Auf dem Parkplatz voll einen abgepalmt

Mit der Verurteilung von Handlungen ist man in unserer Gesellschaft schnell. Da vergisst einer, ein generisches Maskulinum zu gendern, schon hat er eine #metoo-Kampagne am Hals, ein Anderer gibt versehentlich ein Indianer-Ehrenwort und hat sich damit als Rassist geoutet. Drogenhändlern und anderen Kinderschändern wird dagegen oftmals eine schwere Kindheit attestiert. Wir lernen: Es lohnt sich immer, einen Blick hinter die Straftat zu werfen. Auch in diesen besonderen Fall, der sich am Dienstag in Markranstädt zutrug.

Hinter jeder Straftat verbirgt sich eine Tragödie, man muss sie nur sehen wollen. So war es auch in diesem Fall.

Auf den ersten Blick stand also ein Mann an seinem Transporter und hat an seinem Geschlechtsteil manipuliert. So zumindest das Polizei-Deutsch. Das muss man natürlich erst mal übersetzen.

Den Zapfen gepalmt

Also für unsere jugendlichen Leser: Das Opfer hat vor seinem Reifenlift abgechillt und sich dabei voll den Zapfen gepalmt. Für die seriöse Leserschaft: Der Mann hat masturbiert oder wissenschaftlich ausgedrückt, er hat sich einen runtergeholt.

Dass man dabei nackt ist, zumindest untenrum, leuchtet ein. Beim Taschenbillard versaut man sich nur die Hose. Und auch dass man sowas auf dem Parkplatz macht, ist jetzt nicht sooo ungewöhnlich. Manche sollen es sogar schon auf dem Klo gemacht haben.

Schnell gewaschen

Bei der Armee geschah sowas oft beim Duschen und da musste man sich gegenüber dem Spieß sogar dafür rechtfertigen. Man kann sich schließlich seinen Zapadeus so schnell waschen wie man will. Bloß weil der ein paar Sternchen auf den Schulterstücken hat, darf der da noch lange nicht reinquatschen.

 

Wir Menschen sollten froh sein, dass sowas bei uns überhaupt geht. Man nehme nur mal Pinocchio, die arme Sau. Als er es versuchte, hatte er danach lauter Hobelspäne in der Hand und musste sich seither beim Pieseln hinsetzen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die paar Flecken Onanat auf dem Parkplatz können’s kaum gewesen sein, weshalb der arme Mann nun vor den Kadi gezerrt wird. Weshalb aber dann?

Vielleicht erinnern sich manche noch an die gute alte Bravo, die uns einst im Westpaket erreichte? Okay, aber an das Poster von Pussycat oder Uschi Obermaier auf der Mittelseite sicher weniger. Weil, die haben wir bestenfalls nur drei- vielleicht viermal gesehen. Danach haben wir die Seiten nicht mehr auseinander bekommen.

Reine Gefühlssache

Aber genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Das waren wenigstens Frauen! Unser Mann auf dem Parkplatz hat einen abgewrackten Ford Transit als Vorlage genutzt. Kann das wirklich wahr sein?

Da rät uns die Phantasie, doch lieber mal hinter die wahren Ursachen der Schandtat zu blicken. Der arme Kerl hatte seine letzten Groschen im Markt fürs Abendessen ausgegeben und wollte eigentlich nur nach Hause.

 

Blöd nur, dass der Sprit alle war. Ein Blick auf die von der CO2-Abgabe glühende Preistafel an der Tankstelle ließ ihn derart in Panik ausbrechen, dass er verzweifelt versucht hat, sein Fahrzeug selbst zu betanken.

Bio-Sprit sozusagen. „So ein Ford frisst alles“, hatte der Verkäufer vor 20 Jahren versichert, als er den 30 Jahre alten Gebrauchtwagen gekauft hatte. So – und jetzt kommen wildfremde Leute daher und wollen seine Hand am Bio-Zapfhahn als Manipulation an seinem Geschlechtsteil denunzieren. Eine Sauerei ist das, jawollja.

Aber das ist alles nur graue Theorie. Die Polizei hat, wie sollte es anders sein, ganz bestimmt die Wahrheit geschrieben. Warum wir alle so erschüttert sind, hat eine ganz andere Ursache. Es ist eine fast unscheinbare Randnotiz in dieser Meldung. Eine kleine Zahl nur. Kaum wahrnehmbar neben der Größe dieser Sauerei, die uns so erbost. Es ist die Botschaft, die unseren Neid schürt. Der Mann ist 60 und kann noch!

 

Neues aus der vierten Etage (19) – der zweite Teil

Heute nun Teil 2 der Nachlese zum jüngsten Stadtrat. Das leicht aufgeheizte Klima im KuK war ja lediglich dem Spätsommer geschuldet. Glücklich schätzen konnte sich, wer trotzdem daran gedacht und sich statt Erfrischungsgetränke einen kräftigen Kaffee mitgebracht hat. Ein laaanger Abend warf drohend seine Schatten voraus.

Gleich zu Beginn erlaubte die Bürgermeisterin den Stadträten und Besuchern, ihre Masken fallen zu lassen.

So ändern sich die Zeiten: Vor Corona hätte so eine Aufforderung noch eingeschlagen wie eine Bombe, jetzt wünschte man sich, sie hätte die Hüllen gemeint.

Das hörbare Aufatmen im Publikum schien mitunter dem Umstand geschuldet, dass so manche dieser Masken ihren Träger schon durch die erste Welle begleitet hatte. Doch die Erleichterung über die unerwartete Entblößung des Antlitzes wich schon bald der Erkenntnis, dass die Gesichter noch immer die gleichen sind.

Wie man Beamte auf Trab bringt: Fitness im KuK

Ansonsten viel Fitness im Raum. Manch Stadtrat legte auf seinen Wegen vom Platz zum Mikrofon und retour mehr Meter zurück als sonst im ganzen Monat beim Bierholen aus dem Keller.

Auch Verwaltungskräfte blieben davon nicht verschont. Weil er nach jedem Beschluss zum Zählen der Stimmen aufstehen musste, hat Innenminister André Schwertner an diesem Abend mindestens 14 saubere Hock-Streck-Sprünge hingelegt. Lohn der Anstrengung: Waschbrett-Waden und Oberschenkel wie die Unterarme von Popeye.

Verschollen im Bärenklau: Suchtrupp rückt nicht aus

Bei der Bürgerfragestunde wurde die Hauptperson zunächst schmerzlich vermisst. Noch bevor ein Suchtrupp in die nächstgelegene Bärenklau-Plantage entsendet werden konnte, meldete sich aber schon sein Co-Referent zu Wort. Wenigstens auf den ist Verlass. Und er hat auch Größe. Diesmal brillierte Rüdiger Kunzemann nicht mit einer kritischen Frage, sondern erntete mit einer Danksagung seinerseits Anerkennung.

 

Die Erläuterungen der Ersten Beigeordneten, die ihm in einer Privat-Audienz erklärt hatte, wie man 27 Millionen Euro auf den Kopf haut, haben bei ihm sichtlich Eindruck hinterlassen.

Ganz ohne kritische Nachfrage wollte Kunzemann seinen Platz am Mikrofon dann allerdings doch nicht räumen. Wann denn nun, nachdem auch gerichtlich alles geklärt sei, endlich mal die Stadtmöbel auf der Piazza di Geppert aufgestellt werden, wollte er wissen.

Ich will nur hier sitzen

Die Bürgermeisterin blieb ihm eine ebenso detaillierte wie konkret belastbare Antwort nicht schuldig. Einen konkreten Termin gebe es noch nicht, aber sie werde ihn bekanntgeben, wenn es so weit sei. Was will man mehr? Setzen, der Nächste bitte!

Aber dessen Frage war nicht minder kritisch. Den Frankenheimer Jürgen Bentz – und nicht nur ihn – beschäftigen die 3 x 70.000 Euro, die der Freistaat zur Förderung des ländlichen Raums an die Kommunen gegeben hat. Andere Städte haben das Geld auf ihre Vereine verteilt, in Markranstädt ist der ländliche Raum lediglich auf die Stadthalle beschränkt. Über diese Definition kann man in der Tat mal nachdenken.

Ländliche Förderung zum Mieten

Bei den ersten beiden Tranchen war das Argument, dass die Investition von 140.000 Euronen in die Halle allen Vereinen zugute kommt, noch irgendwie vertretbar. Mit den diesjährigen 70.000 soll aber das Gestühl ersetzt werden.

Davon hat – hochgerechnet – maximal ein Verein wirklich was und selbst der muss dafür eine so satte Miete hinblättern, dass er sich das Gestühl nach zwei Veranstaltungen gefühlt selber kaufen könnte. Aber da auch die Stadträte bei diesem Thema ohrenbetäubend schweigen, verhallte Bentz‘ Frage wie der Schrei des Rufers in der Wüste.

 

Was gab es sonst noch so? Ach ja, die Vergnügungssteuer ist im Keller, informierte Kämmerin Silke Kohles-Kleinschmidt. Grund für den Ausfall dieser wichtigen Einnahmequelle ist wieder mal Corona. Weil die Kneipen geschlossen waren, oxidierten auch die Spielautomaten ungenutzt vor sich hin und nun haben wir den Salat.

Aber da haben die Zocker ihre Rechnung ohne das Rathaus gemacht. Dessen Insassen lassen sich nicht so einfach aushungern und so stand in unmittelbarer Nachbarschaft dieses Punktes die Anpassung der Hundesteuer auf der Tagesordnung.

Anpassung! Bei der Suche nach solchen Gleichnissen ist die Kanzlerin wesentlich kreativer. Sie hätte es wenigstens Negativsenkung genannt und uns auf diese Weise ehrlich verarscht.

Warum der Teufel stets auf den größten Haufen macht

Trotzdem dumm gelaufen für die Lallendorfer Herrchen. Ausgerechnet an diesem Abend hatte sich ein Hund von offenbar nilpferdgleicher Statur mitten auf dem Weg zum KuK einen solch kapitalen Jackpot aus der Falte gedrückt, dass ein barrierefreier Zutritt quasi unmöglich war und einem jeden Stadtrat den Abstimmungsarm instinktiv steif werden ließ. Also ab 1. Januar pro Fußhupe 33 Prozent mehr … nennen wir es „Anpassungsgebühr“.

Das wars auch schon im Großen und Ganzen. Der Stadtrat hatte zwar auch noch zur Kenntnis nehmen müssen, dass er Geld für den Kauf von Kassenautomaten für den Parkplatz an der Oststraße bereitgestellt hat, die gar nicht gekauft wurden, aber vor dem Hintergrund der anderen Pointen war dieser Gag von vornherein ein Rohrkrepierer. Auch Dank der Diskussionen um das Stadtbad gibt es diesmal fünf von sieben Sternen für das Event. Fazit: Noch ist Luft nach oben, aber sie wird immer dünner.

 

Neues aus der vierten Etage (19) – Teil 1

Was ’ne Show! Die Investition von knapp dreieinhalb Stunden wertvoller Lebenszeit hatte sich am Donnerstagabend im KuK voll rentiert. Kann man gar nicht in einem Beitrag zum Ausdruck bringen, was da vor und hinter den Kulissen so alles los war. Die Bürgerfragestunde und die anderen festen Programmteile humoristischen Kulturgutes müssen wir daher später mal unter die Lupe nehmen. Kümmern wir uns erst mal ums Stadtbad.

Um die Diva gibt’s aktuell einen Mörder-Zauber. Da weiß keiner mehr, was hinten und vorne und gleich gar nicht, was gehauen und gestochen ist. Selbst die Bürgermeisterin räumte ein: „Mittlerweile weiß ich nicht mehr, worum es eigentlich geht.“ Wir auch nicht und auf dieser Grundlage erst mal ein kurzer Überblick.

Ein Gutachter soll festgestellt haben, dass sich unter dem Bad mehr Wasser befindet als im Becken darüber. Das Rathaus hält das Projekt, so wie es ursprünglich angedacht war, daher für nicht durchführbar. Also müssen die Planungen nach dessen Meinung gestoppt, die Planungsziele verworfen, neue Planungsziele formuliert und neue Planungen eingeleitet werden.

Damit drohen die Kosten aus dem Ruder zu laufen. Vom einst avisierten Maximalpreis in Höhe von 2,5 Millionen Euro spricht eh längst keiner mehr. Inzwischen machen Zahlen von bis zu 7,5 Millionen die Runde, zuzüglich eine Viertelmillion jährlicher Unterhaltskosten.

Bürgerbegehren

Für die CDU wurde der Preis offenbar langsam zu heiß. Sie wollte das Thema absetzen und den homo marcransis per Bürgerbefragung entscheiden lassen. Immerhin ist ja zu erwarten, dass er bei den drohenden Kosten seinen Gürtel woanders enger schnallen muss.

Durch diesen Vorstoß einer Partei, die sich solchen Plebiszit-Gedanken zumindest auf Bundes- und Landesebene sonst stets erfolgreich verwehrt, fühlten sich andere in ihren basisdemokratischen Grundfesten verletzt. Sofort machte Heike Kunzemann (Linke) einen Satz zum Mikro und verkündete, dass sie ein solches Bürgerbegehren schon längst beantragt habe. Ätsch, Erster!

Den basisdemokratischen Atem des Grünen Tommy Penk im Nacken spürend, der schon genetisch für Bürgerbeteiligung zu haben ist, setzte umgehend auch AfD-Fraktionschef Bodo Walther zum Sprung ans Mikro an.

Die Kernkompetenzen seiner Partei, mit dem Volk gemeinsame Sache zu machen, wollte er weder der CDU noch den Linken kampflos überlassen und verkündete entrüstet: „Einspruch, wir sind hier die Rechtspopulisten!“

Es bleibt das ungelöste Mysterium in Markranstädt gelebter Demokratie, warum es trotz einer solch überwältigenden Mehrheit für eine Bürgerbefragung schlussendlich nicht dazu kam. Abgelehnt, fertig!

Nicht mal Heike Kunzemann fragte mehr nach, was denn nun aus ihrem Bürgerbegehren werden soll. Wahrscheinlich hatte der alte Marx genau so eine Situation vor Augen, als er die Negation der Negation gebar.

Trotz Mehrheit abgelehnt

Normalerweise gebietet es die oberste Bürgerpflicht, nach einer solch offensichtlichen Verarsche aufzustehen und den Saal zu verlassen. Wenn da nicht dieses latente Gefühl der Ungewissheit wäre, dass da noch ein paar andere nicht zu Ende gedachte Ungereimtheiten in der Luft liegen.

Nein, damit sind nicht die seherischen Fähigkeiten der Bürgermeisterin und einiger Stadträte gemeint, die immer wieder die Tatsache formulierten, dass „alle“ Markranstädter das Bad wollen. Vielmehr war in den Diskussionen (von den fast dreieinhalb Stunden ging es knappe zwei nur ums Stadtbad) immer wieder von einem Sonderstadtrat im April die Rede.

Illegale Stadtratssitzung?

Der hat aber definitiv nicht stattgefunden und wenn doch, dann war diese Zusammenkunft rechtswidrig. Auch ein Sonderstadtrat muss öffentlich angekündigt werden. Auch dann, wenn er nichtöffentlich stattfinden soll. Dann muss das auch fundiert begründet werden, denn die Öffentlichkeit ist ein hohes Gut. Beides geschah definitiv nicht. Nicht mal eine Information gab es, ob da was stattgefunden hat und was da besprochen wurde. Was ist da los in der Geheimniskrämerei?

Es kam, wie es beim Blick über die Stuhlreihen kommen musste: Kampfabstimmung. Die Befürworter setzten sich am Ende mit der grünen Karte der Bürgermeisterin als Zünglein an der Waage mit 10:9 durch.

Also alles zurück auf Null, es geht noch mal von vorne los. Neue Planungsziele, neue Ausschreibung, neue Planung, neue Preise. Und wohl auch ein neues Lied: Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut … oder sowas in der Art.

Anbaden am Samstag

So der Stand am Donnerstagabend. Am Freitag gab’s das große Wundenlecken und am Samstag dann eine völlig neue Situation. Anbaden 2021 in der Diva!

Fans des Sachsenligisten Stahl Riesa waren am Samstag beim Anbaden begeistert vom Flair und der Wasserqualität. Vor allem dass die Diva nicht so überlaufen ist wie andere Stadtbäder, wurde als wohltuend empfunden.

Fans des Sachsenligisten Stahl Riesa waren am Samstag beim Anbaden begeistert vom Flair und der Wasserqualität. Vor allem dass die Diva nicht so überlaufen ist wie andere Stadtbäder, wurde als wohltuend empfunden.

Fans des Fußball-Sachsenligisten  Stahl Riesa führten den wohlstandsverwöhnten Markranstädtern vor Augen, dass es sich hier nur um ein Luxusproblem handelt. Das Bad reicht demnach, so wie sie ist, völlig aus, was die den MN zugespielten Fotos eindrucksvoll beweisen. Badespaß ohne Bademeister, ohne teures Edelstahlbecken und nur mit kostenlosem Wasser vom Himmel.

Egal auf welcher Seite man als homo marcransis steht: Es bleibt der Trost, dass man beim Baden auch in den Kulki pullern kann.

Markranstädter Kandidaten: Die geheimen Verhörprotokolle

Nachdem Markranstädt jahrzehntelang ein blinder Fleck auf der Berliner Landkarte war, bewerben sich diesmal gleich zwei Lallendorfer um ein Sitzkissen im Reichstagsgebäude. Weil sie von den deutschen Leitmedien konsequent ignoriert werden und nicht mal bei Florian Silbereisen auftreten dürfen, haben sich die Markranstädter Nachtschichten dazu durchgerungen, ihnen auf den Zahn zu fühlen. Naturgemäß sind wir mit unseren investigativen Fragen tief ins Sitzfleisch der Kandidaten eingedrungen und haben uns auch nicht gescheut, selbst intimste Details gnadenlos offenzulegen.

Beim Blick auf die Spitzenkandidaten hört man im Volksmund oft von einer Wahl zwischen Pest, Cholera und Ruhr. Dagegen hat’s der homo marcransis richtig gut: Er muss sich nur zwischen Soda und Gomorrhum entscheiden.

Auf der Liste stehen Heike Helbig (CDU) und Edgar Naujok (AfD). Obwohl die Markranstädter Nachtschichten über keinerlei Mittel verfügen, um Druck auf die Beiden auszuüben (belastende Dokumente liegen noch bei Merkel im Schreibtisch), haben sie sich dennoch einem Verhör gestellt.

Allein dafür sollte es schon drei Bonus-Stimmen pro 80 Millionen Einwohner geben. Aber sowas sieht das deutsche Wahlrecht leider nicht vor. Bleibt uns also nur, die Verhörprotokolle auf MN-Leaks zu veröffentlichen. Bitteschön:


Vor den Wahlen wird von den Kandidaten immer erwartet, dass sie zu Themen Position beziehen. Zu welchem Thema haben Sie keinen Standpunkt?

Helbig: Ich bin eine Frau, da habe ich zu allem einen Standpunkt und meist sogar das letzte Wort – zumindest bei meinem Mann.

Naujok: Ja also …. hmm … Kein Standpunkt zum Standpunkt.

Hartz IV ist nach Peter Hartz benannt, die Riester-Rente nach Walter Riester, die Rürup-Rente nach Bert Rürup. Welche gesellschaftliche Errungenschaft soll nach Ihnen benannt werden, falls Sie den Sprung nach Berlin schaffen?

Helbig: Die drei genannten Projekte haben aus heutiger Sicht nicht überzeugt. Deshalb verzichte ich gern auf eine persönliche Namensgebung.

Naujok: Der Digital Guru!

Eine Umgehungsstraße für Markranstädt steht im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben. Auch deshalb, weil sich fast alle Parteien irgendwann schon mal dazu bekannt haben. Passiert ist allerdings nichts, was also heißt, dass die Stadtverwaltung die in Berlin gefassten Beschlüsse einfach ignoriert. Wie wollen Sie als Bundestagsabgeordneter das Rathaus auf Trab bringen?

Helbig: Ich habe das Gefühl, alle sind damit zufrieden, dass die Umgehungsstraße im Bundesverkehrswegeplan steht. Ich nicht. Wenn ich auf die deutschen Planungs- und Realisierungszeiten schaue, kommt die Straße nicht in den nächsten 10 Jahren. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der überregionale Schwerlastverkehr schneller aus Markranstädt verschwindet und zwar dorthin, wo er hingehört – auf die Autobahn.

Naujok: Ich würde alle zum Abendessen einladen und ein Brainstorming veranstalten.

Selbst für Hinterbänkler fällt im Bundestag immer irgendein Posten ab. Die meisten sind dann Bundespolitische Sprecher für irgendwas oder Parlamentarische Staatssekretäre für irgendwas. Auf welchen Posten sind Sie scharf?

Helbig: Ich bin auf keinen Posten scharf. Als Bundestagsabgeordnete habe ich die Möglichkeit auf ehrenamtliche Posten in Markranstädt, deren Türen für mich derzeit versperrt sind. Die Gelegenheit will ich nutzen.

Naujok: Als Sprecher für mehr Volksentscheide.

Sie sitzen in der Bundestagskantine und trinken aus Versehen aus der Tasse von Gregor Gysi – oder ziehen meinetwegen an dessen Joint. Was tun Sie, nachdem Sie das bemerkt haben?

Helbig: Einfach weitertrinken. Ignorieren der Tatsachen funktioniert in der Politik fast immer.

Naujok: UPS und dezent zurück stellen.

Jetzt mal eine Frage ganz im Ernst. Deutschland hat bewiesen, dass es für die Bewältigung von Krisen sehr schlecht aufgestellt ist. Es fehlt an Machern und Entscheidern. Also Butter bei die Fische: Wie wollen Sie gewährleisten, dass es bei der nächsten Corona-Welle genug Klopapier gibt?

Helbig: Ich schenke jeden einen Schwamm, das hat sich schon im Römischen Reich zum „Allerwertesten abwischen“ bewährt. Ist dann sogar noch nachhaltig und spart CO2, also auch etwas für Klimaaktivisten.

Naujok: Ich würde zur PWA fahren und vorab bunkern.

Bekanntlich soll das Buchstabieralphabet mit seinen männerlastig-verstaubten Namen durch Ortschaftsnamen getauscht werden. Das wäre doch eine Chance, Markranstädter Ortschaften touristisch bekannter zu machen. Zum Beispiel D wie Drohnz oder G wie Gulgs. Allerdings reichen unsere 17 Ortschaften nicht für alle 26 Buchstaben. Was fällt Ihnen – sagen wir mal – zum Buchstaben L ein?

Helbig: Lehne, da muss ich gar nicht lange überlegen.

Naujok: Linda.

Unterbreiten Sie ein diplomatisches Angebot, wenn Sie statt A für Albersdorf den berühmteren Ortsteil Altranstädt ins Alphabet aufnehmen. Schließlich soll ja der Friede nicht nur dort gesichert bleiben.

Helbig: Eigentlich bedarf es das gar nicht. Altranstädt ist ja auch bekannt als Ne…dorf. Aber wir wollen ja politisch korrekt bleiben und auf das N-Wort verzichten. Dann muss eben ein Kompromiss her: Alle Monate mit dem rollenden Buchstaben „R“ gehören Altranstädt, alle ohne, Albersdorf. Das sind zwar nur 4 Monate für Albersdorf, aber immerhin die 4 Wonnemonate im Jahr.

Naujok: Wir machen ein schönes Volksfest mit einem Wettbewerb, wie beispielsweise Seilziehen.

Die Ära Angela Merkel geht nach 16 Jahren zu Ende, Sie sitzen im Bundestag und der entscheidet mehrheitlich (an dieser Stelle können Sie sich raussuchen, ob mit oder ohne ihre Stimme), dass ihr ein Denkmal errichtet werden soll. Sie gehören der Kommission an (das können Sie sich jetzt nicht mehr raussuchen), die darüber entscheiden soll, wo es errichtet wird und was draufstehen soll. Beschreiben Sie uns Ihren Entwurf.

Helbig: Hervorragend, mit Denkmalen kennen wir uns in Markranstädt aus. Unsere Entwürfe sind kontrovers und sorgen für ausreichend Diskussionsstoff, auch Jahre später noch. Auf jeden Fall ist das Denkmal aus Metall und eine abstrakte Darstellung der Merkel-Raute, die viel Raum für Interpretationen lässt.

Naujok: Am besten im Keller. Mit der Aufschrift „Ich habe es nicht geschafft!“

Sie merken schon, ziemlich anspruchsvolle Fragen für jemanden, der eigentlich nur in den Bundestag will. Beenden wir das Verhör also mit einem Angebot zur Güte: Welche Frage wollten Sie schon immer mal gestellt bekommen?

Helbig: Ich würde lieber Euch eine Frage stellen. Was nehmt Ihr zu Euch, dass Ihr immer wieder so kreative Fragen ausbrütet? Von dem Potential würde ich auch gern profitieren.

Naujok: Wann geht es mal wieder in den Urlaub?


Wichtige Hinweise:

Beide Kandidaten waren bei der Vernehmung mindestens 18 Jahre alt. Zur Erlangung der Aussagen wurden keinerlei sexuelle Handlungen vorgenommen. Alle Auskünfte wurden freiwillig erteilt und deren Herbeiführung erfolgte auf Grundlage sowie unter Einhaltung der Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen. Die Gesichter beider Befragten sahen schon vorher so aus, insofern sind eventuelle Unterschiede zu den Wahlplakaten nicht auf die Anwendung von Folter oder andere Folgen der Gesprächsgestaltung zurückzuführen.

Kapitulation vor kopulierenden Koalitionen

Die Meldung hat eingeschlagen wie eine Bombe. „Merkel bleibt“ titelt das in Berlin erscheinende Leitmedium „Eulenspiegel“. Da waren unsere investigativen Fragen an die beiden Markranstädter Kandidaten zur Bundestagswahl allerdings schon raus. Sie haben sie trotzdem beantwortet und die MN-Leser dürfen sich schon mal auf einen Hochgenuss politischer Realsatire freuen, mit dem wir den homo marcransis am Wochenende zu erfreuen gedenken. Leider scheint das der einzige Höhepunkt in den Kampfwochen um den Endsieg in der Schlacht um Berlin zu sein.

Man muss ja diesmal mit allem rechnen. Sogar mit der SPD. Also … über der 5-Prozent-Hürde natürlich. Und wie immer spielen die Medien fleißig mit.

Die scheint gar nicht zu interessieren, ob eine Partei gewinnt und wenn ja, welche. Überall geht’s nur noch um die Koalitionsfrage. Je t’aime – wer mit wem? Ganz unterschwellig wird ins Hirn des Wählers damit schon ein Wahlergebnis gepflanzt. Egal welche Partei wir wählen, am Ende kommt eine Koalition bei rum.

Da wird so viel über Reformen geseiert: Wahlalter mit 12, Stimmvollmachten für Demenzbetreuer in Altersheimen, Verteilung ungültiger Stimmen auf Grüne und FDP und so weiter. Aber an das, was angesichts der Entwicklung am ehrlichsten wäre, daran wagt sich niemand. Warum lassen sie uns nicht gleich eine Koalition wählen, wenn am Ende sowieso eine Koalition rauskommt?

Bunte Hunde

Da steht dann halt auf dem Wahlzettel alles von Rot-Rot über Rot-Gelb-Grün bis Schwarz-Blau-Gelb-Rot-Grün und für die Diversen halt auch in Abstufungen wie Orange-Rosa-Pink-Lila. Die Kombinationen sind begrenzt, die Wahlzettel werden kleiner, das spart Papier.

Auch müssten wir nicht wochenlang die feisten Gesichter ertragen, die uns von den Laternenpfählen droben blutleer anstarren. Nicht mal in der Kirche erfüllen sich in derart Gleichnisse gehüllte Verheißungen.

Statt dessen hätten wir dann bunte Plakate wohin das Augenlicht reicht.

Okay, das hatten wir ja erst kürzlich und es hat auch nur nichts gebracht. Die regenbogenfarbenen Strumpfbänder waren unseren Fußballern bei der EM wichtiger als das sportliche Ziel. Das haben wir nun davon. Allerdings war das nicht der einzige Grund für das klägliche Scheitern der Fritz-Walter-Enkel.

Die wissen nämlich gar nicht mehr, für wen sie spielen. Nix Nationalmannschaft, weil darin der Begriff National vorkommt. Seit ein paar Jahren sind wir deshalb nur noch Die Mannschaft. Wessen auch immer. Und sowas hat Folgen.

Mannschaft ohne Nation

Das Spiel der Deutschen gegen die Ungarn war bezeichnend. Nach dem 2:2 waren die Magyaren raus und Die Mannschaft weiter. Aber während die erfolgreiche Die Mannschaft schnurstracks in die Kabine ging und Selfies mit ihren regenbogenfarbenen Strumpfhaltern in die Welt schickte, sind die ausgeschiedenen Ungarn vor ihre Fankurve gelaufen und haben mit der Hand auf dem Herzen, ohne Aufforderung und ohne Orchester, gemeinsam die Nationalhymne intoniert. Kehr’n wir als Sieeeger heim, schnedderedeng!

Die Ungarn wussten, für wen sie verloren haben. Für wen Die Mannschaft weitergekommen ist, steht weder auf deren Bus noch auf den Strumpfhaltern. Wahrscheinlich war’s für den Regenbogen.

Genauso wie mit Die Mannschaft könnte es sich mit Das Volk verhalten. Für welches Gebilde wählt das eigentlich den Bundestag?

Volk ohne Nation

Für die hier lebenden Indianervölker, wegen denen sich Kinder zum Fasching nicht mehr verkleiden dürfen? Für den Berliner Unternehmer, der sein Eiscafé „Eiskimo“ nannte, sich damit den Zorn der in Brandenburg siedelnden Inuit zuzog und deshalb nochmal 20.000 Euro für die Umbenennung seines Ladens in die Hand nehmen musste? Für den Neger, der jahrzehntelang ohne es zu wissen durch die Mohrenstraße gelaufen ist und erst durch einen Weißen / eine Weißin erfuhr, wie erniedrigt er sich dadurch fühlt?

Gut möglich, dass sich das auch dadurch nicht ändern würde, wenn wir statt Parteien gleich Koalitionen wählen. Wenn die eh alle so gleich ticken, dass sie miteinander ins Bett gehen, ist das – biologisch gesehen – Inzest.

Politischer Inzest, hätte der alte Darwin gesagt. Da wäre der Tag dann nicht mehr fern, an dem gewählte Koalitionen miteinander koalieren. Eigentlich ist das wie ewiger Durchfall, kein Ende in Sicht.

Der Unterschied, der uns die Wahl wirklich zur Qual werden lässt, liegt nicht in dem, was die Parteien sagen, sondern allein darin, was sie nicht sagen. Oder haben Sie schon mal von einer Partei gehört, die sich für die Rechte unterdrückter Rufnummern einsetzt? Na also!

Wort für(s) Wort

Wenn Gott keinen Spaß verstehen würde, hätte er die Satiriker bei seiner Schöpfung einfach weglassen können. Hat er aber nicht. Und also hat er Humor. Sein Sprecher, den er hier unten in Markranstädt beschäftigt, hat auch eine Ader für ebenso scharf- wie feinsinnige Gleichnisse. Ist es ein Steilpass für die Greta-Generation, den Pfarrer Zemmrich im neuen geMEINdeBRIEF schlägt und wen hatte er vor Augen, als er über mangelndes Vertrauen aus Angst vor Machtverlust schrieb? Mal sehen, ob Sie die Antwort finden. 

„Kinder an die Macht“ textete Herbert Grönemeyer in seinem Song 1985. Er griff damit eine biblische Botschaft auf. Entscheidend für den Weg unserer Welt. Jesus stellt nicht nur diese Machtfrage. Sondern er geht weiter: „Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.“

Die vom Evangelisten Markus geschilderte Szene ist rasch verständlich. Nach einem langen Arbeitstag stellen sich die Jünger schützend vor Jesus. Der Meister braucht eine Pause. Die Frauen, die da am Ende des Tages auch noch ihre Kinder zu Jesus bringen, damit er sie segnet – wie nervig.

Aber Jesus widerspricht seinen Jüngern. Denn: Für Kinder sollte immer Zeit sein.

Schon das ist – wir wissen es – eine Herausforderung. Aber die Szene greift tiefer. Jesus stellt die Welt auf den Kopf.

Er sagt: Lernt von den Kindern. Was? Im Gegenteil dazu fragen wir uns doch: Was können, müssen, sollen Kinder von uns oder in unserem Auftrag lernen?

Und da fällt uns vieles ein: Das Einmaleins, das Schreiben, Gedichte, die Zehn Gebote, Englisch, Tanzen, Meditieren und den Umgang mit dem Internet. Sport und Sozialverhalten auch. Wir leben unter dem Druck, unsere Kinder fit zu machen für unsere Welt. Weil wir wissen, was da gefordert wird, wenn man vorankommen will.

Aber: Ist unsere Welt fit für unsere Kinder? Unsere Welt des Leistens, des Verbrauchens und der Konkurrenz? Was fehlt uns Erwachsenen, was Kinder haben, damit unsere Welt fit wird für die, die nach uns kommen? Jesus hat dazu eine klare Meinung: Die Art der Kinder, mit der Welt umzugehen, öffnet die Türen zum Reich Gottes.

Was ist die Art der Kinder? Kinder zweifeln nicht an der Beziehung, aus der sie leben. Kein Kind kann leben mit dem Misstrauen: Meinen es meine Eltern gut mit mir? Und wenn es so zweifeln müsste, wird es krank. Jesus sagt: Seid wie die Kinder überzeugt: Gott ist vertrauenswürdig.

Kinder wissen: Wenn ich etwas getan habe, was verkehrt war, dann bin ich sicher: Die, die mich lieben, werden es von Herzen gern vergessen, nachdem es angesprochen, in Ordnung gebracht wurde.

Jesus sagt: Das Reich Gottes ist für die da, die umkehren von dem, was verkehrt ist. Und wissen: Wenn ich etwas neu oder wieder gut mache, dann lässt Gott mich neu mit ihm beginnen. Kinder bringen diese Botschaften in unsere oft verkehrte Welt, in der man lernt und erfährt: Ja nicht vertrauen! Sich ja nicht korrigieren! Aus Angst. Vor Machtverlust.

Wenn wir jetzt allen Grund haben, über unser Verhalten auf dieser Welt nachzudenken, bleibt der Hinweis zur Öffnung des Reiches Gottes wichtig.

Unsere Art, welche Türen wir wie öffnen, ist korrekturbedürftig. Und: Es geht auch anders.