Neues aus der vierten Etage (4): Scharia in Markranistan

Nach elf Jahren neigt sich die Ära des MN-Blockbusters „Neues aus der vierten Etage“ so langsam ihrem Ende entgegen. Geht es nach dem Wunsch des Stadtrats (und sicher auch großen Teilen des Live-Publikums), fand am Donnerstagabend die vorletzte Show in der ebenso verwinkelten wie stickigen Dachkammer statt. Ab Januar soll das Ensemble ins KuK umziehen. Dahin wird es allerdings nicht gleich alle 22 Stühle mitnehmen müssen, denn ein Sitzmöbel bleibt weiterhin unbenutzt.

Der kleine Promuchel auf der Straße versteht die Welt nicht mehr. Vor einem halben Jahr noch hätte er jede Wette darauf gewonnen, dass die nordöstliche Verteidigungslinie am Ratstisch froh darüber wäre, Nadine Stitterich endlich ausgeschwitzt zu haben. Und jetzt will man sie auf einmal nicht gehen lassen.

Muss man nicht verstehen. Genauso wenig allerdings auch den zwar legalen, aber eher nicht legitimen Schachzug der Bürgermeisterin, sich auf das bigotte Abenteuer einer Scheinkandidatur einzulassen.

Abstimmen bis das Ergebnis passt

Die Folge: Zum Dritten Mal sollte der Stadtrat der Mandatsniederlegung Stitterichs zustimmen, zum dritten Mal hat er es abgelehnt. Und das, obwohl ein Ultimatum des Landkreises vorliegt, wonach die Duma keine andere Möglichkeit hat als in fest geschlossenen Reihen einheitlich die Hände zu heben.

Nuklearer Fallout am Ratstisch

Und so flogen auch beim dritten Anlauf am Donnerstagabend wieder die Fetzen am Ratstisch. Allerdings ohne Beteiligung der Bürgermeisterin. Die hat den gesamten Stadtrat inzwischen so weit auf Linie gebracht, dass sie nur noch dabei zuzuschauen braucht, wie sich die Räte mit bis zur nuklearen Sprengkraft aufgerüsteten Worthülsen im politischen Landgewinn üben.

Inzwischen kommen sogar verbale Scharfschützen zum Einsatz, die es gezielt auf die Ausschaltung einzelner Personen abgesehen haben und nicht einmal davor Halt machen, auch unbewaffnete Versorgungstruppen aus dem Rathaus ins Visier zu nehmen.

Neuer Friedensrichter mitten im Kriegsgeschehen

Die über 30 Schaulustigen, darunter der designierte stellvertretende Friedensrichter der Stadt, hatten so ihre Mühe, dem Schlachtverlauf zu folgen. Vor allem jene Augenzeugen, die es mit Logik und gesundem Menschenverstand versuchten, waren zum Scheitern verurteilt. Schauen wir also mal kurz auf die Situation.

Die Bürgermeisterin hat sich zur Stadträtin wählen lassen, darf beides aber nicht gleichzeitig ausüben. Also muss sie entweder als Stadtoberhaupt zurücktreten oder auf ihr Stadtratsmandat verzichten.

Der Mandatsverzicht bedarf der Angabe eines Hinderungsgrundes zur Annahme des Sitzes im Stadtrat und dieser Grund ist laut Sächsischer Gemeindeordnung durch ihre Funktion als Bürgermeisterin gegeben.

Die etwas andere Logik

An dieser Stelle könnte sich einem mit logischem Verstand gesegneten Menschen zwar die Frage stellen, ob die Bürgermeisterin vor dem Hintergrund dieses Ausschlusskriteriums überhaupt wählbar war, aber die Antwort darauf würde weite Teile der Bevölkerung vielleicht nur verunsichern.

Die Hände hoch, die Reihen fest geschlossen…

Jedenfalls wäre der Fall mit dem Vorliegen eines im Gesetz verankerten Grundes abgeschlossen: Die Ampel steht auf Grün, also darf sie fahren.

Freud'scher Verdenker? Im festen Glauben an einen Druckfehler hoffte ein MN-Leser, dass sich das Problem inzwischen von selbst gelöst hat.

Freud’scher Verdenker? Im festen Glauben an einen Druckfehler hoffte ein MN-Leser, dass sich das Problem inzwischen von selbst gelöst hat.

In Sachsen hat man allerdings schon traditionell mehr Sinn für Humor. Deshalb haben die Gesetzesschmiede in Dresden – wohl auch, um dem Sein der Demokratie noch mehr Schein zu verleihen – noch eine kleine Pointe eingebaut. Obwohl die Ampel auf Grün steht, muss der Stadtrat trotzdem erst noch darüber abstimmen, dass das Grün auch grün genug ist, um losfahren zu können. Wie gesagt: DASS es grün genug ist, nicht etwa OB.

Gewissensfragen zwischen Ab- und Zustimmung

Im Grunde genommen sollen die Stadträte also in einem als Abstimmung getarnten Akt der Zustimmung lediglich ihre einhellige Legitimation dieses Vorgangs zu Protokoll geben. Das schreit allerdings auf einem schon historisch durch seine Streitbarkeit bekannten Schlachtfeld wie Markranistan geradezu nach Rebellion.

Und der gemeine homo marcransis fragt sich: Wenn es von Gesetzes wegen gar nicht anders möglich ist als der Bürgermeisterin im Stadtrat den Laufpass zu geben, warum muss darüber noch ab… [ähm] zu… [ähm] – na ja, also …gestimmt werden?

Da müsste doch eigentlich allein die Tatsache und eine entsprechende Feststellung des Gesetzgebers reichen? Nun gut, da sie aber nun einmal – nein, inzwischen dreimal – gefragt wurden, antworteten die Stadträte natürlich auch artig.

Gerade Linie trotz schräger Forderung

So wie Heike Kunzemann (Linke), die den vom Landkreis befohlenen Abstimmungszwang für „schräg“ hält und sich allein ihrem Gewissen verpflichtet fühlt. Oder wie Lydia Ramm von den Grünen, die politische Winkelzüge wie die Scheinkandidatur der Bürgermeisterin nicht auch noch durch ihre Zustimmung bei der Abstimmung legitimieren will.

Oder wie Rico Kanefke (CDU), der selbst vor dem bereits feststehenden Ergebnis eines Beschlusses wenigstens noch die Unterlagen einsehen will, auf deren Grundlage seine Zustimmung schon vorausgesetzt wurde.

AfD setzt deutliches Zeichen für demokratischen Rechtsstaat

Und so kam es, dass die Vertreter der Freien Wähler Markranstädt Schulter an Schulter mit der AfD plötzlich die letzten verbliebenen Verbände stellten, die in unverbrüchlicher Systemtreue noch für die Aufrechterhaltung unseres demokratischen Rechtsstaates einstanden und tapfer für ein „weiter so“ des Systems  votierten.

Das ist zwar bemerkenswert, reichte angesichts der lediglich sechs Stimmen allerdings längst nicht aus, um die einst aus der Nationalen Front hervorgegangenen Fundamente unserer Demokratie zu verteidigen, die sich durch überwältigende Zustimmungen von 100 Prozent auszeichneten.

Sorge um Zukunft des Humors

Das Ende vom Lied: Jetzt wird die Rechtsaufsicht beim Landkreis den Vorgang an sich ziehen und das verweigerte Einverständnis des Stadtrates notfalls durch eine eigene Zustimmung ersetzen. Der homo marcransis könnte sich jetzt fragen: Warum nicht gleich so? Das Team der Markranstädter Nachtschichten hingegen blickt angesichts solcher Entwicklung mit wachsender Sorge in die Zukunft und fragt sich: Wozu braucht es künftig noch Satiriker, wenn sich die Politik im Zuge kultureller Aneignung deren Werkzeuge bedient?

Markranstädt feiert das Ende der Unterdrückung: Lasst uns alle Frauen werden!

Seit Freitag ist es möglich, den eigenen Geschlechtseintrag samt Vornamen im Personenstandsregister durch eine einfache Erklärung gegenüber dem Standesamt ändern zu lassen. Warum das gerade für Männer eine elegante Alternative ist und wie sie auf diese Weise dem tristen Alltag in Markranstädt ein paar unvergesslich schöne Seiten abgewinnen können, erklärt Ihnen die neue MN-Chefin. 

Ich hab`s probiert und es hat geklappt. Also: Ab sofort nicht mehr Claus Narr, sondern Clausolde Närrin bitteschön! Obwohl hinter meinem Hosenstall noch immer ein Zapadeus lauert, darf ich mich jetzt völlig frei in Damentoiletten bewegen, Frauenparkplätze benutzen und andere Leute auch mal nach dem Weg fragen, ohne gleich Mitleid zu erregen.

Im Grunde genommen war die Neudefinition meiner Chromosomensätze eine Befreiung für mich. Ebenso wie für den Rest der Männerwelt waren die letzten Jahre mehr und mehr von der Unterdrückung unseres Geschlechts gekennzeichnet. Schleichend und nahezu unbemerkt wurden wir an den Rand der Gesellschaft gedrückt und jedes auch noch so kleine Aufbegehren gegen diese perfide Art der Diskriminierung wurde als sexuell motivierter Übergriff verurteilt.

Männer: Die bedohte Art

Die Folgen dieser Entwicklung sind unerträglich. Während das Matriarchat sogar durchsetzen wollte, dass Mädchen in Knabenchören mitsingen dürfen, wird es auf der anderen Seite als selbstverständlich betrachtet, dass Erholungseinrichtungen für Männer tabu sind. So werden sie beispielsweise im Sportbad an der Elster donnerstags von der Sauna ausgeschlossen.

Keine Diskriminierung von Männern, weil sie vom Saunagang ausgeschlossen werden. Schließlich dürfen auch Hunde nicht rein.

Keine Diskriminierung von Männern, weil sie vom Saunagang ausgeschlossen werden. Schließlich dürfen auch Hunde nicht rein.

Mehr noch: Es gibt im Gegenzug keinen einzigen Tag in der Woche, an denen die Männer mal unter sich sein und damit ohne das ständige Gequatsche ganz entspannt saunieren können. Für die gliedtragenden Glieder gilt in dieser Gesellschaft nur noch Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit.

Lady feiert, Knecht malocht

Diese Diskriminierung reicht bis hinein in die aktive Freizeitgestaltung, für deren Teilhabe Männern erst tief in die Hosentaschen gegriffen wird und die Beinkleider anschließend komplett runtergezogen werden, während sich ihre Frauen für den halben Preis darüber amüsieren dürfen. So wie bei der Ladies-Night auf der Kleinmesse.

In ihrer Funktion als Fleisch gewordene Einzugsermächtigung sparen hier zwar in Wahrheit die Männer, gerade deshalb ist es trotzdem diskriminierend.

In ihrer Funktion als Fleisch gewordene Einzugsermächtigung sparen hier zwar in Wahrheit die Männer, gerade deshalb ist es trotzdem diskriminierend.

In diesem Jahr kam das für mich zu spät, aber ich bin mal auf die Gesichter der Fahrgeschäft-Wärter gespannt, wenn ich ihnen nächstes Jahr meinen Ausweis vor die Nase halte und dann siegessicher meinen Rock lüpfe, um in den ultimativen „Hodenhammer“ einzusteigen, in dem ich dann zum halben Preis Loopings im Leipziger Nachthimmel drehe.

Wir notieren: Männer sind entweder komplett ausgeschlossen oder müssen für ihre Teilhabe am gesellschatlichen Leben doppelt so viel zahlen wie Frauen. Nicht mal Frauenfußball dürfen sie spielen.

Die Folge liegt auf der Hand. Maskuline Untermenschen werden nicht nur immer unzufriedener mit ihrer Gesamtsituation, sondern auch immer ärmer.

Selbst bei der lebenserhaltenden Grundversorgung haben die Männchen unserer Spezies inzwischen das Nachsehen. An immer mehr Tafeln in Deutschland gehen Männer leer aus. Sie müssen statt dessen zusehen, wie sich Frauen die Taschen mit Lebensmitteln vollstopfen, während die maskulinen Bedürftigen Hungerödeme nach Hause tragen.

Ethnische Säuberung unter dem Deckmantel eines Aufnahmestopps: So wird der Männerüberschuss durch eine kaum beachtete Hungerkatastrophe beseitigt.

Ethnische Säuberung unter dem Deckmantel eines Aufnahmestopps: So wird der Männerüberschuss durch eine kaum beachtete Hungerkatastrophe beseitigt.

Zum Glück leben wir in einer Demokratie, in der uns die Statistik vor dem Schlimmsten bewahrt. Wenn die Frau zum Abendessen ein ganzes Brot vertilgt, während ihr Mann hungrig zu Bett geht, haben beide im Schnitt ein halbes Brot gegessen. Also worüber will sich der toxische Patriarch da noch aufregen? Weil er durch Aushungern systematisch ausgerottet wird und das auch noch selbst feiern darf? Schon gibt es Restaurants, die von Menschen mit Hosen nicht mehr betreten werden dürfen.

Der Rock: Das Machtinstrument der herrschenden Klasse

Auch das ist keine Diskriminierung. Eine neckische Strumpfhose angezogen, darüber ein geschickt geschnittenes Röckchen und schon darf auch der Mann rein.

Statt dessen fette Männer, bauchfrei in rosa Leggins: Die Welt wird immer gerechter.

Statt dessen fette Männer, bauchfrei in rosa Leggins: Die Welt wird immer gerechter.

Inzwischen hat das radikalfeministische Matriarchat sogar erkannt, wie der rebellische Rest der Männerwelt für die Herrschaft der Frau missioniert werden kann. So wird den wenigen noch verbliebenen echten Männern beim Schaufensterbummel neuerdings die latente Angst vor Cellulite genommen.

Cellulite als Auszeichnung

Wie in diesen Beispiel, in dem die Orangenhaut als eine Art Reichsinsignie für die Mächtigen dieser Welt ins Unterbewusstsein gepflanzt wird. Sieht zwar nicht unbedingt schön aus, aber die Macht hat nunmal ihren Preis.

Werbekampgne für Cellulite in einem Schaufenster. So wird Männern beim Shopping ganz nebenbei die Angst vor wechseljahrbedingten Altersbeschwerden nach Umtragung ihres Geschlechts genommen.

Werbekampgne für Cellulite in einem Schaufenster. So wird Männern beim Shopping ganz nebenbei die Angst vor wechseljahrbedingten Altersbeschwerden nach Umtragung ihres Geschlechts genommen.

Doch auch mit der verbliebenen Unsicherheit, die sich nach dem Geschlechtswechsel im Personalausweis der Neo-Frauen hartnäckig erhalten will, weiß die reinrassige Damenwelt umzugehen.

Und so ebnet sie den Weg für die Konvertierung der niederen Rasse zu den höheren Weihen. So zum Beispiel im „Zuckerhut“ Leipzig, wo den frisch Umgeschriebenen die Angst vor dem Outing durch eine spontane Erektion genommen wird. Die Sorge ist schließlich berechtigt, wenn es so aussieht, als würde die geile Milf gerade versuchen, unter ihrem Rock heimlich Pinocchio an die Bar zu schleusen. Die Lösung findet sich auf der Damentoilette.

Wichtig: Man muss das Döschen nicht anlegen. Einfach an der Bar vorzeigen und schon gibts den Prosecco umsonst.

Wichtig: Man muss das Döschen nicht anlegen. Einfach an der Bar vorzeigen und schon gibts den Prosecco umsonst.

Einfach beim Personal melden, ein Döschen verlangen, selbiges dann im Schritt befestigen und schon geht man selbst bei einer Leibesvisitation unerkannt als Lady durch.

Wer trotzdem noch so viel Männlichkeit in sich trägt, dass er nur ganze Arbeit leisten und sich nicht mit Notlösungen abfinden will, der kann sich um einen Termin in einer der Änderungsfleischereien bemühen, die allerorten gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. So wie hier in Pirna, wo ein MN-Leser nach erfolgreicher Behandlung vor lauter Glück noch ein Foto von dem Schaufenster schoss, hinter dem er wenige Minuten zuvor wieder zu einem vollwertigen Mitglied unserer Gesellschaft umgenäht wurde.

Heute fast überall möglich, gab's das früher nur für Reiche. Angeblich sollen die Schamlippen von Conchita Wurst einst aus den Ohren von Niki Lauda geschneidert worden sein

Heute fast überall möglich, gab’s das früher nur für Reiche. Angeblich sollen die Schamlippen Conchita Wurst einst aus den Ohren von Niki Lauda geschneidert worden sein.

Wir lernen: Ihrer vermeintlichen Unterdrückung können Männer ab sofort durch einen simplen bürokratischen Trick entgehen. Einfach im Einwohnermelde- oder Standesamt vorsprechen (keine Angst, dort freut man sich schon auf Ihren Besuch), das Geschlecht umtragen lassen und schon stehen Ihnen nicht nur Sauna, Kleinmesse oder Damentoiletten offen, sondern auch Swingerclubs, Frauenparkplätze und die Praxen von Gynäkologen.

Frauen leben länger

Für das bisschen Abwasch, Essen, dreckige Wäsche und ein sauberes Heim haben die Männer ja schon durch die Erfindung von Spülmaschine, Elektroherd, Waschmaschine und Staubsauger vorgesorgt. Und das Pieseln im Sitzen hat sich im genetischen Code des degenerierten männlichen Hirns sowieso längst schon so fest eingebrannt wie die Besitzermarken auf den Lenden nordamerikanischer Rinder.

Noch ein Tipp: Gerade für Männer ab 60 lohnt sich das Umschreiben ihres Geschlechts so kurz vor dem bevorstehenden Ende. Bekanntlich haben Frauen eine längere Lebenserwartung. Also warum sollte man davon nicht profitieren, dem Sensenmann ein Schnippchen schlagen und so noch ein paar Jahre rausholen?

Reformgedanken zum Reformationstag

Im ersten Ehejahr strebt der Mann die alleinige Vorherrschaft an, im zweiten kämpft er um die Gleichberechtigung und ab dem dritten Jahr ringt er um seine nackte Existenz. Oder kurz gesagt: Früher hatte der Mann die Hosen an, heute hat er sie voll. So viel zur Gleichberechtigung, über die sich MN-Geburtshelfer (Hebammrich) Claus Narr in dieser Woche seine Gedanken gemacht hat.

Keine Ahnung, was dahinter steckt oder wo das noch hinführen soll. Die Facebook-Seite der Markranstädter Nachtschichten wurde gesperrt, weil da weibliche Brüste samt der dazugehörenden Brustwarzen zu sehen waren.

Als zweiteiliger Bausatz zum Selberpuzzeln, also einmal Brüste ohne Warzen und dann ein Bild mit Warzen ohne die Herzkranzgefäße, war’s dann für Herrn Zuckerberg so in Ordnung.

Inzwischen schreckt man nicht einmal mehr davor zurück, die Urheberrechte samt künstlerischer Aussage von Filmklassikern zu verletzten. Im Streifen „Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen“ (1975) wurden doch tatsächlich die Brustwarzen von Romy Schneider von hinnen gepixelt. Wahrscheinlich lauern die hinterlistigen Weiber sogar noch im Jenseits darauf, dass jemand ihre Gefühle verletzt und sie ihre Anwälte losjagen können.

Ich schließe allerdings nicht aus, dass Romy Schneider gerade deshalb so früh aus dem Leben geschieden ist, weil sie ahnte, dass man sie dereinst zu einem Neutrum verkrüppeln wird, das mit seinem drüsenlosen Handicap nicht einmal in der Lage ist, ein Kind zu nähren. Das kann die Gefühle einer Frau wirklich tief verletzen.

Terrorismus aus dem BH?

Von der Natur mit Neugier gesegnet, habe ich gegoogelt, gefragt und mich erkundigt – aber niemand konnte mir bisher sagen, warum weibliche Brustwarzen so gefährlich sind für die demokratischen Grundfesten unserer Gesellschaft. Und warum die von Männern dagegen so harmlos sind. Im Gegenteil: Wenn ich danach gefragt habe, erhielt ich genervtes Augenrollen, verächtliches Schniefen oder andere diskriminierenden Gesten als Antwort auf meine sexuell übergriffige Neugier.

Da versteht es sich von selbst, dass man sowas nicht zeigt. Wahrscheinlich hat hier auch der Begriff vom "flotten Dreier" seinen Ursprung.

Da versteht es sich von selbst, dass man sowas nicht zeigt. Wahrscheinlich hat hier auch der Begriff vom „flotten Dreier“ seinen Ursprung.

Also: Nicht dumm rumfragen, sondern hinnehmen. So wie alles, womit die Mehrheit der Gesellschaft ungefragt die Interessen von Minderheiten oder Unterdrückten vertritt, indem sie „Zeichen setzt“.

Reden wir also über die Genderei [engl.: Schänderei]. Bislang dachte ich, gendern ist, wenn ein Sachse mit dem Boot umkippt. Aber dann habe ich einen Wandel in unserer Gesellschaft wahrgenommen.

Immer mehr Jugendliche sind immer weniger in der Lage, im täglichen Überlebenskampf die ihnen von der Schöpfung zugedachten Aufgaben zu erledigen. Weil sie genderneutral erzogen werden. Heißt: Sie können jetzt weder kochen noch einen Nagel in die Wand schlagen. Da bekommt der Begriff von „händeringend gesuchten Fachkräften“ doch gleich eine völlig neue Dimension. Immer herein, wenn’s kein Schneider ist.

Quälende Quanten der Quoten

Manches hingegen erledigt sich beim Zeichensetzen für Gleichberechtigung von ganz allein. Inzwischen hat sich sogar die Quotenregelung in den Vorständen deutscher DAX-Unternehmen ganz von selbst aufgeweicht.

Keine Rede mehr von 50:50, statt dessen jetzt nur noch ein Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Das restliche Drittel soll von Fachleuten besetzt werden. Beim Blick auf die Wirtschaftslage in Deutschland befürchte ich allerdings, dass es dafür sogar dann zu spät ist, wenn man vier Drittel Experten beschäftigt.

Das ist natürlich keine Diskriminierung, weil ja nur Männer sind, die hier den Kürzeren ziehen. Hauptsache, der Text ist schön gegendert.

Das ist natürlich keine Diskriminierung, weil ja nur Männer sind, die hier den Kürzeren ziehen. Hauptsache, der Text ist schön gegendert.

Dass Frauen das 50:50-Verhältnis ablehnen, ist übrigens nachgewiesen. Bei einem jüngst in Markranstädt zelebrierten Bewerbungsgespräch informierte der Personalchef die Dame: „Wir suchen jemanden, der die Arbeit von zwei Männern übernimmt.“ Darauf die Bewerberin: „Ach schade, nur Teilzeit.“ Bei einer solch ablehnenden Haltung kann das nichts werden mit dem Matriarchat in Führungsebenen.

Deutsch in einfacher Sprache: Aus (m/w/d) wird (gn)

Ganz schlimm finde ich die Gleichmacherei in den Stellenanzeigen. Immer neue Kürzel, die davon ablenken, dass es eigentlich um Arbeit geht.

Das (m/w/d) wird neuerdings gar von einem (gn) ersetzt. Genderneutral soll das heißen, um sicher zu gehen, dass sich auch Menschen angesprochen fühlen, die sich in diesem Jahr als Fuchs oder Haselmaus fühlen. Nicht etwa, weil man das in den Firmen für wichtig hält, sondern weil das am Ende richtig teuer für sie werden kann.

Gendern ist schwer, gerade dann, wenn man seine Muttersprache beherrscht. Die Eselsbrücke, dass männliche Begriffe wie Maurer, Täter oder Arbeiter alle auf -er enden, ist eine gefährliche Falle. Was ist mit Mutter oder Schwester?

Gut, bei der männlichen Form des Onkels könnte man sich elegant mit dem Tanter behelfen, aber da hört es schon auf mit dem „Zeichen setzen“.

Schließlich könnte die männliche Form des weiblichen Hundes, der Rüdin, auch die Gefühle all jener Männer verletzen, die auf den Namen Rüdiger getauft wurden.

„Komm, gib mir Tiernamen!“

Apropos Tiere: Kein Scherz, im Bürgerbüro einer Stadt unweit von Markranstädt tauchte kürzlich eine Frau auf. Offenbar getrieben von der Möglichkeit, sich im Ausweis das Geschlecht ändern zu lassen, wollte sie wissen, ob das nicht auch bei anderen  Zivilisationserkrankungen möglich ist. Also äußerte gegenüber dem Mann hinter dem Schreibtisch ihren Wunsch, sich als Füchsin eintragen zu lassen. Ohne vom Computer aufzublicken, zeigte der Beamte zur Treppe und meinte: „Die untere Jagdbehörde befindet sich im zweiten Stock.“

Friendly Fire bei der Fuchsjagd

Nachdem ich mich beruhigt und die Tränen getrocknet hatte, wurde mir die wahre Tragweite dieses Dialogs bewusst. Wenn die während der Jagdsaison einen Waldspaziergang macht, wäre es nicht einmal Mord‘, schoss es mir durch den Kopf. Der Jäger, dein Freund und Helfer.

Der Wöchner als Leihvater

Das Ende vom Lied: In den Stellenanzeigen wimmelt es nur so von Schmiedinnen, Zimmermänninnen oder Straßenbauarbeiterinnen. Im Umkehrschluss findet man für männliche Tätigkeitsfelder weder Hebammriche, noch Krankenbrüder oder Leihväter. Im Gegenteil: Es werden sogar Stellen ausgeschrieben, auf die ausschließlich Bewerbungen von Frauen gewünscht werden. Das sollte man sich mal gegenüber Männern wagen!

Auch hier werden Männer nicht diskriminiert. Will ja eh keiner machen, weil weibliche Gleichstellungsbeauftragte halt billiger sind.

Auch hier werden Männer nicht diskriminiert. Will ja eh keiner machen, weil weibliche Gleichstellungsbeauftragte halt billiger sind.

Diese Stellenausschreibung beispielsweise wirkt auf den ersten Blick diskriminierend gegenüber Männern. Allerdings werden die sich kaum darüber beschweren, weil sie den Job sowieso nicht wollen. Denn wie jedem halbwegs ökonomisch denkenden Menschen ist auch ihnen klar, warum als Gleichstellungsbeauftragte meist nur Frauen beschäftigt werden: Sie sind billiger.

Nicht reden: Machen!

Wer trotzdem ausschließlich Männer für einen neuen Job sucht, hat dennoch eine Möglichkeit, das in seiner Stellenanzeige zu verklausulieren. Hinter dem obligatorischen (m/w/d) einfach die Anforderung „Nicht reden: Machen!“ eintragen und schon sind die Genderfragen geklärt. Es soll sogar schon ein Rathaus geben, in dem Besuchern der Kaffee von einer männlichen Sekretärin serviert wird.

Was mich an den ganzen Geschichten am meisten sorgt ist die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die diese Possen noch ernst nehmen.

Neues aus der vierten Etage (3): Entscheidungen in dunkler Stunde

Mit Schauspielern wie Theo Lingen, Hans Moser oder Agnes Kraus lockt man heute niemanden mehr vom Sessel hoch. Ähnliche Probleme drohten auch dem kampferprobten Markranstädter Volksensemble aus der vierten Etage. Doch der Stadtrat glänzte bei seiner dritten Vorstellung am Donnerstagabend nicht nur mit jeder Menge frischem Elan und eisernem Durchhaltevermögen, sondern auch mit beispiellosen Überraschungen. Zwar konnte das der teilweise völlig irrwitzigen Dramaturgie keine Wendung geben, schenkte dem zwischenzeitlich narkotisierten Publikum aber wenigstens ein Fünkchen Hoffnung für die Zukunft.

Schwer in Worte zu fassen, was sich da am Donnerstag zu nächtlicher Stunde hinter den Fenstern des Ratssaales abgespielt hat.

Das müssen wohl auch die Touristen so gesehen haben, die eigens für dieses Schauspiel von außerhalb angereist waren. Ein regelrechter Kulturschock war in den Gesichtern der Besuchergruppen von Envia-Tel und Regionalbus ablesbar, als sie angesichts ihrer eigentlich frühen Auftritte in den Akten 3 und 4 selbst nach zwei Stunden noch wartend in der Maske saßen.

Auf der Bühne wurde derweil, über zwei Jahre nach dem Rückzug der Ersten Beigeordneten, noch immer um deren Nachfolge gerungen. Und noch immer kam man zu keiner einvernehmlichen Lösung, weil noch immer keiner den Mut fand, den eigentlichen Grund des Problems anzusprechen. Statt dessen kurvten alle Diskussionen auf dem seit zwei Jahren bewährten Kurs, mit mannigfaltigen Scheinargumenten garniert, rund um den heißen Brei.

Was man im Volk so denkt

Aus Sicht des nicht in die tiefen Sphären der Markranstädter Kommunalpolitik eingeweihten Promuchels stellt sich das leidige Problem bislang so dar: Im inzwischen zum Zeitalter der Antike gereiften Frühstadium wurde Heike Helbig zur Nachfolgerin gewählt. Die Bürgermeisterin hat das nicht akzeptiert, blieb eine Begründung für ihre Ablehnung jedoch schuldig. Auf der Suche nach einer Erklärung gelangte das Volk daraufhin zur logischen Überzeugung, dass es der CDU-Parteiausweis ist, der Helbigs Karriere im Rathaus blockiert.

Es ist schon ein Kreuz mit dem Beigeordneten. Da können selbst die Roten gelb wählen, bis sie schwarz werden.

Es ist schon ein Kreuz mit dem Beigeordneten. Da können selbst die Roten gelb wählen, bis sie schwarz werden.

Um zu verhindern, dass sowas im nächsten Wahlgang noch einmal passieren kann, will Stitterich laut Volksmund das Arbeitsfeld des Beigeordneten von den Fachbereichen Finanzen und Stadtmarketing ablösen und es dem Bauamt zuordnen. Die CDU will diesen Putschversuch, der einer offiziellen Entmachtung im Rathaus gleichkommt, mit allen Mitteln vereiteln und so hat sich am Ratstisch ein Stellungskrieg entwickelt, bei dem inzwischen alle Insassen mehr oder weniger gut mitspielen.

Ring frei zur nächsten Runde

Kann sein, dass es in Wirklichkeit ganz anders ist, aber keine der zweifelsfrei unterhaltsamen und mit zahlreichen Lachern versehenen Handlungen oder Diskussionen, die bisher dazu stattgefunden haben, konnte diese Deutung auch nur ansatzweise entkräften. Auch nicht am Donnerstagabend, als die Bürgermeisterin eine externe Analyse vorlegte, welche die Zuordnung des neuen Beigeordneten zum Bauamt rechtfertigen sollte.

Das Papier wurde regelrecht zerrissen. Kritisiert wurde unter anderem, dass das Bauamt inzwischen ohnehin bereits in zwei Bereiche gegliedert ist, an deren Spitzen schon je ein Leiter positioniert wurde.

„Wenn da jetzt noch ein Beigeordneter vorgesetzt wird, haben wir im Bauamt drei hochbezahlte Leiter, die sich gegenseitig kontrollieren“, erklang es aus dem CDU-Ensemble, das „ein aufgepumptes Bauamt“ beklagte, dessen Kosten dem Steuerzahler nicht zu vermitteln wären.

Was geflissentlich unter dem Teppich blieb: Aktuell deuten die Zeichen eher darauf hin, dass das Bauamt dann nur noch aus drei Chefs besteht. Aber sei’s drum.

In der Folgezeit kam es zu jeder Menge Anträgen, Ergänzungen und Vorschlägen, die teilweise ebenso heftig wie doppelzüngig diskutiert wurden, jedoch nie dem wahren Kern der Ursache auch nur einen Millimeter näher kamen.

Theaterkritik am Mikrofon

Die inzwischen schon zum Standard-Repertoire des Kabaretts „Vierte Etage“ zählenden Versuche des einmal mehr in der Rolle des Paragrafenreiters glänzenden Sekundanten der Bürgermeisterin, der unliebsame Entwicklungen durch das Zitieren von Gesetzen bereits im Keim zu ersticken sucht, taten ihr übriges. Und so erhielt auch der im Volksmund inzwischen zum Verhinderungsbeauftragten beförderte Darsteller von seinem einstigen Ziehvater Jens Spiske eine flammende Gratis-Rasur.

Kommen auf ihren Rössern auch ohne Verbrennungsmotor vorwärts. Juristen sind die Vorreiter der Mobilitätswende.

Kommen auf ihren Rössern auch ohne Verbrennungsmotor vorwärts. Juristen sind die Vorreiter der Mobilitätswende.

Es sei auffällig, dass er immer sofort wisse und mit Paragrafen belegen könne, warum etwas nicht geht, kritisierte der Ex-Bürgermeister. „Wir würden in allen Belangen schneller vorankommen, wenn wir von ihnen wenigstens ab und zu auch mal erfahren würden, wie etwas, das uns weiter bringt, trotzdem gemacht werden kann.“ Es folgten Versuche von Szenenapplaus.

Nach zwei Stunden und zehn Minuten, unterbrochen von drei Trinkpausen für die erschöpften Schauspieler (das auf dem Trockenen sitzende Publikum lechzte derweil nach einer Cocktail-Bar mit Doppelherz on the Rocks, Galama Sunrise oder wenigstens einer Tai Ginseng-Schorle) kam es dann endlich zur Abstimmung über diesen ersten von 14 regulären Punkten auf der Tagesordnung.

Die neuen Alliierten

Nachdem selbst sinnvollst erscheinende Kompromissvorschläge, unter anderem eingereicht von den Grünen, abgelehnt wurden, führte die in Markranstädt schon mehrfach erfolgreich in Erscheinung getretene Allianz aus Linke, AfD und Freien Wählern schließlich zu einer Zuordnung des Geschäftsbereiches des künftigen Beigeordneten zum Bauamt. Es schien, als sorgte diese Entscheidung sogar bei einigen inzwischen sichtlich gealterten Widersachern dieser Lösung für Erleichterung, und sei es nur, weil damit der Fronturlaub noch vor Mitternacht in erreichbare Nähe rückte.

Was allerdings in den danach folgenden Sekunden geschah, war der einzige Akt des Abends, der im Angesicht des Wahlvolkes wahre Transparenz und Offenheit ausstrahlte. Glasnost im Ratssaal!

Unmittelbar nach der Abstimmung über diese erste Beschlussvorlage und damit 13 Tagesordnungspunkte vor Ende der Vorstellung, verließ die Mehrheit der AfD-Fraktion die Bühne und machte sich auf den Heimweg. Dieser von so aufrichtig sympathischer Offenheit geprägte Akt hinterließ in der vierten Etage tiefen Eindruck, zeigte er doch unmissverständlich, warum und für wen die Blauen an diesem Abend da waren.

Trotz harten Gegenwindes auf anderen politischen Bühnen war das ein eindrucksvolles Indiz dafür, dass man zumindest in Markranstädt noch heute mit solch traditionell urdeutschen Tugenden wie der bedingungslosen Treue zum Führer (m/w/d) nicht nur Blumentöpfe gewinnen, sondern auch Ermächtigungsgesetze durchbringen kann.

Markranstädt ist nicht Erfurt

Zur Erinnerung: Anno 2020 ließ die Geschäftsführung der BRD GmbH in Erfurt wegen ähnlich zustande gekommener Mehrheiten so lange wählen, bis das Ergebnis gestimmt hat. In Markranstädt hingegen wird diese Art der Mandatsausübung, wahrscheinlich sogar unter erleichterter Kenntnisnahme des Landratsamtes, schon im ersten Anlauf abgehakt. Das ist doch mal ein wahrhaft beruhigendes Signal in einer Gesellschaft, die sich ohnehin nur noch durch das Setzen von Zeichen selbstbefriedigt.

Geweckt durch das plötzliche Stühlerücken, hätten danach sogar von seniler Bettflucht in die vierte Etage getriebene Besucher so lange durchgehalten, bis sie an der Reihe waren. Denn die Bürgerfragestunde stand diesmal am Ende des Programms, womit die von unbeugsamem Sendungsbewusstsein gestählten Laien-Redner gezwungen wurden, die gesamte viereinhalb Stunden währende Dramödie von ihrer Ouvertüre um 18:30 Uhr bis hin zum Epilog gegen 23 Uhr zu durchleiden.

Fünf Stunden Lebenszeit

Samt Präludium davor und kulturkritischer Analyse danach waren das somit rund fünf Stunden Lebenszeit, die so mancher Besucher mit einvernehmlichem Sex, einem nächtlichen Spaziergang über den Alten Friedhof oder wenigstens etwas häuslicher Gewalt besser hätte nutzen können. Doch auch wenn die Zeit in der vierten Etage umsonst gelebt erscheinen mag, kostenlos war sie allemal.

Tschüss, bis zur nächsten Vorstellung.

Tschüss, bis zur nächsten Vorstellung.

Ach ja: Im Grunde genommen wurde bei dieser Gelegenheit auch eine Frage beantwortet, die bereits zu Beginn der Vorstellung aufgeworfen wurde. Gerade mal neun freie Wohnungen seien derzeit auf dem Markranstädter Markt verfügbar, wurde mitgeteilt. Für eine 16.000 Einwohner-Stadt wären allerdings 40 bis 60 freie Wohnungen normal, hieß es weiter. Die vermisste Frage nach dem Grund konnte sich der homo marcransis nun beantworten. Vor dem Hintergrund der Probleme, die allein in den vergangenen fünf Stunden gewälzt wurden, ist für lächerliche Fragen des Wohnungsbaus in den letzten Jahren wirklich keine Zeit geblieben.

Vorwärts nimmer, rückwärts immer

Neulich am Zeitungsregal in einem Markranstädter Einkaufsmarkt. Nach längerer, ergebnisloser Suche bittet MN-Chef Claus Narr eine Verkäuferin um Hilfe. „Ich hätte gern ein ‘Neues Deutschland‘.“ Darauf blickt sich die Angestellte vorsichtig um und flüstert dann: „Ich auch.“ Das hat in seinem närrischen Hirn einen Denkprozess in Gang gebracht, der für sein Umfeld zunächst sogar hörbar war und jetzt auch nachlesbar ist. (Titelbild: Bundesarchiv Bild 183-T0220-0307, bearbeitet, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/)

Ehrlich gesagt, bin ich mit dem aktuellen Deutschland so richtig zufrieden. Die Regierung arbeitet zwar nicht erfolgreich, dafür aber konsequent. Nachdem mir die Berliner (H)Ampelmännchen in der vergangenen Woche auch noch das letzte Fünkchen Hoffnung genommen haben, bin ich jetzt ganz ohne Erwartungen und kann deshalb auch nicht enttäuscht werden.

Zum Beispiel vom neuerlichen Dreifach-Wums für den Abbau der Bürokratie. Auf uns selbst gestellt, würden wir Bürger wahrscheinlich auf die Idee kommen, von den allein in Berlin beschlossenen 1.773 Gesetzen mit ihren 50.738 Einzelnormen oder den 2.795 Rechtsverordnungen mit 42.590 Paragrafen einfach ein paar zu streichen. Ländergesetze und Kommunalverordnungen sind in diesen Zahlen übrigens nicht einmal enthalten.

Nummer 1774: Bürokratieabbau mit neuem Gesetz

Doch was macht unsere Regierung? Sie streicht im Bürokratendschungel nicht ein einziges Gesetz, keinen einzigen Paragrafen und auch keine Einzelnorm. Im Gegenteil: Sie packt mit dem Bürokratieentlastungsgesetz einfach noch Gesetz Nummer 1.774 obendrauf. Das ist so genial, da würde wirklich kein normal denkender Mensch drauf kommen.

Ein Neues Deutschland gefällig? Der deutsche Michel ist angesichts der reichen Auswahl noch etwas unsicher, versucht es offenbar eher in der Wahlkabine als am Zeitungskiosk.

Ein Neues Deutschland gefällig? Der deutsche Michel ist angesichts der reichen Auswahl noch etwas unsicher, versucht es offenbar eher in der Wahlkabine als am Zeitungskiosk.

Ich vergleiche das mit einem Kfz-Mechaniker, der in Ermangelung tauglicher Winterreifen einfach ein zusätzliches Paar Sommerreifen über die alten Pneus zieht und seinen Kunden damit ins verschneite Erzgebirge schickt, wo schon die Angehörigen der staatlichen Reifenkontrollbehörde mit Bußgeldvordrucken Aufstellung genommen haben.

Die über die Klinge springen

Oder das Messerverbot – auch so ein Ding. Im Geiste sehe ich schon wackere Recken über die Mittelaltermärkte ziehen, an deren Gürteln statt imitierter Schwerter dann lustige Spuckfische aus Plastik baumeln, weil auch Spritzpistolen als waffenähnliche Gegenstände identifiziert werden könnten.

Spuckfische und Gumminuckel

Und bei den alljährlichen Schlachtfesten in Großgörschen oder Liebertwolkwitz rammen Rekruten an den Lagerfeuern dann die über ihre Bajonettverschlüsse gezogenen Gumminuckel von Hipp in die Leiber der Spanferkel, um die Filetstücke auszulösen.

Hauptsache gewaltfrei

Mit Imitaten aus Pappmaché lässt sich die Kultur des deutschen Michels gegen die Einflüsse der Nichtmichel freilich kaum verteidigen, weshalb die Strategie der Berliner Hampelregierung nur folgerichtig ist: Wir feiern den Untergang als Sieg, weil die Niederlage gewaltfrei zustande kam.

Aber das Einknicken der Politik vor der importierten Streitkultur hat auch weitere Vorteile, die der meckernde homo marcransis erst noch erkennen muss. Was freue ich mich auf das nächste Markranstädter Kinderfest! Genau gesagt auf die Leibesvisitation, die auf der Suche nach mitgebrachten Messern am Eingang zur Festwiese vorgenommen wird.

Gratis-Handjob auf dem Volksfest

Ich werde die Vereinschefin mit einem im Schritt deponierten Zollstock, der trotz Bürokratieentlastungsgesetz nicht ohne Grund noch immer „Gliedermaßstab“ heißt (Richtlinie 2004/22/EG), auf die falsche Fährte locken.

Statt sich darüber zu freuen, dass man auf Volksfesten jetzt so billig zu Sex kommt und für’s legale Befummelnlassen nicht erst teure Flugtickets buchen muss, wird in Markranstädt nur gemeckert.

Messer-Razzia in der Küche

Warum gehen wir nicht so locker damit um wie beispielsweise die Menschen in Hamburg? Im dortigen Hauptbahnhof hat die Polizei hunderte Messer sichergestellt. Bei dem Erfolg kann es sich zwar nur um eine Razzia in der Mitropa-Gaststätte gehandelt haben, aber immerhin.

Zwar müssen die wartenden Bahn-Passagiere ihre Schnitzel seitdem mit den Fangzähnen reißen, aber das eben mit einem unbezahlbaren Sicherheitsgefühl, für das der Polizeichef in der Davidwache vielleicht sogar vom Schlesier zum Oberschlesier befördert wurde.

Es kommt halt darauf an, wo man sucht. In der Hamburger Bahnhofskneipe wird jetzt mit den Fingern gegessen.

Es kommt halt darauf an, wo man sucht. In der Hamburger Bahnhofskneipe wird jetzt mit den Fingern gegessen.

Für mich persönlich gehen die Einschränkungen unserer Freiheit zugunsten der Gastfreundschaft noch nicht einmal weit genug. Spätestens nachdem in der vergangenen Woche ein Markranstädter Radfahrer am hellichten Tage von einem Nichtmichel einfach mal so von seinem Drahtesel geboxt wurde, sollte meiner Meinung nach dringend über eine Faustverbotszone nachgedacht werden.

Andere Michel, andere Sitten

Das Entfernen von Händen steht ja zumindest schon mal im Einklang mit den Rechtsvorschriften in jenen Kreisen, an die wir uns jetzt anpassen müssen. Allerdings wird auch dieses Ansinnen leider an der deutschen Bürokratie scheitern. Wie soll der Scharfrichter (ein Soloselbstständiger, der sich beim Lockdown im Homeoffice als Kammerjäger mit dem Köpfen von Kakerlaken und Bettwanzen fit gehalten hat) einen lückenlosen Nachweis über die Lieferkette seiner Axt erbringen?

Alles unter Kontrolle

Zwar wissen die Behörden dank E-Rechnung künftig über seine Einkaufsgewohnheiten Bescheid, aber ob der Griff seiner Axt aus brasilianischem Regenwald-Holz geschnitzt ist oder mit dem Stahl der Schneide das Wirtschaftembargo gegen Russland umgangen wurde, das muss vor der Auftragserteilung geklärt sein.

Außerdem muss der Scharfrichter eine ordnungsgemäße Aus- und Weiterbildung nachweisen und in einer Innung organisiert sein. Nicht nur, weil die wertschöpfungsfernen Handaufhalter der Kammern mitverdienen müssen.

Mehr Hände für Handaufhalter

Schließlich ist es auch im Interesse der Leidensminderung des Delinquenten wichtig, dass der Vollstrecker sein Werk auch mit nur einem Hieb vollenden kann. Ein Messer, um eventuell nicht ganz durchtrennte Sehnen final zu kappen, darf er schließlich bei einer öffentlichen Veranstaltung nicht mehr mitführen. Da wird der Scharfrichter wohl Insolvenz anmelden müssen.

Genau an dieser Stelle erklärt sich übrigens auch das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel des Bürokratieentlastungsgesetzes ganz von selbst. Angeblich soll ja die deutsche Wirtschaft durch dieses Papier um 944 Millionen Euro entlastet werden. Und das stimmt – mindestens!

Plusminus eine Milliarde

Wenn die kleinen Betriebe von der Teilhabe an öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen sind, weil sie sich die nötige 8-Mann-Brigade für das Ausfüllen der Formulare nicht leisten können, das Haltbarkeitsdatum der Tariftreueerklärung um drei Tage überschritten ist oder die Lieferkette der Kugelschreiberminen nicht lückenlos nachweisen können, werden sie früher oder später dicht machen. Müssen.

Dabei wollten die Mitarbeiter dieses Sanitärbetriebes nur einen Wasserhahn im Rathaus wechseln...

Dabei wollten die Mitarbeiter dieses Sanitärbetriebes nur einen Wasserhahn im Rathaus wechseln…

Der fehlende Umsatz, den Robert Habeck als Entlastung auf der Haben-Seite bucht, dürfte so auf Dauer sogar weitaus mehr als nur eine knappe Milliarde Euro ausmachen. Unterm Strich bedeutet das: Deutschland entbürokratisiert sich gerade reich!

Krankenkassen sorgen für Reichtumsentlastung

Damit der deutsche Michel nicht zu wohlhabend wird und das in den europäischen Nachbarstaaten vielleicht noch Neid erzeugt, wird aktuell mit viel Weitsicht gegengesteuert. Durch eine Art Reichtumsentlastungsgesetz werden ab Januar die Beiträge der Krankenkassen hochgeschraubt.

Neid-Debatte vorgebeugt

Damit wird zugleich jenen Pessimisten der Wind aus den Segeln genommen, die da errechnet haben wollen, dass dies wegen leerer Kassen erfolgt, die durch die kostenlose Gesundheitsversorgung nicht einzahlender Nichtmichel entstanden ist. Nein, liebe Meckerer, die Beitragserhöhungen erfolgen nicht wegen Armut, sondern aus Gründen überbordenden Reichtums!

Vorwärts, wir gehen zurück

Wenn ich trotzdem ein Neues Deutschland will, dann nur, damit ich nicht ständig mein mühsam erworbenes Grundwissen in Mathematik, Logik und BWL hinterfragen muss. Das nervt nämlich auf Dauer.

Warum in Markranstädt die Kondompreise ans Vogelfutter gekoppelt sind

Vor allem bei(m) Vögeln gilt: Das Leben wird immer billiger. Weil die Inflation – angeblich –  gerade am Sinken ist, sind einige Händler offenbar gezwungen, neue Strategien zu testen, um über die Runden zu kommen. Nachdem sich Banken mit Negativzinsen oder die Bundesregierung mit Sondervermögen wenigstens noch die Mühe machten, ihre Raubzüge beim gemeinen Plebs mit alternativen Begriffen zu verschleiern, versucht es der ostfriesische Nippes-Konzern Wreesmann jetzt ausnahmsweise mal mit der Wahrheit. Ein sehr sympathischer Zug.

Weil Brot von gestern oft nur noch zum halben Preis an den Mann gebracht werden kann, hat ein findiger Bäcker aus Bayern eine ganz neue Idee geboren: Er verkauft Brot von morgen – zum dreifachen Preis.

In der Regel funktioniert es aber andersrum. Konditioniert durch immer neue Sonderangebote mit immer niedrigeren Preisen, muss der Konsument gar nicht mehr auf die Differenz zwischen den durchgestrichenen Wucherforderungen der angeblichen Konkurrenz und den Sonderofferten vor Ort schauen. Was rot ist, das ist der Sparpreis und der ist unschlagbar! Wozu sollte man da noch den Taschenrechner auspacken?

Für alles was mit Vögeln zu tun hat, zeigt der Mensch traditionell nicht nur enormes Interesse, sondern ist auch experimentierfreudig und deshalb finanziell großzügig. Weil es dahingehend rund um Lützen keinerlei Dienstleistungskultur gibt, herrschen dort ideale marktwirtschaftliche Voraussetzungen für die Etablierung eines solchen Angebotes. Die Nische ist so groß wie das Berliner Regierungsviertel.

Und so gab es in dieser Woche bei Wreesmann in Lützen eine Tüte gefüllt mit 2,5 Kilo Sonnenblumenkernen zum absoluten Kracher von nur 4,99 Euro.

Nur auf den ersten Blick mag es so erscheinen, als hätten die Kalkulatoren der ostfriesischen Handelskette dabei ganz heiße Murmeln auf ihrem Abakus hin und her geschoben.

Gut für die Prostata: Sparzulage von 25 Prozent

Immerhin kosten zweieinhalb Kilo dieses Sattmachers für Gefieder, das übrigens auch für die Prostata von Leistungssportlerinnen gut sein soll, eigentlich sage und schreibe 3,99 Euro.

Die unverbindliche Preisempfehlung beläuft sich auf 3,99 Euro. Wreesmann ist das egal, das Unternehmen schlägt sich mit einem Sparpreis von 4,99 Euro klar auf die Seite seiner Kunden. Schon fragt man in Markranstädt: Wann zieht endlich auch die Lebensmittelbranche nach?

Die unverbindliche Preisempfehlung beläuft sich auf 3,99 Euro. Wreesmann ist das egal, das Unternehmen schlägt sich mit einem Sparpreis von 4,99 Euro klar auf die Seite seiner Kunden. Schon fragt man in Markranstädt: Wann zieht endlich auch die Lebensmittelbranche nach?

Die Erklärung hat ein Markranstädter Kunde zur Hand. „Alles was mit Vögeln zu tun hat, wird immer teurer“, sagt er und führt die Preisentwicklung bei Kondomen als Beispiel an. „Da kostet so ein Mondo inzwischen schließlich auch schon einen Euro und wird trotzdem noch als Gummifuffzscher bezeichnet.“

Klingt logisch. Wenn Mondos inzwischen doppelt so teuer sind, kann ein Plus von lächerlichen 25 Prozent bei Sonnenblumenkernen erst recht als Sparpreis geadelt werden. Wahrscheinlich verhält es sich hier wie mit dem Gas und dem Öl: Der Preis der Pariser ist an den Preis des Futters von Vögeln gekoppelt. Und endlich wird das von Angela Merkel einst gepriesene Minuswachstum auch für den Normalbürger greifbar.

Gut zu Vögeln

Dass ausgerechnet Kunden aus Markranstädt an diesem Wirtschaftsaufschwung nicht beteiligt sind, liegt allerdings nicht daran, dass sie dieses Finanzkonstrukt vielleicht durchschaut hätten. Vielmehr ist der Weg zum Ziel der Grund. Wenn der homo marcransis nämlich nach Lützen mäandert, kommt er an Feldern vorbei, auf denen gerade Millionen von Sonnenblumen mit ihren Früchten locken. Angesichts dieses Paradieses schafft’s nicht jeder über den Floßgraben, der gut zu Vögeln sein will.