendes Beispiel dafür haben die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Döhlen entbunden. Als kleines Trostpflaster für den ausgefallenen Weihnachtsmarkt in der Ortschaft (wirklich einer der schönsten und beliebtesten in Markranstädt), haben sie eine kleine Überraschung für die Kinder der Ortsteile Döhlen, Quesitz und Thronitz vorbereitet.

Am Nachmittag des Nikolaustages verteilen die Florians-Jünger der Ortschaft kleine Geschenke an die Kinder. „Leider dürfen wir nicht klingeln und die Präsente persönlich übergeben“, heißt es in der Mitteilung. Daher werden die kleinen Gaben an den Gartenzaun gehängt oder an der Haustür abgestellt.

Wer möchte, dass sein Kind am Nikolaustag eine Überraschung erhält, soll bis kommenden Mittwoch (2. Dezember) eine E-Mail an wehrleiter@feuerwehr-doehlen-quesitz.de senden und darin den Namen des Kindes und die genaue Adresse für die Geschenk-Zustellung mitteilen.

RKI-Verbot für Schwiegermütter

Mich kotzt diese Corona-Geschichte maßlos an. Und ich fühle mit den Opfern, auch denen der wirtschaftlichen Einschränkungen. Aber ich erkenne in dieser ganzen Misere auch Menschen, die in der Lage sind, mit Veränderung umzugehen. Die wären mir, das will ich gern zugeben, vorher nicht so aufgefallen.

So, und jetzt freue ich mich erst mal auf den Advent und auf Weihnachten. Die Vorteile überwiegen klar. Allein die Tatsache, dass meine Schwiegermutter nicht kommen darf und die Ausrede dafür sogar im Fernsehen ausgestrahlt wurde, lässt in mir den Begriff „Frohes Fest“ in ganz neuem Lichte erstrahlen.

Den bedauernden Gesichtsausdruck habe ich zwar nicht ganz hingekriegt, aber unter meiner Maske wäre es ihr nicht mal aufgefallen, wenn ich gegrinst hätte. Auch so ein Vorteil. Allerdings hat sie dann angekündigt, den Besuch unbedingt nachholen zu wollen. Zu Ostern vielleicht. Also da frachste dich manchma…

 

Von wegen Bußgeld: Seit 5.45 Uhr wird gebombt!

Noch während besorgte Sachsen darüber querdenken, was das neue Ermächtigungsgesetz zum Schutz der Volksgesundheit überhaupt so beinhaltet, wird in Bayern schon damit begonnen, es radikal durchzusetzen. Und spätestens jetzt wird auch dem Markranstädter klar, dass nicht nur unsere Grundrechte in Gefahr sind, sondern auch unser Leben. Denn es geht längst nicht um ein paar Euro Strafe. Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sind derzeit ganze Sprengkommandos unterwegs, um Corona-Leugner in die Luft zu jagen. Wir haben die Sache mal nachrecherchiert.

Der bajuwarische Greis Sepp Minengruber (69) war verzweifelt. Seine Rente reichte nicht vorne und gleich gar nicht hinten.

Eine schier ausweglose Situation, die sich der altersstarrsinnige Rentner allerdings auch selbst eingebrockt hatte.

Als es vor zwei Jahren an der Haustür klingelte, hatte er seine Lesebrille vergessen und unterschrieb einen Zettel. Das Ornament, das er als Firmenlogo des Anbieters zu erkennen glaubte, entpuppte sich später unter dem Elektronen-Rastermikroskop als Kleingedrucktes.

„Der Corona-Tod war praktisch die einzige ihm verbliebene Möglichkeit, um aus dem Handy-Vertrag rauszukommen“, erinnert sich Enkel Covid (19). Deshalb wollte Minengruber seinen 70. Geburtstag mit einer zünftigen Spreaderparty begehen.

Dazu lud der Senior seine beiden Söhne nebst deren Ehefrauen und die zwei Enkel mit ihren Gattinnen ein. Im Glauben, dass es was zu erben gibt, ließen die sich natürlich nicht zweimal bitten. So nahmen dann neun Personen am Geburtstagstisch Platz!

Gelernt ist gelernt

Im Haus gegenüber saß an diesem Sonntag der Veteran Franz-Josef Braun (96) hinter seinem Stubenfenster und machte das, was er damals als Rottenführer beim Zählappell gelernt hatte. Braun führte Strichliste über die Neuzugänge im Nachbarblock.

Nachdem acht Personen eingetreten waren und Braun den ohnehin schon drin gewesenen Insassen in einem komplizierten Rechenverfahren hinzuaddiert hatte, war für ihn im wahrsten Sinne des Wortes das Maß voll und er griff zum Telefonhörer.

Die Diensthabende der zuständigen Gesundheits-Station Pommelsbrunn glaubte zunächst ihren Ohren nicht zu trauen. Angesichts dieser illegalen Zusammenrottung einer Widerstandszelle war sofortiges Eingreifen erforderlich!

Umgehend alarmierte sie das Rollkommando „TNT 2020“. Die hatten zwar gerade einen mutmaßlichen islamistischen Gefährder zu überwachen, aber da der Schutz unserer Gesellschaft Vorrang genießt, wurde er vorübergehend als Mitläufer eingestuft.

Feier gesprengt

Der Rest ist bekannt. Während die Minengrubers drin feierten, wurden draußen an allen vier Ecken des Hauses Sprengladungen angebracht und die Volksschädlinge mit Stumpf und Stiel in die Luft gejagt. Man sollte es schon ernst nehmen, dieses neue Gesetz.

 

Gepflogenheiten kommen auf den Prüfstand

Was’n Start! Ihren Amtsantritt hatte Nadine Stitterich bei der Kommunalaufsicht für den frühest möglichen Termin angemeldet: den 21. November. Das war der gestrige Samstag und somit hatte sie auch gleich ihren ersten freien Tag als Bürgermeisterin. Das heißt, so ganz frei war er dann doch nicht. Da waren noch ein paar Fragen an neugierige Satiriker zu beantworten…

Da wir offiziell noch nicht die Gelegenheit dazu hatten, erst mal herzlichen Glückwunsch zur Wahl und gleich eine Frage dazu: Gibts im Hause Stitterich noch einen Blumenstrauß, der sich bis heute gehalten hat oder waren das alles kurzlebige Gebinde aus der Tankstelle?

Ich habe viele schöne Blumensträuße erhalten. Daher möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal recht herzlich für die vielen Glückwünsche bedanken. Dank meiner guten Pflege als Blumenflüsterin haben diese auch recht lang gehalten. Besondere Exemplare werden von mir handgetrocknet. Mein Mann sagte im Übrigen, dass der schönste Blumenstrauß in unserer Familie die Bürgermeisterin selbst ist.

Über welchen Glückwunsch haben Sie sich am meisten gefreut?

Ich habe mich über alle Glückwünsche gleichermaßen gefreut.

Neue im Amt kriegen pauschal immer 100 Tage Welpenschutz. Brauchen Sie die überhaupt oder wollen Sie vielleicht sogar mehr, sozusagen einen Frauenbonus?

Brauche ich denn einen Welpenschutz? Mir reicht die Gelegenheit zur Einarbeitung und der gegenseitig wertschätzende Umgang miteinander, damit eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen möglich ist.

Sie sind im Wahlkampf unter anderem von den Grünen unterstützt worden und hatten auch viele Umwelt-Themen im Programm. Womit fahren Sie täglich von Frankenheim zum Rathaus und zurück, grade in der kalten Jahreszeit?

Wer mich kennt weiß, dass ich genauso zur Arbeit fahre wie bisher auch. Falls ich jetzt auf die Idee kommen würde meine Kinder mit dem Fahrrad auf die verschiedenen Einrichtungen zu verteilen, würden diese gerade in der kalten Jahreszeit wenig begeistert sein.

Sie haben ja jetzt im Rathaus die Hosen an. Schlägt sich das auch in der Kleidung nieder? Oder anders gefragt:

Haben Sie auch Röcke im Kleiderschrank oder geht’s nur stilecht maskulin und in Nadelstreifen ans Werk?

Egal ob kurz oder lang, Hose oder Rock,… Hauptsache die Frisur sitzt. 😉

Die letzte Frau im Amt hat ihre Mitarbeiterinnen zur Typ-Beratung geschickt und schließlich sogar einen Dresscode ausgerufen, der nicht mal vorm Schuhwerk Halt gemacht hat. Haben Sie auch sowas vor?

Ich wurde nicht ins Bürgermeisteramt gewählt, um eine Typberatung durchzuführen, sondern um Markranstädt erfolgreich weiterzuentwickeln. Darauf freue ich mich. Ich gehe auch davon aus, dass alle Mitarbeiter in der Lage sind, selbst über den eigenen Dresscode zu entscheiden.

Würden Sie da satirische Beratung annehmen? Wir fänden High-Heels gut, allerdings für die Männer. Vom Spaß mal ganz abgesehen, könnte Ihnen der Umerziehungseffekt vor allem bei den an Stiefel und Gleichschritt gewöhnten Kadern vielleicht sogar einige unangenehme Personalentscheidungen ersparen?

Die Idee klingt verlockend, allerdings stelle ich mir die autoritäre Wirkung im Job schwierig vor.

Apropos Personal: In Ihrem ersten Interview gleich nach der Wahl hatten Sie angekündigt, sich zuerst mit den Fraktionsspitzen zusammenzusetzen. Kenner der Szene hätten eher gedacht, dass Sie angesichts der Erwartungen, die mit Ihrer Wahl verknüpft sind, den Personalrat ins Hilton einladen und ihn bei Champagner, Austern und Trüffel auf die kommenden Aufgaben einschwören…

Ich kann mir gerade nicht erklären, warum genau das von mir erwartet werden sollte. Abgesehen davon, dass es mir bis Dresden zu weit ist und ich eher regionale Lokalitäten und Köstlichkeiten bevorzuge, überzeuge ich meine Mitstreiter ausschließlich mit Sachargumenten.

Wird es unter Nadine Stitterich auch einen Neujahrsempfang geben?

Selbstverständlich wird es unter Nadine Stitterich einen Neujahrsempfang geben. Ob das unter Coronabedingungen allerdings auch 2021 möglich sein wird, wird sich zeigen.

Sie müssen bald erstmals eine Stadtratssitzung leiten. Haben Sie sich mit den Gepflogenheiten schon vertraut gemacht? Also dass in den Tagen zuvor beispielsweise immer eine Tasse Kaffee warm steht, wenn Besuch aus der Praxis nebenan kommt.

Mit den Gepflogenheiten bin ich selbstverständlich vertraut. Jedoch werden diese nicht einfach ungeprüft übernommen.

Da kommt ein Vollzeit-Job auf Sie zu, der auch für die Familie einer wird. Dass Ihr Mann kochen kann, hatten Sie ja bereits im Wahlinterview erwähnt. Jetzt aber wird’s ernst: Sie müssen das nun auch essen, was er Ihnen vorsetzt. Geht er da auf Ihre Wünsche ein oder müssen Sie runterschlucken, was er Ihnen willkürlich zumutet? Weiß er eigentlich vorher schon, was da am Ende so rauskommt am Herd?

Mein Mann war bei dieser Frage schon etwas beleidigt. Er sagt, dass Sie zukünftig seine Kreationen essen müssen, wenn Sie nochmal so eine Frage stellen. 🙂 Für mich kann ich sagen: Ich liebe es, wenn mein Mann kocht und die Kinder im Übrigen auch.

Gibt es da auch was, das er Ihnen gar nicht erst vorzusetzen braucht? Was steht auf Ihrer Ekel-Liste ganz oben und was essen sie dagegen am liebsten?

Was meine Ekelgrenze ganz schnell übersteigt, sind „Tote Oma“ und „Flecke“. Das setzt mir mein Mann niemals vor, weil er dann weiß, dass dann meine kleine Rache schnell naht. Kleine Sünden meinerseits sind Trüffelpralinen und Gummibärchen.

Sie haben ja jetzt auch ungeahnte Möglichkeiten. Zum Beispiel könnten Sie sich Ihre Termine so legen, dass Sie zu Hause ums Fensterputzen rumkommen. Muss das dann auch Ihr Mann machen?

Neben seinem eigenen Job mit ca. 80 Stunden Wochenarbeitszeit, den Job als Koch zu Hause, der Kinderbetreuung, u.v.m…. war es sein größter Wunsch, nun auch noch die Fenster zu übernehmen.

Es ist anzunehmen, dass in den kommenden sieben Jahren auch die Zeit für Hobbys knapp wird. Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten, was würden Sie noch lieber tun, wenn Sie die Zeit dazu hätten und was werden Sie am meisten vermissen?

Neben Rennrad- und Motorradfahren gehören Kochen und Backen zu meinen Hobbys. Da wir uns sportlich betätigen und Essen ein Grundbedürfnis ist, werden mir diese Hobbys auch erhalten bleiben.

Zum Schluss wie üblich noch eine Frage in eigener Sache. Ihr Amtsvorgänger konnte sich, ebenso wie die meisten anderen Würdenträger, immer darauf berufen, dass er von gewissen Vorgängen in der Stadt nichts wusste. Das funktioniert allerdings nur, wenn man glaubhaft darlegen kann, dass man die Markranstädter Nachtschichten nicht liest. Sie haben sich allerdings schon vor Haft-Antritt im Rathaus als Leserin geoutet. Wie werden Sie reagieren, wenn´s dann mal heißt: „Aber das stand doch in den Nachtschichten“?

Meine Ausrede wäre dann die, dass ich so mit meinen Hobbys beschäftigt war, dass ich noch keine Zeit hatte die neuesten Nachrichten zu studieren.

 

Die Leiden der Nichtinfizierten

Die dieswöchige Rückschau steht ganz im Zeichen des Coronavirus. Deshalb wollen wir die noch schnell rausschießen, bevor selbst mit satirischen Mitteln nicht mehr darüber geschrieben werden darf. Die Deutungshoheit gehört seit Mittwoch schließlich allein der Bundesregierung und ihren in unverbrüchlicher Freundschaft verbündeten Waffenbrüdern von Presse, Funk und Fernsehen.

In Markranstädt sind Wissenschaftler jetzt auf ein besonderes Phänomen dieses Virus gestoßen. Selbst Menschen, die (noch) nicht infiziert sind, zeigen seltsame Veränderungen und schlimme Symptome.

Co-Infizierte nennt man sie. Um das zu beschreiben, stellen wir uns mal folgende fiktive Geschichte vor.

In einer Markranstädter Kita wird eine Betreuerin covid-positiv getestet. Die Kindergärtnerinnen leiten den üblichen Meldeweg ein, informieren das Gesundheitsamt und warten auf Anweisungen von dort. Die allerdings kommen nicht.

Wer mit wem und warum?

Der ausbleibende Aktionismus wiederum alarmiert Eltern, die sich besorgt an das Gesundheitsamt in Borna wenden.

Dort erfahren sie, dass man da gar nichts davon weiß. Erschüttert vom mutmaßlichen Querdenken und vor allem Querhandeln der Kita-Besatzung, wird diese daraufhin mit allerlei Verbalien belegt, die nahelegen, dass Corona selbst bei Nichtinfizierten das Sprachzentrum im Hirn angreift.

Fake-News per Buschfunk

Buschfunk im Behördendschungel: Das Kita-Team muss die Öffentlichkeitsarbeit fürs Gesundheitsamt übernehmen.

Buschfunk im Behördendschungel: Das Kita-Team muss die Öffentlichkeitsarbeit fürs Gesundheitsamt übernehmen.

Noch während die im Erzieherzimmer Verbarrikadierten über Verteidigungsmaßnahmen nachdenken (Selbstschussanlagen und Wachtürme fallen aus, weil Helikopter-Eltern aus der Luft angreifen. Also Zimmer-Flak aufstellen?), einigt man sich darauf, den Vorgang als „Buschfunk“ herab zu deeskalieren.

Ein Parlamentär überbringt daraufhin eine entsprechend abgefasste Note an die Belagerer. Darin heißt es, dass das Gesundheitsamt Borna möglicherweise deshalb nichts vom Corona-Fall weiß, weil es gar nicht das für die Kita zuständige Gesundheitsamt ist.

Dies befände sich in Grimma und deshalb sei nicht auszuschließen, dass der berittene Herold noch mit der Depesche von Grimma nach Borna unterwegs oder mit Covid-Infektion schon tot vom Pferd gefallen ist.

Nicht unerwähnt lässt die Kita-Besatzung, dass sie selbst gern wissen würde, wie es weitergehen soll. So nach vier Tagen könnte man das eigentlich erwarten. Um das zu erfahren, ruft sie noch einmal im Gesundheitsamt an und weist auf die Dringlichkeit hin. Das ist wichtig bei solchen Bagatellfällen wie Covid 19.

Weil aber trotzdem noch immer nichts kam, werden Kita-Team und Träger nun selbst aktiv und organisieren die Betreuung für die darauf folgende Woche hygiene- und infektionsgerecht um. Dann kommt das Wochenende und am Montag der Start in die neue Woche … mit einem weiteren Corona-Fall.

Jetzt endlich kommt die Sache ins Rollen – nach fast 7 (in Worten: sieben!!!) Tagen und unmittelbar nach Bekanntwerden einer zweiten infizierten Person (diesmal ein Kind), wird das Gesundheitsamt offenbar sensibler und sendet eine Botschaft nach Markranstädt, die den besorgten Eltern auch gleich kundgetan wird.

Die Freunde ist groß und entsprechend euphorisch klingt auch der Tenor: „Wir wurden heute Nachmittag endlich vom Gesundheitsamt kontaktiert“, jubeln die Empfänger der Depesche am 16. 11. Immerhin wird darin auch bestätigt, dass das positive Ergebnis der Mitarbeiterin schon am 10. 11. vorlag.

Ja gut, was soll’s. Sowohl die Mitarbeiterin als auch das jetzt infizierte Kind haben sich laut Gesundheitsamt mindestens zwei Tage außerhalb der Einrichtung aufgehalten, weshalb es höchst unwahrscheinlich sei, dass „sich das Virus auf direkte Kontaktpersonen der Einrichtung ausbreiten konnte.“

Es bestehe deshalb laut Aussage der Sachbearbeiterin im Gesundheitsamt keine Veranlassung, die Einrichtung zu schließen und Mitarbeiter sowie Kinder in Quarantäne zu setzen.

Inzwischen hats zwar schon weitere Personen erwischt, aber endlich kehren sich die Behörden mal von dieser ewigen Schwarzmalerei ab. Vier-fünf Infizierte, okay. Aber deshalb muss man doch nicht gleich den ganzen Laden schließen. Schreibt doch lieber über die Mehrheit der weit über 90 Prozent Nichtinfizierten, ihr Querdenker und Corona-Leugner von der Qualitätspresse.

Ende gut, alles gut

Na bitte, alles gut! Offenbar haben sich da ein paar Eltern von der Panikmache in den Medien anstecken lassen und überreagiert. Man sieht’s ja schon an den Masken, mit denen die rumlaufen. Auch die Kita-Besatzung ist auf die mediale Berichterstattung reingefallen und erlag dem Irrglauben an das Urvertrauen, wonach im Ernstfall seitens der Behörden schnell reagiert wird.

Das tun die auch, aber nur dann, wenns wirklich wichtig ist. Nicht wegen so ein paar Viren.

Kranke Albträume

Wenn man diese wirklich rein fiktive Geschichte mal so auf sich wirken lässt, kommt einem das Problem mit dieser Corona-Pandemie plötzlich so klein vor. Ja geradezu dankbar müsste man sein, dass es sie überhaupt gibt!

Es gibt so viel schlimmeres Elend auf dieser Erde. Man könnte zum Beispiel Kita-Mitarbeiterin sein. So richtig abgefahren als zerfledderter Spielball zwischen besorgten Eltern und überforderten Behörden, deren einziges Ansinnen darin besteht, ihre eigene Rolle der Bedeutung durch Verbote und Untersagungen zu rechtfertigen.

Sogar mit der Öffentlichkeitsarbeit respektive der Kommunikation mit den Eltern lassen sie die Alleingelassenen allein. Okay, was können die schon sagen, wenn sie nichts wissen?

Corona-Koller

Ja, nee, zum Glück alles frei erfunden, nur reine Spekulation. Das sind die Alb-Träume, die man so hat, wenn man den ganzen Tag im Home-Office sitzt und nicht mehr weiß, ob der letzte Anruf noch Realität oder schon Einbildung war.

Die E-Mails, die noch auf dem Monitor leuchten, sind bestimmt auch bald verschwunden. Spätestens nächsten Sommer, sagt Bundeskanzler Drosten.