Neues aus der vierten Etage: Warum Planerfüllung allein nicht reicht

Und wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. So geschehen am Donnerstag, als sich die Lallendorfer Duma zum zweiten Teil des Blockbusters „Neues aus der vierten Etage“ traf. Noch gelähmt vom zwei Wochen alten Trailer wollte es kein MN-Insasse auf sich nehmen, in den kommunalpolitischen Olymp aufzusteigen. Doch Glückes Geschick: Ein der Schrift und Sprache kundiger Markranstädter hatte etwas Lebenszeit für das Event geopfert und bot uns seine in Prosa gefassten Erkenntnisse aus der Veranstaltung an. Unter dem Decknamen Percy ist es dem Volkskorrespondenten gelungen, das Spektakel in nicht für möglich gehaltender Kürze zusammenzufassen.

Als Höhepunkt der Stadtratssitzung am 12. September wurde in der vierten Etage der zweite Akt des Lustspiels aufgeführt.

Schnell wurde dem Publikum aber klar, dass es sich bei der Aufführung eher um ein Keine-Lust-Spiel handelt.

Die Bürgermeisterin ist gehindert, im Stadtrat zu sitzen, obwohl sie sich dort hat hineinwählen lassen, weil sie Bürgermeisterin ist. Das festzustellen hatte die Mehrheit des Stadtrates, angeführt von der CDU, schon einmal in der Sitzung am 27. August abgelehnt.

Dem Widerspruch widersprochen

Inzwischen gab es dagegen von Seiten der Stadtverwaltung zwar einen Widerspruch, aber keine Lust ist eben keine Lust, daran änderte auch das neue elektronische Abstimmungsgerät nichts. Zwölf gegen sechs – erneute Ablehnung, obwohl der Stadtrat von Gesetzes wegen nur hätte zustimmen dürfen.

Das wäre doch keine Demokratie nicht, wenn Stadträte nur so abstimmen würden, wie sie dürften, rebellierte Ex-Bürgermeister Spiske auf Seiten der CDU. Freie Wähler, so der Gründer des Vereins, eierten ja inzwischen sogar schon bei Landtagswahlen rum mit dem Wahlergebnis.

Hilfslieferung aus dem Landratsamt erwartet

Wie dem auch sei: Der dritte Akt des unlustigen Lustspiels wird nun wohl unter der Regie der Kommunalaufsicht aufgeführt. Das Drehbuch mit 21 grünen Ja-Karten ist unter dem Titel „Sächsische Gemeindeordnung“ längst gedruckt.

Und doch war es nicht die letzte Diskussion an diesem Abend. Redebedarf gab es auch zum „Lärmaktionsplan“, der im Gegensatz zu seiner Überschrift gar keine Lärmaktionen vorsieht. Ein deftiges Rammstein-Konzert in Markranstädt ?

Denkste Puppe: Es geht um das Gegenteil. Als Neue im Stadtrat stand Lydia Ramm (Grüne) die Frage durchaus zu, was es denn mit dem bisherigen Plan auf sich habe und ob dieser vielleicht gar schon erfüllt sei?

Die Sache mit der Planerfüllung

Allein die wenigen noch mit dem Gemeinschaftsempfang der aktuellen Kamera gestählten Stadträte ahnten bereits im Vorfeld, dass es auf Planerfüllung allein längst nicht ankommt.

Jugendprojekte im Soll

In diesem Sinne ging dann auch das Restprogramm des Abends so reibungslos über die Bühne wie einst in der Volkskammer. Das Stadtbad wird gebaut, die Kita am See ebenfalls und bis zum 27. September könnte auch in der Kita am Weißbachweg die Wiedereinweihung stattfinden.

So denn der Plan erfüllt wird.

Sklavenhandel in Markranstädt: Onkel Toms Hütte untem Hammer

Eigentlich nichts Neues: Das Markranstädter Hotel „Damaskus“ (vormals Gutenberg) steht wieder mal zum Verkauf. Diesmal allerdings mit überraschenden Details. Jetzt erfährt der homo marcransis, was es mit dem gelben Elend wirklich auf sich hat, was hinter dessen Mauern tatsächlich geschieht und wie lange das noch so gehen soll. Endlich Transparenz: Warum nicht gleich so?

Jetzt ist es raus: Das als „Gemeinschaftsunterkunft“ getarnte Bauensemble ist in Wahrheit eine renditestarke Gewerbeimmobilie, die 120.000 Euro pro Jahr zuzüglich 5 Prozent Sondervermögen abwirft.

Gut, das ist jetzt nicht unbedingt eine neue Geschäftsidee. Schon vor über 200 Jahren erfolgte in den amerikanischen Südstaaten die Unterbringung händeringend gesuchter Fachkräfte für die Baumwollernte in gesonderten, zentralen Behausungen.

Mit freundlicher Gewerbeförderung Ihres Landkreises

Neu ist aber, dass Onkel Toms Hütte in Markranstädt mit freundlicher Unterstützung der öffentlichen Hand finanziert wird: 120.000 Öcken im Jahr. So billig war der Neger zuletzt Ende des 19. Jahrhunderts im Zoo Hagenbeck zu haben.

Und dabei hat der Landkreis auch noch Glück, dass der Betreiber in den „64 Einheiten“ nur bis zu 160 Flüchtlinge hält.

Nicht auszudenken, wenn es Hunde, Katzen oder Goldhamster wären. Längst hätten Tierschutzorganisationen wegen unerträglicher Haltungsbedingungen weltweit mobil gemacht.

So zu lesen auf dem Portal "ohne-makler.net".

So zu lesen auf dem Portal „ohne-makler.net“.

So aber sind es nur humanoide Insassen, deren Schicksal nicht einmal zur Sprache kommt, wenn auf dem Marktplatz – noch nicht bei Auktionen, sondern vorerst nur bei Demos vorm Rathaus – bunte Zeichen für Menschenrechte gesetzt werden.

Darüber hinaus erfahren wir aus dem Inserat aber auch, was der Landkreis mit der „unbefristeten Verlängerungsoption“ bei der Bereitstellung von Zuschüssen für die „64 Einheiten“ meinte.

Dafür mussten Kapitäne früher lange über die Ozeane schippern

Demnach muss es sich um eine auf 20 Jahre gestreckte „solide und gesicherte Einnahmesituation“ handeln. Merke: Für das gleiche Salär musste der Kapitän der „Amistad“ seinerzeit zig-mal die ihm anvertrauten Seelen über die gefährlichen Weltmeere schippern.

Schwer zu verstehen. Ausgerechnet in einer Zeit, da es sogar im Vorspann von Filmen wie „Roots“ oder „Fackeln im Sturm“ nicht an entsprechenden Warnhinweisen fehlt, wird im Deutschland des 21. Jahrhunderts die Unterbringung Geflüchteter schon wieder als renditestarkes Gewerbe gepriesen.

So ändern sich die Zeiten. Früher hieß das Sklavenhandel, heute: „Wir schaffen das!“

Neues aus der vierten Etage: Staffelstart in ferne Sphären

Das beliebte Markranstädter Kabarett „Der Stadtrat“ ist am Dienstagabend in die neue Saison gestartet. Vor restlos voll besetzten Besucherstühlen, unter den rund 40 Gästen befanden sich sogar Kinder, hat das frisch zusammengestellte Ensemble die Premiere seines aktuellen Programms gefeiert. Die Kritiken der internationalen Presse fielen allerdings eher verhalten aus. Zu realitätsfern das Drehbuch, zu phantasiereich die Pointen und zu ermüdend die Dramaturgie, lauten die Urteile der Kulturredakteure. Vom allgemeinen Unterhaltungswert her war allerdings nicht alles schlecht, wie MN-Beobachter Claus Narr festgestellt hat.

Schon bei der Startszene, die lange vor Beginn der eigentlichen Sitzung angelegt war, hatten die Intendanten für ihren Fetisch tief in die Kiste gegriffen.

Die lokale Gazette wollte, offenbar für medienwirksame Autogrammkarten, Porträtfotos von den einzelnen Akteuren anfertigen und hatte deshalb zu einem Shooting auf die Rathaustreppe geladen. Allein das CDU-Ensemble boykottierte diesen Akt.

Foto-Boykott der Schwarzen

In einem Anflug tiefster Befürchtungen hatte ich daraufhin einen Blick ins zwei Monate alte Programmheft der Schwarzröcke geworfen, in dem sie alle zu sehen sind. Die Erkenntnis: Sooo hässlich, dass sie sich nicht vor die Kamera wagen können, sehen sie nun auch wieder nicht aus. Aber ich sehe diesen Auftakt trotzdem positiv: Vielleicht wollten sie halt nur dem Markranstädter Star-Model ihr angestammtes Podium vor der Linse überlassen. Ganz im Sinne einer harmonischen Zusammenarbeit in den nächsten Jahren.

Jugend forscht

Als völlig lebensfremd wurde derweil das Szenario der eigentlichen Sitzung kommentiert. Unter den rund 40 Gästen befanden sich sogar Kinder, die hier offenbar via Gemeinschaftsempfang an der Seite ihrer Eltern mit ersten Demokratieerfahrungen konfrontiert werden sollten. Da sie gemeinsam mit ihren Sorgeberechtigten schon nach dem fünften von 25 Akten entsetzt die Flucht aus der Mitte ihres antiautoritären Stuhlkreises antraten, sollten sie wohl genug gelernt haben.

Demokratische Stereotype

Ich schließe daraus, dass es trotzdem besser wäre, das Programm künftig mit der Altersbeschränkung FSK 18 zu versehen, zusammen mit Warnhinweisen wegen politischer Aneignung und demokratischer Stereotype, die früher schon falsch waren, aber aus Gründen des Unterhaltungswertes nicht rausgeschnitten wurden.

Heliumleichte Unterhaltung

Aber wie erfrischend anders als das wahre Leben war denn diese Premiere? Kein Gedanke an die Sorgen des Alltags normaler Bürger.

Statt dessen wartete eine abwechslungsreiche Entführung in phantastische Sphären fernab jedweden Bezugs zur Wirklichkeit.

Okay, die mag mitunter sogar die Vorstellungskraft von Fans heliumleichter Phantasie-Romane überfordert haben. So wollte schon im dritten Akt eine demokratisch gewählte Stadträtin auf ihr Mandat verzichten, weil sie bereits Bürgermeisterin ist und diese Doppelfunktion von Gesetz wegen gar nicht ausführen darf.

Kabarett in der Urne

Ich meine: Da ist doch eigentlich schon von vornherein klar, dass das Science-Fiction-Unterhaltung ist, die man nicht ernst nehmen darf. In einer wahren Demokratie wie der unseren wäre die Kandidatin damit nicht nur hinterher, sondern schon vorher unwählbar, wenn sie gar nicht gewählt werden kann. Das gilt nicht nur für Personen ohne deutschem Pass, Verbrecher oder Obdachlose.

Oscarreife Leistungen

Trotzdem haben die Darsteller so überzeugend mitgespielt, dass man die Nummer gut und gerne auch für echt halten könnte. Also, ich für meinen Teil war begeistert, welch mimisches Potenzial in dieser Stadt wohnt.

Der Höhepunkt des künstlerischen Einfallsreichtums lag dann in der Szene, als der Stadtrat auch noch darüber abstimmen sollte, ob die Bürgermeisterin ihr Mandat zurückgeben darf. Obwohl er rechtlich gar keine andere Möglichkeit hatte als zuzustimmen, tat er es trotzdem nicht. Eine künstlerisch genial konstruierte Reminiszenz an die revolutionären Herbsttage des Jahres 1989.

Dem das Glück hold war

Gekrönt wurde der Akt vom humoristischen Einwurf eines CDU-Darstellers, dem ein ähnliches Schicksal wie das der Bürgermeisterin nur deshalb erspart blieb, weil er „das Glück hatte, zum 1. August aus dem Rathaus ausgeschieden zu sein.“ Da blähten sich die Nüstern der verbliebenen Rathaus-Insassen an der Frontseite des Ratstisches vor Neid. Okay, einen Spaß auf Kosten der Opfer, sowas macht man nicht, vervitzt nochmal! Aber das Publikum hatte spätestens an diesem Punkt endgültig Feuer gefangen.

Auch sonst war die Dramaturgie der Premierenvorstellung von hervorragend inszenierten Konflikten geprägt, die vom traurigen Alltag und seinen Sorgen weit entfernt waren und somit für einen entspannten Abend sorgten.

So wurden beispielsweise bereits abgesprochen scheinende Wahlverfahren für Ausschüsse plötzlich in drei oder mehr Abstimmungsvorgänge samt Beratungspausen zerlegt, weil ein Verhinderungsbeauftragter des Rathauses unter dem Abstimmungsergebnis „einstimmig“ etwas anderes versteht als Parlamente in anderen Fürstentümern der Republik oder sogar die EU, wo eine Stimmenenthaltung dennoch ein einstimmiges Ergebnis rechtfertigt. Das ist die ganz hohe Schule des Kabaretts!

Tischsitten und andere Unarten

Auch dass ein aus erwachsenen Mandatsträgern bestehendes Gremium nicht in der Lage ist, sich bei Tisch auf eine Sitzordnung zu einigen, hat die Phantasie des Publikums derart angeregt, dass sich manche Gäste im Kino wähnten, wo gerade die Zauberer-Saga „Sehr viel Schotter und der Jammer des Schreckens“ über die Leinwand läuft.

Catering ausbaufähig

Nicht zuletzt gab es dennoch unüberhörbare Kritiken zum Marketing der Veranstaltungsreihe. Unter dem heißen Dach in der vierten Etage angesiedelt, standen zwar den Darstellern ausreichend liquide Mittel zur Verfügung, das Publikum jedoch dürstete nicht nur nach lebensnahen Pointen, sondern kämpfte zugleich auch gegen fortschreitende Dehydrierung und akute Unterhopfung an. Ein Tresen zur Grundversorgung würde hier wahre Wunder wirken.

Kleinkunst auf der Suche nach größerer Bühne

Zugleich könnte man auf diese Weise ein während der Sitzung vorgebrachtes Projekt verwirklichen, das aktuell noch nicht finanziert werden kann. Der Wunsch nach einem Umzug des Kabaretts zurück auf die Bühne im KuK scheitert bislang an der Bereitstellung von rund 450 Euro für die Beschallungsanlage samt deren Bedienung – pro Vorstellung.

Selters statt Sekt

Ein paar inhaltliche Änderungen im Bühnenprogramm und ein wenig Service fürs Publikum, das sich bestimmt auch mit ein paar Selters abspeisen lässt – und schon könnte man Eintritt nehmen und damit den Umzug ins kommunale Kulturzentrum refinanzieren.

Wider dem tierischen Ernst

Vorausgesetzt, es kommt ein einstimmiger Beschluss zustande, also ohne Enthaltungen. Das Gala-Programm stimmt jedenfalls schon mal, man darf es nur nicht ernst nehmen.

Anschlag auf Kulkwitzer Sportplatz: Anstoßpunkt geklaut!

Eigentlich sollte es ein Pokalwochenende werden, an dem erst die Zweite des SSV Kulkwitz gegen die Reserve von Großlehna und danach die Kulkwitzer Erste gegen Kitzen kicken sollte. Aber nachdem sich in der Nacht zuvor lichtscheues Gesindel Zugang zum Kulkwitzer Fußballplatz verschafft hatte, staunte der Verein nicht schlecht. Dort, wo sich auf dem Spielfeld normalerweise der Anstoßpunkt befindet, klaffte ein 30 Zentimeter tiefes Loch. Und das war längst nicht alles.

Den Anstoßpunkt von einem Fußballfeld zu klauen, mag erst einmal originell klingen.

Für den satirisch geprägten Geist ist das ungefähr vergleichbar mit dem Entwenden eines Sterns vom Schulterstück eines Polizisten, durch das der Hauptmann zum Nebenmann entmannt wird.

Wenn sowas passiert, dann sowieso nur in Markranstädt, wo in letzter Zeit nichts mehr sicher ist. In Kulkwitz hat der Diebstahl des Anstoßpunktes allerdings so weitreichende Folgen, dass sich spätestens jetzt jeder homo marcransis seiner eigenen Gattung fremdschämen muss.

Erst wurde der Zaun zerstört und weil das Werkzeug einmal in der Hand war, wurde aus gleich noch der Fangzaun hinter dem Tor zerschnitten.

Erst wurde der Zaun zerstört und weil das Werkzeug einmal in der Hand war, wurde aus gleich noch der Fangzaun hinter dem Tor zerschnitten.

Um überhaupt erst einmal auf das Gelände zu gelangen, wurde zunächst der Zaun zerstört. Und weil man die Werkzeuge einmal in der Hand hatte, kamen die auch gleich noch beim Fangnetz hinter dem Tor zum Einsatz.

Immenser Sachschaden

Dann ging es an die Schachtarbeiten. Beim Ausgraben des Anstoßpunktes wurde allerdings nicht nur das Stück Rasen geklaut, sondern dabei auch noch ein elektrisches Kabel zerhackt, das die Beregnungsanlage steuert.

Das rund 30 cm tiefe Loch hat der Verein am Sonntag notdürftig mit Sand gefüllt, weil die Idioten beim Ausgraben des Lochs eine Elektroleitung gekappt hatten.

Das rund 30 cm tiefe Loch hat der Verein am Sonntag notdürftig mit Sand gefüllt, weil die Idioten beim Ausgraben des Mittelpunktes eine Elektroleitung gekappt hatten.

Zu allem Überfluss wurden auf dem Rasen auch noch weiße Kristalle gefunden, in deren Umkreis sich das Gras bereits gelb färbte. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Kulkwitzer Opfer eines Tausalz-Anschlages würden.

Keine acht Stunden nach Erstattung der Anzeige war schließlich auch die Polizei vor Ort. Die brauchen bei solchen Einsätzen neuerdings länger als das Rathaus beim Wegräumen eines Fahrradständers, das dabei sogar in voller verbliebener Gefechtsstärke von 9 Einsatzkräften samt Ordnungsamt, technischem Dienst und einer Polizistin nur 18 Stunden nach Erteilung eines Bescheides mit drei Fahrzeugen in Seebenisch anrückt. Daran sollten sich die Freunde und Helfer aus der Ratzelstraße mal ein Beispiel nehmen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der gegilbte Grünstreifen parallel zur Mitteikreislinie lässt im Zusammenhang mit vorgefundenen weißen Kristallen ein weiteres Desaster befürchten. Möglicherweise Tausalz.

Der gegilbte Grünstreifen parallel zur Mitteikreislinie lässt im Zusammenhang mit vorgefundenen weißen Kristallen ein weiteres Desaster befürchten. Möglicherweise Tausalz.

In Kulkwitz jedenfalls gab’s am Sonntag keinen Fußball. Dafür jede Menge Vorschläge aus dem Volk, wie es nun weitergehen könnte. Da der SSV mit der von der Stadt auf ihn abgewälzten Unterhaltung des Sportplatzes sowieso überfordert ist, könnte man den Zaun beispielsweise mit Stacheldraht krönen.

Umwidmung zu Lager?

Dazu an jeder Ecke einen mobilen Hochstand der örtlichen Jäger aufstellen und die Anlage als Erziehungslager umwidmen. Da kann das lichtscheue Gesindel, um seinen Hunger zu stillen, dann so lange Mittelpunkte ausgraben, bis die Kartoffeln keimen.

Was die Herkunft der Spatenidioten angeht, ist bislang nur eins klar: Aus dem Ort, aus dem sie kommen, kommen sie nicht.

Das hat der in Duweißtschonwo ansässige Verein am Vormittag auch nachhaltig zum Ausdruck gebracht. Dass kurz zuvor auf einigen Kommunikationskanälen ein Foto viral gegangen ist, auf dem der Anstoßpunkt als Trophäe in einem Blumentopf thront, ist garantiert nur das Produkt hinterhältiger Stimmungsmache des russischen Geheimdienstes.

Dieses Foto kursierte am Sonntag durch diverse Kommunikationskanäle. Es soll wohl die erbeutete Trophäe vom Kulkwitzer Fußballplatz zeigen.

Dieses Foto kursierte am Sonntag durch diverse Kommunikationskanäle. Es soll wohl die erbeutete Trophäe vom Kulkwitzer Fußballplatz zeigen.

Nach Beurteilung aller Indizien sind inzwischen auch die Markranstädter Nachtschichten von der Idee zur Errichtung eines Erziehungslagers abgerückt. Das anfängliche Unverständnis ist tief empfundenem Mitleid für die irregeleiteten Gestalten gewichen, die nachts auf Sportplätzen mit Spaten unterwegs sind.

Traumatische Kindheit

Es wird gar zu deutlich, wie traumatisch eine Kindheit sein kann, wenn sie sich am Rande einer vielbefahrenen intereuropäischen Transitroute abspielt. Dass die wenigstens einmal in ihrem sinnentleerten Dasein auch mal ein Stück Rasen besitzen wollen, auf dem sich ehrlicher Sportsgeist abgespielt hat, muss man einfach verstehen.

Nur gut, dass das alles an einem Sonntag passiert ist, an dem sowohl die Qualitätsmedien als auch mögliche Trittbrettfahrer noch im Dämmerschlaf lagen. So kurz vor den Landtagswahlen hat an mancher Häuserwand schon weit weniger gereicht, um als Anschlag verstanden zu werden.

Nicht nur in Markranstädt: Warum die Mathematik so unberechenbar ist

Es ist das in Deutschland zwar am wenigsten bekannte, dafür aber europaweit erschreckendste Ergebnis der jüngsten Pisa-Studie: 12 von 8 Menschen sind mit Mathematik völlig überfordert. Was noch schlimmer ist: Die Versagerquote unter Männern liegt demnach bei 63, die unter Frauen sogar bei 67 Prozent. Macht zusammen einen mathematisch bildungsfernen Bevölkerungsanteil von 130 Prozent! Kein Wunder also, dass der homo marcransis an der Lösung unserer Textaufgabe über die Zigarettenpreise so grandios gescheitert ist.

Auf die Einwohnerzahl der Stadt Markranstädt heruntergebrochen, bedeutet das: Mehr als das Doppelte aller hier wohnenden Bürger versteht nichts von Mathe!

Oder anders gesagt: Damit die Zahl derer, die rechnen können, wenigstens gleich Null wird, müssten noch rund 18.000 mit Zahlenverständnis gesegnete Menschen nach Markranstädt zuziehen.

Wie groß ist X (vormals Twitter)?

Dieser dramatische Anstieg der Abwärtsentwicklung trat auch in der Zahl der Leserzuschriften zutage, die uns in Beantwortung der Rechenaufgabe zu den Zigarettenpreisen erreichten. Ganze sieben Leser verkörpern den Kreis jener Lallendorfer, die zumindest so viel von Mathematik zu verstehen glauben, dass sie sich damit selbstbewusst an die Öffentlichkeit wagen.

Wie groß ist x (vormals Twitter)? Einer von den 12 von 8, die morgens lieber ihre Wurzel aus einer Unbekannten ziehen als ihr Leid zu quadrieren.

Wie groß ist x (vormals Twitter)? Einer von den 12 von 8, die morgens lieber ihre Wurzel aus einer Unbekannten ziehen als ihr Leid zu quadrieren.

Dass sechs von ihnen dabei nicht einmal Grundrechenoperationen bemühten, sondern ihr lückenhaftes Wissen hinter ablenkenden Gegenfragen, algebraischen Verschwörungstheorien oder wohlklingenden Phrasen verstecken wollten, mag dem Einfluss westelbischer Bildungspolitik der letzten 34 Jahre geschuldet sein. Gut – immerhin hat die Realität bewiesen, dass man in diesem unserem Lande von jedweder Ahnung befreit sogar Wirtschafts- oder Außenminister werden kann.

Oder Journalist. Wobei diese Berufsgruppe noch richtig rangenommen wird bei der Arbeit. Für die Sklaven in den Schreibstuben könnte der Tag mitunter gern weit mehr als 24 Stunden haben.

Na ja, wenn's der Tag hergibt?

Na ja, wenn’s der Tag hergibt?

Die Kehrseite der Medaille: Wenn man so 60 bis 70 Stunden des Tages im Büro verbracht hat, kann man ganz schnell mal nicht nur jegliches Zeitgefühl verlieren, sondern auch die ehernen Grundlagen der Mengenlehre vergessen. Wie gut, wenn man all das einem Arzt unterjubeln kann, über den man gerade schreibt.

Frauenproblem: Warum die Tage zu Wechseljahren werden

Ganz nebenbei kommt bei einem so langen Tag in der Praxis auch das Kopfkino nicht zu kurz. Was mag in der Patientin vorgehen, die beim Diagnosegespräch erfährt: „Sie haben nur ihre Tage“? Bei 60 bis 70 Stunden Länge einer solchen Maßeinheit bedeutet das nicht nur, dass sie in diesem Jahr keinen Sex mehr haben wird. Zu alledem wird sie auch noch wenigstens drei Bluttransfusionen benötigen, um die ersten 12 bis 15 Tage der kommenden Woche überleben zu können.

Wir lernen: Mathematik ist wirklich nicht jedermanns Sache. Aber lassen Sie uns nicht auf denen herumhacken, die den Dreisatz für eine olympische Disziplin halten. Im Gegenteil: Wir möchten genau diesen Menschen Mut zusprechen und ihnen Hoffnung geben. Denn siehe, ein neuer Heiland ward geboren: Die künstliche Intelligenz kommt über Euch!

Ganz gleich ob künstlich oder biologisch, kann sie natürlich nur dort angewendet werden, wo sie vonnöten ist. In Markranstädt also eher nicht, wie man anhand der Zerstörungen, des Vandalismus und der anhaltenden Diebstahlserien unschwer feststellen kann.

Hier hat man längst erkannt, dass man weder für den eigenen Lebensunterhalt noch für die Gestaltung der üppig vorhandenen Freizeit auch nur eine Spur von Verstand oder gar Intelligenz braucht. Zumal selbiges auch bei der Verfolgung und Ahndung dieses Lebensstils schmerzlich vermisst wird.

ChatGPT versetzungsgefährdet

Das hat allerdings sogar die KI selber schon erkannt. Weil die Antwort auf unsere Frage große Teile der Bevölkerung offenbar nur verunsichern würde, hat ChatGPT das Fragezeichen hinter unserem Auskunftsersuchen einfach nur durch einen Punkt ersetzt und das Problem damit als Antwort volley an uns zurückgesandt.

So viel Mühe bei der Fragestellung (oben) und dann dieses lieblose Statement der KI (unten), das nicht einmal sie selbst versteht.

So viel Mühe bei der Fragestellung (oben) und dann die Antwort, dass es so ist weil es so ist.

Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass es eh keiner merkt, weil die Nutzer künstlicher Intelligenz die selbige schließlich allein deshalb nutzen, weil sie keinen Zugriff auf die eigene biologische Variante haben. Schlau, diese KI.

Also Kopf hoch! Zumindest der künstlichen Intelligenz sind 12 von 8 Markranstädtern noch immer haushoch überlegen. Darauf eine Camel! Ganz egal, ob eine für 29 oder 33 Cent, hauptsache der Dübel qualmt.

Sonntagsfrage: Wer findet den Fehler?

Im Team der Nachtschichten wird entweder gar nicht geraucht oder es liegen Camel und Marlboro auf dem Tisch. Eine Dame quarzt Gaulioses [sprich: Gauläuse], der Chef greift manchmal zur Pfeife, außerdem steht ein mit 25 Cohibas prall gefüllter Humidor im Regal. Weil es lange nichts zu feiern gab, liegt die Zigarrenkiste allerdings unter einer dicken Staubschicht. Angesichts ausstehender Lohnzahlungen durch unsere Leser (die Anteilnahme in Form von Kommentaren geht gegen Null) greifen wir aus Frust immer öfter zu anderen Rauschmitteln. Bei einer solchen Orgie ist jetzt allerdings was ans Licht gekommen, auf das wir keine Antwort gefunden haben. Und deshalb fragen wir heute Sie!

Wichtiger noch als Zigaretten ist Alkohol. Nachdem der jüngst in reichem Maße die Kehlen der Satiriker gegerbt hatte, entbrannte eine heftige Diskussion darüber, welche Zigarettensorte wohl die beste sei.

Klar, wie alles in unserer Gesellschaft, wird die Beliebtheit über den Preis definiert. Und so trumpfte der MN-Chefsatiriker mit Camel für 18 Euro auf, um einen per Leihvertrag gemieteten Aushilfsvolontär zu übertrumpfen, der Camel für 20 Euro pro Schachtel raucht.

Im Grunde genommen lief zunächst alles auf die Pointe hinaus, die man schon vom Witz mit den Benzinpreisen kennt. Für Fritzchen gibt es keine Spritpreiserhöhung, er tankt immer für 30 Euro.

Rechnung steht auf der Kippe

Dann aber stellte sich im MN-Team eine Pause der Sprachlosigkeit ein. Die Hirne rauchten, mathematische Grundrechenoperationen wurden bemüht und so manch einer schielte sogar schon zum Tafelwerk unter dem Humidor.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir sind auf ein mathematisches Problem gestoßen, für das die Schulwissenschaft offenbar noch keine Erklärung gefunden hat. Auch die KI nicht. ChatGPT hat gemeint, es könne nicht antworten, weil es voll damit beschäftigt sei, das Problem zu bewundern.

Die Sonntagsfrage

Aber wozu haben wir eigentlich unsere Leser, die doch sonst immer auf alles eine Antwort haben? Also bitteschön: Hier eine Textaufgabe als Sonntagsfrage.

In einer Schachtel Camel zum Preis von 18 Euro befinden sich 53 Zigaretten. Das macht 0,34 Euro pro Zigarette. Im gleichen Regal, nur wenige Zentimeter davon entfernt, stehen Camel-Schachteln zum Preis von 20 Euro, in denen sich 60 Zigaretten befinden. Das macht nach Adam Ries 0,33 Euro pro Glimmstengel.

Wenn man nun die Differenz betrachtet (53 Stück für 18 Euro gegenüber 60 Stück für 20 Euro), befinden sich in der größeren Schachtel für 2 Euro mehr 7 zusätzliche Zigaretten. Sieben Zigaretten für zwei Euro macht aufgerundet 0,29 Euro pro Kippe.

Bei 0,29 Euro pro Zigarette dürfte sich der Preis der Schachtel allerdings nicht auf 20 Euro belaufen, sondern auf 60 x 0,29 = 17,40 Euro.

Frage: Wo kommt die Differenz in Höhe von satten 2,60 Euro her, wer steckt sie sich ein und wie wird sie versteuert? Lassen Sie bei Ihrem Rechenweg vermeintlich marktwirtschaftliche Mechanismen (beispielsweise dass Waren billiger werden, je größer die Abnahmemenge ist) getrost außer Acht.

Legendäre Preise

Für die drei originellsten Antworten spendieren wir je einen legendären Aufkleber „Ich bin ein Markranstädter“, für die bei Ebay inzwischen schon zweistellige Beträge aufgerufen werden.

Schreiben Sie Ihre Lösungsvorschläge gleich unten in den Kommentarbereich oder schicken Sie sie per eMail an redaktion@nachtschichten.eu.

Wir sind gespannt!