Die Markranstädter Antwort auf das Münchener „mia san mia“

Was ‘ne Osterüberraschung! Nein, nicht dass Markkleeberg sein eigenes Kfz-Kennzeichen mit der Ortsmarke MKB bekommt. Für Dörfer wie Markranstädt ist ein Heimatkennzeichen a la MKR ohnehin nicht vorgesehen. Das brauchen wir aber auch gar nicht, denn längst hat sich ein anderes Motiv als Ausdruck des Lokalpatriotismus durchgesetzt. Und das hat jetzt sogar interfamiliären Zuwachs bekommen! Für die Markranstädter Nachtschichten ein stolzer Anlass, die sächsische Antwort auf das bajuwarische „mia san mia“ mit einem Preisausschreiben zu würdigen.

Es soll sogar ganz überzeugte Patrioten geben, die sich das Motiv auf den Bizeps stechen ließen. Wer in Markranstädt was auf sich und seine Herkunft hält, hat aber zumindest auf der Heckscheibe, der Kofferraumklappe oder an der Stoßstange seines Autos längst den legendären Kellner kleben.

Eine Ikone der deutschen Brau- und Trinkkultur, mit der man sogar auf Parkplätzen im versoffenen Bayern neidvolle Blicke auf sich zieht. Der schwarze Kellner auf gelbem Grund ist quasi die Markranstädter Antwort auf das Münchener „mia san mia“!

Schwarz-gelbes Heimatgefühl

„Kellner, ein Markranstädter“, heißt es auf dem Original aus den 1920er-Jahren. Aber die Gastronomie ächzt unter steigenden Löhnen und sucht händeringend nach Fachpersonal. Auch der Markranstädter Hopfenschaffende ist im Laufe der Jahrzehnte immer teurer geworden.

Fachkräfte sind teuer geworden: Die Startgebote für den Markranstädter Kellner auf Emaille belaufen sich auf 700 Euro.

Fachkräfte sind teuer geworden: Die Startgebote für den Markranstädter Kellner auf Emaille belaufen sich auf 700 Euro.

Die Startgebote für einen der seltenen in Emaille gebrannten Ober aus Lallendorf belaufen sich in Europas Auktionshäusern inzwischen auf mindestens 700 Euro. Selten geht er unter 1.200 Euro weg, von Sozialabgaben ganz zu schweigen.

Der mit dem Bier tanzt

Ein anderer Markranstädter, der weniger mit dem Ausschank von Hopfenkaltschale als mit deren gelegentlichem Konsum seine Freude hatte, bewies allerdings schon gleich nach der Wiedervereinigung den richtigen Riecher.

So sieht das Original aus den 1920er-Jahren aus. Man sieht dem Typen sein Alter kaum an.

So sieht das Original aus den 1920er-Jahren aus. Man sieht dem Typen sein Alter kaum an.

Damit sich nicht irgendwelche dahergelaufene Westelbier unsere servierende Fachkraft unter den Nagel reißen und als Gelddruckmaschine oder für anderen Unsinn missbrauchen können, hatte sich Wolfram Friedel die Rechte an dem Kellner gesichert.

Zum 65. Geburtstag des letzten echten Markranstädter Gastwirts hatte sich der MN-Karikaturist im August 2020 am Kellner bedient und ihm die Züge von Andreas Groitzsch verliehen.

Zum 65. Geburtstag des letzten echten Markranstädter Gastwirts hatte sich der MN-Karikaturist im August 2020 am Kellner bedient und ihm die Züge von Andreas Groitzsch verliehen.

Spätestens in diesem Augenblick hatte man auch in Kulmbach, Warstein oder Erding verstanden, dass man den Ossi nicht überholen kann, ohne ihn einzuholen. Oder anders gesagt: Wer zu spät kommt, kriegt nur schales Bier.

Bei diesem Deal ist allerdings nicht nur Friedels gesamtes Begrüßungsgeld drauf gegangen. Nachdem er den jahrelangen Papierkrieg endlich gewonnen hatte, musste er einen gesunden vierstelligen D-Mark-Betrag ans Patentamt überweisen.

Im Unterschied zu den BWL-gestählten Invasoren aus den gebrauchten Bundesländern spielte die Refinanzierung seiner Investition für Friedel jedoch keine Rolle. Ihm ging es lediglich darum, dass der Kellner aus Markranstädt auch ein Kellner für Markranstädt bleibt und nicht irgendwann im Internet für Hörgeräte werben muss oder man ihm eine Regenbogenbinde umhängt.

Nach zähem Kampf und einem vierstelligen Betrag hatte ein Markranstädter den westelbischen Spekulanten die Rechte am Lallendorfer Kellner vor der Nase weggeschnappt.

Nach zähem Kampf und einem vierstelligen Betrag hatte ein Markranstädter den westelbischen Spekulanten die Rechte am Lallendorfer Kellner vor der Nase weggeschnappt.

Und so nahm die Geschichte vom heimlichen Stadtwappen ihren Lauf. Geschult durch unzählige karnevalistische Lebenserfahrungen und heimatgeschichtliche Recherchen machte Friedel dem flinken Kellner Beine.

Ich bin ein Markranstädter!

Kurzerhand wurde aus dem Slogan „Kellner, ein Markranstädter“ der selbstbewusste Ruf „Ich bin ein Markranstädter“. Die Alten erinnern sich: Von diesem Spruch hatte John F. Kennedy einst sein legendäres „Isch biehn oin Börlinör“ geklaut.

Nachdem John F. Kennedy den Markanstädter Slogan im Juni 1963 für seinen Berlin-Besuch geklaut hatte, kehrte der Spruch nun wieder in seine Heimatstadt zurück.

Nachdem John F. Kennedy den Markanstädter Slogan im Juni 1963 für seinen Berlin-Besuch geklaut hatte, kehrte der Spruch nun wieder in seine Heimatstadt zurück.

Nachdem Friedel die Ikone auf hunderte Aufkleber drucken ließ und in Lallendorf unter die Leute gebracht hatte, war die Welt nicht mehr die gleiche wie vorher. Ob auf dem Brennerpass, im Schwarzwald oder auf der Fähre nach Göteborg: Überall zeugt der Markranstädter Gastronom von der edlen Herkunft der Autoinsassen. Lediglich in Polen sollen ein paar Fahrzeuge rumfahren, bei denen die Identität der Fahrer nicht mit der Ortsmarke auf dem Aufkleber übereinstimmt.

Das neue Heimatkennzeichen: Wer braucht schon MKR?

Für den Aufbau des Kellners als Heimatmarke war Friedel allerdings nicht allein verantwortlich. Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche Mitstreiter um ihn geschart, durch deren Adern das patriotisch schlagende Herz ebenfalls Markranstädter Gene jagt.

Die Rechte am Bierbringenden mit dem schwarzen Frack teilt Friedel inzwischen mit dem Bauunternehmer Thomas Haenel, der rein biologisch noch ein paar Jahre mehr auf der Lebensuhr hat und deshalb der Garant dafür ist, dass der Kellner auch künftig ein Markranstädter bleibt.

Osterüberraschung in 3-D!

Und jetzt kommt der Oberhammer! Pünktlich zu Ostern lässt der Mann mit den Biergläsern und dem Hund zwischen den Beinen wieder aufhorchen. Das heimliche Wahrzeichen der Stadt hat Zuwachs bekommen – und das auch noch in 3-D!

Neben dem Markranstädter (m) gibt es jetzt auch die Markranstädterin (w) und darüber hinaus auch beide zusammen als Familienpackung mit Hund statt Kind (div).

Ob es sich bei das Vierbeinenden um eine Rüdin oder einen Rüdiger handelt, darf sich das kläffende Tier im Rahmen der Selbstbestimmung eigenständig aussuchen.

Da spannt sich der Zwickel, wenn diese fesche Markranstädterin nicht nur Bier, sondern jede Menge gute Laune bringt.

Da spannt sich der Zwickel, wenn diese fesche Markranstädterin nicht nur Bier, sondern jede Menge gute Laune bringt.

Kein Zweifel: Auch wenn der Mann als Urgestein einen Amtsbonus genießt und die Frau dafür deutlich fescher daherkommt, hat vor allem die Doppelvariante „Wir sind Markranstädter“ voll ins Schwarze getroffen.

Das Wir-Gefühl in der Familienpackung

Das Duo verbreitet fröhlich-lustige Atmosphäre und stillt schon beim ersten Anblick den Durst nach einer Stimmung, nach der Markranstädt schon seit Jahren lechzt: Ein verbindendes Wir-Gefühl, das über allen politischen, gesellschaftlichen, sportlichen oder kulturellen Differenzen steht.

Zum Stolz, ein Markranstädter zu sein, kommt hier noch der Stolz darauf hinzu, dass es in Markranstädt Menschen mit so großartigen Ideen gibt. Einfach genial. Okay, eine Kleinigkeit wäre da noch. Begriffe wie Ober oder Kellnerin klingen irgendwie zu versoffen.

Markranstädt heute: Kellner ohne Kneipen

Grade in einer Stadt, in der die Gastronomie am Boden liegt und ein halber Liter Bier trotz Ölkrise mehr als doppelt so viel kostet wie ein Liter Benzin, sollte man bei den Leuten keine unerfüllbaren Erwartungen schüren.

So geht Sächsisch! Während in München ein vorbestrafter Steuerhinterzieher für das "mia san mia" herhalten muss, wird das Wir-Gefühl in Markranstädt von einem Paar verkörpert, das sein Geld mit ehrlicher Kellnerarbeit verdient.

So geht Sächsisch! Während in München ein vorbestrafter Steuerhinterzieher für das „mia san mia“ herhalten muss, wird das Wir-Gefühl in Markranstädt von einem Paar verkörpert, das sein Geld mit ehrlicher Kellnerarbeit verdient.

Soll heißen: Was jetzt noch fehlt, sind anständige bürgerliche Namen für den Lallendorfer Mundschenk und seine Gefährtin.

Namenssuche: Drei komplette Sets zu gewinnen

Die Markranstädter Nachtschichten loben deshalb ein Preisausschreiben aus. Senden Sie uns Ihre Namensvorschläge einfach per Kommentar oder per eMail an redaktion@nachtschichten.eu zu. Unter den Zuschriften verlosen wir unter Ausschluss des Rechtsweges drei komplette Sets der Autoaufkleber mit Kellner, Kellnerin und dem Kellner-Duo.

Frohe Ostern und viel Glück

In diesem Sinne: Ein dickes Dankeschön an Wolfram Friedel und Thomas Haenel für das neue Symbol eines verbindenden Markranstädter Wir-Gefühls, allen Lesern zündende Ideen für originelle Namensvorschläge und dem gesamten Markranstädter Erdkreis ein gesegnetes Osterfest.

Enttäuschung in der 4. Etage: Spät genug wurde es, aber laut war’s viel zu leise

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Vom Swingerclub zur Single-Bude: Wenn die Zahnpastatube den Zweckverband sprengt

Freitag, 27. Februar 2026, 13:34 Uhr: In der vierten Etage nehmen die Reste einer Familie Aufstellung zu einem letzten Foto, das schon zu diesem Zeitpunkt einen unermesslichen historischen Wert hat. Vorn von links: Hausmeister Christian Conrad, Zweck-Ehefrau Nadine Stitterich und Verbandsgatte Peter Wasem, dahinter ein paar TrauScheidungszeugen. Nur wenige Minuten zuvor wurde eine Ehe geschieden. Eine ungewöhnliche Ehe. Eine Partnerschaft, in der Zuneigung oder gar Sex nie eine Rolle gespielt haben. Es war von Beginn an eine Beziehung, die auf einem mittelalterlichen Rollenbild beruhte: Ein reiner Zweckverband. Eine Vernunftehe, in der es nicht um die inzestive Machtsicherung einer Dynastie ging, sondern um einen See, der sich inmitten des Grenzverlaufes zweier Königreiche befindet. MN-Hausgeist Claus Narr, der die On-Off-Beziehung von Anfang an begleitet hat und auch beim Abgesang dabei war, blickt zurück.

Der Ablauf der Scheidung war der gleiche wie der im wahren Leben. Nur eben in größeren Dimensionen.

Weil sich niemand aus der Sippe je um eine Familienchronik gekümmert hat, ist der Tag der Eheschließung heute unbekannt. Fest steht lediglich, dass das unzüchtige Treiben einst mit einer Art kommunalem Swingerclub begann. Miltitz, Lausen, Göhrenz, Markranstädt und Leipzig kopulierten damals an den FKK-Stränden des Kulkwitzer Sees wild durcheinander.

Jeder mit jedem

Weil Leipzig offenbar den Längsten hatte, musste die Messestadt die heißesten Bräute gar nicht erst über den Tisch ziehen. Miltitz und Lausen sind freiwillig drübergerutscht. Markranstädt gab sich mit Göhrenz zufrieden und so ist aus der regenbogenbunten Gruppenorgie irgendwann eine abendländisch korrekte monogame Beziehung zwischen Leipzig und Markranstädt entstanden. Bis dass der Tod euch scheidet.

Die Aufteilung der Mitgift

Erst später sollte es sich als dramatisch erweisen, dass niemand eine Liste über die Hochzeitsgeschenke und die eingebrachte Mitgift geführt hat. Wie das eben so ist, wenn man jung verliebt ist, nur Sex im Kopf hat und nicht auf die warnenden Worte der Alten hört. Und so gab es weder einen Ehevertrag noch wurden die Folgen einer Zugewinngemeinschaft geklärt.

Mit der Hausordnung auf Kriegsfuß

Auch ihr Heim sahen die beiden Partner nicht als gemeinsamen Lebensmittelpunkt an. Jeder kümmerte sich um seinen eigenen Hobbyraum, das Niemandsland dazwischen wurde weder gewischt, noch gebohnert oder gekehrt. Damit die Bude nicht ganz und gar verfiel und die Nachbarn mit den Fingern drauf zeigen, hatte sich das Paar irgendwann mal darauf geeinigt, einen Hausmeister einzustellen. Und wurde bei der Leipzig Seen GmbH fündig.

Scheidungstermin in der 4. Etage: Beide Partner wollen ihr Leben neu ordnen.

Scheidungstermin in der 4. Etage: Beide Partner wollen ihr Leben neu ordnen.

Damit er sie nicht ständig beim Onanieren stören muss, hatten die beiden Eheleute ihren Facility Manager schon bald mit einigen Kompetenzen ausgestattet. So durfte der schon mal eine Rolle Tapete kaufen, das Leergut wegbringen oder den Rasen mähen.

Im Gegenzug musst er aber auch den ganzen Ärger mit den Nachbarn abfangen, damit das junge Glück im Schlafzimmer ungestört seine Flitterjahre genießen konnte.

Um ihm diese bittere Pille etwas zu versüßen, überließ das Paar dem Hausmeister Anfang der 2000er-Jahre schließlich auch das Sorgerecht über eines der Bälger – für 30 Jahre! Das Strandbad am Westufer litt ohnehin chronisch unter ADHS, also war das immerhin humaner, als es ins Heim zu stecken.

Sorgerecht an den Hausmeister abgegeben

Der Hausmeister nahm sich des Kindes gern an und ließ ihm zunächst ein eigenes Häuschen bauen. Das wies mit seinen architektonischen Merkmalen sogar eine Art pädagogische Erinnerungskultur an jede Zeit auf, als Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes wirklich baden ging.

Schließlich kaufte der Hausmeister seinem Schützling sogar teures Spielzeug. Unter anderem einen schwimmenden Steg, dessen Auslieferung heute jeder Online-Shop wegen statischer Überbeanspruchung seiner Lastenfahrräder ablehnen würde. Ein Meisterstück moderner Logistik!

Was die Beziehung zerrüttet hat

Doch dann änderte sich die Situation. Markranstädt wurde zunehmend frigide, bei Leipzig sorgte der finanzielle Hormonhaushalt immer öfter für erektile Dysfunktionen.

Am Ende war es wie in jeder guten deutschen Familie: Burkhard Jung störte sich daran, wie Nadine Stitterich die Zahnpastatube ausdrückt und die wiederum fand es unerträglich, dass ständig seine Socken irgendwo im Wohnzimmer rumlagen. Und wenn sie ihn diplomatisch darauf hinwies, dass mal wieder tapeziert werden müsste, antwortete er: „Ja, gleich.“

Asche zu Asche: Die Laube war aus dem Sorgerechtsstreit um das Strandbad schon mal raus.

Asche zu Asche: Die Laube war aus dem Sorgerechtsstreit um das Strandbad schon mal raus.

Lediglich bei der Toilettenreinigung gab es keine Reibereien. Ein Klo gibt es nicht. Am Kulkwitzer See macht man das große Geschäft nach wie vor im Gebüsch und der urinale Ausfluss geht in den rund 30 Millionen Kubikmetern des gemeinsamen Wasserhaushalts nahezu rückstandslos auf. Dennoch war die Ehe so zerrüttet, dass sich anno 2012 beide Partner dafür aussprachen, künftig getrennte Wege zu gehen. Man kann ja trotzdem noch Freunde bleiben.

14 Trennungsjahre

Im wahren Leben müsste nun ein gesetzlich vorgeschriebenes Trennungsjahr folgen. Dass Markranstädt und Leipzig diese Phase allerdings gleich in deren 14 ausgelebt haben, liegt an der Gütertrennung. Wer hat welche Mitgift eingebracht, welche Tante hat was geschenkt, was passiert mit den Ersparnissen, wer bezahlt die Schulden?

Am Ende lag auch noch der Umgang mit dem Hauspersonal vorm Scheidungsrichter. Der Anstellungsvertrag mit Facility Manager Conrad läuft zwar nur noch bis 2027, aber das ihm überlassene Sorgerecht für das Strandbad darf er noch bis 2032 ausüben. Grundsätzlich war er zwar bereit, darauf zu verzichten, aber das teure Spielzeug für das Balg wollte er nicht so einfach hergeben.

Das scheidende Paar versuchte es zunächst mit der Feststellung, dass der Steg zum Strandbad zählt und damit ebenso zum Kind gehört wie dessen Arme und Beine. Aber genau damit hatten die Scheidenden einen weiteren juristischen Nerv zum Zucken gebracht. Denn das Sorgerecht ist nur eine Seite bei der Zerteilung des Nachwuchses. Im Gegensatz zum Grundstück des Strandbades ist der Steg nämlich nicht fest auf der Erde angewachsen.

Weil der Steg nicht am Ufer festgewachsen ist, kann der Hausmeister das Aufenthaltsbestimmungsrecht über sein Eigentum wahrnehmen.

Weil der Ponton-Steg schwimmen und damit seinen Standort verändern kann, muss in diesem Fall auch über das Aufenthaltsbestimmungsrecht entschieden werden. Und das hat der Eigentümer, also der Hausmeister. Kompliziert, so eine Scheidung.

Also wird Hausmeister Conrad seinen Steg noch in diesem Jahr rüber zum Ostufer flößen und dort irgendwo vor Anker gehen. Dass er das Strandbad bis 31. Dezember besenrein übergeben muss, wird nicht das Problem sein. Die Asche der 2020 abgebrannten Laube hat der Küstenwind längst verweht.

Wie Cicero: Jedem das Seine

Die Immobilien des geschiedenen Paares werden nach geografischen Merkmalen aufgeteilt, das überschaubare Vermögen geht zu 20 Prozent an Markranstädt und zu 80 an Leipzig. Dafür muss sich der Ost-Anrainer als Liquidator auch um die Umzugswagen, die Bürokratie mit den Ummeldungen und die ganze Endreinigung kümmern.

Jetzt darf man gespannt sein, wie es auf Markranstädter Seite weitergeht. Immerhin ist Nadine Stitterich nicht nur Ex-Verbandsvorsitzende und Bürgermeisterin, sondern auch Standesbeamtin. Sie weiß also aus erster Hand, dass eine Eheschließung stets nur der erste Akt zu einer bevorstehenden Scheidung ist. Gut möglich also, dass die Stadt Markranstädt künftig als Witwe durch den Küstennebel am Westufer zieht. Aber wenigstens hat sie damit die Chance, sich ihr eigenes Klo zu bauen.

Endlich mal in Ruhe kacken. Das geht wirklich nur, wenn man alleine ist.

Eis gebrochen nach Explosionsgefahr in Mokka-Bar

Es ist bisweilen schon skurril, was sich die Medienschaffenden so alles einfallen lassen, um mit ihren Schlagzeilen Reichweite zu erzielen. Aber sie meinen das nicht böse, sondern folgen lediglich einem Trend. Sie geben ihren Lesern genau das, was sie wollen. Keiner will schließlich mehr für Informationen zahlen. Gleich gar nicht für Menschen, die diese Informationen beschaffen und aufarbeiten. Deutschland hat gelernt, alle erforderlichen Informationen allein der Überschrift zu entnehmen. Die gibt’s schließlich gratis und sie haben mitunter mehr Gewicht, als der 1,8 Tonnen schwere Handstaubsauger auf dem Titelbild.  

Terra M History

Die Markranstädter Stadtgeschichte muss offenbar neu geschrieben werden. Bisher hieß es immer, dass der Kulki in den 1970er-Jahren aus einem Tagebau-Restloch entstand. Genau wie beim Bau der Pyramiden war die Schulwissenschaft mit dieser Hypothese jedoch jahrzehntelang auf dem Holzweg!

An der Lausener Furt setzten 1632 schon die Schweden über.

An der Lausener Furt setzten 1632 schon die Schweden über.

Auf der Internet-Seite “Old-Maps“ kann man sich jetzt zeitgenössische Karten aus allen Ecken der Welt und jeder beliebigen Epoche anschauen. Und was entdecken wir da bei Markranstädt im Jahr 1600? Genau: den Kulkwitzer See! Jetzt muss man sich allerdings fragen: Warum haben uns Politik und Wissenschaft bisher so belogen, was wollen sie uns verheimlichen?

Bürokratieabbau jetzt!

Während sich der Markranstädter Stadtrat unablässig mit Bebauungsplänen in Gewerbegebieten beschäftigt und allein die Anträge für den Bau von Gewerbehallen mehr Zeit in Anspruch nehmen als seinerzeit die komplette Errichtung der Cheops-Pyramide, macht die Firma Ro-Bo Cars in einem Großlehnaer Wohngebiet kurzen Prozess.

Gewerbeansiedlung im Großlehnaer Wohngebiet am Glasauer Weg.

Gewerbeansiedlung im Großlehnaer Wohngebiet am Glasauer Weg.

Unter dem Slogan „Bürokratieabbau jetzt!“ pfeift das Unternehmen auf Formulare und Bauanträge. Denn ein moderner, innovativer und florierender Autohandel funktioniert im Zeitalter der Digitalisierung auch ganz ohne Büros und mondäne Hallen – und offenbar sogar ohne Autos.

Ganzer Arsch voll Munition

Okay, dieser Einsatz des Kampfmittel-Räumkommandos war von vornherein komplett für’n Arsch. Allerdings bleiben trotzdem noch jede Menge Fragen offen.

Der gesamte Unterleib musste großräumig evakuiert werden.

Der gesamte Unterleib musste großräumig evakuiert werden.

Zum Beispiel: Wer hat den Blindgänger gefunden und wie ist der Finder … ähm … darauf … gestoßen? Wurde der Fundort mit Absperrband gesichert? Und überhaupt: Wie wurde der Mann, in dessen Mokkastübchen die Sprengladung verstaut war, vor der Entschärfung evakuiert? Fragen über Fragen. Fest steht nur: Am handlichen Ring, der an der analen Ladung angebracht war, hat das Räumkommando die Granate offenbar nicht rausgezogen. Sonst wäre das mit der Entschärfung des Hinterladers viel schneller gegangen. 10–9–8 …

Viererbande als Triomvirat

Als Dieter Thomas Heck 1982 gefragt wurde, wo die Gruppe Trio ist, zeigte er der Reihe nach auf die drei Bandmitglieder und sagte Da – da – da“. Fragt man RB-Trainer Ole Werner 2026, wo sein Torwart-Trio ist, muss er wohl antworten: Da – da – da … und da.“

Die Drei-Mann-Viererkette zwischen den RB-Pfosten.

Die Drei-Mann-Viererkette zwischen den RB-Pfosten.

Dass ein Trio neuerdings aus vier Mitgliedern besteht, liegt am Lehrplan in den Grundschulen. Weil schriftliches Dividieren niemandem mehr zugemutet werden darf und die elf Freunde auf dem Platz eine Primzahl verkörpern, wird jetzt grundsätzlich aufgerundet. Elf Spieler, eins im Sinn, macht zwölf. Ein Trio sind drei, also 12 durch 3 gleich 4. Einfach triomphal!

Im Grunde genommen einnert das Foto an den Motivationsspruch des ehemaligen Leiters eines Oktetts: „Wir 8, wir sind schon 7, was? Solche 6 wie uns 5 gibt’s keine 4 auf der Welt. Dabei waren wir 3 die 2 Einzigen.“

Weniger ist oft mehr

Bleiben wir gleich beim Thema Mathematik im Fußball. Da wimmelt es bekanntlich nur so von Formeln, Zahlen und Gleichungen. Das Spektrum reicht von der 3-Punkte-Regel über die Tore-Differenz bis hin zur Abschlussquote vor dem gegnerischen Kasten.

Tore aus den Spielen Niederlande gegen Holland zählen doppelt.

Tore aus den Spielen Niederlande gegen Holland zählen doppelt.

Folgende Textaufgabe bereitet den Jungs in der Sportakademie des FC Bayern seit Tagen Kopfzerbrechen: „Christiano Ronaldo (CR7) hat 500 Tore erzielt. Harry Kane hat ebenfalls 500 Tore geschossen, brauchte aber viel weniger Treffer dazu. Berechne das Alter des Keilriemens am Mähwerk des Rasentraktors in Prozenten.“

Neun Köstlichkeiten

Wenn im China-Restaurant Reis mit 9 Köstlichkeiten auf der Karte stehen und nur acht auf dem Teller liegen, merkt’s keiner.

Ausgerechnet Ehebruch haben sie dringelassen, die Chinesen.

Ausgerechnet Ehebruch haben sie dringelassen, die Chinesen.

Diese Strategie hat sich jetzt auch Temu zu eigen gemacht. Man könnte darüber hinweg sehen, dass sich die Chinesen auch bei den Geboten verzählen, aber dass Ehebruch immer noch dabei ist, das ist pure Absicht!

Auf ganz dünnem Eis

Endlich hat mal jemand auch diese Sünde unserer Kultur entdeckt und stellt die unerträgliche Diskriminierung des weiblichen Geschlechts in der Seefahrt an den Pranger. Als ob nur maskuline Schiffe in der Lage wären, Eis zu brechen. Beim NDR wird jetzt auch diese letzte Bastion toxischer Männlichkeit geentert. Ab sofort kümmern sich geschlechtslose Eisbrechende um die zugefrorenen Gewässer.

Zu viel Eis lässt das Hirn gefrieren und dann muss man Eis brechen.

Zu viel Eis lässt das Hirn gefrieren und dann muss man Eis brechen.

Zwar könnte das auch so manchen Seebärenden zum Brechen bringen, aber trotzdem geht dieser Vorstoß des GEZ-finanzierten Rundfunks noch nicht weit genug. Warum nur Eisbrechende und nicht der gesamte Flottenbestand? Egal, was da über die Weltmeere schippert: Wenn von Schiffenden die Rede ist, wird allen Recht getan und jeder weiß, was gemeint ist.

Knast auf Rädern

Für deutsche Bahnfahrer ist das ein ganz alltäglicher Vorgang: Wenn ein ICE auf offener Strecke steht, bleiben die Türen geschlossen. Die Passagierenden sind dann oft so lange in ihren Wagen gefangen, bis der Schnee wieder weggetaut ist. Wenn Iren in Deutschland Urlaub machen und erstmals mit dieser Erfahrung konfrontiert werden, hat das allerdings traumatische Folgen.

Wer freiwillig ICE fährt, muss schon irgendwie Ire sein.

Wer freiwillig ICE fährt, muss schon irgendwie Ire sein.

Allein der Gedanke, dass nicht nur der eigene Waggon als Häftlingswagen dient, kann schnell dazu führen, den gesamten Zug als ICE-Gefangenenlager zu empfinden.

In den Ski gerubbelt

Eigentlich wäre der Kondommangel in Mailand nur eine Randnotiz. Denn wozu brauchen Biathletinnen mit Prostata-Beschwerden Mondos? Bei Langläuferinnen reichen die Brusthaare auch in dieser Saison bis zum Sack und der Paarlauf heißt jetzt „Mixed“, damit der feminine Part nicht von Partnern mit weiblich gelesenem Penis besetzt werden kann. Statt dessen werden auf dem Eis nach wie vor Kinder durch die Gegend geschmissen.

Italien halt. Größe S wird sonst kaum noch hergestellt.

Die Italiener brauchen halt nur Größe S. Wenn da ein Deutscher kommt, ist Not am Mann.

Dass in Mailand trotzdem die Gummis knapp werden, hat einen anderen Grund. Weil Teflon aus Gründen des Umweltschutzes nicht mehr verwendet werden darf, polieren Zeugwarte jetzt das Gleitmittel von Kondomen unter die Skier und Kufen ihrer Athleten. Je nachdem, wie schnell gewachst wird, riecht’s in den Materiallagern zwar oft nach verbranntem Gummi, aber schließlich gilt auch hier nur der olympische Gedanke. Wie sagte schon der alte Dunlop: Dabei sein ist alles!

Warum der Markranstädter Stadtrat nicht in der BND-Kantine tagt

Da staunt der Laie und der Bürger wundert sich: Nachdem der SSV Kulkwitz seinen Insolvenzantrag zurückgezogen hat, geht nun der Streit darüber los, wer sich als todesmutiger Retter des in Not geratenen Vereins feiern lassen darf. Ist es die Bürgermeisterin, die 9.000 Euro Steuergelder in die Ablösung der Vereinsschulden gepumpt hat? Oder doch die Stadträte von CDU, SPD und Grünen, die dem SSV aus der gleichen Quelle jährlich 400 Euro mehr Unterstützung zugebuttert haben? Der MN-Chefsatiriker Claus Narr hat sich die Dramödie mal aus einer ganz anderen Perspektive angeschaut.

Das Nachsehen hat wieder einmal der gemeine Plebs, der das Geld für die Rettungsaktion erwirtschaftet hat.

Weil er seine Steuern nicht freiwillig herschenkt, sondern die öffentliche Hand sie ihm mit viel bürokratischem Aufwand erst wegnehmen muss, hat er für seinen heldenhaften Rettungseinsatz nicht einmal einen feuchten Dank zu erwarten.

Schraps hat den Hut verlor’n

Während die Verweser des Volksvermögens noch darüber streiten, wem wieviele der Lorbeeren bei der Verteilung des Geldes zukommen, erschöpft sich das Bürgertum in Schuldzuweisungen darüber, wer für die Situation verantwortlich ist. Die Ermittlungen der Einwohnermilizen konzentrieren sich auf drei Hauptverdächtige: Rathaus, Stadtrat und natürlich auf den Verein selbst.

Große Sprünge kann man sich in Kulkwitz nicht erlauben. War die Sprunggrube vom Fördermittelgeber vielleicht von vornherein als Schulgarten geplant??

Große Sprünge kann man sich in Kulkwitz nicht erlauben. War die Sprunggrube vom Fördermittelgeber vielleicht von vornherein als Schulgarten geplant?

Seltsamerweise hat niemand die Nummer 4 in diesem Trio auf dem Schirm. Aus Sicht des staatlich ungeprüften Satirikers ist der als monetärer Heiland hernieder gefahrene „Fördermittelgeber“ der Hauptschuldige an der Situation. Zwar verteilt auch der nur Gelder, die dem Volk vorher abgenommen wurden, aber wie er das Vermögen an sich reißt und warum, darüber sollte mal nachgedacht werden, bevor man andere verdächtigt.

Das sind die Fakten: Wenn ein Stadtrat heute einen Baubeschluss fasst, ist das in Wahrheit kein Beschluss, sondern lediglich eine demütige Willensbekundung unmündiger Laiendarsteller.

Ob eine Kita oder ein Sportplatz gebaut wird, entscheidet der „Fördermittelgeber“, hinter dem sich meist Bund oder Land verstecken. Mit diesem System der Geldverteilung wollen die Berufspolitiker die Kontrolle darüber behalten, ob und was gebaut wird.

Nachdem der Insolvenzantrag gestellt war, wurde plötzlich auch der Stadt klar, dass das Kind in die Zisterne gefallen ist. Vereinschef Luckner bei einem seiner Rettungsversuche.

Nachdem der Insolvenzantrag gestellt war, wurde plötzlich auch der Stadt klar, dass das Kind in die Zisterne gefallen ist. Vereinschef Luckner bei einem seiner Rettungsversuche.

Denn das zu entscheiden will man nicht den zu Stadträten erhobenen Friseuren, Mechatronikern, Sozialtherapeuten oder anderen Quereinsteigern überlassen, nur weil die sich vor Ort gut auskennen. Es geht darum, den Blick auf das große Ganze und damit die Kontrolle zu behalten. Der Fördermittelgeber schreibt vor, welche Merkmale ein neuer Sportplatz haben muss, um gefördert zu werden. Die Kommune muss das Projekt nach diesen Maßstäben planen.

Der Fisch stinkt am Kopf

Der Fördermittelgeber prüft und entscheidet, ob ein Projekt umgesetzt werden kann. Er sichert damit ab, dass die Investition wichtig, vernünftig, und finanzierbar ist, weil er diese Expertise den Handelnden vor Ort nicht zutraut. Kurzum: Er hat mit der sich selbst an Land gezogenen Entscheidungskraft die Verantwortung für die Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit des Projektes übernommen.

Wenn ich mir nun das Drama um die Folgekosten wie Wartung, Reparaturen und Unterhalt des Kulkwitzer Sportplatzes anschaue, sehe ich, dass damit nicht nur der Pächter, sondern auch die Stadt als Eigentümerin überfordert ist.

Gefördertes Versagen

Und so erkenne ich nur einen Schuldigen: Der „Fördermittelgeber“ ist hier seiner Verantwortung zur Prüfung einer künftigen Unterhaltung der Anlage nicht nachgekommen. Er hätte erkennen müssen, dass der Betrieb eines solchen Sportplatzes weder für einen Elftligisten noch eine abstiegsgefährdete Kleinstadt zu stemmen ist!

Früher stand hier mal alles unter Wasser. Dreck drauf und Rasen ansäen hat dem Fördermittelgeber nicht gereicht. Es musste eine grüne Trockensavanne werden.

Früher stand hier mal alles unter Wasser. Dreck drauf und Rasen ansäen hat dem Fördermittelgeber nicht gereicht. Es musste eine grüne Trockensavanne werden.

Nicht die Ärzte, Busfahrer oder Chemielaboranten der Markranstädter Lokalpolitik haben hier eklatant versagt, sondern der Freistaat Sachsen als Finanzier und Entscheider. Schade nur, dass sich die zu Statisten degradierten Polit-Komparsen vor Ort lieber untereinander die längst verwelkten Lorbeeren streitig machen, anstatt mal mit gebündelten Kräften gegen ihre Entmündigung durch einen externen Verteiler ihres eigenen Geldes vorzugehen.

Auf der anderen Seite ist das irgendwie auch verständlich. Ein Kampf Hinz gegen Kunz verspricht vor Ort nachhaltigere Wirkung als wenn man ein morbides System in Frage stellt. Dann könnte man die Stadtratssitzungen künftig auch gleich in der Kantine des Verfassungsschutzes abhalten. Aber es ist ja zum Glück alles nur Satire.

In Markranst herrschen harte Zeiten: Patientin krank, der Arzt muss leiten!

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