Markranstädt singt sich mit neuer Globalhymne ins Achtelfinale

Alle vier Jahre das selbe Spiel: Pünktlich zur kontinentalen Fußballmeisterschaft trällert ganz Europa seine Hymnen. Ganz Europa? Nein. Ein kleines Volk zwischen Ostsee und Alpen leistet der Tradition seit Äonen erbitterten Widerstand. Statt aufzustehen und mit den Händen auf dem Herzen inbrünstig mitzusingen, fläzen die deutschen Schlachtenbummler mit ihren Bierbechern lustlos auf den Rängen rum und warten auf den Anpfiff. Warum? Nun, der Text ist absolut peinlich, die Vokabeln völlig aus der Mode gekommen und die Kernaussage sowas von revanchistisch, voller sexueller Stereotype und kultureller Aneignung, dass man sich schon beim Zuhören strafbar macht. Zeit also, um einen vor Jahren schon mal eingebrachten Vorschlag der Markranstädter Nachtschichten wieder ans Licht zu holen: Wir gendern das Epos um!

Fangen wir gleich beim Titel an. Nationalhymne. Was soll denn das? National – dieser revanchistische Begriff wurde schon von den Nazis verwendet.

Derart vorbelastet, wird das Abspielen des Liedes bei jedem Staatsempfang und jeder Siegerehrung zu einem machtvollen Bekenntnis für den nächsten Blitzkrieg. Außerdem leben wir im Zeitalter des Schengen-Abkommens mit verschwindenden Grenzen und zunehmender Globalisierung. Also wenn überhaupt, dann schon „Globalhymne“!

Dann heißt es in der ersten Zeile „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Zugegeben, das geht so wirklich nicht.

Einigkeit …

Einigkeit – diese Pauschalisierung ist unerträglich. Der Mensch zeichnet sich durch Individualität aus. Dadurch ist er auch besser kontrollierbar. Man sieht’s ja am Wahlergebnis, wohin das führt, wenn sich Leute einig sind. Also statt Einigkeit dann lieber doch Individualität.

… und Recht …

Was ist Recht? Das deutsche Recht fußt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf Paragrafen aus einer Zeit, der wir uns aus Verantwortung für unsere eigene Geschichte endlich mal stellen müssen.

Der Alltag zeigt ja in all seinen Facetten, dass man Rechten den Kampf angesagt hat. Da kann man die nicht noch in einer Hymne feiern. Links allerdings auch nicht. Beide Extreme sind in unserer woken Gesellschaft sowohl unversöhnlich als auch unvertöchterlich. Nehmen wir also den Begriff Mitte. Der hat sich bewährt.

… und Freiheit

Freiheit – das klingt zwar gut, aber das Ziel unserer Gesellschaft ist die totale Demokratie. Da muss man mal ein Stück voraus denken! Wenn wir diese Gesellschaftsform dereinst erreicht haben, steht dann in unserer Hymne immer noch der Begriff „Freiheit“, obwohl wir diese Etappe längst überwunden haben.

Also … da können und sollten wir das wirklich gleich heute schon ändern. Pflichten! Ja, dafür ist der Deutsche eher zu haben als für Freiheit und damit lässt er sich auch geistig besser abfüttern. Nehmen wir also ruhig mal den Begriff „Pflichten“.

…für das deutsche Vaterland

Also das geht ja nun überhaupt nicht! Schon dieser nationalistische Hinweis auf ewig-gestrige Lehrmeinungen der Geografie. Deutsch! Was ist deutsch?

Deutsch gibt es bestenfalls noch als Vorliebe beim Sex, neben französisch (blasen), griechisch (durchs Mokkastübchen) oder polnisch (am nächsten Morgen ist die Frau weg). Deutsch ist, wenn’s pünktlich losgeht. Also wenn schon eine deutsche Tugend in einer Hymne besungen werden soll, dann „pünktlich“.

Und der Begriff „Vaterland“ ist ja nun wirklich ein Faustschlag ins Gesicht aller feminimösen Teilnehmer unseres Volkes. Haben Mütter kein Recht auf eine Heimat? Warum hier wieder diese ekelhafte, unerträgliche und männlich sexualisierte Polemik?

Gut, bei „Mutterland“ hätten wieder die Väter was zu meckern, also dann doch die geschlechtsneutrale Variante der Eltern. Und – äh- ja – „Land“. Was ist mit Wasser? Die Globalhymne muss man ja auch in Mecklenburg-Vorpommern absingen können. Einigen wir uns also auf die Terminologie des „Elterngebietes“. Ja, das ist gut!

Wo stehen wir jetzt eigentlich? Ach ja: „Individualität und Mitte und Pflichten für das pünktliche Elterngebiet“. Wow, das klingt gut, könnte von Ricarda Lang sein. Also weiter im Text.

… danach lasst uns alle streben

Was’n Blödsinn! Da wird uns seit Jahren gelehrt, dass die Politik in diesem Lande alles für uns richtet und wir nach nichts mehr zu streben brauchen, und in unserer Globalhymne sollen wir plötzlich aktiv werden? Hier passt nur „ruhen“!

Und „danach“ geht schon gar nicht, wenn man in die Zukunft blicken will. Da muss man schon eher aufstehen und deshalb kann es nur „davor“ heißen. Also „… davor lasst uns alle ruhen“, so wird ein Schuh draus! Wir kommen dem Ziel näher….

…brüderlich

Wieder so eine Ausgeburt rein männlichen Denkens unter Missachtung jener Ethnie, die das Essen der Testosteronträger umrührt.

Schwesterlich ginge schon eher, aber damit man auch in Bayern voller Inbrunst mitsingen kann, sollte man wenigstens den genderneutralen Begriff „divers“ bemühen.

… mit Herz …

Das gehört aber nun endgültig ins Mittelalter! In einer Gesellschaft von Herz zu sprechen, in der fast 1000 Tafeln nötig sind, um die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen und in der es weder genügend noch bezahlbare Dächer über den Köpfen gibt von Herz zu sprechen … also da könnte man auf die Neugenderung der Globalhymne auch komplett verzichten und gleich wieder auf die erste Strophe zurückgreifen. „Profit“ klingt da schon überzeugender.

… und Hand.

Auch „Hand“ ist wenig glaubhaft, wo der wertschöpfende Mensch zur aussterbenden Art gehört und mit dem von Gott gegebenen Greifwerkzeug bestenfalls noch Geld gezählt oder auf Spielekonsolen gedaddelt wird. Wer muss im Zeitalter des Bürgergeldes noch mit den Händen arbeiten? Einigen wir uns also auf „Bürgergeld“.

Hymnische Zeilen

Fassen wir die ersten Zeilen unserer neuen Globalhymne zusammen:

Individualität und Mitte und Pflichten
für das pünktliche Elterngebiet,
davor lasst uns alle ruhen,
divers mit Profit und Bürgergeld.

Klingt noch ein wenig holprig, aber wir wollen es ja nicht gleich übertreiben. Schließlich sollen ja auch jene unserer Globalspieler, Reporter und Experten das Poem vor dem Achtelfinale noch schnell auswendig lernen können, die es nicht so mit unserer Elternsprache haben. Zum Beispiel Rolf Töpperwien („Das ist überlebensnotwichtig für den Verein“), Andreas Möller („Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl“) oder Olaf Thon („Ich hatte ihn nur ganz leicht retuschiert“).

Helm ab zum Gebet

In diesem Sinne: Wenn’s am Samstag vor dem ersten K.O.-Spiel zum Showdown mit der Globalhymne kommt, machen Sie’s ruhig mal wie andere Europäer auch. Stehen Sie auf, legen die rechte Hand aufs linke Herz und singen Sie inbrünstig mit. Den Text kennen Sie ja nun.

Markranstädter Schule macht Schule: Ferienbeginn mit Paukenschlag

Die großen Ferien haben begonnen. An der Markranstädter Oberschule ließ man das alte Schuljahr mit einem Paukenschlag ausklingen. Sowohl an der Haupt- als auch der Realschule haben sämtliche 85 Entlassungskandidaten (EK) ihren Abschluss geschafft. Nicht mal Schulverweigerer gab es darunter und jeder hat eine Ausbildungsstelle. Was ihre auf den Appellplätzen der POS gestählten Großeltern noch als völlig normalen Zustand in Erinnerung haben, könnte derweil an anderen deutschen Bildungsstandorten der Neuzeit Verwunderung bis hin zu Neid auslösen. Was machen die da in Markranstädt? Oder besser gefragt: Was machen die anders?

Manche machen es an der Schulleiterin fest, seit deren Inthronisierung die muffigen Klassenzimmer ebenso wie die darin brütenden Gedanken mit frischem Wind durchlüftet werden.

Das stimmt aber nur bedingt. Man muss nicht weit schauen, um festzustellen, dass selbst ein neuer, mit zweimeterdreizehn über Normalnull alles überblickender Lockenschopf nur dann frische Aromen wittern kann, wenn sich auch die im darunter befindlichen Torso räkelnden Organe an einen neuen Stoffwechsel gewöhnen wollen. Daher auch der Begriff vom Lehrkörper, der sich an der Oberschule offenbar besserer Gesundheit erfreut als anderswo.

Ursachenforschung

Über das Erfolgsmodell, das in der Parkstraße Einzug gehalten hat, wurde schon viel philosophiert. Pädagogen, Programme, Projekte – alles ist aus sämtlichen Meta-Ebenen beäugt und ausgewertet worden. Nur zwei Faktoren nicht, die vor dem Hintergrund pädagogisch angewandter Satire die eigentlichen Gründe für den Aufwärtstrend sind. Allerdings sind die aus gesellschaftspolitischer Sicht kaum salonfähig und werden deshalb gern etwas unter dem Radar gehandelt.

Lesen bildet nicht immer, aber wohl dem, der's kann.

Lesen bildet nicht immer, aber wohl dem, der’s kann.

Wir erleben eine heimlich vollzogene Rückkehr zu den pädagogischen Werten der Ära jener blauhaarigen Zarin, die einst als „Miss Bildung“ den Klassenkampf gegen Fachkräftemangel in Ostelbien anführte.

Es war nicht alles schlecht

Freilich kann man ihre Erfindung des UTP-Unterrichts nicht einfach so übernehmen, schließlich war der ja Teil des Bildungssystems eines parteimonopolistisch geführten Unrechtsstaates und darüber hinaus müssten wegen des Urheberrechts millionenschwere Tantiemen an ihre Erben nach Chile transferiert werden.

Aber es gibt da einen Trick. Ebenso wie bei der Umbenennung der Poliklinik in ein Medizinisches Versorgungszentrum oder der Neuerfindung alter Kombinate unter dem Begriff Holding, kann man auch den ESP- oder UTP-Unterricht völlig unverfänglich als wöchentlichen „Praxistag“ ausrufen. So geschehen in Markranstädt – und der Lohn ließ mit einer Abschlussquote von 100 Prozent der Absolventen nicht lange auf sich warten.

Nachsitzen als „sozialer Dienst“

Eigentlich auch nur alter Wein in neuen Schläuchen, gleichwohl von erstaunlichem Erfolg gekrönt, ist die Durchsetzung von Respekt, Ordnung und Disziplin in den Klassenzimmern. Nein, nicht mittels traumatisierender Besinnungszeit in einem als Chilling-Room getarnten Karzer und auch nicht mit neuzeitlichen Rollenspielen unter Leitung einer den Rohrstock schwingenden Sozialgouvernante in schwarzem Lederdress.

Wer die Rute spart, verdirbt das Kind, das danach außerdem nicht mehr in der Lage ist, nachzusitzen.

Wer die Rute spart, verdirbt das Kind, das danach außerdem nicht mehr in der Lage ist, nachzusitzen.

Es hat gereicht, zur Ahndung von Verstößen das gute alte Nachsitzen wieder einzuführen.

Weil’s zieht

Man mag’s kaum glauben, aber das zieht! Angesichts des zu erwartenden Umsatzes wegen Kinderarbeit, Zwangsdienst oder Freiheitsberaubung hat man sich in den Anwaltskanzleien anfänglich vielleicht noch die Hände gerieben, doch die Mandate blieben aus.

Friede den Hütten

Inzwischen profitieren sogar die Eltern der Opfer dieser als „sozialer Dienst“ verharmlosten schwarzen Pädagogik des Nachsitzens. „Seit acht Monaten keine neuen Graffiti am Kühlschrank“, frohlockt eine Mutter, und „Sie spült das Klopapier jetzt runter, statt es in den Flur zu werfen“, freut sich eine andere über den in unserer gesellschaftlichen Entwicklungsstufe nicht mehr für möglich gehaltenen interfamiliären Klimawandel.

UTP-Unterricht und Nachsitzen – was einst die Jugend als Kampfreserve der Partei stählen sollte, hat allein aus der Markranstädter Oberschule in diesem Jahr über 70 händeringend gesuchte Fachkräfte auf den hiesigen Arbeitsmarkt gespült. Aus eigenem Anbau wohlgemerkt.

Fachkräfte aus eigenem Anbau

Und genau das ist der Clou im Schulkonzept „made in markranstädt“: Während in Berlin mit dem Import von Hilfswilligen die eigene Jugend längst aufgegeben wurde, hat man in Lallendorf schon frühzeitig erkannt, dass man selbst über genügend eigene genetische Ressourcen verfügt.

Die zu nutzen, darauf muss man allerdings erst mal kommen! Ein dreifach Chapeau in die Parkstraße.

Denen ein Licht aufgeht

Obwohl … manchmal dauert es einfach nur etwas länger, bis so eine Erkenntnis salonfähig wird. Aber irgendwann ist der richtige Zeitpunkt von ganz allein gereift, um die Menschheit zu erleuchten und sie auf vermeintlich neue Wege zu bringen. Man muss ihnen dann halt nur neue Namen geben, den alten Werten.

Warum in die Ferne schweifen, wenn es Arbeitskräfte auch aus eigenem Anbau gibt?

Warum in die Ferne schweifen, wenn es Arbeitskräfte auch aus eigenem Anbau gibt?

Mal sehen, was sich die Handwerkskammer dazu einfallen lässt, jetzt, wo auch sie in den Apfel der Erkenntnis gebissen hat und aus dem bequemen Garten Eden der „Wir schaffen das“-Prophetin (Buch: Angela 08.15) in die Wirklichkeit hinaustritt.

Schule macht Schule

Im schlimmsten Fall wird ein IMS-Förderprogramm erfunden (International Manpower Substitution), mit dem sich der Vorruhestand junger Fachkräfte weiter subventionieren lässt. Vielleicht aber ist jetzt auch die Zeit reif für die Hoffnung, dass man auch in der Handwerkskammer bereit ist, noch mal von einer Schule zu lernen.

Markranstädter Rathaus-Geist enthüllt Verbleib der verschwundenen Akten

Nach wie vor ranken sich geheimnisumwitterte Legenden um verschwundene Akten, die der Menschheit die Geschichte um die Errichtung des neuen Markranstädter Stadtbades erklären könnten. Zuletzt ist sogar ein als Akteneinsichtsausschuss gestartetes Archäologen-Team bei seinen Ausgrabungen daran gescheitert, forensisch belastbare Indizien zum Verbleib der historisch wertvollen Artefakte rund um den Bau der auch als achtes Weltwunder bezeichneten Vergnügungsstätte zu finden. Höchste Zeit, neue Wege zu beschreiten, um das Rätsel endlich zu lösen. Zwar ist der zuständige Tempelpriester bei der Pharaonin inzwischen in Ungnade gefallen und musste ins sachsen-anhaltinische Exil fliehen, aber sein Geist schwirrt nach wie vor im Rathaus umher.

Den Markranstädter Nachtschichten ist es gelungen, ihn zu finden und mit einer Flasche Grappa seine Zunge zu lösen.

Fangen wir mal im Urschleim an: Wurde hier vielleicht nach einem Phantom gefahndet? Also gab es die Akten eigentlich wirklich und wenn ja, wo?

Die Akten standen einige Wochen auf einem Tisch in meinem Büro. Um die Wichtigkeit meiner dienstlichen Aufgaben auch optisch greifbar zu machen, stehen in meinem Büro gleich mehrere Tische. Trotzdem kam dann ein Gefühl von Beklemmung auf, wenn man mehrere Baupläne ausbreiten will. Folglich empfand ich die ständige Konfrontation mit selbigen als wenig zweckmäßig.

Also haben Sie … was gemacht?

In der Küche war kein Platz, sie in den Wellness-Bereich abzuschieben, erschien mir reizvoll, aber doch etwas gewagt. Auch wenn an zweilagigem Toilettenpapier aktuell kein Mangel vorlag. Aber man weiß ja nie…

Auch wenn's nur ein Geist ist: Wenigstens einer äußert sich zu den verschwundenen Akten.

Auch wenn’s nur ein Geist ist: Wenigstens einer äußert sich zu den verschwundenen Akten.

Verständlich, zumal selbst benutztes Toilettenpapier als eine Art analoger Browserverlauf dienen und zum belastenden Indiz werden könnte.

Jedenfalls kam mir dann der verwegene Gedanke, dieses wertvolle Konvolut in einen der angenehm zurückhaltend gestalteten Aktenschränke zu verstauen, um sie für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Akten in einem Aktenschrank lagern: Darauf muss man aber wirklich erst mal kommen.

Weil die Büros im Amt konsequent nach Feng Shui durchgestylt sind, verfügen die analogen Datengräber über Türen. Böse Geister können dann nicht durch das ganze Rathaus diffundieren.

Wie von Geisterhand verschwunden und wieder aufgetaucht.

Wie von Geisterhand verschwunden und wieder aufgetaucht.

Aha, kein schlechter Ansatzpunkt, dieser schamanische Grundgedanke. Andere hätten vielleicht überall im Rathaus Traumfänger aufgehängt oder Räucherstäbchen angezündet. Okay, was geschah dann?

Nun begab es sich, dass während meiner Abwesenheit eine bedienstete Person in meinen einsamen Tempel beordert wurde mit der Aufgabe, besagte Schriftrollen von dort in den Ratsaal zu schaffen. Dass diese nicht wie gewohnt auf dem Tisch standen, bereitete bei dieser Amtshandlung unerwarteten Verdruss.

Ein leerer Schreibtisch in einer Amtsstube ist doch aber nicht ungewöhnlich? Aber okay. Also hat man im Wellness-Bereich und auf der Toilette archäologische Grabungen vorgenommen oder wie?

Gut, per Chat GPT wäre man gegebenenfalls zu einer Lösung gekommen. Nur gibt das dann ein großes Hallo bei der forensischen Untersuchung des Browserverlaufs. Folglich wurde diese Amtshandlung aus Gewissensgründen unverzüglich abgebrochen.

Oh, Gewissen gibt’s auch noch? Jetzt hören Sie aber auf! Aber zurück zur Kernfrage: Am Ende sollen die Akten wie von Geisterhand getragen wieder aufgetaucht sein. Wie kam es denn dazu?

Erst nachdem ich einen berittenen Boten mit einer Schatzkarte entsandt hatte, konnte das Mysterium zur allseitigen Zufriedenheit aufgeklärt werden. Seit diesem denkwürdigen Tag bekomme ich regelmäßig parfümierte Briefe aus dem Orakel. Getreu dem Wahlspruch „mit Energie in den Wahnsinn“.

Vielen Dank für die Erleuchtung, sie müssen jetzt sicher weiterspuken. Viel Spaß dabei.

Wer würde auch darauf kommen, Akten in einem Aktenschrank zu suchen? Der ist dazu da, um drauf Staub zu wischen.

Wer würde auch darauf kommen, Akten in einem Aktenschrank zu suchen? Der ist dazu da, um drauf Staub zu wischen.

Für den gemeinen homo marcransis bleibt nach diesem Ausflug in die mystische Parallelwelt allein ein tiefes Verständnis dafür, dass man damit niemals ernsthaft an die Öffentlichkeit gehen kann. Zu groß ist die Gefahr, dass die Stadt danach eingezäunt wird und als größte Freiluftpsychiatrie der Welt in die Geschichte eingeht. Geister, Spuk und dann auch noch Akten in Aktenschränken – wo gibt’s denn sowas?

Wer hat hier einen neuen Markranstädter Stadtrat gewählt?

Will man den vielfältigen Verlautbarungen Glauben schenken, hat Markranstädt am vergangenen Sonntag einen neuen Stadtrat gewählt. Aber mit dem Glauben ist das so eine Sache. Wie heißt es doch gleich? Wer viel weiß, muss nicht alles glauben. Blicken wir also mal mutig hinter die Zahlen und stellen gemeinsam fest: Die Mehrheit des homo marcransis hat nicht einen Stadtrat, sondern ganz bewusst keinen Stadtrat gewählt. Wozu auch?

Bei den folgenden mathematischen Operationen dürfen Sie Ihre Finger ruhig auf der Tischplatte liegenlassen. Sie können getrost glauben, was wir Ihnen da zusammengerechnet haben.

Insgesamt waren in Lallendorf 13.253 Mitmenschinnen und Mitmenschen an die Urne gerufen worden. Allein 4.173 davon sind trotz aller Versprechungen wie Bierpreisbremse, Döner den Deutschen oder Abtreibungsverbot auf dem Kulki gar nicht erst hingegangen.

Das Ergebnis aus "Drei gewinnt".

Das Ergebnis aus „Drei gewinnt“.

Mithin blieben lediglich 9.116 Leute übrig, die ihre Neigungen zu Origami durch das Zusammenfalten von Denkzetteln ausleben wollten. Nach dem neuen deutschen Dreisatz (Habeck plus Lindner durch Scholz) macht das gerade mal noch 68,78 Prozent.

Denkzettel falten

Doch selbst von denen haben die Wenigsten einen neuen Stadtrat gewählt. Um genau zu sein: Satte 5.544 Stimmen haben sich grundsätzlich gegen die Wahl dieses Gremiums gerichtet. Mindestens!

Wie diese Zahl zustande kommt und was dahintersteckt, haben die Markranstädter Nachtschichten zunächst nüchtern analysiert, dann allerdings nicht mehr ganz so nüchtern in Worte fassen können. Es fehlt also noch der letzte wissenschaftliche Beweis für die folgende These.

Nüchterne Mathematik

Die 5.544 Stimmen gegen die Wahl eines neuen Stadtrats ergeben sich aus der Formel x + y = z. Wenn wir nun für x die Stimmenanzahl des am meisten gewählten Kandidaten einsetzen und für y die Votes für die am zweithäufigsten gelikte Bewerberin, kommt man nach Addition von 3008 und 2.536 auf genau jene 5.544 Stimmen. Aber warum sind das eigentlich Gegenstimmen?

Je t’aime: Wer wählt wen und vor allem: Warum?

Beginnen wir mit den Kreuzen für Mister X. Der hat zwar offiziell schon eine halbe Legislatur im Markranstädter Stadtrat hinter sich, aber auf seinem erkalteten Stuhl im Ratssaal zeichnet sich ein Stillleben mit Staubschicht und Spinnweben ab. Bei aller Kritik aus den Lagern seiner Gegner: Dass er sein Mandat einfach ausgesessen hat, kann man da wahrlich nicht behaupten.

Böse Zungen wollen allerdings wissen, dass das an seinem kaputten Navi liegt, ohne das der Politiker mit westelbischem Migrationshintergrund, der quasi im Vorgarten von Helmut Kohl aufgewachsen ist, selbst nach Jahren erfolgloser Integration weder den Ratssaal noch eine der Markranstädter Ortschaften findet.

Mister X: Der wo nie da ist

Aber was soll er auch machen angesichts der auf seinen Schultern drückenden Doppelbelastung durch Bundestag und Stadtrat? Da muss man Prioritäten setzen und kann der Lallendorfer Duma eben nur noch ab und zu mal einen Besuch abstatten.

Und diese Stippvisiten drohen jetzt, da er auch noch in den Kreistag gewählt wurde, noch seltener zu werden. Die Markranstädter Wähler haben das gewusst. Dass sie ihn trotzdem gewählt haben, ist ein klares Votum für den Wählerwillen: Wir brauchen keinen Stadtrat vor Ort!

Da hat jeder Wähler drei Kreuze gemacht.

Da hat jeder Wähler drei Kreuze gemacht.

Frau Y: Ehrlich währt am Längsten

Wieviel erfrischender erscheint dagegen die Kandidatur von Frau Y. Hier war von vornherein klar, dass sie ihr Stadtratsmandat nicht annehmen wird. „Ähnlich wie bei der Kandidatur von Oberbürgermeister Matthias Berger für die Freien Wähler in Grimma sehen die Freien Wähler Markranstädt die Chance für ein verändertes Mehrheitsverhältnis…“, ließ der Sprecher ihrer Liste schon im März wissen.

Heißt also: Ebenso wie ihr großes Vorbild trat Y lediglich als Stimmenfängerin an. Nicht einmal sie selbst hat ein Hehl daraus gemacht und ließ alle, die es hören wollten, schon im Vorfeld via LVZ wissen, dass sie das Vorgehen „als legitimes Mittel, sich notwendige Mehrheiten zu beschaffen“ betrachtet. Das ist ehrliche Kommunalpolitik, auch wenn das Ziel der Errichtung einer legislativen Monarchie um acht Sitze hauchdünn verfehlt wurde. Ihr Mandat wird sie aber wohl trotzdem nicht annehmen.

Aber das hat der Markranstädter Wähler vorher gewusst – und mit ihr trotzdem eine Kandidatin für den Einzug in die vierte Etage gewählt, die dort gar nicht einziehen wird. Und da will die Lügenpresse in der Tat noch ernsthaft behaupten, die Markranstädter hätten einen neuen Stadtrat gewählt, wo sie doch Leute wählten, die nicht drin sitzen werden?

Dass es am Ende trotzdem wieder 22 Leute getroffen hat, die Monat für Monat wertvolle Lebenszeit im Ratssaal verbringen müssen, ist wohl ebenfalls eher dem Glauben als dem Wissen zuzurechnen.

Sitzungsgeld als Mietzuschuss

Wenn die Neuen erst mal dahinterkommen, dass das Sitzungsgeld in Höhe von 31 Euro nicht einmal die Miete ausgleicht, die zu Hause derweil unbarmherzig weiterläuft, werden sie sich noch wünschen, den Fahrstuhl hinauf in die vierte Etage nie betreten zu haben.

MAF’s für die Ukraine

Und was können sie dort überhaupt ausrichten? Für bezahlbaren Wohnraum sorgen vielleicht, wo es die dafür erforderlichen Fördermittel nur für die drei Städte Dresden, Karl-Marx-Stadt und Leipzig gibt? Oder ein Hotel schließen, für dessen Betrieb sich der Landkreis eines ehemaligen Geheimdienstes bedient? Oder sich gar für die Lieferung von drei Einsatzfahrzeugen des Typs MAF an die Ukraine einsetzen, um auch von Markranstädt aus endlich ein Zeichen für Frieden in Europa zu senden?

Mexit oder Blumenbeet?

Natürlich könnte auch endlich mal die Frage des Austritts der Stadt Markranstädt aus der EU gestellt werden, der Mexit sozusagen. Die Ranstädter Mark ist als neue Währung schließlich schon seit Jahren in aller Munde.

Wichtige Entscheidungen stehen an.

Wichtige Entscheidungen stehen an.

Doch offenbar hat der homo marcransis eher befürchtet, dass es statt dessen auch in der kommenden Legislatur wieder nur um Kompetenzgerangel bei der Farbauswahl der Stiefmütterchen gehen könnte, die zur nächtlichen Erbauung pubertärer Bettflüchter auf dem Alten Friedhof gepflanzt werden.

Generalstab ohne Armee

Das ginge allerdings nur, wenn dann im Rathaus auch noch jemand da ist, der die entsprechende Beschlussvorlage ausarbeiten kann und es noch Mitarbeiter gibt, die dieses bunte Zeichen einer aufstrebende Stadt in die Rabatten stecken können. Den Wählern indes war es wichtiger, dass eben auch mal jemand von draußen draufguckt. Auch wenn es durchaus was zu tun gäbe für einen neuen Stadtrat – und sei es nur in Sachen Stiefmütterchen.

Zwischen den Zeilen entdeckt: Die sexuellen Vorlieben der Markranstädter

Auch Satiriker müssen eigene Fehleinschätzungen eingestehen und aus ihnen lernen. Wenn schon die Resonanz auf die MN-Hilfestellung zur Europawahl mit gerade mal drei Kommentaren entlohnt wurde, was soll dann noch auf die Beleuchtung der Kommunalwahlen folgen? Also dann: Bevor es ins Minus geht und wir bei der Wahlkommission Stimmenkredit beantragen müssen, um die leere Kommentarleiste wenigstens bis zum Nullpunkt aufzufüllen, lassen wir die Mühe lieber sein. Sicher auch zur Erleichterung einiger Kandidaten. Glücklicherweise gibt es ja wirklich wichtigere Dinge. Zum Beispiel die neuen sexuellen Vorlieben der Markranstädter.

Vor allem dem maskulinen Teil der Lallendorfer Ureinwohner wird’s zu Hause im ehelichen Bett offenbar zu langweilig.

Frisch rasiert (je niedriger die Hecke, umso höher wirkt das Haus), zieht es den homo marcransis hinaus in die weite Welt. So ein Swingerclub, von dem er schon gehört hat, übt dabei eine magische Anziehungskraft aus.

Arbeitskleidung im Swingerclub: Kann ich so gehen?

Doch schon stellt sich eine unerwartete Frage: Was trägt man eigentlich so im Swingerclub? Schließlich muss es ja auch dort, ähnlich wie in Gießereien, unter Tage oder auf Großbaustellen, irgendwelche Vorschriften hinsichtlich arbeitsschutzgerechter Kleidung geben.

Zum Ausziehen: Nette Bekleidung gesucht

Die Antwort darauf sucht ein Markranstädter via Anzeige auf einem Erotikportal. Doch nicht irgendein Textil von der Stange soll es sein, oh nein. Für seine ersten Schritte auf Freiersfüßen hat er hohe Ansprüche und sucht deshalb nicht nur irgendeine, sondern eine „nette“ Bekleidung.

MN-Tipp: Mit einem Feinripp-Schlüppi ist man für jeden Anlass bestens gekleidet. Damit kann man auch mobil sein. Wenn man damit auf dem Motorrad geblitzt wird, haben sogar die Polizisten was davon.

MN-Tipp: Mit einem Feinripp-Schlüppi ist man für jeden Anlass bestens gekleidet. Damit kann man auch mobil sein. Wenn man damit auf dem Motorrad geblitzt wird, haben sogar die Polizisten was davon.

Tja, da ist guter Rat teuer. Nicht nur nett, sondern auch ausgefallen und damit zugleich auffällig wäre beispielsweise eine geschickt geschnittene Untertrikotage. Ein unzüchtiger Feinripp-Schlüpfer zum Beispiel. So einer, der auch den Bauchnabel bedeckt und mit provozierendem Eingriff lockt und mit verstärkten Beinabschlüssen versehen ist.

Und natürlich in sündigem Weiß, damit auch der laszive Kontrast zur natürlichen gelben Patte im Vorderbereich zu Geltung kommt. Es gibt sicher auch noch andere Ideen für nette Bekleidung beim Besuch eines Swingerclubs. Notfalls tut’s auch ein Blaumann. Die Klempnernummer mit der Rohrzange – manche stehen drauf.

Selbst ist der Mann

Ein anderer Markranstädter hat offenbar schon eine Lösung für seine Garderobe gefunden und sich im Katalog der Gebrüder Grimm des Kaisers neue Kleider bestellt.

Normal gebaut mit XL - damit sind offenbar die erträumten Zuschauertraversen am Ufer des Kanals gemeint, von denen aus das Publikum euphorisch skandiert: "Mütze-Glatze-Mütze-Glatze..."

Normal gebaut mit XL – damit sind offenbar die erträumten Zuschauertraversen am Ufer des Kanals gemeint, von denen aus das Publikum euphorisch skandiert: „Mütze-Glatze-Mütze-Glatze…“

Die gesellschaftliche Bewunderung für seinen Modegeschmack hofft er am Kanal bei Dölzig zu finden. Lediglich seine eigene Frau soll wenig Interesse an der Vorstellung gezeigt haben.

Die Ehefrau hat’s schon kommen sehen

Offenbar schon durch die zahlreichen Probevorstellungen zu Hause hinreichend gesättigt, winkte sie desinteressiert ab und meinte: „Ich hab’s schon kommen sehen.“

Mobs ohne Möpse

Wenn man schon mal dabei ist, seine Vorlieben im Schoße der Natur auszuleben, sollte man auch seinen Blick für deren Besonderheiten nicht verlieren. So wusste beispielsweise schon Loriot, dass ein Leben ohne Mops zwar möglich, aber sinnlos ist. Am Kanal, am Kulki oder im Auwald kann man Frauen begegnen, die sogar gleich zwei Möpse ausführen.

Auf die Dauer ist dieser Kick für Träger von Feinripp-Buxen oder blanker Haut allerdings zu langweilig.

Deshalb hat die Erotik-Redaktion der Leipziger Volkszeitung so lange recherchiert, bis ihr eine passende Spezies über den Schreibtisch geflogen ist. Voilá: die Mobsfledermaus.

Das wusste sogar schon Loriot: "Eine Fledermaus mit weichem b ist zwar möglich, aber sinnlos"

Das wusste sogar schon Loriot: „Eine Fledermaus mit weichem b ist zwar möglich, aber sinnlos“

Im Zeitalter des Kampfes gegen Sexismus kann man natürlich nicht schreiben, dass das Tier seine fertilen Zeiten längst hinter sich hat und seine Möpse deshalb nicht mehr wie zwei Hundeschnauzen im Wind stehen. Sie sind halt weicher geworden mit den Jahren, genauso wie das b in ihrem Namen. Wir lernen: Man sollte nicht nur auf die Möpse starren, sondern auch zwischen den Zeilen lesen.

So wird geschändert!

Kommen wir nun zum letzten Fallbeispiel für außergewöhnliche sexuelle Vorlieben: den Oralverkehr. Diese auch als Cunnilingus bezeichnete Praxis wird bekanntlich mit dem Mund vollzogen und genau darin besteht die Gefahr. Weil der Weg vom Gaumen zum Hirn kürzer ist als jener von der Beinschere aus, kann einem das daraus folgende Glücksgefühl auch viel schneller in den Kopf steigen. Was dabei rauskommt, ist jetzt im Stellenportal „Interamt“ nachzulesen.

Da kann man eigentlich noch froh sein, dass im Leipziger Rathaus nur nach Herzenslust geblasen wird, schließlich gibt es auch noch andere Praktiken. Wenn da also demnächst Arschlöcherinnen gesucht werden, wissen wir, aus welchem Loch der Wind weht. Mokkastübchen? Bingo!

Irgendwer gewinnt immer: Was Markranstädt bei den EU-Wahlen erwartet

Vor Markranstädt liegt, je nach Sichtweise, ein Wahl- oder ein Qualwochenende. Kurz vor dem Urnengang werfen die Markranstädter Nachtschichten deshalb mal einen prüfenden Blick auf das, was uns vor der Kabine erwartet. Im heutigen ersten Teil der MN-Aufklärungskampagne wollen wir zunächst die Wahlen zum neuen EU-Parlament unter die Lupe nehmen. Denn die hat es wirklich in sich.
[Titelbid: Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung]

Über die Europawahl muss man nicht viele Worte verlieren. Es stehen genug davon auf dem Wahlzettel, der sich hinsichtlich seiner Länge mit einer Rolle Klopapier messen kann, allerdings einlagig.

Trotzdem lauert hier das größte satirische Potenzial. Was anno 2024 alles kandidieren darf und es letztendlich auch tut, ist wirklich ein Meilenstein für humorlastige Freigeister.

Fahrstuhl zum Mond

Sogar die dem tierischen Ernst verpflichtete Piraten-Partei hat sich vom Trend anstecken lassen und buhlt mit der Errichtung eines Fahrstuhls zum Mond um die Gunst des Wählers.

Eigentlich der Top-Tipp für Markranstädter Urnengänger: Angesichts der 35.000 Höhenkilometer zum Erdtrabanten sollten die doch wenigstens in der Lage sein, eine Technologie zur Überwindung von drei Metern zu einem Bahnsteig aus dem Ärmel zu schütteln.

Ewiges Leben als Wahlprogramm

Aber es kommt noch besser: „Wo willst Du in 800 Jahren leben?“, fragt beispielsweise die „Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung“. Sie wirbt mit dem Versprechen um Wählerstimmen, dass sie nach erfolgreichem Einzug ins EU-Parlament all ihr Wissen für ein ewiges Leben über dem gesamten Kontinent ausschüttet.

Bis dass der Tod euch scheidet

Wer wollte sich dazu schon seiner Stimme enthalten, wo doch im gleichen Atemzuge die Verlängerung der Legislaturperiode eines Bürgermeisters auf 300 Jahre droht? Ein Wimpernschlag im endlosen Leben eines Europäers, der schon nach 750 Ehejahren gemeinsam mit seiner in Ehren erjüngten Gattin die Komposthochzeit feiern darf.

Andere Parteien haben Themen wie die Zwangsveganisierung der Europäer durch Stopp des Fleischverzehrs auf dem Zettel, wieder andere wollen zwar ins EU-Parlament und die Diäten auch gern nehmen, aber die kontinentale Union gleichzeitig auflösen. Das ist die richtig feine Klinge des Humors.

Auf EU-Kosten nach Hause telefonieren: So geht’s!

Und da ist dann auch noch eine aus lauter Aliens bestehende tschechische Wählervereinigung, die in der Tat einen Außerirdischen gefunden haben will, der für sie auf Listenplatz 1 kandidiert. Der böhmische E.T. hat es mit seinem interstellaren Migrationshintergrund und grünem Overall sogar ins Fernsehen geschafft.

Zweistaatenlösung für Deutschland, Preisbremse für Bier

Da kann „Die Partei“ als das konservative Flaggschiff der deutsch-europäischen Satiriker mit ihren Konzepten für eine Zweistaatenlösung in Deutschland, einem generellen Einser-Abitur oder der Preisbremse für Bier und Döner beim besten Willen nicht mehr mithalten. Zu ernsthaft wir der Spaß im Wahkampf 2024 betrieben.

Origami an der Urne

Wohl dem, der auf dem meterlangen Wahlzettel seinen Favoriten findet. Bei ersten Probeabstimmungen sollen einige Versuchswähler bereits daran gescheitert sein, das Pamphlet überhaupt erst mal zerstörungsfrei auseinanderzufalten.

Vom Zusammenfalten auf Schlitzgröße vor dem Einwurf in die Urne wollen wir gar nicht erst reden. Man kennt die Herausforderung schließlich von Land- und Wanderkarten aus eigener Erfahrung. Am Ende wird der Wahlzettel zerknüllt, zu Boden geworfen und in einem Wutanfall auf das passende Endformat zusammengetrampelt.

Origami – jetzt auch an Ihrer Wahlurne. Sinnstiftend haben die Versuchskaninchen in der Testkabine ihr Kreuz deshalb gleich auf die Titelseite hinter einer der mit A beginnenden Parteien gesetzt. Ob A wie Aliens oder A wie AfD, macht für Europas Z wie Zukunft dann ohnehin keinen Unterschied mehr.

„Ommm“ in Brüssel

Ein paar Meter zu weit unten auf dem EU-Wahlzettel befindet sich auch der Name der „Partei Menschliche Welt“. Die will das von Korruption, Egoismus und Selbstdarstellung durchseuchte Europaparlament von innen heraus umkrempeln – mit überparteilichen Kursen für Meditation und Yoga, um das Denken und Handeln der Parlamentsinsassen auf das Wohlergehen aller auszurichten.

Umsonst, aber nicht kostenlos

Besonders wohl ergehen dürfte es im Falle einer erfolgreichen Wahl dem Kursleiter dieser Seminare, für dessen Honorar im EU-Etat dann sicher ein eigener Haushaltsposten eingerichtet werden muss.

Paket- statt Briefwahl

Nicht auf dem EU-Wahlzettel sind zwar Unternehmen wie DHL oder andere Versandfirmen zu finden, aber ausgerechnet die dürften die größten Profiteure an den EU-Wahlen sein. Grund: In nahezu allen Landesteilen zeichnet sich der Trend zur Abstimmung per Briefwahl ab. Leider täuscht hier der Begriff eine falsche Tatsache vor, denn die EU-Wahlzettel passen in keinen genormten Briefumschlag. Ehrlicherweise müsste man also von einer Paketwahl sprechen.

And the winner is…

Hochkonjunktur bei den Paketzustellern. Es ist also auch 2024 wieder so wie bei jeder anderen Wahl: Irgendwer gewinnt immer.