+ + + Covid (19) aus Markranstädt will Freundin: Er mit Traumkörper sucht Sie mit Antikörpern + + +  

Wie man vom Orakel zum Krisengewinnler wird

Ob das letzte Nacht wirklich die letzte Zeitumstellung war? Egal: In Markranstädt soll es jedenfalls Stimmen gegeben haben, die angesichts des aktuellen Krisenmanagements fordern wollten, dass die Uhren gleich bis Ende September vorgestellt werden. Einzig die Jungs mit dem schnellen Orgasmus werden sich gefreut haben. Kaum angefangen, hatten sie schon eine Stunde durchgehalten. Sie merken schon, liebe Leser: Der MN-Chef hat mal wieder aus innerem Antrieb zur Feder gegriffen.

So ein Home-Office [sächs. Houmoffis] ist gewöhnungsbedürftig. Nicht nur weil man sich nebenbei öfter auch zur Erledigung diverser Hausarbeiten genötigt sieht.

Das dreckige Geschirr in der Spüle zählt plötzlich zum erweiterten Arbeitsumfeld, schließlich soll es ja auch dort ordentlich aussehen und vom Houmoffis hab ich direkten Blick zum Trümmerfeld. Erst als ich den Spüler schon bestückt hatte, fiel mir ein, dass ja sowieso niemand zu Besuch kommt. Alles umsonst!

Und dann immer wieder der Blick in die Nachrichtenkanäle. Ich weiß jetzt, wie Helden gemacht werden. Angeblich wollte Donald Trump dem Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp das Rezept gegen Corona-Viren abkaufen. Hopp weigerte sich, gilt fortan als patriotischer Nationalheld und wird demnächst sicher Bundestrainer.

Lesen im Kaffeesatz

Gesundheitsminister Jens Spahn könnte auf die gleiche Weise Kanzler werden. Einfach in die Medien lancieren, dass Trump ihn ob seiner Kompetenzen als Krisenmanager in seinem Beraterstab haben will und sich dann entrüstet als Deutscher outen, der in dieser schweren Zeit zu seinem Volke steht. Blöd nur, dass ihm das keiner glauben wird. Also das mit den Kompetenzen.

Habe ich vor anderthalb Wochen wirklich vorausgesehen, dass die Kondome knapp werden? Mal kurz nachschauen … ja, hab ich! Ist ja irre. Sogar die Weissagung mit der Hautcreme hat gestimmt. Ich bin ein Orakel!

Mal schauen, ob das auch weiterhin funktioniert. Also ich sage voraus, dass es in diesem Jahr keine Sportveranstaltung vor Publikum mehr gibt.

Ich sage hiermit weiterhin feierlich voraus, dass speziell die Deutschen jetzt den sanften Tourismus für sich entdecken und nicht mehr rund um die Welt fliegen und ich sage voraus, dass das trotzdem nicht schlimm ist. Warum?

Warum es so wird wie es wird

Ahnen wir doch mal gemeinsam. Kein Mensch mit halbwegs Verstand wird sich in den nächsten drei Jahren freiwillig in ein rappelvolles Stadion begeben. Gleich gar nicht vorher Dauerkarten kaufen, wenn nicht absehbar ist, wann und wo der nächste Virus geboren wird.

Am 30. Juni laufen viele Profiverträge aus und auch die Vereine werden kaum noch Millionen für Spieler ausgeben (wenn sie die überhaupt noch haben), die möglicherweise nicht oder nur vor leeren Rängen spielen.

Da verdienen die dann nicht mehr zehn Millionen, sondern vielleicht nur noch so viel wie ich. Ich finde da nichts verwerflich dran, dass auch Lewandowski & Co. mal ihre Euros umdrehen müssen.

Bald verdiene ich so viel wie Messi

Im Gegenteil, das macht sie dann gleich viel authentischer und sie sind dann das, was sie immer zu sein vorgaben: Welche wie wir. Und dass ihre Berater dann richtig arbeiten müssen, käme auch der ganzen Gesellschaft zugute. Also ich freu mich drauf, echt jetzt.

Die Fans, die mal was live sehen wollen, gehen dann zu Dorfvereinen wie Markranstädt, Kulkwitz, Großlehna oder Räpitz, weil sie sich dort nicht anstecken können. Die Abstände unter den Zuschauern sind dort traditionell zu groß für geschlossene Infektionsketten. Zurück zu den Wurzeln. Auch darauf freue ich mich.

Das mit dem Urlaub ist ebenfalls nicht tragisch. Ich frage mich sowieso, warum ich dafür mitbezahlen muss, dass Leute aus allen Gegenden der Welt heim ins Reich geholt werden, die während der Krise erst losgeflogen sind, weil ihnen sämtliche Warnungen scheißegal waren.

Heimat all inclusive

Wir haben doch heute alle Möglichkeiten, nicht dahin zu müssen. Via Internet kann man von zu Hause aus sogar durch die Pyramiden von Gizeh wandeln. Und wer es unbedingt braucht, seine Freunde auf Facebook mit seinem Profilbild mit dem Taj Mahal im Hintergrund zu beeindrucken, der kann sich fürs Selfie auch vor den Fernseher stellen.

Ich stelle mir gerade die staunenden Gesichter Markranstädter Touristen vor, wenn sie tief beeindruckt vor dem monumentalen Völkerschlachtdenkmal stehen und der Guide ihnen erklärt, dass das schon seit 1913 hier steht. Im Tagesprogramm ist dann selbstverständlich auch ein Abstecher zum Leipziger Kolosseum am ehemaligen Sportforum vorgesehen. Brot und Spiele – gabs auch in der Messestadt mal.

Erinnerungen mit Wertsteigerung

Sie sehen, so eine Krise bietet unheimlich viel Neues und auch endlos viele Chancen. Ich habe festgestellt, dass ich allein durch die Bewahrung sentimentaler Erinnerungsstücke reicher geworden bin. In einer Wühlkiste fand ich ein Kondom, das damals noch Mondo hieß. Sie erinnern sich? „Mondos GOLD – E. Kästner, Dresden – diskreter Versand“. Ja, ja – Onlinehandel gabs schon zu DDR-Zeiten.

Das Ding nannte sich damals im Volksmund „Gummifuffzscher“, weil er am Automaten für 50 Pfennige gezogen werden konnte. Wenn ich jetzt mal so auf die aktuelle Situation schaue, hat sich der Wert dieser Lustbremse in den letzten Tagen vervielfacht. Ich bin nicht nur ein Orakel, ich bin ein Krisengewinnler!

 






3 Comments to Wie man vom Orakel zum Krisengewinnler wird

  1. jabadu sagt:

    Ja, Kondome werden knapp. Habe gehört, dass der Reifenhersteller Kontinen-tal Unmengen Kondome aufgekauft hätte. Die frühere Konsumgüterproduktion soll wiederbelebt werden. Genau so wie Bergmann Borsig (https://de.wikipedia.org/wiki/Bebo_Sher) Rasierapparate gebaut hat, will Kontinen-tal seine Vulkanisierkapazitäten dazu einsetzen, aus Kondomen Schutzhandschuhe herzustellen.
    Hauptsache man kriegt in den Handschuhen keine steifen Finger.

  2. Tilo Lehmann sagt:

    Hi hi, hübsch….was zum schmunzeln in dieser Zeit, tut gut.

  3. Snu sagt:

    So viele Artikel wie in letzter Zeit gab es noch nie. Da habe ich für den Chefredakteur ein paar Tipps als Alternative zum Homoffis: Sport ist erlaubt, also kann man mal Radfahren oder joggen- ist übrigens gut für die Figur. Der Gebrauch der Mondos aus Siebenlehn erscheint mir bedenklich – da könnte es eventuell doch nochmal klappen. Bei Bedarf könnte ich noch ein paar blaue Pillen zur Verfügung stellen.

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