Vor Markranstädt liegt, je nach Sichtweise, ein Wahl- oder ein Qualwochenende. Kurz vor dem Urnengang werfen die Markranstädter Nachtschichten deshalb mal einen prüfenden Blick auf das, was uns vor der Kabine erwartet. Im heutigen ersten Teil der MN-Aufklärungskampagne wollen wir zunächst die Wahlen zum neuen EU-Parlament unter die Lupe nehmen. Denn die hat es wirklich in sich.
[Titelbid: Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung]
Über die Europawahl muss man nicht viele Worte verlieren. Es stehen genug davon auf dem Wahlzettel, der sich hinsichtlich seiner Länge mit einer Rolle Klopapier messen kann, allerdings einlagig.
Trotzdem lauert hier das größte satirische Potenzial. Was anno 2024 alles kandidieren darf und es letztendlich auch tut, ist wirklich ein Meilenstein für humorlastige Freigeister.
Fahrstuhl zum Mond
Sogar die dem tierischen Ernst verpflichtete Piraten-Partei hat sich vom Trend anstecken lassen und buhlt mit der Errichtung eines Fahrstuhls zum Mond um die Gunst des Wählers.
Eigentlich der Top-Tipp für Markranstädter Urnengänger: Angesichts der 35.000 Höhenkilometer zum Erdtrabanten sollten die doch wenigstens in der Lage sein, eine Technologie zur Überwindung von drei Metern zu einem Bahnsteig aus dem Ärmel zu schütteln.
Ewiges Leben als Wahlprogramm
Aber es kommt noch besser: „Wo willst Du in 800 Jahren leben?“, fragt beispielsweise die „Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung“. Sie wirbt mit dem Versprechen um Wählerstimmen, dass sie nach erfolgreichem Einzug ins EU-Parlament all ihr Wissen für ein ewiges Leben über dem gesamten Kontinent ausschüttet.
Bis dass der Tod euch scheidet
Wer wollte sich dazu schon seiner Stimme enthalten, wo doch im gleichen Atemzuge die Verlängerung der Legislaturperiode eines Bürgermeisters auf 300 Jahre droht? Ein Wimpernschlag im endlosen Leben eines Europäers, der schon nach 750 Ehejahren gemeinsam mit seiner in Ehren erjüngten Gattin die Komposthochzeit feiern darf.
Andere Parteien haben Themen wie die Zwangsveganisierung der Europäer durch Stopp des Fleischverzehrs auf dem Zettel, wieder andere wollen zwar ins EU-Parlament und die Diäten auch gern nehmen, aber die kontinentale Union gleichzeitig auflösen. Das ist die richtig feine Klinge des Humors.
Auf EU-Kosten nach Hause telefonieren: So geht’s!
Und da ist dann auch noch eine aus lauter Aliens bestehende tschechische Wählervereinigung, die in der Tat einen Außerirdischen gefunden haben will, der für sie auf Listenplatz 1 kandidiert. Der böhmische E.T. hat es mit seinem interstellaren Migrationshintergrund und grünem Overall sogar ins Fernsehen geschafft.
Zweistaatenlösung für Deutschland, Preisbremse für Bier
Da kann „Die Partei“ als das konservative Flaggschiff der deutsch-europäischen Satiriker mit ihren Konzepten für eine Zweistaatenlösung in Deutschland, einem generellen Einser-Abitur oder der Preisbremse für Bier und Döner beim besten Willen nicht mehr mithalten. Zu ernsthaft wir der Spaß im Wahkampf 2024 betrieben.
Origami an der Urne
Wohl dem, der auf dem meterlangen Wahlzettel seinen Favoriten findet. Bei ersten Probeabstimmungen sollen einige Versuchswähler bereits daran gescheitert sein, das Pamphlet überhaupt erst mal zerstörungsfrei auseinanderzufalten.
Vom Zusammenfalten auf Schlitzgröße vor dem Einwurf in die Urne wollen wir gar nicht erst reden. Man kennt die Herausforderung schließlich von Land- und Wanderkarten aus eigener Erfahrung. Am Ende wird der Wahlzettel zerknüllt, zu Boden geworfen und in einem Wutanfall auf das passende Endformat zusammengetrampelt.
Origami – jetzt auch an Ihrer Wahlurne. Sinnstiftend haben die Versuchskaninchen in der Testkabine ihr Kreuz deshalb gleich auf die Titelseite hinter einer der mit A beginnenden Parteien gesetzt. Ob A wie Aliens oder A wie AfD, macht für Europas Z wie Zukunft dann ohnehin keinen Unterschied mehr.
„Ommm“ in Brüssel
Ein paar Meter zu weit unten auf dem EU-Wahlzettel befindet sich auch der Name der „Partei Menschliche Welt“. Die will das von Korruption, Egoismus und Selbstdarstellung durchseuchte Europaparlament von innen heraus umkrempeln – mit überparteilichen Kursen für Meditation und Yoga, um das Denken und Handeln der Parlamentsinsassen auf das Wohlergehen aller auszurichten.
Umsonst, aber nicht kostenlos
Besonders wohl ergehen dürfte es im Falle einer erfolgreichen Wahl dem Kursleiter dieser Seminare, für dessen Honorar im EU-Etat dann sicher ein eigener Haushaltsposten eingerichtet werden muss.
Paket- statt Briefwahl
Nicht auf dem EU-Wahlzettel sind zwar Unternehmen wie DHL oder andere Versandfirmen zu finden, aber ausgerechnet die dürften die größten Profiteure an den EU-Wahlen sein. Grund: In nahezu allen Landesteilen zeichnet sich der Trend zur Abstimmung per Briefwahl ab. Leider täuscht hier der Begriff eine falsche Tatsache vor, denn die EU-Wahlzettel passen in keinen genormten Briefumschlag. Ehrlicherweise müsste man also von einer Paketwahl sprechen.
And the winner is…
Hochkonjunktur bei den Paketzustellern. Es ist also auch 2024 wieder so wie bei jeder anderen Wahl: Irgendwer gewinnt immer.








































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