Raubzüge durch Markranstädt: Willkommen in Klein-Johannesburg

Der Reichtum, der den Siedlern in Markranstädt nachgesagt wird, lockt vielerlei dunkle Gestalten an. Fahrräder werden inzwischen nur noch als Fluchtfahrzeuge geklaut, um das Diebesgut von E-Ladesäulen, aus Hinterhöfen, Hauskellern, Betrieben oder Gartenanlagen in die heimischen Zwischedepots zu transportieren. Schon spricht man über Markranstädt von „Klein-Johannesburg“. Ein Rückblick auf die vergangene Woche.

Jetzt waren die Laubenpieper in sämtlichen Gartenanlagen im Schwarzen Weg dran.

Geklaut wurde kaum was. Hier ein Radio, dort eine Motorsense … was man bei einem Erkundungsausflug zur Vorbereitung für Raubzüge in kühleren Herbsttagen eben so mitnehmen kann.

Es war nicht alles schlecht

Die Ausbeute stand derweil in keinem Verhältnis zu den angerichteten Schäden, was die betroffenen Opfer geradezu sehnsüchtig nach anderen Zeiten zurückdenken lässt.

„Es war früher nicht alles schlecht“, sinniert ein Kleingärtner an seinem niedergetretenen Zaun. Man hätte nach dem Krieg vielleicht doch nicht gleich alles zerstören oder zu Gedenkstätten umwandeln sollen.

Alte Ideen mit neuen Inhalten

Mit ein paar neuen erzieherischen Inhalten versehen, wäre so manches Bauensemble auch heute noch sehr nützlich, ist er überzeugt.

Mundraub ist nicht strafbar, wenn man Hunger hat. Das Geld wurde nur mitgenommen, weil's rum lag.

Mundraub ist nicht strafbar, wenn man Hunger hat. Das Geld wurde nur mitgenommen, weil’s rum lag.

Nichts geklaut wurde auch in der Laube auf dem Nachbargrundstück. Dafür hat deren Eigentümer jetzt keine Tür mehr an seinem Gartenhäuschen.

Dieses Stillleben „Ruine mit Klinke“ hat einen anderen Nachbarn auf den gleichen Gedankenweg geführt. „Der Begriff Lager ist ja leider verrufen“, sagt er.

„Aber eine soziale Einrichtung, in der sie erst etwas zu essen bekommen, wenn sie die Tür repariert oder die beschmierten Wände gereinigt haben, da würde ich mich als Aufseher sogar sehr gern ehrenamtlich engagieren.“

Diese Maßnahmen sozialer Pädagogik sind allerdings die harmloseren Ideen, die aktuell in Markranstädt verstärkt die Runde machen.

Opfer wie elektrisiert

Dem Kleingärtner beispielsweise, der um seine rund 500 Euro teure Motorsense erleichtert wurde, sind in den letzten sieben Jahren schon 5 Fahrräder geklaut und der Keller leergeräumt worden. Jetzt hat er den aufgebrochenen Geräteschuppen in seinem Garten mit blanken Kabeln eingewickelt, durch die nachts 220 Volt fließen.

Die Folgen einer traumatische Kindheit im Neubaublock: Sie wollten nur mal gucken, wie die Laubenpieper so wohnen. Richtig geklaut wird erst im Herbst und Winter.

Die Folgen einer traumatische Kindheit im Neubaublock: Sie wollten nur mal gucken, wie die Laubenpieper so wohnen. Richtig geklaut wird erst im Herbst und Winter.

Die neue Kamera, die er versteckt an seiner Laube installiert hat, dient deshalb nicht der Identifizierung der Täter, „weil die ja am nächsten Tag sowieso wieder auf freiem Fuß sind“. Vielmehr will sich der Gärtner an den Zuckungen des „Dreckpacks“ weiden, wenn sie seinen Schuppen berühren.

Sollte er, einem Wunder gleich, seiner Motorsense je wieder habhaft werden, wolle er selbstredend nicht mehr damit mähen, sondern „dem asozialen Pack so lange damit auf die Pfoten dreschen, bis denen die Langfinger abfallen.“

In den Markranstädter Gartenanlagen beginnt man offenbar, sich selbst zu organisieren. Wachen werden eingeteilt, Kameras installiert und Fallen aufgestellt, um die sogar kanadische Großwildjäger ehrfürchtig einen Bogen schlagen würden. Die Polizei wird schon längst nur noch als Buchhalter für die Führung der Statistik wahrgenommen: Fallzahlenverwaltung.

Ziehen Sie eine Nummer

Der Gang ins Kommissariat zur Erstattung einer Anzeige bedeutet für die Opfer gefühlt einen höheren Aufwand als ihn die Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen folgen lässt. Im Prinzip geht`s eigentlich nur noch um die Tagebuchnummer für die Versicherung. „Es wäre einfacher, wenn wir uns diese Nummern im Treppenhaus vor der Polizeistation selber ziehen können“, wirbt das Opfer eines Kellereinbruchs um die Nachnutzung der Erfahrungen aus dem Jobcenter.

Die Gedanken der Opfer

Wenn die Gesellschaft sonst nichts zu bieten hat, um solchen Umtrieben entgegenzuwirken, ist es verständlich, dass man sich auf dahingehend erfolgreichere Zeiten und ihre Instrumente besinnt. Sensibilisiert von den ungestörten Raubzügen durch Keller, Gartenanlagen und Hinterhöfe, erhofft sich der homo marcransis jetzt sogar schon Hilfe aus der Interpretation auf den ersten Blick ganz unscheinbar formulierter Stellenanzeigen.

Eigentlich eine ganz normale Stellenanzeige. Einige Markranstädter Diebesopfer verbinden allerdings ganz andere Hoffnungen damit.

Eigentlich eine ganz normale Stellenanzeige. Einige Markranstädter Diebesopfer verbinden allerdings ganz andere Hoffnungen damit.

Es war wohl doch nicht alles schlecht.

Krieg dem Auto: Wie Markranstädt gegen die Erderwärmung kämpft

Immer heißere Hitze, immer nasserer Regen und immer weniger Wetter: Der Klimawandel hat Markranstädt fest in seinem Würgegriff. Weil die Maßnahmen der Ampelkoalition gegen die globale Erwärmung nur auf Gewinnmaximierung durch CO2 Steuern beruhen und damit genauso effizient sind wie offenstehende Kühlschranktüren oder das inhalierende Wegschnüffeln von Kuhfürzen und Autoabgasen, hat Markranstädt jetzt einen eigenen Plan in Gang gesetzt, um den weltweiten Temperaturanstieg umzukehren. Und der funktioniert weitaus effektiver als Robert Habecks Plan, die Skala am Thermometer einfach ein paar Grad tiefer neu zu kalibrieren.

Fakt ist: Die von der Bundesregierung angekündigte Mobilitätswende durch Umstieg vom Auto aufs Fahrrad ist in Markranstädt nicht zu schaffen.

Und wenn, dann nur von den Fahrraddieben. Inzwischen werden in der Stadt am See sogar geklaute Drahtesel geklaut. Erst vor kurzem hat ein homo marcransis sein wenige Tage zuvor nagelneu gekauftes  Fahrrad  im Stadtpark wiederentdeckt. Ohne Räder zwar, aber es war seins. Nur eben nach lediglich 72 Stunden schon aus vierter Hand.

Der Schilderwald gedeiht

So wird das nichts mit der Mobilitätswende, also müssen andere Wege beschritten werden und hier helfen der Stadt die Erfahrungen aus der Wiederaufforstung des Pappelwaldes. Nach dem gleichen planfreien Prinzip  wie am Kulki, wird seit einigen Tagen auch der Schilderwald in den Straßen der Stadt aufgepäppelt. Mal hier eine Anpflanzung, mal dort ein Konvolut frischen Gehölzes und den Rest regelt die Naturgewalt, also das Ordnungsamt.

Zwölf Exemplare auf zehn Quadratmetern: Das halten nur genmanipulirte Schilderkulturen aus.

Zwölf Exemplare auf zehn Quadratmetern: Das halten nur genmanipulirte Schilderkulturen aus.

In der Krakauer Straße hat dieser Plan am vergangenen Wochenende bereits erste Früchte getragen. Nicht nur Autofahrer standen völlig ratlos vor dem bunten Kaleidoskop in ihrer Bedeutung wechselnder Verkehrszeichen.

Nein, auch die Piloten von Rollatoren waren sprichwörtlich von der Rolle und selbst glatzköpfige Fußgänger rauften sich hilflos die Haare.

Eine nahegelegene Fahrschule soll sogar eine Exkursion an den Ort des Ungeschehens durchgeführt haben. Die Prüfungsfrage lautete: In einer voll gesperrten Einbahnstraße gilt in entgegengesetzter Fahrtrichtung Tempo 30, während auf der linken Fahrbahnseite bis zum Ende der Sackgasse Parkverbot besteht. Wie alt ist der Fahrer des Fahrzeuges, das ihnen an dieser Stelle nicht entgegen kommt? a) Vredestein, b) Schulterblick, c) bei jedem Wetter, oder d) Körbchengröße F?

Keinerlei Zeit für die Suche nach Antworten haben gegenwärtig Kraftfahrer, die das Örtchen Seebenisch passieren möchten.

Links, gradeaus oder rechts: In Seebenisch führt der Weg überall in die Sackgasse. Steckt der Denkmalschutz dahinter oder war hier mangels Verwaltungsmitarbeitern die KI am Werk?

Links, gradeaus oder rechts: In Seebenisch führt der Weg überall in die Sackgasse. Steckt der Denkmalschutz dahinter oder war hier mangels Verwaltungsmitarbeitern die KI am Werk?

Die einzige Zufahrt, die sinnstiftend über einen einspurigen Loch- und Flickenteppich namens „Schkeitbarer Allee“ ausgeschildert ist, führt direkt in die Bahnhofstraße. Von dort aus hat der Kraftfahrer zumindest noch die Wahl, in welcher der drei Sackgassen seine Fahrt in wenigen Sekunden enden wird. Hier wird die enge Zusammenarbeit der Ämter, in diesem Fall der zuständigen Verkehrsbehörde und des Denkmalamtes, besonders deutlich.

Seebenisch gilt aus historischer Sicht als subslawisches Sackgassendorf. Will heißen: Hier war früher die westliche Welt zu Ende, dahinter siedelten schon die Russen (Kulkwitz = Chulkwitsch).

Der Denkmalbehörde war die Entwicklung Seebenischs zu einem Siedlungsort nicht integrierbarer Städter mit eigenen Zebrastreifen vor ihren Grundstücken und rot-weißen Panzersperren vor der Schule schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt wird Seebenisch per Schilderwald wieder das, was es bei seiner urkundlichen Ersterwähnung im frühen Mittelalter mal war: Der Arsch der Welt.

Scheiben zu Scheiben: Nicht mal nach Steinen wird sich mehr gebückt

Die Ethnie der Kraftfahrer ist in unserer diversbunten Queergesellschaft inzwischen sogar schon so verrufen, dass sich die linksgrünen Rechtspopulisten in ihrem moralisch aufgeladenen Meinungsstalinismus nicht einmal mehr nach Steinen bücken wollen, um gegnerischen SUV-Besitzern auf vernünftigem Wege die Scheiben einzuschlagen.

Getreu dem zutiefst christlichen Motto „Asche zu Asche und Staub zu Staub“ lassen sie Scheiben in Scheiben fliegen.

Wo soll das noch hinführen?

Markranstädt singt sich mit neuer Globalhymne ins Achtelfinale

Alle vier Jahre das selbe Spiel: Pünktlich zur kontinentalen Fußballmeisterschaft trällert ganz Europa seine Hymnen. Ganz Europa? Nein. Ein kleines Volk zwischen Ostsee und Alpen leistet der Tradition seit Äonen erbitterten Widerstand. Statt aufzustehen und mit den Händen auf dem Herzen inbrünstig mitzusingen, fläzen die deutschen Schlachtenbummler mit ihren Bierbechern lustlos auf den Rängen rum und warten auf den Anpfiff. Warum? Nun, der Text ist absolut peinlich, die Vokabeln völlig aus der Mode gekommen und die Kernaussage sowas von revanchistisch, voller sexueller Stereotype und kultureller Aneignung, dass man sich schon beim Zuhören strafbar macht. Zeit also, um einen vor Jahren schon mal eingebrachten Vorschlag der Markranstädter Nachtschichten wieder ans Licht zu holen: Wir gendern das Epos um!

Fangen wir gleich beim Titel an. Nationalhymne. Was soll denn das? National – dieser revanchistische Begriff wurde schon von den Nazis verwendet.

Derart vorbelastet, wird das Abspielen des Liedes bei jedem Staatsempfang und jeder Siegerehrung zu einem machtvollen Bekenntnis für den nächsten Blitzkrieg. Außerdem leben wir im Zeitalter des Schengen-Abkommens mit verschwindenden Grenzen und zunehmender Globalisierung. Also wenn überhaupt, dann schon „Globalhymne“!

Dann heißt es in der ersten Zeile „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Zugegeben, das geht so wirklich nicht.

Einigkeit …

Einigkeit – diese Pauschalisierung ist unerträglich. Der Mensch zeichnet sich durch Individualität aus. Dadurch ist er auch besser kontrollierbar. Man sieht’s ja am Wahlergebnis, wohin das führt, wenn sich Leute einig sind. Also statt Einigkeit dann lieber doch Individualität.

… und Recht …

Was ist Recht? Das deutsche Recht fußt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf Paragrafen aus einer Zeit, der wir uns aus Verantwortung für unsere eigene Geschichte endlich mal stellen müssen.

Der Alltag zeigt ja in all seinen Facetten, dass man Rechten den Kampf angesagt hat. Da kann man die nicht noch in einer Hymne feiern. Links allerdings auch nicht. Beide Extreme sind in unserer woken Gesellschaft sowohl unversöhnlich als auch unvertöchterlich. Nehmen wir also den Begriff Mitte. Der hat sich bewährt.

… und Freiheit

Freiheit – das klingt zwar gut, aber das Ziel unserer Gesellschaft ist die totale Demokratie. Da muss man mal ein Stück voraus denken! Wenn wir diese Gesellschaftsform dereinst erreicht haben, steht dann in unserer Hymne immer noch der Begriff „Freiheit“, obwohl wir diese Etappe längst überwunden haben.

Also … da können und sollten wir das wirklich gleich heute schon ändern. Pflichten! Ja, dafür ist der Deutsche eher zu haben als für Freiheit und damit lässt er sich auch geistig besser abfüttern. Nehmen wir also ruhig mal den Begriff „Pflichten“.

…für das deutsche Vaterland

Also das geht ja nun überhaupt nicht! Schon dieser nationalistische Hinweis auf ewig-gestrige Lehrmeinungen der Geografie. Deutsch! Was ist deutsch?

Deutsch gibt es bestenfalls noch als Vorliebe beim Sex, neben französisch (blasen), griechisch (durchs Mokkastübchen) oder polnisch (am nächsten Morgen ist die Frau weg). Deutsch ist, wenn’s pünktlich losgeht. Also wenn schon eine deutsche Tugend in einer Hymne besungen werden soll, dann „pünktlich“.

Und der Begriff „Vaterland“ ist ja nun wirklich ein Faustschlag ins Gesicht aller feminimösen Teilnehmer unseres Volkes. Haben Mütter kein Recht auf eine Heimat? Warum hier wieder diese ekelhafte, unerträgliche und männlich sexualisierte Polemik?

Gut, bei „Mutterland“ hätten wieder die Väter was zu meckern, also dann doch die geschlechtsneutrale Variante der Eltern. Und – äh- ja – „Land“. Was ist mit Wasser? Die Globalhymne muss man ja auch in Mecklenburg-Vorpommern absingen können. Einigen wir uns also auf die Terminologie des „Elterngebietes“. Ja, das ist gut!

Wo stehen wir jetzt eigentlich? Ach ja: „Individualität und Mitte und Pflichten für das pünktliche Elterngebiet“. Wow, das klingt gut, könnte von Ricarda Lang sein. Also weiter im Text.

… danach lasst uns alle streben

Was’n Blödsinn! Da wird uns seit Jahren gelehrt, dass die Politik in diesem Lande alles für uns richtet und wir nach nichts mehr zu streben brauchen, und in unserer Globalhymne sollen wir plötzlich aktiv werden? Hier passt nur „ruhen“!

Und „danach“ geht schon gar nicht, wenn man in die Zukunft blicken will. Da muss man schon eher aufstehen und deshalb kann es nur „davor“ heißen. Also „… davor lasst uns alle ruhen“, so wird ein Schuh draus! Wir kommen dem Ziel näher….

…brüderlich

Wieder so eine Ausgeburt rein männlichen Denkens unter Missachtung jener Ethnie, die das Essen der Testosteronträger umrührt.

Schwesterlich ginge schon eher, aber damit man auch in Bayern voller Inbrunst mitsingen kann, sollte man wenigstens den genderneutralen Begriff „divers“ bemühen.

… mit Herz …

Das gehört aber nun endgültig ins Mittelalter! In einer Gesellschaft von Herz zu sprechen, in der fast 1000 Tafeln nötig sind, um die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen und in der es weder genügend noch bezahlbare Dächer über den Köpfen gibt von Herz zu sprechen … also da könnte man auf die Neugenderung der Globalhymne auch komplett verzichten und gleich wieder auf die erste Strophe zurückgreifen. „Profit“ klingt da schon überzeugender.

… und Hand.

Auch „Hand“ ist wenig glaubhaft, wo der wertschöpfende Mensch zur aussterbenden Art gehört und mit dem von Gott gegebenen Greifwerkzeug bestenfalls noch Geld gezählt oder auf Spielekonsolen gedaddelt wird. Wer muss im Zeitalter des Bürgergeldes noch mit den Händen arbeiten? Einigen wir uns also auf „Bürgergeld“.

Hymnische Zeilen

Fassen wir die ersten Zeilen unserer neuen Globalhymne zusammen:

Individualität und Mitte und Pflichten
für das pünktliche Elterngebiet,
davor lasst uns alle ruhen,
divers mit Profit und Bürgergeld.

Klingt noch ein wenig holprig, aber wir wollen es ja nicht gleich übertreiben. Schließlich sollen ja auch jene unserer Globalspieler, Reporter und Experten das Poem vor dem Achtelfinale noch schnell auswendig lernen können, die es nicht so mit unserer Elternsprache haben. Zum Beispiel Rolf Töpperwien („Das ist überlebensnotwichtig für den Verein“), Andreas Möller („Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl“) oder Olaf Thon („Ich hatte ihn nur ganz leicht retuschiert“).

Helm ab zum Gebet

In diesem Sinne: Wenn’s am Samstag vor dem ersten K.O.-Spiel zum Showdown mit der Globalhymne kommt, machen Sie’s ruhig mal wie andere Europäer auch. Stehen Sie auf, legen die rechte Hand aufs linke Herz und singen Sie inbrünstig mit. Den Text kennen Sie ja nun.

Markranstädter Schule macht Schule: Ferienbeginn mit Paukenschlag

Die großen Ferien haben begonnen. An der Markranstädter Oberschule ließ man das alte Schuljahr mit einem Paukenschlag ausklingen. Sowohl an der Haupt- als auch der Realschule haben sämtliche 85 Entlassungskandidaten (EK) ihren Abschluss geschafft. Nicht mal Schulverweigerer gab es darunter und jeder hat eine Ausbildungsstelle. Was ihre auf den Appellplätzen der POS gestählten Großeltern noch als völlig normalen Zustand in Erinnerung haben, könnte derweil an anderen deutschen Bildungsstandorten der Neuzeit Verwunderung bis hin zu Neid auslösen. Was machen die da in Markranstädt? Oder besser gefragt: Was machen die anders?

Manche machen es an der Schulleiterin fest, seit deren Inthronisierung die muffigen Klassenzimmer ebenso wie die darin brütenden Gedanken mit frischem Wind durchlüftet werden.

Das stimmt aber nur bedingt. Man muss nicht weit schauen, um festzustellen, dass selbst ein neuer, mit zweimeterdreizehn über Normalnull alles überblickender Lockenschopf nur dann frische Aromen wittern kann, wenn sich auch die im darunter befindlichen Torso räkelnden Organe an einen neuen Stoffwechsel gewöhnen wollen. Daher auch der Begriff vom Lehrkörper, der sich an der Oberschule offenbar besserer Gesundheit erfreut als anderswo.

Ursachenforschung

Über das Erfolgsmodell, das in der Parkstraße Einzug gehalten hat, wurde schon viel philosophiert. Pädagogen, Programme, Projekte – alles ist aus sämtlichen Meta-Ebenen beäugt und ausgewertet worden. Nur zwei Faktoren nicht, die vor dem Hintergrund pädagogisch angewandter Satire die eigentlichen Gründe für den Aufwärtstrend sind. Allerdings sind die aus gesellschaftspolitischer Sicht kaum salonfähig und werden deshalb gern etwas unter dem Radar gehandelt.

Lesen bildet nicht immer, aber wohl dem, der's kann.

Lesen bildet nicht immer, aber wohl dem, der’s kann.

Wir erleben eine heimlich vollzogene Rückkehr zu den pädagogischen Werten der Ära jener blauhaarigen Zarin, die einst als „Miss Bildung“ den Klassenkampf gegen Fachkräftemangel in Ostelbien anführte.

Es war nicht alles schlecht

Freilich kann man ihre Erfindung des UTP-Unterrichts nicht einfach so übernehmen, schließlich war der ja Teil des Bildungssystems eines parteimonopolistisch geführten Unrechtsstaates und darüber hinaus müssten wegen des Urheberrechts millionenschwere Tantiemen an ihre Erben nach Chile transferiert werden.

Aber es gibt da einen Trick. Ebenso wie bei der Umbenennung der Poliklinik in ein Medizinisches Versorgungszentrum oder der Neuerfindung alter Kombinate unter dem Begriff Holding, kann man auch den ESP- oder UTP-Unterricht völlig unverfänglich als wöchentlichen „Praxistag“ ausrufen. So geschehen in Markranstädt – und der Lohn ließ mit einer Abschlussquote von 100 Prozent der Absolventen nicht lange auf sich warten.

Nachsitzen als „sozialer Dienst“

Eigentlich auch nur alter Wein in neuen Schläuchen, gleichwohl von erstaunlichem Erfolg gekrönt, ist die Durchsetzung von Respekt, Ordnung und Disziplin in den Klassenzimmern. Nein, nicht mittels traumatisierender Besinnungszeit in einem als Chilling-Room getarnten Karzer und auch nicht mit neuzeitlichen Rollenspielen unter Leitung einer den Rohrstock schwingenden Sozialgouvernante in schwarzem Lederdress.

Wer die Rute spart, verdirbt das Kind, das danach außerdem nicht mehr in der Lage ist, nachzusitzen.

Wer die Rute spart, verdirbt das Kind, das danach außerdem nicht mehr in der Lage ist, nachzusitzen.

Es hat gereicht, zur Ahndung von Verstößen das gute alte Nachsitzen wieder einzuführen.

Weil’s zieht

Man mag’s kaum glauben, aber das zieht! Angesichts des zu erwartenden Umsatzes wegen Kinderarbeit, Zwangsdienst oder Freiheitsberaubung hat man sich in den Anwaltskanzleien anfänglich vielleicht noch die Hände gerieben, doch die Mandate blieben aus.

Friede den Hütten

Inzwischen profitieren sogar die Eltern der Opfer dieser als „sozialer Dienst“ verharmlosten schwarzen Pädagogik des Nachsitzens. „Seit acht Monaten keine neuen Graffiti am Kühlschrank“, frohlockt eine Mutter, und „Sie spült das Klopapier jetzt runter, statt es in den Flur zu werfen“, freut sich eine andere über den in unserer gesellschaftlichen Entwicklungsstufe nicht mehr für möglich gehaltenen interfamiliären Klimawandel.

UTP-Unterricht und Nachsitzen – was einst die Jugend als Kampfreserve der Partei stählen sollte, hat allein aus der Markranstädter Oberschule in diesem Jahr über 70 händeringend gesuchte Fachkräfte auf den hiesigen Arbeitsmarkt gespült. Aus eigenem Anbau wohlgemerkt.

Fachkräfte aus eigenem Anbau

Und genau das ist der Clou im Schulkonzept „made in markranstädt“: Während in Berlin mit dem Import von Hilfswilligen die eigene Jugend längst aufgegeben wurde, hat man in Lallendorf schon frühzeitig erkannt, dass man selbst über genügend eigene genetische Ressourcen verfügt.

Die zu nutzen, darauf muss man allerdings erst mal kommen! Ein dreifach Chapeau in die Parkstraße.

Denen ein Licht aufgeht

Obwohl … manchmal dauert es einfach nur etwas länger, bis so eine Erkenntnis salonfähig wird. Aber irgendwann ist der richtige Zeitpunkt von ganz allein gereift, um die Menschheit zu erleuchten und sie auf vermeintlich neue Wege zu bringen. Man muss ihnen dann halt nur neue Namen geben, den alten Werten.

Warum in die Ferne schweifen, wenn es Arbeitskräfte auch aus eigenem Anbau gibt?

Warum in die Ferne schweifen, wenn es Arbeitskräfte auch aus eigenem Anbau gibt?

Mal sehen, was sich die Handwerkskammer dazu einfallen lässt, jetzt, wo auch sie in den Apfel der Erkenntnis gebissen hat und aus dem bequemen Garten Eden der „Wir schaffen das“-Prophetin (Buch: Angela 08.15) in die Wirklichkeit hinaustritt.

Schule macht Schule

Im schlimmsten Fall wird ein IMS-Förderprogramm erfunden (International Manpower Substitution), mit dem sich der Vorruhestand junger Fachkräfte weiter subventionieren lässt. Vielleicht aber ist jetzt auch die Zeit reif für die Hoffnung, dass man auch in der Handwerkskammer bereit ist, noch mal von einer Schule zu lernen.

Markranstädter Rathaus-Geist enthüllt Verbleib der verschwundenen Akten

Nach wie vor ranken sich geheimnisumwitterte Legenden um verschwundene Akten, die der Menschheit die Geschichte um die Errichtung des neuen Markranstädter Stadtbades erklären könnten. Zuletzt ist sogar ein als Akteneinsichtsausschuss gestartetes Archäologen-Team bei seinen Ausgrabungen daran gescheitert, forensisch belastbare Indizien zum Verbleib der historisch wertvollen Artefakte rund um den Bau der auch als achtes Weltwunder bezeichneten Vergnügungsstätte zu finden. Höchste Zeit, neue Wege zu beschreiten, um das Rätsel endlich zu lösen. Zwar ist der zuständige Tempelpriester bei der Pharaonin inzwischen in Ungnade gefallen und musste ins sachsen-anhaltinische Exil fliehen, aber sein Geist schwirrt nach wie vor im Rathaus umher.

Den Markranstädter Nachtschichten ist es gelungen, ihn zu finden und mit einer Flasche Grappa seine Zunge zu lösen.

Fangen wir mal im Urschleim an: Wurde hier vielleicht nach einem Phantom gefahndet? Also gab es die Akten eigentlich wirklich und wenn ja, wo?

Die Akten standen einige Wochen auf einem Tisch in meinem Büro. Um die Wichtigkeit meiner dienstlichen Aufgaben auch optisch greifbar zu machen, stehen in meinem Büro gleich mehrere Tische. Trotzdem kam dann ein Gefühl von Beklemmung auf, wenn man mehrere Baupläne ausbreiten will. Folglich empfand ich die ständige Konfrontation mit selbigen als wenig zweckmäßig.

Also haben Sie … was gemacht?

In der Küche war kein Platz, sie in den Wellness-Bereich abzuschieben, erschien mir reizvoll, aber doch etwas gewagt. Auch wenn an zweilagigem Toilettenpapier aktuell kein Mangel vorlag. Aber man weiß ja nie…

Auch wenn's nur ein Geist ist: Wenigstens einer äußert sich zu den verschwundenen Akten.

Auch wenn’s nur ein Geist ist: Wenigstens einer äußert sich zu den verschwundenen Akten.

Verständlich, zumal selbst benutztes Toilettenpapier als eine Art analoger Browserverlauf dienen und zum belastenden Indiz werden könnte.

Jedenfalls kam mir dann der verwegene Gedanke, dieses wertvolle Konvolut in einen der angenehm zurückhaltend gestalteten Aktenschränke zu verstauen, um sie für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Akten in einem Aktenschrank lagern: Darauf muss man aber wirklich erst mal kommen.

Weil die Büros im Amt konsequent nach Feng Shui durchgestylt sind, verfügen die analogen Datengräber über Türen. Böse Geister können dann nicht durch das ganze Rathaus diffundieren.

Wie von Geisterhand verschwunden und wieder aufgetaucht.

Wie von Geisterhand verschwunden und wieder aufgetaucht.

Aha, kein schlechter Ansatzpunkt, dieser schamanische Grundgedanke. Andere hätten vielleicht überall im Rathaus Traumfänger aufgehängt oder Räucherstäbchen angezündet. Okay, was geschah dann?

Nun begab es sich, dass während meiner Abwesenheit eine bedienstete Person in meinen einsamen Tempel beordert wurde mit der Aufgabe, besagte Schriftrollen von dort in den Ratsaal zu schaffen. Dass diese nicht wie gewohnt auf dem Tisch standen, bereitete bei dieser Amtshandlung unerwarteten Verdruss.

Ein leerer Schreibtisch in einer Amtsstube ist doch aber nicht ungewöhnlich? Aber okay. Also hat man im Wellness-Bereich und auf der Toilette archäologische Grabungen vorgenommen oder wie?

Gut, per Chat GPT wäre man gegebenenfalls zu einer Lösung gekommen. Nur gibt das dann ein großes Hallo bei der forensischen Untersuchung des Browserverlaufs. Folglich wurde diese Amtshandlung aus Gewissensgründen unverzüglich abgebrochen.

Oh, Gewissen gibt’s auch noch? Jetzt hören Sie aber auf! Aber zurück zur Kernfrage: Am Ende sollen die Akten wie von Geisterhand getragen wieder aufgetaucht sein. Wie kam es denn dazu?

Erst nachdem ich einen berittenen Boten mit einer Schatzkarte entsandt hatte, konnte das Mysterium zur allseitigen Zufriedenheit aufgeklärt werden. Seit diesem denkwürdigen Tag bekomme ich regelmäßig parfümierte Briefe aus dem Orakel. Getreu dem Wahlspruch „mit Energie in den Wahnsinn“.

Vielen Dank für die Erleuchtung, sie müssen jetzt sicher weiterspuken. Viel Spaß dabei.

Wer würde auch darauf kommen, Akten in einem Aktenschrank zu suchen? Der ist dazu da, um drauf Staub zu wischen.

Wer würde auch darauf kommen, Akten in einem Aktenschrank zu suchen? Der ist dazu da, um drauf Staub zu wischen.

Für den gemeinen homo marcransis bleibt nach diesem Ausflug in die mystische Parallelwelt allein ein tiefes Verständnis dafür, dass man damit niemals ernsthaft an die Öffentlichkeit gehen kann. Zu groß ist die Gefahr, dass die Stadt danach eingezäunt wird und als größte Freiluftpsychiatrie der Welt in die Geschichte eingeht. Geister, Spuk und dann auch noch Akten in Aktenschränken – wo gibt’s denn sowas?

Wer hat hier einen neuen Markranstädter Stadtrat gewählt?

Will man den vielfältigen Verlautbarungen Glauben schenken, hat Markranstädt am vergangenen Sonntag einen neuen Stadtrat gewählt. Aber mit dem Glauben ist das so eine Sache. Wie heißt es doch gleich? Wer viel weiß, muss nicht alles glauben. Blicken wir also mal mutig hinter die Zahlen und stellen gemeinsam fest: Die Mehrheit des homo marcransis hat nicht einen Stadtrat, sondern ganz bewusst keinen Stadtrat gewählt. Wozu auch?

Bei den folgenden mathematischen Operationen dürfen Sie Ihre Finger ruhig auf der Tischplatte liegenlassen. Sie können getrost glauben, was wir Ihnen da zusammengerechnet haben.

Insgesamt waren in Lallendorf 13.253 Mitmenschinnen und Mitmenschen an die Urne gerufen worden. Allein 4.173 davon sind trotz aller Versprechungen wie Bierpreisbremse, Döner den Deutschen oder Abtreibungsverbot auf dem Kulki gar nicht erst hingegangen.

Das Ergebnis aus "Drei gewinnt".

Das Ergebnis aus „Drei gewinnt“.

Mithin blieben lediglich 9.116 Leute übrig, die ihre Neigungen zu Origami durch das Zusammenfalten von Denkzetteln ausleben wollten. Nach dem neuen deutschen Dreisatz (Habeck plus Lindner durch Scholz) macht das gerade mal noch 68,78 Prozent.

Denkzettel falten

Doch selbst von denen haben die Wenigsten einen neuen Stadtrat gewählt. Um genau zu sein: Satte 5.544 Stimmen haben sich grundsätzlich gegen die Wahl dieses Gremiums gerichtet. Mindestens!

Wie diese Zahl zustande kommt und was dahintersteckt, haben die Markranstädter Nachtschichten zunächst nüchtern analysiert, dann allerdings nicht mehr ganz so nüchtern in Worte fassen können. Es fehlt also noch der letzte wissenschaftliche Beweis für die folgende These.

Nüchterne Mathematik

Die 5.544 Stimmen gegen die Wahl eines neuen Stadtrats ergeben sich aus der Formel x + y = z. Wenn wir nun für x die Stimmenanzahl des am meisten gewählten Kandidaten einsetzen und für y die Votes für die am zweithäufigsten gelikte Bewerberin, kommt man nach Addition von 3008 und 2.536 auf genau jene 5.544 Stimmen. Aber warum sind das eigentlich Gegenstimmen?

Je t’aime: Wer wählt wen und vor allem: Warum?

Beginnen wir mit den Kreuzen für Mister X. Der hat zwar offiziell schon eine halbe Legislatur im Markranstädter Stadtrat hinter sich, aber auf seinem erkalteten Stuhl im Ratssaal zeichnet sich ein Stillleben mit Staubschicht und Spinnweben ab. Bei aller Kritik aus den Lagern seiner Gegner: Dass er sein Mandat einfach ausgesessen hat, kann man da wahrlich nicht behaupten.

Böse Zungen wollen allerdings wissen, dass das an seinem kaputten Navi liegt, ohne das der Politiker mit westelbischem Migrationshintergrund, der quasi im Vorgarten von Helmut Kohl aufgewachsen ist, selbst nach Jahren erfolgloser Integration weder den Ratssaal noch eine der Markranstädter Ortschaften findet.

Mister X: Der wo nie da ist

Aber was soll er auch machen angesichts der auf seinen Schultern drückenden Doppelbelastung durch Bundestag und Stadtrat? Da muss man Prioritäten setzen und kann der Lallendorfer Duma eben nur noch ab und zu mal einen Besuch abstatten.

Und diese Stippvisiten drohen jetzt, da er auch noch in den Kreistag gewählt wurde, noch seltener zu werden. Die Markranstädter Wähler haben das gewusst. Dass sie ihn trotzdem gewählt haben, ist ein klares Votum für den Wählerwillen: Wir brauchen keinen Stadtrat vor Ort!

Da hat jeder Wähler drei Kreuze gemacht.

Da hat jeder Wähler drei Kreuze gemacht.

Frau Y: Ehrlich währt am Längsten

Wieviel erfrischender erscheint dagegen die Kandidatur von Frau Y. Hier war von vornherein klar, dass sie ihr Stadtratsmandat nicht annehmen wird. „Ähnlich wie bei der Kandidatur von Oberbürgermeister Matthias Berger für die Freien Wähler in Grimma sehen die Freien Wähler Markranstädt die Chance für ein verändertes Mehrheitsverhältnis…“, ließ der Sprecher ihrer Liste schon im März wissen.

Heißt also: Ebenso wie ihr großes Vorbild trat Y lediglich als Stimmenfängerin an. Nicht einmal sie selbst hat ein Hehl daraus gemacht und ließ alle, die es hören wollten, schon im Vorfeld via LVZ wissen, dass sie das Vorgehen „als legitimes Mittel, sich notwendige Mehrheiten zu beschaffen“ betrachtet. Das ist ehrliche Kommunalpolitik, auch wenn das Ziel der Errichtung einer legislativen Monarchie um acht Sitze hauchdünn verfehlt wurde. Ihr Mandat wird sie aber wohl trotzdem nicht annehmen.

Aber das hat der Markranstädter Wähler vorher gewusst – und mit ihr trotzdem eine Kandidatin für den Einzug in die vierte Etage gewählt, die dort gar nicht einziehen wird. Und da will die Lügenpresse in der Tat noch ernsthaft behaupten, die Markranstädter hätten einen neuen Stadtrat gewählt, wo sie doch Leute wählten, die nicht drin sitzen werden?

Dass es am Ende trotzdem wieder 22 Leute getroffen hat, die Monat für Monat wertvolle Lebenszeit im Ratssaal verbringen müssen, ist wohl ebenfalls eher dem Glauben als dem Wissen zuzurechnen.

Sitzungsgeld als Mietzuschuss

Wenn die Neuen erst mal dahinterkommen, dass das Sitzungsgeld in Höhe von 31 Euro nicht einmal die Miete ausgleicht, die zu Hause derweil unbarmherzig weiterläuft, werden sie sich noch wünschen, den Fahrstuhl hinauf in die vierte Etage nie betreten zu haben.

MAF’s für die Ukraine

Und was können sie dort überhaupt ausrichten? Für bezahlbaren Wohnraum sorgen vielleicht, wo es die dafür erforderlichen Fördermittel nur für die drei Städte Dresden, Karl-Marx-Stadt und Leipzig gibt? Oder ein Hotel schließen, für dessen Betrieb sich der Landkreis eines ehemaligen Geheimdienstes bedient? Oder sich gar für die Lieferung von drei Einsatzfahrzeugen des Typs MAF an die Ukraine einsetzen, um auch von Markranstädt aus endlich ein Zeichen für Frieden in Europa zu senden?

Mexit oder Blumenbeet?

Natürlich könnte auch endlich mal die Frage des Austritts der Stadt Markranstädt aus der EU gestellt werden, der Mexit sozusagen. Die Ranstädter Mark ist als neue Währung schließlich schon seit Jahren in aller Munde.

Wichtige Entscheidungen stehen an.

Wichtige Entscheidungen stehen an.

Doch offenbar hat der homo marcransis eher befürchtet, dass es statt dessen auch in der kommenden Legislatur wieder nur um Kompetenzgerangel bei der Farbauswahl der Stiefmütterchen gehen könnte, die zur nächtlichen Erbauung pubertärer Bettflüchter auf dem Alten Friedhof gepflanzt werden.

Generalstab ohne Armee

Das ginge allerdings nur, wenn dann im Rathaus auch noch jemand da ist, der die entsprechende Beschlussvorlage ausarbeiten kann und es noch Mitarbeiter gibt, die dieses bunte Zeichen einer aufstrebende Stadt in die Rabatten stecken können. Den Wählern indes war es wichtiger, dass eben auch mal jemand von draußen draufguckt. Auch wenn es durchaus was zu tun gäbe für einen neuen Stadtrat – und sei es nur in Sachen Stiefmütterchen.