In den letzten Zügen: Körpernahe Dienstleistungen auf dem Brett

Es sind die Tage, an denen man froh ist, nur ein Schmierblatt wie die Markranstädter Nachtschichten zu bedienen. Alles kann, nichts muss. Medienopfer wie Anne Will oder Sandra Maischberger müssen weitermachen, auch wenn sich niemand mehr ihre Sendungen anschaut. Wenn hingegen beim Fernschach-Duell Markranstädt gegen die Nachtschichten niemand mehr mitspielt, war’s das. Diese Option scheint jetzt in greifbarer Nähe.

Nur noch vier Mitspieler sitzen auf Markranstädter Seite aktiv am Brett und weil das akademische Viertel regelmäßig den Termin verpennt, kommen seit ein paar Zügen bestenfalls nur drei Vorschläge an.

Zu wenig, um die Partie weiterhin als gesellschaftliches Event zu zelebrieren und Millionen anderer Leser zu langweilen. Mitspieler SNU, der die Entwicklung aufmerksam verfolgt, hat bereits die richtigen Schlüsse gezogen. Er hat uns mitgeteilt, dass er im Falle eines von uns angebotenen Remis darauf eingehen würde.

So einfach wollen wir es uns und Ihnen aber nicht machen. Weiß steht kurz vorm Sieg und den schenkt man nicht mal eben so her. Deshalb folgendes Angebot an die mitspielende Gemeinde: Wenn für den jetzt anstehenden Zug von Weiß nicht Angebote von wenigstens sieben Mitspielern eingehen, wird das Spiel – ähnlich wie die wirklich interessanten Programmpunkte im Stadtrat – im nichtöffentlichen Teil fortgesetzt.

Das heißt: Wir würden dann die verbliebenen drei oder vier Mitspieler persönlich kontaktieren und ihnen vorschlagen, dass wir das Spiel fernab öffentlicher Wahrnehmung einfach unter uns fortzusetzen.

Auf diese Weise werden die anderen Leser nicht mehr mit den langweiligen Vorgängen auf dem Brett genervt und wir sparen uns den Aufwand, das Schach-Chinesisch in satirische Prosa übersetzen zu müssen.

Womit wir beim aktuellen Zug wären. Gewonnen hat der Spaziergang des Bauern von h7 auf h6. Den Tagessieg teilen sich diesmal Elly und Garry K. Elly erhält die Ehrung, weil ihrer Begründungsschrift eine mehrheitsfähige Opferrolle der Glasnost-Welle zu entnehmen ist, die gerade über Markranstädt hereinschwappt und Garry K. werden die Lorbeeren für einen wieder sehr gelungenen Vers zuteil, den er in folgende Bauernregel geschmiedet hat:.

Ist das Virus erst mal weg,
rührt sich der Bauer nicht vom Fleck.
Ist das Virus wieder da,
geht der Bauer auf 6h.

Da brauchten wir diesmal gar nicht nachzudenken, wie darauf zu reagieren sei. Wir wurden mit Tatsachen konfrontiert. Sehen Sie die Hobelspäne auf c3? Dort stand unser Reiter und hat sich angesichts des Zuges von Schwarz einen gewedelt. Sie wissen schon: Fleischpeitsche streichen, Mütze-Glatze-Mütze-Glatze. Bei Holzfiguren ist das eben ein spanabhebender Vorgang.

Unmittelbar danach schwang er sich auf sein Ross und heizte in gestrecktem Galopp auf a4. Von dort sendet er der schwarzen Dame ein definitives Angebot zur Ausführung körpernaher Dienstleistungen.

Die lüsterne Dame

Wird sie darauf eingehen oder ihre Lüsternheit hinter der Wahrung geltender Hygienevorschriften verbergen? Entscheiden Sie selbst!

Um dem händeringend nach Fachkräften suchenden Bürgertum Markranstädts entgegenzukommen, verlängern wir diesmal die Einsendefrist um einige wichtige Abendstunden und schließen den elektronischen Briefkasten am Mittwoch (14. April) erst um 22 Uhr!

 

Markranstädt: Euro auf Talfahrt, Satiriker im Rausch

Die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen der Corona-Pandemie werden immer katastrophaler. Der Kursverfall des Euro gegenüber der Ranstädter Mark hat jetzt in Lallendorf einen traurigen Höhepunkt erreicht. Nicht mal Einbrecher wollen das wertlose Zahlungsmittel mehr haben. Sie ließen die Scheine am Samstagmorgen einfach links liegen.

Als am Samstagmorgen um 4:30 Uhr in der Markranstädter Filiale der Deutschen Bank Alarm ausgelöst wurde, war die Welt für die anrückenden Kripo-Beamten noch in Ordnung.

Routiniert fuhren sie vor, übernahmen den Tatort und ließen die Anwohner wegen der durch die Alarmierung ausgestoßenen Rauchwolke evakuieren. Aber als sie die Bank betraten, folgte die Ernüchterung.

Hatten wahrscheinlich gehofft, Zloty zu finden. Aber wegen ein paar tausend Euro hat sich der Bruck nicht gelohnt.

Hatten wahrscheinlich gehofft, Zloty zu finden. Aber wegen ein paar tausend Euro hat sich der Bruch nicht gelohnt.

Der Geldautomat war zwar sauber zerdroschen worden, aber mit den wertlosen Euronen wollten sich die Täter ihre Flucht offenbar nicht noch zusätzlich erschweren. Lediglich das zertrümmerte Eingabemodul haben sie mitgenommen.

Die Botschaft ist unmissverständlich: Eine zerkloppte Tastatur ist in diesen Tagen mehr wert als eine bis zum Deckel gefüllte Kassette voll tausender Euro-Scheine!

In Sachen Schlüsseltechnologie kannten sich die Insassen des silbergrauen Audi A3 nicht aus. Vielleicht wollten sie am Terminal auch nur eine Runde "Call of duty" zocken und haben aus Frust wegen der Niederlage alles zerkloppt?

In Sachen Schlüsseltechnologie kannten sich die Insassen des silbergrauen Audi A3 nicht aus. Vielleicht wollten sie am Terminal auch nur eine Runde „Call of duty“ zocken und haben aus Frust wegen der Niederlage alles zerkloppt?

Liebe Leser, wir bitten an dieser Stelle um Entschuldigung für diesen ernsten, sachlichen Einsatzbericht aus der Leipziger Straße.

Normalerweise betrachten wir solche Ereignisse aus einem satirischen Blickwinkel, aber da waren diesmal die Kameraden der Markranstädter Feuerwehr nicht nur schneller als wir, sondern auch klar besser.

In deren Einsatzbericht wird dem neugierigen Volke mitgeteilt, dass man wegen unklarer Rauchentwicklung alarmiert wurde.

Weiter heißt es dann: „Vor Ort stellte sich heraus, dass es durch einen unsachgemäßen Umgang mit einem Geldautomaten zu einer Rauchentwicklung gekommen war.“

Zuletzt gabs hier im Sommer 2018 kein Geld mehr, weil ein Automat gesprengt wurde.

Zuletzt gabs hier im Sommer 2018 kein Geld mehr, nachdem ein Automat gesprengt wurde.

Ja. Nee. Also. Da können wir echt nicht mithalten. Also mit der Story an sich schon, aber nicht mit dem Joint, dessen Rauch solche Früchte trägt.

Wir fragen uns, ob der Qualm aus dem roten Auto mit den blauen Lichtern stieg oder aus dem silberfarbenen Audi A3, den Augenzeugen vom Tatort flüchten sahen? Für sachdienliche Hinweise steht Ihnen unser Kommentarbereich zur Verfügung.

 

Aktive Meinungsbildung am Markranstädter Straßenrand

Eine Demo in Markranstädt! Das hatten wir lange nicht. Der Aufmarsch der fünf Frauen vorm Kreisverkehr bei REWE am Donnerstag war für die von demonstrativem Widerspruch entwöhnten Lallendorfer so ungewöhnlich, dass er von manchen Passanten schon als machtvolle Kundgebung wahrgenommen wurde. Was genau die Damen mit ihren Losungen zum Ausdruck bringen wollten, war allerdings kaum erkennbar. Also dann: Fragen kostet nichts…

… heutzutage bestenfalls das Leben. Man könnte ja versehentlich für einen Qualitätsjournalisten von der Lügenpresse gehalten werden und schwupps – schon hat man einen Tunnel im Mund und fährt am Abend mit der Zahnbürste ins Leere.

Aber die Damen sahen nicht nur friedlich aus, sondern waren es auch. Richtig freundlich und nett sogar. Und gesprächig waren sie, obwohl das vor ihrem femininen Migrationshintergrund weniger verwundert.

Sie kämen aus Leipzig, sagten sie, weil demonstrieren in Markranstädt als sicherer gilt. „Je nach Stadtviertel, in dem wir demonstriert haben, ist man in Leipzig entweder Nazi, Linksradikal oder Querdenkerin“, lässt die Wortführerin ihre Erfahrungen wissen.

Ihren Namen will sie aus dem gleichen Grunde nicht sagen. Nur dass es sich um eine „geschlossene Gruppe von 26 Frauen“ handelt, will sie nicht verheimlichen. Keine Corona-Leugner dabei, keine Wehrkraftzersetzer und keine Aktivisten aus dem Bereich „Freiheit für Grönland, weg mit dem Packeis“

Querdenker auch nicht, dafür aber Nachdenker und genau dafür wollen sie die Mitmenschen mit ihrer Aktion sensibilisieren. Nachdenken darüber, ob die Corona-Maßnahmen noch verhältnismäßig sind oder ob wir uns nicht doch schon wie dumme Lämmer führen lassen von all den täglich neuen Wölfen, deren Schafspelze vorgestern Shutdown, gestern Lockdown-Light, heute Ruhetage und morgen Brückenlockdown heißen.

Vor allem drohende Pflichten bringen sie auf die Palme. Test- und Impfpflicht beispielsweise. „Mein Körper gehört mir“, sagt sie, sorgt sich dabei aber hauptsächlich um Kinder, die diese Entscheidung nicht selbst treffen können, aber in Schule oder Kindergarten all das mitmachen müssen. Ungefragt und zunehmend auch uninteressiert.

Man kann dazu stehen wie man will, aber der Beweis für das stoische, nicht hinterfragende Hinnehmen in der Bevölkerung rollt in diesem Moment gerade an der Demo vorbei. Manche hupen euphorisch, andere schütteln in ihren Autos verständnislos die Köpfe. Keiner von ihnen konnte wissen, wofür oder wogegen die Damen am Straßenrand demonstrieren.

Die Reaktionen der Allwissenden

Sie haben von den Losungen auf den Plakaten ein paar Buchstaben aufgeschnappt, bestenfalls ein paar Worte, und haben sich daraus eine Meinung gebildet. Und die dürfen sie schließlich auch kundgeben. Im Gegensatz zu den Demonstranten.

 

Test the Rest: Markranstädts Nasen auf dem Prüfstand

So lange es noch was zu testen gibt… Gerade noch rechtzeitig vor dem Ende der Corona-Pandemie hat am Donnerstag auch in Markranstädt ein Testzentrum seinen Betrieb aufgenommen. Damit kann jeder Markranstädter jetzt auch vor Ort feststellen lassen, ob er Corona hat oder nicht. Was ihm das Wissen um ein negatives Testergebnis nützt, ist jedem selbst überlassen. Ein Versuchskaninchen der Markranstädter Nachtschichten hat den Test mal mitgemacht und seine Erlebnisse mit folgendem Bericht der Nachwelt hinterlassen.

Rund 20 Testlinge aller aktuell 63 Geschlechter und Altersgruppen hatten sich vorm Sportcenter bei sechs Grad Außentemperatur die Füße kalt gestanden, bevor sich pünktlich um 14 Uhr die Pforten öffneten.

Obwohl drinnen alles perfekt organisiert war, riss die Schlange in der folgenden Stunde nicht ab. Immer kamen neue Fleischproben an und bisweilen staute sich das humanoide Testmaterial bis hinunter auf den Fußweg an der Leipziger Straße.

Die goldene Nase

Die erste Testperson in der Markranstädter Corona-Geschichte war Regina Eichler. Die rüstige Seniorin hat es nicht weit von zu Hause bis zum Testzentrum und legte deshalb den Weg zu Fuß zurück.

Regina Eichler ist Markranstädts erste Testperson. Gern ließ sie sich von Beate Lehmann (l.) beim Ausfüllen des Formulars helfen.

Regina Eichler ist Markranstädts erste Testperson. Gern ließ sie sich von Beate Lehmann (l.) beim Ausfüllen des Formulars helfen.

Beim Ausfüllen der Formulare nahm sie dann allerdings gern die Hilfe der Ersten Beigeordneten in Anspruch. Beate Lehmann schob am Donnerstag freiwillig Dienst im Sportcenter, um das Tester-Team zu unterstützen.

Es lebe der Vorgang!

Das Formularwesen erwies sich schnell als die eigentliche Bremse im Testgetriebe. Mit Ausnahme der Konfektionsgröße und der Farbe des Slips wird gefühlt alles abgefragt, was im Datenschutz Rang und Namen hat.

Da wartet man regelrecht auf so unterhaltsame Höhepunkte, dass eine 90-Jährige in der Handtasche nach ihrer Schiefertafel sucht, um darauf ihre E-Mail-Adresse zu googeln.

Der Ablauf kann so zusammengefasst werden. Nach dem Eintritt ins Sportcenter, der erstaunlicherweise ohne Vorlage eines gültigen negativen Testergebnisses erfolgen darf, desinfiziert man artig seine Hände und geht dann an einen Schalter, an dem man Chipkarte oder Ausweis vorlegt und dafür eine Nummer sowie das Formular für die Einverständniserklärung erhält.

Das Formularwesen ist die eigentliche Bremse im Getriebe des Testzentrums. Dafür ist ein separater Bereich eingerichtet.

Das Formularwesen ist die eigentliche Bremse im Getriebe des Testzentrums. Dafür ist ein separater Bereich eingerichtet.

Dieses Formular ist anschließend auszufüllen (übrigens mit dem bürgerlichen Namen und nicht mit der eben zugewiesenen Nummer!) und damit geht’s dann ab in den Wartebereich des eigentlichen Testzentrums. Dort gibt man das Formular ab und wird für den Test registriert. Anschließend hinsetzen und warten.

Maske runter, Nase entblößen!

Wenn’s dann heißt „Der Nächste bitte!“, wird man von einem geschulten Tester des DRK hinter einen Paravent gerufen und muss dort seine Nasenlöcher frei machen. Frauen dürften damit die wenigsten Probleme haben, ist ihnen dieser Vorgang doch aus einer anderen, eine Etage tiefer angesiedelten, medizinischen Disziplin meist sehr vertraut.

Sind die Nase entblößt und die Löcher gespreizt, rammt Ihnen der DRK-Scherge einen Wattestab bis zum Anschlag in die Nüstern und rührt Ihr Gehirn um. Man kann nur raten: Schämen Sie sich Ihrer Tränen nicht! Es ist weder Scham noch Schmerz oder ein anderes Gefühl, das Sie zu deren Ausbruch treibt, sondern ein ganz natürlicher Reflex.

Immerhin haben Sie danach auch rund 15 Minuten Zeit, Ihr persönliches Augenwerk wieder zu trocknen.

In der Zwischenzeit ticken am Display der Testbox die Minuten runter und irgendwann ruft eine der Helferinnen am Schreibtisch Ihre Nummer auf und verkündet Ihr Urteil. Negativ oder positiv, je nach Ihrer Lebensweise in den Stunden zuvor.

Testen bis der Arzt kommt

Das ganze Prozedere können Sie dreimal pro Woche durchleben. Dienstags von 9 bis 13 Uhr, donnerstags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr. Man braucht schließlich jetzt alle Nase lang ein Testergebnis, das nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Bitte mal die Nüstern freimachen.

Bitte mal die Nüstern freimachen.

Es ist davon auszugehen, dass Sie als erfahrene Testperson nach den ersten zehn-zwölf Tests gar nichts mehr spüren und nicht mal mehr Tränen vergießen. Ihre Nasenlöcher haben dann die Spannkraft des Beckenbodens einer Mehrfachgebärenden und die einstige Schleimhaut wurde von Hornhaut verdrängt, gegen die sich Ihre rissigen Fersen wie ein Babyhintern anfühlen.

Typisch: alle negativ

Alles zum Wohle Ihrer Gesundheit. Zumindest für die nächsten Minuten. Bis Ihnen draußen auf der Straße ein Infizierter um den Hals fällt, um Ihnen seinen Respekt für den Mut zum Test auszudrücken.

Am Ende des Tages wurden übrigens 134 Markranstädter getestet. Alle Ergebnisse waren identisch mit der Stimmungslage in Lallendorf: negativ.

 

Das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde


Die Markranstädter Schachgemeinde fasst sich kurz, also tun wir das auch. Es scheint so, als hätte sich die Partie so weit entwickelt, dass in Kürze das große Gemetzel beginnt. Noch umschleichen und beschnuppern sich die hölzernen Landser mit einer Mischung aus Respekt und Vorsicht, tasten sich ab und lunsen argwöhnisch nach der gegnerischen Bewaffnung.

So langsam wird’s eintönig, was da so von Seiten des einfallslosen Bürgertums kommt. Während sich Garri K. bei den Markranstädter Nachtschichten mit selbstmordähnlichen Kamikazezügen einschleimen will, ist SNU auf bestem Wege, sich selbst zum Schachkönig von Markranstädt zu krönen.

„Pferd g8 springt auf e7 zur Fraktionssitzung mit dem Chef um weitere Schandtaten abzusprechen“, begründet er den Zug des Tages.

So sei es. Der Vorstoß des Gauls in das Herpes-Indizenzgebiet hebt uns nicht an. Im Gegenteil, so können wir in Ruhe weiter am Stuhl des schwarzen Königs sägen und unser Pferd in eine bislang nicht erschlossene Gegend vorpreschen lassen. Der Schimmel rückt von f3 in gemächlichem Trab vor auf g5.

Mal sehen, ob es diesmal mehr als die zuletzt üblichen drei Mitspieler ans Brett zieht. Ansonsten sieht’s schlecht aus für Markranstädt.

 

Philosophie am Brett: Tierschutz gegen Denkmalschutz

Schade, beinahe wäre der Ostersonntag als Tag des Sieges der Markranstädter Nachtschichten gegen das Volk in die Annalen der Stadt eingegangen. Sozusagen in letzter Sekunde wurde das Bürgertum allerdings noch einmal gerettet. Die Lallendorfer Schach-Troika Elly, SNU und Garri K. wehrte sich mit der Macht der Verzweiflung gegen den drohenden Untergang. Allerdings waren die vorgeschlagenen Gegenzüge mehrheitlich von Suizidgedanken geprägt.

„Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück“, ließ Garri K. seine Kavallerie wissen und rief sie zum Desertieren nach c6 auf. Zur Erinnerung: Von dort kam sie gerade eben erst angeprescht.

Typisch Frau, könnte man beim Kontervorschlag von Elly meinen. Die Ansage war zwar klar und deutlich, der Grund allerdings für das männlich dominierte Heer schwer zu verstehen.

Ein Bauchgefühl wahrscheinlich, weil der Gaul auf g8 so langsam einen Standplatten in den Hufeisen kriegt. So wollte sie das Tier aus Mitleid mal auf h6 bewegen. Dass sie damit den Turm auf a8 zum Einsturz und die Markranstädter Bürgerstreitmacht auf den Weg in den sicheren Untergang bringt, hat sie dem Tierschutz untergeordnet.

So geht der Zug des Tages diesmal wieder an SNU. Statt Tierschutz steht bei ihm der Denkmalschutz ganz oben auf der Agenda. Er hat die Gefahr für den maroden Turm der Zuckerfabrik auf a8 erkannt und schickt den Läufer von c8 als statische Stütze nach b7. Ein taktisch exzellent vorgetragenes und sprachlich brillant formuliertes Bewerbungsschreiben ans Bauamt im Rathaus.

Dort hat man allerdings andere Prioritäten. Weder Tier- noch Denkmalschutz stehen im Rathaus ganz oben auf der Agenda, sondern gute Presse. Ohne die kann man bekanntlich keine Schlacht gewinnen.

Wir nehmen die Einladung zur Pressekonferenz gern an, satteln dazu unseren Rappen auf b1 und schicken auf dessen Rücken einen Reporter nach c3. Dort kann er sich aus sicherer Entfernung anhören, wie wichtig der Erhalt der Ruine auf a8 für unser aller Markranstädt ist.

Man könnte sie beispielsweise nach der Corona-Pandemie zu einem Impfzentrum ertüchtigen. Sozusagen als Synergieeffekt hätte man zur Gestaltung des Wartezimmers auch gleich einen Verwendungszweck für bis dahin noch nicht installierte Stadtmöbel.

Wir lernen: Schach ist ein geistiges Anwendungsprogramm für gelebte Visionen. Warum also nicht auch mal einen Fahrstuhl für 1,5 Millionen Öcken am Brett anbringen? Da müssten sich die versehrten schwarzen Krieger nicht ständig von uns schlagen lassen, sondern könnten behindertengerecht via Lift in die Figurenbox fliehen. Man muss schließlich auch beim Schach ritterlich verlieren können.

Hier der aktuelle Stand nach dem 15. Zug der ganz in unschuldiges Weiß gekleideten Markransädter Nachtschichten. Wehren Sie sich und senden Sie uns Ihren Gegenzug samt stichhaltiger satirischer Begründung bis Mittwoch 15 Uhr zu!

Was bisher geschah:

1. B e2 e4 : B e7 e6 2. B d2 d4 : B c7 c6 3. L f1 d3 : B b7 b5 4. S g1f3 : L f8 e7 5. B e4 e5 : B b5 b46. B a2 a3 : B c6 c57. B d4 c5 : L e7 c5 8. B a3 b4 : L c5 b49. L c1 d2 : D d8 b6 10. oo : S b8 c6 11. B c2 c3 : L b4 c5 12. B b2 b4 : L c5 d413. B c3 d4: S c6 b4 – 14. L d3 e4 : L c8 b7 – 15. S b1 c3: