Mach ihn! … Mach ihn! … Er macht iiiihn!

Die Vorgefechte hatten bereits vor Tagen begonnen, aber erst in wenigen Stunden wird der Höhepunkt erreicht sein: Speziell die Kernstadt wird dann einen Geräuschpegel entwickeln, der die Ureinwohner unserer Gegend an den britischen Bombenangriff vom 4. Dezember 1943 erinnern wird. Zerfetzte Briefkästen auf den Straßen, verängstigte Tiere in der Natur (oder was von ihr übrig ist) und Notärzte, die mit flinker Nadel abgerissene Finger annähen. Silvester ist die destruktive Ausdrucksform 364 Tage unter Verschluss gehaltener Emotionen.

„The same procedure as last year?“, wird Freddy Frinton heute abend wieder fragen und natürlich wird es wieder „The same procedure as every year, James!“ sein. Also werden sich heute exakt um 24 Uhr wieder Menschen gegenseitig die Zungen in die Hälse stecken, die sich sonst auf der Straße nicht einmal grüßen und sich eher den Tod als ein gesundes neues Jahr wünschen würden. Während dessen fliegen zielsicher abgeworfene Blitzknaller mit der Sprengkraft mehrerer Megatonnen TNT durch die Morgenluft des neuen Jahres und detonieren im besten Fall direkt neben den Ohren der sich küssenden Silvester-Opfer. Herzlich willkommen im Jahr 2015.

Wir sparen uns diesmal den Rückblick auf das dahinscheidende Jahr. Es wäre ohnehin nur ein Aufwärmen von schalem Sud gewesen und uns ist trotz geistiger Höchstleistungen unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen im Glühwein nichts eingefallen, was sich da noch einmal aufzukochen lohnen würde. Der einzig halbwegs lustige Ansatz, den wir fanden, wäre die alte „Zitate-Nummer“ gewesen. Also die markantesten Zitate des Jahres einer anderen Person in den Mund zu legen. Das hätte sich dann in Erinnerung an die Fußball-WM und den jüngsten Klarstellungsbeschluss des Stadtrates ungefähr so gelesen: „Kirschner … Der kommt an! … Mach ihn! Mach ihn! Er macht iiihn!!! Jens Spiskeeee!“ Der Rest ist bekannt: Wir sind Weltmeister – in welcher Disziplin auch immer.

Nun, mit dieser Eingebung hatte sich die Satire hinsichtlich eines Jahresrückblicks jedoch fast völlig erschöpft. Wenn der Höhepunkt des Jahres in einer Stadt darin besteht, dass am 7. April in Seebenisch der Storch aus seinem Winterquartier zurückgekehrt ist, hat man es schwer, Schlagzeilen zu finden, die das noch toppen. Also haben irgendwann im Juni ein paar Verrückte beschlossen, selber welche zu machen und die Markranstädter Nachtschichten zu reanimieren.

Rund 38.600 Zugriffe in den letzten sechs Monaten (davon etwa 11.500 Klicks auf die Titelseite seit 18. August 2014) und zuletzt sogar die Erhebung zum Markranstädter Stadtkulturerbe durch die LVZ haben zumindest gezeigt, dass eine Nische dafür vorhanden ist. Wenngleich die Interaktion zwischen Lesern und MN noch von Zurückhaltung geprägt ist. Die Markranstädter Nachtschichten teilen hier wohl das Schicksal der BILD-Zeitung: Niemand liest sie, aber alle wissen, was drin steht.

„Was geht ab, Alder?“- App erst ab 2016

Natürlich könnte man mit wenigen Handgriffen für eine globale Präsenz sorgen. Eine MN-App für Smartphone wäre des Pudels Kern. Im Audio-Format selbstverständlich, damit die bildungsfernen Leserkreise nicht erst die Buchstaben zusammenziehen müssen. Die „Was geht ab, Alder?“-App ist für 2016 geplant. Hoffentlich gibt’s da noch sowas wie Apps.

In unserer Zeit, in der schnelllebig mit drei L geschrieben wird, könnte es immerhin passieren, dass man in 12 Monaten schon so was wie Schiefertafeln und Schreibgriffel erfunden hat. Wachstum, Wachstum, Wachstum.

Neujahrsansprache als Ersatzdroge

Wie auch immer: Heute ist erstmal Silvester. Was fehlt, ist eigentlich nur eine zünftige Neujahrsansprache per Videobotschaft unseres Bürgermeisters. Solche Ansprachen haben es ja in der Regel in sich. Zumindest auf Bundesebene sind sie stark betäubend, schmerzstillend und schlaffördernd. Also eigentlich rezeptpflichtig, was insofern gut ist, wenn man einen hörigen Medizinmann in seinem Dunstkreis weiß.

Immerhin warnt die Uni-Klinik Leipzig schon: „„Die Neujahrsansprache ist kein harmloser, billiger Kick! Es gibt schließlich genügend weniger starke Alternativen wie etwa Marihuana.“

Aber was sollte es sagen, unser Stadtoberhaupt? Dass die Pro-Kopf-Verschuldung in Markranstädt gesunken ist? Toll, darüber freuen wir uns. Wirklich! Blöd nur, dass da nicht alle mitmachen, die uns in die Taschen greifen. Beim Freistaat steht jeder Markranstädter mit über 2.000 Euro in der Kreide und beim Bund gar mit fast 26.000 Euro. Da fallen die knapp sechs Hunderter bei der Stadt kaum ins Gewicht.

Hunger ist nur ein statistischer Wert

Eigentlich fällt das gar nicht ins Gewicht, denn die Mathematik der Finanzhaie ist sowieso recht fragwürdig. Wenn wir uns beispielsweise als Vorsatz fürs neue Jahr vornehmen, dass jeder Bundesbürger 28.000 (in Worten: achtundzwanzigtausend) Euro zur Bank bringt, hätten die allen Grund zu feiern, weil dann erstmals in der Geschichte Deutschlands nichts mehr da ist. Die schwarze Null sozusagen. Es ist der feine Unterschied, ob man weniger als kein Brot zu essen hat oder gar keins.

Russen bezahlen unsere Maut

Bei so viel verkorkster Wissenschaft möchte man dann doch besser auf Neujahrsansprachen verzichten und lieber mit Böllern werfen. Oder den Abend bei einem Glas Buttermilch ausklingen lassen und das Knaller-Geld lieber für die Maut aufheben. Obwohl … wenn die Kriegstreiber bei der NATO so weitermachen, rollen bald russische Militärkonvois über unsere Autobahnen. Da wären wir dann plötzlich von einem auf den anderen Tag entschuldet. Wenn das keine guten Aussichten sind?

Gesundes Neues und so …

Irgendwas wird es schon bringen, das neue Jahr. Genießen wir also die letzten Stunden im Alten und schauen nicht, was auf uns zukommt. Einen guten Rutsch allen Markranstädterinnen und Markranstädtern und … wie würde Freddy Frinton sagen? „I’ll do my very best, Miss Sophie.“

 

Wieder Brand in Frankenheim: Jack the Kokler?

Dass die Feuerwehr mal einen ruhigen Abend hat, muss nicht gleich heißen, dass es nicht brannte. So geschehen am Montag in den Abendstunden. Wieder befand sich das Ziel des Feuerteufels in Frankenheim. So langsam wird die Lage dort ziemlich ernst und in der öffentlichen Wahrnehmung gibt es außer den üblichen Floskeln, dass die Kripo ermittelt, keinerlei erkennbare Fortschritte oder spürbare Reaktionen.

Im Polizei-Ticker heißt es: „In das Einfamilienhaus waren offenbar mehrere unbekannte Täter eingedrungen. Nach dem Durchsuchen setzten sie im Wohnzimmer einen Bürostuhl in Brand und flüchteten. Das Feuer breitete sich aus und beschädigte diverse Computertechnik und Mobiliar. Dem Eigentümer (56), der gegen 18:45 Uhr das Haus verlassen hatte und eine Dreiviertelstunde später wieder nach Hause kam, gelang es, mit einem Feuerlöscher die Flammen zu liquidieren. Er informierte die Polizei. Kripobeamte nahmen am Brandort ihre Arbeit auf und sicherten Spuren. Es stellte sich heraus, dass die Einbrecher über den Zaun vom Grundstück gestiegen und von hinten ins Haus gelangt waren. Die Ermittlungen wegen Brandstiftung dauern an.“

Die Profiler bei der Kripo betrachten bei Serientätern vor allem die augenscheinlichen Muster. Da es zwischen Gartenlauben, Garagen, Wohnhäusern und Strohfeimen kaum Parallelen gibt, kann da erstmal nur die geografische Lage herhalten. Die liegt in Markranstädt und seinen Ortschaften – hier vor allem in Lindenaundorf.

Und noch was fällt auf: Die zeitlichen Abstände zwischen zwei Bränden lassen eine annähernde „Beinahe-Regel“ erkennen, in der nur der erste Brand der Serie am 15. November in Frankenheim eine Ausnahme bildet.

Auch das ist bei Serientätern ein durchaus relevantes Merkmal. Nach der ersten Tat gibt es eine längere Pause, bevor sich der Rausch endgültig entfacht.

So liegen zwischen dem ersten zufälligen Kommafehler in einer Buchung und dem groß angelegten bandenmäßigen Betrug bis hin zur Finanzkrise oftmals viele Jahre in der Laufbahn eines Investment-Bankers. Auch Waffen-Lobbyisten bewähren sich nicht selten zunächst in einem Verein zur Ächtung von Landminen, bevor sie sich – aus der Politik geschasst – neue Betätigungsfelder als Aufsichtsräte in der Rüstungsindustrie erschließen. Brandstiftung ohne Feuer…

Im „Fall Frankenheim“ liegen nur etwas mehr als drei Wochen zwischen Probelauf und Start der Serie. Hier ein Blick auf die bisherige Chronologie:

15. 11. 2014: Strohballenbrand in Frankenheim.

6. 12. 2014: Strohballenbrand in Lindenaundorf

13. 12. 2014: zwei Laubenbrände in Markranstädt

18. 12. 2014: Strohballenbrand in Frankenheim.

22.12.2014: Garagenbrand in Frankenheim

29.12.2014: Wohnungsbrand in Frankenheim

Der Täter schlägt also seit 6. Dezember pro Woche einmal zu. Unsere Kameraden können sich frisch machen und in ihrer Brand-Chronologie für 2015 schon mal den Dreikönigstag vormerken. Spätestens da züngeln ziemlich wahrscheinlich wieder Flammen irgendwo in Markranstädt. Noch wahrscheinlicher sogar vorher schon und noch viel wahrscheinlicher wieder in Frankenheim oder Lindenaundorf. Samstag-Samstag-Donnerstag-Montag-Montag. Wer kennt ein Unternehmen, in dem der Schichtplan eines Kollegen auf das Muster dieser freien Abende passt?

Okay, es klingt lächerlich, wenn sich ein paar verirrte Satiriker mit dem Kalender als kriminologische Profiler versuchen. Andererseits: Mit Ausnahme der Bemerkung, dass die Kripo ermittelt, ist auch von den Ermittlungsprofis wenig zu hören. Weder ein Ermittlungsstand, noch Zwischenergebnisse oder Anhaltspunkte. Nicht einmal, ob es sich bei wenigstens einem der Fälle überhaupt um Brandstiftung handelt, ist bislang nach außen gedrungen. Das fördert nicht gerade Vertrauen in den Reihen der Bevölkerung. Spätestens jetzt dürfte man auch in Frankenheim erfahren haben, wie gut es sich in manchen Situationen macht, wenn man eine Sprecherin hat. Wir könnten ja die Unsere mal an die Kripo ausleihen. Da wäre erstmal oppositionelle Ruhe in Markranstädt und mehr Transparenz bei den Ermittlungsorganen der Staatsanwaltschaft.

Jack the Ripper aus London hat irgendwann von selber mit seinen Untaten aufgehört. Hoffen wir, dass Jack the Kokler von Frankenheim nicht auch so lange weitermachen darf, bis er sich mal die Finger verbrennt und keine Lust mehr hat.

 

Wettlauf gegen Verbrecher, Brandstifter und … Bürgerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Markranstädt hat auf ihrer Internetseite unter der Rubrik „Einsätze“ schon mal einen Button für das Jahr 2015 eingerichtet. In weiser Voraussicht, wie es scheint. Alles deutet darauf hin, dass ein Serientäter in der Gegend sein Unwesen treibt und er nicht das letzte Mal gezündelt hat.

Spätestens seit der Nacht vom Montag zum Dienstag hat die Brandserie in Markranstädt eine neue Dimension erreicht. In Frankenheim hatte jemand eine Garage heimgesucht, dort brennbare Gegenstände zusammengestellt und diese angezündet.

Nur vier Tage zuvor hatte im Ort eine Informationsveranstaltung der Polizeidirektion und der Leipziger Bürgerpolizei stattgefunden, in der es um Fragen der Sicherheit und des Schutzes von Eigentum ging, weil Frankenheim und Lindenaundorf in letzter Zeit öfter das Ziel von Langfingern waren. Kaum war die Informationsveranstaltung in die Dorfchronik eingegangen, als jemand in eine Garage einstieg und dort Feuer legte.

Das war wohl sowas wie eine Kampfansage. Die Profiler bei der Kripo wissen, dass Serientäter mitunter eigenartige Verhaltens- und Tatmuster an den Tag (besser: an die Nacht) legen. Noch sei man nicht sicher, dass es stets der gleiche Täter ist und auch nicht, ob es sich nur um einen handelt.

Das Schweigen der Lämmer

Der Frankenheimer Brand ist überhaupt der einzige, bei dem man von Anfang an mit absoluter Sicherheit von Brandstiftung ausgehen konnte. Zwar wurde niemand gesehen, aber die Eigentümer kamen rechtzeitig nach Hause, konnten so die Feuerwehr alarmieren und die Ermittlungsorgane fanden einen ziemlich aussagekräftigen, weil wenig in Mitleidenschaft gezogenen Tatort vor.

Die Infoveranstaltung der Polizei in Lindenaundorf hatte nicht nur das Ziel, die Bürger aufzuklären, sondern diese auch zu beruhigen und ihnen ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Was passiert, wenn man das Bedürfnis des Volkes danach nicht befriedigt, zeigten die Einwohner von Großkorbetha und Wengelsdorf, nur wenige Kilometer von Markranstädt entfernt, vor rund drei Jahren.

Hilft niemand mehr, hilft Bürgerwehr

Dort war die Situation ähnlich. Die Nähe zur Autobahn machte das Dorf zur Kolonie einfallender Diebeshorden aus aller Herren Länder. Weil niemand half und das Problem von den Schwimmwesten aus der Politik kleingeredet wurde, gründete man dort kurzerhand eine Bürgerwehr.

Plötzlich waren ganze Hundertschaften uniformierter Kalkmützen rund um die Uhr im Dorf unterwegs. Weniger um neuerliche Taten zu verhindern, als vielmehr mögliche Selbstjustiz zu unterbinden. Geradezu gebetsmühlenartig flehte man die Einwohner an, selbstgefasste Diebe nicht anzufassen und gleich gar nicht auszupeitschen.

Die Bürgerwehr aufzulösen dauerte länger als die Diebe dauerhaft vom Ort fernzuhalten. Des Bürgers Handeln ist nur gefragt, wenn es um Dinge geht, die man selbst nicht lösen will. Wenns also gegen Nazi-Demos oder um Wahlen geht.

So weit zu den Szenarien, die sich entwickeln, wenn Bürger Angst oder zumindest Sorgen haben und niemand sie so richtig ernst nimmt. Anders sieht es sicher bei den Opfern und den Feuerwehrleuten aus, die neuerdings kaum noch eine ruhige Nacht haben. Zwei Strohballenbrände (6. und 18. Dezember), zwei durch Feuer vernichtete Gartenlauben (13. Dezember, hier zum Video vom MDR) und nun am 22. Dezember der Garagenbrand in Frankenheim. Nicht eingerechnet sind die zahlreichen Einbrüche und Diebstähle, die in letzter Zeit zwischen Schkeitbar und Lindenaundorf für Aufsehen sorgen.

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Die Kameraden unserer Wehren schlagen sich neuerdings reihenweise Nächte um die Ohren.

Apropos Schkeitbar: Dort haben viele Leute eine eigene Theorie und auch dort kam es in der Vergangenheit zu seltsamen Vorgängen, die es sogar bis ins Fernsehen (MDR „Kripo live“) schafften. Das sorgte zwar vorübergehend tatsächlich für mehr Polizeipräsenz im Ort, aber eben auch dafür, dass die Einwohner in der Nachbarschaft des Diebesnestes abends vorm Hoftor schon mal zum Alkoholtest angehalten wurden, während man in der Räuberhöhle nebenan munter an gestohlenen Fahrzeugen schraubte. Auch dort lebt man in Sorge und die ist auch trotz einer Fernsehsendung und vermeintlicher öffentlicher Aufmerksamkeit offenbar noch immer existent.

Vielleicht sollte man all diese Vorgänge mal aus einer anderen Sicht betrachten, als ewig nur auf Hilfe durch die Staatsgewalt zu hoffen? Sehen wir es mal so: Selbst wenn unser Brandstifter gefasst werden würde, wäre der sicher bald schon wieder auf freiem Fuß. Es reicht, wenn sein Anwalt eine Kindheit in zerrütteten Verhältnissen ins Feld führt. Vielleicht hatte seine Mutter einen Penis oder sein Vater war Parteisekretär und der arme Junge bekam sein Taschengeld in den 80er Jahren nur in Ost-Mark?

Vielleicht zu viel Helene Fischer gehört oder eine Lehre als Banker angefangen? Es gibt ja so viel Elend und irgendwas findet sich immer. Es sei denn, man droht Leuten wie Uli Hoeneß, dass sie im Knast Schuhe putzen müssen, während das WM-Endspiel läuft. Dafür gibt’s dreieinhalb Jahre und die muss es einfach geben für sowas

Man könnte aber dem Markranstädter Brandstifter beispielsweise als mildernden oder gar strafbefreienden Umstand anrechnen, dass er unsere Gesellschaft, die Polizei und unsere Feuerwehr nur auf erhebliche Defizite im Bereich der inneren Sicherheit hinweisen will. Das hat ja schon mal jemand mit Erfolg gemacht. Da ging es zwar nicht um Feuer, sondern nur um ein paar eMails, aber die Wirkung war frappierend und es war schlichtweg unhöflich von den Betroffenen, dafür nicht wenigstens ein paar Zeilen des Danks übrig zu haben.

Und dann gibt es ja auch noch Brände, denen man sowas wie einen gesellschaftlichen Nährwert attestieren müsste. So manches Abriss-Vorhaben, das auch perspektivisch über Zündstoff verfügen dürfte, wäre dem Steuerzahler durch Flammen statt Bulldozer möglicherweise billiger zur Last gefallen.

Sehnsucht nach Wärme?

Nicht zuletzt sollte man auch den sozial-psychologischen Aspekt berücksichtigen. Was, wenn die Brände nur unartikulierte Hilfeschreie eines Mannes (oder einer Frau?) sind, der sich in diesen kalten Vorweihnachtstagen nach wenigstens etwas Wärme sehnt? Schon unsere Ahnen haben in solchen Fällen Feuer gemacht. Das wird vor Gericht ganz sicher ins Gewicht fallen. Urinstinkte – dafür kann man nicht bestraft werden. Das ist wie Pinkeln an die Parkuhr: Was raus muss, muss raus. Dafür müssen auch Opfer Verständnis haben.

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Und weil sich auch 2015 daran nichts ändern wird – immerhin stellen die Advokaten im kommenden Jahr nach wie vor die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten – hat die Markranstädter Feuerwehr im Internet wohl schon im alten Jahr den Button für die Einsätze 2015 installiert. Hoffen wir mal, dass in den folgenden 12 Monaten das Wort „Brandstiftung“ darin nicht vorkommt. Sonst könnte es vielleicht passieren, dass es neben der Web-Präsenz der Feuerwehr auch noch eine der Bürgerwehr gibt.

 

Ritterschlag: LVZ stellt MN unter Naturschutz!

Als Satiriker ist man permanent vom Aussterben bedroht. Da ist jede Hilfe willkommen. Ganz gleich, ob Greenpeace, der KGB oder die Anonymen Alkoholiker ihren Strohhalm reichen, er wird gern ergriffen. Nach dem Claus-Narr-Award 2013 in Silber gab es nun für die Markranstädter Nachtschichten einen weiteren Ritterschlag: Die Naturschutz-Redaktion der LVZ (also die Journalisten, die sich um die Schwellenstadt Markranstädt kümmern), erklärte uns als „schräger Vogel mit Humor“ für schutzwürdig. Die Feiertage sind gerettet – und das nur wegen dieses Beitrages.

Es ist ein ungewöhnliche Empfindung, anlässlich eines Ritterschlags genau das Schwert auf der Schulter zu fühlen, vor dem so mancher in Erwartung eines finalen Genick-Hiebs instinktiv mit dem Kopf zucken würde.

Auch und gerade deshalb gleich vorweg: Bitte heute nicht anrufen! Wir schlafen unseren Rausch aus und wälzen uns in den Exkrementen unserer Gefühle! Glückwünsche, Beschimpfungen oder ähnliche Korrespondenzen bitte per eMail.

Anfragen der internationalen Presse stehen wir ebenfalls vorerst nicht zur Verfügung. Natürlich kommt unser Erfolg nicht von ungefähr. Wir haben selbstverständlich auch eine Sprecherin und auch wir haben sie ohne Ausschreibung und noch dazu ehrenamtlich bei uns versklavt. Sie hat es doch tatsächlich geschafft, uns in diesem Jahr unter die Top-15 in den deutschen Online-Satire-Charts zu katapultieren und hat für die Agenturen rund um den Globus folgende Mitteilung ausgearbeitet, die natürlich gern wörtlich übernommen werden darf:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

völlig überraschend erhielten wir heute die Nachricht von dieser hohen Auszeichnung. Wir sehen diesen Preis als gerechtfertigtes Ergebnis unserer jahrzehntelangen Bemühungen, einen von einer breiten Schicht der Gesellschaft geprägten, multilateralen Konsens zu erzielen.

Getragen von einem hohen Maß an Transparenz und konsequenter Bürgernähe, konnten wir mit unserem Portfolio auch die Herzen der Leserinnen und Leser peripherer Medien gewinnen. Die kontinuierliche Schärfung unseres Profils auf abseits der großen öffentlichen Wahrnehmung liegende Themen hat dafür die Grundlagen der Basis unserer Voraussetzungen geschaffen.

Da wir auch künftig unsere Rolle der Bedeutung wahrnehmen wollen, lehnen wir diesen Preis … nicht ab!

Anita Schreiberling

MN-Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit“

Bevor wir die Korken knallen lassen, müssen aber noch einige Dinge zu unten stehender Laudatio klargestellt werden. Nicht nur, weil Klarstellungen in Markranstädt grade in Mode sind, sondern weil noch immer ein Aspekt ungeklärt im Raum steht.

Liebe Leserinnen und Leser der Markranstädter Nachtschichten: So lange es nur um H5N8 oder andere Sorten der Vogelgrippe geht, können Sie unbesorgt sein. Bedenklich wird es erst, wenn uns in wirklich schlimmen Fällen wie Pest, Ebola, Vermögensberatung oder anderen Epidemien der gleiche Krisenstab schützen soll, der jetzt kleine Tümpel wie den Bürstenteich oder den Straßenteich zum Krisengebiet erklärt, den Seebenischer See jedoch nicht. Die Begründung ist es, die das Herz des Satirikers erfreut. Es geht hier nach Wasserfläche. Dass in Seebenisch gefühlte zehntausend Vögel aller Rassen und Bauarten campieren, ist für die Ausbreitung eines Virus nach öffentlich-rechtlicher Auslegung scheinbar völlig nebensächlich. Uns kanns nur recht sein, das Winterloch ist gerettet und nächstes Jahr werden wir ins UNESCO-Stadtkulturerbe aufgenommen.

 

Und hier also die Laudatio der Leipziger Volkszeitung, nachzulesen in der Ausgabe vom 18. Dezember 2014, Seite 19:

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FFW-Holding besteht erste Bewährungsprobe

Das ist fast schon unheimlich. Kaum hatten die Markranstädter Nachtschichten die LPG Brandbekämpfung „Roter Hahn“ ausgerufen und dabei an den Brand einer Gartenlaube im Jahr 1978 erinnert, hatte das im Rathaus geborene Joint Venture seine erste Bewährungsprobe zu bestehen. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag zauberten zwei Gartenlauben in der Anlage „Zum Ast“ ihren vorweihnachtlichen Heiligenschein an den winterlichen Nachthimmel.

In der meist top-aktuellen und geradezu vorbildlichen Berichterstattung der FFW Markranstädt heißt es dazu: „Die zweite Gartenlaube wurde unter der Führung von Lindennaundorf gemeinsam mit den Kulkwitzer und Döhlener Kameraden bekämpft. Auch hier konnte nach etwa einer Stunde der Einsatzleitung „Feuer aus“ gemeldet werden.“ Auch die Ortsfeuerwehr Albersdorf war aktiv vor Ort integriert.

Die Skepsis in Bezug auf die Schlagkraft der künftigen FFW-Holding Albersdorf-Kulkwitz-Seebenisch hat zwar andere Ursachen und kann deshalb nicht weggewischt werden, doch hat der Einsatz am Samstag gezeigt, wie wichtig die federführende Koordination und Verantwortung der Kernstadt-Feuerwehr ist.

Aus rechtlichen Gründen dürfen wir die Fotos vom Einsatz vor Ort nicht zeigen, aber mit einem gezielten Klick auf „Danke, Kameraden!“ können sie auch von den Lesern der Markranstädter Nachtschichten gesehen werden. Wie immer, ist auch diesmal der Text lesenswert und er verdeutlicht vor allem, wie groß die Anerkennung und der gegenseitige Respekt der Feuerwehrmänner gegenüber der Leistungen jedes einzelnen ihrer Kameraden ist. Ganz gleich, ob er nun in nächtlicher Stunde aus Räpitz, Gärnitz oder Albersdorf zum Einsatzort anreisen musste.

Oftmals bleibt als Anerkennung für das Ehrenamt eines freiwilligen Feuerwehrmannes nicht mehr, als bei ebay „brandneue Balken“ versteigern zu können. Derer blieben auch beim jüngsten Einsatz in der Gartenanlage genügend übrig.

Brandneue Balken

Keine Laube überlebte den Angriff der Flammen. Wer aber den Einsatzbericht der FFW Markranstädt liest und vor Augen hat, welche personellen Probleme die Wehren in der Kernstadt wie auch den Ortschaften gegenwärtig bewegen, der kann nur staunen, wie das alles trotzdem funktioniert.

Ich hab einen Kameraden, einen bess’ren findst Du nicht…

Markranstädt, Großlehna, Lindennaundorf, Döhlen-Quesitz, Kulkwitz, Albersdorf und Schkölen Räpitz: In der Not stehen alle zusammen und arbeiten Hand in Hand! Vielleicht ist es doch nur ein kurzer Weg bis zum Ziel, an dem ehemalige Gemeindegrenzen der Vergangenheit angehören und man auch die schönen Stunden der Anerkennung gemeinsam genießt? Verdient haben sie es, die Kameradinnen und Kameraden unserer Wehren. Und ein Vorbild für andere ehrenamtliche, neuzeitlich gemeindeübergreifende Funktionen ist das allemal.

Die Kernaufgabe der Zukunft wird darin bestehen, die Jugend zu integrieren. Das hat schon Margot Honecker gewusst und nicht umsonst hat der aktuelle PISA-Sieger Finnland ihr Konzept schon in den 1980er Jahren kopiert. Blöd nur, dass eine gebildete Jugend die größte Gefahr für die Fortexistenz eines vermeintlich demokratischen Staates darstellt. Dummes Volk regiert sich gut – und so warten wir alltäglich darauf, dass endlich die ersten Demonstranten auf dem Ring in Helsinki rufen: „Wir sind das Volk!“

Erfolg verbindet

Ins Deutsche übersetzt heißt das: Man muss die Kids und Teens nicht nur in den Feuerwehrdienst integrieren, sondern ihnen auch ihre eigenen, persönlichen Erfolgserlebnisse ermöglichen. In der heutigen Zeit, da selbst der Letztplatzierte beim Bambini-Fußballturnier nebst Siegerpokal für Mamis Trophäensammlung eine Goldmedaille bekommt, wiegen solche Erfahrungen doppelt oder dreifach. Die „alten“ Ortsfeuerwehren leben oftmals noch davon, dass ihre grauen Eminenzen einst in ihrer Freizeit die Gebäude bauten, Bars einrichteten und von ihren Reputationen im Kameradenkreis lebten. Wer das den nachrückenden Generationen gönnt, hat den Weg in die Zukunft geebnet.

LPG Brandbekämpfung „Roter Hahn“

Die Ortsfeuerwehren Albersdorf, Seebenisch und Kulkwitz werden ab 2015 zusammengeführt. Ob dabei ein Kombinat, eine Genossenschaft oder eine Selbsthilfegruppe herauskommt, steht in den Sternen. Nennen wir das Konstrukt also zunächst einmal LPG Brandbekämpfung „Roter Hahn“.

3. Juni 1978, 21:58 Uhr: Im argentinischen Cordoba ist die südamerikanische Auswahl Perus gerade dabei, Fußballgeschichte zu schreiben. Das Team um Teofilo Cubillas ist bei der XI. Fußball-WM in Argentinien gerade sensationell mit 3:1 gegen Schottland in Führung gegangen, da heulen in Kulkwitz die Sirenen.

Obwohl fast alle Einwohner, und alle Kameraden sowieso, im Fußballfieber vor den Fernsehgeräten klebten, war die Straße zwischen Seebenisch und Gärnitz Minuten später voller Feuerwehrleute und Technik. Sie konnten die Laube in der Gartenanlage zwar nur noch kontrolliert abbrennen lassen, aber der Einsatz war in allen Belangen erfolgreich.

Das war im Sommer 1978. Heute, 36 Jahre später, würden da wohl kaum fünf Mann in Uniform auftauchen und gar nicht wissen, was sie zuerst tun sollen. Das würde zwar am Ergebnis – also einer abgebrannten Gartenlaube – auch nichts ändern, ist aber bedenklich.

Ähnlich sieht es in Gärnitz und auch in Albersdorf aus. Die Kameraden haben einfach nicht genug Leute. Da steht dann nicht nur die Frage, ob ausreichend Einsatzkräfte verfügbar sind, sondern in welchem Zustand sich die Technik befindet. Wurde früher zum heiligen Florian gebetet, dass es keinen Brand geben möge, gelten die gefalteten Hände der Einsatzkräfte heute dem Wunsch, dass die Pumpe anspringt oder die Schläuche dicht sind.

Verschärft wurden die Personalsorgen nach der Wiedervereinigung durch den Geburtenknick und den modernen Sklavenhandel, der nicht wenige Familienväter die Woche über in den Schwarzwald, in die Alpen oder an die Nordsee führt. Die vor Ort verbliebenen Kameraden müssten im Brandfall dann sogar eher Holz nachlegen, damit wenigstens noch ein Flämmchen züngelt, wenn die letzten Pendler aus den gebrauchten Bundesländern eintreffen.

Nun hat man die Reißleine gezogen und führt die Wehren Albersdorf, Gärnitz und Seebenisch zusammen. Ein folgerichtiger Entschluss, der erwartet wurde. Allerdings wahrscheinlich nicht in der Art. In einem Schreiben an die betroffenen Kameraden informiert der Bürgermeister: „…habe ich in der Sitzung des Stadtfeuerwehrausschusses am 30. 09. 2014 informiert, dass die drei Ortsfeuerwehren 2015 zusammengelegt werden.“ Zwar nicht vom Vorgang an sich, aber von der Terminschiene waren zumindest einige Ortschafts- und Stadträte überrascht. Offenbar ist dieses Planungsdetail an den Gremien vorbei gegangen.

bmffw

Doch das ist nur ein Nebenaspekt. Die Entscheidung war, um das Vokabular unserer Kanzlerin zu bemühen, alternativlos. Ob die Lösung als neue Brandbekämpfungs-LPG Albersdorf – Kulkwitz – Seebenisch jedoch nachhaltig ist, darf bezweifelt werden. Spiske selbst konstatierte in seinem Schreiben an die Kameraden, dass bei gemeinsamen Diensten aller drei Ortswehren höchstens 8 bis 10 Kameraden anwesend waren – noch dazu immer die gleichen Personen. Zum Personaldefizit gesellt sich dann noch das Problem der Alarmierungszeiten. Wenn in Albersdorf der Teich brennt, brauchen die Seebenischer wahrscheinlich locker mal so 20 – 30 Minuten, bis sie Ort und Stelle sind.

Man hat also reagiert. Das ist gut! So wie es ist, kanns nicht bleiben. Doch selbst zehn Kameraden in drei (eigentlich vier) Ortschaften sind zu wenig, zumal wahrscheinlich nicht wenige Mitglieder vom avisierten Rückzug ins Dasein als graue Eminenz Gebrauch machen werden (einfach mal auf die Abbildung in der Mitte klicken und Seite 3 anschauen). Das Problem ist mit der Fusion zu einer FFW-Holding noch lange nicht gelöst. Die Seebenischer selbst haben das in ihrer Büttenrede bei der letzten Faschingssession bereits formuliert. Da hieß es:

Wer unsre Feuerwehr gut kennt,
der konnte sicher sein, wenns brennt.
Doch nicht nur Schlauch und Löschbehälter,
auch Kameraden werden älter.

So stehen bald auf diese Weise
an der Spritze nur noch Greise.
Wartets ab, in ein paar Jahren,
kann niemand dort mehr Auto fahren.

Brennt dann irgendwo ein Haus,
rückt man mit Rollatoren aus
und der Hausherr muss sich regen
und nochmal Briketts nachlegen,
damit noch wenigstens was glimmt,
bis die an Ort und Stelle sind.

Damit so etwas nicht passiert,
hat man im Rathaus reagiert.
Aus den Ortswehr’n, so der Rat,
machen wir ein Kombinat.

Wenn man so die Jungen bündelt,
da macht es nichts, wenn da wer zündelt.
Von Schkeitbar fix nach Markranstädt,
die sind doch schnell per Internet.

Mit Facebook löschen statt mit Bier,
die Idee ist auch von hier
und wird, sofern da nichts passiert,
von den‘ da drüben bald kopiert.