Hereinspaziert: Diese sympathischen Markranstädterinnen sind ab Montag für Sie da!

Die Markranstädter Nachtschichten bei einer Tasse dampfendem Morgenkaffee und knackigen Frühstücksbrötchen genießen – was braucht es mehr für einen gelungenen Start in den Tag? Ab Montag müssen Sie diese Ouvertüre nicht mehr zu Hause erleben, wo regelmäßig Zoff droht, wer den Tisch deckt, hinterher wieder abräumt oder das Geschirr abwäscht. Im Café Wendl können Sie sich jeden (!) Tag zwischen 7 und 18 Uhr von diesen sympathischen, wieselflinken und vor allem waschechten Markranstädterinnen bedienen lassen. Mit Panoramablick auf das Treiben in der Leipziger Straße und – jawollja – sogar sonntags!

Von der Suche nach einem Objekt über dessen Umbau bis zur Eröffnung am Montag hat der Markkleeberger Teigversteher Udo Wendl 13 Lebensjahre investiert, um sich mit einem Café in Markranstädt einen Lebenstraum zu erfüllen.

Die Zwischenzeit hat er aber auch ganz gut genutzt. Als „Brotagonist“ konnte er sich in den letzten Jahren in die regionale Spitze der mehlschaffenden Gilde backen. Und zwar mit astreiem Handwerk. „Bei uns gibt es keine fertigen Backmischungen. Wir machen alles selber und sogar die Brotlaibe werden noch richtig mit der Hand gewirkt“, sagt Wendl stolz.

So viel Markranstädt steckt im neuen Café in der Leipziger Straße

Und dann beginnen seine Augen noch mehr zu strahlen. „Das ist mein 50. Standort, aber sowas habe ich zum ersten Mal erlebt“, berichtet der 53-Jährige von seiner Suche nach Mitarbeitern für das neue Café. „Das komplette Team besteht aus waschechten Markranstädterinnen“, staunt er. Einige der sechs jungen Damen könnten sogar in Hausschuhen zu ihrem neuen Arbeitsplatz laufen.

Zu knackigen Frühstücksbrötchen gehört auch eine Vielzahl schmackhafter Marmeladen. Die werden bei Wendls ebenfalls hausgemacht. Das ist die Domäne von Ehefrau Gerit Wendl.

Zu knackig-frischen Frühstücksbrötchen gehört auch eine Vielzahl schmackhafter Marmeladen. Die werden bei Wendls ebenfalls hausgemacht. Das ist die Domäne von Ehefrau Gerit Wendl.

Für Gerit Wendl, die starke Frau hinter dem Chef, sind das wie sechs neue Töchter im traditionsreichen Familienbetrieb. Wieselflink und freundlich sind sie, attraktiv und haben auch richtig was im Köpfchen, wie allein die Einweisung am Kaffeeautomaten zeigte. Das Teil verfügt offenbar über Prozessoren, die Elon Musk bei der ersten Mars-Mission einsetzen will.

Schnellbesohlung zur Bedienung des Kaffee-Terminals.

Schnellbesohlung zur Bedienung des Kaffee-Terminals.

Außer Selbstzerstörungsmodus und Druckeranschluss lässt das Bohnen-Terminal nichts vermissen.

Und trotzdem haben Alexa, Emilia, Isabell und Josephine dem Aggregat schon beim ersten Versuch die aromatischsten Kaffee-Variationen entlockt, ohne dass ein Systemadministrator aus dem Silicon Valley gerufen werden musste.

Lokale Teambildung unter Freundinnen

Um den richtigen Team-Spirit müssen sich die Wendls auch nicht kümmern. Die Mädels kennen sich aus der Schule, dem Verein und aus ihrer Freizeit. Und bald werden auch ihre neuen Kunden sie kennen. Vernetzung nennt man das, wenn man direkt miteinander spricht, sich dabei in die Augen schaut und freundlich lächelt.

Milch aufschäumen mit Zukunftstechnik für die erste Marsmission. Start geglückt.

Ein Hauch von London in Markranstädt. aber der Milchaufschäumer funktioniert.

Zum neuen Genussort in der Leipziger Straße: Rund 20 Plätze bietet das Café im ehemaligen Markranstädter „Scherbelkonsum“. Die 110 Quadratmeter Fläche sind Udo Wendl quasi vor die Füße gefallen, weil die Treppe zur Hochparterre abgerissen werden musste. Weitere Plätze sollen demnächst auf einem Freisitz an der Leipziger Straße hinzukommen.

Alles was das Herz begehrt

Im Angebot ist das gesamte Spektrum aller Waren, die kurz zuvor in Wachau aus dem Backofen gezogen werden. So unter anderem fast 20 Brötchen-Varianten, 15 Sorten Brot, 12 verschiedene Kuchen und jede Menge Konditoreiwaren.

Auch herzhafte Snacks wie belegte Brote, Brötchen oder Baguettes kann man sich wahlweise an den Tisch bringen lassen oder mit nach Hause nehmen. Kaffee in allen erdenklichen Varianten, Erfrischungsgetränke oder andere Liquiditäten werden selbstredend auch ausgereicht.

Frühstück mit den Markranstädter Nachtschichten

Übrigens auch sonntags! Und damit die Leser der Markranstädter Nachtschichten dabei nicht auf ihre liebgewordene Morgenlektüre verzichten müssen, hat Udo Wendl sein Café mit hauseigenem W-LAN ausgestattet. „Weh, weh, weh, Nachtschichtenpunkt eh uh, ich kann’s schon auswendig“, lacht der neue Partner des größten Markranstädter Satireorgans der Welt.

Das Handwerk hat beim Brotagonisten Tradition. Schon 1932 wurde der Betrieb von Udo Wendls Großvater Erich in Leipzig gegründet. Einfach märchenhaft klingt auch die erste Adresse: Frau Holle-Weg. Für die Generation Z: Frau Holle war eine Milf, die in der Nähe eines Backofens wohnte, in dem das Brot sprechen konnte. So wie heute Eure Handys.

Brötchengeber für’s täglich Brot von 400 Mitarbeitern

Heute residiert das Unternehmen im Markkleeberger Ortsteil Wachau und wie sich das für eine anständige Bäckerei gehört, ist sie einer der größten Brötchengeber vor Ort. Rund 400 Mitarbeiter verdienen hier ihr täglich Brot.

Geschafft! Am Montag geht Filiale Nummer 50 an den Start. Wei Chef-Protagonist Udo Wendl eine Ader für Humor hat und Fan der Markranstädter Nachtschichten ist, hat er für eine entspannte Frühstückslektüre sogar kostenloses W-LAN installieren lassen.

Geschafft! Am Montag geht Filiale Nummer 50 an den Start. Weil Chef-Brotagonist Udo Wendl eine Ader für Humor hat und Fan der Markranstädter Nachtschichten ist, hat er für eine entspannte Frühstückslektüre sogar kostenloses W-LAN installieren lassen.

Übrigens: Beinahe wäre Udo Wendl gar nicht in die Fußstapfen seiner Vorfahren getreten. So wie ein Kfz-Mechaniker kein Motoröl trinkt oder ein Kammerjäger kein Rattengift verzehrt, hat auch der Mehlschaffende aus Markkleeberg eine natürliche Abneigung gegen berufliche Wirkstoffe. Ausgerechnet der erfolgreichste Bäcker der Region hat eine Mehlstauballergie. „Deshalb hatte ich zunächst eine Ausbildung zum Konditor absolviert und da auch meinen Meisterbrief erlangt.

Vier der sechs Markranstädterinnen im Team von Udo Wendl (Mitte): Alexa Lujan, Emilia König, Isabell Helbig und Josephine Brückom (v.l.) freuen sich auf die Eröffnung, viele zufriedene Kunden und entspannte Caféhaus-Atmosphäre.

Vier der sechs Markranstädterinnen im Team von Udo Wendl (Mitte): Alexa Lujan, Emilia König, Isabell Helbig und Josephine Brückom (v.l.) freuen sich auf die Eröffnung, viele zufriedene Kunden und entspannte Caféhaus-Atmosphäre.

Der Schritt zurück in die Mehlgilde hatte aber seinen Preis. Als Süßzahn im Konditoreihandwerk konnte Wendl auch wochentags etwas länger schlafen. Heute gehen Punkt vier Uhr in der Wachauer Bäckerei die Lichter an, um die 49 Filialen in Leipzig, Halle, Delitzsch und Chemnitz mit ofenfrischen Brötchen, Brot, Kuchen und Konditoreiwaren zu versorgen. Ab Montag auch Nummer 50 in Markranstädt.

So stolz ist Markranstädt auf Paul von Hindenburg: 92 Jahre Ehrenbürger und niemand rüttelt dran

So langsam wird das Thema „Ehrenbürgerschaft“ zu einem Alleinstellungsmerkmal für Markranstädt. Nachdem die Stadt Naunhof vor wenigen Tagen die Würden von Adolf Hitler und Paul von Hindenburg aufgehoben hat, sind deutschlandweit nicht mehr viele Kommunen übrig, die sich noch mit der in Markranstädt geübten Pflege patriotischer Traditionen messen können. Hofkasper Claus Narr hat sich mal mit der Sache beschäftigt und dabei herausgefunden, dass man in Markranstädt unheimlich stolz auf seinen Ehrenbürger Paul von Hindenburg ist. (Titelfoto: Bundesarchiv, Bild 102-14569 / CC BY-SA 3.0)

Manche Quellen sprechen von rund 150, andere von über 3.000 Städten, die sich einst damit rühmten, Paul von Hindenburg als ihren Ehrenbürger zu führen. Viele sind allerdings nicht mehr davon übrig geblieben.

In der vergangenen Woche hat mit Naunhof wieder eine Stadt ihre Würdigung zurückgezogen. Laut Wikipedia war es mindestens die 109. Kommune, die diesen Schritt nach dem 2. Weltkrieg ergriffen hat. Seitdem ist Markranstädt eine der letzten nicht linksgrün versifften Hochburgen, in der diese verbliebene Bastion patriotischer Folklore eisern verteidigt wird.

Jetzt sind auch im linksgrün versifften Naunhof die Weicheier eingeknickt. Wo außer in Markranstädt soll jetzt noch die patriotische Erinnerungskultur im Lande gepflegt werden?

Jetzt sind auch im linksgrün versifften Naunhof die Weicheier eingeknickt. Wo außer in Markranstädt soll jetzt noch die patriotische Erinnerungskultur im Lande gepflegt werden?

Freilich war es nicht nur Hindenburgs Wirken als Steigbügelhalter Adolf Hitlers, das zur reihenweisen Aberkennung der Würde des ehemaligen Reichspräsidenten führte. Und auch nicht das Ermächtigungsgesetz, mit dem Hindenburg dem Kommunisten Adolf Hitler das Werkzeug für eine tausendjährige Herrschaft übergeben hatte. Nein, viele Städte störten sich im Nachgang auch daran, dass Hindenburg sie nie besucht hatte, ja nicht einmal versehentlich durchgefahren war.

In unverbrüchlicher Treue

Ganz anders Markranstädt. Auch hier ist Hindenburg nie gewesen und ist auch nicht durchgefahren. Vielleicht hat er nicht mal gewusst, dass es das Kaff überhaupt gibt. Und dennoch stehen Gesellschaft und Kommunalpolitik seit Jahrzehnten in unverbrüchlicher Treue geschlossen hinter ihrem Ehrenbürger. Das zeugt von aufrechtem Charakter, der sich nicht wie die Fahne nach dem Winde dreht.

Mit einer Gegenstimme: Schon Hitler hatte es schwer

Schon als der Markranstädter Stadtrat in den 1990-er Jahren die erste Säuberungsaktion der Ehrenbürgerliste in Angriff nahm, wurde Hindenburg aus der Schusslinie gezogen. Der Fokus lag auf ausschließlich Adolf Hitler, der mit immerhin einer Gegenstimme aus der kommunalen Hall of Fame gelöscht wurde.

Alle Denkanstöße, die zu Hindenburg in den folgenden Jahren ans Rathaus, den Stadtrat oder die in der Stadt wirkenden gesellschaftlichen Kräfte gerichtet waren, wurden bis heute standhaft ignoriert.

Mehr noch: Spricht man die Protagonisten darauf an, stellen die ihre Verwunderung zur Schau und geben vor, von einem Hindenburg als Ehrenbürger nichts zu wissen. Gleichwohl haben sie auch danach bis heute nichts unternommen.

Wer weiß denn sowas?

So haben die Markranstädter Nachtschichten in den letzten zehn Jahren acht mal und die Leipziger Volkszeitung drei mal darauf hingewiesen, dass hier möglicherweise Denkbedarf besteht. Doch offenbar hat, wenn man nachfragt, ausgerechnet diese elf Beiträge in Markranstädt nie jemand gelesen.

So ein Zufall aber auch

Die drei LVZ-Artikel sind wahrscheinlich zufällig durchgerutscht und die Markranstädter Nachtschichten werden in diesen Kreisen aus Gründen der Vorsorge zumindest offiziell gar nicht erst beachtet. Auf diese Weise kann man hinterher immer stolz mit Nichtwissen prahlen.

Eine der letzten Listen, in der die wahren Lebensleistungen eines Menschen für seine Heimatstadt gewürdigt werden,. Hörrr wörrrd nöcht drrran gerrröttelt!

Eine der letzten Listen, in der die wahren Lebensleistungen eines Menschen für seine Heimatstadt gewürdigt werden,. Hörrr wörrrd nöcht drrran gerrröttelt!

Spätestens seit selbst die Verfechter der Demokratie, die den Markranstädter Marktplatz im vergangenen Jahr mehrfach mit bunten Regenbögen überzogen hatten, nicht an ihrem Ehrenbürger Hindenburg rütteln, kann hier kein Zufall mehr im Spiel sein. Direkt mit dem Fakt konfrontiert, zeigten sich die Initiatoren damals auch erst verwundert, wollten sich des Themas allerdings annehmen. Das war im Oktober 2024.

Zeichen setzen, keine Taten

Tagträumende Optimisten mögen argumentieren, dass inzwischen auch dort die Erkenntnis gereift ist, dass Zeichen setzen einfacher ist als zu Taten zu schreiten. Zumal auch in diesen Kreisen noch nie jemand von Ilse Pfannenberg gehört hat, die für Markranstädt mehr getan hat als alle deutschen Politiker der letzten 70 Jahre zusammen und der man die Ehrenbürgerwürde trotzdem nicht geben wollte.

Bei all dem Schweigen und der jahrzehntelangen Tatenlosigkeit darf einem mit Fug und Recht die Überzeugung beschleichen, dass hier viel mehr im Spiel ist als eine Würdigung von Lebensleistungen.

Der Stolz der Söhne und Enkel

Es ist der patriotische Stolz auf einen großen Sohn der Stadt, der in Markranstädt unerschütterlich weiterlebt. Ein ehernes Gefühl, zu den wahren Enkeln eines Reichspräsidenten und damit zugleich auch irgendwie zum erweiterten Bekanntenkreis des Führers zu zählen. Wer kann das heute noch von sich behaupten?

Sein Andenken wird in Markranstädt eisern gepflegt. Ein großer Sohn der Stadt. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R17289 / CC-BY-SA 3.0

Sein Andenken wird in Markranstädt eisern gepflegt. Ein großer Sohn der Stadt. Bild Bundesarchiv 183-R17289 / CC-BY-SA 3.0

Und für alle noch lebenden wie künftigen Ehrenbürger der Stadt ist es eine zusätzliche Ehre, auf der gleichen Liste geführt und in einem Atemzug mit Paul von Hindenburg genannt zu werden. Das wollen und dürfen wir uns nicht nehmen lassen!

Authentische Verwunderung

Machen wir uns nichts vor: Auch diesen inzwischen neunten MN-Beitrag zum Thema Ehrenbürgerschaft wird man im Rathaus und Stadtrat oder bei den Verteidigern der regenbogenbunten Demokratie natürlich wieder nicht lesen. Denn das ist die einzige Möglichkeit, um mit authentischer Verwunderung reagieren zu können, wenn irgendwann mal wieder die Sprache auf den Markranstädter Ehrenbürger Hindenburg kommt. Also wird auch jetzt wieder nichts passieren.

Rat zum richtigen Umgang

MN-Tipp für Leser: Insofern können Sie, wenn Sie dies Poem fertig gelesen haben, das Thema auch gleich wieder vergessen. Es sei denn, Sie haben irgendwann mal vor, sich in Markranstädt an einer Demo unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“ oder sowas in der Art zu beteiligen. Wenn Sie Ihr jetzt erworbenes Wissen bis dahin nicht für eine konkrete Handlung genutzt haben, sollten Sie zumindest darüber nachdenken, ob das wirklich Ihre Veranstaltung ist.

Neues aus der vierten Etage: Finde die Fehler!

Die Aussichten auf die kommenden Tage sind in Markranstädt wesentlich rosiger als der Rückblick auf die vergangenen Woche. Am 31. März eröffnet der Mehlschaffende Udo Wendl aus Markkleeberg sein neues Café in der Leipziger Straße. Ein leider weniger erfreulicher Vergleich mit Markkleeberg drängte sich zuletzt allerdings im Markranstädter Stadtrat auf. Der hatte am Dienstag eine Sondersitzung zelebriert, die an Fahrlässigkeit im Umgang mit wertvoller Lebenszeit nichts zu wünschen übrig ließ.

Es war ein Wink des Schicksals. Am Dienstag beschäftigte sich der Markranstädter Stadtrat mit seinem Flächennutzungsplan (FNP), am Mittwoch tat die Markkleeberger Duma selbiges mit ihrem. Selig sind, die da vergleichen können.

Die Dringlichkeit zur Einberufung eines Sonderstadtrates in Markranstädt ergab sich offenbar aus dem Umstand, dass der zur Beschlussfassung vorgelegte Papyrus schon im Mai 2024 beschrieben wurde und bald zu zerbröseln drohte.

Trotzdem oder gerade deshalb beschwerten sich einige Räte, dass ihnen nicht einmal zwei Wochen Zeit gegeben wurde, um wenigstens den Staub von dem mehrere hundert Seiten starken Konvolut zu blasen.

Hörbuch von Morpheus

Zudem wurde am Dienstagabend im Ratssaal gut die Hälfte der zweieinhalb Stunden vertaner Lebenszeit einer ausführlichen Darstellung der Rolle der Bedeutung gewidmet. Ein durchaus edles Ansinnen, um Publikum und Neu-Stadträten den Unterschied zwischen einem Flächennutzungsplan und einer Montageanleitung von Ikea zu verdeutlichen.

Allein Anlass, Länge und Inhalt der Vorträge schienen wenig geeignet, dies hehre Ziel zu erreichen. Die Last der Informationen wollte die Augenlider im Saal wie eine Überdosis Valium hernieder drücken.

Feuer auf Scheinstellung

Die volley vom Ratstisch ausgesandte Kritik („Verlesung von Baurecht, erstes Studienjahr“) war durchaus berechtigt, richtete sich aber wohl wieder mal an die falschen Adressaten. Wer die inzwischen fest etablierten Gepflogenheiten der Kommunikation im Rathaus kennt – und die Stadträte sollten sie kennen – der müsste zumindest ahnen, dass da in Erwartung des Fangschusses humanoides Kanonenfutter vorgeschickt wurde.

Das Volk und seine Satiriker können das natürlich nicht wissen. Sie bauen sich ihr Kopfkino selbst zusammen und was dabei rauskommt, ist natürlich völlig falsch, haltlos und untragbar. Eine dieser selbst zusammengereimten Lügengeschichten klingt ungefähr so:

Der Ablauf im Volksmund

Da gibt’s also den Auftrag an zwei Bauamtsmitarbeiter, zum unterhaltsamen Dekor der trockenen Tagesordnung einen Vortrag zur Rolle der Bedeutung auszuarbeiten. Keine vier Wochen später ist das Papier so weit, um auf höchster Ebene seine Absegnung erfahren zu können. Theoretisch.

Praktisch muss zuvor noch ein von Bauwissen befreiter Spezialist drüberschauen, der den Entwurf mit seinem Rotstift nach versehentlich darin enthaltenen Lösungsvorschlägen oder gar zu progressiven Aussagen durchforstet, auf die man das Rathaus später mal festnageln könnte.

Vom Urheber zum Gewichtheber

Erst nach Vollzug dieser Prüfungsetappe gilt das Pamphlet als mundgerecht für die finale Entscheidungsebene zugelassen. Wo es dann durchaus trotzdem noch als zu kurz, zu lang, zu einfach, zu kompliziert oder zu detailliert benotet und deshalb zur erneuten Überarbeitung an den Ursprung zurückgereicht werden kann.

Wider der Genfer Konvention

Egal wie: Was am Ende dabei rauskommt, ist nicht mehr das Produkt jener Verfasser, die es als das Ihre vortragen dürfen. Und trotzdem müssen die armen Delinquenten nicht nur die öffentlichen Prügel dafür einstecken, sondern auch auf eine fachgerechte Wundversorgung verzichten.

Zum Glück alles nur Hirngespinste

Aber wie gesagt: Die Beschreibung dieses Vorgangs ist das Produkt kranker Phantasie des Volkes und deshalb kein Vorwurf an den Stadtrat, mit seiner Kritik zu ziellos oder zu unsensibel herumzufuchteln. Bomben und Auszeichnungen treffen sowieso immer die Falschen.

Zurück zur Realität: Am Ende ging es im Stadtrat in der Tat nur noch um die Rolle der Bedeutung. Und so wurde der Tagesordnungspunkt nach zweieinhalb Stunden verbalen Dauerfeuers aus allen Gräben quasi ergebnislos beerdigt.

Zurück blieben rund 20 sprachlose Zuschauer, denen zu allem Übel auch noch das Schauspiel um die Baufläche in der Leipziger Straße 70 widerrechtlich versagt wurde. Da bleibt man künftig wohl doch lieber zu Hause und zieht sich die Live-Übertragung eines Halma-Spiels rein.

Zuschauen und lernen …

Gleiche Szene, anderer Ort: Am nächsten Tag begann im Markkleeberger Ratssaal der Showdown für den Flächennutzungsplan der Großen Kreisstadt. Dass das Prozedere hier immerhin anderthalb Stunden dauerte, lag daran, dass transparent über jede der 68 Einwendungen aus der Bürgerschaft separat beschlossen wurde. Aber damit war der Drops dann auch gelutscht.

Erläuternde Ausführungen zur Rolle der Bedeutung eines FNP gab es im Markkleeberger Ratssaal zwar auch, aber hier trug der Oberbürgermeister seinen Psalm gleich selbst vor und so war diese Messe binnen vier Minuten gesungen.

Kampf in den Katakomben, Frieden in der Arena

Freilich gab es auch in Markkleeberg reichlich politisches und fachliches Gerangel. Aber dort hat man sich die Peinlichkeit erspart, das im Stadtrat vor Publikum auszutragen. In Markkleeberg nutzt man zur Vorbereitung von Beschlüssen die Ausschüsse.

Satte 19 Stunden Sitzungszeit, so Oberbürgermeister Karsten Schütze, hat er seinen Stadträten zur Beratung über den FNP in den vorbereitenden Gremien gegeben. Dort konnten sie sich so lange und so ausgiebig ihre Felle gerben, bis das Papier beschlussfähig war. Erst dann ging es in den Stadtrat und, wenig erstaunlich, wurde dort volley beschlossen.

Markranstädt und Markkleeberg: Zwei Suchbilder mit scheinbar gleichen Motiven. Finde die Fehler.

Endlich: Frauen fordern Rückkehr der Apartheid im Nahverkehr

Spätestens seit der 1968 erfolgten Anerkennung der Sorben als nationale Minderheit der DDR ist die Rassentrennung im Osten Deutschlands überwunden. Abgesehen von ein paar Ostfriesen, ein paar Millionen ostdeutscher Wanderarbeiter und einer unbedeutenden Minderheit von FDP-Mitgliedern gilt das inzwischen übrigens auch für den Westen. In den USA hat der Prozess etwas länger gedauert. Doch kaum dürfen auch dort Schwarze in den Zugabteilen der Weißen sitzen, regt sich in Deutschland eine Initiative, die in den Waggons der Bahn ein Wiederaufleben der alten Tradition einführen will.


In Deutschland ist eine Petition im Gange, die eine Trennung der Passagiere im öffentlichen Nahverkehr fordert.

Diesmal zwar nicht nach Weißen und Schwarzen, aber das Instrument ist das Gleiche wie das, was den Ku-Klux-Klan bis heute so erfolgreich macht.

Frauen wollen eigene Waggons. Eine längst überfällige Forderung, die zwar nach Sexualrassismus klingt, aber ihre absolute Berechtigung hat. Das zu verstehen, hilft ein Blick in die Historie.

For your wifes only

Denn die Abschaffung der Apartheid hatte auch in Deutschland ein tiefes Loch in die Gesellschaft gerissen. Weil der Deutsche Michel immer was zum Trennen braucht, drohte sein Geist mangels diskriminierbarer Rassen nun zu verkümmern.

Im DDR-Politbüro wusste man darum und hatte deshalb die Trennung auf vielerlei anderen Gebieten gefördert, um den Michel abzulenken. Mit der Trennung zwischen Ostmark und Geld beispielsweise oder Parteisekretären und Menschen, Arbeitern und Berlinern, Hammer und Zirkel, Genossen und Intelligenz oder Musik und Oktoberclub.

Das hat eine ganze Weile funktioniert. Wohlgemerkt: Schon 1968! Damals waren die Busse in den USA vorn noch für Weiße reserviert, während Schwarze im Heck hinter dem Kasten mit dem Streugut Platz nehmen mussten. Selbst im Falle einer Notbremsung war es den Negern bei Strafe verboten, nach vorn zu kullern.

Einheit statt Trennung

Im Osten Deutschlands ist man mit der Trennerei ganz gut über die Runden gekommen. Bis zum Mauerfall. Die Tinte unterm Einigungsvertrag war noch nicht trocken, da wurde dem Ossi schon gewahr, dass die Trennung vom Ehepartner, die es als soziale Errungenschaft bis dato quasi für lau gab, plötzlich unbezahlbar wurde. Was nützt die neu gewonnene Reisefreiheit, wenn einem auf dem Trip nach Thailand ständig der eigene Partner an den Hacken klebt?

Der Frust darüber währte aber nur kurz, denn bald schon wurde dem Michel eine neue Möglichkeit der Selektion geboten: die Mülltrennung.

Hier konnte die Tugend der deutschen Gründlichkeit allein bei der fachgerechten Entsorgung eines Teebeutels bis zum Exzess ausgelebt werden. Der Inhalt kommt in die braune Biotonne, der Faden in den Textilcontainer, die Stahlkrampe, die den Faden am Beutel fixiert, kommt in den Schrott und der Beutel sowie das kleine Schildchen in die blaue Papiertonne.

Das Ende der Trennungskultur

Doch irgendwann wurde auch das zu langweilig und es setzte die endgültige Verwahrlosung der Trennungskultur ein. Wegen Versetzungsgefährdung ganzer Schulklassen wurde das Bildungsniveau angepasst. Silbentrennung ist seither Glückssache, deshalb in jedem Fall richtig und macht folglich keinen Spaß mehr.

Auch in der Freizeit hat sich Tristesse breitgemacht, seit es im Jugendfußball keine Trennung zwischen Siegern und Verlierern mehr gibt. Jeder bekommt einen Pokal. Nur der Schütze des vermeintlichen Siegtores muss sich nach dem Spiel gegenüber der Gleichstellungsbeauftragten des Vereins rechtfertigen. Hat der renitente Bengel mit seinem Treffer die gegnerische Mannschaft vielleicht als Verlierer diskriminieren wollen?

Der Rasierer wird weiblich

Auch in der Politik gibt es inzwischen keine Trennung mehr, seit sich die selbsternannte Mitte quer durch die Farbpalette des Regenbogens miteinander vermischt. Das Ende vom Lied: Selbst die Geschlechterrollen wurden vereinheitlicht – der Rasierapparat wird jetzt von allen 75 Geschlechtern vereinnahmt.

Die nun eröffnete Forderung nach Trennung von Frauen und Männern im deutschen Nahverkehr ist eine logische Folge dieses ungelösten Konflikts. Allein für Satiriker ist das Kopfkino unbezahlbar.

Frauen suchen hektisch nach ihren Waggons, Männer folgen artig mit dem Gepäck.

Frauen suchen hektisch nach ihren Waggons, Männer folgen artig mit dem Gepäck.

Schon sieht man auf den Bahnsteigen bereits 30 Minuten vor der Abfahrt des Zuges hektisch kreischende Frauen auf der Suche nach ihrem Waggon „Femmes only“ umherirren, gefolgt von männlichen Kofferträgern, die auf dem Heiratsmarkt günstig erstanden wurden und jetzt demütig unter der Last ihrer Bürde hinter ihren Herrinnen her ächzen.

Allerdings ist die Online-Petition für Frauenwaggons noch immer viel zu halbherzig formuliert. Lediglich die Rechte der Frauen kommen dabei zum Ausdruck, kein Wort über die Pflichten der Männer.

Da muss noch mehr kommen!

Wie müssen sie sich verhalten, wenn sie (natürlich nur um den Koffer ihrer Herrin im Abteil zu verstauen), einen Frauenwaggon betreten? Müssen sie als Beweis ihrer Zutrittsberechtigung die Hose runterlassen und ihr Brandzeichen zeigen?

Wo sind die Konsequenzen?

Welche Strafen drohen ihnen, wenn sie sich unrechtmäßig in einem Damenwagen aufhalten? Müssen sie dann möglicherweise zurück auf die Plantage und den Rest ihres Lebens Spargel stechen? Und schließlich: Sollten männliche Zugbegleiter, die in Frauenwaggons Fahrscheine kontrollieren, vorher sicherheitshalber kastriert werden?

Ähnlich wie auf Zigarettenpackungen sollten an den Damenwaggons Warnhinweise zur Abschreckung gegen unberechtigtes Betreten durch toxische Männer angebracht werden.

Ähnlich wie auf Zigarettenpackungen sollten an den Damenwaggons Warnhinweise zur Abschreckung gegen unberechtigtes Betreten durch toxische Männer angebracht werden.

Wir erkennen: Allein mit der Forderung nach geschlechtlicher Apartheid im Nahverkehr ist es noch nicht getan. Es bedarf der Mitwirkung kompetenter Ausschüsse und breit aufgestellter Arbeitsgruppen, die diese Petition mit einem gesellschaftlich tragfähigen Gesamtkonzept unterfüttern. Dazu sollte nicht zuletzt auch ein Warnhinweis an den Waggons gehören.

Die Freuden der Männer

In etwa so: „Die Stereotype, die in diesem Wagen gelebt werden, waren früher falsch, sind es aber heute nicht mehr. Anstatt die Inhalte des Waggons zu entfernen, ist es uns wichtig, ihre Auswirkungen aufzuzeigen, aus ihnen zu lernen und Unterhaltungen anzuregen, die es ermöglichen, die Trennung von Menschen nach biologischen Merkmalen nicht als Diskriminierung anzusehen.“

Dieser Lerneffekt bedient übrigens auch eine uralte Sehnsucht der Männer. Endlich mal in Ruhe Bahn fahren und nur dem Takt der Gleise lauschen. Ohne ständig von Fragen genervt zu werden, ob zu Hause das Bügeleisen rausgezogen oder die Haustür abgeschlossen wurde.  Damenwagen: Es ist eine Petition für Männer.

Live aus Markranstädt: Rechtschreib-Kurs mit Verhütung durch 100-jährige Eier

Da rechnet man fest mit einem weiteren satirischen Feuerwerk aus der vierten Etage – und dann wird das Event plötzlich abgesagt. Aber nicht nur das. Während sich die Lallendorfer Mandatsträger Sorgen um die Streitkultur und vor allem sich anstauende Bürgerfragen machen, denkt niemand an die Markranstädter Nachtschichten. Für uns ist eine abgesetzte Stadtratssitzung gleichbedeutend mit einem vierwöchigen Berufsverbot. Wo bleibt der solidarische Aufschrei aus der Bürgerschaft?

Zum Glück gab es im Laufe der Woche eine Erfolgsmeldung auf ganz anderem Parkett: Die Markranstädter Nachtschichten haben einmal mehr ihren sich selbst auferlegten gesellschaftlichen Bildungsauftrag erfüllt!

Wir erinnern uns: In der Lehranstalt nahe einer der meistbefahrenen Transitrouten Deutschlands hatte sich der pädagogische Körper eine eigene Strategie zurechtgelegt, um das Klassenziel zu erreichen. Das Motto: Wenn die Schüler nicht zum Pisa-Ziel gelangen, muss das Pisa-Ziel eben zu den Schülern kommen. Und so sah diese Lösung aus:

Nach einem dezenten Hinweis der Markranstädter Nachtschichten erfolgte nun das längst fällige Umdenken, gepaart mit einer Rückkehr zu den Grundregeln der deutschen Rechtschreibung.

Mit ausnahmslos positiven Folgen. Unser Volkskorrespondent frohlockte in Anbetracht seines Fotos: „Jetzt ist unsere Rente wirklich sicher!“ Und der Lehrkörper muss jetzt nicht mehr den Kindertag feiern, sondern darf in voller Würde den unter Schülern auch als „Opferfest“ bekannten Lehrertag begehen.

Dass man an der Schule ganz von allein darauf gekommen ist und das nichts mit den im Markranstädter Westen auf dem Index stehenden Nachtschichten zu tun hat, versteht sich von selbst. Wir feiern trotzdem.

Apropos Bildung: Wer im Biologie-Unterricht seine Ohren gespitzt hat, weiß zumindest theoretisch, wie Kinder in den Bauch der/des Mutternden gelangen. Im Umkehrschluss erklärt der Akt auch, wie man die Entstehung einer Lendenfrucht verhindert.

Die Bienen …

Dazu muss einfach nur der Weg der Spermien hin zum Uterus unterbrochen werden. Deshalb forschten Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Wegen der Geburtenkontrolle bislang stets im anatomischen Untergeschoss des menschlichen Fruchtkörpers.

Der Kinder in den Bauch quatscht

Mit einem ganz neuen Ansatz sorgten jetzt Medizin-Journalisten des Fernsehsenders n-tv für Aufsehen.

Mondo "oral": Jetzt besonders bissfest!

Mondo „oral“: Jetzt besonders bissfest!

Weil er schon mehr als 500 Kinder gezeugt hat, sollte einem Samenspender nun das Handwerk gelegt werden. Das geschieht üblicherweise so, dass man das dazu erforderliche Werkzeug unbrauchbar macht, indem man beispielsweise ein Kondom drüber zieht. Das hat man auch in diesem Fall getan, allerdings sozusagen auf höherer Ebene.

Der MN-Tagestipp

Vergessen Sie einfach mal, was Sie im Bio-Unterricht gelernt haben und lassen sich statt dessen auf die Szenen ein, die Ihnen jetzt gerade so durch den Kopf schießen. Vielleicht hilft Ihnen dabei auch dieses Angebot einer norddeutschen Bäckerei?

Das war zu erwarten: Kaum hatte das Seniorenfernsehen des MDR über die nahende Vogelgrippe berichtet und für das kommende Osterfest den Katastrophenfall ausgerufen, waren anderntags in Markranstädt die Eier alle. So lässt sich der Markt ankurbeln. Hat schon damals beim aufziehenden Corona-Virus mit dem Klopapier hervorragend geklappt.

Mache Eier, die werden knapp!

Allerdings mit einem Unterschied, der den Intellekt des homo marcransis in nicht gerade hellstem Lichte strahlen lässt. Mit dem anno 2020 gehorteten Klopapier kann man notfalls auch heute noch seine Andreasspalte auskratzen und die Manschette polieren. Anders ist das mit den Eiern. Zwar ist Ostern schon in sechs Wochen, aber einem Ei hat der Schöpfer lediglich eine Haltbarkeit von vier Wochen bis zum Verzehr ausgestellt.

Kein Fake: Dieses 100-jährige Ei lag vor 14 Tagen auf dem Teller eines Markranstädters, der in China die landestypische Küche genießen wollte. Er kam gerade noch dazu, ein Foto abzuschicken.

Kein Fake: Dieses 100-jährige Ei lag vor 14 Tagen auf dem Teller eines Markranstädters, der in China die landestypische Küche genießen wollte.

Aber keine Angst, man kann Eier auch weit nach dem Verfallsdatum noch genießen. Die Chinesen machen uns das mit ihrer Spezialität der „100-jährigen Eier“ vor. Wie das aussieht, hat kürzlich ein MN-Leser aus Markranstädt auf seiner Reise durch das Reich der Mitte erfahren und uns sogleich ein Foto davon geschickt.

Bon Appetit, oder wie der Chinese sagt: "Flöhliches Elblechen."

Bon Appetit, oder wie der Chinese sagt: „Flohe Osteln.“

Es war leider sein letzter Kontakt mit uns. Seither hat er sich nicht mehr gemeldet. Als Optimisten vermuten wir, dass er auf den Geschmack gekommen ist und mit den Chinesen jetzt einen Deal mit „100-jähligen Eieln aus Malklanstädt“ aushandelt. Davon wird es zu Ostern so viele geben, dass wir ruhig ein paar davon abgeben können.

Trotz Dumping-Preis: Markranstädt erteilt Billig-Kanzler eine Abfuhr

Obwohl er sich mit einem Stundenlohn von nur 15 Euro als billigster Kanzler aller Zeiten beworben hatte, wollte man Olaf Scholz nicht haben. Nicht in Deutschland und auch nicht in Markranstädt. Dabei waren den Wählern schon seine Ausreden zum Cum-Ex-Skandal viel zu billig. Offenbar steht das Haushaltsloch, das er mit einem Tagessalär von 120 Euro in den Bundesetat reißen würde, in keinem Verhältnis zu den Leistungen, die man ihm noch zugetraut hat. Aber wie lief die Wahl in Markranstädt sonst so?

Das Wahlergebnis in Markranstädt ist ein klares Statement gegen die Mobilitätswende: Sowohl der Sieger als auch der Zweitplatzierte stehen für Verbrenner.

Mit dem gelernten Kfz-Mechaniker Edgar Naujok (AfD) und Autohaus-Betreiber Dirk Heuter (CDU) standen sich zwei Kontrahenten gegenüber, die buchstäblich Benzin im Blut haben.

Am Ende hatte der Christdemokrat aber ein paar PS zu wenig unter der Haube und wurde vom blauen Boliden regelrecht überrundet.

Windeln aus Oggersheim

Die klaren Sieger in den Markranstädter Wahllokalen waren die AfD und ihr Frontmann Edgar Naujok. Und das nur drei Monate nachdem der Neu-Göhrenzer mit rheinland-pfälzischem Migrationshintergrund als einer von nur drei AfD-Kameraden dem 15-Euro-Kanzler Olaf Scholz das Vertrauen ausgesprochen hatte.

Ob das Markranstädter Wahlvolk damit auch einen Erwartungsvorschuss in die Urnen gestopft hat, gilt indes als ziemlich wahrscheinlich. Denn in Naujoks Adern fließt das gleiche lokale Plasma wie einst im Körper von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Die Töpfe, in denen die Windeln beider Politiker einst ausgekocht wurden, standen in Oggersheim.

(Grafiken/Diagramme: Opendata von https://wahlen.regioit.de)

Zumindest konnte CDU-Herausforderer Heuter auch eine dreistellige Wählerzahl mit ins traute Heim nach Kitzscher nehmen. Das war allerdings auch schon alles, was er sich an die Wände der Showrooms in seinen Autohäusern nageln kann.

CDU gewinnt bei Alphabeten

Interessante Interpretationen haben indes die unterschiedlichen Ergebnisse zwischen Direktwahl und Briefwahl zugelassen. Während die AfD in den Wahllokalen ihre Gegner regelrecht überrundet hat, konnten auf dem anderen Parkett in Markranstädt die Christdemokraten punkten. Die Konservativen lagen bei der Briefwahl klar vorn und das sollte wohl zeigen, dass deren Wähler lesen und schreiben können.

Bildungselite sitzt in Göhrenz

Apropos: Einzig die Ortschaft Göhrenz verdiente sich am Wahlabend mit 100 Prozent gültiger Stimmen die Bestnote in der Pisa-Studie. Dieses vor allem kulturell historische Ergebnis wurde nach Meinung von Experten allerdings dadurch begünstigt, dass die sorbische Minderheit in Markranstädt nicht mit einer eigenen Liste angetreten war.

Abschließend senden wir einen herzlichen Dank an die 105 Markranstädter Wahlhelfer, die in den 13 Direkt- und 2 Briefwahllokalen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben.