Hotel hat fertig: GU steht ab Juli für „Geschlossene Unterkunft“

Wenn es stimmt, was da seit Dienstagnachmittag im Landkreis die Runde macht, dann steht die Abkürzung GU am Markranstädter Hotel ab Juli nächsten Jahres nicht mehr für Gemeinschaftsunterbringung, sondern für „geschlossene Unterkunft“. Wie es heißt, soll der Mietvertrag mit dem Hoteleigentümer zum 30. Juni 2025 gekündigt worden sein.

Am Nachmittag hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass dem so ist. Aber halt nur die Indizien. Alles andere wurde wieder mal so lange unter Verschluss gehalten, dass es selbst jene nicht mitbekamen, die schon von Beginn an gegen die Zweckentfremdung des gelben Gemäuers aufbegehrten und nun die Lorbeeren für ihren Einsatz anderen überlassen mussten.

Und so bleibt dem gemeinen homo marcransis wieder mal nichts anderes übrig, als selbst im Kaffeesatz zu lesen, das Glasauge zu befragen oder ein eigenes Gerücht darüber zu entbinden. So beispielsweise das, wonach die Kündigung vom Amt für Tourismus beim Landkreis ausgesprochen wurde.

Tourismusförderung

Denn die Situation in Markranstädt drohte aus dem Ruder zu laufen, nachdem Reiseveranstalter wegen der einzigartigen Stimmung in der vierten Etage ganze Flotten von Reisebussen mit erwartungsfrohen Touristen nach Markranstädt schicken wollten.

Aber wohin mit den greisen Ausflüglern nach Ende der Veranstaltung? Das Hotel ist ausgebucht mit Facharbeitern, am Kulki ist es in der Jahreszeit zu kalt und in den restlichen Etablissements gibt es selbst bei Leerstand bestenfalls acht freie Betten.

Betten statt Lamadecken

Gleich gar nicht gibts irgendwo noch eine halbwegs empfehlenswerte Kneipe, in deren Saal man wenigstens durch den Verkauf von Lamadecken oder Panzerhemden gegen Handystrahlen noch etwas Zeit rausschinden könnte. Da liegt es auf der Hand, das einstige Hotel wieder für den Binnen-Tourismus umzuwidmen.

Schnelle Hilfe bei der schwierigen Wohnungssuche

In einer Fußnote soll der Landrat die Stadt übrigens gebeten haben, ihn bei der Unterbringung der zum Bleiben in Markranstädt verurteilten Hotelinsassen zu unterstützen. Will heißen: Markranstädt soll bei der Suche nach freien Wohnungen helfen. Zumindest kann sich Big Henry da ganz, ganz schneller Hilfe sicher sein. Denn die gerade mal vier freien Wohnungen, die es letzte Woche in Lallendorf noch gab, dürften ruck-zuck weg sein. Heißt: Weiterhin freie Sicht auf den Weihnachtsstern für die rund 25 Obdachlosen der Stadt.

Im Umkehrschluss könnte genau diese zugespitzte Wohnungssituation den selbstredend unbeabsichtigten Nebeneffekt der GU-Schließung im anstehenden Wahlkampf aushebeln. Denn der soziale Friede in der Stadt ist aktuell von keinem noch so fragwürdigen Hotelbetrieb so gefährdet wie durch die Wohnungssituation.

Rolle rückwärts nach dem Wahlkampf?

Und auch eine weitere Marginalie, wonach die GU-Kündigung angeblich wieder zurückgenommen werden können täte, wenn sich die Flüchtlingssituation bis Juni 2025 wieder zuspitzt, könnte noch Zündstoff bergen. Denn dann müsste ein neuer Vertrag her und diesmal kann man sich nicht mehr damit rausreden, dass keine Zeit für dessen Ausschreibung war.

Was aus dem Hotel in Zukunft so werden können täte

Nun dürfen wir gespannt sein, was aus dem Hotel wird. Die direkten Anrainer werden sich vielleicht nach einer Großraum-Disco sehnen oder nach einer Prüfstation für Flugzeugtriebwerke im Nachtflugeinsatz. Irgendwas jedenfalls, das nicht ganz so viel Lärm macht. Es wird nicht langweilig in Markranstädt, ganz gewiss nicht.

Das Christkind kommt aus Markranstädt: Von Sachsen lernen, heißt siegen lernen!

Es naht die Zeit, in der wir uns alle Jahre wieder darauf freuen, dass das Christkind auf die Erde nieder kommt. Wir haben es deshalb gefragt, warum es in der kalten Jahreszeit ausgerechnet zu uns nach Markranstädt hernieder fährt. Die Antwort seines Sprechers: „Im Winter ist es kalt, da arbeitet das Christkind nicht im Himmel, sondern im Homeoffice.“ Natürlich hätten wir auch fragen können, ob man heute noch „weiße Weihnachten“ sagen darf oder wo die Weihnachtsmännin ihren Sack hat, aber für solche und ähnliche Fragen haben wir in Deutschland zum Glück unabhängige Medien. Schauen wir also am 1. Advent mal drauf, was die über all das schreiben, was die Menschen im Lande so bewegt.

Weiße Weihnacht, davon träumt wohl auch in Markranstädt jeder, wenngleich die Schneedecke für einige Mitmenschen zu viel Kontrast bei der Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit zu bieten droht.

Allerdings nutzen die für ihren Handel mit Schnee sowieso längst die sichern Tiefen des Parkhauses in der Hordisstraße. Darum, o Herr, lass es ruhig schneien, auf dass alle was davon haben mögen.

So kalt und warm wird es zu Weihnachten

Ob es eine weiße Weihnacht gibt oder nicht, damit haben sich die Wetterexperten von t-online in dieser Woche befasst. Das Ergebnis ist frappierend.

Es verheißt eine genauso klare Botschaft wie das Horrorskop für das Sternzeichen Vegetarier, in dem es heißt. „Sie werden im nächsten Jahr auf Ihren lang ersehnten Idealpartner stoßen. Sie sollten aber aufmerksam sein, damit Sie ihn in diesem Moment auch erkennen, sonst müssen Sie auch 2025 wieder an der Seite Ihres Alten verbringen.“

Wetterexpertise von T-Online: "Es wird wärmer oder kälter, das hängt vom Wetter ab!"

Wetterexpertise von T-Online: „Es wird wärmer oder kälter, das hängt vom Wetter ab!“

Doch immerhin wissen wir nun Bescheid, wie das Wetter am Heiligen Abend wird. Also dann: Badehose anziehen, Fellmütze aufsetzen und fröhliche Weihnachten alle zusammen! Der Grog steht gleich neben dem Eisbecher an der Strandbar.

Endlich haben die deutschen Medienschaffenden erkannt, worauf der Fachkräftemangel in diesem unserem Lande zurückzuführen ist und warum die Wirtschaft ihre Hände danach ringt.

Händeringend entsorgt

Von wegen, die Jugend hätte keine Lust, will nur abchillen oder unser Bildungssystem hätte versagt. Nein, die jungen Azubis werden im Rahmen ihrer Ausbildung regelrecht verheizt, so sieht’s aus!

So werden Azubis verheizt!

Die stehen bis zu 18 Stunden am Band, müssen unablässig Youtube-Kanäle vollquatschen und wenn sie dann, körperlich am Ende, in einem unaufmerksamen Moment vom Joystick abrutschen und die trockengelaberte Zunge sich unwiderruflich im Headset verfängt, ist es um sie geschehen.

Wenn es so gefährlich ist Azubi zu werden, muss man sich nicht wundern, dass die jungen Menschen lieber darauf warten, bis ihnen eine Stellung in führender Position angeboten wird.

Wenn es so gefährlich ist Azubi zu werden, muss man sich nicht wundern, dass die jungen Menschen lieber darauf warten, bis ihnen eine Stellung in führender Position angeboten wird.

Wie die investigativen Recherchen der Medien ergaben, frohlocken indes die Branchen der Tischler und Bestatter. Einziges Problem: Hier sucht man jetzt händeringend nach jungen Sargträgern.

Christkind ist ein Sachse

Zurück zum Home-Office des Christkindes. Es stammt also aus Markranstädt und damit aus Sachsen. Und ja: Weil es nicht schwarz ist, darf man es nach seiner Herkunft fragen.

„Von Sachsen lernen, heißt siegen lernen“, titelte kürzlich die lokale Tagesgazette. Kaum vorstellbar, dass den Blattmachern bei der Auswahl des Bildes die wahre Tragweite ihres Handelns bewusst war. Kaum ein Motiv hätte die Überlegenheit der sächsischen Rasse so nachhaltig in Szene setzen können, wie der Berliner Fernsehturm im Hintergrund.

In nur vier Jahren von Sachsen erbaut! Wären’s Berliner gewesen, wäre im Hintergrund des Bildes bestenfalls ein Baukran zu sehen. Sofern der nicht gerade am BER gebraucht würde.

Da kann man mal sehen

Zum Schluss noch ein Blick auf das Geschäft mit der Barmherzigkeit des Menschen in der Vorweihnachtszeit. Hier ist ein derart harter Betroffenheitswettbewerb entbrannt, dass ein Handicap allein längst nicht mehr reicht, um die Geldbörsen zu öffnen.

Fürs nächste Jahr hat die PR-Agentur schon ein Superlativ erarbeitet: "...und außerdem ist sie visuell gehandicapt."

Fürs nächste Jahr hat die PR-Agentur schon ein Superlativ erarbeitet: „…und außerdem ist sie visuell gehandicapt.“

Welch Glück hatte doch dieser Spendensammler, dem ein Kind über den Weg lief, das nicht nur blind ist, sondern darüber hinaus auch nicht sehen kann.

Markranstädt ist überall: 04420 und die Post kommt an

Die zurückliegende Woche stand in Markranstädt ganz im Zeichen der Wohnungswirtschaft. Grundsteuern, Mieten, verfügbare Wohnungen … alles geht den Bach runter und wird damit teurer. Und selbst ein Auszug geht ins Geld. So musste jüngst ein Mieter nach Leipzig fahren, um sich dort im Zoohandel zehn Ratten zu kaufen. „Ich soll die Wohnung so verlassen, wie ich sie vorgefunden habe“, schimpft der jetzt Obdachlose. Aber es gibt auch noch andere Themen, die Markranstädt in der zurückliegenden Woche in Atem gehalten haben.

Die letzte Woche begann mit einem Schmankerl. Die Volkshochschule hatte zu einem Bürgerforum mit Vertretern des Stadtrates ins MGH geladen. Ein Format, das jetzt regelmäßig einmal im Quartal stattfinden soll. Sozusagen „Stadtrat in einfacher Sprache“.

Die Auftaktveranstaltung war dazu gedacht, die Erwartungen und Handlungsmöglichkeiten des Stadtrats auf der einen und die der Bürger auf der anderen Seite darzulegen. So sollte der Boden für ein grundlegendes Verständnis füreinander bereitet werden.

Lücken in der Front

Glaubt man den abschließenden Feedbacks, hat das geklappt. Anwesend waren Stadträte von Linken, Grünen und CDU, die Freien Wähler hatten sich entschuldigen lassen. Dass die AfD nicht dabei war und nicht einmal abgesagt hatte, kann allerdings auch dem Umstand geschuldet sein, dass sie die Einladung gar nicht erhalten hat. Und genau bei dem Thema begann beim Forum der Igel zu krähen.

Analoger Datenschutz

Denn während die Parteien beim Wahlkampf jeden Briefkasten der Bürger erreichen, ist es in Markranstädt längst nicht selbstverständlich, dass diese Bürger in umgekehrter Richtung ihre Abgeordneten kontaktieren können.

Während das Internet für andere Parteien noch Neuland ist, hat die CDU es bereits wieder verlassen. Google zieht daraus seine eigenen Schlüsse und deklariert die Christdemokraten als "dauerhaft geschlossen".

Während das Internet für andere Parteien noch Neuland ist, hat die CDU es bereits wieder verlassen. Google zieht daraus seine eigenen Schlüsse und deklariert die Christdemokraten als „dauerhaft geschlossen“.

Selbst Google, ansonsten geradezu allwissend, kann für die meisten Stadtratsfraktionen keine Kontaktdaten liefern. In anderen Kommunen steht sowas auf der Webseite der Stadt, in Markranstädt gibt’s das nur analog als Briefkästen auf der Rathaustreppe.

Hausaufgaben für Stadträte

Das Internet ist dann halt doch für viele Menschen noch Neuland, diese Vision hatte Angela Merkel schon 2014 orakelt. Zumindest die anwesenden Stadträte haben sich diese Kritiken aber in ihren Hausaufgabenheften notiert.

Wahrer Bürgerservice

Ortswechsel: Im Rathaus hat man die Bedeutung des Internets nicht nur erkannt, sondern es in der zurückliegenden Woche auch richtig im Interesse des Bürgers genutzt. Der Hinweis zur künftigen Zahlung der Grundsteuer war mal wirklich eine Geste mit echtem Service-Charakter. Chapeau und: Wer jetzt bezahlt, ist selber schuld.

Allerdings profitieren davon nur Eigentümer. Mieter haben im Zuge der Grundsteuerreform definitiv die Arschkarte, was im Stadtrat bis dato nur Heike Kunzemann (Linke) aufgefallen ist. Denn wenn ein Eigentümer zu viel zahlen muss, kann er dagegen beim Finanzamt vorgehen.

Das ist mal ein Service. Chapeau!

Das ist mal ein Service. Chapeau!

Muss er aber vor allem dann nicht, wenn er nicht in dem Haus wohnt, sondern es nur vermietet. Da kann er sich den Aufwand des Widerspruchs sparen, weil er die Steuer ja sowieso auf die Mieter umlegt. Und die haben keine Chance, sich dagegen zu wehren. Willkommen im Sozialstaat oder was auch immer von Cum-Ex übriggeblieben ist.

Zwischen Zuzug und vögeln

Ist aber eh wurscht in einer Stadt, in deren Rathaus man zwar heute schon weiß, wieviele Kinder 2030 geboren werden und man deshalb fleißig Kitas baut, aber in den vergangenen Jahren offenbar keinen Schimmer davon hatte, dass eine wachsende Stadt auch Wohnungen braucht.

Grade mal 4 (in Worten: VIER) freie Bleiben gibts in Markranstädt aktuell, während ein Projekt für 60 Wohnungen seit Jahren auf Eis liegt. So kriegt man die Armen aus der Stadt gejagt oder in Ghettos wie die Leipziger Straße 2c oder das Räpitzer Obdachlosenheim deportiert und steigert mit zahlungskräftigen Mietern die Einnahmen aus der Einkommenssteuer. Kalte Vertreibung – klappt auch ohne kommunales Wärmekonzept.

Nicht nur Rufnummer, auch Postleitzahl kann bei Vertreibung mitgenommen werden

Wer sich Markranstädt nicht mehr leisten kann und in seinem neuen Zufluchtsort auf ein Stück alte Heimat nicht verzichten möchte, kann jetzt im Internet fündig werden.

Die Welt ist klein. Man muss nicht obdachlos werden, wenn man sich Markranstädt nicht mehr leisten kann. Fast überall auf dem Erdball kann man in 04420 sesshaft werden.

Die Welt ist klein. Man muss nicht obdachlos werden, wenn man sich Markranstädt nicht mehr leisten kann. Fast überall auf dem Erdball kann man in 04420 sesshaft werden.

Eine MN-Leserin hat das getan, weil sie in ihr neues Asyl im Ausland nicht nur ihre Telefonnummer, sondern auch die Postleitzahl mitnehmen will.

Die App bietet eine erstaunlich reichhaltige Auswahl. So kann man beispielsweise nach 04420 Mexiko-Stadt ziehen oder nach 04420 Järvenpää in Finnland, sich in 04420 Beaujeu künftig von Fröschen ernähren oder die Siesta seines Lebens im spanischen 04420 Santa Fe de Mondujar abfeiern.

Wir lernen: Niemand muss auf der Straße landen, wenn ihn die kalte Vertreibung aus Markranstädt ereilt – überall auf der Welt gibt es ein 04420.

Zum Glück nur Kauka

Apropos App und Markranstädt: Dem Klang nach wahrscheinlich ebenfalls im finnischen 04420 Järvenpää entwickelt, gibt es unter https://tjukanovt.github.io/notable-people ein Angebot, das in Lallendorf für tiefes Aufatmen sorgen sollte.

Auf dieser Seite werden für alle Käffer der Welt jene Namen von prominenten Personen aufgeführt, die im Zusammenhang mit dem jeweiligen Ort im Internet am häufigsten geklickt werden.

Weil Arbeit mehr Arbeit macht als Zeichensetzen

In einer Stadt wie Markranstädt, in der zwar regelmäßig Zeichen für Demokratie gesetzt werden, aber die Entfernung von Hitlers Steigbügelhalter Paul von Hindenburg aus der Liste der Ehrenbürger zu viel Arbeit ist, droht damit eigentlich eine ähnliche Reputation, wie sie auf der Karte beispielsweise der Stadt Braunau am Inn zuteil wird.

Auch wenn von anderen Markranstädtern deutlich mehr Fotos kursieren, ist es Rolf Kauka, der im Zusammenhang mit Markranstädt am häufigsten geklickt wurde.

Auch wenn von anderen Markranstädtern deutlich mehr Fotos kursieren, ist es Rolf Kauka, der im Zusammenhang mit Markranstädt am häufigsten geklickt wurde.

Welch ein Glück, dass wenigstens Rolf Kauka in Markranstädt geboren wurde. Dem wird allerdings auch eine rechtskräftige Verstrickung nachgesagt, weshalb in Markranstädt keine Straße nach ihm benannt wird. Selbst für Kitas müssen einfallsloseste Bezeichnungen kreiert werden, nur um sie nicht nach seinen Füchsen Fix und Foxi benennen zu müssen.

Es hätte schlimmer kommen können

Bedenkt man aber die Alternativen, hat Markranstädt mit dem Kauka noch einmal richtig Glück gehabt. Es gibt Käffer auf der Karte, die müssen sich mit Reinhard Heidrich, Walter Ulbricht oder Florian Silbereisen herumschlagen.

Aber selbst wenn unter Markranstädt Namen wie Freddy Krüger, Lord Voldemort oder die Teletubbies auftauchen würden, hätte man zumindest noch Alternativen. Man muss sich ja nicht damit abfinden und hier bleiben. Beispielsweise kann man nach Järvenpää umsiedeln. Tero Seppälä kennt im schneebefreiten Markranstädter Flachland eh keiner, die Mieten sind bezahlbar und die Postleitzahl 04420 zieht quasi mit um. Die Post kommt an.

Melde gehorsamst: Der Markranstädter Mängelmelder

Ist das ein Grund zum Feiern oder zum Verzweifeln? Erfreulich ist auf jeden Fall schon mal, dass viele Markranstädter ihre Augen aufgemacht und den Mängelmelder der Stadt entdeckt haben. Es zeugt davon, dass sie die vermeintliche „Leck-mich-am-Arsch“-Haltung aufgegeben haben und auf Missstände hinweisen. Allerdings stellt sich nach nunmehr einem knappen Jahr die Frage nach der Wirksamkeit und den Folgen aller Mängelanzeigen. MN-Leser Jabadu hat sich dazu einmal Gedanken gemacht und das Jubiläum der 500. Mängelanzeige im Oktober zum Anlass genommen, eine populärwissenschaftliche Analyse aus Bügersicht zu entbinden. Hier sein Exposé.

Glaubt man dem Portal, wurden von den 500 Meldungen bis dahin 68 erledigt. Über den Daumen gepeilt ist das ein abgestellter Mangel pro Woche.

Würde die Stadt den Mängelmelder mit sofortiger Wirkung einstellen, hätte sie bei gleicher Arbeitsleistung noch rund sechs Jahre zu tun, um alle Mängel abzuarbeiten.

Arbeitsplatzsicherung

Zugute könnte man der Stadt vielleicht halten, dass sie schon mehr Mängel abgearbeitet hat, aber diese wegen ungeklärter struktureller Fragen noch nicht als erledigt markieren konnte. Umgekehrt ist es schon vorgekommen, dass Mängel als erledigt gemeldet wurden, aber immer noch bestehen.

Schöne Torte, aber die Kerzen darauf sind nicht die hellsten, was sich vor allem im Zustand der Straßenbeleuchtung zeigt.

Schöne Torte, aber die Kerzen darauf sind nicht die hellsten, was sich vor allem im Zustand der Straßenbeleuchtung zeigt.

Insgesamt verteilen sich die Mängel auf die ganze Palette aller möglichen Sachverhalte. Als Schwerpunkt kristallisiert sich jedoch ausgerechnet die Beleuchtung der Stadt heraus. Lampe an, Lampe aus. Gestern repariert, heute wieder kaputt.

Ein Helles bitte!

Mit anderen Worten, die Markranstädter sind wohl nicht mehr die Hellsten. Allen voran kann man dieses Merkmal zumindest den Verantwortlichen unterstellen. Denn denen müsste doch langsam mal ein Licht aufgehen.

Mängel aus der Antike

Die älteste in Bearbeitung befindliche Meldung über eine kaputte Laterne stammt vom 5. Januar 2024. Oder leuchtet die gar schon wieder und es fehlt nur das Häkchen? Die „älteste“ als NEU eingestufte Meldung datiert indes vom 4. November 2023.

Mit anderen Worten: Seit über einem Jahr hat sich niemand erfolgreich mit dem Hinweis über den Zustand des Grabenweges in Seebenisch befasst.

Nun ist der Grabenweg sicher nicht der Broadway von Markranstädt, aber die Mängelsammler der Stadt hätten inzwischen wenigstens mal aus dem „Neu“ ein „in Bearbeitung“ machen können. Das läge dann auch ganz auf der strategischen Linie der Mängelbearbeitung, in der es üblicherweise heißt: „Vielen Dank für den Hinweis…“

Schenke Freude, ernte Dank

Mängel unter der Kategorie „Anliegerpflicht“ entwickeln sich vor allem dann zum Dauerbrenner, wenn es um die Straßenreinigung an solchen Stellen geht, an denen die Stadt als Reinigungspflichtige agieren sollte. Also wo die Reinigung wöchentlich stattfinden soll.

Aber denkste. Hier hat die Stadt ein dickes Fell oder einfach keine Leute dafür eingeplant. Nur so ist es zu erklären, dass die Zwenkauer Straße über einen Zeitraum von mehreren Wochen sechsmal als nicht gereinigt gemeldet wurde.

Arbeitskräftemangel ist auch ein Mangel

An dem Gedanken, dass für die Reinigung keine Leute da sind, könnte etwas dran sein. Sieht man sich die letzte Stellenausschreibung für den Sachbearbeiter Straßenunterhaltung und Leiter/in Technischer Service (m/w/d) an, so muss man feststellen, dass die Problematik Straßenreinigung in dessen Arbeitsaufgaben keine Rolle spielt.

Straßenreinigung wird überbewertet, wenn man es nicht gerade als Einnahmequelle beim Verstoß gegen privatisierte Pflichten sieht.

Richtig schwierig wird es dann, wenn man versucht, den Ort zu finden, an dem der Mangel anzutreffen ist oder sein sollte. So ist eine Meldung über ein altes Fahrrad, das auf der Kippe nach Kulkwitz liegt, an die 350 Meter entfernte Zwenkauer Straße hinter dem Wald verortet worden. Die Meldung dazu stammt vom 25. April 2024 und ist natürlich „Neu“.

Vor dem Hintergrund der geografischen Ortungsprobleme könnte das allerdings auch heißen: Die Mängelabsteller der Stadt sind auf der Suche nach 187 Orten. Denn am Tag des Eingangs der 500. Mängelmeldung befanden sich immerhin schon genauso viele in Bearbeitung.

Die im Dunkeln tappen

Wie schwierig das mit der Ortung ist, zeigt sich auch bei der Beleuchtung. Am Tag sieht man zwar die Lampen, erkennt aber nicht, ob sie funktionieren. Und weil die kaputten Laternen im Dunkeln aus sind, kann man auch nachts nicht feststellen, wo sie sich befinden.

Das Verständnis der Bürger

Wir lernen: Es gibt für alles eine Erklärung. Besonders wohltuend ist übrigens das tiefe Verständnis, das die Bürger angesichts der Bearbeitungsdauer oder der fehlenden Erfolgsmeldungen aufbringen.

Schon gibt es die ersten Hinweise, in denen in einer Art vorauseilendem Verständnis sogar explizit darauf hingewiesen wird, dass sich die Stadt bei der Mängelbeseitigung durchaus Zeit nehmen soll.

So viel Großherzigkeit wünscht man sich nicht nur vor Halloween, sindern auch vor Weihnachten, Ostern und zu Hause.

So viel Großherzigkeit wünscht man sich nicht nur vor Halloween, sondern auch vor Weihnachten, Ostern und zu Hause.

Dieses Beispiel sollte auch in anderen Bereichen Schule machen. Kein Winterdienst auf den Straßen, damit der Weihnachtsmann mit dem Schlitten durchkommt, keine Grasmahd an den Straßenrändern, damit der Osterhase genügend Verstecke findet und auch kein Verbot häuslicher Gewalt mehr, damit man sich umso mehr auf die Versöhnung am Valentinstag freuen kann.

Eigentlich ist so ein Mängelmelder in Wahrheit ein Chancenverzeichnis. Und wenn man ihn so sieht, ist alles in Ordnung.

Zwischen büßen und beten: Die wahre Wahrheit hinter den Worten

Kriege, Krisen, Katastrophen: Egal ob man die Zeitung aufschlägt oder einen Blick ins Internetz wirft, überall wird einem ein Angstkloß in den Hals implantiert. Nur der gelernte DDR-Bürger kann sich da helfen, weil er weiß, wo man zwischen den Zeilen die wahren Botschaften findet. Nutzen Sie also ihre freie Zeit am heutigen Feiertag nicht nur, um den Medien beim Büßen und Beten zuzuschauen, sondern sich auch mit den alternativen Wahrheiten zu beschäftigen: Beim Faktencheck der Markranstädter Nachtschichten.

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Angeblich soll man ja schon gesehen haben, wie Pferde vor der Apotheke kotzen. Aber dass ein Ross mitten bei einem Fernsehinterview abschmiert, war bisher so noch nie dagewesen. Was könnte da passiert sein?

Eine woke Reporterin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat dem Pferd nach seinem siegreichen Rennen die provokante Frage gestellt, wie es dazu stehe, dass die braune Farbe seines Fells von der AfD instrumentalisiert werden kann. In der Pathologie wurde später festgestellt, dass das Tier an einem plötzlichen investigativen Schock verendet ist. Es habe allerdings nicht leiden müssen.

In der Türkei herrschen schlimme Zustände. Ein falsches Wort, und schon sitzt man im Kahn. In Demokratien wie der unseren wird man dagegen nur einem ebenso menschenfreundlichen wie völlig harmlosen öffentlichen Shitstorm ausgesetzt.

Aber was könnte das arme Ding da gesagt haben, das sie in die Hände von Erdogans Schergen fallen ließ? Hat sie vielleicht Udo Lindenberg zitiert und Indianer gesagt? Oder ein sexistisches Gedicht vorgelesen, das in der westlichen Welt gefeiert wurde? Oder hat sie sich nur nicht stark genug von der PKK distanziert? Dass man wegen sowas zittern muss, ist in Deutschland zum Glück völlig undenkbar.

Erst nachdem Außenministerin Baerbock geraubte Kulturgüter an Afrika zurückgegeben hatte, wurde so manch jungem Deutschen klar, dass wir auch mal Kolonien hatten. Aber der einst in Deutsch-Südwest geborene Geist ist noch am Leben.

Es sind die deutschen Fußballvereine, die über die letzte Möglichkeit verfügen, sich noch ganz legal Neger kaufen zu können. Und weil die alten Vertriebswege offenbar noch immer bestens funktionieren, werden jetzt in deutschen Gartencentern auch Lösungen für den kleinen Geldbeutel angeboten. Ganz eiserne Kolonialist*Innen gehen sogar noch weiter: Einfach nicht gießen, schon hat man einen Schrumpfkop.

Neues aus der vierten Etage (4): Scharia in Markranistan

Nach elf Jahren neigt sich die Ära des MN-Blockbusters „Neues aus der vierten Etage“ so langsam ihrem Ende entgegen. Geht es nach dem Wunsch des Stadtrats (und sicher auch großen Teilen des Live-Publikums), fand am Donnerstagabend die vorletzte Show in der ebenso verwinkelten wie stickigen Dachkammer statt. Ab Januar soll das Ensemble ins KuK umziehen. Dahin wird es allerdings nicht gleich alle 22 Stühle mitnehmen müssen, denn ein Sitzmöbel bleibt weiterhin unbenutzt.

Der kleine Promuchel auf der Straße versteht die Welt nicht mehr. Vor einem halben Jahr noch hätte er jede Wette darauf gewonnen, dass die nordöstliche Verteidigungslinie am Ratstisch froh darüber wäre, Nadine Stitterich endlich ausgeschwitzt zu haben. Und jetzt will man sie auf einmal nicht gehen lassen.

Muss man nicht verstehen. Genauso wenig allerdings auch den zwar legalen, aber eher nicht legitimen Schachzug der Bürgermeisterin, sich auf das bigotte Abenteuer einer Scheinkandidatur einzulassen.

Abstimmen bis das Ergebnis passt

Die Folge: Zum Dritten Mal sollte der Stadtrat der Mandatsniederlegung Stitterichs zustimmen, zum dritten Mal hat er es abgelehnt. Und das, obwohl ein Ultimatum des Landkreises vorliegt, wonach die Duma keine andere Möglichkeit hat als in fest geschlossenen Reihen einheitlich die Hände zu heben.

Nuklearer Fallout am Ratstisch

Und so flogen auch beim dritten Anlauf am Donnerstagabend wieder die Fetzen am Ratstisch. Allerdings ohne Beteiligung der Bürgermeisterin. Die hat den gesamten Stadtrat inzwischen so weit auf Linie gebracht, dass sie nur noch dabei zuzuschauen braucht, wie sich die Räte mit bis zur nuklearen Sprengkraft aufgerüsteten Worthülsen im politischen Landgewinn üben.

Inzwischen kommen sogar verbale Scharfschützen zum Einsatz, die es gezielt auf die Ausschaltung einzelner Personen abgesehen haben und nicht einmal davor Halt machen, auch unbewaffnete Versorgungstruppen aus dem Rathaus ins Visier zu nehmen.

Neuer Friedensrichter mitten im Kriegsgeschehen

Die über 30 Schaulustigen, darunter der designierte stellvertretende Friedensrichter der Stadt, hatten so ihre Mühe, dem Schlachtverlauf zu folgen. Vor allem jene Augenzeugen, die es mit Logik und gesundem Menschenverstand versuchten, waren zum Scheitern verurteilt. Schauen wir also mal kurz auf die Situation.

Die Bürgermeisterin hat sich zur Stadträtin wählen lassen, darf beides aber nicht gleichzeitig ausüben. Also muss sie entweder als Stadtoberhaupt zurücktreten oder auf ihr Stadtratsmandat verzichten.

Der Mandatsverzicht bedarf der Angabe eines Hinderungsgrundes zur Annahme des Sitzes im Stadtrat und dieser Grund ist laut Sächsischer Gemeindeordnung durch ihre Funktion als Bürgermeisterin gegeben.

Die etwas andere Logik

An dieser Stelle könnte sich einem mit logischem Verstand gesegneten Menschen zwar die Frage stellen, ob die Bürgermeisterin vor dem Hintergrund dieses Ausschlusskriteriums überhaupt wählbar war, aber die Antwort darauf würde weite Teile der Bevölkerung vielleicht nur verunsichern.

Die Hände hoch, die Reihen fest geschlossen…

Jedenfalls wäre der Fall mit dem Vorliegen eines im Gesetz verankerten Grundes abgeschlossen: Die Ampel steht auf Grün, also darf sie fahren.

Freud'scher Verdenker? Im festen Glauben an einen Druckfehler hoffte ein MN-Leser, dass sich das Problem inzwischen von selbst gelöst hat.

Freud’scher Verdenker? Im festen Glauben an einen Druckfehler hoffte ein MN-Leser, dass sich das Problem inzwischen von selbst gelöst hat.

In Sachsen hat man allerdings schon traditionell mehr Sinn für Humor. Deshalb haben die Gesetzesschmiede in Dresden – wohl auch, um dem Sein der Demokratie noch mehr Schein zu verleihen – noch eine kleine Pointe eingebaut. Obwohl die Ampel auf Grün steht, muss der Stadtrat trotzdem erst noch darüber abstimmen, dass das Grün auch grün genug ist, um losfahren zu können. Wie gesagt: DASS es grün genug ist, nicht etwa OB.

Gewissensfragen zwischen Ab- und Zustimmung

Im Grunde genommen sollen die Stadträte also in einem als Abstimmung getarnten Akt der Zustimmung lediglich ihre einhellige Legitimation dieses Vorgangs zu Protokoll geben. Das schreit allerdings auf einem schon historisch durch seine Streitbarkeit bekannten Schlachtfeld wie Markranistan geradezu nach Rebellion.

Und der gemeine homo marcransis fragt sich: Wenn es von Gesetzes wegen gar nicht anders möglich ist als der Bürgermeisterin im Stadtrat den Laufpass zu geben, warum muss darüber noch ab… [ähm] zu… [ähm] – na ja, also …gestimmt werden?

Da müsste doch eigentlich allein die Tatsache und eine entsprechende Feststellung des Gesetzgebers reichen? Nun gut, da sie aber nun einmal – nein, inzwischen dreimal – gefragt wurden, antworteten die Stadträte natürlich auch artig.

Gerade Linie trotz schräger Forderung

So wie Heike Kunzemann (Linke), die den vom Landkreis befohlenen Abstimmungszwang für „schräg“ hält und sich allein ihrem Gewissen verpflichtet fühlt. Oder wie Lydia Ramm von den Grünen, die politische Winkelzüge wie die Scheinkandidatur der Bürgermeisterin nicht auch noch durch ihre Zustimmung bei der Abstimmung legitimieren will.

Oder wie Rico Kanefke (CDU), der selbst vor dem bereits feststehenden Ergebnis eines Beschlusses wenigstens noch die Unterlagen einsehen will, auf deren Grundlage seine Zustimmung schon vorausgesetzt wurde.

AfD setzt deutliches Zeichen für demokratischen Rechtsstaat

Und so kam es, dass die Vertreter der Freien Wähler Markranstädt Schulter an Schulter mit der AfD plötzlich die letzten verbliebenen Verbände stellten, die in unverbrüchlicher Systemtreue noch für die Aufrechterhaltung unseres demokratischen Rechtsstaates einstanden und tapfer für ein „weiter so“ des Systems  votierten.

Das ist zwar bemerkenswert, reichte angesichts der lediglich sechs Stimmen allerdings längst nicht aus, um die einst aus der Nationalen Front hervorgegangenen Fundamente unserer Demokratie zu verteidigen, die sich durch überwältigende Zustimmungen von 100 Prozent auszeichneten.

Sorge um Zukunft des Humors

Das Ende vom Lied: Jetzt wird die Rechtsaufsicht beim Landkreis den Vorgang an sich ziehen und das verweigerte Einverständnis des Stadtrates notfalls durch eine eigene Zustimmung ersetzen. Der homo marcransis könnte sich jetzt fragen: Warum nicht gleich so? Das Team der Markranstädter Nachtschichten hingegen blickt angesichts solcher Entwicklung mit wachsender Sorge in die Zukunft und fragt sich: Wozu braucht es künftig noch Satiriker, wenn sich die Politik im Zuge kultureller Aneignung deren Werkzeuge bedient?