Die 17. Woche des Jahres war in Markranstädt so voll von unterhaltsamen Ereignissen, dass pünktlich zum Wochenende sogar die Sonne wieder scheint. Doch nein, wir wollen die vergangenen Tage nicht noch einmal aufwärmen, zumal der unterhaltsamste Teil bereits von der Qualitätspresse aufgegriffen wurde. Dass wir trotzdem ein aktuelles Angebot des Rathauses beleuchten, hat andere Gründe. Aber es gab noch mehr Interessantes in dieser Woche. So hat Markranstädt beispielsweise einen Ausweg aus der Wohnungskrise gefunden und außerdem gibt es eine kaum für möglich gehaltene Lösung für ein besseres Leben. Und dann wären da noch die Gründe, warum Soda und Gomorrhum in ein Nachbardorf zurückkehren.
In der lokalen Tagesgazette hatte man die vergangenen Tage offenbar zur „Themenwoche Wohnungsmarkt“ erhoben. Kaum eine Seite im Blatt, die nicht dem aktuellen Drama um die individuellen Behausungen gewidmet war.
Das kann nur heißen, dass der Wohnraum selbst für gut bezahlte Meinungsbildner langsam unbezahlbar wird. Mehr als eine längst bekannte Situationsbeschreibung ist dabei allerdings nicht rumgekommen. Wo sind die Tipps, wie man der Vermietermafia mal ordentlich dazwischenfunken kann, wo die Aufrufe zu Demonstrationen gegen das Vier-Wände-Kartell, wo der Ausweg aus der Spirale?
Spektakuläres Pilotprojekt
Bevor es in Markranstädt zu zivilem Ungehorsam oder gar Ausschreitungen durch verarmte Mieter kommt, wurde im Rahmen eines geheim gehaltenen Politprojektes der Test einer alternativen Wohnidee gestartet: Voilá – das Tiny-House „Lallendorf“.

Der Prototyp des Tiny-House „Lallendorf“ in Kulkwitz: Großzügige Terrasse mit Seeblick in alle Richtungen.
Der Prototyp wurde inmitten der Gärnitzer Vernässungsfläche errichtet und besticht durch gleich eine Vielzahl unschlagbarer Merkmale. Das Haus beansprucht kein wertvolles Bauland, verfügt in alle Himmelsrichtungen über Seeblick und selbst ein Anschluss ans Abwassernetz inklusive teurer Entsorgungskosten erübrigt sich angesichts des wasserreichen Umfeldes. Ein Loch im Fußboden, durch das man nach der Notdurft auch gleich die Angelschnur herablassen kann, reicht völlig für ein autarkes Dasein.
Weil man als Insasse eines solchen Lebensmittelpunktes kein Fahrrad benötigt, kann einem auch keins geklaut werden und vor anderen Dieben, lärmenden Neubürgern oder sprayenden Vandalen muss man sich ebenfalls nicht fürchten.
Die können meist sowieso nicht schwimmen und sich demnach nicht einmal auf Hörweite nähern.
Zwar gilt das auch für Lieferanten wie Flaschenpost, Amazon oder den Pizza-Service, aber mit einer Angel und einer Steinschleuder kann man sich selbst versorgen. Jeden Tag kostenlos Ente oder Fisch auf dem Tisch, wo hat man das sonst noch?
Mit Erfahrungen aus dem Kompetenzzentrum
Frisch auf dem Tisch ist auch eine Mitteilung aus dem Rathaus gelandet. Für das Unternehmerfrühstück am 8. Mai hat die Bürgermeisterin mit dem Thema „Was tun, damit meine Mitarbeiter im Unternehmen bleiben“ so zielsicher ins Schwarze getroffen, dass davor sogar der gleichfarbige Humor verblasst.
Weil die Impulsreferentin auf der Liste der Freien Wähler nur fünf Plätze hinter Nadine Stitterich für den Stadtrat kandidiert und damit exklusiven Zugriff auf deren ausgewiesene Expertise in Sachen Haltung von Mitarbeitern hat, können damit endlich auch gestandene Unternehmer von den Erfahrungen aus dem Rathaus profitieren. So funktioniert moderner Wissenstransfer in Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Besser leben mit einer Krankheit
Aber auch für Menschen, die keine Unternehmer sind und deshalb auf die Erkenntnisse moderner Mitarbeiterführung verzichten müssen, gibt es jetzt Hoffnung auf ein besseres Leben. Dazu braucht man nicht etwa mehr Geld, das einem für eine halbwegs würdevolle Wohnung sowieso gleich wieder aus der Tasche gezogen wird und auch nicht, wie einem immer gewünscht wird, mehr Gesundheit.

So ändern sich die Zeiten: Bislang glaubte man, dass es sich ohne besser lebt. Demnächst in Ihrer Apotheke, gleich neben dem Tripper
Im Gegenteil: Das Pharma-Unternehmen AbbVie warb in dieser Woche via Anzeige im Internet mit einem Leben, das erst mit einer Krankheit wieder so richtig schön wird.
„Besser leben mit Neurodermitis“ heißt es da begeistert. Und tatsächlich müssen auch gleich Millionen von Markranstädtern sofort losgerannt sein, um sich Neurodermitis zu besorgen. Jedenfalls ernteten die MN-Mitarbeiter in sämtlichen drei Apotheken der Stadt bei ihrer Nachfrage nach wenigstens einer Packung von dem Zeug nur hilfloses Schulterzucken. Offenbar ausverkauft. Tja, das alte Lied: Wer zu spät kommt, den bestraft das schlechtere Leben ohne Neurodermitis.
Biwak in Großgörschen: Frauen endlich wieder „unten ohne“
Abschließend noch ein Blick voraus. Jahrelang gehörten Erwin Littmann und seine historische Feldschmiede quasi zum Inventar beim alljährlichen Biwak zur Erinnerung an die Schlacht bei Großgörschen. Seit er dabei war, herrschte auch in den Zelten Zucht und Ordnung, denn Littmann hatte auch die Kontrolle über die Fortpflanzung der Zeltbewohner. Dazu hatte er auf seinem Amboss in sorgfältiger Handarbeit individuell angepasste Kontrazeptiva gefertigt, die nicht nur unter den Marketenderinnen als „Mittelalterpille“ gefürchtet waren.

Obwohl er sie den Damen persönlich so auf den Leib geschneidert hatte, dass sie sich zärtlich wie ein Seidentanga in den Schritt schmiegten, waren Erwin Littmanns Keuschheitsgürtel weithin gefürchtet. Jetzt ist endlich der Weg frei für frischen Nachwuchs bei den Gefechtsdarstellern.
Auch mancher Familienvater hatte beim Anblick dieser stählernen Sittenwächter so seine Mühe, dem Sohn oder der Tochter zu erklären, dass das mal Soldatenhelme werden sollen, die der Schmied nur noch nicht vollenden konnte.
Zwar ist Erwin Littmann 2019 leider verstorben, aber wegen der Angst vor der Neuzeit-Pest Corona hat es dann doch noch vier Jahre gedauert, bis die Sitten im Biwak endlich wieder auf Vorkriegsniveau gefallen sind. Zur Freude aller, die das muntere Treiben an nächtlichen Lagerfeuern und die von Eisen befreite Wollust nach dem Siegestrunke ausgelassen genießen wollen. Live mitzuerleben am 4. und 5. Mai drüben in Großgörschen.


































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